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Full text of "Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder, nach authentischen Quellen bearbeitet"

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DER 



BUT.tolARIA-THERESIEN-ORDEN 



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SEINE MITGLIEDER. 



XACH ACTHKXTISIMIEN (JÜELLKN BKAKBKITKT 



\0N 



Du. J. niRTEXFELI). 



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ZUR ERSTEN SACULARFEIER 1857. 




1 






WIKN. 



Af S DEK K.WSE!JI,l(II.KnNli;|,li'in:\ HiiK- INI) STAATSiiUI (KintKI. 



I?f.')7. 



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ZWEITE ABTHEILUNG. 



1805-1850. 



n. 



Periode. Der dritte Coalitionskrieg gegen Frankreich 

asos). 



inei Macht gietroffen, 
den Jahren 1801 und 
ine Weise TerSnJorto, 
□n Frankreich sbhin- 
JuU 1SU3 den pSn- 
erblichen KbIbct der 

an und Tereinigte die 
Si?ine gewaltige Hand 

iusseiste Ende Italien«, 
als Naohfolget Karl's 



iichulnacn Uaseregeln, weiclie Boiiapsrte zur Ausdehnucg se 
■■ (HU Eorop» gegen ihn bewaffnen. Nicht allein , dass er Bchoa in 
A* V«rfkMungen der italienischen Republiken und der Schweiz auf e 
ihre {"^titisahe Selbstständigkeit verloren hatten und ganz v 
er ilcli Im August 1803 zum lebenslänglichen Consul crhclien, im 
de* Beidle» Neapel militärisch besetzen und im Mai 1S04 aU 
I uunifcD; im März 1805 nahm er die itaüenia^e Känigswilrdo i 
Br)nihlil[, die Herzogthümcr Parma und Piacenra mit Franlireich. 
* BOB Tom baltischen Meere durch Deutachland, die Schweiz bis an das 
n |*b Botcthohlrn die Abaicht kund, sich als den Kaiser des Oocidentes, 
Oia«i«n geltend zu machen. 

Caler dieaen Umataaden nahm Kaiser Franz am 14. August 1804 den Titel als Erbkaleer 
Ibwrileh Hl, vodorch die eeit Ferdinand T, facCisoh bestehende Monarchie einen gemein- 

■ hMA criüelt. der gewisserm aasen den Soblussstein des Staatsgobäudes und der pragüiaü- 

■ Iwuttew bildete. 

B^Mid batl« schon am 18. Mai ISO."} an Frankreich den Krieg erklärt; mit England ver- 

Intfcb BVMlaod und Schweden, und Österreich schloss sich am 9. August 180fi dieser Allianz 

FraDkreicha an. Preussen blieb neutral. Bonaparto wollte eine Landung 

und liesa zahlreiche Truppen an der den britischen Inseln gegcnüberliegän- 

kEIrtt bd BoDlogn« *e»«inineln und die Flotten vorbereiten, welche dieses Heei über den Canol 



b dem Kwlaebeti Öslerreieh und Rcssland abgeachlossenen Übereinkommen hatte sieb 
■ ««r|AMM<l, ll&,DOO Mann in diesem Kriege zu verwenden. 25,000 Mann sollten sieh auf 
Mm IsmIs «Hnmeln und gleichzeitig mit einem in Malta stehenden englischen Corps in 
I iMiJtiii. 10,000 Mann durch Galizien und Österreich — da Preusen seine strenge Neutialitlt 
en trollte und den Durchmarsch der russischen Truppen verwehrte — an die obere 
i4 am 36. October am Inn eintreffen, 40,000 Mann endlich Über Lublin an die 



Alt ««•oiUieher Grundsatz für den Feldzug wurde angenommen, dasa die Operationen 
üb ItallcD mit Kraft heginnen sollten, um Frankreichs schwächste Seite, die FYancfae 
h dl* Schweiz angreifen zu kSnnen; demzufolge sollte man in Deutschland var- 
B bescbiäokt bleiben und so lange dabei beharren, bis man entweder in 



750 

ItiHen eine entscheidende Schlacht ^wonnen hitte oder die Vereinigimg mit den RiuiM 
SiAnle irekozsizien vire. In Italien sollte Alles angewendet werden, am den Feind b< 
za einer entscheidenden Schlacht za zwingen; gelang die«, so sollte dann der Feind Ton 
Vntemehniü&g gegen Tirol abgehalten werden, ging aber die Schlacht verloren, so soDli 
. Amee aa$ Italien sich nach Tirol werfen, den Feind in der Terra Ferma aber durch eine 

l Besatzan« Venedigs festhalten. Die Armee in Deutschland hine so weit als moeüch in Schi 

einzurücken . dabei aber doch die \ ereinigung mit den Russen — ein Hauptzweck ihrer 
t tionen beim B^nne derselben — im Auge zu behalten. Sollte sich der Feind auf dem 

\ Donau-Ufer mit einer überlegenen Macht auf sie werfen, so hätte sie sich längs dem Fnae 

Gebirge auf die Russen zurückzuziehen, und für den Fall, dass die Armee wegen der T< 
I düng mit denselben bis an die SaLza zurückweichen müsste. wäre Salzburg in Yerthelc 

stand zu setzen. Wenn aber die feindlichen Operationen am linken Ufer der Donau 
oder gar gegen Regensburg stattfänden, so dürfte doch die erste Richtung des Marsches 
Bayern keine Änderung erleiden; in diesem Falle musste die Armee beim Hinausrüekea 
München sich erst nach der Donau wenden, um den Feis^d entweder durch eine Stellung 
dem Flusse oder durch einen Übergang und Bedr^'hen seiner Operationslinie so lange 
halten suchen, bis die herangekonmienen Verstärkungen eine entscheidende Schlacht zu 
erlaubten. Wird diese gewonnen . so sollte der AngriS auf die Schweiz um den 
herum über Stockach erfolgen: ginge die Schlacht rerioren und das Heer in Dei 

1 würde zum Rückzuge genothigt. so müsse die Armee in Itaüen. selbst wenn sie siegte, sich 

die Eroberung von Mantua und Peschiera beschränken, ein bedeutendes Corps nach Tirol 
senden und den Feind, der unterdessen dort einsredruncen sein k-Tnnte. werfen, tmi durck 
Vorriickung gegen Bayern die rechte Flanke des g^gen die £rbs:aa:en Tordringenden 
zu bedrohen. 






.\uf Grund dieses Planes wurde auch die kaiserliche Armee dereestalt venheilt. dats 
Italien 171 lUtaillone. 96 Schwadronen Sö.5i\> Mann Inian:erie. 96 w Reiter . nach Sfid-I 
äl lUtaillono. 6 Schwadronen, nach Nord-Tircl 44 Bataillone. 10 Schwadronen (ti 
32.000 Manu Infanterie. 1600 Kei'.ef, uni nach De:i:scilani SS Eiiaillone, 14S S< 
(44.000 Mann Infanterie und 14.S00 Reiter* kamen. Den Oberbefehl in Italien führte 
Karl, jenen in Deutschland Erzherzoc Ferdinand d'Este. Seine MajesüLt harre die Abiidil» 
in eigener Person »ich zum Heere nach Deutschland zu begeben, und ernannte den 
schalM.ieutenaut Mack zu Ihreiu General -ijuartiemieister. an welchen jene der beiden 
herzöge angewiesen blieben. In Tirol coniniandine Erihcri:; J chann. unter ihm FeldmaneW*" 
l.ieutonam Jellachich bei Innsbruck und Ims:, -^ni A"^:';en: erg lei Nauders tind Glam* 
Süden dieses l..tnvle* stand Fclvlnian?chall-Lieu:enin: Uiller 'ini war an die Befehle des 
zog* Karl gt*w lesen. Au ff eaberg hatte die Fesd-^ni-^ng. die Unternehmungen der Gencrt»* 
H i 1 1 e r und J c U a c b i c h nach Bedarf <:u un:er^:ür£en. 



Für die Armee in Deutschland waren SO-O«» R::ssen bestimmt, die aber erst 
Endo October daselbst oir.trerfen konnten. Am oO. August war K^tusow mi: der ersten An«* 
bei l.ombcrg aug^^kv^unre«. Die r^^cite ua.'h IVutschljuii besdmmte nickte unter Buxhoxdem 
an die Gren/e \o« Galincn. 

In Nor\MVutschland seilten öO.OOO Er.gUn.-er. Schweden xind Russen sich Tereinigen. 



Dio »"^torrxMchische \ nv.ee ^or. Deut* *r. lav. l becirn Im September den Inn in imgew< 
liehet Kilo *u übcn*chreitcn ut-.d steU:e sich ar«f«^?'" E:: :e .l:e*e* V^na:» zwischen Ulm und Mem- 
miugeii auf. nachdem Kaiser Fraui am -^. des^elSin Mos^ass das Krit^smanülnt eiUHea 



761 

hatte. — Gleichzeitig gingen 100,000 Franzosen von der im Lager bei Boulogne versainmelten 
Armee und 25,000, die unter Marmont aus Holland gekommen, auf verschiedenen Puncten 
über den Rhein. Bernadotte, welcher 20,000 Mann aus Hannover führte, Marmont und 
Wrede's bayerisches Corps vereinigten sich Anfangs October bei Würzburg zu einem Heere 
von 60,000 Mann. Württemberg und Baden vsTirden gezwungen, ihre Truppen zu der franzö- 
sischen Armee stossen zu lassen. Die Hauptmacht sammelte sich Anfangs October bei Nord- 
Singen, wo Napoleon am 6. October eintraf; Bernadotte führte seine Armee von Würzburg 
nach Eichstädt durch preussisches Gebiet, ohne sich um die Neutralität dieses Staates zu küm- 
mern. Yandamme bemächtigte sich am 6. October der Brücke bei Donauwörth. Die fran- 
zosischen Golonnen umgingen beide Flanken der Österreicher, gelangten, indem sie die Donau 
and den Lech überschritten, in deren Rücken und schnitten sie bei Augsburg von ihrer Verbin- 
dung mit dem Inn und mit den nahenden Russen ab. Die Österreicher zogen sich nun an der 
Donau von Ulm bis Günzburg zusammen. Ihre ganze in Schwaben stehende Macht zählte 
kaum 60,000, jene der gegen sie operirenden Franzosen und Allürten mehr als 160,000 Mann 
unter Napoleon^s eigener Führung. Die Gefechte bei Rain am Lech, bei Wertingen an der 
Zusam und bei Günzburg an der Donau endeten zum Nachtheile der Österreicher. Aber am 
11. October schlugen sie das Corps des Generals Dupont bei Jungingen imd Haslach in 
die Flucht 

Am 13. hatten die Franzosen bereits Ulm und den dort stehenden Haupttheil des österrei- 
chischen Heeres in der Feme umschlossen. Erzherzog Ferdinand bemühte sich noch am Abend 
dieses Tages, dem Feldmarschall-Lieutenant Mack die gefährliche Lage vorzustellen und ihn zu 
bewegen, sich ohne Zeitverlust mit der Armee auf dem linken Donau -Ufer durchzuschlagen. 
Mack auf demirrthume, dass der Feind sich zurückziehe, beharrend erklärte dem Erzherzoge, 
dass er Vollmacht habe, nach seinem Gutbefinden zu handeln, dass nicht die Lage des öster- 
reichischen, sondern des französischen Heeres verzweiflungsvoll sei — so arg hatte er sich durch 
falsche Nachrichten täuschen lassen — und dass dieses noch in der Nacht den Rückzug antre- 
ten werde. Unter diesen Umständen blieb dem Erzherzoge nur der Ausweg übrig, sich aus Ulm 
zu entfernen, und es glückte ihm mit Feldzeugmeister Grafen Karl Kolowrat-Erakowsky 
und der Abtheilung des Feldmarschall-Lieutenants Fürsten Schwarzenberg durch den Kreis 
der Feinde nach Bopfingen durchzudringen. Tages vorher war schon Feldmarschall -Lieutenant 
Wem eck mit seinem Corps nach Aalen abmarschirt. Diese zwei Corps wollten sich vereinigen. 
Die grosse Übermacht der Gegner hielt sie jedoch von einander getrennt und umwickelte W erneck, 
der nach mehreren Gefechten, in welchen Murat bei Herbrech tingen zurückgeschlagen, bei 
Neresheim aufgehalten worden war, am 18. October bei Trochtelfingen mit dem Reste 
seiner Infanterie, 1650 Mann, sich ergab. Erzherzog Ferdinand bahnte sich mit 11 Schwadronen, 
an welche sich später vom Wer neckischen Corps noch 16 angeschlossen hatten, mit dem Degen 
in der Faust den Weg durch Franken, über Nürnberg und Baireuth, von Murat verfolgt, 
nach Böhmen. 

Das von Kaiser Napoleon^s Hauptmacht in Ulm eingeschlossene Corp« hatte sich noch 
am 14. October bei Elchingen tapfer geschlagen. Um Mittag am 15. setzten sich die französischen 
Colonnen gegen die Verschanzungen in Marsch; jene des Michaels-Berges wurden bald genom- 
men, da die Werke durch den anhaltenden sechstägigen Regen theilweise eingesunken waren. 
Napoleon gelangte dadurch in den Besitz der Ulm beherrschenden Höhen, und das österrei- 
chische, auf 23,275 Mann mit 59 Geschützen geschmolzene Heer war ganz innerhalb der Wälle 
der Festung eingeschlossen. Mack bestand auf die Vertheidigung des Platzes und schlug noch 



m Abend dime* Tfti äatn fdcdfiekiB Aaplff gÜcUefc nrtck. IndcMca, ron jeder Yerbln-' 
dODg, jeder Zofnlir und j«dtT Hfilfe altgeadiütlen, beM &■ Sapvleon dsrek Ney Mi Übei^ 
|r>}>e uffardero. Ifaek rervMgcrle de; aber die um ■■(trgewihMlM Oenenüe. ««lit u der 
Zahl, ctklS/ten in der einfetretecai hagf einen frcäea AtaMg je^^r M±dos«a Tertlieidigiuig 
Toizuieiieo. Uack »etile nun die Antwort >b Xey mOmI aaT; nofai den Bedin^nnpn der 
Übvgabe Clm« war freier Abiag leüier Bet*Xznng die wiciiti^fl«, und äiett ton den Feld- 
Mir te hrf -Llwitenantt Kie»cb, Gyalay und London tiiiterfcliriel>eii. üofb in d« Xacbt wnrd« 
0«aeni PSnt Horiti Lieclitenstein mit dieser Antvort und Maek's aa-drüaJichem Auf- 
trafe, lich in keine anderen Bedingun^n f iniulafsen , an Xey eotmidet, der aber mit 
ErkläniTif nicM lafrieden war. Am 16. lies* Napoleon den Platz l>e*cbi«!iseD ^ dann 
General Fürsten LiechtenEtein la «ich ersuchen. Diesem erkürte er, dass n fünf Taga Ulm 
bioB obserdren werde, ohne AckunA eines österreielüMliai oder aHürtai Corps binnen jktag. 
fünf Tagen vCrd« die BeEatznng kriegtg&ngen , die Maanachafl nadb F^ankreicli ili^iflltil 
Mapoleon «agte dem Fürsten -weiter, er gei Eeiner Saehe »o e^wisi, da«* er aneli Tierzehn Agtf 
geben wörde, wäre es niett notliwendig, seinen Trappen beame QQartiere an Tersehaffen, 
Terticlierte, keine anderen Bedingan^n ge^atien zu könnoi. FddmandiaU- Lieutenant H>«t 
erwiederte: Lim wnre ein sebr fester Plati, den er niobt anden ab g^en freien Abn^ der 
gancen Oamison übergeben könne; woraof Kapoleon durch Berthier ihm noch am Abeni' 
nra 9 Chi 10 den früheren Anträgen die Bemerkung miitbeilen liess, da^s die Besatmng naok' 
Otlerreicb marschiren soUe unter der Bedingung des Erweieens. dass an diesem Tage die Bncaea 
den Ina übenchritlen haben, oder es wurden darrh lünf bis sechs T>^ 3 oder -l franioii 
DiTÜionen in der Umgebung XiTmi stellen bleiben, wenn Mack dies«; dem eitleren Anti^« 
Toraiehe. >'aeh manchen fruchtlosen Tersucben bessere Bedingungen la gewinnen, ging Uaek 
in die onTenseidlicbeD ein und Terlangte eine Frist von 8 Tagen, vom 17. October an gereel 
welche ilua Napoleon bewilligt«, wnraof am IS. früh 7 Uhr die CapituUtion unterfertigt and 
aiugewechselt worde. Am 19. erschien Mnck bei Napoleon. I^esem Ug sehr daran, ihn i 
BAumong de* Platzes vor der TertiagsmiU»ig festgesetiten ZeitMst *□ bewegen. Er steUte Haok- 
die UiuDÖgtichkeit Tor, bis 25. T.'nterslülxUDg ton eineT Seite in erhallen, da Werneck emjA' 
tnlirt habe, Erzherzog Ferdinand über Aalen rerfolgt sei and die öelerreichigch - rnssisclM 
Armee noch am rechten Inn-Ufer stehe. Berthier bekräftigte auf Napoieon's Befehl die«« 
Thatsocheo mit seinem E3irenworte nnd der unglnekUehe General willigte unter der einzigen Be- 
dingung, dass ein Btockade-Corps bis Sä. in einem Umkreise Ton lehn Lieoes Dm Ulm sh 
bleibe, in den sogleichea Ansmai^cli der öalerreiehischen Truppen. Dieser Schiit* Maok'k M- 
der in seinem Benehmen am wenigsten tu rechlfettigende , da er den von Xapoleon auf d 
schlaue Weise erlangten, sehnlichst gewünschten Vortheil der Disponibililät seiner Hauptmad^ 
die dadurch fünf Tage früher gegen den Inn vorrüaken konnte, Kutusow g^enüber gar n 
würdigt« und ohne Beiiichnng seiner Generale — wie es bisher geschehen — in wahrer Ubtt- 
sich darüber entschied. 



Am gO. Naohmittags r 




1 die luüserliehen Trappen Ulm 



Ton- dem Corps des Feldmarschall-LieatenanI« Jcllaehieh In Vorariberg brach die C»- 
TaUerie nqob rechtzeitig auf nnd entkam durch Schwaben and die OberpfaU nach Böhmen; aeina 
Infanterie, 4000 Mann stark, capitulirte am 14. Kovember bei Fcldkirch und erhielt froien 



General Prinz Rohan sehlug sich mit einer Biigade von Füssei 
Venedig durch, wnrde jedoch bei Ca>t«lfr«nco überwältigt Und gefangen 



durch Tirol gegen 
Der FeldmwHhall- 



753 

Lieutenant Baron Kienmayer hatte sich mit seinem Corps vom Lech hinter den Inn zurück- 
gesogen nnd bei Braonau mit der russischen Avantgarde vereinigt. 

Der Krieg in Süd-Deutschland war beendigt. 

In Nord-Deutschland begannen indessen neue Streitkräfte sich gegen die Franzosen zu 
erheben. Anfangs October hatte General-Lieutenant Tolstoy mit 15,000 Russen in Pommern ge- 
landet und rückte gegen Mecklenburg vor. Ein schwedisches Corps hatte sich ebenfalls in Pommern 
gesammelt. Ein englisch - deutsches Corps sollte an der AVeser landen. Die Preussen beschwerten 
■ich über die Verletzung ihrer Neutralität durch Bernadotte und stellten ihr ganzes Heer schlag- 
fertig auf. 

Tirol war von den Corps Ney, Augereau und Wrede auf mehreren Seiten ange- 
griffen worden. Ungeachtet der kräftigen Yertheidigung und der an den Pässen Strub, Schar- 
nitz u. s. w. den Feinden zugefügten Niederlagen , eroberten diese dennoch Anfangs November 
einige solche Gebirgspforten und drangen in das Herz des Landes. Der Erzherzog Johann 
nahm am 6. November Stellung auf dem Brenner , um den Rückzug des Erzherzogs Karl von 
der Etsch, des Generals Hill er von Botzen zu decken. 

Schon Anfangs October war aus Italien ein starkes Corps zu der Armee in Deutschland 
abgerufen worden. Dadurch geschwächt, konnte der Erzherzog Karl nicht die Offensive ergrei- 
fen. Masse na schritt am 28. October zum Angriff, und wurde von dem Erzherzoge bei Cal- 
diero in der dreitägigen Schlacht vom 29. bis 31. October besiegt. Der Erzherzog hatte diese 
siegreiche Schlacht für die Ehre der kaiserlichen Waffen, und um den nöthig gewordenen Rück- 
zug zu maskiren, geschlagen, den er auch am 1. November antrat und über die Piave, den 
Tagliamento und Isonzo, dann über Laibach nach Cilly fortsetzte. Am 7. November drangen die 
in Tirol verbreiteten Feinde gegen den Brenner vor. Damals hatte der Erzherzog Karl f)ereits 
den Tagliamento erreicht. Masse na folgte ihm aus Italien nach, und Marmont rückte durch 
Steiermark vor. Nun räumte also auch der Erzherzog Johann den Brenner und zog sich über 
Klagenfurt an die Drau, wo er sich bei Windisch-Feistritz am 26. November mit dem Erz- 
herzoge Karl vereinigte, und beide durch Ungarn mit 80,000 Mann in den ersten Tagen des 
Decembers Wien nahten. 

Durch die Katastrophe von Ulm stand die ganze westliche Grenze des Kaiserstaates dem 
Anfalle der Franzosen offen. Dem am Inn unter Kutusow sich sammelnden verbündeten Heere 
gebrach es, da das Geschütz und die Reiterei der vorausgeeilten Infanterie nicht hatten folgen 
können, an manchen nothwendigen Kriegsmaterialien; es bildete höchstens eine Streitmacht von 
60,000 Mann, worunter 20,000 Österreicher, gegen welche Napoleon mit seiner Gesanmitkraft 
in Bewegung war. — In Böhmen, wohin sich Erzherzog Ferdinand durchgeschlagen hatte, 
bildete sich ein kleines Corps, das erst gegen Ende dieses Feldzuges auf 13,000 Mann anwuchs. 
Zur Verstärkung der Russen in Deutschland war Buxhövden mit einem Heere von 30,000 Mann 
im Anzüge. Ihm folgte an der Spitze der Garden, 10,000 Mann stark, Grossfürst Constantin, 
und mit einem zweiten gleich starken Corps General Essen. Ein. 30, 000 Mann starkes russi- 
sches Heer unter Benningsen sammelte sich an der Grenze Österreichs. — Ungeachtet dieser 
beträchtlichen Streitkräfte der Verbündeten war Österreichs Lage dennoch, nach der Aufreibung 
seiner Armee in Schwaben, kritisch. Jene waren von der Grenze Russlands bis an die Etsch 
zerstreut; um sie sammeln zu können, musste ein grosser Theil der Monarchie dem Feinde über- 
lassen werden, und selbst diese Sammlung hing von der Laune des Kriegsglücks ab, da Na- 
poleon mit ungetheilter überlegener Kraft seinen Sieg verfolgte und die zerstreuten Heeres- 
theile einzeln aufzureiben drohte. — Napoleon^s Herr in Deutschland bestand aus den Armee- 

48 



754 

Corps der Marschälle Aug er e an, Ney, Sotilt, Davoast, Marmont, Bernadotte, Lannes, 
den kaiserlichen Garden und einer zahlreichen Reiterei unter Mu rat. Jedes Corps zu 20,000 Mann, 
die verbündeten Bayern, Württemb erger und die übrigen deutschen Truppen zu 25,000 Mann, 
Murafs Reiterei eben so stark, und die Garden zu 15,000 Mann angenommen, bildeten diese 
Truppen eine Gesammtmacht von 205,000 Mann, von denen, nachdem der Feldzug in Deutsch- 
land etwa 20,000 Mann gekostet hatte, immer noch 185,000 Streiter übrig blieben. Massena^s 
Heer in Italien bestand aus 7 Infanterie- und 3 Cavallerie-Divisionen , die nach der Vereinigung 
mit St. Cyr 75,000 Mann betrugen. Ney griff, wie erwähnt, die nördlichen Pässe Tirols, 
Augereau Vorarlberg an. Mit den übrigen Corps der Armee yon Deutschland drang Napoleon 
gegen den Inn vor. 

Eutusow, viel zu schwach, so überlegenen Streitkräften zu widerstehen, zog sich hinter 
die Traun , dann hinter die Enns zurück. Am 4. November erzwang der Feind den Übergang auch 
über diesen Fluss. Die österreichische Infanterie unter Feldmarschall-Lieutenant Merveldt trennte 
sich von den Russen und zog gegen Steiermark ; die hiedurch geschwächten Russen mit der österrei- 
chischen Reiterei unter Kienmayer gingen am 9. November bei Krems auf das Unke Donauufer 
über. Das unverthcidigte Wien fiel in die Hände des Feindes, zugleich auch die dortige über die 
Donau führende Brücke, auf welcher er am 13. überging und nun das zurückziehende Heer 
Kutusow^s zwischen die Reste des am 11. bei Dürnstein geschlagenen Corps von Mortier, 
und die Corps von Lannes, Soult und Murat zu nehmen und aufzureiben drohte. Allein 
Kutusow hatte sich bereits mit den letzten Colonnen seines Heeres vereinigt und zählte nun 
32,000 Mann. Bei Schöngraben stand Bagration mit der 6000 Mann starken Nachhut, wo- 
bei sich die schwache österreichische Brigade des Generab Nostitz befand. Vergeblich griff der 
Feind am 16. dieses heldenmüthige Corps mit wenigstens 40,000 Mann an, er konnte die am 17. bei 
Porlitz erfolgte Vereinigung mit dem aus Wien zurückweichenden Corps nicht hindern, das nun, mit 
den Russen vereint, gegen Olmütz zurückzog, um sich dem herbeieilenden Heere Buxhövden*s 
anzuschliessen. Die Vereinigung mit der ersten Colonne dieses Heeres erfolgte am 19. in Wischau. 
Am 22. bezog das Heer die Stellung bei Olschan, fast unter den Kanonen von Olmütz, und nun war 
die letzte Colonne Buxhövden^s ebenfalls zu ihm gestossen. Während der 7 Tage, die das ver- 
bündete Heer bei Olschan stand, vereinigten sich auch die russischen Garden mit ihm, und es 
zählte nun 85,000 Mann mit 16,000 Pferden. 

Von Brunn aus hatte Napoleon die Verfolgung des österreichisch-russischen Heeres aufge- 
geben, und seine Truppen um diese Stadt in Cantonirungen verlegt. Bei Iglau standen Bernadotte 
und die Bayern unter Wrede dem Erzherzoge Ferdinand gegenüber, der mit seinem, gegen 
9000 Mann und 1298 Pferde starken Corps bei Czaslau angelangt war. Die Reste von Mortier's 
und ein Theil von Davoust^s Corps standen in Wien, der andere Theil von DavousVs Truppen 
beobachtete die March und hielt Pressburg besetzt. 

Die bei Olmütz versammelte Macht war bedeutend, und die Hülfe des Erzherzogs Karl nahe. 
Napoleon war, ohne irgend eine Bedrohung seines Heeres zu beachten, in das Herz der Monarchie 
gedrungen, stand zwischen zwei mächtigen Armeen, von denen jede allein ihm gewachsen war, und 
konnte, wenn nicht aufgerieben, doch zur Flucht genöthigt sein, noch ehe der am Isonzo stehende 
Massena zu seiner Unterstützung herbeieilte. Eine glückliche Schlacht musste ihm zu 
Hülfe kommen. 

Zunächts aus Mangel an hinreichenden Vorräthcn beschloss das verbündete Heer , die an sich 
feste Stellung zwischen Olschan und Olmütz aufzugeben, Napoleon in seiner Stellung bei Brunn, 
welche Stadt derselbe in aller Eile hatte befestigen lassen, anzugreifen und so durch eine entschei- 



755 

dende ScUacht das Ende des Krieges herbeizuführen. Am 25. November traf der QrossfSrst Con- 
st antin mit den Garden, 10,000 Mann und 300Ö Pferde stark, ein. Der Erzherzog Ferdinand 
und General Merveldt sollten durch Bewegungen gegen des Feindes Flanken und Bedrohung 
seiner Verbindungen mit Wien den Angriff des Heeres unterstützen. Diese Flügelcorps standen durch 
Parteigänger mit dem Hauptheere in Verbindung. Der an der March streifende österreichische 
Major Scheither hatte ein bedeutendes feindliches Streifcorps in Gaya überfallen und war Meister 
jener Gegenden geblieben. 

Am 27. November verliess das alliirte Heer die Stellung von Olschan in fünf Colonnen. 
Dicht an dasselbe hielt sich Bagration's Vorhut, um dem Feinde den Aufbruch nicht vor der 
Zelt zu verrathen. Aus gleicher Ursache blieb der linke Flügel versagt, damit der Feind dort, 
durch das offene Land begünstigt, die Bewegung des Heeres nicht entdecken könne. Am andern 
Tage entspann sich ein für die Verbündeten vortheilhaft ausgehendes Avantgarden - Gefecht bei 
Kausnitz, das gegen Abend von den Franzosen geräumt wurde, worauf die Vorpostenkette sich 
vor dem Orte aufstellte. Kienmayer wendete sich nun mit seiner Vorhut nach Drasowitz, um 
den linken Flügel zu decken, und setzte sich mit Bagration in Verbindung. Die fünf Colon- 
nen verfolgten unterdessen ihre Bewegung; ihre Vorhut ging bis Kuscherau vor, und setzte sich 
mit Kienmayer bei Drasowitz in Verbindung. Das Hauptquartier mit den Garden kam nach 
Wischau. Bei Annäherung des verbündeten Heeres am 28. verliessen die französischen Truppen 
ihre Cantonirungs-Quartiere. Soult*s Corps zog sich bei Austerlitz zusammen. Bis jetzt hatte 
das verbündete Heer seinen linken Flügel versagt, und seinen rechten, diesen an das Gebirge 
lehnend, vorgeschoben. Der Rückzug des Feindes gegen Brunn liess nun vermuthen, dass er 
entweder diese Stadt ohne Schlacht räumen, oder letztere in der Ebene zwischen Turas und 
Latani annehmen werde. In Wischau wurde also der Entschluss gefasst, ihn auf seinem rech- 
ten Flügel zu umgehen, indem man den eigenen rechten versagte. Am 29. machte das Heer 
eine Flankenbewegung, um nach dem veränderten Plane die neue Schlachtordnung zu gewinnen. 
Die Vorhut sollte ihre Vorposten in dem Verhältnisse vorschieben, als der Feind zurückweichen 
würde. Letzterer verliess nach und nach die Höhen hinter Rausnitz und Austerlitz. Dieser 
Ort wurde von Kienmayer besetzt, und Bagration schob seine Vorposten gegen Posorsitz. 
General Stutterheim stand bei Butschowitz. Das Hauptquartier kam nach Pawlowitz. Die 
Garden standen auf den Höhen von Boskuweck. Der Feind versammelte an diesem Tage seine 
Streitkräfte zwischen Turas und Brunn, und hielt die Dörfer Menitz, Tettnitz, Sokolnitz, Kobel- 
nitz und Schlapanitz stark besetzt, womit er seine Fronte deckte. Seine Vorhut dehnte er von 
Aujezd über die Höhen bei Pratzen gegen Blase witz und Krug aus. Bernadotte, von Na- 
poleon abgerufen, verliess mit seinem Corps Iglau und eilte gegen Brunn, wo sich der grosse 
Kampf vorbereitete, der am 2. December mit der Schlacht bei Austerlitz den Ausgang des 
Feldzuges entschied. 

Während hier Napoleon den entscheidenden Sieg davontrug, hatte Erzherzog Ferdi- 
nand über Wrede am 5. December bei Stecken und Deutschbrod bedeutende Vortheile er- 
fochten und war in dessen Verfolgung nach Mähren über Iglau vorgedrungen. 

Die russisch-österreichische Armee zog sich nach der Niederlage bei Austerlitz an die 
March zurück. Am 6. December wurde Waffenstillstand geschlossen, am 7. zu Nikolsburg die 
Friedensunterhandlungen zwischen Osterreich und Frankreich begonnen. Die Russen marschirten 
durch Schlesien in ihr Vaterland zurück. Am 26. December wurde zu Pressburg der Friede 
unterzeichnet. Österreich trat Venedig, Dalmatien, Tirol und seine deutschen Vorlande ab und 
erhielt dafür Salzburg und Berchtesgaden. Der Grossherzog von Toscana wurde für dies«* *»«5''*»^ 

48* 



LaadidiafteD, wdebe tt In iten letiten Jahren bKiesien, mit WSnbaiii' < 
üsnisebeii Ptoiimea worden dem KSnigreiche Italien eiayerteibt, die deoi 
Nspoleon'i AUürte Tenheilt. 



enn nnd iftehiigite Promotion (vom 6. NoTember ISO&l. 

AJlcrhöcJuM Vvrtelhang kiuiar CapiUJ. 



Il 



COHMANDEUR. 

BELLEQäBDE, Heinrich Graf von, Feldmarachall, geheimer RathundKün- 
merer, geboren zu Dresden am 99, August 1756, wo sein Vater Johann Ft»iu,ili 
k ursächsi scher (Jen er al der Infanterie und KricgsniinisterverstorbeD, damals Obrat- 
hofmeister der Prinzen Xaver und Karl von Sachsen war. Der Graf sl 
aus einem alten, in Savoyen ansässigen, edlen Geschleehte, von -welchem a 
Mitglieder sich in Kriegsdiensten fremder Souveräne ausgezeichnet imd l 
Würden im Staate wie im Felde erlangt hatten. Glänzend waren daher schsifil'l 
Namen, welche von seinen Vorfahren her den Grafen zu seiner Laufljalin li^^J 
ten, dessen Leben an Verdienst , Ehren und Würden sie weit übertraf, Sdt 4 
unsterblichen Engen von Savoyen war es keinem Gliede des kaiserlichen B 
so wie ihm vergönnt, am Schlüsse einer 61jährigea Thiitigkeit im Dienste lafl 
zurückgelegte Lebensbahn mit dem Bewuastsein blicken zu können: in vierP 
zligen ah selbstständiger Feldherr, als zweimaliger Präsident des Hofkriegsrat 
wiederholt als Statthalter der wichtigsten Provinzen die oft schwierigen Pflichti 
stets rühmlich erfüllt zu haben. Die höchste Würde des Soldaten mit jener Ö 
Staats- und Conferonz-Minisfera vereinigend, ausser dem Commandeurkreiuej 
Maria Theroaion-Ordens mit der ersten Clasae alier vaterländischen Ordet^ 
gezeichnet, geschmückt mit den höchsten Abzeichen der Annerkennung si 
dienste von Seite mehrerer fremden Monarchen, war dem Grafen der Lohn cift» 
angestrengten, achtzehn Feldzüge und die cinflussreichsten Wirkungskreise onifM- 
senden Lebens in solcher Fülle zugewogen, wie er dem Ehrgeize des Untcrthins 
kaum vorschweben konnte. 

Schon im Knabenalter erhielt er das Fähnrichs-Patent bei dem kursächsischen 
Infanteric-Regimente Bork, später das eines Lieutenants im Regimente der Kur- 
fürstinn. Im Jahre 1772 trat ßellegardo als Lieutenant in das kaiserliche 
Dragoner-Regiment ZweybrUck und nahm an den Feldzügen 1778 und 17T9 
als Rittmeister Theil. Im November 1781 ernannte ihn Kaiser Joseph zum Major 
bei Savoyen-Dragoner, und schon vier Jahre darnach war er Oberst und Com- 
mandant des Dragoner-Regiments BerUchingen. Das Treftcn beiBeschania 
am 9. September 1788 bezeichnet Bellegarde's erste Waffenthat Mit vier 




757 

diwtdronea des Regiments führte er eine wiedecholle gJüiizende Ältnquö irogco 
HiuelmäQQor aus, und brachte ilincn unter Mitwirkung einer Division Zeschwitz- 
krtssicre und einer Schwadi-on Wurmser-IIusaren einen Verlust von 300 Mann 
Ge^D Ende des Jahres 1792 zum General-Major befördert, erhielt Belle- 
uAe die Eintheilung hei dem Ileertheile des Feldzeugmeisters Fürsten Hohen- 
<ke. dessen Hauptquartier zu Trier war. Da man im August 1793 den Entschluss 
r B«Ugerung von lo Queenoy gefasst hatte, so war es unerliisslich die in der 
»rmaler Waldung verschanzten Franzosen, 600Ü an der Zahl, zu verdrängen. 
Major Graf Bellegarde führte am 17. den Hauptangriff auf diese Posi- 
i; »ein Fuaavolk drang mit dem Bajonete in die Verschanzungen ein und machte 
«n Besatzung nieder. —Das glänzende Treffen hei Avesnes leSec am 12. Sep- 
iker rerewigt in den Annalen der österreicliisclien Reiterei einen ihrer glän- 
Beweisc, was ihre unühertrotfene innere Tüchtigkeit und ihr siegverbür- 
»der Math unter Führung eines der Gewalt seiner Waffe bewuasten Generals, 
xGraf Bellgarde war, zu vollführen vermag. Er und Oherst Fürst Johann 
iteehtenstein (s. i.) bedeckten sich bei der Gelegenheit mit Ruhm. Mit 2000 
öletD hatte Bellegardc 6000 Franzosen zu Fuss und 2 Reiter- Refjini enter mit 
IGochUtzcn im wahren Sinne des Wortes total aufgeriehen und nur 2 Oflicicre, 
tlUaon an Todten und 4 Officiere und 56 Mann an Vei-wundeten verloren; eine 
InkTQrdigeKrfahning, mit welch' unbedeutendem Verluste der stürmische Anritt 
Siegefiilire. Bald darauf (15. October) kämpfte Bcllegarde in der Schlacht 
bsWattigniea mit gleicher Auszeichnung; er commandirte den rechten Flügel, 
nlMhlng sich auch am folgenden Tage glänzend. Im Jahre 1794 ward ihm das 
CMDiuaodo einer selbstständigen Abtheilung, welche für Verwendungen hesonderer 
Vidiligkeit Torbchallen blieb, anvertraut. Der Graf focht in der Schlacht bei Ca- 
t«B(17. und 20. April), bei dem Treffen längs der Marf|ue (17. und 18. Mai), 
*■ or &la Commandsnt der Avantgarde des Erzherzogs Karl den ihm eigenen 
JiOi, Eifer und die Gabe kluge Veranstaltungen zu treffen, die alle Gegenwehr 
^Feindei vereitelten, an den Tag legte, ferner in der Schlacht hei Templeuve 
•W To rn ■ j- am 22. Mai. Rior hatte er die Vorposten de» rechten vom Erzherzoge 
iirl Wehligten Flügels geführt und war schon um 6 Uhr Morgens in ein heftiges 
^U&kel verwickelt ; nach zweistündigem Kampfe verlicss B e 1 1 e g a r de seine Stel- 
kif, uhm aie aber bald darauf, da ihm Verstärkungen zukamen, wieder ein, und 
sieh TcmpIcUTe's. welches für die Sicherung des Rückzuges des fcindüdien 
*on höchster Wichtigkeit war, zu bemächtigen. Ein heftiger Kampf 
dieser Stelle, der bis 9 Uhr Nachts ohne Entscheidung mit gegensei- 
:ning gefuhrt wurde. In der Nacht Hess Bellegarde den Ort Uber- 
Di« sorffloH von dem beschwerlichen Tagewerke ausruhenden Franzosen 
h wenigen Schüssen den Ort und Hessen mehrere Gefangene, darunter 
Bripade-Chef and Ocneral-Adjutanlon. zurilok. 



758 

In diesen beiden FcldzUgen bewährte Belle^ai-dc einen ontscMossenen und 
kühnen Unternehmungsgeist und einen feurigen Kriegersinn in allen, mituator 
sehr schwierigen Verhältnissen, der später bei Übernahme des Feldhorrnstabes vott' 
einer kalten, alle Möglichkeiten erwägenden Bedachtsamkeit beherrscht wurde. Die 
erfolgreichen Beweise, welche er im Feldzuge 1794 an Tag legte, wurden mit: 
Zuerkcnnung des Ritterkreuzes belohnt. 

Kaiser Franz hatte während dieses Feldzuges eine so hohe Meinimg von dar 
Kriegskunde und Entaehlossenheit des Generals Eellcgarde gefasst, dasa er 
dessen Anstellung im General-Quartiermeisteratabe anhefahL Im August desselben 
Jahres wurde ihm die Stelle eines General-Quartiermcisters bei dem vom Feldzeug- 
meister Clerfayt befehligten Ilauptheere angetragen, die er jedoch mit Beschw- 
denheit ablehnte. Im März 1796 wurde Bellegarde Fcldmarachall-Lieutenant, 
mit Beibehaltung seines ihm von dem Zutrauen des Kaisers angewiesenen Ein- 
flusses im Hauptquartiere des Erzherzogs Knrl. Durch seine Stimme im Kriegs- 
rathe bleibt ihm die vordienatreiche Theilnahme an den Siegen von Amberg, 
WUrzburg, Emmendingen und Schliengen versichert; er folgte dann dem 
Erzherzoge nach Italien und schloss im Vereine mit Genoral Graf Merveldt den 
Walfcnstillstand zu Leoben (7. April 1797) ab, Der Kaiser belohnte Belle gar de's 
neue Verdienste mit der Inhaberaatelle des 1. Chevauxlegers-Regiments, 

Als es sich um die Besetzung von Graubündten bandelte, welches sowohl 
für die Eroberung der Schweiz, wie für die Verbindung der in Italien und Deutsch- 
land opei'ironden Ileertheüe von grosser Wichtigkeit war, wurde Bellegarde im 
Octobor 1798 von Wien dahin abgeschickt, und sollte den Bcfelil der in Vorarlberg 
aufgestellten Truppen übernehmen. Mit grossem militärischen Scharfblicke heur- 
theilte er die Vcrhiiltnisso und traf die besten Massregeln fiir den Zweck der Ver- 
tbeidigung dieses Landes, Bei dem bald darnach erfolgten Ausbruche des Krieges 
erhielt er im Jänner 1799 das Onmmandt der Armee in Tirol. Er schlug den fran- 
zösischen General Lecnurbe bei Täufers am -i, April, siegte im Treffen bei 
Remüs am 30. April, pnssirto am 13. und 14. Mai die Graubündtner Alpen, und 
gelangte nach einigen Gefochten auf dem Gotthardaherge auf italienischen Boden. 
Bei Casiuagrossa unterlag er zwar der Übermacht Moreau's am 20. Juni; 
doch erreichte der letztere den Zweck, fiir welchen er sich achlug, Alessandria zu 
entsetzen, nicht. Bald dai'auf fiel die von Bellegarde belagerte Citadelle dieser 
Stadt (21. JuliJ mit ungeheuren Vorräthen, und Bellegarde beeilte sich, um bei 
Novi (15. August) neue Lorbern zu pflücken. ,Ich finde nicht Auadrücko 
genug," lautet der Bericht Kray's, „den Werth und die bei dieser Gelegcnlieit sich 
erworbenen Verdienste des Feldmarschall-Lieutenan ta Bellegarde lebhaft zu schil- 
dern. Seiner und des Feldmarschall-Lieutenants Ott Entschlossenheit habe ich 
alle errungenen Vortheile zu verdanken." Der Kaiser berief den Grafen von der 
Armee und sandte ihn in den letzten Tagen des Jahres in das Hauptquartier 




759 



iw's nach Prag, um den Fcldmarschall fiir den entworfenen Operations- 
gewinnen. Der Erfolg dieses, von Bellegarde mit seiner bekannten 
ichea Gewandtheit eingeleiteten Auftrages ward durch den Entschluss 
iciica Kaisers, seine Truppen in ilir Vaterland zurückzuziehen, vereitelt. 
Nacli dem verhiingmssvoUen Tage von Marengo erhielt Bcllegarde mit 
in Befiirderung zum Generul der Cavallerie den Oberbefehl des Pleeres in Italien. 
DitLa^ der Dinge im September 1800 bedingte an und für sieh jede Verzicht- 
WiitBug auf andern Ruhm als den : ein schon früher geschlagenes Heer, ungeachtet 
der bedeotendea Übermacht des feindlichen Generals und dessen dem Völkerrechte 
«identreitendon Benehmens mit anbefohlener Vermeidung des Blutvergiessens, im 
Anlichst befiten Zustande so weit zurück zu führen, daas seine Vorbindung nicht 
imtb den frühem Rückzug des andern kaiserlichen Heeres aus Deutschland gelahr- 
te wimle. Durch Klugheit, Uuth und Kraft, und wenn gleich in der Schlacht 
bciPoxzolo undValeggio am 25. und 26. Dccomber von Brune besiegt, 
giitüg CS der festen Hand Bei legardo's, den seine Lage mannigfach erscbwe- 
mleo Umstünden doch den mindest ungünstigen Ausgang abzuringen. 

Nach dem Luneviller Frieden blieb Bellegarde conimandii'ender General 
n Italien und im Jahre 1805 bei dem daselbst operirenden Heere unter Erzherzog 
KarL In der Schlacht bei Oaldiero comniandirte er den wichtigsten Theil der 
Stellung, die Uitle, und erwarb sich in dieser Sclilaclit so grosse Verdienste, dnss 
tho der Kaiser sogleich nach erhaltenem Siegesberichte mit dem Commandour- 
krentc schmiickto. Im Jaliro 1806 erhielt Bcllegarde das General-Commando 
in Urals, bald darauf jenes in Galizien mit der Ernennung zum geheimen Rathe; 
bd iler Stiftung des Leopold-Ordens im Jahre 1808 wurde ei- unter die Gross- 
kreuse aufgenommen. 

Im Kriegajahrc 1809 zeigt sich Bellegarde wieder auf dem waffenwieder- 
ballesdcD Schauplatse als Befehlshaber des I. und 2. Armee-Corps, welches von 
auf dem linken Donauufer agirte. Nachdem Davouat von Begens- 
surilekged rückt wurde, ging Bcllegarde über die Donau und stiesa zur 
Armee. I>!c Tage von Aspern, Wagram und Znaim, wo er eben so 
persünlicho Brnvour als Umsicht bewies, nennen seinen Namen mit Aus- 
; MC rerschalTten ihm die Feldmarschalls -^VUrde. 
Koch ileni Abschlüsse des Wiener P>icdens wurde der Graf ausserordentlicher 
ioGalizion und Commandirender, und im April ISlOIIofkriegsraths- 
fttiideaL Im Jahre 1812 leitete er die Aufstellung der Observations -Armee in 
; im April de« folgenden Jahres war Uellegarde ein Glied der engen 
CoafvreBK, um die den Umständen ungcmessonslen Massregeln für die schleunigste 
AsCMcUnog und Rcuuing des Heeres zu berathen. Wie umfangreich der Wirkungs- 
fc rUr die TtüUigkcit des (trafen in der zweiten Hälfte des Jahres 1813 gcwc- 
orbcUet daraus^ dnss der Stand der Armee zu Ende dos Jahres öü7,563Maui) 



und 97,953 Pferde zalilte und mit allem für ihre Operationsfäliigkeit Noth wendigen 
ausgerüstet war. Welche Aufbietung geistiger Kräfte musatcn da dem Vorstände 
der obersten Kriegsbehörde zugemuthet werden, wenn man die damalige Lage 
des Kaiserstaatca berücksichtiget? Als der Zeitpunct eintrat, in welchem die Ver- 
mittlung des Weltfi'iedens dem Schwerte die Entscheidung Überlassen musste, 
äusserte sich Kaiser Franz gegen einen mit seinem besondern Vertrauen beglück- 
ten Staatsminister: „Graf Bellegarde hat das Unmügliche möglieh geraaeht." 
Diese Worte des Monarchen eines Staates, dessen wiederholtes Neuaufleben nach 
Kriegsstürmen stets der Nachwelt Bewunderung abdringen wird, verewigen Bell e- 
garde'a Verdienste um den Thron Österreichs und die Befreiung Europa's. 

Zur Zeit als sich die Haupt-Armee der Verbündeten dem Rhein näherte, 
beschloss Kaiser Franz auch das innerösterreichische Heer durch eine bedeutende 
Verstärkung zur kräftigen Fortsetzung seiner OflFensire zu befähigen, und ernannte 
im November 1813 denFeldmai-schall Grafen Bcllegarde zum Com man dir enden 
des Heeres in Italien. Er übernahm im December zu Vicenza das Commando nnd 
erliess am 5. Februar 1814 jene bekannte Proclamation, welche die Völker Italieiu 
aufforderte Frankreichs Sache zu verlassen und sich in die Ai-me Österreichs za 
werfen. Nach einer Unterredung mit Mural, dessen zweideutige Rolle seinem 
Drange für die Offensive Fesseln anlegte, beschloss Bellegarde über den Mincio 
zu gehen, und liefeite hier dem Vice-König die unentscheidende Schlacht am 
8. Februar. Napoleon's Entsetzung brachte mit Eugen am 16, Api-il im 
Schlosse Schiarino Rizzino unfern Mantua einen Waffenstillstand zuwege, worauf 
der Feldmarschall die Verwaltung des Königreichs Italien im Namen der verbün- 
deten Mäclito übernahm und am 8. Mai seinen Einzug in Mailand hielt. Der Kaiser 
ernannte ihn zum General-IIofconimissär in Italien, wo er sich durch Billigkeit, 
Milde und Schonung bald das Zutrauen und die Neigung der Millionen neuer 
Glieder des Staates zu erwerben verstand. Ein sehr drückendes Augenleiden zwang 
ihn indess bald um die Enthebung von seinem Statlhalteramte zu bitten, welche 
der Monareh dem treuen Diener unter Ertheilung des goldenen Civil-Ehrenzeichens ' 
und des Ordens der eisernen Krone I. Ciasse mit der Würde des Kanzlers dieses , 
Ordens huldvollst gewährte. Neue Beweise kaiserlichen Wohlwollens folgten 
rasch aufeinander: im Sommer 1816 erhielt der Graf das Amt eines Obersthof- 
meistere bei dem damaligen Kronprinzen, im December 1817 die Aufnahme unter 
die Ritter des goldenen Vliesses, im Jahi-e 1820 die Erhebung zum Staats- und 
Co nferenz-Mi nister und zum zweiten Male zum ITofkricgsraths-Präsidenten. 

Aber schon im October 1825 musste Bellegarde erneuert dieser Stelle ent- 
sagen und wegen zunehmender Augeuschwäche im Mai 1832 auch die Oberathof- 
meisteratelle niederlegen. Die Ausdrücke des herablassenden Wohlwollens, mit 
welchen der Monarch den Austritt bedauerte, waren mit der Verleihung des Gross- 
kreuzes des S(. Stephan -Ordens begleitet. Geehrt und ausgezeichnet lebte der 



;nM Feldherr den Rest seines Tielhewegten und tfaatenrcichen, mit mehr als 
äun bedeutsamen Momente, mancher ereignissvollen Epoche im engen Zusammen- 
halt stehenden Lebens in der Eaiserstadt. bis ihn endlifb am 22. Juli 1845 in 
JCB Morgenstunden im Greisenatter der Tod ereilte. 



OROSSEREUZ, 



KnCBOV. Uichkel Laurionowitseh Gotenisticbew, Färat Smolenikoi, kaiser- 
U NMiKfacT F«IiIinanohall, fShrte im Jahre 1605 dos CommaDdo dea ernten rusaiscliED 
li*M-Cotpi, ««Ichei lieh mit den ÖsterreieberD gegen die Franzosen vereinigen bdHI«. Er 
ti( t«t> injeatren^et MÜreehe. eret naoh dem Unfälle bei Ulm am Inn ein, zog dna Corps dee 
TtUm 1 1 hjJl-Lie ulanun 1« Kienmaj'er an sioli und hielt mit ihm einige Zeit das (ranzÖaiscLe 
Uta Mf. Da jrJocb du rechte Donan-UfeT nicht wohl zu behaupten war, \ertheidigte er die 
&M M lange, bi« BaxliöTden mit Verstärkungen anrückte. Aber aucli dieaer Fluse musele 
a^iftbta Bod naeli dem hartnäckigen Aniiregarde'Gefecbte bei AmEtällen am 5. Kovember 
te *«ten Rddutig uigetieten werden. Nach dem Übergänge Über die Donau besiegte Kutu- 
• •• Aa Fraoxoieti bei Dürnitein (10. und 11. Norember), wo er die beiden Divisionen 
ll»nf*t nad OapDul beinahe lernichtete, wofür er das Gtosskreuz erhielt. Bei Austor- 
*aj Kstaiow Conunandirender en Chef und wurde leicht vervninde t. 

Im Jahte ISIl commaiiilirte er gegen die Türkoc, zwang den GroasweBir zur Capitulatien und 
I Kr den Abteliluu de« Friedeng zn Bukurest (12. Mai 1S13) in den tliratenstand erhoben; bald 
I ■hnc Uta «ein Kai«et luit eeinem Vertrauen, indem er ihm den Oberbefehl über die Armee 
HapAleon äbertrng. Wie er demselben cntaprocbcn, beweist der Ausgang dieses Krieges. 
Katnio» •Urb iq Bnnzlau in Schlesien am 13. April 1S13 im 68. Lebensjalire, nachdem 
fc ia tia«r Piodamalion von Kalisch aus gani Europa gegen die Franzosen aufgeiuien hatte. 

COMMANDEUR, 

JOBAXN Baptist (Joseph Fabian Sebastian), kaiserlicher Prinz und 
Eniierto^ ton Österreich, königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen, General 
itr CaraUeric, wegen ausserordentlicher Verdienste als Oberbefehbhaber der 
Hia'Hrol im Jahre 1805; ward 1809 Grosskreuz (s. d.). 



, Johann Friedrich Freiherr von, General der Cavalleric, geheimer 
tber des 5, Dragoner-Regiments, Sohn des Maria Tbercsien-Ordens- 
i Obet^ZJeutenants Karl Christoph Freiherm von Mohr (s. 8. Pro- 



762 



niotion), war am 18. Juli 1765 zu Nagy-Mihälj- in Ungarn geboren und in der 
Ingenieur- Akademie erzogen. 

Wurmser war des jungen vielversprechenden Mannes Beschützer und nahm 
ihn im 18. Lebensjahre aJsLieutenant in sein Husaren-ßegiment, mit welchem Mohr 
den Türkenkrieg als Oberlieutenant mitmachte. Die Fcldziige gegen Frankreich 
im vorigen Jahrhunderte waren die Schule fui' den nachmaligen so auBgezeichneten 
General, und schon im Jahre 1795 hatte sich Mohr unter dem Oberst-Lieutenant 
Karäsz in demTrctFen bei Mannheim, wo einige französische Vorposten überfallen 
und versprengt wurden, durch besonnenen Muth so vortheilhaft ausgezeichnet, dasa 
ihn der Regimentsinhaber bei der im Jahfe 179G erfolgten Übernahme des Ober- 
befehles der Armee zum Flügel- Adjutanten, unter gleichzeitiger Beförderung 
zum Major, wählte und ihn später nach Italien mitnahm. An Wurmser's Seite 
blieb Mohr in Mantna eingeschlossen und wurde nach dem Frieden von Campo 
Formio 1797 in das 4, Husarcn-Itcginient eingetbeilt. Bei dem erneuerten Kriege 
gegen Frankreich im März 1799 zeichnete sieb Mohr Inder Sehlacht von S toek ach, 
wo er verwundet wurde, dadurch aus, dass er seine Husaren mit Kaltblütigkeit 
leitete und die Franzosen jeden Schritt Terrain kämpfend erringen mussten. Als 
der Feind am 8. November aus Bruchsal und vom Galgenberge vertrieben und 
bis Langenbruck lebhaft verfolgt wurde, entsendete man gleichzeitig ein starkes 
Detachcment gegen Philippsburg, welches Mohr commandii-te. Er drang so rasch 
auf den feindlichen Posten bei Graben vor, dass die dort aufgestellte Truppe nicht 
ipehr Zeit zum Rückzuge fand und tbeils versprengt, theils zu s am mengehauen und 
60 Mann gefangen wurden. Das Resultat dieses, im Vereine mit einer Abtheilung 
von M^szäroa-IIusaren ausgeführten gelungenen Überfalles war der Entsatz von 
Philippsburg, der noch am nämlichen Tage erfolgte. Nach mehreren mehr oder 
minder wichtigen Vorfällen nahte dcrTag vonHohenlinden, an weichem Mohr, im 
Juni 1800 zum Oberst-Lieutenant vorgerückt, seinen Heldenmutb glänzend bewährte. 
An seinen wiederholten Attaquen brach sich der beharrliche Widerstand der Geg- 
ner, Nach einem zwölfstiindigen Kampfe gelang es unserer Vorhut, in welcher 
Mohr mit seinen Husaren stand, den Wald jenseits Hauen vom Feinde zu reinigen, 
und seine Leute allein brachten an diesem Tage über 500 Gefangene ein. Im März 
18U4 wurde Mohr Oberst im Regimente und erkämpfte sieb in der Schlacht bei 
Aüsterlitz das schönste militärische Khrenzeiehen. Nachdem er an den Treffen 
bei Amstätten und Dürnstein, und in dem mörderischen Gefechte bei Seh ön- 
grahen mit grosser Tapferkeit Antheil genommen hatte, ward er in dieser Schlacht 
mit dem Regimente bei der Arriöregarije unter Fcldmarschall-Lieutenant Kien- 
mayer eingethcilt und stand bei Aujezd. Im Kampfe um dasDorfTellnitz stiessen 
zwei Schwadronen des Regiments unter Mobr's persönlicher Leitung auf eine 
mehrere tausend Mann starke Infanterie-Colonnc- Ohne Zeitverlust fiel der tapfere 
Oberst derselben in die Flanke, hieb rasch ein und zerstreute sie. Viele Frai 




^ 



763 

heJwktCD todt oder schwer TervnuidBt den Kampfplatz, 300 wurden gofangen. Für 
Xmea rnhmToilea Angritf wurde Oberst Mohr ausser Capitel mit dem Ritter- 
kronso belohnt. Für deD ohrcnvoUen Antbeil, welchen das Regiment an diesem 
F<UzD^ genommen, wurden demselben nicht weniger als 5 goldene und 27 sil- 
hcnw Tapfcrkoits-Modaillcn zuerkannt. 

Int August IßOS wurde Molir General-Major und im Jahre 1809 mit dem 
Coouumdo der Avantgarde bei dem siebenten Armee-Corps in Polcu betraut. Es 
«■rm ihm 5 Bataillone und 6 Schwadronen zugewiesen. Mit diesen kämpfte er 
baRasciyo (19. Aprilj, Ubersctu'itt beiGora die Weichsel, nahte dem Brückenkopfe 
bdl^sgB und ging dann auf jenen von Thorn vor. Dieser n'urde am 15. Mai mit 
Simii genommen und die jenseits der Weichsel gelegene Stadt durch vier Tage 
badbeesen. Anfangs Juni wurde Mohr gegen Radom entsendet, um diese Gegend 
nr (endlichen Streifereien zu bewahren. Er traf mit 4 Bataillonen und 5 Schwa- 
inoai bei Jcdlinsko ein. In sej'nem Rücken war der General Zajoncz ck mit 
MÜO Polen über die Pilicza gegangen, Mohr besetzte Jcdlinsko mit 1 Schwadron 
nd 4 Cotn|Mignicn und langte am 9. bei Radom au. Der Feind nahm am nämlichen 
Ti|B J«dlin&kfl. Aber am 11, wurde er von zwei Seiten durch General-Major 
Nohr and Fcldmarschall-Lteuteoant Mondct angegriü^en und geschlagen. Die 
Meo rerloreo bW Todtc, weit mehr Verwundete und 600 Gefangene, nebst einer 
KioODe und mehreren MuDitionskarren, und Zajonezek floh mit dem Reste über 
io PQicza and Weiclisel zurück. 

IGt gleicher Auszeichnung wirkte Mobr als Brigadier bei dem Auxiliar- 
Corp« gegen Frankreich und erhielt im Juli 1813 die Beförderung zum Feld- 
■■nriiAll - Li Gu te nan t , 

Eis Bo erprobter General wie Mohr dürft« bei den grossen Ereignissen der 
Ufnden J&hre nicht fehlen. Im i-ierten Corps (General der Cavallerie Klenau) 
der tcrbKndeten Heere befehligte er die I. Division und unternahm in der Vfilker- 
icUaebt bei Leipzig den Angriff auf Penig und die Verthcidigung des Kolmbcrges. 
tat «ebwcro Vemundung in dieser Schlacht hielt ihn längere Zeit vom KrJcgs- 
i^upUtzo fem, und erst im Jahre 1815 erschien Mohr wieder auf diesem Felde 
jirTkiügkeil, welche» «einen Talenten und seiner Umsicht die lohnendsten Anerkon- 
brachte. Bw Eröffnung des Fcldzugcs gegen Murat übernahm Mohr 
ido des Postens von Occhiobello, leitete den Ausfall aus dem 
1 2. April und rückte bis Ferrara vor. Er befehligte dann die erste 
,doCenlrams{FcldmarHchall-Lieutenant Biancbi) der operirendcn Armee 

Vnral nnd traf schon am 3Ü. April in Tolcntino ein, nährend seine Vor- 
uu Fosae des Berges, auf welchem Macerata liegt und wo Mural sein 

]QArticr aufgeschlagen hatte, Stellung nahmen. Zu der entscheidenden Schlacht 

IcQtino, in welcher Mohr das Centrum und den linken Flügel unserer Armee 
wesentlich bei, verfolgte dann die Neapolitaner längs der Meeres- 



764 

kfbte, tmd ab in Capua In Fol^ der MjIitär-ConTention zu Casaianza am 21. Mai 
ein Aofttand der Soldaten und des Volkes aosgebrochen war, der Minister Gallo 
ttnd der General-Lieutenant Carascosa persönlich Gefahr liefen , erschien Mohr 
mit einer Schwadron Husaren und stillte den Aofrohr in kürzester Zeit Von hier 
rückte er nach Apnlien und nahm in Foggia sein Hauptquartier. 

Nach dem Einzüge des Königs Ferdinand in Neapel (am 17. Juni) blieb 
Mohr mit 14^000 Österreicher als Commandant der Occupationstruppen in diesem 
Lande zurück und erntete durch humanes einsichtsvolles Wirken die Anerkennung 
des K(;nigs und die Achtung der Bewohner Neapels. Im Juli 1825 wurde Mohr 
Stadt- und Festungs-Commandant in Venedig und zwei Jahre später commandirender 
General in Siebenbürgen. Dadurch war aber das Vertrauen seines Kaisers noch 
nicht ersch/ipft^ denn Mohr wurde im October 1830 , nachdem er einige Monate 
früher die Würde eines Generals der Cavallerie erhalten hatte , zum Hofkriegs- 
raths-Vicepräsidenten, und nach Jahresfrist zum Chef der Militär-Section im Staats- 
ratbe ernannt. 

Fünfzig Jahre hatte dieser ausgezeichnete Krieger dem Vaterlande die 
erspricsslicbsten Dienste geleistet, als er sich im Februar 1836 in den wohlver- 
dienten Ruhestand zurückzog; der Kaiser lohnte ihn mit dem Grosskreuze des 
Leopold-OrdenS; dessen Commandeurs-Insignien Mohr schon im Jahre 1815 
für seine namhaften Verdienste vor dem Feinde erhalten hatte. 

Mohr bescbloss; der Letzte seines Stammes, dasirdische am 13. Februar 1847 
zu Clausano im Venetianischen. 

TlR8KTfIfAU8EN, Ferdinand Graf von, kaiserlich rassischer Capitän und Flügel-Adjutant, 
wegen besonderer Auszeichnung bei DUrnstcin unter dem kaiserlich russischen General Kutu- 
• ow. Blieb in der ächlacht bei Austerlitz am 2. December 1805. 



lin nnd liebemigite Promotion (April 1806). 

Auf Hoiner MaJestXt Defehl wurde unter dem Vorsitze des Feldzeugmeisters Grafen Ferraris das Ordens- 
(■apitel zu Wi^n einberufen, um die Oosuche aus dem abgelaufenen Feldzuge zu prüfen und zu entscheiden. Das 
Capltol tagte vom 1. bis 86. April und fand 8 Commandeure und 22 Ritter für die Aufnahme in den Orden 
würdig. Der Kaiser bestStlgto diesen Ausspruch und Hess den Neuemannten die Decoration durch die Behörden 
■ustellen. 

COMMANDEURE. 

SCIIWARZENBERG, Karl Philipp Fürst zu, Feldmarschall - Lieutenant, 
Ordons-Rittor für seine ganz besonderen Verdienste bei Jungingen am 
11. October 1805; ward Grosskreuz im Jahre 1813 (s. d.). 



765 



OTlKILLY, Andreas Graf von, General der Cavallerie, Inhaber de» dritten 
CbcvtnslegerB- Regiments, einem uralten Irischen Geschlechte entsprossen, war am 
3. August 17422uBa]lenlogh in Irland geboren. Er nahm schon nach den Huberts- 
borpor Frieden kuserUche Dienste als Volentär im 54. Infanterie-Regimente, avan- 
ärte in wenigen Monaten zum Unterlieutenant und wobnte dem bayerischen Erb- 
folpekriege als Major und FlÜgel-Adjutant boj. Den Sturm auf Belgrad ninchte 
'VRcill; aU Oborst-Lieutonant des reduciiten Dragoner -Regimentes Modena 
Biii, ruckte 1790 zum Obersten und 1794 zum General-Major vor. Doch begann 
lue cnprieääliche Thätigkeit erst mit dem Jabre 1 796. 

Am Vorabende der Schlacht von Amberg batteO'ßeilly den Feind beiTaa- 
ang«nm recognosciron. Sobald er die Möglichkeit erkannte, ilin aus seiner Stellung 
■■ Twdringen, unternalim er mit dem glücklichsten Erfolge den Angriff, der ihm so 
en gelang, dass er, dadurch aufgemuntert, mit anbrechendem Tage eine 
mtoder glückliche Atta<{uc wiederholte und den Feind bis Teiningen zurlick- 
Wirf. Sowohl hier als auch bei Castel, wo er das Comniando über die unter den 
Obenten von Levachich und von Bourbon gestandene Vorhut führte, trug 
O'Bsillj durch Entsehlossenheit und standhafte Beharrlichkeit, mit welcher er dem 
ttMgiten feiadlicbcn Kanononfeuer widerstand, viel zum Rückzüge des Feindes 
:gqpa Amberg bei. Auch bei der erfolgten Vereinigung der Haupt- Armee mit Feld- 
HugiueiaterGraTWartens leben, wobei ihm ein Pferd unter dem Leibe verwundet 
wde, war Gttieral O'Reilly thatkräftigst bemüht sich mit dem möglichsten 
NMud verwenden zu lassen. Am I. September 1796 erhielt der Graf den Auf- 
biß wthrcnd dos Gefechtes von Geisenfetd nuch Ingolatidt zu rücken, um die 
Awtig« BezatiuDg zu degagiren. Ungeachtet der Überlegenheit des Feindes erreichte 
•rMiMn Zweck tmd verschaffte dem General Freiherrn von Kcrpen Gelegenheit, 
M naem Tbeile der Garnison einen vortheilhaftcn Ausfall unternehmen zu lassen. 
BddcrVorrlickung vonUlm griff ihn der Feind unvermuthetan, um sich einer 
Aitküiu) zu bcmeistem, von der das Vordringen der Armee behindert werden 
Imul«; der unerschrockene General detachirte auf das Eiligste den Obersten Grafen 
Pilffjr von Karansgh - Kürassieren mit 1 Division und 1 Batterie auf diesen 
PbhI, and verhinderte nicht nur die Absicht des Commandanten der feindlichen 
Varhn, Gcoeraleo Desaix, sondern zwang ihn durch weiteres Vorrücken seine 
flHAitiig m verlassen. Als der Feind bei Rothweil den mit 6 Bataillonen und 
i Sckwsdroncn postirten Obersten von Immens nach längerer Gegenwehr zam 
gezwungen hatte, wurde OK ei II y mit anbrechendem Morgen in Marsch 
gegen jenen Ort eine Recognoscirung vorzunehmen. Er traf den Feind in 
griff ihn beherzt an und nöthigteihn zur Flucht. Das gut angebrachte 
Artillerie O'Reilly's erlaubte dem Feinde nicht sich in Roth weil fest- 
Bei dem ferneren Vorrücken durch den Simons-Wald fand der tapfere 
bei ■etoam Anlangen in Bleivich (vor Waldkireheo) eine zahlreiche, ihm 




766 




sehr üborlegene feindliche Vorhut unter Conunando des Generale Moreaa, 
■welcher die Absicht hatte über Elzach in daa Kinzingor Thal und in den Simons- 
Wald einzudringen, um dem Erzherzoge Karl fUr die linke Planke Besorgnisse 
cinzuflüssen, General O'Roilly erschöpfte alle Mittel, der feindlichen Übermacht 
in anhaltenden Gefechten und mit nicht geringem Verluste an Mannschaft durch 
zwei volle Tage zu widerstehen, und es gelang seiner rostlosen Thätigkeit und 
standhaften Beharrlichkeit, das fiir die kaiserliche Armee so gefährliche Unter- 
nehmen Moreau's zu hintertreiben und den überlegenen Feind mit seiner abge- 
matteten und geschwächten Truppe aufzuhalten. lu dem Gefechte von Tiersheim 
(21. April 1797) that der wackere O'Reilly mit seiner geringen Truppe das Mög- 
lichste den wert überlegenen Feind zurückzuschlagen, und als er sich in der iman- 
genehmen Nolhwendigkeit sah den Rückzug anzutreten, verweilte er zur Sammlung 
der zersprengten Truppen und zur Deckung des Marsches der Colpnnen stets bei 
der Nachhut, bemühte sieh die entstandenen Unordnungen zu begleichen, fiihrte 
seine Truppe während des Rückzuges nach Oti'enbui'g verschiedene Male selbst 
gegen die iveit überlegene feindliehe Vorhut vor und rettete durch diese Aufopfe- 
rung, die ihm die Kriegsgefangenschaft zuzog, einen beträchtlichen Theil der 
Reaervo-ArtiJlerie und das Meiste des Gepäckes, -welches grösstentheils ohne den 
Anfcnthalt, den O'Reilly der feindlichen Vorhut wahrend des Vordringens nach 
Offenburg verursachte, dem Feinde unvermeidlich in die Hiindo gefallen wäre. 

Dem General-Major Grafen O'Reilly, der auch in der Schlacht bei Zürich 
und als Fcldmarschall - Lieutenant bei Marengo mit gewohnter Umsicht und 
Tapferkeit focht, ward für diese ausgezeichneten Thaten das Ritterkre uz zu 
Theil. 

Im Jahre 1 SUb stand O' R e ! U y bei der Armee in Italien. Sein Verdienst an 
dem errungenen Siege bei Caldiero war ein sehr wesentlicher; dies bezeugte 
Erzherzog Karl — unterdessen Commando O'Reilly schon so vielfältige Proben 
von ausnehmendem Muth, von Einsicht, Klugheit und Entschlossenheit an den 
Tag gelegt hatte. 

Am 30. October stellte O'Reilly seine Division aus 2 Brigaden Infanterie 
und 2 Covallerie- Regimentern k cbeval der Strasse von Verona vor der ver- 
schanzten Position bei Caldiero in die Schlachtlinie, und diente der Avantgarde 
zur Unterstützung. Nachmittags 2 Uhr hatte der Feind unsere Vorhut vom Post- 
hause und von Casa-Rizi zurückgedrängt, und es wurden die beiden Infanterie- 
Regimenter Erzherzog Ferdinand und Eszterhäzy, dann das Kaiser-Chevaux- 
legers -Regiment, von der Divisiou des Feldmarschall-Lieutenants O'Reilly, gegen 
Strk vorgeschoben, um die Avantgarde aufzunehmen und zu unterstützen: Hier 
entspann sich ein mörderisches Gefecht; der Feind verdoppelte seine Anstrengung 
fiegen das Centrum unserer Stellung, da seine Angriffe auf den rechten Flügel bei 
Colognoia vereitelt wurden, und nöthigle in der Abeuddäinmerung sowohl die 



767 

Anatgarde als auch die »ur Unterstützung vorpoussirton Uegimcntor zum Rückzüge 
Hf ilio Ton Fcldmarscball-Lieutonant O'ReJUy besetze Posilion, Diesen Punct 
ncMcfal«!) dann die Franzosen zu durchbrechen, — gelang ilmen das Vorhaben, 
wmr dJc Schlacht zu ihrem VorthcÜe entschieden. Das erkannte der umsichtige 
Cfteilly und wussto in diesem kritischen Momente nicht nur seine Truppen zu 
nOiiroa, sondern auch durch seine Entschloäsenheit es daliin zu bringen, dass dem 
< w gcn lfun gen en Feinde der kräftigste Widerstand entgegengesetzt und er sein Vor- 
•c^bca musste. Der Sieg, der kurz vorher noch zweifelhaft gewesen, war 
die Behauptung der vom Feldmarschall-Lieutcnant O'Rcilly innegehabten 
Stallnag >u unseren Gunsten entschieden. 

O'Re i II y erhielt fiir diese entscheidende Ausdauer mit Klugheit gepaart das 
CoBmandeurkrcaz. 

Koch einmal, das letate Mal, im Jahre 18IJ9 sollte der 67jiihrige General sein 
£eliirert fijr die Vcrtheidigung des Vaterlandes ziehen. Er war Stellvertreter des 
Eralierzogs Maximilian d'Este, welcher das Ober-Conimando in der von den 
Fraiixoeea bedrohten Hnupt- und Residenzstadt führte. Die Besatzung zahlte 
]6,0U0 Mann Linientruppen und Lnndwehr. lÜOÜ Studenten und Künstler und 
Bärgermiirtär. Am 10. Mai wurde der Commandant zur Übergabe aufgefordert ; 
.£e:«e Dni] eine zweite AufTorderung aber zurückgewiesen. Den folgenden Tag um 
9 Chr Abcods orüffnetcn die Franzosen das Bombaidement und unterhielten es 
*lli 3 Cltr frUb; eine feindliche Abtheilung drang über den Donauarm in den 
ir, am die Stadt zu umzingeln; da zog Erzherzog Maximilian mitder Mehr- 
der Itezalzung Über die Brücke am Tabor auf das linke Donauufer und brannte 
«iaab; 0*ßeilly übernahm das Commando und schloss die unvermeidliche Capi- 
Idtfion ab, worauf die Franzosen am 13. Mai Wien besetzten. 

Im Jänoer 1810 wurde Graf O'Reilly mit dem Charakter eines Generals 
ier CavaUerie iii den Ruhestand vorsetzt; er starb zu Fenzing bei Wien am 
ä. Afiril 1833. 

VlSCENT, Karl Freiherr von, General der Cavallerie, geheimer liath und 
Klowerer, loluber des 4., gegenwärtig 7. Dragoner-Regiments. Dieser tapfere 
S«liUt snd gewit^e Diplomat, der mit persönlichem Muth einfache Manieren, 
IWrtn Geül und viele Gewandtheit verband, war zu Florenz im Jahre 1 757 geboren 
•J Utnl als Licuionant bei Latour-Dragoner im 1 9. Lebensjahre die Militürdicnatc. 
Im Kriege gegen dio niederländischen Insurgenten hatteVincent als Kitt- 
■Msr am 18. Mai 1790 bei Gelegenheit einer Recognoscining in der Gegend 
'■HaddeMin eine im Vorrücken befindliche feindliche Colonne von 700 Mann 
■umnem halb so starken Commando aus eigenem Antriebe angegriffen, ihre 
Fhoi« durchbrochea, den Feind zum Rückzuge gezwungen und bis Icliippe 
l ri i%t Hier nahm er Stellung, welche ungeachtet der kräftigen Anstrengung 



768 



des Gegners ao lange vertbeidigt wurde, bis Vincent Veratärkungen an sich 
ziehen koimfe ; nun griff er die AufständiBchen erneuert an und zwang sie sair 
regellosen Fluctt. Da diese glückliclie Unterneliniung auf die Operationen im 
Allgemeinen wesentlichen Einfluss hatte, so wurde Vincent des Ritterkreuzes 
für würdig erkannt. 

Im Jahre 1794 zum Major und FIUgel-Adjutanten beim Feldzeugmeislei- Grafen 
Clerfayt ernannt, im folgenden Jahre beim General der Cavallerie GrafenWurm- 
ser verwendet, in welcher Stellung ersieh bei der Einnahme des Galgenforts vor 
Mannheim am 29. October durch Eifer und Thätigkeit auszeichnete, folgte V i n- 
cent seinem Chef nach Italien und überbrachte im August 1796 die Nachricht 
von dem erfolgten Entsätze der Festung Mantua nach "Wien. Kaiser Franz 
behielt den mit vielen Vorzügen begabten Officier als General-Adjutant in seiner 
Nähe und ernannte ihn zum Obersten. Im April 1797 unterzeichnete Vi ncent 
mit General-Major Merveldt die Friedens-Präliminarica mit Bonaparte und 
Clark e im Schlosse Eggenwald bei Leoben, wurde im März des folgenden Jahres 
Mitglied einer in Wien zusammengesetzten Commission, welche bestimmt war ein 
neues Reglement für die Armee zu entwerfen, ging im September 1798 der russi- 
schen Hülfsarmee entgegen und regelte ihren Marsch durcb die kaiserlichen Staaten. 

Bei Ausbruch des Krieges bat Vincent um die Eintheilung in die Armee 
und erhielt die Eintheilung als zweiler Oberst bei S a v o y o n , ward aber im folgen- 
den Jahre zum Commandanten des 13. Dragoner- (nunmehr 10. Uhlanen-) Regi- 
ments ernannt. Bald darauf erfolgte Vincent's Beförderung zum General-Major 
mit der Bestimmung als Brigadier in Vicenza. 

Im Feidzuge des Jahres 1805 stand Vincent bei der Armee in Italien und 
erhielt, als nach der Schlacht von Caldiero der Rückzug in die Erbstaaten ange- 
treten wurde, das wichtige Commando der Arrif^regarde. Es galt bekanntlich die 
Vereinigung des Erzherzogs Karl aus Italien mit dem aus Tirol rückkehrenden 
Erzherzoge Johann zu bezwecken. Vincent, von der Wichtigkeit seiner Auf- 
gabe durchdrungen, löste sie auf die ausgezeiclmetsto Weise; er wusstc den nach- 
ruckenden Feind zu beschäftigen und unserer Armee Zeit zu verschaffen, dass sie 
den Marsch ohne Störung fortsetzen konnte. Einige Male hatte Vincent hitzige 
Gefechte mit Massena'a Truppen zu bestehen, imponirto diesen aber in allen 
Gelegenheiten, Am 15. November zog sich Vincent mit seiner Nachhut auf 
das linke Isonzo-Ufer und sollte dieses ao lange halten, bis das Gros einen Vor- 
sprung auf der Strasse von Görz nach Prewald gewonnen haben würde. Die 
französischen Divisionen Molitor, Gardanne und Partonneaux vereinig- 
ten sich mit den Cavallerie - Divisionen Mermet und d'Espagne and ver- 
suchten vergebens den Übergang bei G ö r z zu erzwingen und diese Stadt zu 
gewinnen. Während dieses Frontal-Angriffes sollten drei andere französische Divi- 
sionen sieh der Brücke von Rubia am Zusammenflusse der Wippaoh und des 



769 

Ina» bemoUtern und durch cino rascho Vorrückung auf Coroizza dem General- 

Xijor Vincent den Rückzug auf Ileidenschaft absclmeiden. Allein dieser tapfere 

GeDcnl hatlo die feindticlie Übermacht bei Gör z durch vortheilhaft aufgestellte 

Biderieii den ganzen Tag am rechten Isonzo-Ufer festgehalten und die cinbrochendo 

Nadtt benUlzl, um ungefährdet den Rückzug nach Cernizza ausführen zu künneo. 

Hier ward er am 18. mit Ungestüm angegriffen, trieb aber die Franzosen mit Ver- 

hjt mrQck. Nicht besser erging es ihnen am folgenden Tage bei Santa Croce, wo 

Viacent Stellung genommen hatte. Gegen den grössten Thcil der feindlichen 

Jbclit hi«]l er sich zwei Stunden hindurch mit bewunderungswerther Tapferkeit 

nd trat erst dann den Rückzug nach Heidenschaft an, als sein rechter Flügel durch 

te Chaäscar-DivisJon Merlin mit Umgehung bedroht wurde. Um des ungestüm 

jrlogeodco Gegners los zu werden, stellte er sich bei Ileidenschaft erneuert auf, 

Thing die wiederholten Angriffe zurück und gewann ohne Verlust die Höhe von 

Wippaeb. Da Massena zur Überzeugung gelangte, dass er gegen unsere Arricre- 

gtrde and ihren entschlossenen Üommandanten nichts auszurichten vermochte, so 

d er ron der weiteren Verfolgung ab, und Vincent konnte den weiteren Marsch 

■sbc^cUigt fortsetzen. Das Commandcurkrcuz und die Ernennung zum Inhaber 

im X. Cheraoxlcgers- (beutigen 7. Dragoner-) Regiments, desselben, in welchem er 

le militüriacbe Laufbahn begonnen hatte, wurden dem ausgezeichneten Krieger 

Beweise rcrdicotcr Anerkennung zu Theil. 

H«tte Viacent in den vielen Feldzügen durch Muth und Einsicht sich allge- 
iae Achtung erworben, 60 sollte er im März ISÜ7 das neue Feld der Diplomatie 
Klea, eine Verwendung, welche die hervorragendere in seiner militärischen 
Lurfbahn wurde. Während des Krieges zwischen Napoleon und Preussen wurde 
ViBceot in dae Haapt<|uartier des Erstcren gesendet, um des Kaisers Vermitte- 
Inap zwiaehen den kriegrührenden Mächten anzutragen. Die Mission scheiterte an 
4ts VerliEllnüs«n. 

Im Jahre 1809 stand Vincent bei der Armee in Deutschland und comman- 
£rM enie Diviaion im 6. Armee-Corps Hill er. Bei Rottenburg (20. April) kam 
tr Hf dem Mv«che gegen Rohn mit den Franzosen zuerst ins Gefecht. Er kämpfte 
bti LAMbbot und Neumarkt, deckte im Treffen bei Ebelsberg (ß. Mai] mit 
t la^ttterie- und 1 Cavallerie-Regiment die Brücke der Traun und den Übergang 
der Docb von Lins herabrückenden Truppen, folgte dann fechtend über die Brücke, 
•kille dcb jeoseits bei Asten auf und unterstützte dadurch den Marsch der Armee 
BillerV Vincent nahm auch ausgezeichneten Antheil an den Schlachten von 
i^^ern und Wagram. 

Nach dem Friedensschlüsse erneuert zu diplomatischen Zwecken verwendet, 
^vi tr I81Ü mit dem Commandcurkreuze des Leopold-Ordens ausge- 
MxWl, bei Eröffnung der Befreiungskriege aber von der kaiserlichen Regierung 
»i» BeroUmXcbtigter der Nord -Armee unter dem Kronprinzen von Schweden 




77U 



m, wo er alleu Vorfallen bemolmtti und mit lieui Urosskrcuze des Schwert- 
Ordons ausgezeichnet wiii-de, 

Im Jahre 1815 erhielt Vincent bis zur völb*g:eii Lösung der grossen Fragen 
das General-Gouvernement in Belgien und Holland, wohnte dann als kaiserlicher 
Bevollmächtigter im Hauptquartiere Weliington's der Schlacht von AVaterloo 
bei, wo er sich cxponirte nu d vm-wiind(^t wurde, und übernahm dann den Posten 
eines ausserordentlichen Botschafters nra franzijsi sehen Plofe, dem er durch eilf 
Jahre vorstand. 

Im September 1818 erschien Vincent mit dem Fürsten von Metternich 
als Gesandtor Österreichs auf dem Congresse von Aachen, wo hauptsächlich dla 
Frage über die Räumung Frankreichs von den Truppen der Alliii-ten verhandelt 
vsTirde. Bis zum Jahre 1825 bekleidete Vincent den Posten eines ausserordent- 
lichen Botschafters am Hofe zu Paris und zog sich, nachdem er fünfzig Jahi-o 
seinem Monareben alt! Soldat und Diplomat gleich ausgezeichnet gedient hatte, 
belohnt mit dem Grosskrcuze des Stephan-Ordens in den Ruhestand. Gleich- 
zeitig übertrug er auch die rnhabersrecbte anFeldniarschall Grafen Bellcgarde, 
der sie in seinem Namen ausübte. 

Vincent starb zu Biancourt in Lothringen am 14. Octobcr 1834, geehrt von 
seinem Kaiser, der ihm viele Beweise des Wohlwollens gegeben, geschätzt als 
Mensch und bewundert als Krieger, da er die Eigenschaften eines ausgezeich- 
neten Soldaten mit jenen eines gewiegten Staatsmannes zu vereinigen verstanden 
hatte. 



EOUSSEL (Rousseles), Franz von, Oberst bei Latour-Chevauxlegers , fiW 
besondere Tapferkeit vor Ulm am 11. October 1805; ward 1809 Comn 
deur (s. d.). 

ßVÄLABT vonliappancourt, Karl Leopold Graf, General der Caval- 
Icrio, geheimer Ilath und Kämmerer, Sohn dos im Jahre 1805 verstorbenen Feld- 
marschall-Lieutenants Grafen Leopold, war zu Wien 1766 geboren. Vorerst in 
der Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt erzogen, besehloss er seine Studien m 
der Thercsianischen Rittcrakademic und erhielt in Juni J 784 eine Licutenantsatelle 
bei dem Dragoncr-Regimcnte Latour, wo er im Juni 1794 zum Kittmeistor vor- 
rückte. Allen jenen Ereignissen, an welchen das Regiment Antbeil genommen und 
sich den unvergänglichen Ruhm begründet hatte, wohnte Civalart vom Bcginno 
der Sehelde-Strcitigkcitcn in Holland bis zum Frieden von Canipo Fomiio mit Aus- 
zeichnung bei, und wurde im Mai 1799 Major und Flügel- Adjutant des Erzherzog« 
Karl. In diesei* Verwendung war er so glücklich dem Vertrauen des erlauchtea 



771 

F«Ulkcrni in der Weise au entaprephen, Jass er schon im November I8(J0 zum 

Obcnt«n nnd Commamlnnten des Chevauxlegcrs-Recfiments Fürst Uosenberg 

wurde. 

Ratte Civaiart in de» bisherigen Kriegen Beweise vordenkender ThätigJteit 

nintsmcben Überblickes, gcpanrt mit Muth und Tapferkeit, in dem beschänk- 

s Wirkungskreise an Tag zu legen Gelegenheit gehabt, so war für ihm der FeM- 

1805 in Deutschland die wahre Schule, diese glänzenden Eigenschaften zur 

.Vnerfeeimuns zu bringen. Sein Regiment stand vor Eröffnung der Fcind- 

ME^elten von Kniehcii^ bis Pforzheim gegen Aalen vereinzelt; trotzdem verstand 

Cir»lart dasselbe so geschickt und zweckmä-ssig zu leiten, dass er nicht nur nach 

i&n Übergänge der Franzosen über den Rhein deren Colonncn-Märsche cofoyirtc, 

«Dch, als die Feindseligkeiten unerwartet zum Ausbruche kamen, sofort zu 

wusste. Am Tage des Angriffes auf unsere Stellung bei Ulm (11. Octo- 

fc<r) macbtc Civalarl dem Feidmarschall-Lieulenant Mack in Gegenwart des 

PddnMTschiill-Lieuteiinnts Fürsten S eh warzcnberg den Vorschlag, wie man den 

Feind dadurch umgehen und in Kücken nehmen könne, wenn man die Cavallerie 

Wa!d von Moritzen, die Infanterie aber durch denselben führe, welcher Vor- 

•ekU^ niHit nar angenommen, sondern auch so glücklich in Ausrührung gebracht 

«vrde, doAs die Franzosen Naehthelle erlitten. Auf seinen Befehl griff auch die 

Obonrt-LicBtcnantA-Division am lö. in der Ebene zwischen Langonau und Albek 

I («adlJche Infanterie- Hai bbrigade an und nahm sie grösstontheils gefangen. 

debdaa Corps dos Feldmarschall-Lieutenants W erneck nach der ersten fcind- 

leo AafTorderung zur Übergabe am 16. im Angesichte zweier feindlicher Üivi- 

len nach Heidcnlieim zurückzog und in der Art unerwartet von einem an Caval- 

• Dberlegcnen Corps unter Murat angegriffen wurde, dass die Arriirogarde 

I, die Infiuilcne-Culonncn serstreut, ein grosser Theil derselben gefangen, 

nd Werneck's Tritppu vielleieht schon an diesem Tage aufgelöst und gefangen 

«nrdeo wäre, hatte Civaiart die drei Divisionen seines Itegimenta aus eigenem 

Aatriebe dem Feinde cntgogengofiihrt, und durch mehrere entschlossene Attaquen 

ridrt nur von der fernoron Verfolgung abgehalten und den zerstreuten Colonnen 

aiknr Fomirung die nöthige Zeit verschafft, sondern auch dadurch die Möglich- 

Ikit berbeigenihrl, dass das Corps das in seinem Rücken gelegene DetiM bei Iler- 

kr«rhtia^eD gewinnen konnte. An dem Tage der Capitulation bei Troch- 

Ktfingon gflUng es dem Obersten Civaiart sein Regiment im Angei^iehte 

init» glUcIilich und ohne Verlust in das anspachischc Gebiet zu führen, 

dem numerisch überlegenen Mural auf das Lebhafteste verfolgt 

Ibni batteo sich auch Feldmarachall- Lieutenant Prinz Hohenzo Hern, 

fllttovl-Hajar M«c8(<ry und Oberst Hertelendy von PalatinaU Husaren angc- 

iind die lictlung des Regiments von der Gefangenschaft war allein 

ealMrhlrMaenen und einsichtsvollen Führung zu danken. Als Murut das 



Corps des Erzherzogs Ferilinan d bei Eschenau unerwartet angriflf, die Arriere- 
gardo durch die Übermacht des Fein Jos geworfen und verfolgt wurde, so dass daa 
Hauptquartier keine Zeit gewinnen konnte sich zu retten, formirte Civalart 
sein im ^rarächc befindliches Regiment schnell zum ÄngrÜfe, und attai^oirf e den die 
Arriircgarde verfolgenden Feind , welcher mit deraelben zugleich in Eschenau 
eingedrungen war, viermal mit seltener Unerscbrockenheit und Entschlossenheit. 
Hiedurch verachatftc er nicht nur den geworfenen Abthcilungcn die Gelegenheit 
sich wieder zu ralliiren, sondern auch der rückwäi-ts im Füttern begriffenen Caval- 
leric Zeit zum Aufzäumen und Sammeln, um eeinen Angriff unterstützen zu können. 
Wenn der Erfolg bei so oft wiederholten und durch die übrige Cavallerie unter- 
stützten Angriffen dennoch misslang, so war dies nur der grossen Überlegenhät 
des Feindes zuzuschreiben, welcher das Corps mit 9 Regimentern Cavallerie nicht 
nur in der Fronte, sondern auch in beiden Flanken drängte, indess der Erzherzog 
Fordinandihmkaum mehr als 12 Schwadronen entgegenstellen konnte. Diemehr- 
ßUtig wiederholten Anstrengungen, welche bis in die späteste Nachl dauerten, ver- 
mochten zwar nicht zu verhindern, dass das Corps endlich geworfen wurde ; trotz- 
dem gelang es nur Civalart's Thätigkeit und Ausdauer, der mit dem Reste der 
braven Chevauxlegers den Nachtrab führte, den Erzherzog mit der Handvoll Tapfem 
vorder nahen Gefahr einer Gefangenschaft zu bewahren, obgleich Civalart, voa 
den feindlichen Reitersc haaren lebhaft verfolgt, durch mehrere auf den Helm 
erhaltene IDebe betäubt vom Pferde stürzte. Endlich war die flüchtende Abtheüung 
80 weit in Sicherheit, dass sie den Maisch nach Eger ohne besondere Hindemisso 
fortsetzen konnte, welchen der tapfere Oberst mit seinem Regimente und einer 
sehwachen Schwadron Latour- Dragoner als Arrieregarde deckte. 

Diese ei-wiesenen aussergewöhnlichen Verdienste vermochten Civalart doch 
nicht, um das wohlverdiente Ritterkreuz einzuschreiten. Seine Bescheidenheit, 
für die in dieser gefahrvollen Lage an Tag gelegten Beweise von Muih , Standhaf- 
tigkeit und Beharrlichkeit eine Belohnung nicht anzusuchen, der Öffentlichkeit die 
Thaten die er wirkte nicht aufzudecken, uud zufrieden mit dem Bewusstaein gethan 
zu haben was or gekonnt, veranlassten indessen das Officier-Corps des Regiments, 
aus so mancher Gefahr von ihm allein gerettete Zeugen der Ansichten und Hand- 
lungen Civalart's, ad seiner Statt das geltend zu machen was er geleistet, 

„Das Officier-Corps würde sich eines Verbrechens schuldig fiihlen, wenn es 
nicht das M ort ftlr seinen hochvcrdicnlcnCommandanten führen würde", so hiesses 
in dem vorgelegten Gesuche. .Seine Auszeichnung, seine Belohnung ist Auszeich- 
nung und Belohnung fUr das ganze Regiment, in ihm und mit ihm allein wird 
CS geelirt, und um dieses zu erreichen, ist das Officier-Corps in die Nothwendigfceit 
gesetzt, den vorgeschriebenen Weg zu verlassen und in einem das einmüthige 
Handeln bekundenden Zougniss soinc Eilte vorzulegen". Bei wahren Verdiensten 
wird auch die Form der Geltendmachung derselben nachsichtig beurtheütj dies 



773 

*w b» Civalart der Fall, dem dag Capitel einslimmig das Eitfcvkreiiz zuzn- 
(rkeoaen sich verpäichtet sah. 

Im Jahre 1809 commandirte CJvalart ala Genoral-Major eine Infanterie- 
Brigade bei dem 7. Armee-Corps in Polen, und kUmpflte bei Kasczyn; im Juli 
IB12 aum Feld marsc Lall -Lieutenant befördert, erhielt Graf Civalart im Jahre 
1813 das Commando einer Division im Cavallorie- Roserve -Corps unter Feld- 
DsrscIiall-LieateDant Graf Nostitz, und entwickelte in der Schlacht bei Leipzig 
bri der Verfolgung der Franzosen die oft bewährte Einsicht und Thätigkcit, so 
« JD der Relation angeriihmt wurde. Seine Leistungen im Laufe dieser welt- 
cradiQttenidcn Vorgänge wurden nach dem Pariser Frieden vom Könige von Preus- 

lit dem rothen Adler-Orden 1. Classc gewürdiget. 

Fetdmarschall-LieiitenRnt Civalart v\'urde in der eingetretenen Friedens- 

le aa mehrfaitigcn ehrenvollen Stellungen berufen; so im Jahre 1829 zum 
St^miretcr des Commandirenden in Ungarn und im März 1831, bereits zum 
Geoeral der Cavallerio befördert, zum Capilän der Trabanten-Leibgarde undHof- 
bwgirache; nach dem Ableben des regierenden Herzogs zu Sachsen-Coburg wurde 
Civalart im Jänner 1844 erster Inhaber des l.Uhlanen-Regiments, und hei seinem 
Cbertritle in den Ruhestand (Februar 1851) mittlem Gross kreuze des Leopold- 
Ordern aosgezcichnet. 

SOCK, Jakob von, Oberst, war zu Neustadt an der Hardt in der Pfalz 1764 
Bb sum Ausbruche der franzSsisehen Revolution diente er 10 Jahre bei 
Scxe-Husaren, wurde im Februar 1793 als Oberlieutenant in Österreichische 
Dieiule Obemommen und im JuoJ 1798 als Rittmeister in das 6. Chevauxlegors- 
il cingcthcilt Diese neu errichtete Truppe war als 13. Dragoner-Regiment 
, and schon 1799 bei der Armee in Deutschland unter FeldmarsohaU- 
Sztdray mit Erfolg verwendet worden. Dom thatenlustigcn Ritt- 
Sack bot schon dieser Feldzug manche Gelegenheit zur Auszeichnung. 
8o ibcrfiel er am 16. Kai das dritte französiselie ITusarcn-Rcgimcnt im Lager bei 
Lcinfti), unweit Heidelberg, tüdtcte gegen 100 Mann, zersprengte den Rest, 
Bwfaie mehrereOernngcncund erbeutete 60 Pferde. ImGefechtebeiBittigheim 
(1. Norembcr) zeichnete er sich durch eine glänzende Attafjue auf des Feindes 
unken FlDgel aus und machte 80 Gefangene. Im folgenden Jahre überfiel Sück im 
Veru&e mit Ililtmcistcr florviitb von Vi^csoy - Husaren die Stadt Wangen am 
19. Jtmi, hob einen feindlichen Courier auf und machte reiche Beute. 

Bddein Angriffe derFranzoscnauf Ulm am 11.0ctoberl8Ü5 stand Süek mit 
Jcr Obent-Liontenonts-Division, einer Compagnie Tiroler-Jäger und einer halben 
lüHria ror Haslach auf der Strasse von Albok gegen Elchingen auf Vorposten, 
■b dir franaAtacbe General Noy mit drei Divisionen gerade auf diesen Punct den 
Angriff anlemommon batte. Ohne einen Ycrlbst zu erleiden zog sich 



774 



k 



Sück in die ilim angewieaeiie Aufstellung auf dem recliten Flügel unaerer Armee 
zurück. Unmittelbar vor der Front dieses riiigels lag das Dorf Heffingen, 
welches die beiden Regimenter Riessc und Reuss-PIauen besetzt hielten. Der 
Feind richtete alle seine Kräfte auf diesen wichtigen Punct, und nachdem er sieh 
nach längerem Widerstände der vorliegenden Gebüsche bemeistert hatte, brachte 
er die beiden Regimenter zum Weichen. Dies hatte der tapfere Rittmeister kaum 
bemerkt, als er mit seiner Division , unterstützt von der Oberst 1. Schwadron und 
einer Division Üohenlohe-Dragoner, sich auf den Feind warf, ein links vom Orte 
auf den Anhöhen gelegenes, von diesem besetztes Gebüsch umging und den Feind 
nicht nur zwang diese das Thal beherrschenden Höhen, sondern auch eine auf 
denselben placirte Batterie zu verlassen; die Infanterie, durch diesesBeispiel ange- 
feuert, bemächtigte eich wieder der kurz vorher verlornen Stellung. Da aber das 
bis an die Donau sich erstreckende Heffingen und jene vorliegenden Anhöhen den 
Schlüssel zu der Position von Ulm bildeten , so ruhten die Franzosen nicht und 
suchten um jeden Preis Meister derselben zu werden. Mit erneuerter Kraft erfolgt 
ein zweiter AngritF; die Gebüsche und die Anhöhen gehen aufs Neue verloren. 
Rittmeister Sück ist aber auch jetzt wieder mit seiner muthigen Reitei'schaar 
bei der Hand; seine Attaque, allerdings von beträchtlichem Verlust begleitet, 
nüthigt den Feind zur wiederholten Räumung der gewonnenen Stellung, und die 
verfolgten IJ^itaillono von Riesse- und Reuss- Infanterie gewinnen durch Sück's 
Hcldenmuth Zeit sich zu sammeln und besetzen zum zweiten Male die Hecken 
und das Dorf. Noch einmal, zum dritten Male, dringen die Feinde in Heffin- 
gen und in die bis an die Donau reichenden Gebüsche ein; da fasst Sück den 
Entschluss das Dorf zu tourniren, die dahin zur Unterstützung eilende feind- 
liche Reiterei anzugreifen und die vorgcdi'ungene Abtheilung abzusehneiden. 
Muthig und glücklich wird auch diese letzte Attaque ausgeführt, der Feind zum 
Weichen gebracht und die verlorenen Vorthoilc bleibend gewonnen, Sück eilt 
jetzt den Fliehenden nach und zwingt sie mit Zurücklassung vieler Gefangener 
und einiger Kanonen zum gänzlichen Rückzuge. Wohl waren diese Gefechte 
hartnäckig, wohl zählte Sück'a Division allein über 50 Todte und Verwundete, 
aber auch der Erfolg war gross, da er das Schicksal des Tages entschied, und 
lohnend fUr Sürk, dem das Ritterkreuz im Capitel einstimmig zuerkannt 
wurde. 

Einige Tage nach dieser glänzenden Tliat (am 15. desselben Monats), hatte 
Sück bei der Vorrückung des Feldmarschall-Lieutenanta Werneck auf Albek mit 
seiner braven Division eine feindliche Halbbrigade aufgerieben. 

Den Feldzug 1S09 machte Sück als Major mit, er zog durch seine vortreff- 
liche Haltung in den Tagen bei Ebelsberg, Neumarkt und Aspern die Auf- 
merksamkeit des Erzherzogs Generalissimus auf sich, der ihn am 1. Juni 1809 zum 
Ob erst -Lieutenant bei Erzherzog Johann-Dragoner ernannte. 




775 

Im Jahre 1813 focht Sück, äcit Äprll Oberst und Regimcnts-Commandant, 
bei Dresileo, wo EraberzogJobann-Dragonei- viele Leute und Pfeide verlor. Ea 
fing ober Dippotdiswalde und Zinnberg nach Böhmen, um in Duz die neue Posi- 
liMi n beliehen. A"i Fusse des Gebirges in den Ebenen bei Tcplitz am 29. August 
äek aunmelnd , hörte Sück ein heftiges GeschUlzfeuer. Bald darauf sprengte ein 
pramvcber Adjutant heran und berief ihn zum Künige von Preussen , welcher auf 
der Bühe vor Teplitz hielt. „Sie sehen, mein lieber Oberst," redete der König ihn 
■n.>diehedenklicheLage uneeresHeeres. Wirft derFeinddonGenoralOat ermann 
tm dem Eng^vege von Kulm, so dringt er noch heute bis Teplitz vor, und alle 
Truppen , die noch ini Gebiige stehen, sind sanimt dem Geschütze und Gepäck in 
ier Augen&cliciu liebsten Gefahr. Ich ersuche Sie daher, mit Ihrem Regimente Alles 
beünitrag^eD, was dieses unglückliehc Ereignis» verliindern kann; die zweckmässige 
Aufstellung Ihres Regiments überlasse leh Ihren eigenen Ansichten." Oberst 
SBek rückte schnell zur Unterstützung der russischen Gardon gegen Kulm, die 
TUi weil überlegenen Feinden heftig angegriffen waren. Mit Einbruch der Nacht 
kam itr GrossTürst Constantin zum Regimente und stellte die 3 '/^ Schwadronen 
— der ßeat war dctachirt — auf den äusserstcn Vorposten aus. Am Schlaehttage 
bei Kalm (30. August) kam Sück mit dem Regimente auf dem rechten Flügel 
de« swoiten Treffens zu stehen. Kr unternahm hier jene denkwürdige AtCac[ue, 
welefas die zweitSgigo Schlacht entschied. Ben vorthcilhaften Augenblick benützend, 
bnch Oberst Suck an der Spitze dos inColonnen formh-ten Regiments durch die 
Tordcntn nusischen Treifen , die Nachtheilc des Terrains nicht achtend. Moräste, 
£• bddeu Chaui>at;egr£bon , dichtes Gesti-üuch und endlich niederes zerfallenes 
lUoenrerk, wurden unter beständigem Kartätschen- und Granatenfeuer des Fein- 
d« beswHJigen , die französische, aus 4 Grenadier-Rataillonen bestehende Reserve 
ugqpiffeii und zum Theilc zusammengehauen, der Rost zeisprengt und TKanonen 
hietMi erbeutet. Die Feinde, die sich mehrere Male wieder sammeln wollten, aber, 
a— ehr uicb schon mit russischer Cavallcrie vermengt, im Ganzen sich nicht 
Mokr formirco konnten, bildelen kleine Massen von halben Compagnicn und Zügen. 
Se wardea aber jedesmal und überall entweder massenweise vernichtet, oder 
nuiiiaiidcrgeaproDgl und dann niedergemacht Biese Atta<]U(^ war vorzüglich 
faidialb ron wcsontlichom Vortheil, weil von dem Corps des preussischen Gene- 
tik Ziethen Artillerie, Gassen und andere Wägen auf dem NoUendorfer Berge 
Ureibdea feindlichen Truppen in die Hände gefallen waren und dessen Armee- 
*Kjt wlbdt nbgci'vbnilten war, nun aber durch die glückliche Wendung, die diese 
AUii^ae der Affaire gab, gänzlich befreit, und das bereits verlnmo Geschütz und 
filirrerk dem Feinde wieder sammt seinem eigenen entrissen wurde. Schon am 
1 September crlie» der König von Preussen aus Teplitz an den Obersten von 
Skek foli^odes Handschreiben: sBie Bereitwilligkeit, mit der Sic, Herr Oberst, 
« i9. An^uat meünAr .\HtFnrdpninBr , den über Nollendorf auf Kulm vordringen- 



776 

den Feind zu bekämpfen, Gehör gegeben, der Muth, mit dem Sie das unter Ihren 
Befehlen stehende Dragoner-Regiment Erzherzog Johann zum Siege geführt, 
beweisen Hiren Eifer fiir die gute Sache, welche Ihr Kaiser mit mir vertheidigt, 
flo deutlich, und erhüben die Achtung, die ich für Sie hege, so sehr, dass ich 
mich veranlasst fühle, Urnen meine yollkommene Dankbarkeit für den Antheil, 
welcher Ihnen an dem glückliebem Erfolge unserer Bemühungen gebührt, dadurch 
auszudrücken." 

Durch^den Oberbefehlshaber der verbündeten Armeen, Fei dm arach all Fürsten 
zuSchwarzenberg, Hess der König dem Obersten Sück einige Tage darnach 
den Militär- Verdien st- Orden zugehen. Der Kaiser von Russland begnadigte ihn 
mit dem Wladimir-Orden dritter Classe. — Das Regiment erhielt zum Beweise 
besonderer Zufriedenheit der verbündeten Monarchen: 2 goldene und 4 silberne 
Tapforkeits- Medaillen, IG Stück Georgskreuze fünfter Clasae und 2 preussische 
Militär -Eh renzeichen zweiter Classe. 

So hatte dieser bravo Officier mit aller Aufopferung durch eine Reihe kriege- 
rischer Jahre dem Vaterlande mit Auszeichnung gedient und dem Dragoner-Eegi- 
meiite Erzherzog Johann den Ruhm zugewendet, den es heute noch in gleich 
ungetrübtem Glänze bewahrt. Um so schmerzlicher fülilte dieses Regiment das 
schon im Dccember 1815 erfolgte Scheiden seines verehrten Commandanten aus 
seinen Reiben, der die durch Kriegs-Fatiguen nöthig gewordene Ruhe suchen musste. 

Oberst von Sück starb zu Wien am 7. December 1826, 



I 



TETTENBORN, Karl Friedrieh Freiherr von, Major, gestorben zu Wien 
am 9. December 1845 als gross herzog lieh badenscher General -Lieutenant und 
Gesandter am k. k. Hofe. DieGlanzperiodeinTcttenborn'sLeben fällt eigentlich 
in die Jahre 1812, 1813 und 1814, wo er nach demRUckzuge der Franzosen aus 
Russland mit einem äiegenden Corps diese von Punct zu Punct bis an die Ufer 
der Beresina trieb, Wilna mit ungeheuren Vorräthen einnahm, die Vereinigung 
Macdonald's mit König Mural vereitelte und Königsberg, darauf Berlin und 
Hamburg besctrte und in letzterer Stadt sich 10 W^ochen auf das Tapferste hielt. 
Er Kw&Dg im Octoher 1813 Bremen zur Übergabe, und leistete zu Anfang 1814 
mit einem Corps leichter Reiterei am Rhein die wesentlichsten Dienste, da er die 
Verbindung zwischen den einzelnen Heeren der Alliirlcn unterhielt. 

Tettenborn war am 19. Februar 1778 in der Grafschaft Sponheim geboren, 
wo sein Vater die Stelle eines markgräflich badcnschen Jägermeisteis bekleidete. 
Nach dessen Wunsch sollte der junge Tettonborn sich dem Forstwesen widmen, 
aber seine mit Mühe unterdrückte Neigung «um Soldatenstande wurde nach des 
Vaters Tode sofort zur That, Tettenborn trat 1794 als Cadet in das damalige 
Kinsky-Chovauxlegers- (gegenwärtige 9. Uhlancn-) Regiment, welches in denKiedcr- 
landen gogon die Franzosen stand. Die Österreichischen und preussischeD Streit- 




777 



trSAe, an Z&hl der ihrer Gegner untergeordnet, konnten ihre Waifenthatcn in 
üeent Zeit nur auf einzelne kleine Scharmützel und Vorpostengefechte beschränken. 
lodcM war diese Art Krieg zuführen für Tettcnborn die beste Schule und 
«ne Retheufolge von ErfolirungCD, die ihm später auf seinem hühern Standpuncte 
som grnasen Nutzen gereichten. 

Nach wenigen Monaten zum Lieutenant befördert, folgte Tettenborn den 
ßewognngen sdnes Regiments in den damaligen FeldzUgeo und stand 1799 beim 
Heere des ErzherzogsKarl. Hier fand ervielfache Gelogenlieitsich hcrvorzuthun; 
» Bunentlich in den verschiedenen Treflen bei Frauenfeld, Winterthur, -wo 
ikm bc) Wegnahme einer feindlichen Batterie das Pferd unter dem Leibe getüdtel 
and er nur durch die Tapferkeit seines Rittmeisters, nachmaligen Generals Mayer 
Tor Gefangenschaft oder Tod gerettet wurde. Bei dem Sturme auf Mannheim 
war er einer der Ersten, welche durch die cingehauenen Thore in die Stadt drangen 
and in den Strassen eine Menge Gefangene machten, während sich die Franzosen 
k feehlttod über die Rheinbrückc auf das linke Ufer zurückzogen. Nachdem der 
floaral Kray den Oberbefehl der Armee in Deutschland übernommen halte und 
diCM den Rfickzag vom Rhein gegen Ulm antrat, befand sich Tettenborn beim 
Nachtnti«, wo er von Neuem Proben seines Muthes und seiner Geschicklichkeit in 
4en dabei statifindenden Gefechten ablegte. Bei Biberach hielt er aich lange 
ftgttt einen überlegenen Feind, und verlor in 3 Stunden 3 Pferde, die unter ihm 
tTM^OMen worden. Nicht minder zeichnete er sich bei Ried-Eschingen und Engen 
■••■ mdi dem Troffen von Neuburg erhielt Tettenborn vom General Gyulay 
denAnftraff, mit einer Abtheilung Chevauxlcgers undüusaren die Truppen, welche 
fcgea Land«hut zogen, in der Flanke zu decken und die Brücke über die Isar zu 
welche« Unternehmen er auch ausführte. In Freiaingen behauptete Tot- 
sieb 9 Tage, indem er den Feind über seine eigentliche Stärke geschickt zu 
woMte, und als er endlich gezwungen war der Übermacht zu weichen, 
■ aich gegen München. Dort angekommen, setzte er mit einer geringen An- 
ir Reiter durch die reissendo Isar, warf sich auf die Bedeckung eines fran- 
Convois unter General Lecourhe, schlug diesen in die Flucht und kehrte 
! and Gefangenen auf das andere Ufer zurück. Auch in der unglücklichen 
von Hohenlindcn, in welcher die ÖBterreichischen leichten Truppen bei 
^ dabei »lattfindcndcn kleinen Gefechten grösstenthclls die Oberhand behielten, 
vrTettenboro be*ondcrB ihälig. An der Spitze seiner Reiter verlicss er erst 
M ipileo Abend das Schlachtfeld und deckte fechtend den Rückzug des linken 
^^eU. Der^gleiviicn ausgezeichnete Dienste erwarben ihm die Achtung aller seiner 
Kaeraden und da* besondere Wohlwollen des commandirenden Generals. 

Zinn lUtlnietster und Schwadrons-Commandanten vorgerückt, kehrte Te t ten- 
kora nach beendigten Feldzügen in die Friedensgarnison in Böhmen zurück. Hier 
nr «f wo er MwobI durch Beine persüDliche Liebenswürdigkeit, seinen bewährten 



Ruf als tüchtiger Soldat, wie durch gleiche Gesinnungen in lUnaiclit der kriegeri- 
sch on Stimmung, welcherzu jener Zeit sich in Preiissen wie in Österreich bemerkbar 
machte, die Zuneigung und Freundschaft des Prinzen Louis Ferdinandvon 
Preussen gewann, welches Band sieh noch inniger und fester knüpfte, als Tetten- 
born im Jahre 18U4 mit Aufträgen seines Hofes an den Gesandten Grafen Met- 
ternich nach Berlin geschickt wurde. 

Der Ausgang des Krieges 1805 ist bekannt. Tettenborn befand eich wäh- 
rend der ungliickiichen Katastrophe von Ulm in dieser Stadt. Nach der Affaire 
vom 14, October wurde Tettenborn mit 2 Schwadronen des Itegimentä, an welche 
sich 2 Züge vonRosenberg-ChevauxIegers angeschlossen, zurVorhul jener Truppe 
eommandirt, welche die folgende Nacht unter dem Erzherzoge Ferdinand d'Este 
gegen Geislingen durchbrach. Die Vorsiebt, mitweicher Tettenborn seine Abthci- 
lung Tages daraufüber Gmünd nach Aalen führte, legte den ersten Grund zu jenem 
besonderen Zutrauen in die erprobten militärischen Vorzüge desselben, welche die 
kaiserlichen Waffen mit dem glücklichsten Erfolge lohnten. Am 17. rückte er über 
Bopfingen, Jaxheim und Wesel gegen Wallerslein, und war kaum auf die dortigen 
Höhen gelangt, als er von allen Seiten feindliche Truppen sich zusammenziehen 
sah, wo jede einzelne Abtbeilung schon an Zahl seine Avantgarde übertraf. Mit 
der grössten IClughcil und Entschlossenheit griff er mehrere feindliche Abtheilungen 
an und verhinderte ilire Vercim'gung. Das Coi'ps konnte unbehindert diese Ort- 
schaften passiren. Mit gleichem Erfolge bestand Tettenborn zwischen Amberg 
und Waldmünchon glückliebe Nacbhutgofeclite. Nachdem aber der französische 
General Baraguay d'Hilliers am 8, November mit mehr als 60U(J Manu gegen 
ihn anrückte, sah er sich zum Rückzuge nach Böhmen genötlugt, wohin der Feind 
ihm auf dem Fusse folgte, Tettenborn verlor den Muth nicht. Er rief dos Land- 
volk zwischen Klentach und Pilsen zu seinem Beistande, liess die Sturmglocken 
läuten, und ergriff nun gegen den ihm weit überlegenen Feind die Offensive, 
Dieser, durch dies kühne Unteinebmcn und die Heftigkeit des Angriffes erschreckt, 
zog sich anfangs bis Klattau zurück, bis er bald daraul' Böhmen gänzlich räumte. 
Für diese Tliatcn erhielt Tettenborn nach erfolgtem Perioden das Ritter- 



1 



In demZougnisso dos Feidmarschall-Lieutcnants Karl Fürsten von Schwar- 
zen borg, der dem Rittmeister Tettenborn die Führung der Avantgarde anver- 
traut hatte, heisst es, dass Tettenborn's bekannte Fähigkeiten und erprobte Bra- 
vour Veranlassung waren, ihm diesen wichtigen Auftrag zu ertbcilen. Rastlose 
Thätigkeit, IClugkelt, Echtheit der Rapporte, Entschlossenheit und Muth, vereinigte 
er stets in einem so hohen Grade, dass der Fürst in ihm einen der allerausge- 
zeichnetsten Officiore der Armee erkenne, und dass wenn der äusserst schwierige 
Uückzug des Erzherzogs Ferdinand einer Aufmerksamkeit gewürdigt werde, 
Tettenborn ein grosser Th^il des glücklichen Erfolges zuzuschreiben sei. 




779 

Wien und Prag waren nun während der kurzen Dauer der Ruhe der abwcch- 
«bdeAnfeiitlialtTetlenborii's, bis er 1808 dem Fürsten Schwarzen berg als 
GcMUidschafts-üavalier nach Petersburg folgte. Von dort im folgenden Jalire nach 
IViedcrausbrach der Feindseligkeiten gegen Frankreich als Courier zur Armee 
lia Erxhcrcogs Karl gesendet, kam er noch zeitig genug, um an der Schlacht von 
Wagram Theil zu nehmen und neue Lorbern zu erwerben, wofür ihn der Ober- 
ld<Uien' Auf dem Schlachti'clde selbst zum Major bei Radetzky - Husaren ernannte. 
Nach dem Wiener Frieden finden wir Tettenborn, der mittierweile auch 
Am BitterkreuE des neu gestifteten Leopold • Ordens erhalten hatte, abermals im 
Gdel^ des Fürsten Schwarzenberg zu Paris wieder. Die schwierige Stclliing, 
Dicht allein der Gesandte und seine näelisto Umgebung, so wie jeder Oster- 
und Deutsche überhaupt in den damaligen, plötzlich entgegengesetzten 
V«fh&ltiÜ3sen beider Staaten zu einander einnalimen, wusste auch Tettenborn, 
Irou des mit Mühe zurückgehaltenen Grolles, überall in edler und fester Haltung 
m beluoptoii. Napoleon selbst, ihm persönlich nicht gewogen, konnte ihm den- 
Bpd die gebührende Achtung nicht versagen, die bei Gelegenheit des unglück- 
Beboi Brandes im Gesandtschaft^- Hotel durch des Letztem energisches Benohmen 
■odi ge8tejg«rt wurde. 

Indes» nahte die Zeit, in welcher der grosse, für alle europüische Staaten ent- 
•cbcidende Kampf zu Ende geführt werden sollte. Das Jahr 1813 begann und Tet- 
tenboro sah vermöge seiner Stellung früher wie mancher Andere wohl voraus, 
iaaa düunal Österreich nicht gegen Frankreicb auftreten würde, er aber wollte nicht 
nil den Franzosen fechten, bat um seine Entlassung, ging nach Wien und von dort 
inth ITDgv-n nach Petersburg, wo er mit oifcnen Armen empfangen und als 
Obenl-Lieateoani im russischen Heere unter Wintzingcrode angestellt wurde. 

SlEYKKB von Edelberg, Karl, General -Major, Officicrsaohn , war zu 
Badireü im Jahre 1761 geboren. Bei Ausbruch dc;:« bayerischen Krbfolgckriegcs 
•k L k. Cadet in das 35. Infanterie-Regiment eingetreten, machte er in den Reihen 
Aaulbea bis sum Lnncviller Frieden alle Kriege mit, und rückte bis zum Haupt- 
■Htn *or. 

Du U^iment stand im Jahre 1 796 bei dem Corps in Tirol, wo 8 1 e y r c r in 
imn GeCecble bei Caliano am 7. November grosse Proben kluger Entschlos- 
mheit an Tag legte. Nicht nur, dass er den Feind von dem weitern Vordringen 
ihhidt, er Tcrtiieb ihn auch als er sich liinter den mit grossen Fässern vcrrammcl- 
ta Weg and bb ait die Etsch vortheilhaft postirt hatte aus Caliano und zwang ihn 
iiik nier dorn öchaize seiner Batterie jenseits der Brücke zu ziehen. Hierauf traf 
Slejrer Anstalten die Batterie zu nehmen und rückte ungeachtet des heftigen 
utiueheufcuer» an der Spitze seiner Mannscbaft vor, wobei er zwar durch einen 
KviltocbenvchiuM rerwandet, nicht« desto weniger nach den von ihm bereits 



780 



getroffenen Vorkelii-ungen die Batterie sanimt Geschützen {durch den Lieutenant 
Krschniak) nehmen liess, den Feind aus dieser wichtigen Stellung vertrieb, 
und die Operationen des linken Flügels ■wesentlich erleichterte. 

Bei der im November 1800 erfolgten Aufstellung der böhmischen Legion 
wurde Steyrer Major und nach Auflösung derselben (im August 1801) in das 
3. Infanterie -Regiment Erzherzog Karl eingetheilt. Im Jahre 1805 traf ihn die 
Bestimmung zur Armee nach Deutschland. Am 15. October wurde gegen Mittag 
das Infanterie - Regiment Erzherzog Karl unter Steyrer's Commando vor Ulm 
links vom Frauenthore in der halb zerstörten Erdbastion und in der Fausse-braye 
als Besatzung aufgestellt. Bald darauf griff der Feind die auswärtige, die Festung 
sehr nahe beherrschende Position an; unsere Truppen zogen sich kämpfend in die 
Stadt zurück, welche von diesem Augenblicke an gänzlich eingeschlossen war 
und ihrer eigenen Vertheidigung überlassen blieb. In einigen Minuten hatten die 
Franzosen die beherrschenden Anhüben besetzt und standen so nahe, dass sie in 
der Lage waren nicht allein ein heftiges Kanonen-, sondern auch ein wirksames 
Kleingewehrfeuer gegen den mit Artillerie schlecht versehenen festen Platz zu 
eröffnen. Nicht zufrieden damit, hofften sie einen noch entscheidenderen Nutzen 
aus den bisher so glücklichen Ereignissen dieses Tages zu ziehen. Sie fassten einen 
verwegenen Entschluss, den sie auf den schlechten Znstand der Festungswerke, 
auf den gänzlichen Mangel künstlicher Vertheidigungsanstalten vor dem Frauen- 
thore und endlich ohne Zweifel auch auf das bisherige Kriegsgliick gründeten. 
Durch ein fortwährend unterhaltenes Feuer, so wie durch die vorthoilhafte Lage 
begünstigt und hinter den Gartenhäusern versteckt, bildeten sie eine geschlos- 
sene Truppe, um einen Sturm gegen das Frauenthor zu unternehmen. Durch die 
befeuernden Worte ihrer Anführer begeistert, brach nun die erste zum Sturme 
geordnete feindliche Truppe hervor. Die Entfernung von den Gartenhäusern bis 
zum Thore war eine sehr geringe ; sie wurde mit einer solchen Schnelligkeit zurück- 
gelegt, dass kaum das Thor gegen die Andringenden geschlossen werden konnte. 
Keine Schilderung vermag das Ungestüme der Franzosen in diesem wichtigen 
Augenblicke zu beschreiben , umsonst trachteten die in der Bastion stehenden 
Bataillone durch wohl angebrachtes Feuer ihre Hartnäckigkeit zu ermüden, selbst 
ihr empfindlicher Verlust schien nur den Ubermuth zu reizen, nichts hielt sie 
auf. Schon waren sie bis an das Thor vorgerückt und wollten dieses gewalt- 
thätig zu üfFuon versuchen. In einem so dringenden Augenblicke sah Major von 
Steyrer die Unzulänglichkeit der Wirkung des Feuers wohl ein; er zog seine 
Mannschaft aus der Fausse-braye in die Bastion zurück, besetzte die Facen und 
Flanken desselben, so wie den offenen Wallgang bis zum Stadtgraben hinläng- 
lich, um alle Zugänge in seinen Flanken zu verhindern und fasstc den entschei- 
denden Entsehiuss, Verwegenheit mit Kühnheit zu bekämpfen. Der tapfere Officicr 
befahl seiner noch disponiblen Mannschaff über die Brustwehr und Gräben zu 



781 

qnngCD, taxd mit dem Bajoneto von der Chaussde aus dem Feinde in den Bücicen bu 
4klM) wiihrendordurcheiDCn AngrifF in die Flanke von dem Watlcaus dieacUnter- 
beglinstigen wollte. Diese freiwillige Aufopferung hatte den besten Erfolg. 
untert durch das Beispiel der Officierc, trotzten unsere braven Krieger jeder 
(!«£ilir; ate Iiatteii schnell alle Hindernisse Überwältiget und den Feind im Rucken 
uul in der Flanke angefallen. Es kam zum Handgemenge^ man kämpfte Mann gegen 
Haan, und Bajonete und Gewehrkolben thaten das Ihrige. Die in dem Thorme 
lUr deni Thore zweckmässig aufgestellten Schützen vermehrten das Grcmetzel; 
WU wmr der Kampfplatz mit Todten besäet Nach einigen Minuten wich der Feind 
jtr Tapferkeit unserer Ki-ieger und streckte das Gewehr, Die Gefangenen, in der 
inaalil TOD mehreren Hunderten, wurden auf Befehl des Majors von Steyrer in 
£e Festung abgeführt, und die verloren gegangenen Gcächülzo wieder zui'lick- 
Mobat. Die Beute, welche die Mannschaft von Erzherzog Karl-Infanterie bei dieser 
Otitgeabcit machte, fiel sehr beträchtlich aus. Als die feindliche Unterstützung, 
*ticlw den stürmenden Colonnen auf dem Fusse gefolgt war, den schlechten 
Awgangtlieser Unternehmung wahrnahm, zog sie sich zurück. Major von Steyrer 
Gneae aber mit grossem Nachdruck bis in ihre Stellung verfolgen. Die Transpor- 
ttnn^ der Gefangenen in die Stadt besorgte Hauptmann Graf Lein in gen (s. d.) 
nm Regimcute Froon, welcher voll Muth und Eifer mit seiner Division von einer 
nieren Baatioa dem Major von Steyrer zu Hülfe eilte, seine Kräfte in dem wich- 
IjgitM Augenblicke verstärkte und zur Veroillungder Absichten des Feindes wesent- 
UMtmg. Ausser dem Hauptmann Graf Leiningen und einiger Mannschaft 
TU KiiaeT' Infanterie, war kein höherer Ofticier Zeuge dieser der ganzen Ulmer 
ÜMnätoa bekannten Thatgewesenj erst nach dem Gefechte, welches sehr kurze 
lert hatte, erschien General-Major Ilcnnequin, der sowohl bezüglich 
Tentürkung als wogen frlsicher Munition das Nöthige veranlasste. Durch die 
Waffenthat dieses tapferen Officiers wurde nicht nur die {in den Gassen 
und zur Vertbeidigung noch nicht gehörig geordnete) Garnison von Ulm 
grOMen <jefahr entrissen, sondern der Feind würde auch — wenn er mit 
Hand in die Stadt gedrungen wäre und die Gapitulation an diesem 
Taft amnm^Q hätte — mehr als acht Tage zu Gunsten seiner Operationen 
imaoeo bab«a. 

Major Steyrer, welcher schon im Februar 1806 zum Oberst -Lieutenant 
hfltrJen wnrde, erhielt Tür diese heldenmüthige Handlung das Ritterkreuz, und 
■ Sefrtember IdOä als Oberst das Coramando des nach dem Wiener Frieden 
ntoeirtw 46. Infanterie Regiment«, mit welchem er den Feldzug 1809 bei dem 
4. AriDoc-Corps mrtmaclitr, eich bei Aspern hervorthut, auf dem Schlachtfeldo 
MB General- 3iaji>r ernannt wurde und bei Znaim niiL Auszeichnung focht. 

Im JSnner I81U tratSieyrer in den Ruhestand; er beschloss sein Leben 
nfÜrchbei^ amWogram den 19. Juni 1819. 



LEININGEN-WESTKRBüRG, August Uraf zu, Fcldmai-Bchall • Lieutenant, 
geheimer Bath, Kämmerer, Inhaber des 31, Infonterio-Regimenta, war den 
19. Februar 1770 zu GrUnstadt im baycriscbeu Rheinkreise geboren. Dieses alte 
Geschlecht gab dem Erzhause mehrere ans gczei ebnete Krieger. Ein Leiningen 
blieb als Oberst bei Eugen's Überfall auf Crcmona im Jahre 1702, ein zweiter 
starb als General der Cavallene den Heldentod in der Schlacht bei Cassano 1705; 
der Neffe dos Grafen August, Feldmarschall-Lieutenant Christian, als Soldai 
und Staatsmann gleich ausgezeichnet, verschied zu Krakau am 1. October 1856, 
erst 44 Jahre alt und zu den schönsten Hoffnungen berechtigend. Graf August 
Leiningen hatte achr jung holländische, später französische Dienste gonomracni 
Unter Holland stand er als Oberlieutenant von 1785 bis 1787, unter FrankreicB 
von 1789 bis 1791 als Lieutenant. 

Die Revolution veranlasste ihn die Charge zu iguittiren und seinen tapferes 
Arm dem Kaiser zu weihen. Nachdem er einige Monate Cndet bei Le Loup- 
Jägern gewesen, ward ihm im November 1792 eine Fähnrichstelle bei Clerfayt- 
Infanterie Nr. 9, und im Jahre 1797 eine Lieutenantsstelle bei Callenberg-Infan- 
terie Nr. 54 zu Theil. Bei der Übergabe von Namur 1792 kriegsgefangeo,' 
wurde Lciningon als Geisel nach Paris abgeführt, wo er bis Endo 1795 blieb 
und sich selbst ranzionirte. Mit dem Regimente Callenberg wolintc er dann 
den FeldzUgen gegen Frankreich bis zum Luneviller Frieden, und dem Krieg» 
in Deutschland 1805 als Hauptmann bei. 

Vor Ulm crkämpftesichdcrGraf durch niuthigoslienehmendasRittcrkreaK.*. 

Es war am lö. October, als die Franzosen gegen das Frauenthor, wie wir BÖ 
oben bei Stoyrer erzählt haben, stürmten, die Infanterie-Regimenter Erzherzog 
Karl und Rainer zum eiligen Rückzüge zwangen und in das Thor eindrangen. 
Leiningen, mit seiner Compagnie auf dem Walle links gegen das Neuthor 
aufgestellt, warf sich aus eigenem Antriebe deru Feinde entschlossen entgegen, hiellt 
ihn vom weiteren Vordringen auf und bemächtigte sieh dreier erobertei- Kano' 
non wieder, nacbdoni er sich in Besitz dos Frauenthores gesetzt hatte. Gleich-' 
zeitig nahm er auch den feindlichen Bataillons -Chef, 15 Officiere und 300 ManB^ 
gefangen. Durch dJeso glänzende Waffenthat, welche Tages darauf die ganze Gono- 
ralität dem tapferen Grafen bestätigte, war der Feind abgehalten, weiter in die 
Stadt zu dringen, diese also vor Plünderung bewahrt und die Garnison in diO' 
Lage gesetzt gegen unausbleibliche weitere Angriffe Massnahmen zu treffen, bit^ 
die Capitulation dem Kampfe cm Ende machte. Unmittelbar nach dieser beiden-' 
müthigen That wurde der Graf vom Feldmarschall-Lieutenant Mack im Nameo 
Sr. Majestät zum Major befördert. 

Den Feldzug 1809 machte Leiningen als Oberst-Lieutenant und Grenadiot- 
Bataillons-Commandant in Deutschland , und die grossen Kämpfe der Jahre 18lS 
und 1814 als Obqrst des Regiment;- Erzherzog Kainer mit. Seine schon frühar, 




7Ö3 

'dich ^wordene Tapl'crkeit bewies er in diesen Epotheii mehrnilti^ auf 
Hii^^buendste Weise. 

Leioingen's Grenadiere und jene von üeorgi und Portner wiesen bei 
agram den Angriff der 12 Reitcr-Regimenler unter Besaieres entscliloBsen 
itek; im Treffen bei Znaim fiihi-te sie der mutiiiife Lciningen unter dem 
kAigst«Q Platzregen, der jedes Feuern unmögüoli ninclite, gegen den auf der 
HMntnsse in gedrängter Cotonne aufgestellten Feind, anfangs im Doppelschritte, 
im vollen Lanfe. In beiden Gelegenheiten reclitfertigte er den ilim beige- 
tcfiten Xamcn des tapfersten Soldaten seiner Zeit. Wo Lciningcn hielt, war 
jfier Angriff vergebens, wo er sich zeigte, Itoin Widerstand möglich. So bei 
Wt^nm und bei Znaim. Hier wurden 2 Generale und mehrere Officiere an der 
der feindlichen Truppe entwaffnet und gefangen, und unaufhaltsam drang 
itr Graf bis zur zweiten nritcke. Das Beispiel seiner Grenadiere reisst die 
TrappAD znr Begeisterung bin; alle eilen ohne Befehl, um an dor Verfolgung 
Tbai m nobmen, seihst die R^'serven und 3Ge£ehütze rücken ohneÄuftrng vor. Da 
Intken plölzlicli aus einer Seitengasse ein paar Hundert feindliche Kürassiere 
and da keine Ilescrven zu treffen sind, werfen sie sich den vorgedrun- 
geia ««landen Colonnen in die linke Flanke und schneiden sie in dor Mitte 
Mehrere Grenadiere fallen, der Feind erobert die beiden Geschütze, befreit 
«JM Gebngcnen und verfolgt den Rest der Colonnen bis ans Stndtthor, wo 
der Schlagbaum niedergelassen und dor Feind so lange aufgehalten wird, 
UlMsjorSalis dos 5. Bataillon Wiener Freiwilliger aus der Stadt Tuhrt and ihn 
■f dcnelbcn Strasse zurückwirft. Leiningen hatte sich in diesem Gemetzel 
Gewohnheit nach der Gefahr so tollkühn ausgesetzt, dass er nahe daran 
■argcCuigeQ kd werden. 

Ala die VcriiQndoten den Rhein überschritten hatten, beauftragte Fürst AI oys 
Li«eht«natein den Grafen mit der Einschliossuiig des Foits Joux. welches die 
TOn Neufcbfltel nach Portalier sperrte und auf einem schioffen Felsen 
, mit aiurcichcndcr Besatzung und 16 Kanonen versehen war. Der Graf 
Ifwiltrte der Besatzung nach einer vierzehntägigen Einschlicssung am 15. Jünner 
1614 d«n>m (ntien Abzug, weil der Besitz der Feste dem Blockade-Corps vor 
Beian^ OD die gerade Verbindung mit der Schweiz eröffnete. Dann schloss Lei- 
fren da« Fort St. Andri! ein; dieses capitulirte am 31. Februar, und endlich 
■■HbT Piorre-Ohätel- Der Graf vorhlich nach dem Pariser Frieden bei der 
OtaipaüoDB-Armtie in Frankreich. Im Jahre 1S22 zum General-Major befördert, 
Leioiogen als Brigadier nacbGörz, erhielt 1839 das 31. Infanterie-Regiment 
mi I83U diu Brigade-Commando in Mainz. 18.33 zum Feldmarschall-Lieutenant 
vot^erUckt, ward er anfänglich in Gratz, dann als Militär-Commandant in Laibach 
lad Imubmck , und im Februar 1839 als Vice-Gouverneur von Mainz verwendet, 
*» fltn der König von Preussen den rothen Adler-Orden in Brillanten und der 



Grosshorzog von Hessen das Grosskreuz des Ludwig-Ordens verehrten. Der Graf 
hatte dem Staate 52 Jahre die vortrefllichsten Dienste geleistet, als ihn der Kaiser 
zum Obcrlieulenant bei der Arcieren-Leibgarde ernannte, in welcher Anstellung 
er zu Wien am 9. October 1849 sein ruhmvolles Leben bcschlosa. 

PersÖnlicheTugendonund Liebenswürdigkeit hatten dem Grafen, der für einen 
der ausgezeichnetsten Schlitzen In der Armee galt, die Anhänglichkeit und Achtung 
Aller, die ihn kannten, erworben und das Andenken eines beispiellos tapferen Krie- 
gers in der Armee bewahrt. 



SlMBSCHEN, Joseph Anton Freiherr von, Feldzeugmeister, geheimer Itath, 
Inhaber des 48. Infanterie-Regiments, war zu Siebendorf in Siebenbürgen im Jahre 
1745 geboren. Sohn des aus den österreichischen Erbfolgekiiegen mit Auszeich- 
nung genannten Majors und Comraandantcn der Temeswarer Gronztruppen, begann 
Joseph im 16. Lebensjahre als Cadet bei Puebla-Infanterie die Laufbahn und 
avanclrte nach Jahresfrist zum Lieutenant bei Sz<!cbenyi-Hu3aren. 

Vielseitig gebildet, Hess sich Simbschen In mannigfachen Stellungen zur 
besonderen Zufriedenheit verwenden. Nachdem er den bayerischen Erbfolgekrieg 
als Hauptmann im General-Stabe niilgemacht hatte und nach dem Tescbner Frie- 
den zuuj Ottochaner Regimente übersetzt wurde, ernannte ihn Kaiser Joseph im 
Juni 1783 zum Major und Marine-Commandanten in Zengg, wo er mehrere Jahre 
an dem versuchten Aufschwung der neuen Schöpfung wirkte. Im Frühjahre 1 788 
bereiste der damalige Thronfolger Erzherzog Franz das ungarische Litorale; 
Major Slmb sehen wurde die Auszeichnung zu Theil den Prinzen in dieser Gegend 
und nach Fiunie zu begleiten. 

Der Türkenkriegbedingte S i m b s ch e n's erneuerte Eintheiltmgin den General- 
Stab, wo er mit unermüdeter Thätigkeit und Umsicht seinem Commandirenden zur 
Seite stand, und in Würdigung der besonderen Verdienste in rascher Folge zum 
Oberst-Lieutenant und Obersten befördert wurde. Er kam dann auf kurze Zeit in 
das erste Banal-Grenz-Regiment, bei Ausbruch der Revolutionskriege aber wieder ala 
Generalstabs-Chef zum Feldzeugmeister De Vins, der ihn in dem Türkenkriege 
kennen gelernt und mit grossem Vertrauen ausgezeichnet hatte. Kurz vor seiner 
Beförderung zum General-Major war ihm die Gelegenheit bei der Einnahme der 
Verschanzungen im Genuesischen am 24. Juni 1795 zur Auszeichnung günstig, 
da er die erste Colonne an der Meeresküste führte, die Stellung an dem Giuüano 
torrente behauptete und zu Ihrer Sicherung Truppen dahin dirigirte. 

Im September 1799 avanclrte Simbschen zum Feldmarschall-Lieutenant 
und wurde bald darauf Inspecteur der deutschen Reichstruppen. 

Die Erfahrungen, welche sich der kenntnisareiehe Officier — der noch den 
siebenjährigen Krieg mitgemacht — durch eine Reihe von Jahren gesammelt hatte, 
erwiesen sich im Jahre 1805, wo er in der Schlacht von CaldierodenreehtenFlügel 




785 

tofflinuidirle von ticfejngreifondea Folgen. Seine Truppen zählten 8 Infanterie- 
Bcgtaenter, 5 Bataillone Grenzer und 8 Schwadronen Husaren. Sie hatten unter 
Simbschen'a Leitung die ausgedehnten Verschanzungen in der Stellung bei 
Cildiero von Belfiore di PorciJe bis Illasi erbaut, und wurden durch mehr als 
«Den MoDAt mit der Lage der Position so gründlich vertraut gemacht, dass sie bei 
oBtratender VertbeidJgung alle Vortheile des Terrains zu benutzen verstanden, 
nod jeder ÄhlheÜungs-Commandant über seine Obliegenheit vollkommen unter- 
nditei war. Diese ans nichrercn geschlossenen Redouten, Fleschen und Laufgräben 
bildete Stellung wurde dem Feldmarschall- Lieutenant Simbsclien von dem 
flÜ^I-Commandanten der Armee General der CavallericGrafon Belle gar de am 
a. October zur Vertheidigung anvertraut und dui'ch vier Tage mit einer so helden- 
müÜügeo Anadauer behauptet, dass Erzherzog Karl in der Relation vom 17. No- 
nmbcr demFeldmai'schall-Lieutenant undscinenTruppenfür die bewiesene Tapfer- 
Latdu höchste Lob zollte. Abgesehen von dieser Würdigung der Verdienste im 
AHjCCueinen , hatte sich Sinibachcn auch durch persönliche Thaten ganz vor- 
tügiidi hcrvor^ethan. Während des Sturmes der Franzosen am 30. October gegen 
MHClieo Ton Colognolaalta, der anfänglich gegen die Redouten Nr. 11 und 
I2|crielitet war, befand sich SJmbschen in der ersteren, welche die Franzosen 
■itHaiibilzgranalen bewarfen, und traf so zweckmässige Anstalten, dass die wieder- 
Utn Angriffe der bis an die Laufgräben vorgedrungenen Feinde vereitelt und 
w^fzwangen wurden, von da abzulenken und sich gegen die Kirche und den 
■f tiner Anhöhe stehenden Ort Colognola alla zu wenden, welcher der Schlüssel 
if Pwitioa war, jedoch wegen Kürze der Zeit noch nicht mit Vcrtheidigungs- 
■trku versehen werden konnte. L)ie Franzosen (General Molitor an der Spitze 
teSlX Inbatcrie- Regiments, unterstützt von dem 5. und 23. Regimente) bcgan- 
MB KkoD mit grosser Übermacht die mit Bäumen und Weingärten bedeckte 
H^ sa erklimmen; da eilte Simbschen zur Kirche des Ortes, also zu jenem 
Pkade, der von der grüsstcn Gefahr bedroht war und durch dessen Verlust die 
put Stellung diirchbrochen werden konnte. Die Tete der feindlichen Sturm- 
edotun war bei seiner Ankunft nur mehr zehn Schritte von ihm und von der 
tjlie der Anhöhe entfernt, die Gefahr gross; da Hess Simbschen durch die bei 
in Kirclie wieder ralliirte Division von Karl Schröder- Infanterie und durch 
■M in Garten des Grafen Peverell! schon früher aufgestellte Division von 
Htkwlobe-Bartenste in -Infanterie die ungestümen Feinde mit dem Bajonete angrei- 
fci nd ähor dc^Berg hinabwerfen, gleichzeitig aber die Reserve-Bataillone von 
Silirsr nsd SpliSnyi herbeiholen, eine Division des ersteren Regiments vor 
Üi Kircbe g^g^n die Front, und die andere in die linke Flanke der feindlichen 
Jluw dorch den bei Casa Peverelli abwärts führenden Weg aufstellen, das Batail- 
Im Spltfnvi in die rechte Flanke und im Bücken des Feindes dctachiren, endlich 
dni Bataülone Splänyi, Schröder und Hohenlohe'Bartensteia aus 



K 



den Laufgräben nacli Colognola rücken, und es gelang ihm, durcli eine aufmun- 
ternde Anrede die Truppen dahin zu stimmen, dasssie, ohne einen Schuss zu geben, 
denFeind mit dem Bajouele angriffen, die ganze Division Molitor verniclitelen 
und den am weitesten vorgedrungenen Feind gefangen nahmen. Mit Verlust TOn 
500 Todten, bei 1000 Verwundeten, 500 Gefangenen und 3 Fahnen mussten die 
Franzosen Colognola verlassen und wurden von 4 Schwadronen Kienmayer- Husaren 
bis Ca deU' ara verfolgt. 

Von der Wichtigkeit der Behauptung der Höhe von Colognola als Stützpunct 
des rechten Flügels — die, wenn sie verloren, die Niederlage der Armee unausweich- 
lich herbeigeführt hätte, — durchdrungen, beorderte der Erzherzog, der eben noch 
mit der Herstellung des Gefechtes im Centi'um bei Caldiero beschäftiget war, sobald 
er Molitor's Absicht gewahr wurde, eiligst ein Grenadier-Bataillon dahin und 
ertheilte dem General der Cavallerie Grafen Eellegardo den Auftrag sich selbst 
nach Colognola zu verfügen und den Feind, es koste was es wolle, zurückzu- 
werfen. Doch die zweckmässigen Verfügungen des Feldmarschall-Lioutenants Frei- 
herrn von Simbschen hatten diese Absicht bereits erfüllt. 

Nun ward auch dem sechzigjähiigen General die Genugthuung zu Theil, das 
in früherer Zeit oft angestrebte Ehrenzeichen als Belohnung und int November 
1806 in weiterer Würdigung seiner bereits 45jahrigen sehr erapriosslichen Dienst- 
leistung die Inhaberstelle des 43. Infanterie-Regiments zu erhalfen. 

Einen ferneren Beweis kaiserlichen Wohlwollens konnte Simbschen in seiner' 
bald darnach erfolgten Ernennung zum Präsidenten des allgemeinen Militär-Appel- 
lation sge rieh tes und in der Erhebung zum Feldzeugmeiater (Juli 1809) erblicken.. 
Als sein innehabendes Regiment nach dem Wiener Frieden reducirt wurde, ver- 
lieh ihm der Kaiser das 48. Regiment und im November 1810 aufsein Ansuchen 
die Bewilligung sich in den Ruhestand zui-ückziehcn zu dürfen. 

Simbschen starb zu Wien am 14. Jänner 1820. 

HäRDEGG-GLÄTZ und im Machlande, Anton Leonhard Graf, Feld. 
mar.schall-Lieutenant und Kämmerer, zu Wien den 8. Ocfober 1773 geboren, Bruder 
derTheresienOrdena-RitCerlgnaz und Heinrich (s. d,), folgte der in derFamilio 
beinajie ererbten Neigung zum Kriegsdienste und erhielt im 16. Lebensjahre eine 
Fähnrichstelle bei de Ligne-Infanterie. Im Türkenkriege avancirte Hardegg i 
Oberlieutenant, kam im Mai 1796 als Hauptmann in das damalige italienische, 
Pionnier-Bataillon, und zog bei Valeggio und Perl zuerst die Aufmerks am keil 
des Commandirenden auf sich. Mitten durch den Feind führte er zwei Divisionea 
M^szäros-Uhlanen und ein neapolitanisches Reit er- Regiment von Goito nach Doloe> 
Während der Belagerung von Man tu a war Hardegg bei acht Ausfallen jedesmal 
an der Spitze der Avantgarde und der Freiwilligen; und erwarb sich namentlich 
bei jenem auf San Giorgio das Lob Wurmser's. 




787 

Den Keldsog des Jahres 1799 iiiaclile Ilardegg als Major mit, leistete bei 
Belag«nmgon der Citadelle von Turin und bei Serravalle die ausgpzeich- 
len Diensie , kämpfte rUlimlich in den meisten Schlachten jener Epocbc und 
de iD Anerkeuaimg dieser Verdiengte zu Anfang des Jahres 1801 zum Oberst- 
befördert. Da bei ciiigetrotenem Frieden das Pionnier - Corps reducirt 
wnds, so erhielt ilurdcgg die Etntheilung zur Cavallerie, in welcher Truppe 
erfrSber längere Zeit als subalterner Oflicier gedient hatte. 

Der Feldzug desJalireslSUö gab dem Oberst-Lieutenant IlardeggGelegen- 
bdl in der Schlacht bei Caldiero sich das Ritterkreuz zu erkämpfen. Er \rai' 
im 30. October Nachmittags, als ein Tbcil unaeier Truppen im Centrum den Rück- 
Hgin die Terschanüte Stellung antreten niusstc, mit seiner Division K aiser- Che vaux- 
hjar» (gpgenwSrtig das 6. Uhlancn-Regimcnt) rechts der Hceistrasae unweit Strä 
ai^MclIt. wo er die »erstreut zurüekzichcnden Abtbeilungen an sich zog. Nur zu 
btU Iteos ihn sein Scharfblick erkennen, ilass der Feind, zahlreiche Infanterie- 
(uoea aufbietend, den wichtigsten I'unct iiu»ercr Htelluug zu bedrohen beabsich- 
Dj^ und die Gefahr erwägend, welche daraus entspringen niUs»e, besann sieh der 
Upfera OfSeier keijicn Augenblick, und bcschloss au der Spitze seiner Division und 
iiu^g«aaotiucller Keiter-Abtiicilungen, ohne erst die Bewilligung zur Unter- 
M^mnag einzuholen, sofort sich dem vorrückenden Feinde ontgegenzuwerfen. 
Mntiii^ attA<juirte er deren Front und Flanke, und warf sie glücklieh zurück. Die 
mtrenten Truppe» erholten sich und die Reserve gewann Zeit sich in Verfassung 
nd ia Ukraeh zu setzen. Wohl versuchten die Franzosen mit Aufbietung grösserer 
Kilfte in der eingetretenen Nacht ihr Vorhaben durchzusetzen, doch waren alle 
■WtTGnguagon umsonst, da der wachsame Ilardegg sich ihnen jedesmal mit 
NKkdnick und Brnvour enigegeuwai'f und sie zum Rückzüge nöthigte. 

Den Feidzug IHU!) machte dieser entschlossene OfKcier als Oberst und Coni- 
■uiUot dea Dragoner -Regiments Leveneur in der Brigade Thierry mit. Er 
«tiNJl iia Wetsaag den linken Flügel der llauptarniee zu decken, Tührte bei der 
rtckgingigeii Bewegung des Heeres bei Arudorf au der Abene am 19. April 
Stga des Fetudes Übermacht mehrere orfulgrctc-he Attaijuen aus, und setzte seinen 
Smcbucfa Klosterrohr fort, üicr drohte Ilardegg die Gefahr abgeschnitten zu 
»enlm. Sofort Klzic er sich an die Spitze seiner braven Dragoner und bahnte sich 
ntm darch die überlegenen Feinde den Weg. Mehrere feindliche Linien nmssten 
dnrekbroefacn werden, ehe man die I^Iauptlruppo erreichen konnte. Dies gelang, wenn 
Mch mit nunluftem Verluste. Nach der Schlacht von Aspern wurde Hardegg 
ß«Mnl-Uijor. In den Befreiungskriegen kämpfte der Graf bei Leipzig mit so 
pMMT Bimvour, doä er auf dem Schlachtfclde zum Feldmarschall-Lieutenant 
Mnutt vurde^ Hiernach erhielt er das Commando einer Division in dem bayerisch- 
ttmr^chatHiea Heere, setzte zu Anfang des Jahres IS14 über den Rhein und 
Brienne th&tigen Antheil, indem er den Feind nach Morvilliers drängte. 




78S 

Nach Jem Gefechte bei Ardusaon amlO.FebniarrückteHardeggüberSt. Aubin 
gegen Nogent vor, zog sich nach dem Gefechte bei Mormant (17. Februar) auf 
Villeneuve, le Comte und Aileville, focht bei Bar sur Aube (27. Februar) und 
zeichnete sich bei GuiIlotiero,au3. Am 8. März versuchte er die Stadt Bray zu 
nehmen, lausste sich jedoch auf eine Einschüessung beschränken, und so kam er 
erst einige Tage später in den Besitz derselben. Vom wiirttembergischen leichten 
Jäger-Regimente in Braj- abgelüst, kämpfte Hardegg nun bei Ferd Champe- 
noiae (18, März) und Arcis sur Aube (21. März). Zu Ende dea Kampfes durch 
einen Granatensplitter am Kopfe verwundet, übergab er sein Commando an den 
General Geramb und sehloss mit dieser Schlacht sein kriegerisches Wirken, 
Hardegg starb zu Wien am 26. December 1825. 

NOVAK, Sigiamundjoseph Freiherr von, Feld mar seh all -Lieutenant. Dieser 
ehrwürdige Veteran erblickte das Licht der Welt zu St. Peter In Krain im Jahre 
1774. Seine unbegrenzte Liebe zum Militär veranlasste ihn schon die Türken- 
kriege als Cadet bei dem 26. Infanterie-Regiraente mitzumachen, worauf er nach 
Beendigung derselben in der Eigenschaft eines Praktikanten in Staatsdienste trat 
In dieser Richtung hielt es der feurige JUngb'ng nicht lange aus; er gab die mehr- 
jährige Praxis auf und eilte bei dem Ausbruche der Kriege gegen Frankreich 
vrieder unter die Fahnen, um seine Ruhmbegierde zu befriedigen. Dieser neue Ein- 
tritt datirt vom 18. Februar 1793, an welchem Tage Novak als Cadet zum 20. In- 
fanterJe-Regimente Kaunitz assentirt wurde. 

Ausser vielen Belagerungen und Scharmützeln waren es die Schlachten bei 
Zürich und Hohenlinden, wo Novak — mittlerweile zum Oberlieutenant 
vorgerückt — die ersten Proben unerschrockenen Muthes an Tag legte. Im Juni 
1805 zum Hauptmann bei Hohenlohe-Bartenatein- Infanterie Nr. 26 befördert 
kämpfte er mit dem Regimente bei der Armee in Italien, und war so glücklich in, 
der Schlacht bei Caldicro duroh aussergewöhnüche Entschlossenheit und Tapfer- 
keit sich nicht nur die öffentliche Anerkennung des Erzherzogs Karl, sondern auch 
durch einstimmigen Capitelb es chluss das Ritterkreuz zu verdienen. 

Zu gleicher Zeit, als am 30.October die Angriffe der Franzosen bei Colog- 
nola abgewiesen wurden, stürmte eine andere feindliche Colonne die Redoute 
Nr. 10; schon hatte sie im ungestümen Drängen die Brustwehr des Laufgrabens- 
ersliegen, als Hauptmann Novak, welcher mit seiner Division zur Vertheidigung 
eines Abhanges dotachirt war, dies bemerkend, unaufgefordert mit seiner Compagnie 
der in der Redoute bedrängten Division des Regiments zu Hülfe eilte. Mit gefälltem 
Bajonete stürzte sich der tapfere OfScier dem Feinde in den Rücken, machte 
Commandnnten der stürmenden Abtheilung auf der Brustwehr nieder, tödtete eine 
grössere Zahl seiner Soldaten und zwang den Rest die Flucht zu ergreifen, ohu» 
an einen weiteren Angriff zu denken. 



789 

Erzherzog Karl sagt in der Relation Über die Schlacht bei Caldiero: „Haupt- 
jiorak zeichnete sich vorzüglich aus, da er Bich aus eigenem Anti'iebe mit 
Compagnic mit gefälltem Bajoneto auf den Feind stürzte und auf diese Art 
lufgraben wieder eroberte," Er ernannte den tapferen Novak in weiterer 
WBr£giing dieser entscheidenden That zum Major, eine Auszeichnung, die um so 
pteem Wertt haben musstc, als er nur wenige Monate früher Hauptmann geworden, 
nkia Ton einem der jüngsten seiner Charge dieser Gunst sich zu eifreuen hatte. 

In der eingetretenen Friedensepoche stand Novak bei dem 37. Infanterie- 
Bc^enle, kam im Februar 1809 in gleicher Eigenschaft zum Brooder Regimente, 
nd machte den Feldzug dieses Jabres bei dem 5. Armee-Corps mit, sich in allen 
TcrfUIeo durch Muth und einsicblsvolle Führung seines Bataillons bemerkbar 
Backend. In der Relation des Generals Grafen Hardegg über die Ereignisse bei 
Dresden and Kulm war Novak unter den Ausgezeichneten genannt, in der 
ScUfecbt bei Leipzig verwundet, worauf er, zum Obersten und Commandanten des 
1. Saeklcr Grenz- Regiments befördert, an dem siegreichen Zuge nach Paris in der 
Dirinon des FeldmarschaU-Lieutenants Grafen Anton ITardogg Theil nahm. 
laMpendeo Jabre war Novak bei der Armee in Ober -Italien unter Frimont 
BDt gidchcr Aufopferung und rastlosem Eifer thiitig. 

Im October 1816 in den FreUierrnstand erhoben und im Miirz 1827 zum 
Gnenl-llajor und Brigadier ernannt, war Novak's letzte active Verwendung der 
hriu dnes Divisionürs in Slavonien, worauf er am 1. März 1836 nacb 45 ei&igen 
ni •npri csslichen Dienstjahron — 1 833 zum Feldmarscball-Licutenant befördert — 
• den vohlvordienton Ruhestand übernommen wurde. 

COLIjORKDO-MANSPEU), ITieronymus Graf, General-Major, für besondere 
AwfWtliniiog in der Schlacht bei Caldiero; ward Commandcur im Jahre 
1809 flkr die Scblacht bei Fontana Frcdda und an der Piave (s. d.). 

KOBOXAN, Armand von, Foldmarscball-Licutcnant, fand den Heldentod in 
JwSthUchl von Wflgram am 6. Juli 1809. Zu Molsheim im Elsass 1754 geboren, 
iitte Xordman früher 29 Jahre unter Frankreich gedient, bereits die Oberstena- 
MJJe bd den Husaren erreicht und wurde im Juli 1798 in kaiserliche Dienste als 
Obenl-Liemenant (ibemomnicn und zu Mt^szdros-Husaren eingetbeilt. 

Obgleich die Verwendung dieses hoch verdien tcnOffici er s unter den kaiserlichen 
nur von kurzer Dauer war, so bezeichnet sie nichts desto weniger eine Reibe 
lerThatcn. die dem tapfcrn Krieger einen Ehrenplatz in der Kriegsgeschichte 
Schon die Schlacht bei Stockacb und das Gefecht bei Andelfingen 
ihm Gelegenheit sich in dem G radc hervorzuthun, dasa er in der Relation lobend 
it and zum Obersten bei Latour-Dragoner befördert wurde. Im Feldzuge 1805 
Xordman als General -Major bei der iVrmee in Italien, und wurde für 




besondere Standhaftigkcit In der Sclilacht von Caldiero zum Ritter ernannt. 
Am 29. Oclober erhielt Nordman um 10 Uhr Nachta Befehl mit der Grenadier- 
Brigade des General-Majora Grafen Colloredo, dann einem Bataillon Gradiskaner 
und dem Huaarcn-Kegimente Graf Er du dy von Arcole der Art aufzubrechen, um 
mit 6 Uhr Früh seine Truppen bei der Schanze nächst Chiavica del Cristo 
aufstellen , auf das Signal vom rechten Flügel zum Angriffe nach Sabionara und 
Zebia vorrlicken und den Feind in Flanke und Rücken angreifen zu können. Im 
Laufe des Tages gelang es Nordman den Feind zweimal zurück zu schlagen 
und mit der Abenddämmerung die Vorposten längs der Etach auszustellen. Der 
wirkliche Angriff des Feindes war, wie bekannt, auf unseren rechten Flügel bei 
Caldiero und auf das Contrum gerichtet. Am 31. fing (las Plänkeln auf den Vor- 
posten mit Tagcsanbi-nch an; es hatte aber den Anschein, als ob der Feind nach 
dem Tages zuvor erlittenen beträchtliclien Verluste nicht wagen wollte den Angriff 
zu erneuern. Diese Ruhe auf der ganzen Frontlinie schien indessen Nordm an um 
80 bedenklicher, als er vom Obersten von Siegenf cid, welcher rückwärts längs der 
Etsch zu Albarcdo die Vorposten befehligte, mehrere Meldungen erhielt, dass der 
Feind den grössten Thcil seiner an der unteren Etach befindlichen Truppen eilfertiger 
und zahlreicher ala am vorigen Tage die Etsch aufwärts marsehiren lasse; Meldun- 
gen, welche Nordman zu dem Entschlüsse veranlassten, selbst die Offensive zu 
ergreifen und den Feind für seine reclite Flanke besorgt zu machen, in der Erwartung, 
dass er im Falle eines wiederholton Angriffes seine Stärke tbeilen müsse. Nord- 
man liess daher absichtlich um S Uhr Morgens 4 Grenadier- Bataillone mit Geschüts 
und eine zur Vorhut bestimmte Division Gradiskaner unter Befehl des General- 
Majors Grafen Colloredo vorrücken; 2 dieser Bataillone blieben in Reserve, mit 
den beiden anderen und der Gradiskaner-Division erfolgte der Angriff. General- 
Major Graf Colloredo, welcher denselben mit ausgezeichneter Entschlossenhwt 
befehligte, Hess, da das feindliche Feuer zunalim, von den Reserve-Bataillonen einosi 
«ur Verstärkung vorrücken und behauptete sich dann auf dem errungenen Terrain. 
Die abgesendeten Patrouillen meldeten gegen 10 Uhr Vormittags, dass sich der 
Feind Nordman's rechter Flanke nähere; seine Stärke könne aber wegen des mit 
Bäumen dicht bcwaclisencu Terrains nicht bcurtheilt werden. Nordman war eben 
mit der Metdung an den Erzherzog beschäftigt, als ervun ihm in Kenntniss gesetzt 
wurde, dass eine feindliche Division gegen den linken Flügel anrücke, wahrschein- 
lich mit dem Entschlüsse die Schanze bei Chiavica dcl Cristo zu stürmen. 
Kaum waren einige Minuten verflossen, als die Division Vcrdier in 2 Colonnea 
(wovon eine aus 4 Regimentern von der Seite von Gombion, die andere etwas schwÄ- 
ehere über Sabianora anrückte) in Vereinigung mit den schon vorher gegen Nord- 
man gestandenen Bataillonen ihn bedrohte; da« heftige kreuzende und überlegene 
feindliche Feuer brachte Nordman's Truppen in Unordnung; der unerschrockene 
G^icritl sprengt« aber gleich an die Töte der Balaiilonc vor- Die Gefahr war dringend^ 




die Entfernung der Schanze eioo halbe Stunde rückwärts ; die Kaiserlichon hatten 
BV den DAmm und ein schmales Terrain auf beiden Seiten desselben zum Rüek- 
nf^ Der Feind stand auf diesem Damme in einer Entfernung von 50 Schritten 
ror iknen, rechts und links \rurdcn sie durch mehrere feindliche Abtheilungen 
laildrt; wo es auch zuweilen das durchschnittene Torrain zulassen mochte, in die 
Flaske xa detschiren, war doch die Zeit zu kurz und jede Entsendung würde eine 
■DDSibigc Aufopferung der Truppe gewesen sein. Nordman konnte und wollte 
mA Bidit schwächen. Das Bataillon St. Julien, zur Keserve bestimmt, hatte eine 
CMJae beiläufig 800 Schritte von der Schanze besetzt; in dieser kritischen und 
pfikbrlichen Lage gelang es dem Generalen Nordman dennoch die Gutaillone 
bn&iial aufzustellen und die Schanze zu erreichen. Der Feind suchte sich dieser für 
nun linke Flanke iiusserst wichtigen Position um jeden Preis zu bemelstem. 
Xordman aber war eben so fest entschlossen sie bis aufs Auasersto zu verthei- 
digco. Zu dem Kndc warf er sich mit einem Theile seiner Truppen in die Schanze, 
«ihrrad die übrigen die Laufgräben besetzten, und theils zur Verbindung mit 
FeUiDAnt^hall- Lieutenant Rcuss, theils als Rosei-ve verwendet wurden. Von zwei 
Scitea, in Front und Flanke, mit Ungestüm angegriffen, leistete Nordman bei- 
nah rier Standen bcwunderungswürdigeu Widerstand. Don Eingang in die 
Stfcuue licos er absichtlieh nicht schliessen, um die Angreifenden, welche sieh 
nAsglicb ituf dem Damme genähert hatten, wirksamer zu empfangen. Hier hielt 
Xordman selbst, um den Kampf zu leiten. Die meisten Kanoniere wurden bei 
ikran OeschUIzen an des Generals Seite theils getodtet, theils schwer verwundet; 
tadlidi erhielt Much er, der den Tod heraus zu fordern schien, eine Schusswunde, 
vcleho iliQ ausser Stand setzte die Schanze länger zu vertheldigcn. Aber sein 
Nwkfolger General-Major Graf Colloredo war von gleichem Entschlüsse beseelt, 
bä ttdiicb FUrst Reuss, von der hohen Wichtigkeit der Behauptung von Chlavica 
M Ctiito durchdrungen, durch trefflich angeordnete und ausgeführte Bewegun- 
gn ilen Bedrängten zu Hülfe kam und den Ausschlag gab. 

Im Jabro I8Ü9 commandirte Nordman eine Ucitcrbrigade im 6. Corps. Bei 
Kbeleborg und Aspern kämpfte er mit angcborner Entschlossenheit 
nrde mit Armeebefehl des Generalissimus vom 24. Mai zum Feldmarsehall- 
it befördert. Bei Wagram führte Nordman das Commando einer 
Dmöoa itu 4. Corps. Am zweiten Schlachttage war dieses Corps nach der hel- 
deainDtbigBtcn Gegenwehr auf die Anhöhe von Markgrafneusiedel gedrängt und 
4^ Feisd auninehr bemüht die errungenen Vorthelle zu verfolgen. Sechs Massen, 
n dm Linien formirt, rUckten zum neuen Angriffe vor; die erste Linie warf sich 
Ut dw Brigade Mayer und wurde abgewiesen; ein Angriff der zweiten Linie 
iatiK iwar dasselbe Resultat, kostete jedoch dem das Infanterie-Regiment Ker- 
pcQ sur SlandJiaftlgkcit und Ausdauer aufmunternden Fcldmarscball-Liciitenant 
T— Nardmaa das Leben 



HlLMEE, Joseph von, Kittmeister, Solin eines Landmannes, legte nach dem 
Eintritte in die Armee so grossen Eifer an den Tag, dass er nach 16 Dienstjahren 
zum Officier befördert wurde. Zu Obersulz im Lande unter derEnns geboren, wurde 
Hilmer bei Ausbruch des bayorischcn Erbfolgekriegea als Gemeiner in das 
bestandene Dragoner-Regiment Erzherzog Ferdinand gestellt, kam später in das 
Stabsdragoner-Corps, liess sieh in den Kriegen gegen Frankreich mehrseitig ver- 
wenden, und rückte bis zum Oberlieutenant vor. 

Nach dem Luneviller Frieden erhielt H ilmer die Eintheilung zu Melas- 
Kürassieren, dem heutigen 6. Dragoner-Regimente. Im Jahre 1805 war dieses Regi- 
ment bei dem Armeecorps in Tirol unter Commando des Feldmarschall-Lieutenants 
Grafen St. Julien. Am 1, November ruckten die Feinde von Reichenbach gegen 
Schnaizcireuth und bedrohten den Pass Strub, wo ihnen der erste nachdrückliche 
Widerstand entgegengesetzt werden konnte. Tages darauf griffen sie unsere Tor- 
posten an, und die Oberst erste Schwadron des Regiments wurde zur Unterstützung 
beordert; sie traf gegen 11 Uhr Mittags ein, und verstärkte um 6 Uhr Abends durch 
Lieutenant Jelleky nfiit einem Zuge, der 1. Corporal und 6 Mann vordetachirte, 
den Posten. Gegen Abend war die bayerische 7000 Mann starke Division des 
Generals Deroy vor Strub angelangt, eine Verstürkung, welche für den folgenden 
Tag Alles besorgen liess. Indessen wurde noch am Abend des 2. Novembers um 
9 Uhr das Gefecht so heftig, dass 2 bayerische Infanterie -Regimenter mit Ungestüm 
gegen den Pass vordrangen , unsere ermüdete Infanterie warfen, den detachirten 
Corporal mit den 6 Dragonern gefangen nahmen, und mit der zurückgeworfenen 
Truppe gleichzeitig in den Engweg eindrangen. Wohl wurden die Bayern zweimal 
von Lieutenant Jetleky zurückgedrängt und unserer Infantei'ie Luft gemacht; der 
Gegner bot aber immer frische Kräfte auf, und als auch Lieutenant Rechberger, 
zur Unterstützung vorgerückt, gleich auf dem Platze blieb, mussten die Vorposten 
der Übermacht weichen und den Pass der Uusscrsfen Gefahr Preis geben. Ililmer 
gewahrte das Gefährliche des Augenblickes, sprengte aus eigenem Antriebe mit 
grosser Bravour au der Spitze einiger Dragoner auf der Chaussde dem Feinde ent- 
gegen und warf ihn nicht nur aus dem Passe zurück, sondern beliauptete sich auch 
so lange gegen den sechsmal stärkeren Gegner, ibia 1 Bataillon Infanterie zur Unter- 
stützung cingelrotFen war. Durch diesen mit vieler Tapferkeit unternommenen 
Angriff wurden dem Feinde I General verwundet, 1 Stabs- und 1 Oberofiicier und 
40 Mann getödtet und Ililmer war unbezweifelt die Erhaltung des wichtigen 
Postens um so mehr zu danken, als die Chauss(5e den einzigen practicablen Weg für 
einen Reiter -Angriff bildete, und unter dem Thore kaum 6 Mann in Front stehen 
konnten- Diese tapfere That ist um so lobenswerthcr und für Ililmer ehrenvoller, 
da er bei der unternommenen Attaque nicht in der Lage war die Anzahl der ihm 
folgenden Leute zu übersehen, sondern auf seine 1 1 erzhaft ig keit und auf den Muth 
der wenigen Dragoner — es waren ihrer 12 bis 15 — bauend, mit dem Säbel in 





Faust dem Feinde sich entgegenwarf, ohne vor der Ubermaclil zu erschrecken 
— und jene entscbcidcndca Vortheile errang. 

I)«r Enherzog Johann ernannte Hilmer sofort zum Rittmeister bei dem 
Cberauxlegers-Kegimente HohenzoHern, und daa Ordens-Capitel erkannte ihm 
ßitierkreuz des Maria Tlieresien-Ordens einstimmig zu. 
Der braTeOfficiermusste schon im December 1812 die Kriegsdienste Wunden 
halber rerlassen. Er starb zu Wien am 14. Mai 1S26. 

V&SBY von Hajniicskeil, August Graf, General der Carallerie, geheimer 
Kämmerer, Inhaber des 3. Husaren- Regiments, Solin des Feldmarschall- 
its Siegbert Freiherrn von Vdcsey, war zu Lesniow im Königreiche 
B||m 1776 geboren. Koch nicht vierzehn Jahre zählend, erhielt er eine Fähnrich- 
ridcitn Infanterie-RegimenteWartensleben und wohnte dem Kriege gegen die 
Pforte ia der Suite seines Vaters als Unterlieutenant bei Caatoryski-Kürassieren bei. 

Zu Anfang der französischen Rovolutionskriege zum Oberlicutenant bei Erz- 
iMOCg Leopold-Husaren befordert, wurde dem siebenzehnjährigen Jüngling die 
Odegeobeit eine WafTenthat auszuführen, welche selbst einem ergrauten Krieger 
E^gemschl hütte; als am 20. August 1793 in der Affaire von Jockgrimm bei 
I^diUd der Feind beim Walde zu weichen begann, warf sich Ye es ey aus eigenem 
Antriebe niit seinem Zuge auf ihn, schlug ihn in die Flucht , nahm nach weiterer 
TeriolguBg und bsi-luäckigom Kampfe 4 Kanonen und 4 Pulverkarren, und 
Thtn Tan der Bedeckung 1 Officier und 3Ü Gemeine zu Gefangenen. 

Nach weniger als einem Jahre (I. Mars 1794) finden wir Vrfosey als Second- 
BiHaeutrr in «eines Vaters Husaren -Regiment Nr. 4, mit welchem er die FeldzUge 
is drei folgend cn Jahre mitmachte. 

Im Jabro 1799 wurde ihm die Deckung des Schwai'zwaldea bei Basel 
aiteiaau Strcifcommando, bestehend aus l'/i Schwadronen Husaren und 2 Cum- 
fifiüen Infanterie, anvertraut. V^csey stand dem Gros der feindlichen Division 
it» GeneraU Ferrino gegenüber, welcher alle Versuche, dieses Streifcoramando 
, an der klugen Entschlossenheit und Bravour ViScsey'a nicht nur 
■ondem auch bei verschiedenen blutigen Angriffen aufs wirksamste 
Jnrtk dm ungleich schwäcberD Gegner zurückschlagen, und eine ansehnliche 
ZkUfctiMir Leute nls Gefangene In dessen Gewalt gerathensah. Am 29. Juli 1799 
piff der Feind mit einer halben Brigade dieses Streif commando auf allen Puncten 
wd Bunentlich bei Zoll mit dem grosslen Nachdruck an, aber VtScsey setzte 
■W durch 8 Stunden einen so beherzten erfolgreichen Widerstand entgegen, dass er 

fldiaiüicb belobt wurde. Bald darauf (16, October) zeichnete ersieh erneuert 
■ua. GrafKszterhizy, Oberst des Regiments, giogbei Neck arsLauson 
Cavallcrie-Regimenteni starken Feinde mit drei Schwadronen und einer 
Chidkrid-Batterie entgegen, und warf die vordersten Abtbellungon, die aber, bei 



dem Haupttheilo sich samnielnd, vereint Eszterhdzy angriffen und zum Rück- 
zuge zwangen. In dem Momente brach ein französischea Husaren-Regiment aus 
Neckarflhausen hervor und eilte in den Rücken der drei Schwadronen. Schon 
waren drei CavaUerie-GeachützeundGraf Eazterhiizy mit vielen Husaren abge- 
schnitten und gefangen, da warf sich der mit einer vierten Schwadron im Rückhalt 
aufgestellte Vecsey mit gewohnter Bravour dem Feinde in die Flanke und schlug 
ihn mit Verlust vieler Todter und 50 Gefangener in die Flucht. Dadurch wui-de 
das Regiment Vecsey gesichert, die gefangenen Husaren befreit und das Caval- 
lerie-Geächütz gerettet. Ohne diesen in so entscheidendem Momente auf eigene 
Verantwortung unternommenen muthvollon Angriff Vecsey'a wurde der Feind 
gegen Schwetzingen vorgedrungen sein, und den Rückzug der in Mannheim und 
Neckarau postirten Truppen, so wie der heim Relaia-Hause aufgefahrenen Artil- 
lerie-Reserve äusserst gefährdet haben. Der Schwadron wurden ohne Commission 
1 goldene und 6 ailberne Tapferkeits-Medaillcn verliehen. 

Im Jänner 1801 wurde Vdesey Major hei dem componirten Honter und 
Graner Insurrections-Bataillon, wo er nur kurze Zeit blieb, und zu V (5c sey- Husaren 
rücktransfcrirt wurde. 

Der 3. November 1805 setzte der ausgezeichneten Tapferkeit und der oft 
hewiihrtcn Geistesgegenwart Vficsey's die Krone auf. Die aliiirtc russische Ai'mee 
zog sich von E n n s zurück, und 2 Schwadronen des 4. Husaren-Regiments mach- 
ten die Arri&regarde, welche der I'eind mit 3 Cavallerie-Reginientern bei Asten 
1 'A Stunden von Enns angriff; nach wiederholten Attayuen wurden diese 2 Schwa- 
dronen in die Flucht geschlagen und heftig verfolgt; schon war der Feind nahe 
bei Enns und drohte mit unserer Arri6regarde zugleich die Brücke zu passiren, 
als Vecsey, mit seiner Division ruhig von einem detaehirten Posten eben ein- 
rückend, die Gefahr des Augenblickes erkennend, eich mit Ungestüm auf den 
Feind stürzte, und nach wiederholten kühnen Attaquen, die dem Gegner bedeu- 
tenden Scliaden zufügten, den unberechenbaren Vortheil erreichte, dass nicht nur 
die in der Stadt Enns und auf der Brücke gehäufte russische Artillerie und Bag 
Zeit gewannen ungehindert ihren Marsch fortzusetzen, sondern auch, dass die 
russische Infanterie und Artillerie sich am rechten Ufer der Enns aufstellen könnt« 
und in Stand gesetzt wurde die Zerstörung der Brücke wirksam zu unterstützen. 

Am 25, November desselben Jahres rückte V öcacy zum Oberst-Lieutenant 
im Regimento vor, und einige Tage später, am 2, Dccemhcr, bot sich wieder ein 
Anlass, seme Tüchtigkeit geltend zu machen. Die Franzosen wurden durch das 
2. Szckler Infanterie- und ein russisches Jäger- Regiment von der Anhöhe von 
Tcllnitz zurückgedrängt, sie rückten aber unter Begünstigung eines dichten 
Nebels mit zwei Infanterie-Colonnen in den Rücken der vorgegangenen Bataillone 
der Verbündeten, und waren schon so weit vorgedningen, dass ihre linke Infantcne- 
(Jolonne nur 25 Schritte von dem rechten Flügel der Oberst-Lieutenants-DivisicHi' 



TOD llesseo-HombTirg-Husaren entfernt stand. In diesem Augenblicke der Ent- 
scliejdaa^. wo schon die als Reserve gestandene russische Infanterie zurückwich, 
ervKTtet« V^csey nicht erst die "Weisung, sondern attaquirte mit seiner Division 
nater dem dichtesten Kugelregen die feindliche Infanterie- Colonne mit so vieler 
BnTour und Naclidnick, dass der grösste Theil gefangen oder zusamm engebauen 
and dadurch sowohl die Vorrückung des linken Flügels erleichtert, ah auch die 
htfniaag der in Rücken genommenen Bataillone bewirkt wurde. Für die glänzen- 
den WAfiealbaten bei Enns und bei TcUnitz, beide mit grosser Geistesgegen- 
wMt tmd Kühnheit ausgeführt, erhielt Vdesey das Ritterkreuz. 

Er wsr es auch, der nach der Schlacht von Austcrlitz durch Kaiser Franz 
■IndÜeti bezeichnet wurde. Ihn mit einem zusammengesetzten Commando von 
150 ilusarcn zu der denkwürdigen Unterredung mit Kaiser Napoleon am 
A.DecemLer 1805 bei der Mühle von Nasedlowitz in Mähren zu begleiten, und 
dem der Anblick der unerschütterlich ruhigen und würdevollen Haltung des öster- 
Tciekneben Herrschers gegenüber seines mächtigen, vom Glücke begünstigten und 
na 20,000 schachbrettförmig aufgestellten Garden gedeckten Gegners zu Theil 
vmle. 

Im Juli 1808 rückte Vdesey bei Kicnmayer-IIusaron zum Obersten und 
Be^nvats-Commandaoten vor. Nach kaum zehn Monaten seiner Wirksamkeit in 
fa er Charge and in einem ^Vlter von 33 Jahren wurde er auf dem Sehlachlfelde 
*w AiperD durch Erzherzog Karl, dei- Augenzeuge der reichen Lorbern war, 
ÜB V^csey sich bei diesem verheerenden Kampfe errungen, ausser der Tour zum 
Otnenü befördert, und befehligte bis zur Schlacht vor W agram die Vorposten 
du & Armoocorps. 

An 5. Juli hielt er vorwärts der- Dörfer Aspern und Essl ingen mit dem 
Be^imente Kienmayor- Husaren, einem Bataillon Warasdiner St. Georger und 
2 CoiB[i«^nioa Broodcr Grenzer die Vorposten gegen die Auen. Naclidem sich die 
FiuaoMm sowohl Stadl-Enzorsdorf, als der Redouten, welche zwi^jcben demselben 
nd EMÜngen lagen, bemelstcrt hatten, beschossen sie die Vortruppen unter 
Trf«ey; diese hielten das hefiigsto Kanoncnl'eucr niitStandhafligkcitbis zum anbe- 
faUaien lUlcIutuge der Division Kottullnsky aus, und Vi^csey bildete nun mit 
WBen Abtheiinngcn die Arriercgardc. Obgleich der Feind diese mit zahlreichem 
6«dUUse und Qberlegencr CavaUeric während des Rückzuges beunruhigte, so 
•wda diMer doch in bester Ordnung bis lllrschstettcn fortgesetzt; hier aber 
fctatfkig General Vt^csey, dass der Feind sicli zu einer Attaque vorbereite, die 
in Cberlegenbdt an CavaUeric wegen Gefahr drohte. Er Hess die 8 Compagnien 
QnnMr MuMn formiren, und bald darauf erfolgte der erwartete Angriff auf die 
Vrfcscy warf sich dem Feinde entgegen, und da mehrere Reserven zur 
vorrttclctoa, bo führte er auch die Reservc-Abthcilungen des Regiments 
■-Husaren wechselweise mit so glänzendem Erfolge vor, dass der Feind, 




796 

nachdem er seine Cavallerie- Attaquen mehrinala vergeblich wiederholt hatte, mit 
Verlust von vielen Todten, Blessirten und Gefangenen zurückgeworfen wurde. 
Während diese Eeitergefechte das ganze Regiment Kienmayer beschäftigten, 
rückte auch eine feindliche Cavallerie-Colonne gegen die Masse des Warasdiner 
St. Georger Bataillons. Vdcaey eilte zu diesem Bataillon, licss die Masse halten 
und zur Vertheidigung bereiten. Die Franzosen wurden mit gefülltem Bajonete 
empfangen und dui-ch das Kleingewehrfeuer mit so bedeutendem Verluste abge- 
wiesen, dasfi von diesem Augenblicke an der fernere Rückmarsch ungestört fort- 
gesetzt werden konnte. 

Am 17. April 1813 geruhte Kaiser Franz, in Eerlicksichtigung der eifrigen 
und erspriesslichen Kriegsdienste, den ausgezeichneten General Vi^csey in den 
Grafensland zu erheben. 

Nach der durch den Vice-Künig am 6. September 1813 mit grossen Opfern 
erkauften Affatre bei Feistritz im Drautlialc und der durch die Osler reichischen 
Truppen genommenen Aufstellung bei Hohlenburg am linken Drauufer wurde die 
ßsterreidiische Armee in der Offensive sehr behindert, und der Feind bUeb Meister 
des Drauthales und des ■wichtigen Punetes Loibel. Um eine Position am rechten 
Ufer zu erlangen, wurde Vecsey mit 2 Bataillonen Reisky, 2 Compagnien dca 
9. Jäger-Bataillons und dem Uhlanen-Regimente Erzherzog Karl beordert die 
Drau bei Stein zu passiren und beiTitersdorf eine Stellung gegen das Thal Windiach- 
Kappel und gegen das obere ürauthal zu nehmen. Nachdem er in Erfahrung 
gebracht hatte, dass der Feind das Gros seiner Streitkräfte über den Loibel gegen 
den bei Podpetsch stehenden General von Fölseis und den bei Weichselburg auf- 
gestellten General Csivich ziehe und sie bedrohe, war es wieder Vöcsey, der, 
die kritische Lage erkemiend, den Operatiousplan — der auch die Geneh- 
migung erhielt — entwarf und ausführte. Nach seinem Piano wurden, um die 
Auünerkaamkeit des Feindes abzulenken, eigene Colonnen zu Demonstrationen bei 
der Hohlenburger Brücke und bei Rosseg, dann zur Tournining des Loibels und 
der Magdalena-Schanze ausgeschickt, wahrend das Gros der Brigade im Drauthale 
vorzudringen hatte. Nach seeL zehnstündigem, höchst beschwerlichem Marsche war 
die Umgehung vollbracht — der Angriff am 19. September 1813 an allen Punctea 
zu gleicher Stunde unternommen, und der Erfolg — einer der ruhmreichsten Episo- 
den der Kriegegeschichte jener Zeit — war : dass die Räumung des Drauthales erzielt, 
die Communication des Feindes ins Savothal unterbrochen, die Empor tirung dea 
Loibels und die Besitznahme der Magdalena-Schanze nicht nur erreicht, sondern 
auch die Absichten des Vice-Königs gegen unscrn linken Flügel vereitelt wurden, 
und endlich unsere Truppen die Offensive ergreifen konnten. 

An den ferneren Ereignissen desselben Jahres, so wie des Jahres 1814 gegen 
die Franzosen in Italien, nahmVe es ey ebenfalls den thUtigstcn Antheil, sowie er im 
Jahre 1815 bei dem Rhein-Übergange bei Basel die Avantgarde übertragen erhielt. 




797 

Zum Feldmarschall-Licuteiiant im November 182U ernannt, übcrnnhm V^caey 
tin April 1821 das Commando der Colonne, solche dei Pavia Über den Ticino za 
Ktzen bute; am 8. erreichte das Gros Novi, und die Vorhut besetzte die Bocchetta, 
wodurch der Fall von AJcssandria und die Berubigunfr von Pieniont beschleunigt 
wnHe- Am 4. Mai 1821 hatte er die Sendung zu dem Könige von Sardinien, Karl 
Felix, erhalten, am zu seiner Verfiigiing die Division zu stellen, mit welcher 
Vicsey Piemont zu besetzen bcordnet var. 

Im April 1840 von seiner Bestimmung als Truppen -Divisionär zu Pesth zum 
Gmcral der Cavallerie und C'apitün der königlich ungarischen adeligen Leibgarde 
uch Wien befördert, blieb Vi^csey bis zur erfolgten Auflösung dieser Garde 
C>pit£a deräclben, und wurde nach 59jähriger Dienstzeit in den Ruhestand versetzt. 
Der greise Krieger starb zu "Wien am 15. Jänner 1857. Er hatte in 15 Feld- 
aäfta BeiveisG unerschrockenen Muthcs, miliÜLrischen Scharfblickes und rastlosen 
Gfers in Tag gelegt und sich den Ruf eines ausgezeichneten Soldaten und seines 
Viltn vrQrdigcn Sohnes bleibend gegründet. 

S^ITfBlJKNE , Uohert Freiherr vou, FeldmarschalULieutenaot und Käm- 
muer, einem altadcligen Geschlechte entsprossen, war zu Chapel-Allerson in der 
Mg&Mbm Grafschaft York im Jahre 1766 geboren. Im 16. Lebensjahre verlieh 
ftm Foldmarschall - Lieutenant Freiherr von Langloia eine FUhnrichs teile in 
«äiMQi(dem59.)Infanterie-Regimente, in dessen Verband Swinburne bis October 
I8M blieb, wo er als Oberst-Lieutenant bei dem 8. Infanterie- Regimente die Ein- 
Iböliinp erhielt. Schon in den ersten Feldzügen gegen Frankreich legte Swin- 
bsrne hei mehreren Gelegenheiten Proben von Unerachrockcnfceit an Tag, die er 
n Jahre 1805 in Beltenem Grade bewähren sollte. Er zeichnete sieh bei der 
fickgtnm^ von Dünkirchen im Jahre 1793 besonders aus und wurde vervrundet. 
la October desselben Jahres leistete Swinburne auf dem Posten Port ä Tressin 
fcn itürtnenden Feinde nicht nur beherzten Widerstand, sondern erbeutete 
•ndi «m folgenden Tage (28. October) bei der Einnahme von Lannoy eine 
Emoae. Dies war Veranlassung, dass Swinburne ausser der Tour zum Haupt- 
uu nn B«gimente vorrückte. Mit gleicher Auszeichnung kämpfte er in dem 
blgcsden Jahre bei der Einnahme der Verschanzungen von Mainz, im Treffen 
ki Alteokireben 1796 und in Italien 1799, und avancirte im September 1800 
Mm Uajor. 

Im Jahre 1805 ward ihm der Auftrag, den Pass Scharnitz mit seinem 
fiauiljao, einem Delachement von Erzherzog Karl -Infanterie und 400 tiroler 
Lu>dmiIiKefi zu vertheidigen. Kaum hatte er am 13. October diesen wichtigen 
Grenzpunet in Besitz genommen, als ihn auch die Vorfälle in Deutschland belehr- 
Mo, da« er in kurzer Zeit einen harten Stand haben werde. Und in der That ward 
er aoch un 3. November von Marschall Hey in einem Ubermüthigen und von 




798 

Drohungen begleiteten Schreiben zur Übergabe aufgefordert und ihm nur 3 Stunden 
BedenJizeit eingeriiiimt. Swinburne entgegnete ganz einfach, dass er fest ent- 
schlossen sei den ihm Anvertrauten Posten auf das Ausserste zu vertheidigen. 
Tages darauf mündiich nochmals zur Übergabe aufgefordert, gab er entschieden 
dieselbe Antwort. Da begannen die Franzosen um 12 Uhr Mittags die ganze Linie 
seiner Vorschanzungen aus Geschützen zu bescliiesson und einen allgemeinen An- 
griff vorzuhoreilen. Bald erfolgte auch der Sturm mit immer frischen Truppen. 
Es war keine geringe Aufgabe, diesem ungeölüraen Andränge zu widerstehen, 
aber Swinburne war ganz der Mann dazu. Er ermunterte seine Braven , daa 
Namenafest des grossen Erzherzogs Karl durch ruhmvolle Vertheidigung auf eina 
glorreiche Art zu feiern, und es gelang ihm, jeden Angriff des Feindes glücklich 
abzuschlagen. Der Stein -Batterie auf dem linken Flügel suchte der Feind vor 
Allem Meisler zu werden; die Kanonen derselben entbehrten durch den Tod oder 
die Verwundung aller Artilleristen und Handlanger der Bedienung, und es gelang 
den rastlosen Versuchen der Franzosen, in den Graben zu dringen, 8 Sturmleitern 
anzulegen und die Brustwehr zu ersteigen. Aber auch hier wurden sie blutig 
abgewiesen. Obwohl die Behauptung der Verschanzungcn mit einer so geringen 
Anzahl Mannschaft dem achtmal Überlegenen Feinde kaum möglich schien, so 
blieb Swinburne doch dem Entschlüsse treu, seine Stellung uiierse hütter lieh 
fostziihalten, und dieser Entschlossenheit allein war es zu danken, dosa gegen 
8 Uhr Abends der Sturm auf allen Puneten abgeschlagen werden konnte. Dev 
Feind hatte an diesem Tage 800 Mann verloren, während Swinburne an TodtCT 
und Verwundeten nur lÜO Mann einbüsste. Um 10 Uhr Nachts erhielt Swin- 
burne die Nachricht, dass der Pass Luitasch genommen sei. Das war eine bösa 
Post und musste ihn auf den Rückzug denken lassen; er dirigirte sogleich 2 Kanonen 
mit einer Compagnie Bedeckung nach Seefeld , um diesen äusserst wichtigen Punct, 
wo die Wege von der Luitasch und Scharnitz nach Innsbruck sich vereinigen, 2ii 
besetzen. Die Franzosen waren ihm aber schon vorgekommen. Eine fernere 
Behauptung des Platzes Scharnitz lag jetzt ausser den Grenzen der Möglichkeit; 
Swinburne wollte sich also gegen Innsbruck durchschlagen und den Feind von 
dieser Stadt so lange abzuhalten suchen, bis die Ararialvorräthe in Sicherheit 
gebracht würden. Eine halbe Stunde vor Tagesanbruch am 5. November setzte er 
sich mit dem Bataillone in Marsch; die 3ÜU Mann starken Vorposten des Feindes 
wurden zerstreut und aufgehoben, 3 Offieiere und 50 Mann gefangen und über die 
Gebirge nach Innsbruck geführt. Vor Seefeld stiess Swinburne auf die Division 
des Generals Loison, die schon alarmirt war; Swinburne flössto seinen Truppen 
Muth ein und drang an ihrer Spitze bis an das Posthaus von Seefeld vor, wo 
er endlich nach einem sehr bedeutenden Verluste, ganz umringt, einer weit 
überlegenen Macht mit den Waffen in der Hand sich ergeben musste. Indessen 
war doch ein grosser ^wock erreicht: die Franzosen konnten erst am Abend nach 



laubnick gelangen, — zu spät, um sich der Depots von der Armee In Deutschland 
iB b«iuj[chtigeQ. MurschaJI Noy, gerührt von dem Heroismus des Oberst -Lieute- 
BiaU Swinburne, liess ihm noch auf dem Scldachtfelde den abgenommenen 
De^«o mit den scbmeichelhartesten Ausdrücken zurückstellen und ertheilte ihm 
M wie den gefangenen üfticieren die Erlaubniss, das Seitengewehr in der Gefan- 
fcoscluft zu tragen. Die Fahne des Bataillons wurde glücklicli gerettet, nach 
lusbmck gebracht und dort zur Aufbewahrung übergeben, wo Swinburue sie 
bd «einer Rückkehr aus der Gefangenschaft wieder in Empfang nahm. 

Nicht nur, dass dem tapferen Officier für die selbst dem Feinde Bewundci-ung 
tbringiKMle Vertlieidigung das Ritterkreuz verliehen wmde, Swinburnc ward 
■Mb im Mu 1806 zum Obersten und Commandanten des Regiments, und nach der 
ScUacht von Aspern zum General-Major befördert. 

Madidem er 55 Jahre dem Monarchen mit Eifer und zur Zufriedenheit, in 
lerletattea Zeit als Stadt-Commandant in Mailand Dienste geleistet hatte, wurde 
ftaaeia Ansuchen, in den Ruhestand treten zu dürfen, unter den schmeichelhaf- 
iBriai Aiudrückcn im April 1837 bewilligt und gleichzeitig der Charakter eines 
FtUmmncfaaD-LieuteDants verliehen. 

Swinburne starb zu Innsbruck am 30. Jänner 1H49. 

BESAN, Karl Freihorrn von, Rittmeister, ungarischer Edelmann, zu Szektsö 
in Banayer Coniitale geboren, wo er auch am 12. April 1819 im 46. Lebensjahre 
nntarb, begann die militärische Laufbahn wahrend des TUrkenkrieges als Cadet 
ba Jacqnemin-Kürossieren nnd zeichnete sich vor Belgrad als Standartführer aus. 
SctUgnlc Venfendung in diesem Kriege veranlasste den Prinzen Waldeck, ihn 
»Kio Dragoner-Regiment als Unterlteutenant zu nehmen. 

Xachdem Bi^siln vier Jahre bei der ungarischen Garde gedient, trat er im Mai 
K94 id Ama 'i. riasaren -Regiment, wurde in der Schlacht bei IT o h e n 1 i a d e n verwun- 
«tttad itn März 18Ul zum Rittmeister befördert Nacli der Schlacht bei Caldiero 
l«Stnn der Erzherzog K arl den Rückzug in die Erbländer. Das üusaren -Regiment 
^herxog Ferdinand »fand in der Arricregarde unter dem General -Major 
trimonl. Am 4. November 1805 rückte der Feind gegen San Pietro Ingiu mit 
^i^'Ujuia Infuiteric rechts, und in gleicher Stärke links vor, um den Ort zu flan- 
iireo und der .\rrieregardc, welche San Pietro noch zu passiren hatte, den Rückzug 
w erwrhwrrcn. .Vis Besiln das Vorrücken der Franzosen in der linken Flanke 
koneritc, fprengtc er mit seiner sehr schwachen Schwadron denselben entgegen 
nd attaquirt« aiü:. Den durch seine persönliche Bravour zu gleichem Muthe ent- 
imnilm HuAarcD gelang es nicht nur, die Gegner mit einem beträchtlichen 
Verloste zu werfen, sondern bei dieser Gelegenheit auch drei bereits gefangene 
C«iDpagnien Grenzer zu retten, welche auf die Aufforderung und Aneifening des 
Hiinseixera Biii,a die^ weggeworfenen Waffen wieder ergrilfen, sich formirten 




und zum Widerstände rüatclen. Während Bds.-in dem abermaligen Vordringen des 
Feindes in der linken Flanke den kräftigsten Widerstand leistete, gewann der Geg- 
ner die rechte Flanke des Ortes, und bemeisterte sich der Gärten von San Pietro 
Ingiu. B^siin zog eich zurück; als er aber auf der Strasse anlangte, sah er das 
bereits gerettete halbe Bataillon Grenzer und auch den blessirten Obersten Freiherm 
Peter von Y6cB«y erneuert der Gefahr ausgesetzt, kriegsgefangea zu werden. 
Sofort ritt er schnell zu einer in der Nabe aufgestellten Compagnie, sprang vom 
Pferde und eiferte sie an ihm zu folgen. Zu Fuaa an der Spitze führte B^sän nun 
diese Compagnie herzhaft dem Feinde entgegen, und hielt ihn mit gi-osser Stand- 
baftigkeit im weiteren Vorrücken auf. Als er hierauf wahrnahm, daas seine durch 
zwei Attaquen fatiguirte und zerstreute Schwadron keinen weiteren Widerstand 
zu leisten vermochte, ermunterte er die Infanterie, diesen Platz zu behaupten, sass 
zu Pferde, sammelte seine Husaren und attaquirte mit ihnen die viermal über- 
legene , ungestüm gegen San Pietro Ingiu vorrückende feindliche Cavallerie mit ao 
grosser Entschlossenheit und Bravour, dass sie sich in grösster Unordnung zurück- 
zuziehen gezwungen sah, wobei 11 Mann gefangen wm'den. Durch dieses helden- 
müthige Benehmen Bes<^n's, welcher sich in allen während des Rückzuges von 
der Etsch bis hinter den Taglinmento stattgehabten Arrii^rcgarde-Gefechten durch 
tapferes und kluges Benehmen hcrvortbat, wurde nicht nur der schwer verwun- 
dete Oberst Baron Ve'csey, dann ein halbes Bataillon Grenzer von der unvermeid- 
lichen Gefangenschaft gerettet, sondern der Feind auch von der weiteren Ver- 
folgung unserer Nachhut an diesem Tage abzustehen bemüasiget. Die eben so 
kluge als vorsichtige Ausführung dieser höchst gefährlichen Unternehmung kostete 
Bi5aän nicht mehr als sieben leicht blessirte Husaren. — Das Ordenscapitel hatte 
dem tapfern Rittmeister, welcher im October 1806 mit Charakter quittirte, das 
Ritterkreuz zuerkannt, worauf er im Jahre 1813 in den österreichischen 
FreJherrnstand erhoben wurde. 

MONTLUISANT, Jobann Freiherr von, Hauptmann, Niederländer, war zu 
Boucoigne geboren, trat bei Ausbmch der französischen Kriege als Gemeiner ia 
die Armee, zeichnete sich in den Feldzügen bis zum Luneviller Frieden in mehre- 
ren Actionen aus, und wurde im Februar 1800 nach achtjähriger Dienstzeit Fähn- 
rich bei Württemberg-, dann Lieutenant bei de Ligne-Infanterie. M'enn ihm bü 
persönlicher Bravour die Kriegsepoche in der Beförderung wenig begünstigte, so 
schien der eingetretene Friede das Versäumniss nachholen zu wollen; denn Mont- 
luisant wurde schon im September 1804 Obcrlieutenant und zu Deutschmeister- 
Infanterie eingetheilt Die Kameraden des Regiments de Ligne gaben ihm hä 
seinem Ausscheiden einen schönen Beweis der Liebe dadurch, dass sie in einer 
Urkunde bestätigten, wie Montluisant den ganzen Krieg tapfer und muthig mit- 
gemacht, sich ihre Hochachtung erworben habe, und sie ihn sehr ungern verlieren, 




801 



seADerkennuiig auf Überzeugung beruhen musstc, bewies der Feld- 
1805, in welchem Montluisant Gelegenheit erhielt bei Maria zo 11 »ich so 
hervortuthun, dnss seine That mit dem Ritte rk rcuze belohnt wurde. Am 
ihor drangen die Franzosen gegen Mariazell mit Gewalt vor. Es galt vor 
•lltai ihrem weiteren Vorrücken so lange Widerstand zu leisten, bis die namhaften 
Ärarülgtiter aus Mariazell in Sicherheit gebracht werden konnten. Da entachloss 
üA Montluisant das Wagestück zu unternehmen. Er trat vor die Front des 
Kcfcnnents und forderte Freiwillige auf, welche sich mit ihm dem Feinde entgcgen- 
•feUen wollten. Im Augenblicke waren ihrer eine grosse Anzahl versammelt, bo 
im ICon tluisunt's Entschluss ohne Zögern zur That werden konnte. 

Der lapfereOffii'ier eilte, ohne sieh um des Gegners Stärke weiter zu kümmern, 
kit d*r auserwählten Schaar den Franzosen entgegen, und nahm auf der Strasse 
MMM vortheilhafte Stellung, dasa er nicht nur dem zehnfach Überlegenen Feinde 
Trots bieten, sondern diese auch den ganzen Tag mit seltener Bravour behaupten 
koant«. 

Die Schätze des Klosters, eine kaiserl. Casse und die im Gefechte bei Neuhaus 
gmttetea Kanonen konnten, begünstigt durch diesen heroischen Widerstand, in 
Sidicrheit gebracht werden. Erst als die Nacht einbrach, als der unerschrockene 
06feier durch einen Schuss im Fusse und durch sieben Bajonetstiche entkräftet 
ttr EHc fiel und in Feindeshand gerieth, war es den Franzosen möglich, ihr Vor- 
bbm, urh Mariazell zu dringen, zu erreichen; sie fanden aber das nicht mehr 
«• «o g«hoffl hatten. 

Aach im Jahre 1809, da Montluisant Hauptmann im 4, JUgor-Baiaillon war, 
bnxhrte er sich als entschlossener Soldat. Mit seiner Compagnie, einer halben 
Gnaptgitic Anton Milrovsky , einer halben Compagnie des mähr ischenFrei- 
BtfaSlons und einigen Freiwilligen von Vinccnt-Chevauxlegers zu Fuss, stürmte 
w fie r«n Bayern vertheidigte Schanze bei Mauthausen, und erbeutete, mit 
I Oflki«- und 30 Mann, welche als Gefangene in seine Hand fielen, eine Haubitze. 
Nacbdein Mnnttuisant im Jahre 1812 statutenmässtg in den F rei h er rn stand 
fHwben worden, etarb er zu Weidenau am 9. August 1816 im 48. Lebensjahie. 

tClKONYT de Csepet Eadera, Franz Freiherr, Oberst-Lieutenant, zu 
fWiäi im Presaburger Comitatc am 3. Decembcr 1762 geboren, beschloss sein 
Ufcei m Preasburg am 17. März 1829. An Wunden und Ehren reich, hatte 
Kakoojri im 19. Jahre bei Barco-IIusaren als Cadet seine Laufbahn begonnen; 
«mrd« hn Oclflber 1786 Lieutenant bei Kaiser-Husaren. 

Sebon im Türkenkriege hatte er in einem sehr kritischen Momente am 9. Juli 
I7WS3 kopforne Pontons, die der Feind bereits in Händen hatte, wieder gerettet 
■dmeb in der Schlacht bei Martinestte mit Bravour geschlagen. Bald darnach 
sieb Kakonvi in Verfolgung des Feindes bei Wiesbaden erneuert 




aus und Tvurde im Juni 1798 in das neu errichtete 5. IIusaren-Kegimcnt als Ritt- 
meister ein gcth eilt. 

Im Feldzuge 1799 bei der Armee in Italien tLätig, nahm Kakonyi an allea 
grösseren Un tornehm ungen Theil, namentlich als Foldmarschall-Licütcnant Prina 
Hohcnzollern an der Bormida bei Alcssandria im November sich festge- 
setzt hatte. Das Regiment bezog die Vorposten von der Serivia bis an die Orba. 
Major Stcingruber erhielt hier am 6. December den Auftrag, mit der Oberst- 
Lieutenants ersten Schwadron, dem Munkdcsy'schcn leichten Bataillon und einop 
Kanone Nachmittags vorzurücken mid den Feind Ton Pasturana zu verti^eiben. 
Fr schickte den RittmeisterKakonyi mit einem Flügel Husaren und 80 Mana 
Infanterie in das Tlial der Lemma, um die Anhöhen von Franca Villa zu gewin- 
nen und von da weiter bisPasturana vorzudringen. Major Stcingruber sprengtfl 
mit seiner von Oberlieutenant Ve tt e r getuhi-tcn Avantgarde die feindliche Vorpostea- 
kette und nahm Pas tu ran a, während Kakonyi dieFranzosen allenthalben ver- 
drängte und die linke Flanko gewann. Das mit Umsicht geleitete und entsclJoaseo 
vollzogene Manocuvre gelang vollkommen, und der Feind musstc sich über Novi 
nach Fossarolo zurückziehen. 

Auf dem Rückzuge unserer Armee nach der Schlacht von Caldiero im Jahre 
1805 war das Regiment bei der Nachhut eingetheilt. Als sich dna Heer am 
11. November hinter Codroipo aufstellte, versah Kakonyi mit einer Divisioa 
die Vorposten. Tages darauf breitete sich der Feind auf dem rechten Flügel bei 
der über den Tagliamento geschlagenen hölzernen Brücke über San Vito gegea 
Spilbergo der Art aus, dass er unsere bereits im Gefechte engagirten Truppen 
zu überflügeln Miene machte. Kakonyi, dessen Divisionen die Ortschaften Bei- 
grado, Strncis, Bugnis und Pievenitchst dem Tagliamento besetüt hielten, Hess diesa 
Stellungen durch kleine Piquels markiren und rückte mit dem Reste gegen San Vit? 
vor, um die vordringenden feindlichen Äbtheilungen einzeln anzugreifen und sd 
sehlagen. Der Erfolg war ein sehr günstiger. Der Feind wurde von San Vito auf 
seine Haupttruppe geworfen und unterliess die beabsichtigte Uberflügelung, 

Am 13. setzte sich die Armee über Palmanuova und Gonarso gegen Cormonf 
in Bewegung; Kakonyi blieb in Gonarso. Plötzlich sieht sich der auf dent- 
äussersten Posten stehende Corporal Borhy von dem Vortrabe einer 800 Mann 
starken feindlichen Reitertruppe angegriffen. MuthighUlt der Brave sich so lange, bis 
Kakonyi seine noch 65 Mann zählende Schwadron sammelt und durch eine kräf- 
tige Anrede zum Kampfe auf Leben und Tod befeuert. In vier gleichen Zügen stellt 
Kakonyi seine Leute auf der Strasse schachbrettförmig auf, der unter dem franzcH 
sischen General Merli n vorrückenden Cavalleriemassekühn die Stirne bietend. Mit 
seltener Bravour attaquiren jetzt diese kleinen Abtheüungon den fünfzehnfach 
überlegenen Gegner, und so oft eine weichen muss, erneuert die hinter iht 
zunächst stehende den Angriff. Eilfmal wird auf diese Weise der Feind ange- 




803 

Ulen, bU es dorn Ritlmeialar Pilspöky gelingt, mit seiaem Flügel in die feind- 
licLeUasse ciozutlringCR. Die' Vordersten werden von den Husaren herabgehauen, 
die Nachfol^ndon wollen umkehien, was ihnen jedoch wegen des NacLdranges 
dar Hinlerslen, welche Merlin selbst vorzutreiben sucht, nicht gelingt. Da 
bemeistera sich Schrecken und Vcrwirning des Übermächten Feindes. Die braven 
Bnirat benutzen dies, ihre guten Siibol mit müchtigom Erfolge gebrauchend. 
Die meisten Franzosen springen vom Pferde und suchen sich in den längs der 
Cb«U54!c laufenden Grüben zu retten. In wenigen Augenblicken ist der Boden 
nne Miglie weil mit Todtcn und Verwundeten bedeckt; 9 Officiere, 53 Mann 
Mi 900 Pferde fallen als Gefangene in die HUndc der Sieger, die am 14-, mit 
reich geschmückt, bei Romans zum Reginiento stossen. Rittmeister 
lOByi, der Ilcld des Tages, erhielt für diese heroische Tbat das Ritterkreuz. 
Eä Wachtmeister und 1 Gemeiner die goldene, 5 Soldaten die silberne Tapfer- 
kciti-lled*ille. Cadet Szabd ward zum Officier befördert. Alle hatten mit der 
pteien Aufopferung gefochten. Kein Verwundeter, wenn ihm auch die Grösse 
4ff erhaltenen BlesGur kämpf nnlUIiig machte, war aus den Reihen seiner fechten- 
den Brüder gewichen. Selbst der feindliche Heerführer Massena liess dieser 
tapferm That die schönste Anerkennung widerfahren, indem er den nächsten 
Tajt aach diesem Ereignisse einen Brief an den Regiments -Commandanten Oberst 
Ml Si'irenyi schrieb, worin er für die gute Behandlung seiner gefangenen 
Ueanrten Officiere, die auf ihr Ehrenwort entlassen wurden, den verbind- 
Dank ausdrückte und die Versicherung gab, dass er durch einen Armee- 
dac österreichische 5. Husaren-Regiment als ein Muster der Tapferkeit, 
XaaiuKucIit und aller Krieger lügenden seinen Truppen zur Nachahmung empfoh- 
len habe;. 

Kakoa^i avancirte im Februar 1808 zum Major im Regimente, und bewies 
in Fddngc 1809 aufs Neue seine beispiellose Tapferkeit. In der Schlacht bei 
Gacile (16. April) kämpfte er mit der ihm eigenen Bravour und setzte sich den 
G«£üu«B so »ehr aus, dass er mit vielen Wunden bedeckt in Gefangenschaft gerieth. 
D«& 1. Jüater 1813 verliess K akon yi als Oberst-Lieutenant die aetiven Dienste; 
•r haU« dem Vaterlande 32 Jahre mit Ruhm gedient und war kurze Zeit vor seinem 
Tode im ilalire 1626 in den Freiherrnstand erhoben worden. 



Ludwig Victor, Meriadek, Fürst von, Prinz von Gu ernenne, 

Bouillon nnd Montbazan, Chef des Hauses Roh an, Feldmarschall- 

Ishaber des 21 . Infanterie-Regiments, geboren zu Versailles am 30. Juli 

llfiS, abeobürtig dem Prinzen Karl Rohanan kriegerischen Tugenden, und ihn 

an Tapferkeit übertreffend. Ehe dieser unternehmende Fürst im October 

Obent bei dem leichten Bataillon seines Bruders Karl in kaiserliche 

getretni war, hatte er schon in der französischen Marine durch 13 Jahre, 





804 

rlunn unter der grosHbntanniscben Fahne so viele Kenntnisse und Erfahrungen sich 
gesammelt, dass ihm als vollendetem Kiiogcr die schwierigsfon Unternehmungen 
in Italien übertragen wurden, die er grüsatentlieüs zur vollen Anerkennung seiner 
Vorgesetzten durchführte und schon im Jänner 1801 zum General-Major befördert 
wurde. 

Das Jahr 1805 nahm seine Thätigkeit beider Armee des Erzherzogs Johann 
in Anspruch. Nicht lange nach Eröffnung des Feldzuges sah er sich mit einem 
kleinen Corps von etwas über 4000 Mann von der Armee in Tirol abgeschnitten. 
Die Wahl stand zwischen Gefangenschaft und dem kühnen Versuche sich durebzu- 
schlagcn. Er beschloss als tapferer Soldat das Letztere, und zwar vonNau ders im 
Vintschgau durch Val Sugana nach Venedig mitten durch die feindlichen 
Abthoilungcn, und gleichzeitig eine Diversion im Rücken der Franzosen sowohl in 
Tirol als in Italien zu unternehmen. 

Am 17. November 1805 war seine Ablheilung in Meran versammelt Hier 
wurde er durch eine feindliche Aufforderung überzeugt, dass die Franzosen bereits 
in Bot zen eingerückt seien. Der Prinz begehrte in der Antwort auf die schrift- 
licho Aufforderung zur CapitulatioE : „Mit AV äffen und Gepäckc zu dem Armee- 
Corps des Erzherzogs Johann abziehen zu düi-fen." Er entwarf aber zugleich, in 
der Voraussetzung der Verweigerung, die Disposition zum Angriffe des bei Botzen 
stehenden Feindes, und traf die Veranstaltung, dass am 18. mit Tagesanbruch sich 
seine Schaar zu beiden Seiten der Etsch in Marsch setzen sollte, Nachmittags um 
2 Uhr stiess bereits die schwache Avantgarde unter dem Obersten B iking von 
Kronprinz -Kürassieren auf den Feind, und drückte denselben, ohne bedeutenden 
Widerstand zu finden, hinter die Tclferner Brücke zurück. Der Feind behauptete 
jedoch mit Standhaftigkcit die zur Brücke fuhrenden M'cge. Der Prinz vereinigte 
die auf beiden Ufern der Etsch vorgedrungenen Colonnen bei Gries, und drang an 
der Spitze eines Balaillona Duka gegen den Feind. Durch einen gelungenen 
Angriff einer Schwadron Ilohenzollern-Chevauxlegera aufgemuntert, trieb das 
Bataillon die Franzosen von der Brücke, und verfolgte sie nachdrücklich ubop 
Botzen. Bei Rentsch stellten sie sich wieder, auf 2000 Mann verstärkt den fol- 
genden Österreichern entgegen, und unterhielten ein lebhaftes Feuer. Nun rückt» 
aber das Grenadier-Bataillon Beaulieu, von einer Batterie unterstützt, auf der 
Hauptstrasse vor, wahrend 2 Bataillone Duka durch die Weingärten die beiden 
Flanken des Feindos anfielen. In wenigen Augenblicken war die Stellung des 
Feindes genommen, der über Deutschen bis Kollmann floh. Prinz Rohan's Abthei- 
lung zählte 30 Todte und 100 Verwundete, der feindliche Verlust betrug 90 Mann 
an Todten, 300 Verwundeten, worunter 1 Oberst und der Platz- Commandant 
von Botzen. Mehrere Gefangene, unter diesen 4 Officicre, wurden eingebracht; 
Dem gefassten Entschlüsse gemäss, kehrte der Prinz noch an diesem Abend um, 
und marschirte bis Auer, während eine sehwache Cavallerie - Abtheilung den. 



805 



Feind beobachtete. Am 20. November Abends war seine ganze Abtbei- 
hmp bei Trient aufgestellt, und den folgenden Tag ging der Marsch nach 
ßorpo lii VftI Sugano, am 22. nach Primolano. So denVcrfolgungen Ney's glück- 
fjch entj^iuigen, erfuhr er ia Primolano, dass in Bassano nur eine sehr schwache 
&mUung sei. Roban bcscbloss diese Stadt zu überfallen, ehe sein Vorhaben ver- 
nlbcnund die Garnison durch Truppen vom Blockade-Corps von Venedig verstärkt 
»enifn kfinnte. Eine Schwadron Hohenzolleru und eine zweite von Kronprinz- 
FRilioand -Kürassieren sollten Bassano übernimpeln, ohne die Ankunft der ihnen 
U^cndcD Infanterie abzuwarten. Der Erfolg entsprach der Erwartung ; die ersten 
feindliehen Posten wurden niedergehauen, die Reifer drangen in die Stadt, und die 
Btutcung. eineConipagnieCorsen und 2 OfKciere, wurde nach einigem Widerstände 
p6i^n. Am folgenden Tage (23. November) besetzte der Prinz Caatelfranco, 
w» er beträchtliche Pulvermagazine des Feindes vernichten Hess. Von hier 
|c4iclile er sich durch das feindliche Blockade-Corps vor Venedig durchzuachla- 
^ nod dAnn, unterstutzt durch einen gleichzeitigen Ausfall der fisterreichischen 
Bwtliiiii^, seine Vereinigung mit derselben auszufiihi-en. Dieser muthvolle Ent- 
mUosb scheiterte aber an der Übermacht der Gegner und an der physischen 
KnA der kleinen Äbiheilung Rohan's, die vierzehn Tage bereits ohne Rasttag 
BDMlürt war, ganz Tirol durchzogen hatte, und sich dreimal den Weg mit den 
Waffen in der Hand bahnen musste. Nur die Hoffnung, bald am Ziele zu sein, 
kaaiM ihre Kr&fVe aufrecht erballen. Doch diese schöne Hoffnung sollte vernichtet 
worden. Der französische Oborgcneral Massena, dessen Rücken der Prinz so oft 
fceiHinihigt hatte, beauftragte den Generat Gouvlon St. Cyr diese Heldenschaar 
Bater bUcd Umständen unschädlich zu machen, und überwies ihm, nebst dem 
Ihlagmogs- Corps von Venedig noch anderweitige Truppen-Abtheilungen. St. Cyr 
haUCfich auch sofort in Verfassung gesetzt, um diesen Befehl zur Ausfuhrung zu 
Winga). Wahrend er zur Beobachtung Venedigs eine Division und eine Brigade 
Ttnreodete, rückte er mit einer Brigade nach Campo San Pietro , und General 
B^^aier mit 400Ü Franzosen nach Noale vor. Mit anbrechendem Morgen des 
S^ wnrdc der Prinz bei Castclfranco angegriffen. Rcgnier's Avantgarde sticss 
watnt bei Piombino auf die im Marsehe begriffene Abtheilung der Österreicher, wo 
Mgleieli ein sehr lebhaftes Gefecht entspann. Mehrere vom Pi'inzen mit Unge- 
Angriffe hemmten zwar das Vordringen des Feindes, konnten 
lie nicht durchbrechen. Einige Stunden währte das Gefecht uncnt- 
forl. Der beiderseitige Verlust an Todten und Verwundeten, unter welch' 
auch der Prinz Rohan sich befand, war bedeutend. Schon war unter- 
en St- Cy r von Campo San Pietro gegen Caatelfranco so weit vorgedrungen, 
G«aer>] Rohan in grösster Gefahr stand abgeschnitten zu werden. Er ordnete 
•duioUcn Rückzug mit dem Entschlüsse an. sich in das Gebirge zu werfen. 
ü durch dasglcichzcitige Eintreffen St. Cyr's zu Casteliranco gedrängt, musste 



er hier mit seiner ganz entkräfteten Abtheilung, welche 3780 Mann und 494 Pferde 
zählte, endlich die Waffen strecken. Der Prinz hatte in der kritischen Lage dieses 
gewagten Durchschlagens immer an der Spitze seiner Truppen gelochten und sie 
durch persönliche Bravour, gelbst im bittersten Unglücke, zur Ausdauer anzueifern 
veratanden. 

Wenn auch die Gefangenschaft sein Leos war, so trug der hohe und kühne 
Entschluaa des Unternehmens für das Ganze reichliche Folgen. Die Ai'mee des 
Erzherzogs Karl, um diese Zeit auf dem Rückzuge begriffen, fand vor dem fran- 
zösischen Oberfeldherrn Massena Ruhe; sie dankte diese dem glücklichea 
Umstände, dass Massena, wie wir gesehen, einen grossen Theil seiner Streit- 
kräfte gegen die kleine Abtheilung des Prinzen Rohan verwenden musste. Auch 
in den Augen des Feindes fand dieser heldenmüthige , mit dem Ritterkreuze 
belohnte Entschluss verdiente Anerkennung und wüj^de, wenn er vom glückliehen 
Erfolge gekrönt worden wäre, eines der schönsten Blätter unserer Kriegsgeschichte 
einnehmen. 

Im Jahre 1808 erhielt Prinz Rohan das 21. Infanterie- Regiment und eom- 
mandirfe im Feldzuge 1809 bei dem Reserve-Corps 12 Grenadier-Bataillone. 

Auch in diesem Kriege pflückte sich Rohan, im April zum Feldmarsehall- 
Lieutenant befördert, neue Lorhern. 

Dieser ausgezeichnete Krieger war zu Ende des Jahres 1810 aus den Reihen 
des Heeres getreten und lebte noch viele Jahre , entfernt von jedem ölfentliehea 
Wirken, auf seinen Besitzungen in Böhmen. Dort ereilte ihn auch der Tod zu 
Sichrow am 10. Deeember 1846. 

DELEIO, Joseph Giamattasio, Freiherr von, Oberst-Lieutenant. Zu Wien 
im Jahre 1 770 geboren, im Erziehungshause ausgebildet, trat D el Ri o im 1 8. Lebens- 
jahre als Gemeiner in das 53. Infanterie-Regiment Johann Jellachich, und 
legte schon im Türkenkriege Beweise von Muth und Entschlossenheit an den Tag, 
so dass er 1789 zum Fähmüch im Frei-Corps Wukassovieh, nach Jahresfrist zum 
Lieutenant befördert und in das frühere Regiment elngctheilt wurde. 

Die erste glänzende That vollführte Del Rio am 24. Mai 1794 hei Rouvroy 
im Ilennegau, Feld marsch all -Lieutenant Graf Kaunitz beschloss den vor unserer 
Armee gelegenen, vom Feinde besetzten Wald Bechang in der Flanke gegen unseren 
rechten Flügel zu durch FreiM-iHige beunruhigen zu lassen, während er in der 
Fronte durch einige Bataillone den Angriff unternehmen wollte, Lieutenant Del 
Rio trug sich mit 130 Mann des 3. Bataillons Jellachich und einigen Mahony- 
Jägem zu ersterer Unternehmung an , und obschon ilm der Feind durch ein gut 
gezieltos Kartätschen- und Kleingewehrfeuer abzuhalten suchte, so gelang es doch 
seiner Beredsamkeit uud persönlichem Beispiele den Muth der Freiwilligen so rege 
zu erhalten, dass sie mit gefälltem ßajonete den Wald stürmten, 2 Kanonen imd 




807 



ionswSgen eroberten und den Feind aus dem Walde vertrieben. Del Rio 
ftnla BoT einer Anhohe im Freien Posto. Hier gewährte er die feindlichen Colounen 
^iioken Flügels ini Rückzuge und wie sich die aus dem Walde vertriebene Abtlici- 
km^ an dieselben anscliloss. Gleiclizcitig hörte er links gegen die Mitte des Waldes 
ra Geplänkel, daas sich immer mehi- näherte und vermuthcn lioss, der Feind werde 
durch die Bataillone, welche in der Front angegriffen, gedrückt. Die Kenntniss von 
derGegend und die Entschlossenheit seiner braven Mannschaft bestimmten ihn einen 
Gwp »nf die aus dem Walde sich zurückziehenden Franzosen zu unternehmen. Er 
mUkIi mit seinem Oommando durch das Getreide gegen d,te rückwärtige Seite des 
WtUes, stellte hie und da im Dickicht der Gegend, wa geplänkelt wurde, einzelne 
kleine Posten auf, besetzte die zwei Ausgänge des Waldes mit je 30 Mann und 
cmncte das Ende dos Kautpfes mit Geistesgegenwart. Das Geplänkel liess nach, 
ita FeiAdes Haupttruppe näherte sich einem Hohlwege, der einen der beiden Aus- 
ging des Waldes bildete, indessen die einzelnen Posten sich in Verfassung setzten. 
Del Rio konnte des Hohlweges wegen die Stärke seines Gegners nicht abnehmen 
eimI fchlich sich mit dem Gemeinen Sottonicza von Jellac^ich-Infunterie so nahe 
all möglich zum Walde, während er die einzelnen Posten anwies, In Zwischenräumen 
SdAne von verschiedenen Seiten aus dem Dickicht füllen zu lassen. Kine feindliche 
VedMte. welche Del Rio erreichte, gab Feuer und drang mit dem Bajonete auf ihn 
M, ward aber durch Sattonicza unschädlich gemacht. In diesem Augenblicke 
iimerkte Del Rio den feindlichen Commandanten Oberst Fauesy zu Pferde und 
mfOunsu; sich zu ergeben, da jeder Rückzug abgeschnitten sei. Eine Dechargo der 
Fnazoecn erfolgte aU .;Vntwort. Del Rio elllo zu seiner Mannschaft und Uesa an 
■•Inreti noch entfernteren Orten zugleich einzelne Schüsse abfeuern, und das 
F«Mr nach und nach verstärken, um den Feind Irre zu führen und auf die Yor- 
■atbang zo bringen, daas er Untcrstüzung erhalten habe. Als der Lieutenant seinen 
Antrag mit Drohungen ornoucrto und von allen Seiten ein lebhaftes Feuer vdeder- 
kallt«, utrcckto der aus der Fassung gebrachte Feind das Gewehr im Walde und 
Del Bio Iteas die Gefangenen ins Freie treten. Sie zählten den erwähnten Coni- 
«andaotco Oberst Fanesy, 62 Oßicierc und 1746 Mann mit 4 Kanonen. Diese 
Daabafte Zahl würde auch ohne Wafien den Beherztesten in Del Rio's Lage 
in nichl gerioge Verlegenheit um die Abführung gebracht haben. Allein sein Mutb 
^■rliauj ihn kcioen Moment, trotzdem er sich in der Berechnung der Stärke des 
Fudei über alles Wahrscheinliche geirrt hatte, und nun plötzlich die langen Züge 
raa Ge£uigenoo sich bilden sah. In der That hing es nur von einem unseligen 
Knf eine« Einzi^n ab, um alle zur Wiederorgrcifung der Waffen zu 
, wovoo io dem Auge jedes Feindes der brennende Wille und die Enttäu- 
m lesen war, als sie die 13Ü Bezwinger erblickten. Mit derselben Geistes- 
tnit der Del Rio die Unteniehmung begonnen, führte er sie auch zu 
Boiiie Lonle mit gespanntem Hahne zweckdienlich vertheilt, der Person des 




Cliefs besonders veisicheit, und das Gewagte des ganzen Actes mit der ernaten 
Drohung von Tod und Verderben für Jeden, der die Miene einer Wideraotzliclikeit 
zeigen würde, unterstützt, brachte er sie von dem Gefechtplatze glucklieli zur Armee 
und Übergab sie dem General-Major Johann Fürsten Liechtenstein, der vor 
dem Walde mit dem Chevauxlegera-Re{;'imente K i n s k y Stellung genommen hatte. 

Im Jahre 1796 finden wir unseren tapferen Del Rio in Tirol und im Gefechte 
bei Caliano am 6. November eine Gegenwart des Geistes und Beweise von 
Bravour an den Tag legen, welche ihm zur besonderen Ehre gereicliten. Während 
dieses blutigen Gefechtes befand sich Del Rio auf dem rechten Etachufer in der 
Brigade Ocskay und konnte all die sta unens wer then Anstrengungen wahrnehmen, 
die unsere Truppen am linken Etschufer schon zwei blutige Tage hindurch verge- 
bens gegen die feindliche Position in Anwendung brachten. Del Rio bemerkte, 
dass an der Stelle, wo ein längs der Fronte des Feindes dahinlaufender kleiner 
Eaeh, dessen unersteiglieher Ravin der Schlüssel der Position war, sich in die 
Etsch mündete, der einzige Punct sei, der die Möglichkeit bot, die feindliche Linie 
zu durchbrechen und die linke Flanke zu überflügeln, wodurch der hartnäckige 
Kampf alsbald zu unserem Vortheile entschieden werden musste. Durchdrungen 
von dieser Idee begab er sich mit nicht geringer Gefahr an das Ufer gegenüber 
jenem Piincte, um eine genauere Übersicht zu gewinnen. Er gewahrte, dass das 
Terrain ein Dreieck sei, dessen vordere Seite der Feind besetzt hatte, während die 
rechte Nebenseite das Gebirge und die linke kürzere die Etsch bilde. An dieser Stelle 
musste nach seiner Überzeugung die Entwicklung der angreifenden Truppe sich bis 
zu dem Puncte ausdehnen, wo Etsch, Gebii-ge und Strasse im Rücken der feindlichen 
Stellung sich vereinigten. Dadurch musste dem Feinde der Rückzug abgeschnitten 
werden und das Gefecht ein glänzendes Resultat erreichen. Es war ein gefährlicher 
Moment; die Franzosen hatten bereits alle Vortheile über unsere Truppen, und nur 
dieses angezeigte Mittel konnte rotten. Mit brennender Begierde sich Jemanden 
entdecken zu können, lief Del Rio am Ufer umher, bis er endlich den Major 
Beul witz von Kcubl-Infanterie bemerkte, dem er seinen Plan mittheilte und ihn 
zur Ausführung beschwor. Beulwi tz sammelte sogleich ein Batniüon, erstieg den 
Ravin, so wie Del Rio es angezeigt hatte, deployirte sich in des Feindes linke 
Flanke und entschied in wenigen Augenblicken das hartnäckige blutige Gefecht. 

Neun Jahre später sehen wir Del Rio auf demselben Schauplatze die dritte 
herzhafte That vollführen, welche mit dem Ritterkreuze belohnt wurde. Er 
befand sich — seit September 1800 Hauptmann und bei Duka-Infantcrie eingetheiit 
— beider Ablhoilung des General-MajorsVictor Pi-inz Roh an. Als dieser General 
auf seinem Rückzuge in Meran angekommen war, erkannte D e 1 R i o sofort die fhiss- 
licho Lage der Brigade, aber auch die Stellung des Feindes bei Botzen. Die 
Gegend war ilim aus früheren Jahren, wo er in einem ähnlichen Falle unter Feld- 
marsehall-Lieutenant Freiherrn von Loudon gekämpft, bekannt, und er legte dem 




809 

Pnoccn am 18. October 1805 einen Plan vor, wie des Feindes SteUung umgangen, 
m Kücken ^noniEuen und die Franzosen durck einen unvermutheten Angriff aus 
ärra, weniig:leich starken, Verschanzungen geworfen werden könnten. Piinz R o Ii a n 
aii die Höflichkeit dieser allerdings gefahrlichen Unternehmung ein, und bewilligte 
Jcm Qauptmann den Handstreich auszuführen. Am folgenden Tage machte sieb 
Del Rio ans Werk, indem er seine Colonne, ein Bataillon Duka-Infanterie, über 
^ betchwcrlichstcn Schnee- und Felsengcbirge führte, dem Feinde ungestüm in 
Jrn Rücken fiel , so dass derselbe in Verwirrung gerieth und der vom General- 
lUjor Rohan zur verabredeten Zeit unternommene Angriff in der Art begünstigt 
nnle, dass die Franzosen ihre Position verlassen inussten, Botzen erobert und der 
glückliche Ausgang grösstentheils dem Plane Del Rio's und seiner entgchlosscnen 
ioAlinuig zu danken war. Mit gleicher Entselilossenheit und Vorsicht sammelte 
win der Nacht vom 22, auf den 23. November, in Ermanglung von Infanterie, 
)U Freiwillige von Kronprinz Ferdinand-Kürassieren, die er absitzen liess , über- 
mefale deo Feind in Bassano plötzlich, zwang die Garnison (102 Mann stark) zu 
dfimlirea und bemächligte sich der Magazine. Bei dem Überfalle auf Castel- 
franco in der Nacht des 23. Novembers entdeckte Del Kio ausser dem Orte ein 
Wtficbüicbes Hauptdepüt der feindliehen Armee, welches alle Gattungen Munition 
iiKfcacliloss; er fasste sogleich den EntscMuss dasselbe zu zerstören. Um dieses 
VoriitlHia so geräuschlos und eilig als möglich durchzuführen, eilte er in dasLager 
^Bri^dc, nahm 120 Mann Infanterie und 5 Artilleristen und verfügte sich in 
im ÜepAt. Die Artilleristen niussten die aufgeschichteten Fä:jscr und Verschlage 
•n Abo Magazinoti räumen und den vor den äusseren Thüren bis an einen Wasscr- 
piÜMO rnhcnwcise aufgestellten Infanteristen zum Fortrollen und Ausleeren in 
£eMa Graben zuschieben. Auf diese Weise wurde der ganze Munitionsvorrath 
nnleblet, der dem Feinde um so empfindlicher war, als er ihn mit grossen An- 
■Mf^onpen aus Mailand beziehen musste. 

Daa Jahr 1801lI lohnte sein weiteres herzhaftes Benehmen vor dem Feinde mit 
im Majort'Patenle. Im Jahre 1812commandirtc Del Rio ein Bataillon des Infan- 
terie-Be^mcabi Eszterbdzy und zeichnete sich ganz besonders in dem Schai- 
■lliel beiCasnlB am 18. October aus. 

Kit geringer Unterbrechung hatte dieser Officicr 37 Jahre dem Vaterlandc 
mprinsUelio I>ica8to geleistet, als er im November 1824 als Oberst- Lieutenant in 
im HnhMtand trat. Kr starb zu Wien am 19. Jänner 1S36. 

WDOTFEN, UaximilianFretherr von, Oberst, in derSehlacht bei Auster- 
lila; ward Commandear im Jahre 1S09 (s. d.). 

FBIEREXBKBGEB, Wenzel Johann von, General-Major, Sohn des Artillerie- 
Uhcnrt-LieateaaDta Joseph Frierenbcrgor (s. d.}, folgte der Laufbahn des 



810 



I ha 



Vaters und widmete sich dcraelbon Waffe. Zu Krumau in Böhmen geboren , ward 
er im 16. Lebensjabre Unterkanonier und bei Errichtung des Bombardier-Corpa 
im November 1786 als Lieutenant dahin eiugctheilt. 

Im Türkcnkj-iege that sich Frierenberger in dem Scharmützel am Be- 
acbania-Damme hervor, avancirte im Mai 1790 zum Hauptmann und leistete im 
Franzosenltriege mehrfältige wichtige Dienste, so bei der Einnahme der Lauter- 
burger Linien am 13. October 1793, hei der Verthoidigung der Stellung in dem 
Walde vor Brumpt (28. November), worauf er nach dem Lunevüler Frieden zum 
Major vorrüette. 

Im Jahre 1805 Tfurde Frierenberger dem kaiserlich russisch- österrei- 
chischen Corps am Inn mit 7 Batterien beigegeben. Als der Commandant dieses 
Corps, der kaiserlich russische General -Lieutenant Kutusow, den ßUckzug 
von Braunau bis Olmiitz unternahm, deckte Frierenberger diese Bewegung, 
und war so glücklich in dem Treffen bei Enns und Dürnstein sich die Zufrie- 
denheitKutusow's in dem Grade zu erwerben, dass er kurz vor der Schlacht bei 
Austerlitz beauftragt wurde, den kaiserlich russischen Infanter ie-Regi meutern 
Azow, Kiew und PodoHen Batterien zuzutbeilen, mit dem Reste aber am Tage 
der Sohlacht selbst nach eigener Einsicht zum Vortheile der russischen Armee zu 
disponiren. Frierenberger theilte weitere 2 Batterien unter Commando des 
Hauptmanns Zocchi (s. d.) dem Armee -Corps des Grossfiirsten Constantin zu, 
und folgte mit den reservirtcn zweien der im Vorrücken begriffenen russischea 
Armee in massiger Entfernung auf dem rechton Flügel nach. Am Schlachttage 
stand Frierenberger mit diesen beiden Batterien zu Kausnitz. Mit Tages- 
anbruch erdröhnte der Kanonendonner, der ihn bestimmte seine Geschütze lang- 
sam auf der Strasse gegen BrUnn vorrücken zu lassen; er selbst aber begab sich 
«uf die Anhöhe bei dem Posthauso zwischen Rausnitz und Brunn und gewahrte, 
dass der rechte Flügel, vom kaiserlich russischen General -Lieutenant Fürstea 
Bagration commandirt, der feindlichen Übermacht weiche, die Infanterie, durch 
des Feindes Cavallerie zerstreut, sich in Unordnung zurückziehe und die Cavalleria 
zu schwach sei, jener des Gegners Widerstand zu leisten. Die Gegend zwischen 
dem Posthause und Hausmtz war so beschaffen, dass sie kaum eine haltbare 
Position zur Deckung von Rausnitz bot, wo doch der Augenblick die Erhaltung 
dieses Ortes dringend nothweniüg machte, indem mit diesem die unbesetzte Seiten- 
strasse nach Austerlitz im Ruckon dpr Armee in des Feindes Hände fallen musste.. 
Frierenberger beschloss die einzige haltbare Anhöhe bei dem Posthause zu 
besetzen, und da keine anderen Truppen zur Aufnahme des Corps Bagration 
verfügbar waren, diese mit den beiden Batterien zu versuchen. Sofort gab er den 
beiden Eatteric-Coramandanlen, Oberfeuerwerker Schwoikliardt und Lieutenant 
Petermüller, die Weisung auf jenen Punct zu eilen. Kaum hatte Scbweik- 
hardt die Strasse verlassen und sich auf die genannte Anhöhe mit der Batterie 



811 

fmUt, so mosste er aacH schon den heftigsten Angriff der feindlichen Reiterei um 
w Bidir Kuhalten , als ihn gor keine Truppe deckte. Allein sein wirksames, zur 
redtlen Zeit angebrachtes Kartütachenf euer hielt den Feind nicht nur vom Vordrin- 
gen ab, sondern zwang ihn auch den Rückzug anzutreten. Hiedurch gewann die 
neite Batterie Z^it aufzufahren, und nun vereint, aber noch immer ohne Bedeckung, 
KUngUajor Frierenberger mehrere heftige Stürme des Feindes, der seine iheuer 
ofcutftca TorthcJle nicht so leicht verloren geben wollte, ab und hielt ihn so lange 
■rf, bU Bagralion seine Truppen sammeln und zur Unterst iitzung Frieren- 
^r^er'a herbeieilen konnte. Durch diese tapfere That hatte Frierenberger 
Bidit nur dos Vorhaben des Feindes, inZeitenKuusnitzund gleichzeitig den Rücken 
^ Armee zu gewinnen, vereitelt, sondern auch das zerstreute Corps Bagration's 
gerettet and demselben Gelegenheit gegeben sich zu sammeln und aurs Neue in 
dt* TrefFea zu rücken. Fürst Bagration dankte dem Major in Gegenwart des 
Offiöer-Corps der beiden russischen Regimenter Grossfürst-Uhlanen und Mariapol- 
Buaren (Ür diese kräftige Unterstützung; das Capitel aber erkannte dem umsichti- 
pa BAtterie-Oontmandanlcn das wohlverdiente Ritterkreuz zu. 

Im Jahre 1809 war Frierenberger bereits Oberst im 2. Eegimente , und 
in April 1813 General-Major und ArtiUerie - Director bei der Haupt -Armee des 
PeUmu-scliall« Fürsten von Schwarzenberg. In dieser Eigenschaft zeichnete 
er Nch vor Dresden durch rühmliche Thätigkeit aus, wurde jedoch verwundet 
■od BDute deo Kriegssdiauplatz verlassen. 

Frierenberger stai-b am 11. Februai- 1S23 zu Kromsier in Mühren; er 
kalte dorn Staate durch 45 Jahre eifrige Dienste geleistet und ein jVller von 
H Jaliren erreicht. 

ZOOCBl, Johann von, Major, Sohn eines jVrtilleric-Officiers, war zu Livorno im 
Jahre lJti9 geboren. Gleich seinem Vater widmete ersieh dieser intelligenten Waffe 
nd «rluelt im zarlc«lcn Jünglingsalter (Jänner 1781) eine k. k. Cadetenstellc. Dem 
TKrkenkriege wohnte er als Lieutenant, den Kriegen gegen Frankreich als Ober- 
Cat siwi l bei und avancirte im Februar 1803 zum Hauptmann im 1. Regimente. 

Die Schlacht von Austerlitz lohnte sein tapferes Benehmen mit dem Rit- 
terkreuze 

i«ommandirtcZocchi zwei bei dem kaiserlich russischen Gardecorps 
icbe Batterien, jede aus i zwülfpfündigcn Kanonen, dann aus 
Uaubitzen zusammengesetzt. Am Tage der Schlacht (2. Decem- 
ier 180&) rückte Zoccbi gegen 7 Uhr Früh aus dem Lager von Austerlitz ab, 
akaeiffl Geringsten zu vcrmuthen, dass es zum Schlagen kommen wüido, und ea 
nm Geachlits und Karren mit viertägiger Foui-age beladen. Nach einer halben 
SmJu vomalim man in grosserEntfernungauf dem linken Flügel Kanonendonner. 
Dm Feaee schien anfangs sich zu eotferneo, plützUch aber nahm es heftig eu 





und iingeiuhr gegen 8 Ulir wurden Zocchi's Batterien mit Empfehlung der mög- 
lichsten Eile vorbeordert. Dieser Befehl wurde trotz des beach wer liehen Feldweges 
auf das Genaueste vollzogen, so dass sie die ersten waren, welche die vortheilhaf- 
teaten Anhöhen besetzen, dem Feinde, der in eben dieser Absicht schnell vor- 
rückte, zuvorkommen und ihn durch ein wohl angebrachtes Feuer zum Ilückzuge 
zwingen konnten. Das Garde-Corps gewann Zeit und Feld die Schlachtordnung zu 
foniib-en und kam beinahe im Centi-um der ganzen Position zu stehen. Mehrere Stun- 
den dauerte das Kanonenfeuer mit gleicher Heftigkeit ohne Entscheidung fort, bi» 
endlich der rechte Flügel, welcher sich weit über die Chausstie von Brunn nach 
Austei'litz ersti-cckte, geworfen wurde. Dieser Umstand setzte auch das Centrum in 
eine höchst bedenkliche Lage, denn der Feind rückte nach dem dort errungenen 
Vortheile in grossen Abtheilungen gegen unseroFlanke und Rücken. Die Stellung 
wurde zweckmässig geändert und die Truppen hielten lange standhaft aus, wur- 
den aber endlich doch zum Weichen gebracht, Grossfiirst Constantin, besorgt 
für die Rettung des Geschützes, bescliloss nun auch seinerseits denRückzug, allein 
Zocchi und seine beiden Ofticiere, Oberlieutenant Lagonda und Lieutenant 
Maschner, sahen wohl ein, dass das Corps, welches einen grossen Mühlbach 
passiren mussle und nur einen einzigen Weg hinter den zwei Batterien offen hatte, 
sich nur unter dem Schutze der Kanonen retten, mit den übrigen Truppen vereini- 
gen und eine neue Stellung gewinnen konnte; sie erkannten ferner, wie gewichtig 
die Folgen sein müssten, wenn sich der Feind Austerlitz'a schon so bald bemäch- 
tigen würde, und beschlossen auf jenem Puncto entweder zu sterben oder dem 
Corps zu nützen. Ein verhecrendesFcuer hemmte alle Fortschritte der Franzosen; 
als sie aber bemerkten, dass die Bedcckungsmaiiuschaft abgezogen war, rückten 
sie rasch bis auf 150 Schritte vor; doch die gute Wirkung mehrerer Kartätschen- 
schüsse müssigte den Ungestüm, sie zogen sich etwas zurück und attaquirten 
Zocehl'a Batterien in kleinen Colonnen. Die beiden Officiere stiegen jetzt 
vom Pferde, halfen der Mannschaft bei der Geschützbedienung, und ihr wackerer 
Hauptmann bot mit ihnen Alles auf, was Berodsanikcit und voranleuehtendes Bei- 
spiel vermochten, um die Leute bei einer ausdauernden standhaften Gegenwehr zu 
erhalten , von welcher in jenem entscheidenden Augenblicke noch allein Rettung 
zu hoffen war. Jeder Angriff des Feindes war für ihn eine neue Niederlage, bia 
er endlich durch den zu betrachtlichen Verlust bewogen, der Standbaftigkeit 
unserer braven Artilleristen wich, die in seinem Rücken gelegenen Anhöhen 
besetzte und sich damit begnügte sie aus der Ferne zu beschiessen. Diese aus- 
dauernde Gegenwehr verschaffte den kaiserlich russischen Ti-uppen Zeit, sich nach 
Passining des Mühlbaehes nochmals zu formiren und eine zweite Stellung neh- 
men zu können. 

Als Zocchi's Batterien endlich ihre Absicht erreicht und das Corps ge- 
rettet sahen, zogen sie sich abtheilungsweisc mit abgeprotzten Kanonen unter 



813 



tadadigem Feuer zariick und waren, iintcrstiitzt von dem WoJilverhnlten der 
knrm Ukanschaft, eo g;liicklicli, von dorn Gcscliützc nur 2 Hitubilzcn zu verlieren, 
a Pferde im Verlaufe des Kampfes gctödtct worden waren. 
Zocehi starb als Major im Regiments zu Prag am 16. April 1819. 




b sin 'Hachniiei-Ciiplul. Dlesea, 
hllgt glubKD, den MvU Thor. 



COMMANDEUR. 



HKCS^T deTsoor, Daniel Freiherr, Feldmarschall-Lieutcnnnt, pclioimcr 
■od Hofkriegsrath, Inhaber des 2. Husaren -Regiments, zu Ouns im .lehre 1760 
ftborra, hatte sich für den gewühlten Stand schon früher ao vielseitige KcnntnisBe 
anf:t^ifn<tt , dass er, zu Ende des bayerischen Erbfolgekricges als Cadot bei 
ScUrsT- Infanterie eingetreten , die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten bald auf 
«difog nndrnn dem Obersten Grafen Keglevich zum Adjutanten gewählt wurde, 
der Uio in das von ihm commandirtc 3. Husaren-Regiment nahm. 

In den Feldzügen 1793 und 1794 gegen Frankreich war Mecsdry Adjutant 
dea Fcldfflarschall- Lieutenants Otto (s. d.), dem er mit vorzüglichem Eifer zur 
8cHe stand. Schon im ersteren Jahre hatte er sich bei der Einsehlicssung der 
Festoair Cond(? (9. April), bei jener von Valencicnnea (Anfangs Mai), in 
des Treffen ond Gcferhton bei Famars, Dennnin und Marchiennes durch 
TUUiffkcit und tapferes Verhallon verdient gemacht, und im J.ahrc 1794 die loh- 
Bcndste Anerkennung erworben. Fcldmarschall-Lieutenant Otto wurde vom 
flonog« von York beordert eine Recognoscining von Cateau aus gegen das feiad- 
Keb* Lager bei Camp deCSsar vorzunehmen, da in Erfahrung gebracht worden 
«xr, dau der Foind in mehreren Colonnen den bei Dennain aurgestclltcn hessischen 
Genanl- Lieutenant Wurm anzugreifen beabsichtige. Otto betraute seinen Adju- 
»— r*«*, der das Termin von früher her genau kannte, mit der Führung der Avant- 
(«rd« (S Schwadronen Husaren und 2 Schwadronen englische Dragoner). Dieser 
Wim am 24. April auf einige feindliche Schwadronen , die sich ihm entgegcnstell- 
len; ^ciclizeitig gewahrte er zwischen Vtllers en Couchio und Avesnes le 
See Infanterie; des Feindes Stärke zahlte im Ganzen 5000 Mann. Ohne ZKgern 
warf aicb Mce»«!ry auf die Cavallerie, welche nach kurzem Widerstände die Flucht 
g^eo Cambray ergriff, dann auf die im Carrä aufgestellte Infanterie ; dieses wurde 




gesprengt, 7 bis 800 Mann zuaammengeliauen und 4 Kanonen erobert. Eine so raaebe 
mntbvoll ausgefiilirtc Attaque brachte die anderen 3 Colonaen der Franzosen (jede 
bei 5000 Mann stark) aus der Fassung; sio traten, ohne einen weiteren A.ogriflF 
abzuwarten, den Rückzug in Unordnung an, und die mit Dennain unterbrochene 
Communication war wieder hergestellt. Zwei Tage nach diesem glänzenden Erfolge 
gab Mecsöry bei Catcau neue Beweise der umfassendsten Einsicht und kaltblü- 
tigsten Tapferkeit. Er wurde abermals vom Feldmarsehall-Lieutenant Otto dem 
Obersten Fürsten Schwarzcnberg(H. d.) bei dessen Demonstration auf desFeid- 
dcB linkem Flügel als Führer beigegeben, stellte sich an die Spitze der Avantgarde 
und führte diese zwischen Inchy und Eethencourt so gedeckt und glücklich, dass die 
Colonnc dem Feinde vollkommen in den Rücken kam. ITicr wurde die feindliche 
Cavallerie und Artillerie von Mecscry sogleich attaquirf, und der französische 
General Chapuis mit seinem Adjutanten gefangen. Gleichzeitig hieb Fürst 
Schwarzenberg in die Infanterie mit gleich glorreichem Erfolge ein, und beide 
vereint errangen einen der glänzendsten Siege, den die Reiterei je erfochten, denn 
der Feind hatte bei 2000 Mann an Todten, 277 Gefangene, 32 Kanonen und 
29 Munitionskarren verloren. Obgleich Mecs^ry für diese beiden Thaten später 
das Ritt erkreuz zuerkannt erhielt, war er doch noch vor Erhalt desselben in 
dem Fall, am 11. März vor To urnay, am 18. vor Tourcoing und am 26. Juni 
vor Charleroy neue Prohen seines Muthos an Tag legen zu können. Im Jahre 
1796 finden wir ihn im Gefechte bei Biberaeh am 29. September und bei der 
Einnahme des Postens Riegel am 20. Oetober. Die hier gesammelten Verdienste 
verschafften ihm die Beförderung zum Major im 10. Husaren-Regimen te, in welchem 
er schon nach zwei Jabre zum Obersten und ßegiments-Conimandanten vorrückte. 
Mit dem Regimente kam er zur Armee nach Deutschland 1799, nahm an der 
Schlacht bei Stock ach und an der Einnahme von Schaffliauscn Antheil, befreite im 
TreiFen bei An del fingen (25. Mai) mit einem Zuge des Regiments den blessirten 
und in Gefangenschaft gerathenen General-Major Piacsek durch raschen Angriff 
ans derselben und wurde bei Pfungen unter den Ausgezeichneten genannt. Die 
nächste Folge dieser Verdienste war Mecsery's im Jahre 1800 erfolgte BeftJr- 
dening zum General-Major. Er verblieb bei der Armee in Deutschland und hatte 
das MisHgeschick bei dem Gefechte vorLamhach (am 19. December) nach tapferer 
Gegenwehr gefangen zu werden. Die Friedensperiode führte ihn als Brigadier 
nach Westgalizien, das Jahr 1805 wieder zur Armee nach Deutschland. 

In dieser an glorreichen Unternehmungen sehr kargen Periode glänzte Me- 
ca^ry durch die ihm angeborne Tapferkeit und erkämpfte sich im Treffen bei Günz- 
bürg am 9. Oetober durch muthvolle Ausdauer das Commandeurkreuz. Erzher- 
zog Ferdinand beabsichtigte mit der Armee an diesem Tage das linke Donauufer zu 
passiren und beorderte Mecs^ry mit den Regimentern Stuart und Erb ach, dann 
2 Divisionen Blankenstein- und 2 Divisionen Palatinal-Husaren die Avantgarde za 



i 




815 

laJiren, und nacL Gewionung der Donnubrucke bei Günzburg auf Gundolfingen 
Tnnar&cken. Der tapfere General setzte sich mit den Husaren soglelcli in Marsch 
niil Hess die Infanterie nachfolgen. In der Gegend der Donaubriicke angelangt, 
Henhrte er, daaa die Franzosen diese bereits angegriffen und den beabsichtigten 
ühetguig rereitelt hatten. Mit einem Zugo Husaren sprengt Mcescry gegen 
fe Brücke, um sich von der Sachlage genau zu Überzeugen und das zur Bewa- 
Aaag derselben aufgestellte Infanterie-Detaehement zum Ausharren auzueiforn. 
Eun aogekommen , erneuerte der Feind den Angriff mit verdoppelter Kraft, 
itmg mit Btümjonder Hand auf die Brücke ein, bemoisterte sich derselben und 
ftUo^ die Bedeckung in die Flucht, Mitten in dieser, durch das feindliche Feuer 
■•ch Termchrten Verwirrung sprengte Mecsery zu den 4 Divisionen Husaren, Hess 
M sogleich vorrücken und eine entsprechende Stellung nehmen; Blankenstein im 
cnlcn Treffen, Pnlalinal-Husaron in Reserve. Die Franzosen, ihren Vortheil hitzig 
Ttriolgend, setzten unserer Infanterie auf dem I-'ussc nach und waren schon, aus 
incDi Uotüwege debouchirend, bis an die VorstUdte von G ünzburg gedrungen ; jetzt 
wir CS höbe Zeit eine entscheidende Bewegung zu unternehmen. Mit einer 
Bdiwulroa Blankonstein-Husaren attaijitirfe Mccsery die feindliche Masse und 
war so glücklich sie in Verwirrung zu bringen und in den Hohlweg zu werfen. 
Nnn versachte der Feind die in der Ebene aufgestellten Husaren durch lebhaftes 
ftmer «a »ertreiben, um seine Vorrückung auf Günzburg zu erzwingen. Dieses 
JtuoevTTe half aber wenig, denn der umsichtige General wusste seine Angriffe so 
swecfcmiuig zu führen, dass die Gegner sieb genötbigt sahen gegen die Brücke 
am flOcblen und die errungenen Vortheile aufzugeben. Unsere Infanterie gewann 
Zeh sich au railiircn und in den Vorstädten sich festzusetzen. Die Nacht über blieb 
Vers^rv mit den wackern Husaren zu Pferde und bereit jeder Unternehmung des 
Fundes xu begegnen. Dieser aber, durch die erlittenen Verluste eingeschüchtert, 
verbielt «cb nibig und überliess uns die Brücke in ungestörtem Besitz. Das wich- 
tig Ergebnis dieser klihnen und entschlossenen Unternehmung des Generals 
Mecstiry war, dass die Franzosen von der beabsichtigten Einnahme von Günz- 
imrx ibgehalleD irurden, wo sich unser Hauptquartier und die Artüleric-Iieserve 
fcebfid, dfl«s si« mit der geworfenen Infanterie nicht gleichzeitig in die Stadt ein- 
iiiofta konnten, and dass endlich unsere Armee die Nacht hindurch Günzburg 
•boa Belutigung des Feindes passiren und den Marsch nach Ulm antreten konnte. 
Xeoadrr befand sich dann in jener ritterlichen Schaar, welche den bewunderungs- 
«SrdigCD Rückzug unter Erzherzog Ferdi nand von Ulm nach Böhmen machte. 
ts wmr ihm wohl nicht gegönnt das Ziel des kühnen Unternehmens zu erreichen, 
deeb katle er durch mannhafte Entschlossenheit das Gelingen, obgleich mit einer 
tcbweren Wunde und Gefangenschaft, befördert. Der Erzherzog war bekanntlich am 
20.Octobcr in Eschenau eingetroffen, rastlos verfolgt von dem französischen General 
KleiD, der »ofort den Ort mit Heftigkeit angriff. Da wehrte Mecs^ry, nur von 




816 



cinigon Officioren umgeben, am Eingange des Dorfes dessen Andrang so lange, 
bis des Erzherzogs Reiter geordnet den weiteren Rückzug antreten konnten. 

Bei Wieder aushruch des Krieges im Jahre 1809 wurde Mecs^ry ein beson- 
deres Zeichen kaiserlicher Kuld dadurch zu Tlieil, dass er zum Commandanten der 
in Ungarn aufgebotenen Insurreetion im Kreise jenseits der Donau mit der Beför- 
derung zum Feldmarschall -Lieutenant ernannt wurde, dann in den Jahren 1S13 
und 1814 die Errichtung der Veliten-Diviaionen bei den Husaren-Regimentern über- 
tragen erhielt. Das administrative Talent M e c s ^ r y's bewährte sich in dieser 
Epoche so glänzend, dass sich der Kaiser veranlasst sah, ihn nicht nur mit dem 
goldenen Civil-Ehrcnkreuze auszuzeichnen, sondern auch bei eingetretenem Frieden 
als Hofkriegsrath in die unmittelbare Nähe zu ziehen. Rastlos wirkte der tapfere 
Krieger in dieser einflussreichen Stellung zum Besten des Dienstes viele Jahre, 
und rechtfertigte das Vertrauen aemes Monarchen in glänzender Weise. Er starb 
am 30. December 1823 zu Wien, ein schönes Beispiel der Nachahmung hinter- 
lassend, dass er eben so ausgezeichnet vor dem Feinde wie im Bureau seiner 
Bestimmung zu entsprechen verstanden hatte. 



ENSCH, Franz Freiherrvon, General-Major, Mitglied der Elisabeth Theresien- 
Stiftimg, zu Luxemburg im Jahre 1778 geboren, betrat im 14, Lebensjahre die 
Laufbahn als Cadet bei Wilhelm Schröder-Infanterie. Die Eeldziigo am Rhein und 
in Italien mitkämpfend, avancirte er im Juni 1800 zum Oberlieutenant und erhielt 
im November 1801 die Eintheilung in das vom Feldmarschall -Lieutenant Manjuis 
Chastcler in Tirol errichtete Jäger-Corps. 

In den Tagen des Unglücks ist eine heldcnmüthig ausgeführte TJiat um so aner- 
kennungswei-tber, als sie die gedrückte Stimmung neu belebt und zu Standhaftigkcit 
und Ausdauer anspornt. Dies gilt von allen jenen tapferen Officiercn, welche sich vor 
Ulm den Ruhmeskranz um die Stirne gewunden, und obenan Tür Oborlieutcnant 
Ensch. Seine tapfere, mit dem Ritterkreuze belohnte Handlung gibt uns da» 
schönste Beispiel aufopfernden Ausharrens. Die Franzosen hatten am 11. October 
1805 die Vorposten des Obersten Grafen Civalart (s, d.) bei Ulm auf dem 
Michaelsborge mit Übermacht angegriffen. Oberlieutenant Ensch wurde auf eigenes 
Ansuchen mit einer Compagnie Jäger gegen Haslach detachirt, um die Flanke zu 
decken und diesen Posten auf das Hartnäckigste zu vertheidigen. Lange Zeit ent- 
sprach er dem Auftrage auf das Rühmlichste, so zwar, dass er in ausharrender PflicLt- 
crfüUung durch eine Flintenkugel im linken Schenkel, wo diese im Fleische stecken 
blieb, verwundet wurde. Eben imBegriffe den Verbandplatz zu suchen, gewahrteer, 
dass der Feind den Posten erneuert mit Ungestüm anfalle, die Jäger zurückwarf 
und sich auch schon in der Flanke des Obersten Civalart ausbreitete. Der heftigen 



817 



CD Tcrgeaseod, verband Enech in Eile mit eineto Tuche die Wunde and 
, TOQ einem Jäger unterstützt, zu seiner Abtheilung führen, die er schon 
MKw&okeud fiQtraf. Der Anblick ihres blutenden Coiiimandanten aber, sein Zmeden 
und seine Aufmunterung wirkten eindringlich auf das Oemiith der braven Jäger. 
Si* folgtea dem Rufe des tapfern Enseh, der sie auf das Schnellste gesammelt 
iuni<. und griffen nuD die Franzosen selbst an. Das heroische Beispiel und die vor- 
trefilichen Anstalten, welche Kusch einzuleiten verstanden, hatten nicht allein die 
Gegner zum Kuckzuge genöthigt, sondern auch den Muth der Jäger so entflammt, 
iIass si« durch anderthalb Stunden jedem weiteren Versuche auf Haslach mit 
teltcDcr Standhaftigkeit Trotz boten und der Armee Zeit verschafften aus Ulm vor- 
rücken und sich in Schlachtordnung formiren zu können. Enseh vrürde dem Feinde 
b<kIi enipliDdlichere Nachtheile zugefügt haben, wenn nicht ein zweiter Schuss in 
die rechte Hüfte ihn zu Boden gestreckt hätte und er fiii- todt gehalten vom Kampf- 
pUtie nach Ulm gebracht werden musste. 

Nachdem dieser bravo Ofticier im Februar 1807 zum Hauptmann befördert 
wor^n, erhielt er im September 1808 nach Auflösung dieses Jäger -Regiments 
•eiDe EinthcJlung bei der 3. Division, dem nachmahgen 3. Jäger-BataÜlon und gab 
im FHdsuge 1809 in allen Gelegenheiten neue Beweise von Entschlossenheit und 
muielitiger Führung, Im Mai 1813 wurde Enseh in den Freiherrnstand erhoben 
ttad zum H«jor und Commandanten des 11. Jäger-Bataillons befördert, um dessen 
Orf^nisining er sich grosse Verdienste erwarb und seine Anstrengungen in den 
Jahren 1814 und 1815 vor dem Feinde belohnt sah. Er nahm am Gefechte bei 
KoQco (21. April) Theil und trug zu dem Überfalle von Pesaro (28, April), wo 
«r die Uotcrstiilzung bildete, wesentlich bei. Im Jahre 1821 zum Oberst -Lieute- 
uat befördert, wohnte Enseh dem Zuge der österreichischen Armee gegen die 
anpoIiUnischen Iniurgenleo bei, avancirte im Jänner 1831 zum Obersten im 
BaluUoD und trat nach 44jährigen ausgezeichneten Diensten als General-Major in 
im Buhesland. 

KjUtOVE, Ladislaus von, Hauptmann, einer adeligen Familie des Zipser 
Canitat« aogehürig, war zu Toltschau geboren. Dieser tapfere Officicr fand in der 
SdiUebtbei Asporn im noch nicht erreichtenSO. Lebensjahre den Heldentod, nach- 
A«B er sich im Feldzngc 1805 bei Caldiero das Ritterkreuz auf höchst aus- 
?«>«tcboctc und ruhmvolle Weise erworben hatte. Karove wurde im Februar 1799 
Cadet bei SpWnyj - Infanterie Nr. 51 , kam bald darnach zur ungarischen Garde, 
«ad war bereits im September 1804 Hauptmann im Regimente, 

Am xweiten Schlachltage von Caldiero (30. October 1805) stand Karove's 
BepiiDcnt in der Division des Feldmarschall-Lieutcnants Baron Simbschen, der 
iit Position bei Colognola zu vertheidigon hatte. Die Franzosen waren bereits auf 
£e wichtigste Ajih&he unserer Stellung stürmend vorgedrungen und hatten sich 




dieser bemächtiget. Gelang; ihnen der Yerschanzung «af der Auhöhe bei ColognoU 
Moieter zu werden, so war der Schlüssel unserer Position, wie Erzherzog Karl in 
der Relation bemerkt, in Feindes Händen, dergrösste Theil des Geschützes verloren, 
und unsere Niederlage wäre nicht unwahrscheinlich gewesen. Hier galt es nun sich 
demFeinde nicht nur entgegenzustellen, sondern auch von der bereits gewonnenen 
Anhühe zu werfen. Hauptmann Karove, obschon der jüngste im Range, bot sich 
freiwillig mit einer Division zu dieser gewagten Unternehmung an. Mit seiner Com- 
pagnie eilte er links vor dielürche; während er die zweite recht?! von derselben dem 
Feinde entgegenstellte. In der Nähe des Gotteshauses angekommen, und seine 
Braven zur standhaften Ausdauer aneifernd, stürzte er sich an ihrer Spitze mit gefäll- 
tem Eajonete auf den 600 Mann starken Gegner. Während Karove in der rechten 
Flanke und im Rücken mitGlück vordrang, operirte die zweite Com pagnie auf seine 
Anordnung in der Unken Flanke. Der Angriff war so gut geleitet und rasch aus- 
gefiihrt, dass die Franzosen, durch diese Kühnheit überrascht, die bereits gewon- 
nene vortheilhafte Stellung mit grossem Verluste verlassen niussten und sich gegen 
Colögnola bassa zu retten suchten, AberKarove's tapfere Division stürzte sich in 
das tiefe Tiial nach und schnitt ihnen den Rückzug auf Colögnola bassa ab , denn 
sie hatte diesen Ort noch vor der Ankunft der Fliehenden besetzt und sich imRUckea 
des betäubten Feindes vereinigt, 300 Franzosen bedeckten die Wahlstatt, 1 Fahne 
und 2 Trommeln wurden erbeutet und 7 OfiJeiere und 130 Mann durch Karove'8 
Truppe allein zu Gefangenen gemacht. Seine Division zählte nur 13 Todte und 
19 Verwundete. Diese entschlossene und einsichtsvolle TLat des heldenmüthigen 
Plauptmanns hatte fiir das Allgemeine sehr wesentliche Folgen, da der feindliche 
linke Flügel, welcher sich Colognola's bemeistern wollte, von weiteren Versuchen 
abzustehen bemüssigt war. 

MYLIUS, Friedrich Freiherr von, Oberst, einem alten rheinischen Geschlechte 
entsprossen, war im Jahre 1782 zu Düsseldorf geboren und begann die militärische 
Laufbahn im April 1798 als Fähnrich bei dem Infanterie -Regimente Erzherzog 
Karl. Unter den Augen seines Inhabers focht das Regiment im folgenden Jahre 
in den Treffen bei Osterach, Stoekach, W'interthur, Zürich und Mann- 
heim, und erlitt bei dem Sturme auf das verschanzte Dorf Neckarau einen Verlust 
1 400 Tudten und Verwundeten. MyHus hatte sich in diesem ersten Feldzuge 
bei allen Gelegenheiten als umsichtsvoller, tapferer Soldat bewiesen, und war im 
Mai 1800 zum Unterlieutenant, im September 1805 zum Oberlieutenant befördert 
worden, nachdem er mit dem Regimente auch den Krieg vom Jahre 1800 bis 
zum Frieden von Luneville bei der Armee in Deutschland mitgemacht hatte. 

Bei Beginn des Feldzuges 1805 sollte Mylius dem Regimente von Wien 
BUS einen Ergänzungs-Transport von 250 Mann nachführen. Zu Innsbruck ange- 
kommen^ hatte ihn die Katastrophe bei Ulm vom Regimente bereits abgeschnitten, 



I 



819 

' wurde über höhere Weisung durch den Major Grafen zu Lippe dea Regi- 
be&aitragl, mit der Engänzungs-Mannächaft den PassLuitasch zu beaetzen. 
Später wuchs dieser Transport mit der aus der KriegsgefangeDscbaft zurück- 
^ekchrtcD Maouachaft auf die Stlirke eineä Bataillons, "welches zur Vcrtheldigung 
ier Feste Schsrnitz unter Oberst -Lieutenant Swinburne (s. d.) verwendet 
««rdc. Dem Oberüeutenant Mylius ward mit einer Abtheilung dieses combinirten 
Batsülfnis die Vertheidigung der unteren Werke anvertraut. Am 4. November 
■Blemahtii, wie vrir wissen, der Feiud einen Angriff', der insbesondere gegen die 
■Atereo Werke gerichtet war. Diesen schlug Mylius wiederholt ab- Der Feind 
WMUlete sich nun gegen die vom Major Grafen Lippe besetzte Schanze. Schon 
halin er die vordem Werke erstiegen und die Sturmleitern an der Hauptschanze 
•Bgdeglr «is Mylius, dies bemerkend, aus eigenem Antriebe mit dem verfugbaren 
Ttwle seiner Mannschaft in Blitzesschnelle zum Schutze der Bedrängten herbeieilte. 
nw einigen aeiner Braven begleitet im Angesichte des Feindes in den Laufgraben 
', die anlegten Sturmleitern abnahm und den Stürmenden alle bereits er- 
Vorlheile entwand. Verstärkt durch den mittlerweile angelangten Rest 
Detachenienta vertrieb der unerschrockene Ofticier den Feind ganz aus dem 
der VerachauzungcD, ihm so kräftig nachsetzend, dass er jede Lust verlor 
■iff zu erneuern. Mehrere Gefangene Helen in Mjlius' Hände und die 
des Feindes war nur durch diese entschlossene That zu Nichte geworden. 
Di spller die Uipforo Besatzung von Schamita kriegsgefangen und Mylius erst 
Mai IÖ06 rftnzionirl wurde, so konnte er seine Ansprüche auf das ihm zu Theil 
Ritterkreuz erst in diesem Üapitel geltend machen. 
Im Feldzagt! lÖOS' stand das Infanterie -Regiment Erzherzog Karl in der 
DiriBDn d«» FeldmaiBchall-Lieutenants von Lindenau beim 5. Armeecorps. E& 
btt« bei Regensburg am 2'ä. April mit grosser Ausdauer gekämpft und namhafte 
erlittca. Unter den Gefangenen befand sich auch 3Iylius, der erst im 
seine Freiheit erhielt, im October zum Hauptmann vornickte und im 
DMCBtber It^lO Wunden halber in die Pension vorsetzt wurde. 

Die Befreiangskriege riefen diesen mittlerweile wieder körperlich erstarkten 
Ofirier za neuer Tbüligkeil; er wurde am 13. Juli 1813 in das 1. Landwehr-Bstül- 
loa de*In[iuit«rie-HeftiiuentaHocb- undDeutschmeistor eingetheilt, und folgte 
4cr Deoen Bettimmung nach Italien. Hier gelang es seiner pcrsönlicben Bravour 
wd Fwlf hlnnirtihfiil in der Schlacht amMincio (8. Februar 1814) eine vom Feinde 
kwtitt «bffeschaittene halbe Compagnie des 11. Jäger-Bataillons durch einen herz- 
Mca Angriff lu befreien. Er wurde vomFeldmarBchall-Lieutenaut Radivojevich 
«icr den Aiugeieicbnetcn genannt und mit dem Ritterkreuze des Leopold- 
Ordens bdobat. Nach eingetretener Ruhe trat My lius am 1. März 1816 in den 
PMuBODUtand zurück, behielt jedoch eine Landwehr-Cnmpagnie des Regiments 
DiBl«chniei*ter, die er bis September 1832 commandirte. Seine Majestät 




820 

begnadigte den tapferenMyliusmit deniMajors-Chai-akter; doch blieb ernur kurze 
Zeit unthätig. Im November 1835 zum Badehaus-Commandantea ioBaden ernannt, 
bot ihm diese Anstellung Veranlassung, sieh wesentliche Verdienste sowohl um die 
Stadt als auch um seine leidenden Kriegsgefährten zu sammeln, und es blieb dem ' 
ergrauten Veteranen die Anerkennung nicht aus, denn während er von der Stadt 
Baden das Ehrenbürgerrecht erhielt, ernannte ihn der Kaiser im Janner 1841 zum 
Oberst-Lieutenant, und iniNovcmber 1850 zum Obersten in dieser Anstellung. Mehr 
als 54 Jahre hatte Mylius dem Sloatc gedient, in 5 Feldziigen zahlreiche Beweise 
peraönticher Tapferkeit gegeben, und sich durch humane vortreffliche Gemüths- 
EigeuBchaften die allgemeine Achtung und Liebe aller Jener erworben, die mit ihm 
in nähere Berührung gekommen waren. Er beschloss sein Leben am 20. August 
1852 zu Baden in seiner rastlos und thätig wii-kenden Anstellung. 




Mengen, Wllhelm Freiherr von, Feldmarschall -Lieutenant, einem alt- 
adeligen norddeutschen Geschlechte entsprossen, war zu Bitze in Hannover geboren. 
Der Feldmarschall Prinz Coburg ernannte ihn im 18. Lebensjahre zum Lieute- 
nant in seinem Dragoner-Regimente. Im Feldzuge 1799 legte Mengen so grosse 
Proben von Entschlossenheit an Tag, dass er im Februar 1800 mit Übergebung 
einer Charge zum Hauptmann im 55. Infant erie-Regimente befördert, bald darnach 
aber wieder zur Cavallerie übersetzt wurde, für welche Waffe er nicht nur alle 
Eigenschaften, sondern auch eine besondere Vorliebe besasa. 

So traf ihn das Jahr 1805 im 1. Uhlanen-Regimente Merveldt, welches 
dem Corps des Inhabers zugewiesen war. Am 2. November wurde Mengen mit 
seiner Schwadron von Weier nach Leobea beordert, um eine von Salzburg 
im Vorrücken befindliche feindliche Abtheilung zu beobachten; kurz darauf aber 
wieder rückherufen. Er war aber ungeachtet eines angestrengten Marsches von 
zwei Tagen und zwei Nächten, wo das hindernde Gebirge nur zu Fuss passirt 
werden konnte, nicht mehr im Stande die Haupttruppe zu erreichen und stiess 
vielmehr auf den das Armeecorps verfolgenden Feind. Um in einem so nachthei- 
ligen Terrain sich durchschlagen zu wollen, dazu war zweifelsohne ein kühner 
Unternehmungsgeist nothwendig. Der Klugheit und Stand haftigkeit des ■wackern 
Rittmeisters gelang dies indessen so vollkommen, dass er das Corps vor Neuhaus 
in dem Augenblicke erreichte, als eB vom Feinde von einer andern Seite ange- 
griffen worden war. Die Attaque erfolgte am 8. November auf die Nachhut der 
Truppen des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Merveldt, welche sich in einem 
Verderben drohenden Defilö befanden. Zu gleicher Zeit hatte eine französische 
Abtheilung Jäger einen steilen Berg erklommen, von wo aus sie den Angriff 
auf Merveldt's Centrum, welches sich ebenfalls in einem Engwege befand, 
richtete. Dieses unerwartete Manoeuvre brachte unsere Truppen zum Weichen, 
so dass es dem Feinde leicht wurde, auf der Strasse zwischen der Hauplcolonne 



I 



id der Arri^regarde sich fest zu setzen. Doch rettoto sich Mengen aus die- 
ser drohenden Gefahr mit dem geringen Veriuste von 40 Mann und Pferden, 
■nd b«flu^lie seinen Marsch , um von dieser bedrohlichen Verwirrung dem 
Corps-Conunsndanten, welcher sich in Neuhaus, etwa eine Viertel -Stunde von 
dem Kajupfplaize befand, in Kenntniss zu setzen und um die Erlaubmss anzu- 
Mcbeo, den Feind angreifen zu dürfen. Da die Gegend eine Unternehmung mit der 
C«*'>llerie anihunlieh machte, sass er Tom Pferde ah, sammelte von der Infan- 
terie so Tiel als möglich aufzubringen war, und fasate den kühnen Entschluss, 
■üt nogefafar 100 Freiwilligen dem Feinde sich entgegen zuwerfen und die abge- 
■chaittene ArrJ^regarde wo möglich zu retten. Er führte diesen mit solch glänzen- 
der Tapferkeit durch, dass die Franzosen, welche die Vei"wirrung unserer Truppen 
Veautzt und die Arri^regarde bereits abgeschnitten hatten, nicht nur in ihrem 
Erfolge behindert, sondern auch jene feindliehe 300 Mann starke Abtheilung, die 
aicii rtrtscben der Haupttruppe und der Nachhut geworfen hatte, umzingelt und 
g«£ukgcn wurde. Vier Kanonen, welche der Feind dem Bataillon Deutschmeister 
tOTJI» abgenommen hatte, wurden wieder zurückerobert. Ein weiterer Vortheil 
d JMM glSnzendcn, mit dem Ritterkreuze belohnten Angriffes war der Zeit- 
gewinn fOr die bereits abgeschnittene Arri6regarde , welche sich wieder rallüren 
•od dem Corps anschlicssen konnte. Mengen's im Jahre 1809 mit gleicher 
UiBticht und Thätigkeit an Tag gelegtes vortreffliches Benehmen vor dem Feinde 
«mclufi^ ihm die Bei^rderung zum Major im 3. Uhlanen-Regimente Erzherzog 
Karl 

In den Jahren 1813 und 1814 kämpfte Mengen bei der Aimee in Italien und 
■atdiarte sich in der Schlacht am Mincio (8. Februar 1814) so voriheilhaft aus, 
hm Üui Se. Majcstüt der Kaiser zum zweiten Obersten ernannte. Er stand in der 
Brigade dea General -Majors Grafen V^csey und wurde, als diese am frühen Mor- 
ia anf die rechte Mincio-Seite übergegangen war, mit einer Schwadron längs des 
Buk an Üfer» gegen Goito angewiesen, falls er auf den Feind nicht stoascn sollte, 
ttedsn Fluss zu setzen und sich mit Vdcsey zu vereinigen. Da aber die Fran- 
bcreit» Roverbcllo erreicht hatten, so wurde Mengen mit einer weit Uber- 
feindlicbcn Ueiteroi in ein Gefecht verwickelt und zog sich, früher schon 
Oberst«]! von Gorczkowsky mit einer halben Schwadron verstärkt, 
Wege nach Pozzolo gegen die Division Merville, von der französischen 
Icflerei dca Generals Mermet heftig verfolgt. Das Feuer des schnell einen Haken 
len Flügel -Bataillons De Best machte die feindlichen Chasseurs 
Oberst Baron Gabelkoven hieb nun mit dem Rcgimentc Savoyen-Dra- 
difl französische Reiterei ein, welche Oberst-Lieutenant Mengen mit 
UbUaeti- Schwadron zugleich in der Flanke anfiel. Dadurch wurde das 
ante franzfieioche Hnaarcn- Regiment geworfen; es riss auch das Dragoner-Regi- 
Mlft^Siiifinn mit und beide stürzten auf ihre in Coloone anziehende zweite 



Infanterie -Division zurück. Die eilig gebildeten Vierecke der eich eben auf der 
Höhe vor Mass imbuona entwickelnden ersten Infanterie-Division hielten die weitere 
Verfolgung dea Feindes auf. Die kühnen Ublanen eroberten dessen ungeachtet 
6 Geschütze, vermochten jedoch wegen der in Verwirrung gerathenen Bespan- 
nung nur eine Kanone als Trophäe fortzuführen. Die Überzahl des Feindes machte 
den Vortheil dieses Angriffes noch zweifelhaft, bis der zur Unterstützung nach- 
rückende Oberst Graf Seh lot heim mit 3 Schwadronen IIohenlohe-Dragonerden 
Angriff erneuerte. Die französische Reiterbrigade wurde nun gänzlich in die Flucht 
gejagt und durch ihren Verlust ausser Stand gesetzt, weitern Antheü an der 
Schlacht zu nehmen. 

So vorzügliche Dienste dieser am 23. October 1837 zu Prag als Feld-I 
m arschall -Lieutenant und Divisionär verstorbene Officier vor dem Feinde gel« 
stet hatte, so ersprieslich war auch sein Wirken in der langen Epoche detJ 
Friedens, und namentlich in seiner SteUung als Oberst des zweiten Dragoner- 1 
Regiments König von Bayern, dem er durch zehn Jahre als Commandant vor- 1 
gestanden. 



Schneider von Amo, Karl Freiherr, Fei dm arsch all -Lieutenant, geheimer 
Rath, Inhaber des 8. Infanterie -Regiments. Auf den schönsten Blättern der vater- 
ländischen Geschichte hat dieser ausgezel ebnete Soldat seinen Namen verewigt und 
beinahe alle Beförderungen auf dem Sehlachtfelde errungen. Zehn mitgemachte 
Feldzüge und sieben zum Theil schwere Wunden waren die unzweideutigsten 
Beweise k-tlter Besonnenheit und muthvoller Ausdauer. Sein Vater war fürstlich 
Fürstenberg'scher Beamter als Schneider im Jahre 1777 zu Donaueschingen 
das Licht der Welt erblickte. Mit kaum zurückgelegtem 16. Lebensjahre trat er 
zu Scbaffhausen in das für Pieniont zu stellende Schweizer - Regiment Royal 
Allemandundrückteinkurzer Zeit zum Lieutenant bei dem sardinis eben Jäger- 
Corps vor. In den Gofeebten bei Carcarc, Millesimo und Cossaria 1794 gab er die 
ersten Proben von tinerscbrockenheit, bestand dann in den Alpen im Winter 1795 
auf 1796 mehrere Vorposten gefechto und kämpfte bei Millesimo und Dego und in 
der Schlacht bei Mondovi (22. April). Als Piemont im April 1796 mit der fran- 
zösischen RepublikFricden scldoss und sein Jägercorps reduoirte, erhielt der kaum 
20 Jahre alte Officier seine Entlassung; er ging in die Heimath zurück und ent- J 
scbloss sich in kaiserliche Dienste zu treten. I 

Kaum waren die Österreicher in den stillen Thälern des oberen Schwarzwaldea 1 
erschienen, als sich Schneider denselben als Volontär stellte und bei mehreren 
Gelegenheiten rühmlich hci-voitbat. Im März 1797 wurde er zu Salzburg Oadet 
im Freicorps Grün -London und nach Monatsfrist vom Erzherzoge Karl i 
Fähnrich ernannt, bei Umgestaltung dieses Corps in das 3. und 4. leichte BatoUloi 
aber in das letztere eingetheilt. 




823 

Seit dem Beginne der Feindseligkeiten in Itnlico 1799 stand dieses Bataillon 
bd dem detachirten Corps des General-Mujors Grafen Klenau in der Polesine, 
Die erste ^üssere That, wodurch sich der junge S chneider bemerkbar machte 
oad sich das Vertrauen seiner Vorgesetzten erwarb, war die Eroberung einer feind- 
lichen Kanonier- Schaluppe mit 6 Kanonen auf dem Po; am 8, April überfiel er 
mit Oberlicutenant Hack Ponte Lagoscura mit 100 Freiwilligen und 20 Hu- 
taren ; in diesem Orte befanden sieb 600 franzosische Fusssoldalen, 60 Reiter und 
2 Geschütze. Die Geschütze und 100 Mann, darunter 5 Offieiere, fielen in die 
Qlnde dieser beiden Ofüciere. Im Mai wurde Schneider's Bataillon bei der 
Belagerang von Mantua verwendet. Bei einem am 8. unternommenen Ausfalle 
der Franzosen vertheidigte Schneider seinen wichtigen Posten gegen zehnfache 
Üb«nuacht und wurde amFusse und an der linken Hand, dann durch einen Bajo- 
MiBtieh im Gesichte verwundet. Als sich in Toscana die Insui-rection gegen die 
fruixOsiscbe Gewaltherrschaft bildete, wünschten die A retiner einen kriegserfah- 
noen kaiserlichen Ofticier zumCommandanten ihrer Truppen zu erhnlten, der durch 
■eine Anwesenheit gewissermassen öä'entlich bezeugen sollte, dass der Kaiser die 
Schild crhe bong der Toscaner iür den legitimen Herrscher billige und ihr seinen 
Beilland nicht entziehe. Klenau wählte Schneider zu der Stelle eines Com- 
maadanteu der Insurreetions- Armee, welche Wahl der commandirende General 
ia Itaiiea, Feldzeugmeister Freiherr von Kray, bestätigte. Am 16. Juni hielt 
Schneider in dieser neuen Eigenschaft seinen feierlichen Einzug in Arezzo. 
DitM Penoile in Schncider's Leben ist die denkwürdigste. Seine erste angele- 
geuliclute Sorge war, die höchst mangelhaft organisirten Truppen feldtüchtig zu 
BidwQ und Arezzo in Verthcidigungssland zu setzen. Noch war der General der 
Antincr, wie man Schneider nannte und auf dessen Kopf die Franzosen einen 
Freu Ton fünftausend Scudi gesetzt hatten, nicht acht Tage in Arezzo, als er an 
ier Spitze eines kleinen, aber wackeren Häufleins Dragoner und etwa 6000 Mann 
nFoaapegeo Sieoa auszog, welches eine französische Bezatzung hatte. Stadt und 
CmUII intrden, erstorcam 28. Juni, bezwungen, dann Florenz undLivorno besetzt. 
Bnuiei) rier Wochen war die Vertreibung des Feindes aus dem Grossherzogthume 
Wwerkstelligt. und auf allen Puncten des Landes , das um diese Zeit gegen 
90,000 Idann unter den Wallen hatte und an deren Spitze General Inghirami, ein 
Floreatiaer und Commandant von Livorno, und S e h n ei d c r die hervorragenden Per- 
iSilichkeiten waren, feierte man die Vernichtung der aufgedrungenen französischen 
FraOMit und die Uuckkehr zur Ordnung. Diese Krfolge waren zumeist der ra^it- 
loMD ThKtigkeit, dem unverdrossenen Eifer und der geschickten Benützung aller 
VerUÜtnme Schnei de r's zu danken und fanden selbst bei dem Fcldmarschall 
Sivorow Anerkennung, der ihm unterm 15. Juli aus .Vlessandria, und zwar in 
Sprache, unter Anderm schrieb: „Ihr rechtschaffenes uudlobenswUrdiges 
Ihnen gewiss diejenige Belobung verschaffen, welche ein solehea 





824 




Unternehmen verdient". Nacli den glücklichen Erfolgen in Toscana wendete 
Schneider seine Blicke nach Süden und sann auf die Betreiung der römischen 
Staaten. Vor allem galt es Perugia, den eigentlichen Herd dea Jakobinismus, zu 
bezwingen; nach kurzem Widerstände ergab sich die Stadt am 3., das Castelf aber 
erst am 29. August. Überall wurden grosse Vorräthe an Munition, Watten und 
Geschütz gewonnen. 

Mittlerweile hatte sich Korn am 30. November den Allürten unterworfen und 
der Kirchenstaat wurde von den Franzosen gänzlich geräumt. Feldmarschall- 
Lieutenant Fröhlich bedeutete nun dem Fähnrich Schneider, die aretinische 
Insurrection, die unter diesen Umstunden nicht mehr nöthig war, aufzulösen — ein 
Heer, das zum Theile Schneider's Schöpfung war und welches er jederzeit mit 
höchster Auszeichnung angeführt hatte. Der wackere Oflicier Latte nämlich ia dem 
Zeiträume von vier Monaten sechs Städte und Festungen erobert, mehr denn 45,000 
Mann befehligt, hiervon 4000 vollständig ausgerüstet, 1200 Cavallerislen wohl 
beritten gemacht und eine Anzahl Geschütze mobilisirt. Er hatte, was noch höher 
anzuschlagen ist, den Mulh, die Mannszucht, die Vaterlandsliebe bei regellosen 
Banden hervorgerufen, Ausschweifungen und Unordnungen Li ntange halten. 

Der tapfere Schneider begab sich, mit dem Bewiisstsein zur Befreiung Tos- 
cana's und eines Theiles des Kii-chenstaates nach Kräften mitgewirkt zu haben, zu 
seinem Bataillon in Sarzana, wo er als Fähnrich wieder in seine Compagnie trat, 
aber auch eine von vielfachen Anstrengungen und Beschwerden zerrüttete Gesund- 
heit mitbrachte. Seine ausserordentlichen Leistungen wurden von Seiner Majestät 
dem Kaiser mit der Ernennung zum Capitän- Lieutenant gelohnt und in späterer 
Zeit mit dem Commandeurkreuze des toscanischcn St. Joseph -Ordens gewürdigt. 

Im P'eldzuge 1800 organisirte Schneider den Landsturm im Breisgau und 
führte dann, zum wii'klichen Hauptmann befördert, ein Streifcorps in Bayern; 
nach dem Friedensschlüsse wurde er zu Neugebauer-Infanterie in die Wirklichkeit 
eingebracht; 1805 deckte Schneider den Rückzug dea Feldmarachall -Lieute- 
nant Hillcr'schen Corps, als dieses von Tirol zur Armee des Erzherzogs Karl 
Blossen sollte. Am 20. November langte Schneider mit 300 Mann in Villaoh 
an und Latte sich aufgestellt, um den Feind zu beobachten, welcher, im Besitze von 
Tarvis und der Flitscher Klause, bis Arnoldstein streifte. Ausserhalb VillacL an 
der Chaussee nach Arnold stein fand Schneider einen nach Verona bestimmten 
kaiserlichen Park von 52 Geschützen aufgefahren, der hier seit mehreren Tagen 
unter schwacher Bedeckung stand und, nachdem auf dem weiten Marsche von 
Wien bis Villach ein Theil der Bespannung durch vermehrte Anstrengungen 
erschöpft war, binnen wenigen Stunden eine Beute des Feindes werden musste. 
Entschlossen, wenigstens zu retten was möglich sei, schob Schneider rasch eine 
Truppenabt heilung bis an die Gailhrücke bei Föderaun vor und trieb indessen in 
allen benachbarten Ortschaften mit guten Worten oder Gewalt die Eauornpferde 



825 



Dadurch gelang es, sämmtliche Geschütze zu bespaonca. Noch am 
des 21., kurz nach dem Eintreffen der Arrieregarde unter General-Major 
Sr&anrotb in Viliach, wurde der Park nach Klagenfurt in Marsch gesetzt und 
läBfirt dort am Morgen des 32. ungefährdet an. General-Major Sehauroth war 
£eae Nacht über in Villach stehen geblieben, welche Stadt die Feinde schon am 
33. beeelzien. Die umsichtige That Schneider's wurde mit dem Ritterkreuze 
bdolutt, dem im Jahre ISIO die Erhebung in den Freiherrnstand folgte. Um 
Pigleicb das Andenken der aussergewöhnhchen Vei-wondung Schneider's vom 
Jfthre J 799 im Toscaniachen bleibend zu machen, erhielt er das Prädieat von Arno. 
lo den letzten Tagen des November 1805 commandirte Schneider ein 
Smifcorps gegen Gratz und wurde für seine thäligen Leistungen in diesem Feld- 
■1^ aU einer der jüngeren Hauplleute zum Major im Tiroler Jäger-Regimcute, 
läOä zum Commandanten des 2. Jäger- Bataillons ernannt. 
In der denkwürdigen Schlacht bei Aspern zeichnete sich Schneider so 
wrtheUbaft »us, daaa er im Juni zum Oberst-Lieutenant betordert wurde. 

Die Schlacht von Dresden war eine neue Gelegenheit für S ch n e i de r, durch 
XoUi und Ent&chlosaenheit an der Spitze des braven Bataillons zu glänzen. Bei dem 
iCaafdieic Stadt (26. August 18I3J erbot er sich die vordemMoschinsky'- 
Gulen liegende, mit 6 Geschützen bewaffnete Redoute zu nehmen. Unter dem 
Kartätschen- und Kleingewohrfeucr des Vertheidigers yolli'ülu-te er mit 
I Jägern das kühne Unternehmen. Ehe man sich's verzah, waren die Patli- 
WBgehaaen oder ausgerissen und die Brustwehr un ersten Anlaufe erstiegen. 
Bebnsiilcr, von vier seiner Jäger gefolgt, war der Erste auf dem Parapet, als er 
mrt Cm« Kartätschen ku gel in den Oberschenkel erhielt und in die Arme der 
CaMelieDtleo sank. Aber die Stimme ihres schwer blcssirten Commandanten 
Matotte die lapferea Jäger unaufhörlich und im hoben Grade auf; die Besatzung 
iaSduaut» wurde, da auch Oberlieutenanl Feld egg (s, d.) von der entgegen- 
pwüUu Sehe mit Freiwilligen von De Vaux-lnfantcrio gleichzeitig eingedrungen 
*v, tbeÜa üiedcrgcmaclit, theils verjagt, und die sechs Geschütze waren erobert. 
ÜiUriten deftigsten Feuer aus dem nahen Garten und den mehrmaligen Versuchen 
AeiFnides am den Wiederbesitz der Redoute, behauptete sich Schneider diei 
fandwi mit einer Geistesgegenwart, die um so höhere Anerkennung verdient, als 
■■ niae schwere Wunde unsägliche Schmerzen verursachte und er sich durchaus 
imIa n erheben vermochte, somit während dieser ganzen Zeit auf dem Banket 
■(oder TOD einigen Leuten unterstützt an der inneren Brustwehrböschung lehnte. 
AI* ftfta S Uhr Abends die feindlichen Colonnen aus der Stadt dcbouchirten und 
■i eroberte Kedotite wieder verlassen worden musste, blieb Schneider kein 
•^•«1 Xittel, als sich unter dem Beistände der Seinigen mit höchster Gefahr auf 
M Briitirelir beben und von da in den Graben hinabgleiten zu lassen , von wo 
^ dan eiaige JVger zurückführten. Kaiser Franz befahl, für den Taneport des 




schwer blessirten Schneider olle Sorge zu tragen und denselben znr besseren I 
Pflege nach Prag bringen zu lassen; für die neuerdings bewiesene Tapferkeit aber 1 
ernannte er ihn zum Obersfen ausser der Tour. Obschon Schneider nach längerer I 
Zeit genas, so begleiteten ihn die Schmerzen dieser Wunde bis an dasKnde seines 1 
thatenreichen Lebens, so wie diese Bleasur auch Ursache war, dass er an den j 
folgenden Kriegen keinen Antheil nehmen konnte. Doch wurde Schneider | 
bei der Errichtung des italienischen Freicorps in Anspruch genommen und nach j 
Keducimng desselben zum Commandanten des Tiroler Jäger- Regiments ernannt. 1 
Den Feldzug des Jahres 1821 gegen Neapel machte er als Commandaiit des j 
3. Jäger- Bataillons mit und bestand am 7. März bei Pie di Lugo unfern Rieti ein | 
dreistündiges glänzendes Gefecht, Der St. Georg-Orden 4, Classe lohnte die neuen j 
Verdienste Schneider's, der im Jahre 1823 zum General- Major, und 1832 zum | 
Feldmarschall-Lieutcnant und Divisionär in Prag befördert wurde. I 

Nachdem in der langen Friedens-Epochc seine Erfahrung und genaue Waffen- J 
kenntniss bei der angeordneten Prüfungs-Commission behufs einer neuen Abfeue- I 
rungsniethode der Infanterie-Gewehre in Anspruch genommen, und er auch bei der I 
Commission der neuen Uniformirung in der gcsammten Armee mit thätigster Um- I 
sieht verwendet wurde, nachdem er Inhaber des 8. Infanterie -Regiments, 1836 1 
Militär-Commandant in Linz und bald darauf geheimer Rath geworden, beschtoas I 
er sein vielbewegtes ausgezeichnetes Leben am Abend des 16. Jänner 1846 ia 1 
der Hauptstadt Oberösterreichs nach einer beinahe ÖÜjährigen Dienstzeit, während 1 
welcher er AusHergewöhnliches mit seltener Thatkraft geleistet und die allseitige •> 
Anerkennung dafür nicht nur von Seiten seines Kaisers, sondern auch der fremden 
Souveräne durch Verleihung ihrer Orden gefunden hatte. Neben dem Thcresien- 
Krouze schmückten sieben andere Ehrenzeichen die Brust des tapferen Feldmar- 
sc hall -Lieutenants Schneider. 




X, 



Siebente Fesiode. Der vierte Krieg gegen Prankreich 
a809). 



D» Prirfe loa Tilsit 1806 schien die Abhängigkeit des europäischen Festlandes von Fiank- 
^efTTÜiidel m baben. Öslerreieli konnte es nicht Terkennen, dasa der Boden unter ilim 
lObleo begann. Es konnte jetzt Echon fühlen, daaa, nauhdem ganz Deutschland, seit 
■BflQcktiobeD Feldzuge 1806 such Preusaen die Oberherrschatl des Kaisera der Fran- 
I aaedunnt«, der 'Welteroberer auch den völligen Sturz Österreiebs berbeizufüLren beab- 



D« Friede TOD Presiborg vam 56. December 1S05 war, wie wir wiaaeD, mit selir grossen 
Opiwa «rkvin worden; wie wenig diese Opfer aber genügt hatten Österreich gegen künftige 
ITilnii Buc Frankreich sicher zu stellen, bewiesen die fortwährenden gewaltsamen Eingriffe und 
AfMUltaiigcn, welche eicb Napoleon in den seinem Ei nflusae unterworfeneu Staaten erlaubte. 
n> EkriclituDg des Rheinbondes unter Frankreichs Proteotoral. der erwähnte Krieg mit Prsua- 
*■, wtbrhrt diflten Staat an den Rani] de» gänzUeüca Unterganges brachte, das Continental- 
IjMHtt Jiapaleon'i Usurpationen in Neapel, der bataviachen Eepublik, Hannover und 
SpiAks, mn»t«o den Kaiser Franz mit der gegründeten Besorgniss orfüUen, dass Napoleon 
b rMleiobt lüebt ferner Zeit das bereits geschmälerte Erbe des Hauses Habsburg von Neuem 
i^pvtfn werde. KaiierFram, U. dieses Namens als deutscher Kaiser, legte die Krone Karl's 
<i* Orati»ii nieder, da Ihm das Keich unter den Füssen gewichen war, und riisleta sieb ab 
liin» Tr»nt L *oa Österreich zum neuen Kampfe. Dieser musste blutiger wie je, gefiibt- 
ItWr wi* idekt tuvor werden, weil Öslerreicb das ganze Oewicbt dieses Krieges gegen Frank- 
iritb md Min« rieten deutsehen Verbündeten allein trug. Dennoch war man in Wien hoch- 
hMi( giaag f«r etnvr Entscheidung nicht luriickzuheben , die, falls sie ungünstig ausfiel, den 
■a den Rand des Abgrund«« drötigen konnte. Öiterreiob vertraule auf sein gutea 
I, a«f di« Treo« und Opferfreudi^eit seiner Vülker und auf den vielerprobten Geist seines 

Ml 

Ob^dob der PreMburger Friede Österreichs Gebiet und Volksmenge um ein Namhaftes 
katio, M konnte dasselbe doch 300.001) Krieger ins Feld stellen. 

■ Ib der ■wdlen HUfle des Februar 1S09 zeigte sich die Absicht, den Kampf bald zu 
■■■ll» UlTMhohlen. und die Armee wurde am I. Uurz auf den Kriegafuss gesetzt. 
ilHebre neoe Einrichtung war die Einthcilung der Armee in Armee-Corps, 
1 IB( alob ein Ganzes, sämmllichn Waffengattungen in sich begriff. Diese Armee- 
I ligttU! innere Verwaltung und waren eo beaehafTcn. dasa jedes, von der 
dnseln operiren konnte, mit dieser vereint aber dem allgenidnen 



Uanptqu&rtiece alle auf Möreohe, Bewegungen, Unterhalt und ManDSEncht Bezng habenden 
Anordnungen erleichterte. Jeilee Corps hatte seinen comniaudirenden Oenerat, seinen Qeneial- 
Stab, seinen Artillerie- Chef, aeine CommiBsäre u. s. w. 

Diese Armee-Corps waren im Ganzen zu schwaob an Cavallerle, welche wübrend der 
KriegBJshre 1805 bis 1809 beträchtlich vermindert worden. Die Eintheilung der Anuee in ab- 
gesonderte Corps hinderte übrigens nicht, dem einen oder dem andern mehr oder weniger 
Cavidlerie, je nachdem es das Terrain erforderte, zuzutheilen. 

Diese neue Organisation hatte den Vortheil grosserer Beweglichkeit und gröaserer Schnel- 
ligkeit gewährt , sie verlangte aber auch einen votlkommenen Verein in den wechselseitigeo 
Ansichten der Generale und Chefs der Oeneral-StÜbe, und bb wäre, um diese siebcrer zu ecrei- 
eben, sagt General von S tulte cheim, wünacbenswerth geweaen, die Organislrung hätte eohoo 
zur Zeit des Friedens £U Stande gebiacbt werden können, damit durcb lungere Übungen zwisoben 
den einzelnen Corp» und der ganien Armee dasselbe innige VethältniBs entstanden wäre, wie ea 
zwischen den einzelnen Bataillonen und ihreni Regimente Statt fand. Die veran achlagte 
Stärke der SsterreichiBcben Armee war folgende. Sie zählte 46 deutaube, 15 ungariscbe, 
2 Oarnisons-, 17 Orenz-Regimenter und 9 Jäger-fiataillor 
— welche Zahl jedoch beim Anfange der Feindseligkeiten 
Mann schwere und 25,032 Mann leichte Cavallerie, i 
bestimmten Zahl wirklieb entsprach, im Ganzen, 
33,789 Pferde. 



Ganzen 279,372 Mann Infanterie, 
;n noch nicht erreicht war — ao wie 11,172 
e dasB jedoch der ausrückende Stand dieser 
e gesagt 302,869 Mann Infanterie und 



Der kaiserliche Bruder übertrug dem durch a 
derten Erzherzog Karl, mit der 'Würde eines C 
ausgedehntesten Vollmachten, 



e Kriegeer&hrung in ganz Europa bewnn- 
loralissimus, den Oberbefehl mit den 



Die operireude Armee war 



- und 2 Reserv 



I. Armee-Corps, General der Cavallerie Graf Bellegarde, 
„ Feldzeugmeister Graf Eolo wrat, 
„ Feidmarschall-Ueutenant Fat. Hob enz ollen 

Fat. Bosenherg, 
„ F.M.L.Erzh. Ludwig, später F.Z.M. Fat. Rei 
„ Feldmarschall -Lieutenant Freiherr von Uillei 
„ Gen. d. Cavall. Erzh. Ferdinand d'Este, 
B Fei dmarBuhall-Lieutcnant Marquis Cbastelcr 
HB B Ignaz Graf Q yul ay, 

1. Reserve- „ General d. CaialL Fst. Job. Liechtenstein, 
, „ Feldmarecball-Lieut. Fieih. v. Kienmayer, 



-Corps eingetheilt, und zwar: 

27 Bataillone, IG Schwadronen; 



24 



General 



NMh dem ersten Operationsplane , welchen der damalige Gcneral-Quarü 

'■otworfen hatte, und wobei die Hauptabsicht zu Grunde lag, gegeu die Armee des 
Herzogs von Aucrstädt zu marscbiren, um aie zu schlagen, bevor eine neue fran- 
se den Rhein überacbreilen würde, — sollte, mit Rücksicht auf alle möglichen^ von 
von Auerstädt bei Eröffnung des Fuldzugee zu nehmenden Stellungen, die 
Armee so vereinigt werden, daes sie überall auf der kürzesten Linie gegen die 
1 konnte, welube eine französische Rheinannee nehmen würde. AU geeignetste 
relohisobe Hauplarmee eraoblen eine Central- Aufstellung in Böhmen zwischen 
U, Wattawa und Böbmerwald, von welcher Basis aus aic ihre Operatioiien 
fta «vrljwhen Donau und Main, oder Main und Elbe leiten kSnnto. Der 



829 



f GeDenliMimu» catRobitMl sioli für eine Zuauumenziebung der üaupUtmev in Bah- 
Bn, ■ifarend nur iwei Corps Hm Ion zu einer Inv&aion in Bayern au^estellt, zwei andere in 
luerSslETtvich »«Uchen Vülaeh und Klagenfurt tarn Eiudringen in Tirol (wo man auf den Ans- 
k*r^ des Aufstände» reolmete) und zur Vorriickung g^gen Bnssano EUBammengezogen werden 
MiSlm (die croatitcbe Insnrreetian und die istriariisohe I.nndwebr waren bestimmt, den unteren 
boKio in beobachten) und endlich ein Armee-Corpe gegen Warschau marschiren sollte, um 
Bewc^migcn, welche etwa ini Herzogthume Warncbau ku Ogterreichs Naohtheil in Oaliiien 
| Ma hB h«it konnten, ed Tereitetn. 

DiteetD Plane genuUi wurden dann auch alle Anstalten getroffen und die ErSt&iang der 
fW»illli1%li Till" war auf den 10. April festgesetzt, als die Nachrichten, welcbe man in Oater- 
itttk flb«t den Manch des Ondinot'sahen Corps an den Leoh, ilber den Zug des Herzogs Ton 
ABcr*lädt (Darousi) an die Donau und Aber den Uarseb der Truppen, welche aus dem Innern 
er den Khein bei Hüningen zurückkamen, so wie über den Befehl, dass sich die 
I Rheinbundes an der Donau mit den franzoniscben Truppen rerelnigen sollten, 
M» ltdsVD( hervorriefen, dass sich die franzEsische Armee in Deutschland am rechten Donau- 
■hr *«nlnl(n> und rielleieht alte Brücken dieses Stromes zerstören würde, um die Saterreichi- 
Mha HM^tanDBCi wenn sie nach iiirem Ausmarsche aus Bühmen vom linken Ufer auf^ rechte 
Ibaqiafcail woUla, in ihren Bewegungen aufzuhalten, und da»B der Feind diesen Übergang 
4weh efn Beobaohtungs-Corpa an der Donau aufhalten kSnnlo, um mit überlegener Macht auf 
Ata Ilill«r'*oh« Corps zu fallen, welches über den Inn in Bayern eindringen sollte. 

Man hielt «■ für wichtig die Operationen der grossen Armee tn nihere Verbindung mit 
I'iI'ti icad Tirol zu ziehen, und et wurde entschieden, den grSssten Theil der Armee auf das 
■ Oonaau/er in Tcrlfgen, am so mebr, als, man glaubte, bei der Veraohiebung der Feind- 
II auf den 10. April jene grosse Bewegung in den anberaumten Tagen ohne Zeitverlust 
I klinnen. Diese BeweggiGnde veranlassten den SsterreichisebeD Feldberm in der 
■ Hin. den Plan Insofern zu verändern, dasa die Uaupt-Armee, mit Acinahme lon 
zu rOck bleibenden Armce-Corpa, nämlich das 3., 4., 5. und 6- Armee-Corps 
ini] S. RMerve-Corps Über den Inn geben, in Bayern einrücken und längs der 
i; jene hcldoD obenerwähnten Armee-Corpa aber (das 1. und 2.) aus Böhmen in 
tu OhefPfalz Tordringen, den Feind auf dctn Wege angreifen, übrigens ihre OperatiDnen immer 
1 4Is I>ODai] rlcbtrn, ein Corps von der in Kürnthen und Krain versammellen Armee durch 
4m pMUribal Gbfir Briien nach Tirol dringen, die kürzeste Verbindung zwischen dem Feinde 
k Dftsthlaiid and lullen dnrch schneiden, und in der Folge die Operationen der Armee entwe- 
I dm Brenner gegen Bayern oder durch das Etacbthal naob Italien erleichtem »oltte, die 
t Bnhtnogi Johann aber (das 8. und 9. Armee - Corps) , weluhe ein zweites Deta- 
I Dalmalien hatte, mit ihrer Übrigen Stärke bis zur USgUchkeit der Offensive eine 
an den Grenzen Friauls nehmen , und endlich das gegen Warschau 
' Corps (daa 7. .Armee-Corps unter Erzherzog Ferdinand) seine Operationen mit dem 
I Ober die Pilicza erüffnen, und wo mögUob Cienstochow nehmen, olle seine Bewe- 
u Mb 4«r gröSBten Schnelligkeit ausführen würde. 

I I. und 3. Armee-Corpi anter den Befehlen des Oenerala der Cavallerie 

I BBll«f »rd« diesem Plane gemäss in Böhmen bei Saatz und Pilsen zurück blieben, 

(0, lUn bis «um 8. April) das 3. nnd 4. Armee-Corps und da» 1. Reserve-Corps 

il Uni Aber die Donau und rückten dann vereint mit dem Ö. Armee- und den 

1 dftn Inn. So wie die grosse Armee Über den Inn gegangen, sollte Uir 



auf dem rechten Flügel eine leiabte Brigade (V^oaey) zur Seite folgen 
den aus BöhinGn vorrückenden Armee -Corps zu eileickten]. 



1 die Verbindung mit 



Der Erzher^cog Qeneraitasii 



j 6. April /'oigendeii Armeebefehl; 



,Der Schutz des Vaterlandes ruft uns zu neuen Tbaten. — So lange es mSglich war, den 
Frieden duroli Aufopferungen zu crbalien , und bo lange diese Aufopferungen vertrüglich waren 
mit der Ehre des Thrones, der Sicherheit des Staates und mit der Wohlfahrt der Völker, so 
lange schwieg jeds schcoerz liehe Empfindung in dem Hetzen unseres gutigen Monarchen; aber 
wenn alle Versuche fruchtlos sind, unecce glückliche Selbste tändigkeit gegen den uncreältlicben 
Ehrgeiz eines fremden Eroberers zu bewahren; wenn Nationen um uns fallen und rechtmässige 
Regenten von den Herzen ihrer Unterthanen losgerissen werden; wenn endlich die Gefahr der 
allgemeinen Unterjochung auch Österreicii.i gesegneten Staaten und iliren ruhigen glücklichen 
Bewohnern droht, so fordert das Vaterland von uns seine Rettung und wir stehen zu seinen 
Schutze bereit — Auf Euch, meine Iheueren W affengerährteu ! ruhen die Augen der Welt und 
Aller, die noch Sinn fiir Nationai-Ehre und Sational-Eigenthura haben. Ihr sollt die Sohmaoh 
niohl thailen Werkzeuge der Unterdrückung /u werden; Ihr sollt nieht unter entfernten Him- 
meliHtriohen die endlosen Kriege eines zerstörenden Ehrgeizes rühren. Ihr werdet nie für frem- 
des Interesse und fremde Habsucht bluten; Euch wird der Fluch nicht treffen, schuldlose Völ- 
ker zu vernichten und auf den Leiehen ersehlagener Vaterlandsvertheidiger deu Weg zum 
geranbten Throne einem Fremdling zu bahnen 1 — Auf Euuh wartet ein schöneres Loos; dia' 
Freiheit Europens hat sicli unter unsere Fahnen geflüchtet; Eure Siege werden ihre Fesseln 
ISsen und Eure deutachcn Brüder — jetzt noch in feindlichen Reihen — harren auf ihre ErlS- 
Bong. Ihr geht in rechtlichen Kampf, sonst stünde ich nioht an Eurer Spil/e. — Wir werden 
auf den Feldern von Ulm und Marengo, an die uns der Feind so oft prahlend errinnert, die 
glorreiohen Thaten von Würzburg und Osteracb . von I.iptingen und Zürch, von Verona, der 
Trebia und N^ovi erneuern; wir wollen unserem theueren Vaterlande einen dauerhaften Frieden 
erkäm^ifen. Aher wir können das hohe Ziel nur durch grosse Tugenden erreichen: unbedingte 
Folgsamkeit, strenge Disciplin, ausharrender Math und unerschütterliche Standhaftigkeit in 
Qefahr, sind die Begleiter der wahren Tapferkeit. Nur EiuheiC des Willens, Zusammen wirken 
des Ganzen führen zum Siege. Seine Majestät , mein Monarch und Bruder, hat mir ausgedehnte 
Yollmaclit zum Belohnen und zum Strafen gegeben; ich werde überall in Eurer Mitte sein, und 
den ersten Dank des Vaterlandes sollt ihr von Eurem Feldberm auf dem Schlacbtfolde erhalten. 
Der Patriotismus vieler Edlen Österreichs ist Euren Bedürfnissen zuvorgekommen ; er verbürgt 
Euch das hüchste Mass der allgemeinen Erkenntlichkeit. Aber auch <lie Strafe wird unnochsicht- 
Ueh Jedsr PSichh'erletzuug folgen! Das Verdienst wird Belohnung, das Vergehen Ahndung 
treffen, ohne Rücksicht der Person und des Ranges. Mit Schande gehrandmarkt, soll der 
Unwürdige hinausgestossen werden, dem sein Leben theuerer ist als seine und unsere BIhre; 
mit den Merkmalen der üffentlichen Achtung geziert, werde ich unserem Souverän und der 
Welt jene Tapferen vorstellen, die sich um das Vaterland verdient gemacht haben und deren 
Xamen ich ewig in meinem Herzen tragen werde. Noch bleibt mir eine Erinnerung übrig; dei 
wahre Soldat ist nur dem bewaffneten Feinde furchtbar; ihm dürfen die bürgerlichen Tugenden 
nioht fremd sein. Ausser dem Sohlachtfelde, gegen den wehrlosen Butler und Landmann ist ei 
bescheiden , mitleidig und menschlieh. Er kennt die Leiden des Kriegen und sucht sie zu mil 
dem. leb werde jeden muthwilligen Frevel um so strenger ahnden, als die Absicht unsera 
Monarchen nicht dahin geht, benachbarte Völker zu bedrücken, sondern sie von ihren Bedrückern 
in befreien und mit ihren Regenten ein festes Band zur Erwirktmg einer daueihailen Ruhe und 



831 

nt BuidUbiuig kll^meiner Woblfalirt und Sichetlieit «a knüpfen. Bald weiden fremde Trap- 
pt* in iunigen Verein mit am den gerne iiiacbaftU eben Feind bekämpfen; dkun, tapfere Waffen- 
idUrten. ehret und anleratütil sie aU Eure Brüder. Nicbt Ruhmredigkeit, aondem männliche 
nueo ehren den Krieger. Durch Kiihnlieit vor dem Feinde mitsst Ihr zeigen, daea Ihr die 
eriten Soldaten seid. — So führe ii^h Euuh dann Einst, begleitet Ton der Achtung der 
IUb4s tud TOD dem Dankgefühle fremder Nationen, nach erkämpftem rühmlichen Frieden in 
■Brück, wo Each die Zufriedenheit des Monarcheo , der Heifall der Welt, die 
der Tapferkeit, ^e Segenswünsche Eurer Mitbürger und das Selbstgefühl vec- 

Ajd 9. April letzte der üeneralissimus den Herzog Ton Danzig , Marschall Lefebvre, 
(H«r 0<n«ral der fruiiGsisclien Armee in Bayern, in Kenntnie» von ErKffnang der Feindselig- 
Utes md übergab zu München jene denkwürdige Erklärung, welt^lie unmittelbar der nach- 
Anfruf ^D die deutsche Nation folgte: 

,SeiQ« Majestät der Kaiser von Österreioli ergreifen gezwungen die Waffen, weil der 
le Kaiaer nicht hubeo will, dass ein Staat bestehe , der nicht seine Oborheiraohaft 
en EroberungB -Absichten diene; weil er reclangt, dass Österreich seiner Selbst- 
itaage . seine Streitkraft entwaffne und sich der Willkür des Eroberers anheim 
ftba ; weB die Heere des Kaiser« von Frankreich und seiner abhängigen Bundesgenossen feind- 
B* CCC«» ÖOerreieh vorrücken. Österreichs Streitkräfte sind auf den Wink ihres Monarchen 
nr SalbttTcrtheJdigunf aufgestanden; ich führe sie dem Feinde entgegen, um dem gewissen 
•akcs AB^riff« (nvonukommen. Wir überschreiten die Orensen nicht als Eroberer, nicht als 
PWntt DnilBohtands. Nicht um deutsche Verfassungen, Rechte, Sitten und Gebräuche zu 
und fremde aufzudringen. Nioht um Throne zu slünen und damit nseh Willkür eo 
Nicht um DeuUohlands Habe uns anzueignen uad deutsche Männer zu enCfemten 
ipkriegen aufzuopfern. Wir kümpfeo, um die Selbstaländigkoit der öaterroiehisohen 
behaupten — um Deutschland die Unabhängigkeit und die Nationalehre wieder 
, die ihm gebühren. ~ Dieselben AnmasEiungen , die uns jetzt bedrohen, haben 
bereit* gebeugt Unser Widerstand tat seine letzte Stütze zur Rettung, Unsere 
itt dia Sache Deutschlands. Mit Osterreich war Deutschland selbetstAndig und glücklich; 
tank Österreichs Beistand kann Deutschland wieder heidea wurden. Deutsche! würdigt 
L«ce: Kehmet die Hülfe an, die wir Euch bieten! Wirkt mit xu Eurer Rettung! Wir 
Bitr die Anatrengungen , die der Krieg für die gemeinsame Sache erfordert. Euer 
, Euer biualicher Friede ist durch die Mannszucht des Heeres gesichert. Die öster- 
Arauw will Euch nicht berauben, nicht bedriieken; sie achtet Euch als Brüder, die 
i* ifaid nr dioclbe Sache, die die Eure wie die Unsere ist, mit uns vereint zu kämpfen. 
mMvBr A^lung «erth. Nur der Deutsche der sieb selbst rergisst, ist unser Feind. Baut 
Btik WoR, da* ich schon mehrmal zu Eurer Rettung getösct habe! Baut auf das Wort 
m Eaiaer« ond Bruder«, das nie gebrochen worden ist." 

Dw Enherxog hatte mit der Armee am 10. April den Inn bei Braunan überschritten und 
I itlmn Uarteh in der Richtung gegen Market, Eggenfeld und Pfarrkirchen fort. 

S«p«la«lt gebot über folgende StreltktKfte in Deutsehland: 1) das Armee-Corps des 
DkvoHtl, «0,000 Mann; S) das Corps Oudinot's, 15,000 Mann; 3) 4 Divisionen 
■f d«D Maoch« Tan FVankreich her, 25,000 Mann ; Sachsen, Bayern, Baden. Württemberg und 
KSnigreich Westphalen hatten 100,000 Mann unter den Waffen. Die 
1 Bberdiei 160,000 Uann in Anuioht und deckte den Norden; Mi 





1 



r dem Vice-Köni^ uod j 




15,000 M«nn in Dalmaäeii und die iiaUenische Armee {60,000 Mi 
Maodonald deokten den Süden. 

Enhenog Karl hoffte durch ichleuciRe Ergreitung der Initiative dem von Parle erwar- 
teten Kaiser Napoleon zuvorzukoniineii und die ilun eDtgegeagorUhrten fianzoaieu^hen Trappen 
Mb an den RLein zurückzu werfen. Allein schlecbles Wetter und grundlose Wege verzögerten 
den Marsch seiner Cutonneit, und ais diese bei Landsbul, Dingelüng und Moosburg die Isar über- 
schritten hatten , war Napoleon bereits bei seiner Armee und gerade xur redilen Zeit eingetroffen, 
um einem drohenden Unglüeke xu begegnen, denn Bertbier, der bis zu seiner Ankunft dsa 
Cammando fOhrte, batte eine 20 deiilAche Meilen lange dünne Linie von Regensburg ab bU 
Schwabmünchen nnd Landsberg den anriiekenden 6 Ssterreichiacben Armee ■ Corps entgegen- 
gesetzt nnd solche Anordnungen getroffen, dass, wenn es diesen mögliah gewesen wäre übeci 
Neustadt und Kehlheim rasch vorzudringen ■ die Franzosen in ihrer Mitle durchbrochen i 
vereinzelt bis hinter den Rhein über den Haufen geworfen werden konnten. Daroust mit sei: 
60,000 Mann war nämlich von Beitbier nacb Regensburg dirigirt worden; die bajerischs 
Armee unter Lefebvro nahm Stellung bei Neustadt und Abensberg; Tandammo ander Spitia 
der Würtlem berger (10,000 Mann), Bessiöres mit der Reserve-Reiterei (13,000 Mann) standen 
In Stufenabtheilungen an der Donau, bei Vohburg, Neuburg, Ingolstadt und Donauwörth; end- 
lich Oudinot (24,000 Mann) und Massena sollten die Ufer des Lechs vertbeidigen, 
Mündung bis Schengau, wonach sich die beiden Hauptmassen der französischen Armee auf den 
beiden aussersten Enden in einer Entfernung von 6 bis 7 Märschen von einander getrennt fan- 
den, während die ooncentrirten Österreicher gegen ihre Mitte in Anmarsch waren. Nur dem 
schnellen und sicheren Blicke Napoleon's konnte es gelingen, aus dieser kritischen Lage unge- 
Hchtagen bor vorzugehen. Als Erzherzog Karl seine Ankunft und einen Nachschub betrüch (liehet 
Trappenmassen erfuhr, stellte er seinen Offensiv-Marsch gegen Kehlheim ein und änderte dis 
Richtung der sechs Armee-Corps nach Regensburg, um sich daselbst mit Bellegarde und 
£otowrat, die aus Böhmen herbeigekommen waren und bereits gegen Davousl oporirten, 
za vereinigen. 

In der zweiten Hälfte des April fielen nun in der Gegend zvrischen Landshut nnd 
Regensburg mehrere Gefechte Tor, worunter die bedeutendsten bei Abensberg, Landshut, 
Eckmübl and Regensburg. Erzherzog Karl zog sich hei der letzgenannten Stadt am 
S3. April mit fünf Corps hinter die Donau und durch die Oberpfalz nach Böhmen zuHiok. 

Feld marschall -Lieutenant Fre h n H e zog mit dem linken Flügel — 8 Corps — an 

den Inn, schlug seinen Verfolger, d n Ma h B si^res, bei Neumarkt, wich aber dann vor 
der heranziehenden feindlichen Ha ptma h g des Donau-Thales nach Mautern zurück, von 

wo er eine Division nach Wien entsend d m den übrigen Truppen am 8. Mai auf das linke 

Donau-Ufer nach Krems übersetz W n de nach einer 249tiindigen Beschiessnng am 

13. Mai mit Capitulatian übergeben, seine Besatzung gewann das linke Ufer der Donau. 

Eiller liesB zur Deckung des Donau-Überganges 7000 Mann bei Krem«, ein «äderet 
Corps unter dem Feldmarsahall. Lieutenant Grafen Radetzky bei Kameubnrg, und yereinigt« 
sich mit dem Reste seines CorpB hei Stammersdorf mit der Besatzung von Wien, 

Erzherzog Karl halte von Cham aus zwei Cavallerie-Regim enter nach Lim gesendet und 
diesen den Fe Idzeugmeister Grafen Kolowrat mit 22,000 Mann folgen lassen. Er selbst Iftngta 
am 16. Mai mit der Armee im Marchfeldo an. 

In den nächsten Tafren führte Napoleon sein Heer übet die Lohau nach dem linken Donatio I 
Dferond entfaltete am 20. Mai eine streitbare Macht von 90,1G1 Mann. BizhetxogRtil hatt«.i 



i 




■bn Aspern und Wagram 105, 36S Majia concentriit, konnte jedocli für emo zu gowürti- 
• StUadit nur 90,300 Krieg«r verwenden. Die Tage von ABpecn am 21. und 33. Mai 
■•an Jem Feinde, wie eich der OeneraliEsimm in einem Arnicebefedle am 24. aueepraeh , daet 
(te &UTTeiehi&clie Äniiee noch beateho, mit deren Verniehtung Napoleon erst unlUngit 
|«di<ikt hatte; aie zei^e die herrlicbsten Beweise ron Patrioüsmua , von Heldengeist, von Veraoh- 
r Gofiüiren, die die Naclivrelc bewundern und den Nachkommen hIs ßeisptet seltener 
I aarstellen wird. Übermtttbig im Glücke, hatte Xapoleon den Fall Öaterreicbs und 
Mt Vcnlebtong seiner Selbsttlöndigikeit schon früher ausges pro eben und alle gewähnlicben 
Beben kriegführenden Nationen aufgehoben; keine tisterreicbUchcn Parlamentare 
DÜckgefehiekli keine Briefe beantwortet und keine Gefangenen ausgelöst. Aepern 
n wieder, da«a e» ein Österreich gebe, dass er Anträge zur Auswechselung der Qefan- 

Ren iDiwste, mit einem Worte: die üblichen Kriegsgeb rauche traten in ihre allen 
» d 
»urt 
erse 



Tage liohleten Napoleon'a Maeeen am mehr als 40,000 Streiter; der österreiobische 
allenfalls auf 24,000 Mann. Napoleon eilte durch die l.obau nach dem rechten 
tnrflek und bot alle Kräfte seines Reiches und der Terbündeten Staaten auf, um diese 
ta ersetxen. Aach Osterreicb machte die bÖcliBlen Anstrengungen, um den noch bcror- 
EJinpfen mit ZuTersicht entgegen zu treten. Seine StreitkrüFte wurden aber sehen 
tank it» Ekseliung eines Theiles seiner Provinzen beschränkt imd dadurch dem Heere Jene 
IBacl (enab^ welche aus diesen Ländern hätten gezogen werden können. Noch vor der Schlacht 
Ut kMf*f hatte die Zahl der dem Feinde schlagfertig gegenüberstehenden Truppen 337,Q0O 
Ifaaa fce tia gen, und I U.UOO Mann waren damals in der Errichtung begriffen gewesen. Um jene 
Ut kmm Napoleon gegen Österreich schon 347,000 Mann wirklieb in den Kampf gebracht — 
FüMiMtM, t>oiiUclie> Bussen, Portugiesen, Italiener, Polen und Holländer lieferten die Cantin- 
|aM, Mb« lerRigbaren Reterven erreichten die Stürke von I58,0f]0 Mann. Hieraus geht 
tw IUI . dM* die Feinde üeterreichs bei Fortsetzung des Kampfes eine Übermacht von mehr aU 
tMjtW Mann intamBienttellen konnten. 

achtheilige Wendung genom- 
I Unteratcier, Croatten und 
ler Armee von Italien schon 
wendet wurde und nach der 



hatten auch die Kämpfe in Italien und Tirol eine 
^m. Pia dort gest«idenen Truppen zogen sieb zur Deckung t 
ra|«a urQck, wogegen der Vioekünig mit deui grössten Theile si 
laAt Hai aieli mit Napoleon vereinigte, von diesem in Ungarn \ 
Mfackl bd Raab wieder nach Wien Eurückk ehrte. 

Napolvon ttibrt* in den ersten Tagen des Monats Juli s 
m n«lUa Male nach dem Unken Donau-Ufer. Der Erzherzog 
*« RMiiaatie trel W agram mit 100,000 Mann, schlug sie 
T^JutUi and trat ent seineQ RückEUg an, als Napoleon «ei 



in 150,000 Mann zählendes Heer 
ertheidigte »eine Stellung hinter 
am 6. und 6. Juli mit grSaster 
iQ Übermaeht von 50,000 Mann 
llnkrn Flllgel zu uingcbeo drohte. Unerscbüttert wurde der Rückzug nach 
•üifvRUirt Qtid dem verfolgenden Feinde in den Gefechten bei Korncuburg, Hollabrunn, 
TasehwiU, dann am 11. Juli bei Znaim der rübmlichste Widerstand geleisteL 
Ta(e wurde der WafTonstilUland, am 15. ein De marcationsv ertrag abgeschlossen. 



Ott Anne« ib« Eriheniogs Johann, 60,000 Mann stark, o|>erir(e mit dem Centrum, <ä,000 

t, BMar MdnMi partöti liehen Commondo gegen Italien, während Feldmariehall- Lieutenant 

I »Ml Chaateler mit 10,000 Mann nncb Tirol, und General-Major Stoichcvieh 



834 

mit 7000 Mann aus Croatien nach Dalmatien eindrang. Gegen dieses Corps stand der Vice- 
könig mit 70,000 Franzosen, Italienern und Bayern in Italien, die Generale Kinkel, Bison 
und Lemoine mit 7000 Mann in Tirol, und die Generale Montrichard und Clausel, 10,000 
Mann stark, in Dalmatien. 

Am 8. April war die Armee des Erzherzogs Johann bei Taryis concentrirt. Er trat mit 
dem Gros am 10. den Marsch links über Predil und Caporetto nach Cividale an, das er am 12. 
erreichte. Eine schwache Abtheilung unter Oberst- Lieutenant Volk mann rückte rechts über 
Ponteba, schlug die Division Broussieram 11. beiVenzone und drang bis Gemona vor. Die 
Colonne des Generals Gavasini überschritt zur äussersten Linken am 11. den Isonzo bei Gorz 
und besetzte Udine, wo sich am 13. die ganze Armee Tereinigte. Der am Tagliamento stehende 
Yicekönig trat am 14. den Rückzug hinter die Livenza an, thätigst verfolgt von dem Erzherzoge 
Johann, der ihn am 15. bei Pordenone und am 16. bei Sacile und Fontana Fredda 
schlug. Aber diese Vortheile musste der Erzherzog, von den Vorfällen in Deutschland benach- 
richtigt, aufgeben und den Rückzug über die Piave antreten. Nach dem daselbst am 8. Mai 
gelieferten Treffen und den Gefechten bei San Daniele und Yenzone überschritt die Armee 
die Grenze Kärnthens und nahm am 13. Stellung zwischen Pontafel und Tarris. Salzburg hielt 
Feldmarschall - Lieutenant Jellachich mit 7000 Mann besetzt. Der Erzherzog wendete sich 
nach Steiermark; ihm folgte Jellachich; die Franzosen bemächtigten sich der Forts Malbor- 
ghetto und Predil, der Stellung bei Tarvis und der Verschanz ungen auf dem Prewald. Jella- 
chich bestand auf seinem Rückmarsche von Radstadt am 25. Mai bei St. Michael ein lebhaftes 
Gefecht und stiess dann bei Gratz zur Armee des Erzherzogs. 

Schon am 12. Mai war der Banus Feldmarschall-Lieutenant Graf Ignaz Gyuiay mit 
einem Corps nach Krain entsendet worden und vereinigte zu Ende des Monats bei Agram eine 
Armee von 32,000 Mann. Mit dieser ging er auf Gratz, schlug sich in der Umgegend dieser 
Stadt am 24. und 26. Juni mit Broussier, trat aber den Rückzug an, als Marmont von Laibach 
über Cilly nahte. Da dieser Marschall nach Wien abberufen wurde und den grössten Theil von 
Inner-Osterreich räumte, so besetzte Gyuiay am 2. Juli die Hauptstadt der Steiermark wieder. 

Der Erzherzog Johann zog sich, als der Vicekönig über dem Semmering nach Wien und 
von da nach Ungarn abmarschirte , ebenfalls naeh Ungarn, stand am 1. Juni mit 20,000 Mann 
bei Körmend und vereinigte sich mit der ungarischen Insurrection, welche der Erzherzog Pala- 
tinus befehligte. Die Schlacht bei Raab am 14. Juni nöthigte beide Corps, das linke Donau- 
Ufer bei Komorn zu übersetzen, und während der Palatious mit der Insurrection in dieser Gegend 
blieb, rückte der Erzherzog Johann nach Pressburg. Die Franzosen nahmen am 24. Juni 
Raab, beschossen am 26. Pressburg und suchten, aber vergebens, sich des vom General-Major 
Bianchi vertheidigten Brückenkopfes zu bemächtigen. Sie räumten diese Gegend und zogen 
nach Wien, der Erzherzog Johann von Pressburg über Marchegg bis Ober-Siebenbrunn, und seine 
Vorposten streiften am Nachmittag des 6. Juli im Rücken der französischen Armee nach Mark- 
grafneusiedel und gegen Wagram; am Abend dieses Tages ging er nach Marchegg zurück und 
am 13. nach Komorn, wo die erste Nachricht von dem geschlossenen Waffenstillstände eintraf. 

Feldmarschall-Lieutenant Chasteler befehligte, wie bemerkt, das gegen Tirol bestimmte 
Corps von 10,000 Mann. In jenem Lande befanden sich im April über 9000 Mann feindlicher 
Truppen; die eine Hälfte Bayern unter General Kinkel, die andere Hälfte Franzosen unter den 
Generalen Bison und Lemoine. Als Chasteler im Pusterthale vorrückte und am 12. April 
zu Brunecken eintiaf, hatten bereits die Tiroler zu den Waffen gegriffen. Sie zwangen unter den 



Bttfet, 5peebb*eher, Teimer ii. A. nach den sm 12. und 13. in der Qegend 
fM Innibrnek Bt*nfeb*blea Gefechten den QenerU Kinkel mit 3000 Bayern, den General- 
Bii*ii mit S iTSniStüehca Bataillouen zur Ergebung. Der Pau Sohamitt wurde Ton den Tiro- 
tns b«wtn. die FestUDg KiUstein blockirt und ein Stceibug über Mittenold nach Bayern 



Xml die Konde *on dieeeu ETei|;:DisBen beatiiunte der Ticekönig dea General Baraguay 

J'Hilliats mit dem linken Rügel der Armee van Italien oaoh Tirol einzurücken, In EÜe 

■«r4« tu Trient und ttoveredo bei 12,000 Mann gesammelt. Aber die Tiruler nöthigtcn durch 

imtiiiiii g^l&ekliclie Oeferhle den Oeneual d'Uütiers am 31. Apiil zum Rückzuge nach 

CdätftO. Der Peldmarioball- Lieutenant Muquis Chaateler traf mit eeinem Corp» am S2. zu 

Iriot (in. Kach den Gefechten bei CalUna und Voiano wich d'HÜlierg über Ala atn 

fT. Apiil bis an die Chiu»» Tenet«. Mittlerweile war der Matachall LefebTre mit dem bayerisohen 

UiH*-Corps in Salzburg eingcrüakt. Er liess die Division Kronprinz vor der bei Radstadt auf- 

pMEltUii DiTieian Jell&ehiali und marschirte mit den Diviaioneu Wrcde und Deroi naoh 

ai-TiniL Chaiieler halte nach der Eroberung von Süd-Tirol seine Reserve am 3. Mai zwi- 

wlm Itiiubruck und Uall gesammelt. General Marschall $tand in Trient. Der vom Vioekönig 

General Rusca war über Ala am 3. nach Roveredo. Volano und Galiano vorgerückt, 

^«■loeb lurilckge Worten and marschirle in den nächsten Tagen durch das VaUugana und 

FVIlte an die Piaie. AU die zwei bayerischen Divisionen gegen die nördlichen Pässe 

•UUte «ich Feldmarachall-Lieutcnant Chastelor bei Wörgl auf. Am 12. eroberte 

Krcde den Pas« Strub und Deroi entsetxto die von den Östecrcicbem blookirte Feste Kuätein. 

tM II. griff L«fabvre das Corps Cbacleler bei Soll an und drängte dasselbe über Wörgl 

MiJk T«Ucn bd Hall jcurück. Chastcler rief nun die entsendeten Truppen aas Süd-Tirol, dem 

rhrtsiilulii uail uu den Pütacn naeh dem Brenner. Am 19. Mai zogen die Bayern in langbraok 

dt, — Ab Chasleler die Nachricht erliielt, dass der Vicekonig über Tarvis zu Villaah angs- 

kiB^Ma *U, zog er den Hauptthcil seiner Truppen bei Licnz und in Sncbsonbnrg zusammen 

ad HaH DBT den General Buol mit «einer Brigade auf dem Brennet. Von Lienz setzte der 

faUnwaehalt Lieutenant Chastcler den Rückmarsch durch KSmtben nach Steiermark (ort und 

sieh dort mit dem Banue. 



Da* in Croatien bei Graobacz in der Likka aufgestellt« Corps des General-Majors Stoiche- 
«lah ttUatl Endo April einige Vcrttürkung und bcgacn dann seine Operationen noch Dalmatien. 
Mafwliill Ifarmont hatte len den im Lande vectheillen Truppen 10,000 Mann bei Oetrovio» 
iMWHWlllt. tai4 9Ü0U Mann in den festen Plützen gelassen. Am 27. April wurden die feind- 
■ihcn V«rtrnpp«i von den Österreiobcm überfallen und über die Zermsgna geworfen. An 
m jrfli^ 4m Lctilem ein zweiter Überfall auf den Posten Verlika. Die am 28.^30. von den 
•ttf die Jiilcrrdohitche Stellung versuchten Angriffe wurden zurückgewiesen, aber 
ABgrifTc, den Marschall Marmontam IG. Mai ausführte, der General Stoiehe- 
Obent Bebrovich führte eodann das Corps über Grachacz am 19. bis nach 
k. Nach dan am 21. und 32. Mai bei Bellay stattgehabten günstigen Gefechten trat das 
■nf einen erhaltenen Befehl am 23. den Rüekmaraoh an und erreichte am 3S, Mai Modrus, 
■■ M. VnboTskii. Uanchall Marmont war iodess über Zengg nach Fiume marsclilrt Nur 
Mm» hatte er in lulmatien zurückgelassen. Jene nach Verbovsko gelangten osterreicbi- 
Ttiip{>«ii worden dann der Division Zaoh einverleibt, und zogen mit derselben zu dem 
im Bftftu B*di Ran. — Peldnanchali-Lieulenant Freiherr von Eneaevich bildete 
~ 53' 



indesB In der Likka ein nenei Corps -ron S400 Mann. Dieeeg fiel Mitte Juli nach Dalinittien e 
viele Einwohner schloasen eich demselben an. Er bosetito am 21. Scardona und Sebenico, und 
clrängie am 25. bei Zenionico die aua Zara gerückte franzäaiache Besatzung in die Festung 
zurück, welche eorort *.al der Landseite und von der englisek- österreichischen Flotülle auch auf 
der Seeseite ein geschln äsen wurde. Da trsT die Nachricht vom WafTenstUUtande sin und die Zettina 
wurde als Deinarcationslinie bestimmt. 



Das Corps dos Erzherzogs Ferdinand in Qalizlen zählte 30,000 Honn. Im Herzog- 
thume Warschau befehligte Fürst Poniatowsky 2B,000 Polen, SOOO Sachsen. Diese sollten in 
den nächsten Wochen durch 16,000 polnische Recroten verstärkt werden. Am 15. April über- 
sohritt der Erzherzog die Püicit bei Nawemiasto, schlug am 19. das feindliche Corps bei Raa- 
c/yn und ruckte gegen Warschau. Diese Hauptstadt ergab sich um 23. April. Die bei Gora über 
die Weichsel geschiffte Brigade Mohr schloss am 24. den Brückenkopf von Praga ein. Als am 
3ä. Ponialowsky von der Jiarew anrückte, wurde die Berennung aufgehoben, dessen Angriff 
aber bei Orachow luriickgeach lagen. Am 26. zog sich General Mohr nach KarsECW zurück 
und wurde dann wieder nach dem linken Ufer geschifft. Nun wurde bei Oora am rechten Dfer 
ein BrUckeiikopr angelegt und an einer Schiffbrücke gearbeitet. Aber beide waren noch unvol- 
lendet, als Poniatowsky in ^er Nacht vom S. auf den 3. Mai den Brückenkopf erstürmen Hess. 
Der Erzherzog marschirte mit dem Haupttheile dos Corps am linken Ufer der Weichsel hinab. 



a gegen 



Thoti 



bis Gombin. Qeneral Mohr ging v 

Ufer angelegten Brückenkopf, and liess dann die 



n 15. Mai erstürmte er den am linken 
rechten liegende Stadt mit Granaten 



Die polnischen Insurgenten waren indess nach Galizien cingcfaüea, bis an den San vor- 
gedrungen und bedrohten Sandomir, Zamosc und Lemberg. Der polnische General Dombrowaky 
hatte um Posen ein anderes Insurgentencorps gesammelt. Eine russische Armee von 50,000 
Mann rückte in Folge des zu Erfurt mit Frankreich geschlossenen Terlrnges an die Orenze von 
Ostgalizien , um dieses Land zu besetzen. Gegen diese drei Seiten mussten sich die österreichi- 
schen Streitkräfte verthejlen. Der Erzherzog sendete am 19. Mai den General Mohr zurück, 
brach am 32. Mai von Gombin auf, und tag über Warschau und Rawa gegen Sandomir. Warschau 
wurde in der Nacht vom 2, — 3. Juni geräumt, am 4. Sandomir berennt. Am 12. Juni schlug 
Feldmarsohall-Lieulenant Schauroth ein feindliebc» Corps bei Gorcyeze. In der Sacht vom 
14. auf den 15. Juni wurde Sandomir bestürmt und von den Polen am 10. mit Capitulation 
Qbergeben. 

Die russische Armee hatte sich indeas mit den Polen vereinigt und Poniatowsky setzte 
un linken, Fürst Oalizin am rechten Ufer der Weichsel die Operationen fort. Zur Beobachtung 
der Russen blieb in Oatgalizien die Brigade Trauttenberg. — Aber in Westgalizien wurde der 
Haupttheil des Armeecorps unter Feldmarschail-Licutenant Schauroth am 17. Juni im Lager bei 
Opatow zusammengezogen. Mit einem andern Corps stand Foldmarschult- Lieutenant Mondet an 
der PiliCB. Dieser schlug am 11. Juni den potniechen Ocnecal Zajonczek hei Jedlinsko, und 
■teilte eich Ende Juni gegen das Dombrowsky'sche Corps bei Fetrikau und Kamiensk auf. Feld- 
marsch all- Lieutenant Eggermaun hatte Lemberg besetzt, aber die Stadt beim Anmarsch der Russen 
wieder verlassen. Diese rückten Anfangs Juli schon über die Wisloka, und die Öbterreicber zogen 
sich näher um Krokau zusammen. 



Ata II. Juli brachte ein Courier die Nachricht von dem Verluste der Schlacht bei 'Wagram. 
tugleieh den Befehl des Generalissimus, daas daa 7. Armeecorps zur Sicherung von Otmütz I 



837 

Mch llÄhren msnclüieD «oUte. Der Erzherzog ging noch sn diesem Tage mit der DMsion 
Schtttrolh bei Opaloniee, die DiviBJon Monilet in der ^aebt vom 13. auf den 11. duroh Krakau 
Ibtt ^eWdclueL Diese Sladt wurde in der Naobt Tom 14. auf den Ib. Juli goräunit und TOn Euisen 
nd Pol«!) betetit. Der Erilieriog ■vereinigle sein Corpa bei Wadowice hinter der Skawo. Am 
15. brMbte du Courler die Nschriciit vom Stillstände. Eine Brigade blieb nun lur Beobachtung 
ia Polen und Kugsen bei Uisiewicze »teheo. Das Anneecorpa aber rückte Über Teschen und 
JtUnnk« Dftcli Eomom ab. Der ErzlierEog verfügte siob oach Olmütz und übernahm das Com- 
uido der böhmisch-iDährisofaen Armee. 



Am 10. Juni w» FeldmarBchall -Lieutenant RadivojeTich mit 3400 Mann aus Böhmern 
Ibtr £fer nach Pranken eingefallen, hatte Baireuth besetzt, dann Streifziige nach Bamberg 
od ÜJIniberg ausgeführt. Anfangs Juli rückte der Mar^cliaU Junot mit den fronzösiscben 
ICKiTm lOn Hanau über Bamberg vor, und drückte Radirojevieh am T. gegen den oberen 
lUa uch Oefreed Eorück. Feldmarschall-Lieutenant Baron Kienmayer kam mit 4000 
Hnn IUI Hülfe herbei, und nSthigte die Franzosen am 8. Juli zur Rückkehr nach Bayreuth und 

Der GeDeral Am Ende, der mit einem Corps von 10,000 Mann über Teptitz und Dippaldis- 
nUc tn Saclucn eingerückt war, besetzte am 11. Juni Dresden. Als epüter der König von 
''fr'*-''" all 13,000 Mami gegen ihn anrückte, räumte Am Ende am 29. Juni diele Stadt 
*Mn. Der KSaig Hietonfmus wendete sich nun gegen den in Franken eingefatlenen Feld- 
-Uculenant Radivoj evioh. Am Ende aber rückte wieder nach SaohBen vor und 
Drecden «nm iweiten Male. In Folge des 'WalTeiistillstaDiIes wurde die sächsische 
31. Juli gerXumt. 




Ut der FttldmarRchall - IJeulenant Marquis Chaeteler sich aus Tirol nach Eämthen 
mldf«aofeii bAUe, blieben bekanntlich nur der General Buol mit seiner Brigade auf dem 
r Obertt-Lieulenant Oraf Leiningen mit einem kleinen Corps in 'Wülsoh- 
Ler«bvre und Wiede rückten damals mit dem gröeeten Theitc der Bayern über 
1 0*l«rreicb, und nur zu Innsbruck stand noch der General-Lieutunant Doroi 
Dlo österreicber und Tiroler unter Hafer und Speckbacbcr grilTen deuaelbau 
Er (crlor das Treffen am Berge Isel und wieh nach Boaenheim in Ober-Bayern. 
Der ksjcrlscbe Obent Graf .Vrco wurde Anfangs Juni bei Uittewald und Walgau geschlagen 
nd tillB ufh Benedictbeuem. Tirol, mit alloinigei Ausnahme der Fest« Eufstein, war nun 
«iadar *att felndllclien Truppen befreit 

a«(m Ende Juli kam die Nachricht von dem bei Znaim gesehlosscnen Stillstande, und 
■^■lili an Oencral Buol der Befehl, aus Tirol abzuziehen. Nun rückte Lefebvre mit 
WJMW Ifasn bayerisober uud sächsischer Truppen ohne Widerstand ins Land und erreichte 
, Da« Velk grid' jedoch nochmals zu den Waffen. Der aus Kärnthen anrückende General 
I «aide an 7. August bei Lienz zurückgeschlagen. Lefebvrc's seit Anfangs August 
s wiederholt« Versuche nach Briien vorzudringen, scheiterten an dem Widerstände der 
aa4 am tS. August zogen diese in Innsbruck ein. Andere feindliche Colonnon worden 
, Seliwat u. ■. w. zerstreut und im September ein Theil von Salzburg, ao wie 
I von den Tirolern besetzt. Aber nach der Mitte Octobers wurden die Insurgenten 






an» Salaburg vertrieben. Von allen Seiten drangen jetzt ftanzÜBische und bayerisoho Culonnen 
in Tirol ein , doch gelang es ihnen eret nach zahlreichen Gefechten im November das Land 
gänzlich HU erobern. 



Die TJnteihandlungen , welche zur Bewerketelligung eines Friedens Graf Clement 
Hetternioh und Oenerai Oiaf Ifugent von Gate rreichia eher, und der Hiniatei des A.uaif artigen. 
Qraf Champagny TOn franzäsienhei Seite am I. Auguet zu Ungariecli-AItenhurg mit einander ' 
eröffneten, wurden duroh Ausbruche franzitsiecLen Übcnnutheg zu wiederholten Malen abgeriesen. 
Energisch fQr den Feind und haffnungssp endend /iir sein Volk sprach sich über den zweifelhaften 
Por^ang Kaiser Franz in einem würdevollen Armeebefehle vom 16. Aagust aus: ^Tlat wai 
bare Glück der Waffen entsprach meinen Erwartungen nicht; der Feind drang in dns Innere me 
Staaten und überzog sie mit allenVerbcerungen des anvereöhnlichsten Krieges und einer grcnzenloeeo 
Erbitterung; aber er lernte dabei den Gemeingeist meiner Völker und die Topfetkeit meiner Armeen 
kennen und schätaen. Diese von ihm blutig erkaufte Erfahrung und meine stets gleiche Sorgfalt fiir 
das Glück meiner Staaten führen die gegenwärtige Annäherung zu friedlichen Unterhandlungen 
herbei. Meine Bevollmächtigten sind rnit jenen des französischen Kaisers zuBanimcngetreten. Hein 
■Wunioh ist ein ehrenvoller Frieden, ein Frieden, in dessen Bestimmungen Mögliciikeit 
Aussicht seiner Dauer liegt. Die Tapferkeit Meiner Kriegsheere und ihr unerschütterlicher Muth, 
ihre warme Vaterlandsliebe und ihr lauter Wunsch, die Waffen nicht eher als nach Erlangung 
eines ehrenvollen Friedens niederzulegen, können Kür nie gestatten, Bedingungen, welche 
Grundfeste der Monarchie zu erschiittem drohten und uns entehrten, nach so grossen und edlen 
Anstrengungen einzugehen. Der hoho Qeiat, der die Armee belebt, ist Mir and ihr Bürge, dasi, 
Bollto der Feind uns dennoch misekennen, wir den Lohn der Tapferkeit einst sicher erlangen 

Nach langen Verhandlungen, die Napoleon absichtlich in die Länge zog, kam endlich 
am 14. Outobcr zwiEcheu Champagny und dem Fürsten Liethtonatein der Friede zu W 
tu Stande. Österreich brachte grcsse Opfer, da es zum Beaten des Rheinbundes Salzburg und 
Berohtesgadcn und einen Theil von Österreich ob der Eons, unmittelbar an Napoleon aber 
die Grafschaft Görz und das Gebiet von Monfalcone, Triest, Krain, den Villaeber Kreis i 
Kämthen, den grSeaten Theil van Croatien, Fiume, das ungarische Litorale und Istrien abtrat, 
wobei der Thalweg der Save künftig die österreichische Grenze bilden sollte; an den Röiiig v 
Sachsen kamen einige Ortschaften von BQhmen, an das Herzogthum Warschau ganz West- oi: 
Neu-Galizien, endlich an Russland in dem SstUchen Theile von Alt-Oalizien ein Bezirk v 
400,000 Seelen. Erzherzog Anton entsagte dem Grossmeisterthume des deutschen Ordens; d 
Tirolern und Vorailbergern , so wie auch den Bewohnern von Gaüzien ward vollkommene 
Amnestie nnd Vergessenheit des Vergangenen zugesichert. Alle in der pyrenuischen oder italie- 
nischen Halbinsel durch Tfapolcon vorgenommenen oder noch vorzunehmenden Umwälzungen 
wurden anerkannt; Österreich, das dem Continental-Systeme unbedingt beitrat, verlor in diesen 
Frieden eine BcvÖikerung von vierthalb Millionen und alle Seehäfen. Aber die schmerzlichste 
Bedingung war, dass es fiirder eine Armee von nur 150,000 Mann halten durflc. „Ein grosse« 
latcresse führt zu grossen Opfern; sie wurden mit seltener Hingebung gebracht, und wenn 
GlUok der Waffen am Endo zum Vortheile der Feinde Österreichs entschied, so konnten sie 

die Palme des Sieges entreJssen, aber unvergängliche Lorbem werden stets der Tapferkeit 
blllhen.« 



IlBcek einen Anneebefelil aus Dotis tom 34. October Terküiidigte K4iBer Frani aeinen 
Eri)(nn i«a FViedni. ■Ich h*be deo Kiieg geendigt, Dm die Segnungen der Eulie Meinen 
Vsam vjedet 10 «cheoken, ihr 'Wohl nicht länger dem Ungefähr ungewisjer EreignisBe anwu- 
wo»r. Sie hkliea iiire Treue, ihte warme Anhluiglielikeit in allen Uefahren bewährt und somit 
iu SuiJ feitFr, nnauflSilieher gt-kriQpfl, Aaa dfa Ffireten an ein gutes Volk bindet. Ich erkenne 
» Vüarr Armee, an deren Thaten ich immer mit Rührung nuriickdenken werde, die StSlee 
UrjK» Throne», den Sohutz und die Bürgichaft der künftigen Buhe Meiner Unterthanen. Sie hat 
it Jm! drei letzten bloUgen Schlai:hten die Achtung und liewunderung der ^'elt erworben; die 
uUhwcB Beweiie unereehütterüclier Treue und Anhäiigliabkeit an Meine Person geben ihr den 
UitaUD Anspruch auf Meine Liebe und ihr den sichereten Bärgen auf meine Dankbarkeit Ihr 
W4L Oav Aoazeichnung wird auch femer Meine sngelegenllicliBte Sorge aetn." 



Drei and liebeniigtte bii aUben and achtiigite Promotien. 

Kb » «anlllBir Euntf, >lc in Im Jiliru Igua «v. mUMle wohl iiUrcIcfae GeligeaheiteQ m Jania Aoi- 

■ ['■ilii Uli«, ixIcIm AniprGchE muf den UirU Tboroilpn- Ordiu gBllrnd mnclien koiml?a. Dem ÜDncnUIa- 
Itai Cnbine( Kirl «ud «m Scinor Uijeilät dem OrDf»merslflr uubeiclirlUkle Tallmuhl erlheJ^I, für horror- 
i«Nrii Tkakw4Jinc« (bT dem Sthlubtfolds »Jligl Im Nmdsii Sclnfr Hiji^itlfi dnu Ordim •«rJEltiMi n dSrriiD, 
■ItoKnktni« kuu il«t>>u dtrltl Vfirlcihuneeu ver(%t, ilbrend Seine MtJriliH dir Kilier lor EtubemTung 
1b(*|1M> In Jifart IBIO UDd du KuhtriiKi-OipiUtJi im Itbn 1811 — bilde nnler dem Verilue dei Feld- 
■iillilli tu In 11 rliiil r li I In iliiiiliiliiii ■•etat PrsinDtluaeiiiiiuAllerhäch>Iel(sii«-Beve(Bng 

■ riiMfcm gmktwB. E> hiiun Uio für den Krieg ISW tÜDfiehu Promolionen SIill und wurden Im 
«nm maul. I GloMkreui. IS CeDniindoure und 9S Rliur; di aber dem Obsrtlitiiunial Plrqust iTir lelne 
n« M tkalebsTg «rM In Jtbre 1813 der Orden lusrtknnt vardn, >e iteLlt ileb die Zthl der Biliar auf 91 
mtjaa^l dmBlUeli uu urftnosunaneo U)i«llvder auf IIJ haraoi. 

■>* KTihaTioi a<n*r(lla>lii)U> erUDiiIe^ 

«U AimaMhU «na W. April - Oroiikreui, - Commandoure, I Rlller. 

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r Capliel, SUU halt«. 



OROSSKnUDZ. 



JOHAXX Baptist Joseph Fabian Sebastian, kaiserlicher Prinz und 
Ermlierxo^ von Österreich, Feld marsch all, Inhaber des 1. Dragoner- und des küuig- 
lidi pnoMÜcbea 16. lotiuitenG-Regiments, Chef des Sappenr -Grenadier-Bataillons 



^^^^_ dies 
^^^K gest 



840 

im kaiserlicli lussischen Genie-Corpa, der neunte Sohn Kaisers Leopold U. und 
der Iva isc rinn Maria Ludovica, erblickte am 30. JKnner J782 das LicLt der Welt 
zu Florenz, vo der Vater als Grossherzog von Toscann reaidirte. Von der Natur 
mit reichen geistigen Fähigkeiten ausgestattet, entwickelten sich dieselben unter 
der Leitung ausgezeichneter Lehrer und Erzieher schnell und glänzend; schon von 
Kindheit an zeigten sieh die Hauptzüge seines Charakters ; Mutli und Entschieden- 
heit, Festigkeit, Milde, Leutseligkeit und wahre Religiosität. Obwohl er sich in 
allen Wissenschaften gediegene und ausgebreitete Kenntnisse ei-warb, so widmete 
er sich doch vorwiegend dem Studium der Geschichte, den Kriegs- und Naturwissen- 
schaften, in welch' letzteren er einen hohen Grad von Vollkommenheit erreiclite. 

Nach der Thronbesteigung seines Vaters kam der Erzheraog nach Wien, wo 
sein Geist und GemUth durch den Umgang und die Anleitung ausgezeichneter 
Männer, insbesonders Johannes von Müller, sich immer höher ausbildeten. 
Als wahrend des Waffenstillstandes zu Parsdorf (1800) Kaiser Franz II. sich zur 
Armee begab, begleitete ihu der Prinz in das Hauptquartier zu Hag in Bayern, 
und übernahm dort den Obcvhefehl der Armee; doch war er angewiesen, dem ihm 
beigegebenen Feldmarschall-Lieutcnant Freiherrn von Lauer in Allem unbedingt 
zu folgen, und dessen Befehlen und Anordnungen seine Unterschrift nicht zu ver- 
weigern. Nach Ablauf des Waft'cnstillstandes drang der Erzherzog mit der Armee 
weiter nach Bayern vor, schlug die Franzosen unter Moreau nni 1. Dccember bei 
Ampfing, verlor aber am 3. desselben Monats die Schlacht bei Ilohenlindcn, 
nach welcher er das Conimando an Erzherzog Karl abirat. 

Nach dem Friedensschlüsse zu Lunevillo (Ö. Februar 1801) wurde der Erz- 
herzog zum General-Director des Genie- und Fortlfieationswesens , dann zum 
Director der Ingenieur- Akademie zu Wien und der Militär -Akademie zu Wiener- 
Neustadt ernannt, in welchem Wirkungskreise er sich durch beinahe 50 Jahre 
unvergüngllehe Verdienste erwarb und das dankbarste Andenken in den Corps 
und in den Akademien hinterlieaa. Lohnend war ihm das Bewusstseln, unter seiner 
Leitung so viele ausgezeichnete Krieger heranreifen zu sehen, die seiner Sorge 
und seinen Bemühungen ihre nachmalige ehrenvolle Laufbahn zu verdanken hatten. 

Im Jahre 1804 hereiste der Erzherzog Tirol und die veoetianiachen Provinzen, 
um einen Bofeatigungsplan zu verfassen, und entwarf fUr den nüchsten Krieg gegen 
Frankreich, dessen naher Ausbruch leicht vorauszusehen war, einen solchen eben 
so kühn durchdacht als grossarfig, dem zu Folge die ganze Alpenketto Steiermarks, 
Kärnthcns und Tirols aU eine grosse, von allen Kricgseroignissen unabhängig 
gemachte Festung zu befrachten sei, deren Kern der Besatzung ein dahin hoordoitea 
Ai-meecorps, und nötbigcnfalls die ganze Bevölkerung Tirols bilden sollte. Obwohl 
dieser Plan nicht angenommen, sondern der Erzherzog 1805, vor Beginn des 
Krieges, nach Innsbruck gesendet wurde, um nach dem vom Ilofkriegsrathe auf- 
gestellten Systeme die Landmiliz zu organiairen, so geschah doch durch seine 




841 

Bemühungea in Tirol daa Wöglichsto, um denFeind vom Herzen dtr Monarchie feio 
a ballen. Als derFeldztig I8U5 beginnen sollte, eilte Johann nach San Bonifazio 
mm Enherzog KbtI, da er bestimmt war, das Commando des Centrums bei der 
Armco in Italien eu Übernehmen ; doch schon nach icenigen Tagen erschien eine 
Drpaution der Tiroler LandsISnde, um seine Rückkehr nacli Tirol zu erbitten. 
LrzherzogKarl willigte darein, Johann kehrte nach Innsbruck zurück undüber- 
lubra das Obercommando. Kaum daselbst angelangt, erfuhr er die Katastrophe 
TOB Ulm; er lies» sogleich Alles aurVertheidigung der nach Bayern und Salzburg 
flUireodcn PUsse aufbieten. Bei dem Passe Lofers wurde der bayerische General 
Deroi mit Verlust zui-ückgoschlagen, und der Erzherzog beabsichtigte nicht allein 
iea Fcioden das Eindringen in Tirol zu verwehren, sondern selbst auf Salzburg vor- 
nuückcn; allein nach wiederholten Befohlen des Erzherzogs Karl musste er sich 
^Idcb nnfangs auf die blosse Defensive beschränken, und spKter auch diese auf- 
^beo. Als die Pjisse Lueg und Lcutasch verloren gingen, und jener von Scharnitz 
fcrXomt werden musste, concentrirte Johann seine Truppen am Brenner, um 
Mif allen Bergen zerstreuten Schulzen als Stülzpunct zu dienen ; auch die Armee 
tu Italien war mittlerweile zum Rückzüge gezwungen, daher an ofl'ensive Opcratio- 
lai nicht mehr zu denken. Innsbruck und Kufatciu fielen am 6. November in die 
Hfindo des Feinde»; der Erzherzog suchte nun seine Stellung am Brenner um so 
<leatsr 2a behaupten, damit die im Lande zeralreuten Truppen-Abthei hingen Zeit 
gewinnen sich ihm anzuschliesscn. Seine Absieht wai-, dann mit ganzer Macht 
General Ney anzugreifen; doch er erhielt wiederholte bestimmte Befehle, den 
BUekzng nach Steienuork anzutreten, und seine zweimalige Bitte, mit 6000 Mann 
in Urol verbleiben und das Land selbslstjindjgvertheidigen zu dürfen, wurde nicht 
bewilligt. Der Erzherzog zog also noch das Corps des Generals Hitler aus Süd- 
Tirol an «ich, und trat den Rückmarsch durch das Puster-Thal undKärnthcn nach 
StBeruark an. Unter vielen MUhcn und Gefahren gelangte er am 20. November 
Bber Villaoh nach Klagenfurf, woselbst er, so wie früher bei Lienz, mit dem 
ihn Tcrfolgonden General Noy Kämpfe bestand. Indess seine Truppen weiter 
ianh du Drau- Thal marschirten, übertrug der Prinz dem General Chastcler 
dai CftRunando mit dem Auftrage, GrStz zu besetzen, und eilte nach Laibach 
n dem Erzherzoge Karl. Auf seinen Vorschlag zog sich die bei Marburg ver- 
ODigte italienisch- lirotischß Armee nicht nach Agram zurUek, sondern rückte 
udi mcbrtitgiger Cantonirung bei Marburg gegen Wien ; doch schon auf halbem 
^tge traf die Nachricht von der verlorenen Schlacht bei AnslerJita und dem abge- 
*UMM>aeii Waffenstillstände ein, und somit schwand jede Hoffnung, denBegebon- 
Wt«i «ne andere Wendung geben zu können. Wie aus dieser gedrängten Audeu- 
'■^ berrorgcbt, hatlc sich der Erzherzog in dieser Periode uugewöhulicho Ver- 
■Mategcaamtucli; er fandsiodurchdasConimandeurkreuz gewiii'digf, welches 
S^Majeatül ihm im JSmicr 1806 zti verleihen gcruhlo. 



A 



842 

Nach dem Kriege Ton 1805 Beizte der Erzherzog in einer Denkschrift an den 
Kaiser seine Ansicht aus einander, wie Osterreich seine Niederlagen rächen könne; 
diese wui-de im Jänner 1806 überreicht. Nach seiner Idee war dieses Ziel durch 
Organisirung des Volkskrieges zu erreichen; in diesem Sinne traf Erzherzog, 
Johann Vorkehrungen, welche die genaueste Vertrautheit mit demselben bewie-i 
sen. Insbesondere leitele er die in Tirol bestehenden Voranstalten, dessen Bewohner,, 
mit der bayerischen Herrschaft unzufrieden, im innigen Verkehre mit Osterreich 
verblichen, und unternahm, um dieses Werk zu fördern, mehrere Reisen nach Salz- 
burg und Inner Österreich. 

DerMilitär-Verwaltungstandumjene Zeit bekanntlich ErzherzogKarl als Ge- 
neralissimus vor, welchemErzherzog Johann als ad latus beigegeben war; inderea 
Rathe wurde damals der erste Gedanke einer allgemeinen Volksbewaffnung 
reif. In Folge dessen hereiste Erzherzog Johann ISOZInnerösterreich, das Küsten- 
land und Salzburg, und organisirte 1808 in diesen Provinzen die Landwehr, Auch lies» 
er die Befestigung von Komorn beginnen, und unterlegte mehrere Befestigungspläne 
für die Pässe derGebirgsländer, deren Bau jedoch erst im Herbste angeordnet wurde. 

Unter diesen Vorbereitungen brach der Krieg von 1809 aus, in welchem 
dem Erzherzoge der Oberbefehl des nach Italien bestimmten Heeres übertragen 
wurde. Es war ihm das 8. und 9. Arnieecorps (42,500 Mann) zugewiesen, welche zum 
Angriff auf Italien verwendet werden sollten. Der Vicekonig hatte 69,OOÜ Mann 
entgegenstellen können. Am 9. April wurde der Beginn der Feindseligkeiten ange- 
kündigt, am 10. vereinigte der Erzherzog die beiden Ärmeecorps bei Caporetto 
und Tcrnova und zog am 13, in Udine ein. Am 15. vernichtete er bei Pord» 
none die feindliche Nachhut. 500 Franzosen deckten das Schlachtfeld, 1900 Mann 
wurden gefangen , 2 Adler, 4 Kanonen, mehrere Munitionskarren erobert; Tagea 
darauf besiegte der Erzherzog den Vicekonig bei Sacile, indem er ihm einen 
Verlust von 3000 Todten und Verwundeten, dann 6000 Gefangenen beibrachte^ 
1 Adler, 19 Kanonen und 14,000 Gewehre abnahm, zum Rückzüge über die 
Livenza zwang und unter siegreichen Gefechten die wichtige Etschlinie erreichte. 
Allein in dem Augenblicke als seine Avantgarde das vom Feinde verlassene Verona 
besetzen wollte, zwangen iiin die aus Deutschland eingelangten Nachrichten die 
weitere Offensive aufzugeben und zur Deckung der Erblaode den Rückzug in der 
Nacht vom 30. April auf den 1. Mai anzutreten. Schon am 2. kam es bei Olmo, 
am 5. bei Castclfraneo, Postuma und Trcviso, am 8. an der Pii 
11. bei San Daniele und am 12. bei Venzone zu hitzigen Gefechten, die, wenn 
auch nicht siegreich, neuerdings die Tapferkeit der österreichischen Armee bewähr- 
ten, da sie jedesmal gegen überlegene Feinde zu kämpfen hatte. Der Erzherzog 
beabsichtigte die Verbindung mit Tirol herzustellen und sich in Innerösterreicb 
BO lange zu hallen, bis er die Otfensive wieder ergreifen, oder durch einen Marsch 
gerade auf Wien zu N a p o 1 e o n's Macht theilen könne. Leider wurde dieser Plan 




843 

dvrch di« Missgrifle einzelner Anführer vereitelt, und er mosate seinen Rückzug 

Mcb CJogBrn nehmen, wo eich die aufgebotene adelige, ganzungeübtelnsurrection 

u ihn uischloss. Mit dieser vereint bestand der Erzherzog am 14. Juni das heftige 

Gefecbl bei Raab, welches lange unentschieden blieb, bis die Insurrectiona-Caval- 

Itrie aach oinor missglückten Attaque geworfen, den linken Flügel der Armee bloss- 

sBeJlte ond den Erzherzog zwang sich nach dem hodrohteii Komorn zurückzu- 

Aea. Er ging hierauf nach Pressbnrg, wo ein starker Brückenkopf angelegt 

id durch den General Bianchi heldenmüthig vertheidigt wurde. Am 26. Juni 

brderten die Franzosen die Räumung des rechten Donau-Ufers und der Insel 

Selltttt und begannen Pressburg heftig zu bescliiessen ; gleichzeitig zog aber ein 

groaierThcU der feindlichen Truppen, die dem Erzherzoge entgegen standen, in der 

BtäitaDg- nach Wien. Der Prinz wollte mit vereintenKrSften vorbrechen, um den 

Fpiiid zorTheilung seiner Macht zu zwingen, der auf den Brückenkopf keinen Sturm 

«d^e. Ein starkes Regenwetter verhinderte diese Ausführung, und am 5. Juli ti-af 

intenuitGraf Wolken stein ais Courier aus dem Hauptquartiere desErzher- 

■ rl ein, der die bevorstehende Schlacht hei Wagram meldete und denErz- 

uiflordcrlc, mit allen disponiblen Truppen sich nach Marcheggin Marsch zu 

am xa dem grossen Zwecke mitzuwirken. Diesen Befehl erhielt der Erzher- 

) 5 Uhr Morgens; die Voi'kehrungen, welche die Zusammenziehung der 

tCen sehr fiitiguirten Truppen und die Sorge für ihre Verpflegung bedingte, 

Eperte den Aufbruch bis in die Nacht hinein, dann wurde der Marsch überßlu- 

iUiudiMarchcgg angetreten. Am 6. um 10 Uhr früh langte die Tete nach einem 

mühsamen, durch schlechte Wege behinderten Marsch inMai-cheggaUiWoder 

lg sogleich mit der Reiterei über die March setzte und eine Recognoscirung 

wölirend das Gros durch den mühevollen Übergang auf einer fliegenden 

icke ent tim 2Uhr in Schünfeld anlangen konnte. Um diese Stunde war bereits 

AiugKOg des Tages entschieden; dennoch drang der Prinz an der Spitze eines 

-Regintenis bis Siobenbrnnn vor. um sich von der Lage der Dinge persön- 

KCugen. Er verweilte bis zum Abend, in dorfloffnung. Befehle vom Gene- 

zu erholten ; als sich aber feindliche Rcitermassen in seiner rechten Flanke 

nplan und er berürchteu musstc, in der weiten Ebene aufgerieben zu werden, da 

apole<^a »eine ganze Cavaltene (bei 30,000 Mann) In der Richtung gegen den 

•g TCrwenden konnte, ging or in der Nacht bei Marchegg zurück, wo er 

7. stehen blieb und dann den Rückzug nach Komorn fortsetzte. Es ist 

r problematisch, ob der Erzherzog, wenn er mit seinem kaum 12,000 Mann 

Uukea Corps auch früher auf dem Schlaehtfelde eingetroffen wäre , den Ausgang 

iuKMiupfns günstiger eu gestalten vermocht hätte, da Napoleon, dies vorsehend, 

•Mb bedeutende, gar nicht verwendete Reserven ihm entgegenstellen konnte. 

In KotDom erhielt der Prinz Nachricht von dem abgeschlossenen Waffen- 
dio Weisung, die drückenden Artikel desselben zu vollziehen. Der 



i 



Kaiser erklärte sich gegen die Annahme desselben im d befahl, die Truppen l 
Köi-nicnd zu sammeln. Indessen wurde, nach dem Eintrcften des Grafen Me 
ternich aus Paris, der Waffe na tili stand doch angenomnaen. Nun schlug der Erz- 
herzog vor, die grosse Armee aus Böhmen, durch Mähren, bei Komorn zu con- 
cenlriren, und mit Ablauf des auf einen Monat abgeschlossenen Waffenstillstandea 
die Offensive zu ergreifen. Der Plan wurde vom Kaiser genehmigt und den Trup- 
pen Cantonirungen zwischen Körmend und Croatien angewiesen. Da lief diA 
Nachricht ein, Erzherzog Karl habe das Commaodo der Armee an den Feldmark 
schall Fürsten Johann Liechtenstein übergeben, und dieser folgte der Friede 
auf dem Fusse. Nach demselben behielt der Erzherzog Johann, für seine g 
Verdienste in Italien noch im Mai 1809 zum Grosskreuz des Maria Theresien* 
Ordens ernannt, nur die Stelle als General-Director des Genie- und Fortificationft" 
wescna und der beiden Akademien. 

An den Feldzügen 1813 und 1814 naljm er keinen Theil, und wurde erat 
1815 wieder beaiiftragt die Belagerung von Hüningen zu leiten; nach zwai 
Monaten ergab sich die Festung am 26. August und wurde geschleift. Der Er»^ 
herzog begab sich nun über Basel nach Paris, erhielt hier den Auftrag, den Prini 
rogenten von England im Namen des Kaisers zu begrüsson, und schiffte sich i 
dem Erzherzoge Ludwig am 20. October nach England ein. Hier fanden beid( 
Pi'inzen die ausgezeichnetste Aufnahme und kehrten erat im April des nächstOi 
Jahres in die Heimatb zurück. * 

Der Erzherzog Johann lebte nun in seiner geliebten Steiermark, die ihä 
auch am 3. September 1823 eine Lebcnsgefährtinn bürgerlicher Abkunft, Anna 
Tochter des Postmeisters Plochl zu Aussee, zuführte. Im Jahre 1832 ging de) 
Erzherzog nach Italien, um Pläne zur Befestigung von Verona und der Linie uä 
Mincio zu entwerfen; die Projecte wurden mit dem commandirenden Generali 
ßadetzky berathen, uud bewälirtea sich später durch den glänzendsten Erfolgi 
De.-isgteicbcn leiteteer den Befestigungsbau bei Brixen und Nauders inTiroi; 
gleichem Zwecke der Grenzbefestigung hatte er schon 1819 eine genaue Reeognos- 
cirung der gesammten Nordgrenze der Monarchie und insbesondere des ganzen 
Karpathen-Gebii'ges unternommen, doch blieb der von ibm ausführlich durchge* 
führte ausgearbeitete Plan unberücksichtiget. 

Die nun folgenden Jahre verlebte Erzherzog Johann auf seinen Besitzung«! 
in der Steiermark, wo er sieb durch die rege und kräftige Unterstützung, welche e 
allen wissenschaftlichen und gemeinnützigen Unternehmungen angedeihen lieaa 
ein unvergängliches Andenken stiftete; nur im Winter brachte er jährlich einigt 
Monate in Wien zu, um sich seinen Dienstgeschäften ku widmen. Im Spätsommee 
1835 war der Erzherzog in die preussiscben Lager beiLiegnitz und Kapsdor^ 
darnach in die russischen hei Kalis oh gesendet worden; 1837 wurde er in jene« 
bei Wosnessensk geladen, wo Repräaentanlen beinahe aller europäischen Hecr9 



S45 

tfrunuielt waren. Mit einem Gefolge von nicbreren Generalen, dann 28 Stabs- 
ind ObEr-Officieren traf der Erzherzog Anfangs Septenibei- in diesem grossartigen 
Lti^r ein nnd wurde vom Kaiser Nikolaus mit grosser Auszeichnung beliauJelt. 
, Er bcretsle dann das aüdücbe Rusalnnd, begab sieb nach Constantinopel und wurde 
licr — als der erste europäische Prinz, welcher die Hauptütadt der Moslims 
'fcoMMbte — vom Sultan Mahmud n. sehr zuvorkommend und liebreich aufgenom- 
■m Uittc November traf er über Triebt wieder in seinem geliebten Älpen- 
Inde eio. 

Im Jahre 1838 begleitete der Prinz den Kaiser Ferdinand zur Erbhuldigung 
rmIi Tirol und zur Ivrönung nach Mailand, und wohnte im September 1842 dem 
Cboogslagcr des 7, nnd 8. prcussisehcn Armeecorps bei Düsseldorf und 1843 
1 Feste in Wien bei, weiches aus Anlass der ÖOjährigen Jubelfeier des Erz- 
knogs Karl als Grosskreuz des Maria Theresien-Ordcns begangen wurde. 

Als die Revolation 1848 in Italien ausbrach, wurde der Erzherzog nach Tirol 
pwade*, um die Landesvertheidigung zu organisiren; der glänzendste Erfolg 
krjtote seine Bemühungen, und die in Süd-Tirol bereits eingedrungenen Kebellen 
reo bald wieder über die Grenze getiiebcn. Kaiser Ferdinand ernannte ihn 
Jani zu seinem Stell Vertreter in Wien, woselbst er am 25. Juni eintraf; doch 
fehoa ua 8. Juli verliess er, zum deutschen Roichsverweser erwählt, diese Stadt, 
begab sich nach Frankfurt am Main, wo er am 12. sein neues Amt antrat und 
detttachen Bundestag auäüstc. Er kehrte dann nach Wien zurück, um Im 
j^idtTMgK dc3 Kaisers am 22. Juli den Reichstag zu erüfihen, und verfugte sich 
im 31. wieder nach Frankfurt, Die Umtriebe der Umsturzpartei, welche sich bei 
ita Unruhen zu Frankfurt vom 17. bis 19. September und durch Ermordung der 
fceidcii raiucrvativcn Abgeordneten Fürst Lichnowsky und General von Auera- 
wald Itlar zeigten, benahmen dem Erzherzoge die Mittel, alles das Gute fUr 
Df U chland zu wirken, was sein edler Sinn vorhalte ; und .-ils der Bundestag nach 
BdüUnpfujig der Revolution wieder hergestellt wurde, legte er am 20. December 
IMS die deutsche Rcicbaverweserswürdo (die schwerste Bürde seines Lebens) in 
£e Binde der Bundescommissaricn nieder, und zog sich wieder nach Steiermark 



Dctxg'l eichen war der Prinz schon früher von der Siclle als General-Director 
des Gciiiie- nnd Fortificationswesens und als General -Dtrcctor der Neustädter 
Milittr- nnd logonieur-Akademic abgetreten. Nachfolgende bcdeutungsvoUeW orte, 
««Ute der Krzherzog bei Gelegenheit der Niedcrlegungseiner Würde als General- 
Gewo-Direclor «um Abschiede an die Corps — deren Chef er beinahe ein halbes 
Jabriiandert hindurch war — gerichtet hatte, verdienen in den Annalen der Armee- 
gmchickte ▼ersoiclmct zu werden, da sie, wie die Folge lehrte, zeugende Keime in 
■ek tragen ood auf ein fmchlbarcs Erdreich fielen. ^Während dieser langen Reihe 
^^^Ano,' sagte der durchlauchtigste Prinz, » war es mein unermüdetes Bestreben, 




846 

die mir anvertrauten Corps zu jener VerTollkommnung zu bringen, welche äitt 
Erfalirung und das s täte Fortschreiten der Wissenschaft an die Hand geben; bw 
Ausarbeitung der hierauf abzielenden Vorschläge, von den einzelnen Ofiici 
desselben kräftigst unterstützt, lag es nur in den eigenthümlichen Verhältnissen, 
jenerfriiheren Zeitperiode, wennsolcheßemiihungen nicht von dem Erfolge gekröoC 
wurden, der für die weitere Entwickelung dieses so ■wichtigen Zweiges 
Heeres höchst wUnschenswerth war. Eine grosse Beruhigung gewährte es mipy 
dass ani Schlüsse meines Wirkens den Ofiicieren dieses Corps, welche der grosscA 
Mehrzahl nach unter mir für ihren Beruf herangebildet worden, die Gelegenheit 
sich darbot, auch durch ihr Benehmen vor dem Feinde den Beweis zu liefern, da^s 
jener dem Corps eigenthiimliche treffliche Geist, gepaart mit Entschlossenheit und 
Tapferkeit, sich durch so lange Friedensjahre ungeti-übt auch auf die nachfolgendei 
Generationen fortgepflanzt habe." 



COMMANDEURE. 

HOHENZOLLERN-HECHINGEN, Friedrich Franz Xaver Prinz zu, Burg^ 
graf zu Nürnberg, Graf zu Sigmaringon und Wäbringen etc., Fcldmarschall, Bitter 
des goldenen Vliesaes, geheimer Rath und Kämmerer, Inhaber des 2. Cbevauxlegers^ 
Regiments, kam am 31. Mai 1757 auf dem SchloseeU beule bei Masti-icht zur- 
Welt. Im vorigen Jahrhunderte allein hatten aus diesem hochfürstlichen Hauae^ 
zwei Feldmarachälle und vier andere Generale Osterrelcbs Heerschaaren zum. 
Ruhme geführt, sie alle überragte des Prinzen Fri edri ch's lü-iegertugcnd. 

Für den Militärstand durch seine Erziehung vorbereitet, trat der neunzehn- 
jähiige Jüngling als Lieutenant im Kürassior-Regimente Erzherzog Maximilian 
ein, dessen zweiter Inhaber sein Oheim war. Nachdem er in diesem Regimente 
dem Feldzuge 1778Theil genommen hatte, verliess er es bei Ausbruch des Türken- 
krieges mit der Beförderung zum Major bei Nassau-Kürassieren, mit welchen 
der Belagerung Belgrads beiwohnte. 

Im nächsten Jahre wurde er zum Oberst-Lieutenant undmit Anfang des Jahres 
1793 zum Obersten von Kavanagh-Kürassieren befördert. Dieses Regiment befeh- 
ligte der Prinz in der Schlacht bei Neerwinden, Selten auf das Commaudo dei 
Regiments beschränkt, sondern meistens noch mit dem Befehle über einen Theil 
der Vorposten beauftragt, fand er im Laufe der Feldzüge 1793 und 1794 reiche 
Gelegenheit sieh Erfahrung und Ruhm zu erwerben; so vor dem Lager bei Tour- 
nay, das er vom April bis Mitte September in zahkeichen Gefechten gegen die 
Angriffe des Feindes schützte, in der Schlacht bei Wattignies und bei allen drei 
Versuchen für den Entsatz Charleroy's, wo er zum Befehlshaber der Avantgarde 
auserwählt, durch Einsicht und Tapferkerkeit diesem Zutrauen mit beBtem Erfolge 
entsprach. 



IiD Anfui^ dea Jahres 1 796 zum General-Major befördert, wurde er zu dem 
Heere Betulieu's nach Italien beordert. In dem Rieseukampfe um Man tua hatte 
der Priaz steh so sehr ausgezeichnet, dassihm bei dem zweiten Vorbrechen W urm- 
ier*i ans Tirol eine Hauptrolle zugedacht war, als ihn ein Fieber auf das Kranken- 
b^r warf und zu seinem Verdrusse bis zum September fesselte. Kaum hergeatellt, 
«lle er zu Alvlntzj-'s Heer. Bei Caldiero hielt er die die Ebene beherrschen- 
ieo Hti^l San Mnilia und la Rocca besetzt, und behauptete sie gegen eine doppelte 
Stmilroacbt, die unter B o n a p a r t e's Anführung wiederholt anstürmte. Es war dies 
«m 12. November 1796 und der erste Sieg, welcher über Bonaparte, den vom 
GlSclce begünstigten republicanischen Feldherrn erkämpft ward, dessen Heer 
i Generate, 52 Officiere, 775 Mann zu Gefangene, dann 2 Kanonen und 1 Fahne 
»o Trophäen verloren hatte. Andere Gefechte wendeton iodcss diesen Feldzug zum 
Kftcbllietle der Österreicher, doch nicht so entscheidend, dasa nicht AI vintzy hin- 
reichende Macht gehlieben wäre, nachdem er seine Truppen gesammelt, abermals 
iKogpäsoen der Alpen zum Entsätze von Mantua hervorzubrechen. Pro vera 
Vorhut der Prinz befehligte, sollte nun das befestigte Legnago nehmen oder 
■ndcren Etsch-Lbergang suchen, über den Fluss gehen und der Besatzung 
'tob Mantua die Hand bieten. General Hohenzollern machte im Kriegsrathe 
auf du Hoffnungslose dieses Unternehmens aufmerksam, erhielt aber zur Antwort, 
die Colonnc, selbst auf die Gefahr hin ganz aufgerieben zu werden, das Unter- 
▼enmchcn müsse, um die Aufmerksamkeit des Feindes zu tlieilen. Sogleich 
ler Prinz »eine Einwürfe zurück; „wir sind Soldaten," sagte er, „und werden 
oder vernicht<'t werden." Das« es, auch nach dem Misslingen des ersten 
VflnodiQs, dennoch gelang, über die Etsch su setzen, verdankte man den treff- 
fidiea AsBtalt«n, welche der umsichtige Prinz für den Flussübergang getroffen 
katu. Vor Mantua sahen sich die Österreicher, bei dem Versuche, die in eine 
g verwandelte Vorstadt San Giorgio zu nehmen, ph'itzlich von der feind- 
;(Uberroacht umringt. Zwei Stunden lang drangen 4 feindliche Divisionen 
auf das Hüudein des Prinzen an, der erst dann vom Kampfe nbliess und 
italation einging, als er die Krfolglosigkeit weiteren Widerstandes einsah, 
iroraufifin Uonapnrle mit grösster Auszeichnung empfing. Der Kaiser belohnte 
Utthenzollern'» Heldemuntb mit dem Rittorkreuze am 29. April 1797 ausser 



Hach dem Friedonsschluase fiihrte der Prinz im Jahre 1798 den Befehl 
t£e in Treviso und Belluno stehende Brigade, und übernahm im Februar 1799 
rioM Befehl Über die Division des Feldinarschall-LieutenantsK r a j- im Venetianischcn. 
I h doD Feldxuge desselben Jalu-cs wäre Verona verloren gewesen, wenn nicht 
rOeneral Hohenzollern besonnen seine Truppen gesammelt und durch seine 
I AMrdnangen, mido muthvolle Führung zum AViderstandc geschickt gemacht hütte. 
Xtbnals In dem mörderischen Gefechte stellte er sich persönlich an die Spitze von 



848 




Bataillonen, und wies zuletzt diß angreifenden 4 französisclien Divisionen mit ei 
um diellülftesfLwäcLeren Macht zurück. Nachdenier die Festung Fizzighettc 
mit bedeutenden Vorräthen genommen und den über den Monte Cenere vordi 
genden Feind zurückgeworfen hatte, übernahm er die Belagerung der Citadeile vom 
Mailand. Die Eelagerungsnrbeiten -waren sehr gefährlich, denn die Localität 
bedingte, dass man die Laufgräben in Kartätschen - Schussweite führen musstB. 
Dennoch war die Parallele in der dritten Nacht vollendet, mit 68 Geschützen besetzl. 
und am andern Tage {24. MaiJ übergab der feindliche Befehlshaber den Platz, 
Hohenzollern erhielt für diese an Tag gelegte Umsicht die zweite Inhabers- 
HteUe vom Dragoner - Regimcnte ICronprinz Ferdinand, die er zwei Jahre 
später gegen die erste Inhabers stelle vertauschte, welches nachherige Chevaux- 
legers-Rogiment Hohenzollern -Hechingen's Namen 43 Jahre lang geführt 
hat. Er rückte nun mit seiner Abtheilung nach Modena, um die Belagerung von 
Mantua zu decken, und als Mac donald jetzt von Neapel heranzog, um seine Ver- 
einigung mit Moreau zu suchen, beschloss der Prinz, den Zug des, obwohl an 
Streitkräften zehnfach ihm überlegenen französischen Feldherrn durch muthige 
Gegenwehr zu hemmen. In dem ersten Gefechte (11. Juni) behauptete Hohen- 
zollern seine nicht sehr vortheilhafte Stellung. Macdonald hatte die Schwäche 
des Gegners kennen gelernt, und erneuerte daher am nächsten Tage den Angriff 
mit allen Kräften. Zu siegen war den Österreichern nicht möglich ; ihre Aufgabe war 
erfüllt, wenn sie ihre Gegner so lange als möglich aufhielten. Das that denn auch 
der Prinz nach Kräften Nachdem er im freien Felde so lange als möglieh au3g&> 
halten, warf er sich nach Modena und schlug sich hier noch bis zum Abend, Sein 
ganzer Verlust bestand in etwa 1000 Todten oder Verwundeten und 1100 Ver- 
missten; die Feinde schlugen ihren Verlust auf 2000 Todtc und über 2000 Ge- 
fangene an. Auch den schwierigen RUckzug führte General Hohenzollern« 
ohne Verlust aus. Die Folge seines heldenmüthigen Widerstandes war, dasa di»; 
verbündeten Feldherren Zeit gewannen sich zu vereinigen und Moreau und 
Macdonald getrennt zu schlagen. Bald darauf zum Feldmarschall-Lieutenant 
ernannt, wurde Hohenzollern gegen Soult nach den Alpen beordert, wo der' 
wichtigste Gebirgspass, die Boechetta, in den Händen der Franzosen war, dl»' 
ihn stark befestigt und mit 3 Bataillonen besetzt hatten. Ungeachtet der natür- 
lichen und künstlichen Hindernisse erstürmten Ilohcnzollern's Truppen im' 
April 1800 die sieben Verschanzungen des Feindes in drei Stunden; die darin 
befindlichen 3 Bataillone wurden theils gefangen, theils getödtet; der Sieg war 
mit dem Blute von 800 Österreiehcrn erkauft worden. Die Belagerung Genua's 
war nun gesicherter als zuvor, und am 4. Juni muasten die Franzosen diese Stadt 
übergeben. Der rastlos thätige General besetzte Genua, und wurde mit der 
Sorge für die Stadt und deren Uforgebiot betraut. Nach der Räumung dieses Platzea 
wieder mit dem Hauptheere vereinigt, leitete er später (25. Deeember) das Gefecht 




849 

beiPoiEolo, in welchem die Ostcrreiclicr gegen alle Angriffe der Franzosen «las 
i'di behaupteten. 

Nach dem LunevillerFriedcn wurde Feldmarschall-Lioutenanl Holienzollern 
aadi Krakau als Divisionär von zwei Cavallerie -Brigaden versetzt, im Herbst 1804 
nm f^^heimen Eathe, und im folgenden Sommer zum Militär-Commandanten in 
Wrsl-Galizien ernannt. Nach dem Unglücke von Ulm befand sieb Ilohenzollern 
bei der Heeres-Abtheilnng des Feldmarschall-Lieutenants W e r n e c k, deren Vorhut 
fr befehligte. Von den Franzosen schon umringt, schlich er sich mitten zwischen 
ihren I'Sgem durch miJ gelangte glücklich zumErzherzoge Ferdinand, wölirend 
Wcrneck sich ergeben musste- Der Prinz hatte noch die Freude, bei Stecken 
im ö- December 1805 einen wichtigen Vortheil zu erringen, der leider durch die 
iBxvisehen ei-folgte Schl-icht von Äustcrlitz seine Wirkung verlor. 

IUalS06befehligteHohonz ollern die Demarcationa-Linie längs der böhmi- 
Grenze, und übernahm dünn seinen alten Posten in Krakau, den er nur einmal 
uni bei dem £i-anzösisch- deutschen Kriege einen Neutralitüts-Cordon zu 
Beim Bdginuo des Feldzugos 1809 übernahm er den Befehl Über das dritte 
Amee-Corps, mit welchem er im April von Böhmen aufbrach und nach Bayern vor- 
rScklc In dem blutigen Treffen bei Hausen (19. April) bewies der Fürst ausser- 
ortlentlieheSiandhufligkcitundBravourund ergriff zu drei verschiedenen Malen eine 
Filme, nniaiifdicseWeisc die schon erschöpften Bataillone erneuert ins Feuer zu füh- 
Nich den Gefechten von Regeneburg rückte das Corps über Fürth nach der 
aardwectliclicn Grenze Böhmens, wo der Prinz das zweite Armeecorps erliielt Kaiser 
Fraax&bcrreichtcihmam G.Mai für diepersCJnJicheTapferkeit bei Hausen cigen- 
lüadif^ <1m ComiDundcurkreuz. An dem ersten T.tge der glorreichen Schlacht 
»tw Aspern verharrte Hohenzol lern — nur von seinem Sohne, dem Prinzen 
dricfa Anton, damals Oberlieutenant im Bcgimente des Vaters, begleitet — 
«Sknuid des sie^eicheu Kampfes gegen die feindlichen geharnischten Reiter in der 
Tvrdereo EvkeeinerMasse desRegiments Froonvomersten Treffen. AuchamzweJ- 
•nSchlftcbttage traf der Flntiptaagrlff den Prinzen, und wurde mit uncrsehüttcrlichem 
Ilkldcnniuth ouagehallen. Gegen Mittag ging das Corps zur Offensive über, wirkte 
nr Eroberung des an diesem Morgen verloren gegangenen Dorfes Aspern mit, und 
Ein «ch fortan auf dasselbe, bis die Franzosen das Scidachtfeld räumten und 
Doch für ]>eckung ihres Küekzugcs nach der Lobau fochten. Erzherzog Karl 
le dem Prinsen die lebhafteste Anerkennung der von ihm bewiesenen Tapferkeit, 
in Folge diesoa Vertrauens des Generalissimus erhielt Hohenzol Icrnin der 
Usti^o Schlacht hei Wagram die gefährlichste Stelle, das Centrum. In der 
Kriegsgeschichte macht die tapfere Vertheidigung dieser Stellung, namentlich des 
Dgrict Baumersdorf, Epoche. Die Franzosen wagten zuletzt das Dorf gar nicht 
«BZDgreif«!], und hier sinnd die Schlacht am längsten. Nach dem Verluste 
fiel dem Prinzen die unter den Verhältnissen schwierige Aufgabe zu, den 



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Rückzug zu decken, und er vollführte sie so gut, daas selbst bei dem Übergange 
über den Rassbach keine Unordnung entstand. 

Nach dem Frieden ernannte Kaiser Franz den ausgezeichneten Krieger 
zum General der Cavallerie, dann zum commandir enden General in Inner- 
üsterreich. Im Jahre 1812 befehligte er das in Galizien zusammengezogene Reeerve- 
Corps bis zum Frühjahre 1813. Während der Befreiungskriege 1813 — 1814 
beruhte der Antheil des Prinzen in der thiitigsten Leitung der administrativen 
Geschäfte, um die HulfsrjucUenlnnerosterroichs für Ergänzung des Heeres in Italien 
auf das Höchste nutzbringend zu machen. 181Ö wurde er zum Coro man dir enden 
des zweiten deutschon Armeecorps ernannt, das aus zwei österreichischen und einer 
baden'schen Division bestand und die Bestimmung hafte, Baden, Württemberg und 
die Schweiz zu beschützen. Später verwendeten die Verbündeten diese Heeres- 
abtheilung zur Einschliessung von Strassburg, das General Rapp mit etwa 
24,000 Mann besetzt hielt. Hier bestand der Prinz sein letztes Gefecht bei einem 
Ausfalle, den Rapp machte, als der Ausgang der Sehlacht von Waterloo in Strass- 
burg bereits bekannt war. 

Dienächsten 10 Jahre verlebte der Prinz auf seinem alten Posten in GrStz, den er 
1826 verliessj um die ihm verliehene Stelle eines Präsidenten des Hofkriegsratkea 
anzutreten. 1826, in welchem Jahre er den fünfzigsten Jahrestag seines Eintrittes 
in das Heer feierte, wurde er zum ersten Capitan der Arcieren-L eibgar de, 1830 
zum Feldmarschall ernannt, und gleichzeitig der Leitung des Hofkriegarathea ent- 
hoben. Bis in das späteste Alter überaus rüstig, starb er am 6. April 1844 zu Wien. 

Der Prinz hatte seine Schule im Vorpostendienste gemacht, und sich hier einen 
seltenen Scharfblick in Benutzung des Bodens, Beurtheilung des Gegners und 
Wahl des sichersten Weges zum Erfolge erworben. Immer bedacht das Blut seiner 
Soldaten zu schonen und jeden Schlachtplan aorgiich erwägend, handelte er bei 
der Ausführung rasch, oft mit Ungestüm. Das für ihn so rühmliche Gefecht von 
Modena ausgenommen, hat er kein Treffen verloren, in welchem er selbstständig 
befehligte. 

Liechtenstein, Aloys Oonzaga Fürst von, Feldzeugmeister, Ritter dB»' 
goldenen Vliessea, Inhaber des 12. Infanterie -Regiments, Bruder des Fürstes 
Moritz (s. d,) und jüngster Sohn des Feldmarscballs Fürsten Karl Joseph, w« 
zu Wien am 1- April 1780 geboren. Fürst Aloys zählte zu den ausgezeichnetgten 
Generalen seiner Zeit. — ,Er hat aus jeder Schlacht — sich eine neue Wunde und' 
neuen Ruhm gebracht", sagt ein vaterländischer Dichter mit vollem Rechte. 

Schon in den ersten französischen Kriegen entwickelte der Fürst die glän- 
zendste persönliche Tapferkeit und Umsicht, die sich in den folgenden Feldzügen 
in so hohen Grade steigerten, dass ihm sowohl von seinem eigenen Monarchen 
als auch von vielen auswärtigen Souveränen die ehrenvollsten Anerkennungen ZH' 



851 

Tbeil wurden. Mit 18 Jahren erhielt er eine Untcriieutenantsatelle bei Lacy- 
bkDteiie und kam mit dem Rogimente zur Armee nach DeutsohiaDd, Die Schlacht 
beiOsteracb war seine Feuertaufe, das Gefecht bei Pfun gen (28. Mai 1799) 
•ber die erste Gelegenheit, den diesem erlauchlcn Geachlechte angebornen Muth 
itf uugezeichnete Weise zu erproben. Mit einer Division des Regiments vei-thei- 
£gle der Fürst, damals Hauptmann, den anvertrauten Posten nicht nur mit aller 
Suadiuftigkeit, sondern trieb auch die Feinde über den Berg hinab. Das Gefecht 
wn so mörderisch, dass des Fürsten Division 2 Officiere todt und 3 verwundet 
tiUte. 

Die Ernennung zum Major und bald darnach zum Oberst-Lieutenant bei Man- 
fredinj -Infanterie (Jänner I801J war eine wohlverdiente. Im letzteren Jahre stand 
ier Fürst im Corps des Feldmarschall-Lieutenants Fürsten zu Reuss, der seinen 
Ciüer und seine Tapferkeit nicht genug zu rühmen vermochte. Im Gefechte bei 
Sebongau erhielt Fürst Liechtenstein gleich anfangs zwei Blcssuren, blieb 
aber, nachdem er sich hatte verbinden lassen, bei der Truppe, wodurch auch der 
Poeten nüt einigem Vortheil behauptet wurde. Am zweiten Tage griff der Feind 
Abenuals mit Übermacht an, der Fürst war ungeachtet seiner Blessur einer der 
Enten m Pferde und im AngritFe, wurde aber zum dritten Male so schwer verwun- 
d»w er lange Zeit zur gUnzliehen Herstellung nöthig hatte. Dieses rühmliche 
B wtjwel, die Tmppe nicht zu verlassen und immer an ihrer Seite -zu bleiben, da 
ff doch als schwer verwundet sich jedes Antheils entschlagen konnte, bestimmte 
den £ncberzog Karl sich für den tapfern Fürsten um das Ritterkreuz zu ver- 
«enden, weiches ihm auch im Capitel (August 1801) zuerkannt wm-dc. 

Im J«hre 1805 zum Obersten befördert, theilte der Fürst, mit dem Regimente 
der Brigade Weidenfeldbei der Armee in Deutschland zugewiesen, die Mühselig- 
en und L'DglUcksfalle dieses Feldzuges und betrat im Jahre 1809 als General- 
Xajornnd Commandant einer Brigade im 3. Armeecorps den Kriegsschauplatz in 
denelben Gegend. Dieses vom Feldmarschall-Lieutonant Prinzen zuHobenzollern 
gtfBkrle Corps wurde hei Hausen am 19. April mit dem überlegenen Feinde 
nter Davoust engagirt. Der Commandirende und seine Generale Lusignan 
(& d.), St. Julien and Alojs Liechtenstein befanden sich immer an der 
Spttxc der verschiedenen Angriffe, die, obgleich mit der grössten Tapferkeit 
■■lemotnineaT fruchtlos blieben. Da gewahrte der Fürst , dass die Franzosen seit- 
«irU der Wald«pitze oberhalb Hausen, welche man immer ohne Erfolg angriff, 
liw! Linie lufanterie aufgestellt hatten, die sich an dem Walde befand und den 
BatailtoDen, welche den Eingang in denselben vertbeidigten, die Flanke deckte. 
Der Fürst glaubte, dass die Vertreibung dieser Infanterie vielleicht eher zum 
Zwecke fULren würde, eilt zum Regimente Würzhurg, nimmt eine Fahne in 
lue Hsod, ond setzt sich an dessen Spitze, feuert durcb sein heldenmüthiges Beispiel 
Ü» Tapfo-keit der Soldaten an, und rückt im Sturm, ohne einen Schuss zu tbun, 




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gegen die feindliche Infanteiie vor. Der Angriff erfolgt mit Naohdriick, der Feind 
wird geworfen; in dem Walde aber finden unsere Truppen einen ao liartnäckigeo 
Widerstand, dass es ausser ihren Kräften liegt ■weiter zu kommen. Es entspinnt 
sich ein mörderisches Feuer, und der General Fürst Aloys Liechtenstein, 
Ton mehreren Kugeln getroffen, erhält einen Schuaa ins Bein, der ihn sinken 
und den Kampfplatz verlassen macht. In der nämlichen Affaire wurde auch sein 
Bruder, General-Major Fürst Moritz, jedoch nicht so bedenklich verwundet, 
beide liesen sich nach Wien bringen, um da ihre Genesung abzuwarten. 

Indess waren die Franzosen gegen die Hauptstadt gerückt, Fürst Moritz, 
der sich von der Verwundung bereits erholt hatte, eilte der Hauptarmee nach, 
während Aloys, in der Genesung langsam fortschreitend, Gefangener der Fran- 
zosen wurde. Doch selbst der Feind ehrte den muthigen und tapferen Krieger, 
und der Fürst hatte dieses Unglück nur der Form nach kennen gelernt; denn 
Napoloon's Generäle beeilton sich, ihm ihre Hochachtung auf dem Kranken- 
lager in der Teinfaltstrassc persönlich zu bezeugen. 

Kaiser Fran z zierte die Brust des unerschrockenen Soldaten für die Tapfer- 
keit bei Hausen mit dem Commandeurkreuzc ausser Capitel, indem er ihm 
die Decoratian am 6. Mai persönlich übergab, und verlieh ihm das 12. Infanterie- 
Regiment. Um diese Zeit zäliJte der Fürst erst 29 Jahre, und doch hatte er sich 
schon als Feldherr und Krieger einen ruhmvollen Namen gemacht, der im Feld- 
zuge 1812, in welchem er unter Feldmarschatl-Lieutenant Bianchi eine Brigade 
eommandiite, und im Gefechte bciPloska am 8. October wieder verwundet wnrdc, 
dann in den Befreiungskämpfen bis zur Bewunderung sich steigerte. 

Mit seinem Hcldenbruder Moritz repräsentirte er in dieser letzteren Zeit die 
wahre Verklärung von Österreichs kriegerischem Ritterthume; er commandirto 
eine Division bei dem linken Flügel der grossen Armee unter Feldzeugmeister 
Gyulay. In der Schlacht bei Dresden hatte nur des Fürsten grosse Einsicht und 
Unerschrockenheit unseren linken Flügel vor der schwebenden Gefahr der gänz- 
lichen Niederlage zu retten vermocht, und wie in allen Gelegenheiten, wo es das 
Höchste galt, der Fürst sein Leben einzusetzen pflegte, war es auch ati diesem Tage, 
als er sich an der Spitze eines Bataillons des Infanterie-Regiments Wenzel 
Colloredo stellte und mit dem Bajonete den Feind aus Rossthal herauswarf. Seine 
Bravour scheiterte an den immer erneuerten Angriffen der Franzosen, die zuletzt 
imEesitze desDorfes blieben. Das siegreiche Gefecht bei Arbesau (17. September) 
unter Colloredo erregte allgemeine Bewunderung, und noch in derselben Nacht 
übersendete Kaiser Alexander dem Fürsten einen goldenen mit Brillanten 
gezierten Degen der Tapferkeit und kurz darauf nach der Schlacht von Leipzig, 
in welcher der Fürst am 16. October nach der Gefangennahme des Generals 
der Cavallerie Grafen Mervoldt bei Konnowitz den Befehl des 2. Corps Über- 
nahm und mit gewohnter Auszeichnung kämpfte, den St. Georgs-Orden 3. Classe. 




Im Treffen bei Hochheim (9. November) griff der Fürst die Division MoiranJ 
saf dem linken Flügel an, und zwang sie mehrere noch mcbt vollendete Veracban- 
mungen za verlassen und den Rückzug anzutreten; dann ging er im Deeember bei 
Basel über den Rhein, nahm an dem Ufer der Doub Stellung, traf am 1. Jänner 
1814 vor dem Fort Joux ein, übergab dessen Einschlieaaung dem Obersten Lei- 
nt n gen und eilte zur Belagerung von Besan^oRj wozu ihm die Brigaden Coburg 
Bod Beck, die Grenadier-Brigade Weigl und das Kürassier-Regiment Erzherzog 
Fr»nz überwiesen wurden. Ä.m 23. Jänner vom General Mich au d auf der 
StTksso von Marre angegriffen , schlug er ihn wiederholt zuriicii und nahm ihm 
■viele Gefangene ab. Der König von Preussen zeichnete den Fürsten mit dem rotben 
Adler-Orden 1. Classe aus. 

Die Blockade von Besan^on war, dem thEtigen Commandanten des Platzes 
General Marulaz gegenüber, eine schwierige und endete erst durch denllmschwung 
der Dinge in Folge der Schlacht von Paris. Der Fürst hatte mehrere Ausfälle abzu- 
tehlagen. Einer der blutigsten erfolgte am 3. März mit 1800 Mann in jener Zeit, 
wo des Fürsten Truppe durch Absendungen zm- Süd -Armee bedeutend verringert 
wde; tmterstützt von dem seh^weren Geschütze der Festung, wurden unsere viel 
•dtwXcberen Vortnippen zurückgedrängt, und der Feind richtete hienüchst seinen 
Angriff gegen den Posten von Trob- Chapellea und von Chapellc des Puits. Tapfer 
videntanden die Unarigen, und als endlich Verstärkungen anlangten, wurde der 
Feind mit Nachdruck angegriffen und in den Platz geworfen. Eine kritische Periode 
ftr den Fürsten trat ein, als Napoleon über St. Dizier vordrang und man all- 
gtmtia anoabin er werde Besamjon entsetzen und sich mit Augcreau vereinigen. 
ScIuieU war dies in der Gegend bekannt, dos Landvolk bewalfuete sich, aber der 

toll«f 80 zweckmässige Gegenanstalten, dass die am 31. März und 1. April 
Mb kräftigen Ausfälle mit Verlust abgeschlagen wurden, 
Pttrst A I o y 8 war mit ganzer Seele Soldat und seinen Untergebenen der 
mUwoItendHte Vorgesetzte, in der langen Friedensepoche erlangte er eine Ehreu- 
ftifi! nm die andere; er ward ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter 
ICmcter des Johannitcr-Ordens am k. k. Hofe, commandirender General vorerst in 
Vlhren, dann in Böhmen, Feldzougmeister und Rilter des goldenen Vliesses. 

Rahrend bleibt der Vorgang bei seiner Aufnahme in diesen hohen Orden, wo 
die Ritler au* den HSnden des Grossmcistera denselben kniend zu empfangen 
babeo. Aoeb Füi-st Aloys vorsuchte sein Knie zu beugen, — doch die vielen 
ichvtven Wunden vermochten nicht diese demuthsvolle Huldigung zu gestatten: 
.Wer so wie Du im Kampfe den Tod in'a Aug' gesehn, der kann vor seinem 
Kaiier und Herren aufrecht steh'n," konnte ein vaterländischer Dichter mit vollem 
Bedite sagen. 

Pfirrt Alcys verschied zu Prag am 4. November 1833, innig betrauert von ■ 
«nen Kaiser und von dem Heere. Bis zum letzten Athemzugc hatte er die umfang- 



reichen Obliegenheiten eines Commandirenden versehen und einAugenzeuge berich- 
tet hierüber: „An einem seit dem Monate Mai anhaltenden Zehrfieber leidend, 
dem die Wassersucht folgte, hatte der ritterliche Fürst bis zum Sterbetage den 
Commandostab nicht aus der Hand gegeben, alle wichtigen Gegenstände selbst 
unterzeichnet und noch am 4. um 1 1 Uhr Vormittags um die Garni so ns- Spitaltost 
gesendet, diese geprüft und die Suppe bemängelt; um 2 Uhr Nachmittags erhielt 
er die letzte Ölung, und anderthalb Stunden darnach ward die Heldenseele aus- 
gehaucht. " 



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HULEK, Jobann Freiherr von, Feldzeogmeister, commandirender General 
in Galizien, geheimer Kath, Inhaber des Infanterie-ßgiments Nr. 53, war zu 
Brody 1748 geboren und trat 15 Jahre alt als Cadet in das S. Infanterie-Regiment. 
Im 20. Lebensjahre wai'd er Unterlieutenant bei Württemberg-Dragoner Nr. 3, kam 
in gleicher Eigenschaft zum 35. Infanterie -Regimcnte und wurde 1774 Capitän- 
Lieutenant bei den Warasdincr Kreuzern. Im December 1783 zum Major beför- 
dert, führte Hiller, als der Krieg mit Holland auszubrechen drohte, ein 
Bataillon nach Deutschland und wurde bei der Rücktebr in die Grenze mit der 
Aufsicht über die Seidenfabrik in Bellowar betraut. 

Gleich hei Beginn des Türkenkrieges legte Hiller glänzende Beweise seiner 
Talente und Tapferkeit ab, und avancirte im August 1788 zum Oberat-Lieutenant- 
Seiu persönlicher Mutb und seine Umsicht erwarben ihm in diesem Feldzuge das 
Ritterkreuz, welches ihm London im November desselben Jahres an die Brust 
heftete. Es war diesem braven Ofßcier daaCommando der 11 Stunden langen Strecke 
von Divussa bis Ciubina, wovon die Hälfte am trockenen Cordon gegen die beiden 
türkischen Festungen Novi und Ottoka, zur Deckung des rechten Flügels der Bri- 
gade Kleb eck (a. d.) übertragen und überlassen sich nach Um ständen zu benehmen, 
eine Aufgabe, die er auf das Itübmllcbste löste, indem er durch 7 Monate nur mit 
wenigen Truppen nicht allein jeden Versuch des weit überlegenen Feindes, in 
unser Gebiet einzufallen, vereitelte und namentlich am 27. Juli einen türkischer- 
seils unternommenen kühnen Angriff nachdrücklichst zurückschlug, sondern auch 
am 12. August die feindliche Position bei Novi ganz unvermuihet überfiel und 
den Muslims beträchtlichen Schaden zufügte. Bei dem Sturme auf Novi (3. Octo- 
ber) eommandirte Hiller die mittlere Colonne, erstieg die Bresche und mun- 
terte die Grenzer durch sein Beispiel zur Ausdauer auf, was denn auch die Behaup- 
tung der Courtine zur Folge hatte. 

Die Einnahme von B er b i r (1789), wo H i 1 1 e r's Name unter den Gerühmtesten 
genannt wurde, verschaffte ihm das Obersten - Patent. Im August desselben JahrcB 
wurde er von London, dessen Zutrauen er sieh erworben halte, mit dem Operations- 
plane an den Kaiser nach Wien gesendet und kehrte dann zur Armee zurück, um 
bei Belgrad neuen Ruhm zu ernten. 1792 ertheilten ihm Ungarns Stände, nachdem 




855 

er schoD 3 Jahre ErUhor in den Freiheirostand erhoben worden war, das Indigcnat, 
und Kaiser Leopold IL, der Hiller im Jänner desselben Jahres zum Äsaeseor 
der «ageordneten Militär -Verbosserungs-Commission aueerwählte, gab ihm einen 
OeluUtssuschuss jährlicher 750 fl. aus dem Cameralfonde. 

Zum General-Major 1 794 befördert, wurde Hill er General-KriegBCommissär 
bei der Armee in Italien, dann übernahm er 1796 eine Brigade am Rhein. Ge- 
«chwächte Gesundheit nöthigte ihn Torilbergehend in den Ruhestand zu treten, 
doch mirde er schon im Juli 1798 bei der Armee am Lech, 1799 aber in der 
Sebweiz Terwendet, wo er bei Zürich focht und verwundet wurde. Noch im 
September desselben Jahres erfolgte Hiller's Beförderung zum Fcldmarschall- 
Lieutenant, mit welcher im darauffolgenden Jahre ein Corps - Commando ira nürd- 
Urhen Tirol verbunden war. 

Nach beendigtem Kriege 1801 erhielt Hiller eine Division in Agram und 
die xweite Inbabcrstelle des 2. Infanterie- Regiments (welche er 1814 mit der ersten 
InhAherstcIle des 53. Infanterie-Regiments vertauschte), kam bald darnach als MilitSr- 
Catnmandaat nach Innsbruck, und wuide bei Ausbruch des Krieges Im Jahre 18ü5 
Dut deru Commando im südlichen Tirol betraut. Hatte er hier Gelegenheit gefunden 
dieses Yertraaon seines Monarchen zu rechtfertigen, so verschaffte ihm das Jahr 1 809 
d«a Rnf eines der ausgezeichnetsten Generale der Armee. Von Agram, wo er seit 
ISÜt als Comniandirender mit gleichzeitiger Einennung eines geheimen Rathes 
Ugutellt war, zur Armee nach Deutschland berufen, wurde Hiller Conuuandant 
dea6.Carps, welches 31 Bataillone und 24 Schwadronen stark im Lande ob der Enns 
tu den bmyeriichen Marken stand, iVm 10. April rückte er gegen Landshut, übernahm 
den Oberbcfelil über die 3 Corps des linken Flügels, niimlicb das 5. (Erzherzog 
Ludwig), das 6., dann das 2, Reserve - Corps (General Kienmayer), zusammen 
M BttaiUono, 64 Schwadronen. Diese Truppen hatten eine drei Meilen ausgedehnte 
Blelha^ inne, während Napoleon ihnen concentrirt bei Abensberg gegenüber- 
tUai. Der Erzherzog Karl stand an diesem Tage mit den 3 anderen Corps der 
Amee in Regensburg, Napoleon beschloss die Österreichische Armee zu trennen 
oad eiazeln eu schlagen, und während er den rechten österreichischen Flügel unter 
ita Generalissimus beschäftigen Hess, griff er am 20. den General Hiller in 
mer aiuigedchnten Stellung an und drängte ihn nach grossem Verluste bis nach 
Landahot zurück. Hiedurch, so wie durch die Schlacht von Eckmühl war 
£t fctarreichiache Armee getrennt. Zwar schlug lüller bei Neumarkt auf 
MÜam Bückzuge die Divisionen Wrede, ^olitorund Oudinot unter dem Ober- 
befehle Beasi^res, und diängte sie bis Vüsburg zurück, doch konnte dieser Sieg 
den notbwendigea Rückzug nach der Donau nicht aufhalten, und Ililler führte die 
Sun antergegobenen Corps vom 25. April bis 3. Mai über Burgbausen nach Linz, 
nn da nach Ebelsberg. Hier widerstand er am 3. Mai den heftigen AngriftVn 
dir F nuiaogeo; allein die von Nap oleon gegen ihn geleiteten Umgehungen 





^^^ Con 

Hl. 



QÖthigten Hiller seine Stellung zu verlassen, und sich nach Enns, von hier 
am 8, Mai bei Mautern auf das ünte Ufer der Donau zurückzuzieheii. Am 13. Mai, 
dem Tage der Capitalation von Wien, bestand er noch in der Jedlerseer Aue ein 
Gefecht gegen L a n n c s , zog darauf die Besatzung von Wien bei Stammersdorf an 
sich, und vereinigte sich am 16. Mai am Fusse des Bisambei-ges mit dem Erzherzoge 
Karl. Die Schlacht von Aspern hat Hiller's Namen zu den gefeiertesten erho- 
ben; hier führte er die erste Colonne (6. Corps) gegen Aspern vor, welches 
Magsena hartnäckig vertheidigte, jedoch nach mehrmals wiederholten Stürmen 
den Österreichern überlassen musste. Hiller liess die Mauern des Kirchhofes 
abbrechen und erschwerte so den Franzosen den Sturm desselben, und als er ihnen 
am Morgen des 22. den Kirchhof überlassen njusste, fanden sie keinen Schutz 
unter den Trümmern. Neun Male war an diesem Tage Aspern erstürmt und wieder 
genommen. Als der Sieg sich auf die Seite der Österreicher neigte, Napoleon 
die Lohaubrücke nicht herzustellen vennochte, erbot sich Hiller die Lobanbrücke 
anzugreifen und so den Sieg vollständig zu machen; der geraachte Vorschlag 
wurde jedoch vom Erzherzoge nicht genehmigt. Für das ausgezeichnete Wirken 
in dieser Schlacht erhielt Hiller ein Staatsgut als Belohnung und wurde zum 
Feldzengmeister erhoben. Das Commandeurkreuz hatte ihm der Kaiser gleich 
nach dem bekannt gewordenen Siege bei Neu markt am 5. Mai persönlich über- 
geben. Eine plützlichc Erkrankung vorhinderte Hillor an der Schlachtvon Wagram 
Theil zu nehmen. 

Nach ausgetobtem Kampfe kehrte er in sein Generalat nach Agram zurück 
und erhielt im November 1811 jenes in Slavonien. Im Jahre 1813 befehligte 
Hiiler das Heer von Inneriisterreich , später die Armee von Italien genannt; sie 
zahlte in einer Cavallerie- und 6 schwachen Infanterie - Divisionen 40,000 Mann 
mit 120 Geschützen, während der Vicekönig Eugen ihm 57,U00 Mann mit 130 
Geschützen entgegenstellen konnte. Hill er hatte die Weisung, Illyrien zu erobern 
und dann gegen den Vicekünig vorzudringen, sich aber möglichst defensive zu 
halten. Am 17. August erliess er an die Armee, die ihm kindlich zugethan war, 
einen kräftigen Aufruf, drang von Klagenfurf aus durch Illyrien und Tirol vor, 
vertrieb am 7. October den Feind aus der festen Stellung hei Tarvis, nahm am 
12. November sein Hauptquartier zu Vieenza und drängte den Vicekönig bia 
Verona zurück, so dass alles Land rechts bis an den Po und links an der Etsth 
hinab bis an die See befreit war. Die illyrischen Provinzen hatte Hillor allein 
durch seine meisterhaften strategischen Bewegungen befreit, dennoch sclucncn 
diese Fortschritte nicht befriedigend, da er am 13. December an den Feldmai-schall 
Grafen Bellcgarde den Oberbefehl der Heere übergeben musste. Der rast- 
lose General ging erkrankt von der Armee ab. 

Im Jahre 1814 wurde Hiller erst in Siebenbürgen, dann in Galizien zum 
Commandirendon ernannt Die Stünde Kämthens, Steiermarks und jene Tirols 



857 

«TuutDlen ihn aus Dankbarkeit für die Beschützung ihrer Länder vor feindlicher 
Verwüstung xvm Mitstand, Herrn und Landmann. Nur kurz war Hiller's Wir- 
ken in Galizien, wo er sich aber trotzdem bald die Liebe zu erwerben wuaste, 
denn eine schmerzhafte neunmonatliche Krankheit rief ihn schon am 5, Juni 1819 
in eine bessere Welt ab. Die sterbliche Hülle, -welche auf sein Gut nach Ungarn 
pcfiihrt werden sollte, wurde auf besonderes Ansuchen der Stände Galiziena in 
Lrmbcrg beigesetzt und durch ein würdiges Denkmal geweiht. Hiller war ein 
edler Charakter; in entscheidenden und wichtigen Gelegenheiten erwies er sich 
nJüg-. besonnen, klar, und behielt unter allen Verltültnissen seine Geistesgegenwart. 
Er war kühn, umsichtig und tapfer, und genoss das volle Vertrauen seiner Soldaten, 
für die er wahrhaft väterlich sorgte, gegründet auf seine meistens gelungenen 
Ca t eraehmonge n. 

RABETZKY deRidetz, Joseph Graf, Feldmarschall-Lieutenant, im Capitel 
Tom Jalire 1810 für Wels dos Commandeurkreuz erhalten, ward bereits im 
Jalire 1601 Bitter und wurde 1848 fUr Custozza Grosskreuz (s. d.). 

FBIHONT von Palota, Johann Maria Graf, Fürst von Antrodocco, 
G«aenl der Cavallerie, Hofkriegsraths-PrUsident, geheimer Rath, Inhaber des 
9. Hnaaren- Regiments, war am 3. Janner 1759 zu Finstringon iu Deutscli- 
Lftkringen geboren und stanunte aus einem ansehnlichen adeligen Geschlechte 
Uta» Landes. Sein Vater, Dominique de Frimont, verliess als Major Im 
iUf^meolo Rougrave die königlichen französischen Kriegsdienste und starb 
1766 als Gouverneur der Intendenz zu Ftnstringen. Zum Soldaten bestimmt, 
«vde Frimont in das Collegium Pont « Mousson gegeben, wo er seine erste 
nlittriscke Erziehung erhielt. Am 7. April 1776 trat Frimont als Gemeiner bei 
iitn Htuarcn-Regimcnte Wurmser Nr. 8 ein, und rUckte das nächste Jahr zum 
Cotporal vor. 

Sebo« im bayerischen Erbfolgekriege 1778 gab er die ersten Proben seiner 
UltlilQtigen Tapferkeit, die ihn in späterer i^eit so sehr auszeichnete, und avan- 
mteim ersten Fcldznge zum Untcriieiilenant. Beim Ausbruche der Scheldeslreitig- 
Uten 1784 wurde Frimont nach den Niederlanden verlegt, wo er die Zeit des 
*nu einfurinigen Garnisnnslehens der Erlernung seiner Berufspflichlen und der 
Auliildnng zo einer höheren Bestimmung widmete. Am 1. Jänner 1787 zum 
Oberlientenont und im April 1788, in Anbeirncht seiner im Kampfe gegen die 
Türken 1788 bewiesenen Kühnheit und Tapferkeit, zum zweiten Rittmeister beför- 
iat, tLat er «ich vorzüglich im Gefechte bei Gosne am 6. August 1790, bei der 
fÜnnalime von Xamur am 26. März 1793, vor Maubouge im April dieses 
Jtkrea^ bei N c u f c h ä t c a u am 16. April 1794, in der Schlacht von Fleurus am 
19- Jtmi dieses Jahres durch grosse Entschlossenheit uad Gewandtheit liervor, so 



858 



dass scia Name in vielen Relationen aiif das Rülimlichste genannt und er am 
1. November zum ersten Rittmeister befördert wurde. Zu Anfang des Jahres 1795 
befand sich Primont unterCIerfayt'sBefelilen zu Mainz, Pichegru gegenüber, 
und später am Oberrhein. In dem glänzenden Treffen bei Mannheim am 18, Octo- 
ber halte Primont an dieser ruhmvollen Waffenthat grossen persönlichen Antheil. 
Einige Tage darnach (12. November) erkämpfte er sich bei Frankenthal das 
Ritterkreuz. Der Feind unternahm hier einen Hauptangriff und zog, um unsere 
rechte Flanke zu gewinnen, eine ansehnliche Cavallerie- Abtheilung bei Flomers- 
hcim vollkommen gedeckt zusammen, welche eine rasche Attaque auf unsere beim 
Sieben -Bauernhof mit einer Kanone postirte Cavallerie -Division machte. Diese 
wurde geworfen und verlor das Geschütz. Frimont, noch bei Frankcnthal im 
Lager stehend, eilte aus freiem Antriebe mit seiner Schwadron dem Feinde entge- 
gen , warf sich muthvoll in desaen rechte Flanke und zwang ihn zum Rückzuge 
und seine Beute zu verlassen. Durch diese tapfere That bewirkte Frimont, daaa 
unser rechter Flügel sichergestellt wurde, die Cavallerie in der Ebene sich for- 
miren und zur Vertheidigung und Erhaltung des wichtigen Postens vonFranken- 
t b a 1 wieder mitwirken konnte. 

Am 1. März 1796 wurde Frimont Major bei dem croatisch-slavonischen 
Grenz-IIusaren-llegimente. Schnell avancirte er zum ersten Major, am 29. April 
1797 zum Oberst-Lieutenant, ein Jahr darnach zum Obersten und Commandanten 
des neu errichteten Jäger-RegimentsBussy zu Pferde. Im Feldzuge 1799 befand 
sich Frimont an der Spitze Beines neu errichteten Regiments in Italien. Die im 
südlichen Italien ansgcbrochenen Unruhen hatten gerade den hücbsten Grad 
erreicht, als Frimont das Commando in Florenz übernahm, wo es seinen zweck- 
mässigen und energischen Anordnungen gelang, schnell Ruhe und Ordnung wieder 
herzustellen. Im September hierauf wurde er zur Hauptarmee zurückberufen, und 
nun nahm er an den meisten Gefechten den thätigsten Anibeil. Kühn und ent- 
schlossen zeigte sichFrimont im Jahre 1800 im Kriege gegen die Franzosen unter 
Massena, wo er während der Dauer der Einschliessung Genua's als Brigadier 
bei der Division des Prinzen Hobenzollern war. Hier bewährte er seine oft 
erprobten Eigenschaften als ein schlauer und unternehmender Vorposten-Comman- 
dant. Am 4. Juni fiel Genua, vor dessen Mauern sichFrimont mit Ruhm bedeckt 
hatte. Am 14. Juni desselben Jahres kam es bei Marengo zur entscheid enden 
Schlacht, wobei Frimont einen glänzenden Angriff ausfüiirle, der die glückliche 
Wendung des Kampfes entschieden haben wüjde, hätten nicht spätere UnfWIe die 
Folgen dieses wahrhaft beidenmütbigen Angriffs vernichtet. Frimont bewies in 
dieser Schlacht die Scbätfe seines mlb'tärischen Blickes, und Melas bemerkte in 
der Relation, wie er gesammtc Generale und OfSciere der Infanterie und beson- 
ders den tapfern Oberst Frimont und Major Degenfei d (s. d.) vonBussy-Jägem, 
die mit diesem unvergleichlichen Regimente alles Menschenmögliche geleistet haben, 




859 

iler AlWhöchsten Gn&de Seiner Majestät anempfeMe. Beim Wiederausbiniclie der 
FeiniUcligkeitea in Italien zeichnete er sich in der blutigen Schlacht an den Ufern 
des Hinein gegen den französischen Obergeneral Brune auf das Rühmlichste 
ans, und ward am 9. Jänner zum Geneial -Major befordert. 

Xach dem Luneviller PVieden als Brigadier nach Debreczin bestimmt, blieb 
rr dort bis zum Jahie 18ÜÖ und wmde nach Italien berufen. In der Schlacht bei 
Caldiero erwähnte der Erzherzog Karl Frimont'a personliehe Tapferkeit und 
s«in ruhmTollstes Beispiel. Während der daiauf erfolgten kurzen Waffenruhe war 
Frimont als Brigadier theila in Güns, theils in Odenburg, tbeiis in FUnfkirchen 
aogestcUr. Am 9. Mai 1806 wurde er wegen seiner Auszeichnung im vorigen 
Feldzuge mm Inhaber des Husaren-Regiments Nr. 9 ernannt, und am 25. Mai des- 
i«lben Jahres in den österreichischen Freiherrnstand erhoben. 

Im Feldsuge 1809, seit Februar zum Fei dmarsch all -Lieutenant befördert, 
befand sieh F rimont abermals bei der Armee in Italien, und that sich besonders 
am 15. April bei Pordenone, wo er die feindliche Nachhut (4 Bataillone, 
f> S<'hwadroaen nnd 4 Geschütze) umringte und gefangen nahm, und bei Sacile 
US darauffolgenden Tage hervor, wo er mit der Vorhut mit seltener Standhaftig- 
kal bei Pontia allen Übermächtigen Angriffen des Feindes widerstand, bis Collo- 
redo zHseincrUntcrstützungherbeieilte. Fr imontjim Angriff kühn und ungestüm, 
enlvickdte in der Verthoidigung unerschütterliche Standhaftigkeit. Dies bewies 
er in den Bücksogsget'echten , namentlich in den Treffen an der Piave (8. Mai), 
hei San Daniele (II. Mai) U. a. w. Das Commandeurkreuz ausser Capitel 
ww der Lohn für seine bewiesene Tapferkeit in diesem Feldzuge. 

Bei dem AnxilJar-Corps im Jahre 1812 befehligte Frimont eine die Reserve 
bildende UaTaüene-Division, und sammelte sich in diesem schweren und mit unge- 
hcoreo Entbehrungen verbundenen Feldzuge, besonders in der Schlacht bei 
Padnhnie und im Gefechte von Gnidowa neue Lorbern. Der Kaiser belohnte 
■hacn 27. Juli mit dem Commandeurkreuze des Leopold-Ordens. Am 
ILOctobcr 1813 zum General der Cavallcrie befördert, erhielt er den Befehl, 
du iMcrreicIu*che Corps, welches vereint mit den bayerischen Truppen unter 
^Oberbefehle Wrede's nunmehr das 5. Armeecorps des grossen verbünde- 
inHecra bildete, zu übcmelmicn. Am 5. Jänner 1614 drang er gegen Schlett- 
<tad( Tor, k«n am 2t). dieses Monats nach Clermont, und verdiente in der Schlacht 
W Brienne einen schönen Thcil der Ehre des Tages, Auf eine glänzende Weise 
Bicbte er seine militärischen Kenntnisse in einem Hcilergefeehte bei Ar eis am 
Sq. WLn gellend. Eim'gc Tage später nahm er die Ilöhcn von Flebillcr noch 
Abends am II Uhr ein. 

Nachhergesielltem Frieden ward Frimont zum Gnuverneurder Bundesfestung 
Uaint ernannt, wo er bis zum Wiedernusbruehe der FeindseUgkeiten 1815 blieb. 
Napoleoa'a Aufbrach von Klba und sein Wiodorerscheinen zwang Österreich 



860 



b 



darauf zu Jenken, einen unternelim enden energischen Mann nach Italien zu senden, 
derdeninneraundäuasernFeiniicDdesLandesunersclirocken die Stirn bieten könne. 
Der Kaiser, diese Eigenschaft an Frimont ehrend, berief ihn am 12. Mürz 1815 
von Mainz nach Wien. Am 2. April ward er zum Oberbefehlshaber aller in Dal- 
matjen und Oberitalien befindlichen österreichischen Streitkräfte ernannt. Bald darauf 
ward Murat von Feldmarschall-Lieutenant Bianchi gänzlich geschlagen. Fri- 
mont wnrnun rastlos bemüht, daagegenSüd-Frankreich bestimmte Heer zuorganl- 
siren ; das Hauptheer unter seiner persünJichen Leitung sollte so rasch als möglich 
über den Simplon geben, dann gegen Lyon oporiren ; allein um die Feinde glauben 
zu machen, das Heer bewege sich über den Mont Cenis, begab sichFrimont nach 
Turin. Wirklich tauschte er dadui-ch seinen Gegner, den Marschall Suchet, und 
gewann Zeit den Marsch seiner Colonnen über den Simplon zu beschleunigen. 
Bei der Nachricht von der Schlacht bei Waterloo und dem Untergänge vonNapo- 
leon's Heer, schlug Suchet einen Waffenstillstand vor; da aber der Marschall in 
die von Frimont gemachten Vorschlüge nicht willigte, begannen die Feindselig- 
keiten von Neuem, und schon am Morgen des 2. Juli gab Frimont Befehl, die 
Verschanzungen des Jura bei les Rousses anzugreifen; am 4. Juli ward die Berg- 
feste l'Ecluse eingeschlossen. Einerseits von Frimont, andererseits von Bnbna 
in einer Reihe einzelner Gefechte gedrängt, in welchen von beiden Seiten tapfer 
gekämpft wurde, blieb Suchet nichts übrig, als schneller Rückzug. Am 8. Juli 
ward Grenoble mit Capitulation genommen, und am 16. d, M, öffnete Lyon dem 
Sieger die Thore. In einem Zeiträume von viorthalb Monaten hatte die itulienischc 
Armee unter F r im o n t's Leitung Mn r a t besiegt, war über einen derhöchsten Berge 
Europa's gedrungen und ihre Operationen erstrockten sich von der anstossenden 
Spitze Italiens bis Lyon, Der Kaiser belohnte diese Dienstleistungen mit dem 
Grosskreuze des Leopold-Ordens, nachdem Frimont schon früher die 
geheime Katbswürde erhalten hatte. 

Hierauf wurde er zum Commandanten des österreichischen Occupations- 
Corps ernannt und nahm sein Haupt ijuartier in Colmar, wo er bis 1818 blieb, 
Frankreichs Ruhe erlaubte nun die Auflösung dieses Corps; dankbare Erinnenin- 
gen der Einwohner begleiteten ihn, als er den Elsas verJiess, für die strenge DiscI- 
plin, die er bei seinen Truppen handhabte, für die Sorgfalt, mit der er die Lasten 
des Landes zu mildern suchte, die oft von einer militärischen Occupation unzer- 
trennlich sind. 

Der Kaiser hatte Frimont inzwischen zum eommandirenden General der 
i'cneti anlachen Provinzen berufen. Am 3. Februar 1819 trat er mit gewohnter 
Thätigkeit die Oberleitung dieser Stelle an. Beim Ausbruche der neapolitanischen 
Empörung wurde der kräftigen und erfahrenen Hand Frimont's die Organisirung 
eines mobilen Heeres am Po anvertraut, und am 13. Jänner 1821 erhielt er den 
01>erbefehi des österreichischen Heeres. Seiner Umsicht und Erfahrung gelang es, 



861 

den Krieg so schnell und gluckUob zu beenden, das» er schon am 24. Mai d. J. an 
der Spilzc seiner Truppe in Neapel eimückfe. Ruhe und Friede waren im ganzen 
EüDigreiehc hergestellt. Der Kaisci' übersandte Frimont, seine Yerdicnstc wiii'- 
digend, den Orden der eisernen Krone erster Ciasso. Der König beider 
Sicilico ertheiUe ihm den 1. December 1821 den Titel eines Fürsten von An- 
trodocco, and verband damit eine Dotation von 220,000 Ducati. Nach den Wün- 
■cbea des Königs selbst blieb ein ansehiJiches B es atzungs- Corps öaterreichisclier 
Tmppeu in Neapel und Stcilicn zurück, über welches Frimont den Oberbefehl 
fährt«. Die festere Gründung der Ituhe dieses Königreiches liess 1825 bereits eine 
Venniaderung des Oecupationshoeroa zu, und es blieb nur eine Abtheilung von 
13,000 Mann zurück. Mit dem Keste dieser Truppen verlJess Frimont dasKönig- 
reiek^ und übernahm wieder die Leitung seines General- Coramando 's in Padua, 
vXlirend jedoch das Corps von Neapel an seine Befehle angewiesen blieb. 

Der Kaiser hatte indessen die Vereinigung der beiden Geoeral-Commando'a 
in Lombardie und Venedigs beschlossen und Frimont am 14. Juni 1825 zum 
CommAftdirenden dieses vereinigten Gcneral-Comniando's ernannt. 1829 berief ihn 
der Kaiser nach Wien, um ilm an die Spitze einer Ilof-Commission zu stellen, die 
Heb mit organischen Verbesserungen der Kriegs-Y er waltung zu beschäftigen hatte. 
Bier befand sich Frimont, als im Juli 1830 die Revolution zu Paris ausbrach; die 
Rabe lUüeos schien besonders gefährdet, daher ward er wieder an die Spitze 
maea General -Comuiando 's nach Italien zurückgesendet. Am 3. Februar 1831 
ofaiclt Ejxherzog Franz IV,, Herzog von Modena, die Kunde, dass die Häupter 
der Verschworenen in der Nacht seinen Palast anzugreifen gedachten. Während 
die* ia Modvna vorging, brach auch der Sturm zu Bologna, Fcrrara und Parma 
US. Daron benachrichtigt, liess Frimont sogleich die Linie des Po stärker mit 
Tnppen besetzen. Inzwischen schlössen die aufrührerischen Städte und Provinzen 
rine Art ßündnlss anler einander, an dessen Spitze sich Bologna stellte. Der Kaiser 
vtbetlte Frinitint Befehl, seine Operationen gegen die Rebellen zu beeilen. Fri- 
■aat batle sirh am 20. März nach Modena begeben, um die Besetzung Bologna's 
• eigener Person zu leiten. Am 21. zog er an der Spitze seiner Truppen daselbst 
tia. Naebdem diese Empörung abermals bekämpft war, erhob ihn der Kaiser in 
^Grafeostand. 

Die gros» en Anstrengungen des Winters von 1830 bis 1831 hatten Fr imont's 
Genindbeil ntüclitig angegriffen. Er erhielt einen ibeimonatlichen Urlaub zur Her- 
DcUaoff derselben. Als er sich aber wieder an der SpitzeseinesGeneral-Commando's 
R Verona befand, raflte der Tod den Hofkriegsraths-Präsidenten Grafen Gyulay 
iiiäa. Des Kaisers Wahl fiel sogleich auf Frimont mittelst Ilandschieiben vom 
IJ. November 1831. Wenige Tage nach Erhalt dieses neuen Beweises des Ver- 
traaem nnd der Gnade seines Monarchen reiste er nach Wien ab. Kaum in 
Wiricnngskreis clngerülirt, erneuerte sieh der Anfall gichtischer Leiden, der 




i 



863 

ihn schon zu Mailand gefährdet hatte. Frimont starb am 26. Decembei* 1831. 
Seine Asche ruht in der von ihm auf seinem Gnte zu Palota bei Grosswardetn in 
der Form eines Armeekreuzes erbauten lürche, denn Alles, waa ihn umgab, sollte 
sich auf die Erinnerung an ein Heer beziehen , in dem or 56 Jahre lang so rühm- 
lich gedient. 

Fast alle Monarchen Europa's erkannten und ehrten Frimont's Verdienste, 
und gaben ihm Beweise ihrer Achtung durch die Verleiliung ihrer Orden. Der 
Graf hatte eine besondere Vorliebe für Ungarn; dieses Land war das Vaterland 
seiner Wahl geworden, er sprach dessen Sprache mit solcher Reinheit, die den 
Fremden in ihm nicht erkennen liesa. Die Natur hatte ihn mit seltenen Gaben aus- 
gerüstet, er sprach und achrieb mehrere Sprachen mit Vollkommenheit, sein Styl 
war einfach, aber energisch. Er bcsass grosse Verschwiegenheit und viele Feinheit, 
Es war nicht leicht, seine Ideen zu durchblicken, und seine Gewandtheit in manchen 
schwierigen Staatsgeschäften, die er mit Umsicht leitete, zeugte von seinen gedie- 
genen Kenntnissen. 



COLIOREDO-MANSFELD, Hieronymus Graf, Feldzeugmeister,geheimerRath 
und Kämmerer, Inhaber des 3'S. Infanterie -Regiments, der zweite Sohn des Reicha- 
Vicekanzlers Fürsten Gundaker, wurde am 30. März 1775 zu Wetzlar geboren. 
Sein überaus lebhafter Geist und kraftvoller Körper drängten ihn fiühzeitig zum 
Kriegerstande hin, und so trat er 1792 als Oherüeutenant in das Gefolge des Feld- 
zeugmeisters Clerfayt, welcher dem in die Champagne eindringenden Herzoge 
vonBraunschweig einHülfscorps aus den Niederlanden zuführte, ward 1793 Capi- 
tün - Lieutenant, erhielt das Commando einer Grenadier-Compagnie des Regiments 
Joseph Colloredo, wohnte der Belagerung und Einnahme von Cond^, dem 
Angriffe auf Cäsar s Lager zwischen Bouchain und Cambray, der Bcrennung von 
Dünkirchen bei, und gab schon hier Beweise grosser Tapferkeit. Bald darauf zum 
wirklichen Hauptmann mitBeibehaltung derGrenadier-Compagnie befördert, wurde 
der Graf in den Gefechten auf den Höhen von Tourcoing unter den Ausgezeich- 
neten genannt, und war unter der Besatzung von C o n d ^, als diese sich krtegsgefangen 
bis zur Auswechslung ergeben musste, aber nach dem Innern der kaiserlichen Staa- 
ten abziehen durfte. Gegen Kriegsgebrauch wurde Colloredo damals festgenom- 
men, als Geisel für die von Dumourioz verhafteten Volks-Commissäre erklärt, 
in Paris in harter Haft gehalten und sogar mit dem Tode bedroht, bis er durch List 
und Entschlossenheit entrann und glücklich in das Hauptquartier Clerfayt's am 
Rheine gelangte. Er kam hierauf als Commandant einer Compagnie zu dem Leib- 
Bataillon, und mit derselben für den Feldzug 1796 zu der Avantgarde des Feld- 
marschalls Wurmser. Bei einem Angriffe des Feindes auf die Bregenz er Klause 
(8. August) schwer verwundet, konnte er doch schon nach vier Monaten den Dienst 
in seinem Regimente mit der Beförderung zum dritten Major wieder versebMi. 




Im Jahre 1798 znm ersten Major bei dorn Infanterie-Rogimentc Nr. 60 vor- 
grröckt, hob Colloredo die Ausdauer der ihm »avertrauten Truppen bei der am 
27. Mai erfolgten Erklimmuog der beinahe unzugänglichen Höhe des Steiges über 
AVinterthur, behauptete sieb dort mit beispiellosem Miithe so lange bis ihm 
rntcrstützung zukam, stürzte sich sodann rasch auf den Feind herab , verjagte ihn 
Ton der Strasse, und erhielt dadurch die Brücke über die Ttias unbeschädigt, über 
velcbe die Reiterei zur Verfolgung nachsprengen konnte. Zur Belohnung erhielt 
Colloredo 1800 die Ernennung zum zweiten Obersten bei Olivier Wallis 
Nr. 39 , zu welchem Regimente er sofort an die obere Donau eilte. Auf seiner 
Durchreise durch Laupheim traf er das Corps des Prinzen von Lotbringen im 
Torrücken gegenKlcin-Schaffhausen, bot freiwillig seine Verwendung an, undfubrte 
ein Balwllon in den Wald hei Guttenzell mit solcher Entschlossenheit in die 
linke FUnke des Feindes vor, dass durch die Raschheit seiner Bewegung und das 
Beispiel setner persönlichen Eravour das Gefecht schnell entschieden wurde. 

Hierauf in die Stelle einesRegiments-CommandantenbeiErzherzogFerdinand- 

Infimterie Nr. 2 eingerückt, bewährteColloredo auch in dieser Eigenschaft seinen 

Rnhtn, erhielt 1805 die Beförderung zum General-Major und den Befehl über eine 

Brigade lon 5 Grenadier-Bataillonen und 1 Bataillon Gradiskaner unter Erzherzog 

Karl, und rereitelte, nachdem er bei Caldiero wegen Verwundung des Generals 

Kordman das Commando über den angegriffenen linken Flügel übernommen 

hatte, durch mulhvoUe Ausdauer den mit Wuth unternommenen letzten Versuch des 

Feindes. Dieser hatte unseren linken Flügel bereits nach Chiavico del Cristo 

ffdrkngt »md den AngritF mit 19 Bataillonen angeordnet, wovon ein Theil sich längs 

ier Etach zog und, von der Artillerie des jenseitigen Ufers unterstützt, den Graben, 

«dcber gnsere linke Flanke deckte, an seinem Ausflusse zu passiren suchte. 

Colloredo errieth des Gegners Absicht und detachirte ein Grenadier-Bataillon 

iiiän, welches noch zur rechten Zeit ankam, um das Vorhaben zu vereiteln. In- 

i a wi i erfolgte der A ngriff in der Front, der Feind drang bis nahe an die Verschan- 

■Dgeo »or. Sein überlegenes concentrisches Feuer hatte bereits die meisten Artüle- 

lirtBiiDiKl über 200 Mann von der Besatzung in der Schanze, eine Division Lin- 

dtaan, |;etädtet oder verwundet, under rückte entlang dem Damme vor, der nur von 

I «BerPIanform bestrichen werden konnte, neben welchen man Tages vorher eineOff- 

Ua^niDi Darcbbruch angebracht hatte. Auf diese Plattform richtete der Feind ein 

*lcli verheerende» Feuer , dass unsere Soldaten demselben zu widerstehen nicht 

*tniK>chleo und sich zu schützen suchten. Da eilte der General Graf Colloredo 

wf die bedrohte Stelle, sammelte die Officiere und Mannschaft um seine Person und 

«fifte sie Kta erneuerten Bedienung der Geschütze an. Es war dies im entschei- 

^dtten Momente. Das Beispiel des tapferen Generals, der auf dem gefährlichsten 

raot aaaharrte, beseelte Alle mit Zuversicht, mit neuem Muthe und half den über- 

ItlgCMa Feind cum Weichen zu bringen und die wichtige Schanze erhalten, die, 



1 



k 



einmal verloren, nicht wieder zu gewinnen gewesen und den Franzosen den unend- 
lichen Vortheil gebracht liätte, ohne Gefahr Flanke und Rücken unseres Heeres zu 
bedrohen. Dem General Grafen Colloredo wurde für diese That des 30. Oclobers 
einstimmig das Ritterkreuz zuerkannt. 

In dem denkwürdigen Feldzuge 1809 erhielt Colloredo dieEintheilung bei 
dem Heere in Italien als Brigadier von 3 Bataillonen Strassoldo- und 3 Batail- 
lonen St. Julien-Infanterie, mit welchen Truppen er am 16. April bei Fonfana 
Fredda durch fünfstündiges uncrschüttorlichea Ausharren wider die mächtigen 
feindlichen Anstrengungen den Bewegungen des eigenen Heeres Zeit und Möglich- 
keit verschaffte, die Schlacht zur günstigen Entscheidung zu bringen, Im Verfolge 
der weiteren Operationen hielt diese Brigade am 29. und 30. April am äusacrsten 
rechten Flügel der Armee bei Sove und Monte Foscarin jenseits des M'ildstromes 
Alpon abermals die volle Wuth der Feinde auf, und brach sie durch den kaltblütig- 
sten Widerstand. Auf dem nachherigen Ruckzuge wardC o 1 1 o r e d o'a unwandelbare 
Fassung neuerdings höchst wichtig für das Heil des Gesammtheores, vorzüglich 
am 8. Mai bei dem Übergange über die Piave, wo die überlegene französische 
Reiterei unsere Infanterie rings zu umschwärmen begann, aber durch die Brigade 
dieses tapferen Generals in Massen und durch die sich anschliessenden Grcnadier- 
Balaillone blutig zurückgewiesen wurde; eben so am 12. Mai, wo er, obschon inmitten 
der Affaire verwundet, als Commandant der verimltnisamässig schwachen Nachhut 
Venzone gegen den Andrang der feindlichen Gesammtmacht durch volle 24 Stun- 
den standhaft behauptete und unserem Heere den unbelästigten Mai-sch über die 
karniaehen Alpen sicherte. So viele Beweise kluger Ausdauer und Tapferkeit wur- 
den mit Collorcdo's Beförderung zum Feldmarschall -Lieutenant und mit der 
Verleihung dea Coramandeurkreuzea — letzteres durch Aimeebcfehl vom 
6- Juni — gewürdiget, und der ausgezeichnete General, der auch bei Raab 
thätigen Anthcil genommen hatte, am Schlüsse dea Feldzugea zum Inhaber des 
33. Infanterie-Regiments ernannt. 

Im Jahie 1813 brach Colloredo, als Commandant von Gyulay'a rechtem 
Flügel, in Sachsen ein, nahm bei Dresden die stark befestigte, durch zahlreiche 
Mannschaft und ein heftiges Geschützfeuer vertheidigte Schanze an der Dippoldis- 
walder Strasse, wobei ihm 3 Pferde unter dem Leibe getödtet wurden, und führte am 
28. August seine Division in musterhafter Ordnung auf einem von Regengüssen zer- 
atöi'tcnWege nach Böhmen auf den Kampfplatz von Kulm (30. Auguat), wo er im 
entscheidenden Augenblicke den Befehl des rechten Flügels der verbündeten Truppen 
übernahm. Nachdem er von der Strisowitzer Höbe aus das feindliche Fussvolk mit 
dem Bajonet zurückgetrieben hatte , warf er sich auf den Geschützpark bei Kulm, 
eroberte diesen, und fiel dann mit Blitzcascbnclle in die linke Flanke der französischen 
Hauptmacht, bemächtigte sich des hartnackig v erth ei d igten Arbesau, und voll- 
endete dadurch die Umzingelung und Entwaffnung des Feindes. Zum Lohne dieses 




865 

cnbicl)eiden<lea Eiagreifens wurde er zum FeldzeugmeistGr ausser der Tour einannt, 

■nd ihm das Comninndo des J. Armeecorpa bei der Hauptarmee anvertraut. Am 

17. September hielt der Graf mit diesem Corps die früher orstürmto Stiiaowitzer 

Hiilie besetzt. Als Napoleon in Person durch die NoUendorfer Engung vor- 

rflcktc, warf CoHoredo sich in dessen linke Fl.anko, eroberte nach langem 

Kunpfc Arbeaau, schritt rasch auf die Strasse von NoUcndorf vor, und gab den 

BaDpuusschlag aur Niederlage und Flucht der Feinde. Das russische Georgs- 

kmu dritter Classe belohnte diese Ileldenthat. Vor Leipzig bildete Collo- 

jedo mit dem ersten Armeecorps, der Division des Feldmarschall ■ Lieutenants 

AloTs Liechtenstein und dem ganzen österreichischen Reservecorps unter 

Merveldt den Unken Flügel der Ilauptarmee ; diese Truppen bestanden rühm- 

Ech den heissen Kampf bei den Dörfern Dölitz, Dösen, Lossing und Propstheida. 

Kscb Verwundung des Erbprinzen von Hessen-Homburg und Merveldt's 

CcCutfrennahmc fiel hier der Oberbefeb] auf Colloredo. Von einer Kugel auf 

Jj^&Uftt ^troäen, verborg er, um die Seinigen nicht zu entmuthigen, die Ver- 

^^^^■te und setzte seine Thütigkeit fort- Ernsthafter wurde er nach dem Rhein- 

^^^^Hpn^ vor Tf oycs (5. Februar 1S14) am Schenkel btessirt, so dass er an den 

^'l*5ma Kriegsereignissen zu seinem innigen Bedauern nicht mehr unmittelbar 

"ÜmI nehmen konnte. 

Nach dem Pariser Frieden wurde dem Grafen der Befehl über aUe nach ßöh- 
mta ia 4 Colonnen zurückkehrenden Truppen, und dann in dieser Provinz die An- 
adliing eines lospoctors vom gesanimtcn Fussvolkc übertragen. Nach N a p o 1 e o n's 
Vriodsrencheincn bestand Colloredo, als Oberbefehlshaber eines selbststandigen 
AmMcorps am Oberrhein und in Burgund, mehrere hitzige Gefechte ruhmvoll, 
fngtrte D«cb dem «weiten Friedensschlüsse als ad latus des commandirenden Gene- 
obn Bäbmen, und dann in derselben Eigenschaft in Steiermark. 

Colloredo war ein Mann von echtem Heidonstahle, der weder Rast noch 
Hobt fcuinte. Dies beweisen seine Thatcn und seine Wunden. Eben diese Anstren- 
fiBgtfi halten ihn ausgesaugt und vor der Zeit gctodtct. Aufgerieben durch 
\nge and qualvolle Leiden, starb der Tapfere zu M'icn am 23. Juli 1822. Um 
na Andenken bleibend zu erbalten , vereinigte sich das gesammte OHicier-Corps 
^ Truppen in Böhmen, ihm auf dem Schlachtfelde bei Kulm ein Monument 
n frrichten. Die Enthüllung desselben fand am 17. September 1827 Statt, und 
^ Iii»chrift der gusseisernen Pyramide sagt, was im Leben des Helden volle 
'xifWIlbte Wahrheit ist gewesen: 

pDem Feinde furchtbar, den Seinen thener." 

SXOLA, JosB'ph Freiherr von, General-Major in der Artillerie, war einer 
Ottjcnigen, welche in den Feldzügen seit 1788 vielfältig Gelegenheil fanden, die 
Thilta des 6slerreichischen Heeres an dessen ruhmvollsten Tagen durch kräftigen 




Gebrauch des Geschützes zu unteiatützen. DerHoimath seiner Familie nacli gehörte 
Smola jenem Kronlande der Monarchie an, welchem dio Artillerie eine grosse 
Zahl ihre besten Officiere verdankt; er war stolz auf sein böhmisches Vaterland, 
wo er zu Teplitz am 12. Juni 1764 das Licht der Welt erblickte. 

Smola trat im 16. Lebensjahre in das 1. Feldartillcrie-Ilogimont; seine Bil- 
dung und seine Talente, seine besonderen Fortschritte in den Fachwiasonaehal'tcn 
vorschafften ihm nach sieben Dienstjahren die Beförderung zum Lieutenant im 
Bombardier-Corps. 

DiecrstenDienate vor dem Feinde tliftt Smola vor Schabacz und Belgrad 
und benützte die Müsse nach Übergabe dieses alten Bollwerkes der Chriatenheit 
zur Aufnahme eines Planes der Belagei-ungsarbciten gegen diesoFestung mit deren 
ausgedehnten Umgebung, — eine Arbeit, welche Feldmarschall Loudon für die 
vorzüglichste der ihm voi'gelegten ühnlichcn anerkannte. Als Oberlieutenant zur 
Armee nach den Niederlanden berufen, eröffnete sich ihm mit dem unbedeuten- 
den Gefechte bei Jemappoa am 29. und 30. April 1792 das Feld des Ruhmes. 
Im folgenden Jahre erhielt er den Befehl über eine der damals in geringei- Zahl 
ausgerüsteten Cavallerio-Battcrien in der vom Erzherzoge Karl befehligten 
Avantgarde. 

Bald sollte er Gelegenheit finden, darzuthun, wie tief er von dem Glücke 
durchdrungen war, zur Mitwirkung an den ersten Siegen dea durchfauchtigsten 
Prinzen erkoren zu sein. Dio Schlacht bei Aldenhoven (1. März), die GefecLlo 
bei Tirlemont (15. und 16, März) und die Schlacht bei Noerwinden (18. und 
19. desselben Monats) gaben Beweise hiefib-, und namentlich war ob die letztere, 
welche dem ausgezeichneten Officier, das Ritterkreuz durch einstimmigen 
Beachluss des Capifels vom 7. Juli 1794 verschaffte. Die französische Division 
Miranda, 7ütJ0 Mann zu Fuss und 1000 Reiter nebst zahlreichem Geschütz, 
hatte sich gegen Mittag des Dorfes Orsmael nacli anhaltender Beschiessung bemei- 
stert. Aus demselben vorzuhrechen war ihr aber nicht leicht möglich, denn Smola 
verwehrte mit dem Feuer seiner Cavallerie-Batterie, zu der er noch zwei Drei- 
pfünder beigezogen hatte, während mehrerer Stunden alle angestrengten Versuche 
und demontirte den Franzosen mehrere Geschütze. Endlich glückte es gegen 
4 Uhr Nachmittags der Colonne Miranda's, den Ausgang von Orsmael zu 
erzwingen, und dio französischen Batterien bestrichen die Stellung unserer Avant- 
garde der Länge nach. Ein Theil der feindlichen Truppen mit mehreren Batteriea 
entwickelte sieh nun zu beiden Seiten der Strasse, um den gewonnenen VortheU 
weiter zu verfolgen. Doch Smola machte seine einsichtsvolle Thätigkeit in diesem 
entscheidenden Zeitpuncte auf daaCliiozcndste geltend. Seinem unermüdeten Eifer 
gelang es, eine Batterie von 10 Zwöf fpfündern , 2 Haubitzen und 2 Drcipfündera 
zu vereinigen und den Vordi-ingenden entgegenzustellen. Das von ihm geleitete 
verheerende Feuer in der ausgiebigsten Schuseweite brach die Kraft des fcind- 



867 

Iwbon Stormes; inobi-ere Gcschütüo der Franzosoa waren bald unbrauchbar und 
ihre Infanterie — wie der Ober- General Dnmouriez selbst sagt — der Art cnt- 
iDStfaigt , dass ebiigc Bataillone die Flucht ergriffen. Nun wendete Smola dnrch 
rin Flanken-Manoeuvre seine Cavallerie - Batterie gegen die rechts von ihr auf der 
StTBJwe Torgedningenen Bataillone und erschütterte deren Haltung durch einige 
mit dem letzten Aufwände seiner Munition gegebene Kartätschenlagen in so kräf- 
üger Weise, dass der vom Erzherzoge angeordnete Reiterangriff nachdrücklichst 
Torb*r«itet ward. Miranda's Colonne wurde in Unordnung auf der Strasse zurück- 
geworfen, doch hielt noch ein Theil derselben zur Deckung des Rückzuges den 
AdMitigeQ Rand des weitläufigen Orsmael und des angrenzenden GutsenhoTon 
bantet Smola's Cavallerie - Batterie war wohl durch empfindliche Verluste in 
Sver Wirksamkeit gelähmt , nicht aber der rastlose Eifer ihres Commandanten. 
Obn« höheren Befehl nahm er drei Secbspfünder vom Regimente SztÄray und 
bescboss von einer geschickt gewählten Stelle die letzte französische Batterie so 
wiriwun, dass sie ihren Vortheil im Abzüge suchte. Das Regiment Sztdray 
tiiin Orsmael wieder und Smola führte dessen Geschütze in der Abend- 
am jenseiligen Eingange des Dorfes nächst der Strasse auf, während 
HB«re Cavallerie den Fliehenden bis Overhospen nachsetzte. Der linke feindliche 
Fttgsl w«r vernichtet und diese Ereignisse wirkten Jiöchst folgenreich auf den 
^^^■ttng des ruhmvollen Tages ein. Am 19. erneuerte Dumouriez den Kampf, 
^^^^B^luuere Vorposten zurUck und bedrohte mit seinen Batterien den Eingang 
^^^Hltaiael, indem er die Höhe Le bon secours zwischen Orsmael undTirlemont 
ktHMe. Smola fuhr mit seiner Cavallerie-Batterie, von 2 Zwülfpftindern und 
i Scehfpfilnüem miCerstützt, gegen diese vortheühafte Stellung des feindlichen 
GochBtzGS auf, und da ihm der Artülerickampf zu lange währte, jagte er, um die 
EnHelieidiiD^ horbeianfUhren , trotz des feindlichen Kartätschenhagols mit 4 Ge- 
»clAtitn aaf die vorUegende Ilflhe hinauf, imd nun, nur noch 300 Schritte von der 
frMsSm«heo Fronte, verbreitete er Tod und Schrecken in ihr. Vergebens bot 
DsBOuriez das Ausserate auf, seine Truppe zum Sturme auf diese Batterie vor- 
■brin^eo. Eine Kugel ris« sein Pferd nieder; Dumouriez kg von Erde bedeckt 
af dem Bodon. Wieder zur Besinnung gebracht raffte er sich schnell auf, damit 
& Bemerkung seines Fallcns nicht eine allgcmcino Auflösung herbcifühi'e. Er 
fUU cicb wiederholt an die Spitze seiner Bataillone, die ihm aber zu folgen ver- 
■gtCB, w dius er sich bcijuemen niusste, sie in Ordnung zu erhalten. Die Franzosen 
*lcfcan u>d atdlten sich zur Sicherung des Rückzuges noch zweimal entgegen, 
nnUn aber jedesmal durch die Wirkung der von Smola geführten Artillerie 
« ihrer noffoang getäuscht, das Feld behaupten zu können. In der Geschichte der 
Sdütchtcn dürften sich selten Beispiele von gleichgcwiehtigem Einflüsse eines 
OfEcten von Smola's damaliger Stellung auf die EnfscheiJnng des Kampfes 
i*<ier M> sahJmcher Armeen linden lassen, und diese That muss jeden Officier zu 



868 



der ITberzeugung erheben, ■welch' wichtigen Dienst ein Mann von ähnlichen Eigea- 
schaften seinem Heere zu leisten veiTnöge. 

In dem nachfolgenden Treffen bei Löwen (22. März) gab Smola neue 
Beweise echten Muthes und Scharfblickes in Beurtheilung der Gefechts - Verhält- 
nisse, so wie er in diesem Jahre in den vielfachen feindlichen Vorfjillen die Bewun- 
derung und Anerkennung seiner Vorgesetzten auf sich zog. In den Gefechten vor 
Valenciennes{l.Mai), bei Preaeau (3. Mai), bei Famars (23. Mai), beider 
Einnahme des Cäsar-Lagers (7. August), bei Templeuve {13. September), 
bei Mons en Pevele (8. October), bciDenaing (2LOctober), beiWattigniea 
(24. und 27. October), bei der Wegnahme von Marchienncs (30. October) und 
im Gefechte bei Abscon (23. März 1794) glänzte er durch besondere Geschick-. 
lichkcit und Bravour, und die vielfältigen Anempfehlungen des Generals von OttO| 
in dessen Corps Smola in dieser tLatenreichcn Epoche die Artillerie eommandirte, 
erschöpften sich im Lobe über dessen Leistungen. 

In der aweiten Hälfte des April 1794 wurde Smola mit seiner Cavallerie- 
Batterie bei der Brigade des General-Majors Grafen Heinrich Bellegarde ein- 
getheilt. Die Berichte über die Schlachten bei Cateau (17. und 26. April), die 
Gefechte längs derMarque, die Schlacht bei Templeuve (22. Mai) nennen ihn 
unter der Ausgezeichneten. In jener bei Fleurus (26. Juni) wurde Smola durch 
das Springen einer feindlichen Granate schwer auf der Brust verwundet und ver- 
brannt vom Kampfplatze weggebracht; doch seine un geschwächte Körpcrkri 
tarn ihm so gut zu Hülfe, dass er schon im Gefechte bei Houtain nächst Mastridit, 
am 19. August mit gewohnter Auszeichnung seine Batterie anführte. Es darf wohl 
ein ausaergewöhnlicher Fall genannt werden, dass sich ein Officier von Smol 
Rangstufe im Laufe zweier Feldzüge wegen achtzehn Gelegenheiten die ehren- 
vollste Anluhrung in den Berichten des commandJrenden Generals an die oben 
Kriegsbehörde verdiente, wie sie ihm ^ und meistens in ungewöhnlich 
menden Ausdrücken — zu Theil geworden ist. Smola war unermüdet, auch den 
Auszeichnungen seiner Untergebenen die gerechte Anerkennung zu verschaffen, 
und es war dies ein Hauptzug seines edlen Charakters. Alle UnterofGciere, weJche 
nach und nach bei seiner Batterie dienten, kehrten mit der Tapferkeits - Medaille 
auf der Brust aus den Feldzügen zurück, und eben so alle Vormeister, welche er 
desshalb häufig wechselte, damit mehreren die Gelegenheit werde, sich hervor- 
zuthun. 

Am ersten Tage des Jahres 1796 wurde Smola ausser seinem Range zum Ca] 
tän-Lieutenant befördert. Die ihm zugewiesene Leib-Compagnie des 1. Artillerie- 
Regiments bildete einen Theü der Besatzung von Ehrenbreitatein, Als diese 
Festung vom 8. Juli bis 17. September von denFranzosen angegriffen wurde, führte 
Smola das Commando über die Artillerie und hatte an der standhaften Vertheii 
gung den rühmlichsten Antheil. Der Feslunga-Commandant Oberst S e eh t e r (e. 



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laesene sicli diesfalls gegen den Erzherzog Karl, dass sich Smola wUluend 
der beiden Blockaden — die erste hatte nur eilf Tage gedauert — rühmlich und 
mit grossem Nutzen verAvenden liesa, da er die Absichten des Feindos mit 
•einer ArtiUerie auf die zweckmässigste Art zu vereiteln wusste und wühvcnd der 
guizen Blockade fast keinen Augenblick die Werke vorlicss, sondern mit voll- 
kommeaster Einsiebt allerorts seine Kanoniere und Bombardiere anciferto und 
leitete. 

In Folge des Friedensschlusses zu Campo Formio kam Smola mit seiner 
C«rapagnie nach Prag, Ihre ausgezeiehnelo Dienstleistung in Ehrenbreitstein hatte 
ihr die Hochaohtong der Gencralitiit in dem Masse erworben , dass der comman- 
dirende General Feldzeugmeister Graf Kolowrat sie bei jeder Gelegenheit, wo 
sie vor ihm anariickte, mit Abnahme seines Hutes begrUsste und erst nach dem 
VorBbcrziehen der letzten Abtheilung das Haupt wieder bedeckte. 

Im Jahre 1799 TCrtheidigte Smola mit seinen Batterien den Übergang über 

£e Glatt in der Schlacht bei Zürich, focht in den Gefechten nächst dieser Stadt 

«■d xeicimete sich vorzüglich bei der Erstürmung von Mannheim am 18. Sop- 

tanber dadurch aus, dass er die Brücke, welche die Verbindung des sich gegen 

Minnl^^'im zurückziehenden feindlichen Corps mit dem linken Rhein -Ufer unter- 

Uclt, «erstörte und dadurch beitrug, dass 2 französische Generale mit 1800 Mann 

brli kriegsgefangen ergeben mussten. Im folgenden Jahre erlitt er bei Möskirch 

p. Hai) eine schwere Fusswunde, konnte jedoch schon an den Treifen bei Nörd- 

Üngen and bei Neuburg (27. Juni) wieder Thcil nelimen, verlor aber im letzteren, 

M vie froher bei der Erstürmung von Mannheim, Pferde unter dem Leibe. Als 

iit hSbnmebc Legion aufgestellt wurde, verlieh Erzherzog Karl dem ausgezcicli- 

bMcd Hauptmann Smola eine Majorsstelle {1. DocemberlSOO) und dasCommando 

ä» nm Leitmcritzer Kreise errichteten Bataillons. Der bald erfolgte Friedens- 

Khlnn hinderte diese begeisterte Truppe auf dem Schlachtfoldo mitzuwirken, und 

« «folgte ihre Auflösung. S m o 1 a 'a Werth war aber von dem General-Artillerie- 

Dinctor Feldmarschall Grafen Colloredo so hoch angeschlagen, dass er dessen 

"TieiertiberBCtzung in die Artillerie als eine seltene Ausnahme bevorwortete. Sie 

albigte am 1. Mai ISOl. 

Den Feldzug des Jahres 1805 machte Smola als Artillerie-Commandant des 
Kaleo FlQgols der Armee in Italien mit, welcher an dem Tage von Caldlero keinen 
Aatbeil nahm. Im Jahre 1808 zum Obcrst-Lientenant und im März 1809 zum Ober- 
Ibb befördert, wurde Smola dem dieFeldartillerie-Direction führenden Erzherzoge 
lixitnilian d'Este beigegeben und vermehrte durch die Tage bei Hausen 
udRegensburg das Zutrauen des Generalissimus, welches er bei Aspern so 
^bttiend rechtfertigte, dass der Erzherzog in der Relation über diese Schlacht sagte : 
>Obmt Smola von der Artillerie hat durch seine unermüdete Thütigkeit in der 
iVMkmXsugen Verwendung des Geschützes und durch seine bekannte Bravour 



870 

die wesentlicbaten Dienste geleistet." Der ArmeebefeM vom 24. Mai ernannte ihn 
zumComniandeur, — eine Auszeichnung, welche in dieser Ordens cl aase nur mit 
höchst seltener Ausnahme je an Andere als im ßangc hoho Generale verliehen 
war. Während der Schlacht selbst zerschmetterte eine Kanonenkugel ihm die 
Degenklinge kurz über dem Stichblatte, wunderbarer Weise ohne andere Folgen 
als eine Prellung an der Hand. Eine andere zorriss ihm das Pferd unter dem Leibe. 

Bei Wagram übernahm S m o I a nach Fcldmarschall-Lieutonant R o u v r o y'a 
Ver\vundung die oberste Leitung der Artillerie des Heeres und blieb seinem alten 
Ruhme getreu, so auch in dem Treffen bei Znaim. 

Während der folgenden Friedensjahre befehligte Smola das Bombardier- 
Corps. Im April 1813 zum General-Major befördert, erhielt er die Bestimmung 
als Feldartillerie-Director der Armee in Innerösterreich. Mit Leitung seiner Waffe 
nahm er erfolgreichen Antheil an den gi'össem Gefechten in Kiirnthen, an der Be- 
sehiessung des schnell bezwungenen Castells von Trient, an den Gefechten bei San 
Martine und an der Sclüaclit nächst Valeggio. Er erhöhte durch die geleisteten 
Dienste das achtungsvoUe Vertrauen, mit welchem um Feldmarschall Graf 11 ei n- 
rich Bellegardc schon aus früherer Zeit beehrte. Vom Kaiser Alexander 
wurde er für seinen Antheil an dem europäischen Kampfe mit dem Wladimir- 
Orden 3. Clasae geziert. Die Übernahme der Artillerie des Österreichs Regierung 
zugefallenen Theiles des ehemaligen Königreiches Italien, die Ausrüstung aller 
Festungen Ober- Italiens und Dalmatiena bot seinen Kenntnissen ein weites Feld, 
sich auch nach beendigtem Kriege wesentliche Vordienste zu erwerben. Kaum 
waren diese einsichtsvollen Anordnungen zur Durchführung gebracht, als bei Aus- 
bruch des Feldzuges 1815 die Artillerie-Ausrüstung der nach Süd-Frankreich und 
Unter-Italien operirenden Heerestheile seine Thittigkeit in Anspruch nahm und 
ihm die besondere Zufriedenheit des commandirenden Generals do- Cavallerie Baroa 
Frimont gewann. 

Smola, den 29. November 1820 zu Wien verschieden, hatte in 32 Schiach- 
ton, 3 Belagerungen und der 71tägigen Vertheidigung von Ehrcnbreitstein im 
Kriege, so wie im Frieden durch die Anwcnduug seiner Erfahrung und wissen- 
schaftlichen Kenntnisse für die Verbesserung der Einrichtungen seiner Waffe wich- 
tige unvergossliche Dienste geleistet. Seine Überzeugung wurde bei dem Entschlüsse 
zur Abschaffung des Regimcntsgeschützos und Einführung des Batteric-Systemoa 
berücksichtigt, worauf er die im Jahre 1809 erschienene Gcschütz-Exercirvor- 
schrift auf hohem Eofohl verfasste, welche bis in die neuere Zeit Geltung behielt. 
Von seinen Vorschlägen für die Vervollkommnung des Festungsgeschützes kam 
die von ihm entworfene hohe Wall-Laffetfe im Jahre 1807 zur Einführung. Sein 
wohlverdienter Naehruhm wird noch lange in dem k. k. Artillerie -Corps fort- 
leben, welchem er auch ein Hülfsbuch beim ausübenden Dienste im Manuscripte 
hinterliess. 





871 

WmpPFKN, Maximilian Freiherr von, Feldmnrschall, geheimer Rathund 
JUBuneror, Inhabei- des 13. Ini'antcric-Regiments, Sohn des Feldmarschall-Lieute- 
MbGeorgFreiherm von Wimpf fen, wurde am 19. Februar 1770 zu Münster 
irWwtphalcn geboren. In der Wiener - Neustädter Militiir-Äkadcmic unter dem 
hUnttTschall-Lieutenant Franz Grafen K ins ky erzogen, wurde er zu deminfan- 
Hne-BegimenteClcrfayt 1786 alsFnlmen-Cadet eingetheiit, und nach Jahresfriat 
iajeaeni des Feldmarschall-Lieutcniints Älvintzy zum Fähnrich befördert. 

Wimpffon wohnte mehreren der vielen Gefechte bei, die während der Feld- 
läge TOQ 1788 und 1789 gegen die Türken Statt hatten und wurde Untorlieutenant. 
Bei dem Sturme auf Belgrad (am 30. September 17S9) befand ersieh, nach eigenem 
.\atrage, an der Spilzo der Freiwilligen jener Colonnc, die links von dem Con- 
itaabDopler Thore eindrang, erhielt durch einen Steinsplitter eine bedeutende Con- 
miou am Unken Fusse, die ihn aber nicht ausser Gefecht setzte, und wurde zu 
■dtrerea wichtigen und gefiüirvoUen Aufträgen durch den ebenfalls verwundeten 
GaloDBea - Commandanten Oberalen Karl Grafen Kolowrat, vom Regimente 
AWintsy, verwendet. An diesem ruhmvollen Tage zog der junge Officier durch 
aeben Huth, unermUdete Thätigkoit und praktische Anwendung der erworbenen 
militirischen Kenntnisse zuerst die Au&nerksamkeit auf sich. In Anerkennung 
die*er geleisteten ausgezeichneten Dienste erfolgte seine Bctorderung zuui Ober- 
Ueuetuuit und die Übersetzung von den Füsiliers zu dem Grenadier- Bataillon 
Morsinnach Wien. 

Uie Revolution in Frankreich und die Unruhen in Belgien riefen die WaiFen 
Oaterreiclu 1792 nach den Niederlanden; unter den Truppen befand sich auch 
das Greoadier-Bataillon Morzin. Kaum zu Brüssel angelangt, erfolgte die Beor- 
imtmff dieses BauUlons zu dem Corps, mit welchem Feldzeugmeister Glorfayt 
hMtniRit war durch das Luxemburgische nach Frankreich einzudringen. Der 
Uenuf erfolgte Feldzug in der Champagne pouilleuse war einer der beschwer- 
Esiutea, — mcht nur wegen des mit Begeisterung sich bewaffnet erhobenen fian- 
lAüteben Volkes, sondern auch des Mangels an allen Bedürfnissen und eines 
«•ehawoebenüichcn ununterbrochenen Herbst-Regenwetters. Während der Kriegs- 
£rclgDisse wurde Wim pf fen grJiastentheils zu Adjutontens- Diensten bei dem 
FtldiDancIiall-Lieutenant Freiherm von Älvintzy verwendet, imd erntete eine 
teicfae Saat von Kriegsorf alirungen. 

In dem folgenden Feldzuge 1793 eroberte Wimpffen mit einer Grenadier- 
Coo^agnie in der Scidacht von Ncorwinden das Dorf gleichen Namens, nahm 
3 GeachUtze und rückte bis an dos üusscrste Ende des Ortes, nahe an dem rechten 
FlOgal der litnlcr Ncerwinden in Schlachtordnung aufgestellten französischen 
Annec vor. Sich selbst überlassen, ohne Unterstützung und von einer weit überlegc- 
nesCD feindlichen Colonne angefallen, musste er wieder weichen, wurde am rechten 
fW>0 dareb eine Gewehrkugel verwundet und kriegsgefangen. In dem Haupt- 



quartiere Tirlemont angekommen, verlangte Winipffen mit Dumouriez 
sprechen; dies wurde iLm aber erat gestattet, als er wissen liess, er sei ein Neffe 
des französischen Generals Felix Wimpffen, der sich neben Genoral Du 
riez bei der Assemblec Constituante befand. Dumouriez empfing ihn mit Artige 
keit und vieler Theilnahme und versprach ihn auf Parole zu entlassen , -welchai 
auch nach sechs Wochen erfolgte, so dass Wimpffen 1793 noch der Belagerung 
von Valenciennes und der Schlacht von Maubeuge beiwohnen konnte. 

Im FeldzTige 1 794 befand er sich bei derEinschliessung der Festung L a n d r ecy 
und den dabei vorgefallenen mehrtBgigen Gefechten, in welchen er eine aus dei 
dritten Glicde zusammengesetzte Compagnie befehligte. Bei den im Verlaufe dei 
Feldzuges 1794 stattgehabten beiden Sclilachten von Charleroy an der Sambii 
war Wimpffen ebenfalls thiitig. Nunmehr zum Capitän - Lieutenant befördert 
musste er im Jahre 1795 von den Grenadieren zum Regimentc in die Riviera i 
Genova einrücken, wo er noch vor der Schlacht von Loano seine Bestimmung 
erreichte. Es wurde ihm die Vertheidigung dieser, auf dem äussersten linken Flfti 
gel amMeere gelegenen Stadt, als ein wichtiger Stützpunct der Armee, mit geringeq 
Mitteln übertragen. Nichts desto weniger schlug er alle vom Feinde untemoramenea 
Angriffe, wiewohl mit bedeutendem Verluste zurück, bewirkte auch einige Ausf 
und räumte Loano erst, als der allgemeine Rückzug unserer Armee angeordaM 
worden war. l 

Bei Beginn des Jahres 1796 zur Führung der französischen Corrcspondeal 
mit dem englischen Admiral Keith nach Voltri bei Genua beordert, langte dal 
Flügel- Adjutant Major Maelcarap daselbst an und bewog Wimpffen mit ihm 
in das Hauptquartier zu kommen. Als er sich bei dem die Armee commandirenden 
Feldzeugmeister Freiherrn von Beaulieu gemeldet hatte, behielt ihn dieser bei 
seiner Person angestellt. Kurze Zeit darauf wurde er zum wirklichen Hauptmann 
im General-Quartiermeisterstabe ernannt. 

In dem am Mincio vorgefallenen Treffen verlor Wimpffen ein Pferd u 
wurde durch zwei Bajonetsticbe verwundet; der commandirende General jedoch, 
der sich unwohl in einer Kalesche befand, die Kriegs-Casse und das Hauptquartier 
durch seinen geleisteten Widerstand, den er mit den im Rückzuge begriffenM 
in der Eile gesammelten Truppen in der Hauptgasse von Valeggio — wo er di 
ersterwähnten Verwundungen erhielt — entgegengestellt hatte, gerettet. 

In der Schlacht bei Castiglione (3, August) befand sich Wimpffen in 
der Umgebung des Feldmarsohalls Wurmser. Bei dem zweiten Versuche dieset 
ergrauten Feldherrn, die Festung Mantua zu entsetzen, war er so glücklicbi 
nicht mit dem Feldmarschall und den übrigen Truppen in die Festung gewort 
fen zu werden, sondern unter (Jommando des Fei dz eu gm e isters Alvintzy bttl 
dem im November 1796 an der Brenta und bei Caldiero erfochtencn sieg* 
reichen Treffen wesentlich mitzuwirken. In der für die österreichischen Wafflafl 



873 

iirar ODglücklichen, &ber ruhmvollen Schlaclitvon Arcole befand sich Wtmpffen 
ili dtn^irender OfGcier des General - QuartiermeiHterstabea ganz allein von diesem 
Corps bei der linken Hälfte der Armee, die während der zwei Tage, ohne &Ut- 
«irinrng dca rechten, weit stärkeren Theiles, der schon am ersten Tage geschlagen 
nd entmathigt worden war und von den Höhen von Caldiero unthätig zusah, die 
SeUacht mit meist glücklichem, aber nicht entscheidendem Erfolge fortsetzte. 

Haaplraann W im pffen wurde später nach Tirol übersetzt, wo Feldniarschall- 
Lievteniuit Bcllegarde ein grösseres Corps befehligte. Hier wurde ihm die Ober- 
lönng der Geaeral-Quartiermeiaterstabs-Geschäfto übertragen. 

Während des strengen Winters von 1798 verschanzte er eine Position bei 
Fddkircb im Vorarlbergischen mit solcher Festigkeit, dass Massena im Frühjahre 
1799 ruch einem dreitägigen vergeblichen Angriff, bei welchem er den Kern seiner 
Gnoftdiere opferte, abzuziehen gezwungen war. Als in dieser Zeit in den Gebirgen 
Tinia Schnee lag und die Feindseligkeiten noch nicht eröffnet waren, nahm Feld- 
iMKcludl- Lieutenant Bellegarde in Begleitung des Hauptmanns Wimpffen 
dne Bereisnng der westlichen Grenze Tirols vor. 

Za Mals, wo er übemacbteto, lief des Morgens durch Bauern die Nachricht 
n, dass General London, dem die Yertbeidigung des Passes bei Taufers mit 
nwm st^kcm Corps anvertraut war, in der vergangenen Nacht überfallen, zerstreut 
■ad grCsstentheila gefangen worden sei. W i m p f f e n eilte sogleich von Mals dahin 
■nd Tenadite mit den in Eile unterwegs aufgebrachten Truppen die Loudon in 
Micken gekommenen feindlichen Abtheilungen anzugreifen, um ihn hiedurch zu 
limgliiin, falls er sich noch he! Taufers schlüge. Bei einem dieser Angriffe, an 
ifttS^txe einer Division von Erdödy- Husaren, wurde er aber durch einen Schuss, 
4er ihiii das rechte Achsolgelenk gänzlich zerschmetterte, schwer verwundet, so 
itu er nur mit Mühe bis Botzen gebrachl werden konnte, wo er einige Monate 
nriiclicii Leben und Tod schwebte. Noch im Laufe des Jahres zum Major im 
Gtacral-QuartJermeisterstabe befcirdert, erhielt der tapfere Offieier von der Tiroler 
Ludschaft darcb eine eigene Deputation zwei Danksagungssehreiben und die 
Tapfarkdts - Medaill e. 

Bei Wimpffen drängt es uns, ganz besonders der heroischen Selbstuber- 
windsng und l-'estigkeit zu erwähnen, die er seinen riesigen Schmerzen gegenüber 
btiTMaeD. Wir müBncn gestehen, dass in der Geschichte unserer, wie fremder 
Heere, bei der grossen Menge tapferer, ja wundervoller Thaten, boIcUo Züge von 
tatrpe des Geistes und des Körpers immerhin seltener bleiben. 

Aus Baden, wo er vergebens Heilung suchte, begibt er| sich, seiner Nstur 
nrtnnend, sehr krank nach Ofen und gewinnt endlich so viel Stärke, um zu 
Pfarde «leigen xn küinien; von FeidzeugmeisterAlvintzy entdeckt, lehnt er einen 
Am aB^botenen , vcrhältnissmässig ruhigeren Posten bei der ungarischen Insur- 
nctiao »b imd eilt ins. Hauptquartier nach Verona. Als Flügel-Adjutant verwendet, ' 




874 

trSgt er den rechten Arm in der Schlinge (denn das Äcbselgelcnk war xet- 
schmettert und die Splitter hafteten noch zum Theüc im Fleische), lüast sich 
aufs Pferd hoben, leiiit mit der linken Hand schreiben und wohnt der Schlacht am 
Mi ncio bei, wo er am linken Arme verwundet wird. 

Zum Oberst -Lieutenant bei Gyulay- Infanterie ernannt (1801), fuhrt ihn die 
Bestimmung nach Peterwardein ; dort heilt endlich seine Wunde zu, aber er bleibt 
am rechten Arine gelähmt. 

Indessen wui-de Wirapffen ganz unerwartet bei der Einführung des nenea 
Militär-Administrations- Systems zum Ge ner al -Co mm and o- Adjutanten und Militär- 
Referenten in Innerösterreich ernamit. Im Jahre 1803 und 1804 verblieb er in 
dieser Anstellung zu Gratz; als aber die Armeen in Italien und Deutschland zu dem 
bevorstehenden Peldzuge gesammelt wurden, verwendete sich der 1 805 zum Ober- 
sten vorgerückte Wimpffen, jedoch vergebens um eine Anstellung bei der Armee 
des Erzherzogs Karl. Endlich, als die Unglücksfalle bei Ulm und Manozcll ein- 
getreten waren, erhielt er die Weisung, sich eiligst in das kaiserliche Hauptquartier 
nach Olmiitz zu vorfügen. 

Daselbst angelangt, wurde er von Seiner Majestiit dem Kaiser beordert, da» 
Referat bei einem aus mehreren Generalen höheren Ranges zur Oberleitung der 
KViega-Operationen zusammengesetzten Comiti^ zu iibemehnien, dann eine Position 
vor und eine andere hinter Olmütz sogleich zu verschanzen; endlich die General- 
Quartiermeisters -GesehUfte bei dem russischen Heere unter Kutusow zu besorgen. 
Da aber Genera! Weyrother, der diese schon früher bei der russisch -österrei- 
cliischen Armee verrichtet hatte, darin fortfuhr und Wimpffen wohl wusste, dass 
Weyrother die besondere Gunst des Kaisera Alexander, sowie das Zutrauen 
des Kaisers Franz besass, begab er sich zu dem unter Commando des Generals 
der Cavallerie Fürsten Johann Liechtenstein gestandenen schwachen, jedoch 
abgesonderten österreichischen Corps. Alle Vorkehrungen verriethen die Absicht, 
Bonaparte unverweilt anzugreifen. Oberst Wimpffen bewog den Fürsten 
Liechtenstein dem Kaiser eine Denkschrift zu überreichen, in welcher derselbe 
darstellte, wie gefährlich es sei vor der Ankunft der erwarteten russischen Ver- 
stärkungen und vor der Verbindung mit der ans Italien bei Odenhurg angelangten 
Armee des Erzherzogs Karl sich in eine Schlacht einzulassen. Allein diese 
Vorstellung, so wie jene, die Oberst Wimpffen persönlich dem General Wey- 
rother machte, blieb ohne Erfolg, und die Schlacht bei Auaterlitz wurde 
beschlossen. In der Nacht vor derselben erhielt Wimpffen den Aufti'ag, die 
Führung der Ilauptcolonne zu übernehmen. Er meldete sich bei K u t u s o w, bat 
um eine Avantgarde, mit welcher er sich vorausbegeben, ihm seine Wahrnehmun- 
gen und die Richtung, in welcher sich die Coionno zu bewegen hätte, anzeigen 
lassen würde. Da ein Corps von 30 bis 40,000 Mann Franzosen gegen den Fuss 
der Anhöhen von Fratzen eiligst rückte, und Wimpffen.diese als den wichtig- 




875 

den Punct des ganzen Schlachtfeldes betrachtete, bo forderte er K u t u s o w auf, 
diese HShen ongesäumt zu gewinnen. Dies erfolgte nicht, und da die Franzosen 
ütrin zaTorgekominea waren, suchte man sie vergebens zu vertreiben. Bei einem 
£acr Angriffe wurde dem Obersten W|m£ff?^n ein Pferd getödtet, er selbst in 
die röchle Hand und in das Gelenk des rechten Fusses geschossen und ausser 
Gefccbl gesetzt. Bei dem ini April 1806 abgehaltenen Capitel erkannte man 
ilim für seine Leistungen in dieser Schlacht einhellig das Ritterkreuz des Mana 
Tberesien-Ordens zu. 

In demselben Jahre wmde Wimpffen zum General-Adjutanten des Gcne- 
nÜMmus Erzherzogs Karl emaimt und zur Übernahme der Geschäfte bei der 
GeaeKl-Militür-Direction nach Wien berufen. 

Beim Änabruche des Krieges von 1 809 erhielt er, als General- Adjutant des Erz- 
teaogs, den Auftrag, auch dieGenoral-Adjutanten-Get<chiiftebei der grossen Armee 
R besorgen. Der nach General-Major Mayer gefolgle Chef des General-Quar- 
limwBaterstahea General - Major Procbaska hatte die Armee in mehreren diver- 
Coioonen gegen Napoleon entsendet, welches die einzelnen Niederlagen 
bei Regeosburg und Landshut zur Folge haben musste. Hiebei wurden 
Wimpffen, der bei dem Gefechte von Hausen und dem Haupttreffen 
borg sich vergebens für einen glücklicheren Erfolg verwendete, zwei 
mtcr dem Leibe erschossen. Nach der Schlacht von Regenshurg, auf dem 
Ige der Armee über Budwcis, wurde Wimpffen durch Handhiilet des 
la Chef des General-Slabes ernannt und bald darauf zum General-Major 
Bekanntlich beruht es in der eigenthümÜchen Stellung der obersten Offi- 
Gcneral- Stabes, dass das, was sie im Grossen zu der Entscheidung beitra- 
dem Schlachtgcmälde , zu dem sie meist die kräftigsten Farbentöne geben, 
iGanzen zu unzertrennbar auJgenommen wird, um sich —gleich dem Antheiki 
kleinerer Heortheile — für die vereinzelte Daistellung zu eignen. Doch 
vddistcn Entschädigung gehen die Namen soleher Männer in dem Gefolge der 
Mi l ci blichen Feldherreu, deren Absichton sie forderten, auch auf die spütorc 
üadiwell über. Und so war es auch bei Wimpffen an den grossen Tagen von 
Alpern ondWagrara der Fall. In der Relation über die erste Schlacht sagte 
der £nlianEog Generalissimus, dass er in den einsichtsvollen Dispositionen und 
Verwendung des Chefa vom General-Quart iermeiaterstabe General- 
fiaron Wimpffen die erste Grundlage des Sieges erkenne, und verlieh 
Armeebefehl vom 24. Mai im Namen Sr. Majestät das Commandeur- 



Irto«. 



27bc1i dem Treffen bei Znaim sollte das Commando der Armee, da der Erz- 
[■ den Oberbefehl m'cdergclegt hatte, durcli ein Comit^ mehrerer Generale 
rden. Diese in der Kriegsgeschichte seltene Massregel, welche die nach- 
s Folgen hätte nach sich ziehen müssen, bcwog Wimpffen, als Chef 



h 29. Au 



dea General-Stabes sein Amt niederzulegen. Er wurde als Brigadier nach Böhmen, 
Polen, und endlich nach Siebenbürgen beordert, wo er drei Jahre zubrachte. 

Kaiser Alexander liesa ihm in dieser Zeit durch den damaligen Obersten 
und General- Adjutanten de Witt den Antrag machen, unter den vortheilhaftesten 
Bedingungen als General-Lieutenant an der Seite des Kriegs ministefs in russische 
Dienste zu treten, allein Wimpffen lehnte das jVnerbieten ab. 

Als Foldmarachall-Lieutenant focht er im Jahre 1813 mit seiner Division 
ruhmvoll bei Leipzig, übersetzte 1814 mit der Armee den Rhein und nahm thS- 
tigen Antheil an mehreren Gefechten in Frankreich, worunter besonders jene 
gegen Augcreau bei St. Georgesund Limonest, dieEinnahme Lyons u. s. w. 
die bedeutendsten waren. 

Seit der ohne Auftrag erfolgten Erstürmung der verachanzten Stellung Mar- 
chand's bei Voreppe an der Isere, befand sich Wimpffen bei keiner eatschei- 
denden Waffeuthat mehr. 

Doch hatte er im Jahre 1815 durch seine Energie dem Vaterlande einen sehr 
wichtigen Dienst dadurch geleistet, dass er mit der am 11, December erfolgten 
Besetzung von Landau den von der Krone Frankreichs abgoti-etenen Bezirk bei 
Zeiten occupirte und dieser dann als Entschädigung für Salzburg und das Innviertel 
dem Königreiche Bayern inFolge des Bieder Vertrages zugewendet werden konnte. 

In den Jahren 1816 bis 1819 bekleidete Wimpffen den Posten eines Militar- 
Coramandantoa von Österreichisch -Schlesien, und übernahm 1820 das General- 
Commando im Venotianischen nach dem Abzüge Frimont's gegen Neapel. 

Dem Feldmarschall-Lieufenant Grafen Bub na in Mailand, der von dem revo- 
lutionirten piemontesischen Heere bedroht wurde und fast im Begriffe stand Mailand 
wegen Truppenmangel zu räumen , sendete er von Padua aus ohne alle Weisung 
12 Bataillone, und setzte ihn in die Lage bis Novara vorzudringen und die 
Piemonteaen zu verscheuchen. Bubna erbat sich hierauf eigens eine Belohnung 
für Wimpffen von dem Kaiser, und Seine Majestät verliehen dem Manne „klug 
im Rath, entschlossen in der That" die Würde eines geheimen Rathes, und beriefen 
ihn 1824 als Chef des General-Quartiermeisterstabea nach Wien. 

Von 1830 bis 1844 bekleidete Wimpffen den Posten einea commandirenden 
Generals in Osterreich, dem er erst cntaagte, als die hohen Jahre und die Leiden 
seiner Wunden ihn erschöpft, um die Versetzung in den Ruhestand bitten licssen. 
Seinem Wunsche wurde willfahrt, allein seine Verdienste anerkannte Kaiser Fer- 
dinand zugleich duich Ernennung zum Feldmarschall und Capitän der 
ersten Arcieren - Leibgarde, eine Würdigung, die Seine Majestät unser 
regierender Kaiser am 5. December 1852 noch durch die Ernennung zum Ritter 
s goldenen Vliesses krönte. 

Der greise Held überlebte diese Ehrenbezeugung nicht lange ; er starb am 
I. August 1854 und ward seinem Wunsche gemäss im Parko zu Wetzdorf bei 




877 

Grofsneikcrsdorf begraben, wo monumentale Standbilder an die Heldentliaten des 
Sacrreichisclien Heeres im Jakre 1848 und 1849 in Ilalicn und Ungarn erinnern. 

FmI 60 Jahre hatte W impf fen dem Kaiser die ruhmvollsten Dienste gelei- 
M, in 20 Feldzügeo gekämpft, 8 M'unden erhalten, und bei noch offener tiefer 
Wnnde einenxWinterfeldzugc, in Italien beigewohnt. „Kr war ein Mann," sagt ein 
Dichter von einem anderen Fcldherrn, und seine Worte sind hier nicht minder 
tmcendbar, evar es ganz, war Mann und Held, selbst in der Stunde, wo Mancher 
bleicli, der sonst auch stark." Seine Treue an Monarchen und Vaterland Mar 
rabegrenzL Er besass reiche Kenntnisse der Taktik und Strategie, grosse Diapo- 
Üoiu-f^Üugkeitcn und einen bedeutenden Scharfblick. 

Mit der Strenge im Dienste, unerschütterlicher Gerechtigkeitsliebe und lobhaf- 
MiD Wohlwollen and Zartgefühl verband er eine grosse Uneigennützigkeit, die 
ftm keü Vermögen ansammeln liess. 

Rühmlichste Anerkennung von Seite eines jeden österreichischen ECriegere 
fügt« feinem Sarge, seiner Erinnerung, und die Militär-Akademie zu Wiener- 
Ktoaudt fühlt sich hoch beglückt ihn zu den Ihrigen zählen zu können, da er der 
£r*te war, der die höchste militärische Würde erreichte. 

Uil Recht konnte auch die Akademie -Direction bei seiner Ernennung zum 
FcUnarflcIiaU den Zöglingen insGedächtniss rufen: „dasa diese allerhöchste Beför- 
iomg, welche die Armee mit einem allgemeinen Gefühle der wärmsten Theil- 
■iluBa erfüllte, ein ganz besonders freudiges und erhebendes Ereigaisa für die 
Akademie sei, da Wimpffen ein Zögling derselben ist und durch seine seltenen 
Eigwitrhafteu und umfassendsten militärischen Kenntnisse das vollkommene Vor- 
Ud aiDM Kriegers und Generals gibt." 



d'Hurbal, Franz Vicomte, General - Major, zu Neufchäteau 
Departement Vosges 1760 geboren, diente bei Latour-Dragoner 
t«n Offider bis zum Oberst-Lieutenant 26 Jahre, ward im Jänner 1807 Oberst 
in & KttrBuier-ßogimente und nach der Schlacht bei Aspern General-Major. — 
BoBsieloB hatte alle Kriege von 1790 bis 1809 mit grosser Auszeichnung mit- 
p&Kktea and «ich im April 1806 das Kitt er-, auf dem Schlachtfelde von Aspern 
daiCommaDdeurkreuz erkämpft. 

Ohne seiner vielfachen verdienstlichen Lciatungen in den ersten Kriegen 
pgot Frankreich näher zu erwähnen, kommen wir auf die hervorragendsten zurück. 
Bd ier Vorriicknog der Franzosen am 8. October 1805 von Donauwörth gegen 
W«rtiageD, wo da» Corps des Fetdmarschall -Lieutenants Auffenberg aufge- 
■Mitwar, befand sich Bousselcs mit seiner Division oline alle Verbindung vor- 
»ini dicees Ortes doiachirt. Die Vorhut des Feindes unter Mural zählte bei 
800ORetler, und ihre Bewegungen llosscn erkennen, dass sie Auffenberg zu 
beabsichtigen. Rousseles wollte also nach Möglichkeit Murat's 



«7ö 

Vordringen crachwercn, uud ohne sich durch die in keinem Verhältnisse stehende 
Überlegenheit 211m ßückzugo bewegen zu lassen , er^vartete er den Angriff. Bald 
aber sah sich der wackere Oberst-Lieutenant von allen Seiten eingeschlossen. Durch 
die Schnelligkeit seiner Be^¥egungeIl fand er indesa Mittel, dem Feinde UberaU< 
die Spitze zu bieten, und nach sechs glucklich ausgeführten Attai:|uen führte er 
seine ganze Division mit einer sehr geringen Einbusse an Todten und Vei-wundet«»' 
hinter Wertingen zurück und vereinigte sich Abends mit dem Regimente. 

Wenige Tage später (am 1 1. October) w-urde Latour-Chevauxlegers, als ein' 
französisches Corps mit Ungestüm gegen Ulm vordrang, auf die Anhöhe von Juo^- 
gingcn befehligt, und da der Regiments-Commandant OborstLederer den Feld" 
marschall-Lieutenant Baron Mack hei einer Recognoscrrung begleitete, so über- 
nahm Oberst-Lieutenant Rousaeles das Commando. Kaum war er an der Tete' 
angelangt, so wurde er das feindliche 7. Dragoner- Regiment ansichtig, welches^ 
eben im Begriffe stand unsere schon in Unordnung zurückweichende Infanterie zq 
attaquiren. In diesem dringenden Augenblicke handelte Rousseles mit ausgezeich* 
neter Klugheit; er Hess die Oberst-Lieutenants-Division als Reserve, um die Infanterifl' 
zu unterstützen, und da der Feind mit möglichster Schnelligkeit angegriffen werdeff 
musste und es sich darum handelte, ihm zuvorzukommen, so achtete KouaselcB 
das Gewalirfeuer eines in seiner rechten Flanke aufgcstelllen Jäger-Bataillon» 
nicht, sondern drang in die Dragoner und jagte sie mit Zurücklassung einer ihrer 
Standarten und mit solchem Verluste In die Flucht, dass sie diesen Tag nicht 
mehr auf dem Schlachtfelde erschienen. Diese Attaque, welche zu dem glücklieben 
Ausgange der Affaire viel beitrug, gewährte neben demVortheilc, dass unsere Infan- 
terie gerettet wurde, noch den besonderen, dass der Feldmarschall-Lieutenant Fürst 
zu Scbwarzenberg (welcher mit einer Cavallerie-Abthoilung im Rücken des 
Feindes detachirt war) gesichert und Jessen Vorhaben so wie die Behauptung 
seiner bereits errungenen Vortheüe erleichtert wurde. 

Auf dem Ruckzuge desFeldmarschall-Lieutenants Baron Worneck nach Iler- 
brechtingen, folgte Rousseles mit zwei Divisionen alsNacbtrab der Colonne und 
wurde durch den Drang der Umstände bemUssigct, sich auf einem sehr durch- 
schnittenen Terrain zur Aufnahme der geworfenen Nachhut aufzustellen. Da in Folge 
der Bodenverhältnisse kein nachdrucksamer Widerstand geleistet werden konnte 
und der tapfere Officicr von Infanterie ganz entblöast war, so zog er sich fechtend 
zurück; allein der Feind verfolgte ihn mit Ungestüm. Die Unordnung fing schon 
an allgemeiner zu werden, als Rousseles, nachdem er schon mehrere Mittel 
vergebens angewendet hatte den lästigen Verfolger aufzuhalten, den Augenblick 
ersah, wie der Feind eben beabsichtigte sich einer von uns verlassenen Kanonv; 
zn hemeistern. Diesen Umstand benlitzte er vortrefflich, eiferte seine Reiter aa, 
sammelte mehrere dcrselhcn, jagte dem Feinde die Kanone wieder ab und ert'elchtBJ 
das angestrebte Ziel, da der Colonne ein ruhigerer Rückzug ermöglicht ward«. 




»79 

FcIdmarschnU-LieutenantWerneck war bald darauf am 17.0ctobcr zurCapi- 
nilalion aufgefordert worden und hatte den Oberst-Lieutenant Housseles mit zwei 
Dinsiooen detactirt, um au ;zukun dach alte Q , ob das Ärmeecorps wirklich eingc- 
leUoaen sei. In seiner Abwesenheit wurde iiidess die Capitulation unterzeichnet, 
tad sobald ihiu hierüber bestimmte Nachrichten zui^^ekommen waren, fasste er den 
EotBchla&s sich mit seinen Reitern nach Eger durchzuschlagen. Gänzlich abgeschnit- 
ten roD der Abt heil ung des Erzherzogs Ferdinand, wählte Rousseles den Weg 
direh das Anspacbiscbe, und obschon mehrere Orte, welche er passiren mussto, von 
In FranÄOscn besetzt waren, so brachte doch den unerschrockenen Oöicier nichts 
TQo deni Wagoiss ab, die Truppe zu retten. Mit grosser Ausdauer legte er eine 
Strecke von mehr als 50 Meilen zurück, und es gelang ihm durch Vorsicht und 
TUti^eit diese zwei Divisionen, eine Abtbeilung von Hobenlohe-Dragoncr, dann 
mi Uack- and Erzherzog Franz-Küraaaleren von Bopfingen nach Eger in Sicher- 
kat fu bringen. 

Im Jahre 18U9 zeichnete steh Rousseles vorerst im Treffen bei Eckmühl 
m 22. April aus. Nachdem das 4, Corps dem üborlogenen Feinde weichen miisstc, 
ukm die Brigade ächnellcr, Kürassier- Regimenter Kaiser und Go tteshcini, 
Stdiaag vorwärts Eglfifsheim, um die Cavallerie-Uegimenter dieses Corps zu un- 
tantBtxen. Es waren dies Vincent-Chevauxlegers, Stlpsicz- und zwei Schwadronen 
bxhenog Ferdlnand-iJusaren, ini Ganzen kaum 2000 Mann, welcbe 17 feind- 
lidieii ßegimenlern (über 10,000 Mann), die sich um 7 Uhr Abends mit zahlreichen 
ÜMcIlUtMo entwickelten, Stand halten sollten. Die Abenddämmerung trat eben 
da als Oberst Rousseles mit seinem Regimente auf die zuerst aufmarschirten 
&us$«itchen Reiter einen kraftvollen Angriff führte. Diese erwarteten ihn stehen- 
^MFuses and empfingen unsere Kürassiere mit einer Salve ihrer Feuerwaffen, 
■DOMS andere feindliche Schaaren , welche die Attaque- Fronten Rousseles' 
M bcideD Seiten Überragten, sich seinem Regimcnte in beide Flanken warfen und 
na RUckxugo notbjgten. Vorgobcna waren die Versuche der anderen Regimenter 
Res t sei es' Reiter zu degagiren; sie alle mussten dem Feinde weichen und fanden 
«Win dem glänzenden Angriffe des General -Majors Bersina von Siegenthal 
(»■i) Halt. —In der Schlacht bei Aspern führte Rousseles mit deniRegimenlc 
■«fcrtre «Er gelungene Atta^juen aus und fiirderto den Sieg der kaiserlichen Waf- 
fta is M ausgezeichneter Weise, dass der Generalissimus auf Anempfehlung des 
(Btilen von Liecbtonatein den entschlossenen Obersten mit dem Comman- 
^•irkreuze schmückte. 

Es war ani ersten Schlachttage als gleichzeitig mit dem Angriffe der franzä- 
Mfctn Reiter maasen auf das Centrum, auch der rechte Flügel unserer vierten 
Odonao bedroht wurde. Die Eisenmänner stürzten sich auf die von den Regimen- 
tniEnbenog Ludwig, Czatorisky und Coburg gebildeten Massen, deren 
Ami Haltung sie aber zu erschüttern nicht vermochten. Rouaseles warf sich den 



k 



H80 

J-'ranzosen jedesmal, so oft sie naiiten, beherzt entzogen und trieb sie zurück; 
dreimal wiederholten sie ilire AngrifFe, konnten aber unsere Inf anterieni aasen nicht 
berühren, da Rousselea stets zum Gegenangriffe schritt und die Versuche — 
von Kaiser Napoleon in eigener Person geleitet — vereitelte. Als nun der 
General der Cavallerie Fürst Liechtenstein den Weichenden nachsetzen Hess, 
war der tapfere Oberst an der Spitze seiner Kürassiere unermüdet, dem Feinde 
Abbruch zu thun und ihm viele Gefangene abzujagen. 

In Folge des Wiener Friedens musste dieser für die Waffenehre Österreichs 
in so vielen Gelegenheiten thätig gewesene ausgezeichnete Offieier zu Ende Mai 
1811 als ge borner Altfranzose unsere Dienste verlassen, nahm in seiner Heimatfa 
eine Anstellung, rückte zum Gcneral-Lioutenant vor und verschied im 80. Le- 
bensjahre. 

MESKO vonFelsS-Kubiny, Joseph, Feldmarschall-Lioutenant, einer der 
tapfersten Officiere, der in den Kriegen gegen Frankreich vom Rittmeister bis zum 
Feldmarachall-Lieutenant zumeist auf dem Schlachtfelde die Grade sich ervi-orbea 
hatte. In ErdtVTarcsa in L^ngarn geboren, trat Mesko im 22. Lebensjahre als 
Cadet bei Wurmser-Husaren ein, und wohnte den Feldzügen gegen die Pforte als 
Unterlieutenant, jenem gegen Frankreich als Rittmeister bei. Der gelungene Über- 
fall auf eine feindliche Abtheilung bei Furnes (1. Juni 1793) wo er 2 Officiere 
und 25 Mann gefangen nahm , war seine erste erhebliche Waffonthat , der bis zum 
LunoviUer Frieden viele andere und die ausgezeichnetsten im Jahre 1800, da er 
bereits Major im 7. Husaren-Regimentc war, folgten. 

Major Mesko hatte sich als Vorposten-Commandant imSusaer-Thale voll- 
ständige Kcnntniss von der Stärke und Stellung des sehr stark befestigten ihm 
gegenüberstehenden feindlichen Postens Mont Cenis verschafft, und machte 
dem Corps- Commandanten Feldmarschall-Lieutenant Keim den Vorschlag, diesen 
angreifen und aiiflieben zu dürfen. Den Plan billigend, ertheilte ihm der General 
zugleich die Weisung zu Gunsten der Operationen der Armee, die zur selben Zeit 
gegen Genua und die Rivlera vorgerückt war, den Mont Cenis anzugreifen, wodurch 
eine ernstliche Demonstration gegen Savoyen erzielt werden sollte. Mesko brach am 
6. April 1800 Nachts um 12 Uhr mit 8 Compagnien Infanterie von Susa auf, nahm 
den Weg über den Col d'escaliera und den kleinen Mont Cenis und erreichte nach 
einem siebonzehnstündigen überaus beschwerlichen Gebirgsmarsche, immer im tief- 
sten Schnee watend und die steilsten Berge und Felsen erkletternd, die Hochebene 
des kleinen Mont Cenis. Hier Hess der wackere Major die Truppen fünf Stunden 
ruhen, brach am 7. um 11 Uhr Nachts wieder auf, setzte den Marsch durch daa 
Gebirge fort und erschien am 8. mit Tagesanbruch auf dem grossen Mont Cenis, 
beziehungsweise im Rücken der feindlichen Verschanzungen mit solcher Vorsicht, 
daas ihn der Feind erst bemerkt hatte, als Mesko bereits auf seine Batterie und 




881 

Cutonlningen losstürmte. Die Franzoson wurden In ihrer StcUung voUkommcn 
älicrfallcn, und in einer halben Stunde hatte sich Mosko des grossen Mo nt Ccnis 
md »Uer Verschanzungen ohne Verlust eines einzigen Mannes bcracistert. 
Aüe feindlichen Werke auf diesem Berge mit 18 Kanonen, 340 Gefangene und 
riifip Gewehre, Munition und Mundvorräthc fielen in seine Hände, worauf er den 
f«iid bis Moilane in Savoyen verfolgte, bei welciier Gelegenheit sich die feind- 
lichen Generale Ig Valette und Davin nur mit Mühe und zu Fuss retten konnten. 
Mosko hielt den Mont Couis so lange besetzt, bis er das erbeutete Geschütz, die 
Gewehre, Munition und Mundvorriithe nach Turin schaffen und alle Verschanzun- 
gtt serstären konnte. In der Vcrmuthuug, dass er sich mit dem grössten Theile 
•ODfir Truppe auf dem Mont Cenis und in Savoyen noch befinde, griff ihn der 
IHrisions- General Turreuu oui II. April mit ÜOOU Mamj bei Exiles an; der 
Kimpf war sehr hitzig , aber dei' wackere Mesko schlug Turreau mit Verlust 
•ciaes Adjutanten Blauiond und 17(-l Mann zurück. 

Aiu 18. Mni wagte diesei- Genoi-al einen zweiten AngriÜ', wurde aber neuer- 
togs bewältiget. Da über Turreau den gemessenen Befehl hatte zu Gunsten der 
(^tarUionen der Armee Bouaparte's, die damals bei Ivrea erschien, Alles onza- 
«mdot, nm bei Suea durchzubrechen, so hatte er von Fcnestrelles, Brian^on und 
itr nnliegendcn Gegend die disponiblen Truppen an sich gezogen und eine Stärke 
foo 4Ö00 Blum erreicht. Mesko's Dctachement, mit EInrechnung der Cavallene, 
wwkte 2500 Köpfe betragen babeii. Turreau's Angriff auf Susa erfolgte am 
3. Hai mit Tagesanbruch, und sofort entspann sich ein eben so lebhaftes als 
Itbrti^ Gefecht. Der unerachrockeue Major vertbeidigle seine Position bis zur eiu- 
hedwndcn Nacht und zog sich endlich nach Avigliano zurück. An diesem Tage 
wtlor Torruaa an Todten und Verwundeten 1200 Mann, worunter sehr viele 
OAderc. Am 26. Mui, am 9. und 4. Juni griffen die Franzosen die löwenkühnen 
Hsuren bei Avigliano und später bei St. Ambrosia nochmals an , und da sie 
to Durchbrach um jeden Preis durchsetzen wollten, so waren alleGofechte blutig, 
«kiMirtoo «b«r an der Ausdauer unserer Truppen. Die Franzosen hatten in diesen 
Gcfedten 22 Officiere und 70fl Mann an Gefangenen eingebüsst , und einen so 
Weoumdcu Abgang an Todten, Verwundeten und Gefangenen erlitten, dass sie 
mdlich ihr Vorhaben aufgeben mussten, zumal die Division Turreau bis auf 
'iOO Mann herabgeh chmolzen war. Dieses überaus tapfere Benehmen Müsko's 
Wirf Jurch das Cnpitel im Jahre 1801 mit dem Kitterkreuze belohnt. 

Schon früher war er zweimal, immer vergeblich, um diese Auszeichnung ein- 
|H«iri«cn; im Jahre 1797, da er sich als Rittmeister bei Blankenstein-Husaren 
ö den Treffen von Kircheip, besonders aber bei Aniberg 1796 nusgezeichnet 
itOe, wie es Feldmarschall-Lieutenant Baron Kray, der ihn in seinen Ilclatio- 
!•« ouneatlicb aufgeführl und auch nachtraglich zu einer Belohnung oder Beför- 
ienag anempfohlen hatte, bestätigte; dann im Jahre 1799, wo er als Major nicht 




weniger als vier erhebliche Thaten aufzuweisen hatte, und zwar auB der Schlacht von 
Verona, bei der Einnahme der Stadt und Citadeile von Casale, bei der Ein- 
nahme der Stadt Turin, bei dem Entsätze der belagerten Festung Ceva und vor 
der EestungCuneo, sowie über die wiederholt im S usaer Thale geleisteten -wich- ' 
tigen Dienste. Indcss fand der brave Soldat in der Beförderung zum Obersten im 
Uegimentc, welche im November 1800 und nur zwei Monate nach seiner Ernen- 
nung zum Oberst-Lieutenant erfolgte, die beruhigende Überzeugung, dass seine 
ausgezeichneten Handlungen nicht vergessen wurden, und so war er auch im Jahre 
1805 in der obern Steiermark bemüht, die ihm zu Theil gewordene Aufgabe eines 
detachirten Commandanten nach Möglichkeit zu lösen. 

Im Juni 1808 zum General-Major befördert, diente Mesko im Jahre 1809 als 
Brigadier bei der ungarischen In surrections- Armee und erwarb sieh um die Auf- ■ 
Stellung derselben grosse Verdienste. Nach der verlorenen Schlacht bei Raab 
(14. Juni) wurde er mit 5000 Mann und 10 Geschützen in den Verschanzungen 
zwischen der Raab und Raabnitz ganz abgeschnitten, und in den folgenden zwei 
Tagen bei SziU und Kis-Sz^l vom Feinde wiederholt angegriffen. Aber nicht allein 
dass er diese Angriffe muthig zurückschlug, dem Fciude 7 OfSciere und 300 Mann 
als Gefangene abnahm, er hatte auch sein Corps, und am 16. Juni bei Kis-Ss:^ 
36 kaiserliche Officiere und gegen 500 Mann, welche bei Raab gefangen an eben 
diesem Tage Kis-Sz^l passiren sollten, aus der Gefangenschaft befreit. 

Seine Majestät der Kaiser lohnte diese That durch Allerhöchste Entschliesaung 
vom 25. August mit dem Commandeurkreuzo. 

Das Jahr 1813 rief den Im April zum Feldmarschall-Lieutenant beförderten 
erfahrenen I*Crieger nochmals, wenn auch auf kurze Zeit unter die Waffen, In 
Klenau's Corps erhielt er das Commando einer Division; die Schlacht bei Dres- 
den war für ihn verhüngnisavoll. Beim Schonengrund von der ganzen Reiterü 
Latour-Maubourg'a und mit 40 Kanonen angegriffen, leistete er mit seinw 
Truppe heldenmüthigen Widerstand, wurde aber trotz aller Anstrengungen von 
dem vielfach überlegenen Feinde geworfen, verwundet und gefangen. 

Nach der Ranzionirnng trat Mesko im September 1814 in den Ruhestand, 
und zog sich nach Güns, wo er in der abgewichenen Friedense poche als Brigadier 
gestanden. Dort ereilte ihn der Tod schon am 29. August 1815 im 58. Lebensjahre. 

KlENMATEB, Michael Freiherr von, General der Cavallerie, geheimer Rath, 
Inhaber des 8. Husaren-Regiments, war zu Wien am 17. Jänner 1755 geboren und 
trat am 1. Oclober 1774 als Cadet bei dem 26. Infanterle-Regimente Puebl« 
in die Reihen der österreichischen Armee. Im März des folgenden Jahres war er 
schon Lieutenant bei dem reducirten Dragoner-Regimente Jung- M öden a, und im 
Jänner 1778 zweiter Rittmeiäter im 10. Husaren -Regimente Barco. Hier machte 
er die Feldzüge 1778 und 1779 gegen Freussen mit, in welch' letztcrem Jahre 




■B 18. JSnner bei der Eroberung des Blockhauses von Oberschwedeldorf auf dem 
SciiUohtftilde zum ersten Uittmeister ernannt wurde. 

In dem 1788 ausgebrocbcnen Kriege gegen die Pforte fandKieomayer die 
trwflnscbtc Gcicgenlieit, seine Tapferkeit und militüi'ischen Talenle gISnzen zu 
Uncn. Als die Türken von Chotyra vorrlJcl(ten und am 24. April 1788 sowohl 
den PoäWn Bohatyo, als den Verliau, welcher die rückwärts liegende Bergkuppe 
beiPojan* Loai umschloss, angriffen, konnten die aufgestellten Piquete, zusammen 
40 H&nn stark, den anstürmenden Muselmännern (2000 zn Fuss und zu Pferde) 
aainSglicli widersieben und waren in Gefahr, denselben mit der beibabenden 
StDOoe in die Hunde zu fallen. Da erschien Riltmeister Kienmayer, welcher 
eben mit einem Officier, einem Corporal und 12 Husaren von einem Kundschafts- 
tau xorSckkehrte; es gelang ihm, die zerstreuten Infanterie- Piijuele zu sam- 
meln nad der Art zum Widerstände zu begeistern, dass der überlegene Feind 
melirere Male über den steilen Berg geworfen wurde. Endlich siegte jedoch die 
CbertDAchl und umzingelte das tapfere kleine HauÜein von allen Seiten. Nun 
(m befahl Kienmayer den Rückzug, wiibrend welchem er durch wiederholte 
Attaquen mit den wenigen Husaren die Türken von der Verfolgung abhielt und 
dmmtlicbe Infanterie- Piquete mit der Kanone glücklich zu der aus 2 Compagnien 
UerenbuUer-Infanterie Nr. 12 bestehenden Haupttruppe brachte. Diese for- 
nirte ein Carrä , in welches sich Kienmayer mit seinen Husaren begab, denen, 
•0 wie ihm, alle Pferde getädtet oder verwundet worden waren. Kienmayer 
focht lu Fuss mit dem Säbel in der Faust und bewirkte vereint mit den Haupt- 
Inteo Klein und Borvifz (s. d.), dass die Türken nach einem zweistündigen 
«mkeoden Kampfe den Rückzug antreten und von dem beabsichtigten Einfalle in 
£e Bukowina abstehen mussten, Waiirend der Cernirung von Chotym wurde 
Kieamajer mit 5Ü Husaren und 50 Jagern auf das linke Ufer des Dniester 
btorden, um die Türken zu verhindern, sich wie bisher aus dem Gebiete dos Frei- 
Bute« Polen mit Lebensmitteln zu versorgen. Kienmayor streifte zu dieacm 
Zvtcke von Zwaniec längs dem Flusse abwärts bis Hrinczok, zerstörte am 31. Mai 
•üe vorhandenen Schilfe und fasste im Walde Raskow hinter dem Dorfe Braha, 
mvtlehem seine Vorwachen versteckt waren, Stellung. General der Cavallerie 
Pnai Coburg hatte zur Verbindung mit den auf dem linken D niester- Ufer stehen - 
"i« Trappen bei Prchodorek eine Schiffbrücke schlagen lassen. Der im Gebirge 
lOchmotzeDe Schnee schwellte zu dieser Zeit plötzbch alle Gewässer. Am Morgen 
«• H. Juni trieben drei Flösse mit aller Gewalt an die Schiffbrücke , so dass sie 
n ivei Tbeile riss. Don kleineren Theü rettete Hauptmann Hohenbruck mit 
tePontonieren an das linke Ufer, den grösseren aber fingen die Türken beiCho- 
fjw «of und begannen ihn am rechten Ufer zu befestigen. Auf die Meldung hier- 
necDte Kienmayer mit 15 Jägern und 19 Husaren an das Ufer, drang mit der 
VutSKbaft bis an den halben Leib ins Wasser und binderte durch ein heftiges 



SS4 

Fouor die Türken an der Bofestiguno; dor ScliifFbriicko, welche nun von dem Flusse 
weiter fortgeführt wurde. Kienmayer folgte derselben auf dem linken, einige 
hundert Türken unter stittcm Plänkeln auf dem rechton Ufer, bis endlich Letztere 
bei Baraban ihre Absicht aufgaben und nach Cbotym zurückkehrten. Mit Hülfe 
eines des Schwimraens kundigen Husaren und der in Eile zusammengebrachtea 
Bauern gelang es, die Brücke gerade bei Malinofcze, wo daa erwartote russische 
Hulfscorps den Dniester überschreiten sollte, an das linke Ufer zu bringen, 

"Während der Belagerung vonChotym bestandKienmayer einige glückliche 
Scharmützel mit den Türken und vereitelte stets ihre Absicht, auf dem linken 
Dniester-Ufer Lebensmittel einzutreiben. 

Im November 1788 wurde Klenmayer in Anerkennung der geleisteten 
vorzüglichen Dienste zum Major befördert. Als die österreichisch-russische Armee 
1789 zur Schlacht bei Fokschan vorrückte, er^v-arb sich Kienmayer am 
31. Juli in dem Gefechte mit den Türken durch Erobemng ihres Lagers und Ver- 
folgung derselben bis über den Putna-Fluas, so wie in der Schlacht am 1. August 
neue Lorbern, und rückte zum Oberst-Lieutenant vor. Auch in der Schlacht bei 
Martinostje am 22. September trug Kienmayer durch hoIdenmüthigesBeispid 
wesentlich zum Siege bei und wurde vom General der Cavallerie Prinzen Coburg 
mit der Relation über diese Schlacht an den Kaiser nach Wien geseudet, welcher 
ihn mit einem kostbaren Ringe beschenkte. Am 26. October wieder bei der Arme« 
eingeti'offen, führte Kienmayer bei der Vorrückung in die Walachei die Avant-' 
garde und besetzte am 9. November die Hauptstadt Bukurest, M-elche von den 
Türken ohne Kampf geräumt wurde. Um das Land gegen Gyurgewo, in welch© 
Festung die Türken ihren Rückzug genommen hatten, zu recognosciren , wurde 
Kienmayer am 12. November mit 30ü Husaren, 5UÜ Amanten und 2 Kanonea 
von Kalagureny dahin entsendet. Unterwegs erfühl- er, dass der Woiwode, der 
Gyurgewoer Raja Jussuff Pascha, sieh in dem eine Meile von der Festung 
gelegenen Dorfo Onyak auflialte, um Lebensmittel für dieselbe einzutreiben. 
Kienmayer fasste sogleich den Entachluss den Woiwodeu aufzuheben, sehlidt 
eich zu Fusa in Begleitung des Arnauten-Majors und zweier Officiere von Barco- 
Husaren bis nahe an das Dorf, um sich die Ortlichkeit genau zu besehen, und ent- 
warf sodann den Plan zum Überfalle, welcher bei eintretender Dämmerung mit so 
gutem Erfolge ausgeführt wurde, dass Jussuff Pascha nebst mehreren Türken 
gefangen und über 2000 Stück Schlachtvieh und Pfc-de erbeutet wurden. Der 
Lohn fiir seine tapferen Thaten in den letzten zwei Feldzügen war seine im 
November erfolgte Beförderung zum Obersten bei Leveneur-Chevauxlegers (nun, 
4. Dragoner - Regiment) und die Vez-leihung des Thercsien - Kreuze; 
31. December desselben Jahres. Suworow, oftmals Zeuge seines Heldenmuthes, 
bewies ihm durch mehrere Briefe seine hohe Achtung und Theilnahnie an den i) 
gewordenen Auszeichnungen. 



885 



tiu October 1793 wiirileKienniayer 211 dem 10. H u a are n -Regime 11 te trans- 

fcriri, in ilesäcii Reihen lt durch seine IlelJcnth.itcii uiivcrgesslifh wurde. Feld- 

niBisch&ll Prinz Coburg, welcher ihn im Türkenkriege kennen gelernt hatte, 

mcbtc ägcDs um diese Übersetzung an. Im Feldzuge 1794 in den NiedcrkndeD 

ww Kivnmayer bei dem Corps des Fcldzeugmeisters Grafen Kaunitz einge- 

Iteill und Eciehiicte sich als Commandant der Avantgarde am 23. April in dem 

Gefceblc bei Sei re IcChüteau, dann ani 13. Mai in jenem vonRouvroy rülim- 

llchst ans, in welch' letzterem sein kühner Angriff mit 6 Schwadronen die bei 6000 

Sann stnrkc frtinzösische Colonne zum eiligen Rückzüge über die Sambre bewog. 

Arn 28. April 1794 erfolgte seine Ernennung zum General-Major ausser 

Jer Tour ; als Comxuaadant eines Theilea der Vorposten der Hauplarniec leistete 

hip^VVoliI in diesem, als in den folgenden Feldzügeu am Rhein und iu Deutschland 

^^^■lobtig^ren Dienste, insbesondere am 17. August 1796 in dem Tretfen bei 

BP^I urg in der Oberpfalz durch wiederholte kräftige Cavallerie-Attai|uen, ferner 

' ua 4. September 1796, wo er mit dem Regimcnte Kaiser-Husaren ein grosses 

rriD<llichc8 Magazin in Werlhheim, und bei Freudenberg am Main lU feindliche 

Selitffe mit 60 Kanonen und 34U Pulverfiissern erbeutete. Dessgleichen nahm er 

den lluUtgsIeii und rühmlichsten Anthctl an den Schlachten bei O^tcrach und 

Slockxch, beliauptetc am 22. Mai 1799 mit einer geringen Truppenzahl das Dorf 

Ileitlingcn in der Schweiz gegen die wiederholten wüthcndea Angrifl'e, welche 

die KruizDscn mit sechsfacher Übermacht unternalmien , und brachte ihnen einen 

l>«leutvDdcn Verlust an Todtcn und Verwundeten bei. Zwei Tage darnach (am 

ti. Mai) wurden die vom General-Major K i n m ay e r befehligten leichten Truppen 

du Avantgarde (2'/, Bataillone und 8 Schwadronen), welche hinter der Töss aufge- 

lMllli«roD und die D<irfer Berg, Buch, IIiimckon,Esch, Hettlingen und Hehngarten 

^' IHM Ueltcn, von den Franzosen unter General Paillard angegrijFen, MuthvoU 

'•fco die mit Ungestüm unternommenen Stürme der Franzosen auf die Dörfer 

uck, nunicken und Hettlingen abgeschlagen, als Kienmay er um 8 Uhi' Morgens 

äic Xichricht erhielt , dass er in Gefahr sei von der Brücke über die Thur bei 

AnileUingcn, ueinor einzigen Rückzugslinie, abgeschnitien zu werden. Er verlieas 

ornj die Tfrtheidigfen Ortscbaflen und bewirkte den Rückzug auf die Höhe von 

Andplfingen in bester Ordnung, indess das Husaren-Regiment Mc^szäros mit 

*in CaTallerie-Geschülz auf den mit Ungestüm nachdrängenden, weit überlegenen 

Ftind mdircrG gelungene AttÄijuen ausRihrte. Kaum bei Andeltingen angelangt, 

Wtni Kienmayer von dem General Piacsek, welcher mit lU Compognien 

wj cisigpn Abtheilungen Grcnz-Husaren zwischen Altikon und Psyn gestanden 

»», die Meldung, dass er, ebenfalls mit überlegener Macht angegriifen, gezwun- 

toaci, «ich mu^h Andelfingenzu werfen. Um den Truppen des Generals Piacsek 

Zeit so luseo, die Thur-Brücke zu erreichen, leistete Kienniayer auf denHohen 

"«nrSrta Andelfin^en durch zwei Stunden den heldenniUthigsten Widerst.ind; doch 



als beinahe alle seine Geschütze demonlirt waren, Hess er das GescLUtz und den 
grössten Tbeil seiner Truppen durcli die Stadt und über die Brücke zurückgeben 
und deckte dessen Rückzug, indem er das obere Thor von Andelfingen mit 50 Mann 
(von Wenkheim Infanterie und Tiroler-Scbützen) und einem Zuge Husaren per- 
sönlich Tertbeidigte. Mittlerweile drangen die Franzosen durch die rückwärtigen 
Gärten theils gegen, theils über die Brücke und bemächtigten sich derselben, so 
dass die in Andelßngen zui'ückgebliebenen Österreicher gänzlich abgeschnitten 
waren. Kienmayer, dem sich ein von der Brigade Piacsek abgedrängter Zug 
Grenz-Husaren angeschlossen hatte, verliess nun das Thor, um die Brücke zu 
erreichen. Der grösste Tbeil des Fussvolkes erreichte sie auch, doch Kienmayer, 
welcher mit den 2 Zügen Husaren folgte, wurde auf halbem Wege von meh- 
reren ihm entgegenstürzenden Schwadronen Chasseurs angegriffen, während durch 
das eben verlassene Thor zahlreiche feindliche Truppen ihm auf dem Fasse nach- 
folgten. Schnell entschlossen, wendet er sich mit seinen Husaren gegen letztere, 
haut sich glücklich durch und jagt zu eben dem Thore hinaus, wo er gekommen. 
Von da wendet er sieb links gegen die Thur, allein auch hier ist das Ufer mit feind- 
lichen Schützen besetzt. Vom Feinde heftig verfolgt, nirgends eine Aussicht zur 
Rettung und doch schlechterdings entschlossen, sich nicht zu ergeben, begeisterte 
Kienniayer seine tapferen Reiter zum Ausserordentlichen und stürzt sich mit 
seinem Pferde in die reissende Thur, indess seine Husaren an anderen Stellen 
diesem heroischen Beispiele folgen. In dem Augenblicke, als er in die Thur springen 
wollte, sah er sich von französischen Chasseurs umringt; doch eine seiner Ordon- 
nanzen, Gemeiner Fekete von Barco-Husaren , parirte die Säbelhiebe und ver- 
scbafFte Kienmayer Gelegenheit, sein Wagestück auszuführen. Glücklicherreicht 
der Muthigo mit 50 Husaren das jenseitige Ufer, indess 30 theils im Flusse, theils 
beim Durchbauen ihr Leben einbüssen. Unverletzt ging Kienmayer aus diesem 
beissen Kampfe hervor, nur sein Pferd wurde verwundet. Durch die am jenseitigen 
Ufer aufgeführten Batterien, so wie durch den Brand der Brücke wurden die Fran- 
zosen vom weiteren Vordringen abgehalten. 

Am 4. September 1799 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, übernahm 
Kienmayer das Coramando einer Division bei der Armee in Deutschland. Im 
Feldzuge 1800 hatte diese Division (8843 Mann, 3289 Pferde) die Bestimmung, 
ein bei Kehl stehendes französisches Corps zu beobachten, wälirend die österrei- 
chische Hauptarmee sich noch iu den rückwärtigen Canlonirungen befand. Am 
25. April von 16,000 Franzosen unter Anführung des Generals St. Suzanne 
angegriffen; hatte er den Befehl, einem überlegenen Feinde langsam zu weichen 
und sich keiner Niederlage auszusetzen, daher zog er sieb unter fortwährendem 
Kampfe aus der ausgedehnten Stellung am Rheiu bis auf die Anhöhen bei dem 
Dorfe Bühl zurück, wo er durch den hartnäckigsten Widerstand die Franzosen 
nöthigte, nach einem zwölfstündigenGefecbtegegenOfFenburgzuweichen.Mit dem 




887 



rerhältnigsmätöig geringen Verluste von 281 Mann verschallte er hiedurcb dem 
FeldzcugmeUCer Baron Kray die nöthige Zeit, die Jlauptarmee in dem Lager bei 
Doioan-Esch Ingen zu sammeln, und den bedrohten Corps Unterstützung zuzusen- 
den. An dea Weilern Ereignissen dieses Feldzugea nalim Kienmayer mitgewohn- 
ler Umsiebt und Tapferkeit Theü, erhielt nach dem Friedensschlüsse zu Lnneville 
das Mtlitär-Commando in Troppau, und wurde im Jänner 1802 zum Inhaber des 
6. HnEaren-RcgimentB ernannt. 

Id dem Kriege 1805 befehligte Kienmayer am Lech ein selbstständigea 

Corps fOQ 6200 jilann, und kam nach dem Pressbuiger Frieden als Divisionär 

tucb Ohaütz, später nach Fünfkirchen, wo er bis Ende des Jahres 1808 blieb. Als 

1809 abermals der Krieg mit Frankreich entbrannte, erhielt der General das 

Commando des 2. ReseiTccorps. In der Relation über die Schlacht bei Aspcrn 

wurde er unter den Ausgezeichneten genannt, dann am 18. Juni angewiesen, 

da« Commando über das II. Armeecorps zu übernehmen , welches (9000 Mann, 

800 Pferde stark) Böhmen decken sollte. Zu diesem Zwecke war General Am 

Kode mit 5000 Mann und 600 Pferden in Sachsen eingerückt, hatte Dresden 

bc»etzt and war mit einem Theile seiner Truppen im Marsche gegen Leipzig; 

Geoeral Rndivojevich aber hatte mit 4000 Mann und 200 Pferden einen 

Streifoug ins Baircuthische unternommen. Kienmayer eilte nach Sachsen, und 

traf atn 27. Juni dem General Am Ende bei Stanchwitz im vollen Rückzüge vor 

dem Ktinigc von Weatphalen, Jerome Bonaparte, welcher mit 14,000 Mann 

lad 3000 Pferden Sachsen zu befreien und in Bübmen einzudringen beabsichtigte. 

Er htzng alfioam 28. die vortheilbafte Stellung auf der Anhcihe zwischen Nossen 

nnd dem Celler Walde, und schlug einen Angriff des überlegenen Feindes 

•0 glücldich znrUck, dass dessen Yorrückung einstweilen eingestellt werden musste. 

ba jedoch auch von Bamberg aus, wo ein französisches Corps unter Junot 

ftand, Böhmen bedroht war, so liesa Kienmayer den General Am Ende 

nut 3 Bataillonen und 2 Schwadronen nach Dresden umkehren, mit der Weisung, 

im Falle eines Angriffes sich bei Gicshübel oder Peterswalde in den Grenz- 

^irgen Böhmens zu behaupten und die Strasse nach Theresienstadt zu decken; 

vtkrenderselbst mit 4 Bataillonen, 1 Schwadron, dann den braunschweigischen und 

kttücben Truppen unter dem Herzoge von Braunschweig-Ols (im Ganzen 3500 

Muin,ii(Kl Pferde) über Chemnitz nach Plauen rückte. Hier erhielt er am 4. Juli die 

Sidiricht, dass Junot mit 800U Mann undl200Pferden von Bamberg im Anmar- 

•chesei, und dass Jerome Bonaparte, durch Kienmayer's Bewegung nach 

IlaKo getäuscht, sich begnügt habe, den General Am Endo aus Dresden zu ver- 

'lii^en, und nun über Freiburg und Chemnitz gegen Zwickau vorrückte, um sich 

mit Jonot zu vereinigen und dann nach Böhmen vorzudringen. Erfolgte diese 

Verdnigung, so war Kienmayer viel zu schwach, Bühmen vor einer feindlichen 

lamioa tu schützen; er beschlosa also, sich in Verbindung mit den Truppen des 





Generals Kadivojevich zwischen (lieacn beiden feindlichen Corps zu behaupten, 
wenn möglich vereinzelt zu schlagen und ihre Vereinigung zu hindern. Am 6. 
setzte er seinen Marsch über Hof und Plelmbrccht fort, und erreichte am 8. Mittags 
bei Gefreed Kadivojevich, welchen er im Kampfe mit Juno t fand. Unge- 
achtet dessen Uberlogenheit anCavallerio und Geschütz, ging Kienmayer sogleich 
zum Angriffe über; nach einem dreistündigen heftigen Gefechte ward Junot 
geworfen, und Höh über Baireutb bis nach Amberg. Der General Hess ihn 
bis über Baireu th hinaus verfolgen und diese Stadt durch unsere Truppen wieder 
besetzen. Die Resultate dieses Sieges waren, neben einigen 100 Gefangenen, der 
Besitz der Provinz Baireutb und eines bedeutenden Tbeilos von Franken, welche 
Landstriche für den Unterhalt der Truppen reiclie Hülfsrjuellen, hauptsächlich aber 
die Möglichkeit boten, dem Könige vonWestphalen, der inKienmayer's Rücken 
von Dresden gegen Schleiz vorrückte, ungehindert entgegen gehen zn könneu. 
Wirklieh lief am 9. Juli die Nachricht ein, dass Jerome Bonaparto sieh im 
vollen Marsche von Plauen gegen Hof befinde. Kienmayor liess Bairouth nur 
schwach besetzt, befahl dem General Am Ende wieder gegen Dresden vorzu- 
rücken, marschirtc mit seinem Corps gegen Hof, und griff am 12. den König von 
Westphalen beiPlauenan, welcher, durch die Kunde von Junot's Niederlage 
eingeschüchtert und weil er sich auf seine westpliUUsoben Truppen nicht ganz ver- 
lassen konnte, nach einem unbedeutenden Gefechte in grösster Eile über Schleiz 
und Jialila nach Jena abzog. Die Nachricht von dem in Znaim geschlossenen Waf- 
fenstillstände hemmte die ferneren Operationen. Kienmayer hatte mit geringen 
Streitkräften nicht allein BiJhmen vor den Drangsalen des Krieges bewahrt, sondern 
auch einen grossen Theil Baireufhs und Sachsens nebst der Lausitz, Dresden 
und das Voigtland in Besitz genommen. Es war dieser Kampf der letzte, In wel- 
chem er das Sehwert, so oft und glorreich geführt, gezogen hatte. 

Zum Lohne seiner vielfältigen Verdienste wurde er am 31. Juli 1809 zum 
General der Cavallerie befordert, und von dem Kurfürsten von Hessen mit dem 
Grosskreoze des Löwen- und mit dem Militär- Verdienst-Ordenausgczcichnet- Er war 
dann zum ad Latus des comman dtrenden Generals in Ungarn, und am 25. Deccm- 
ber 1809 zum Inspoctor der Cavallerie olhla ernannt. Das 1810 abgehaltene Ordens- 
Capitel erkannte Ihm für die wichtigen Leistungen im letzten Kriege das Com- 
mandcurkreuz zu. 

Im Juni 1813 kam Kienmayer als Interims-Commandirender nacb Galizien, 
im Octobor 1814 als wirklicher commandirender General nach Siebenbürgen, wo 
er im Februar 1816 durch die Verleihung der geheimen Ralhswürde einen neuen 
Beweis der kaiserlichen Zufriedenheit mit seiner Dienstleistung erhielt. Im Jahre ' 
1820 wurde Kienmayor, gleichfalls als commandirender General für Mähren und 
Schlesien, nach Brunn übersetzt, wo er am 16. November 1824 sein fünfzlgjäih- 
lienstjubiläum feierte. Sowohl die in Mähren und Schlesien gamisonirenden 




Trappen als die Einwohner von Brunn -wetteiferten an diesem Tage dem liocli- 
iwÜenten Greise ihre Liebe und Verehrung zu beweisen. Das ihm unterstehende 
(Mders- Corps aber gründete eine seinen Namen führende Stiftung für ewige 
Zeiten, deren Ertrag für wohlverdiente Individuen des 8. Husaren- Regiments vom 
IVacbtmeister abwärts, Im Falle der AuHösung dieses Hcgiments aber an mittel- 
kse Witwen verdienter OfEcicrc der mährisch -achlesischen Regimentor vertheüt 
Kmlen sollte. 

Durch schmerzliche, unheilbare Leiden wurde Kienmayer genöthigt, nm 
1. December 1826 in den Pcnsionsstand zu treten, und schon am 2ä. October 1828 
vnda er in Wien durch den Tod der Armee entrissen, in deren Mitte er durch 
tgjtt hIs ein halbes Jahrhundert als tapferer Krieger, elnsichta voller Heerführer 
■d viterlicher Freund geglänzt hatte. 

HABDEGO-GLÄTZ undimMachlande, Ignaz Graf, General derCavallcrie, 
Jldlkric^sratlis-Prasidonl, geheimer Kath und Käniojerer, Inhaber des 8. KUrassier- 
^BUBDeDte, Oberst-Erblandmundschculc in Osterreich und Oberat-Erblandtruch- 
^^SttAi Steiermark, Kitter des goldenen Vliesaes, wurde am 30. Juli 1772 geboren 
^^^^■■b'at im Slai 1789 als Unterlieutenant in dem damaligen Chevauxlegers- 
^^^^Hsotc K i n s ky Nr. 5 (jetzt Uhlanen-Regiment Nr. 9), welches hei dem croatisch- 
^^^Mnaeh^i Armeecorps eingctheilt war, die kriegerische Lauihahn. In diesem 
K/icgo vmsste sieh Hardegg, welcher bei dem Feldmarschall Loudon zuge- 
tbeUt war, durch Eifer und Verwendbarkeit in der Art bemerkbar zu machen, 
iau «r die Allcrhochato Belobung erhielt. Im Jalire 1 79U wohnte er der Belagerung 
TOO Csettin bei, mit dessen Eroberung die Operationen des croatisclien Armeecorps 
cttJrtcp; nach dem im October abgeschlossenen Waffenstillstände marschirte Har- 
degg mit seinem Regimente nach Wien. 

Noch im selben Jahre avancirte er zum Obcrliculonnnt im 3. Husaren-Rcgi- 
nente (damals Emmerich Eszterhilzy), welches sieh bei dem zu Anfang 1791 in 
Bdunen gegen Preusaen aufgestellten Armeecorps unter Fcldmarschall-Lieutenant 
MM Hobeolohc befand, beim Ausbruche des lü'icges in den Niederlanden zu 
Aa&ng 1792 aber nach Luxemburg verlegt wurde. Hardegg machte den Zug 
wr reretniglcn üstcrreichisch-preussiechen Armeen in die Champagne mil, und 
'olinie dem Gefechte von Valmy, so wie der Schlacht von Jemappes bei. Bei 
wr in den letzten Tagen des Jahres eilblgten A'crtreibung der französischen Vnr- 
bsl «M dem Orte Düren diu-ch Major Graf M a h o n y zeichnete sich Hardegg 
^nooden aus. Im Jolire 1793 zum zweiten Rittmeister hei dem 8, Klirassier- 
Kefimente Hohenzollcrn hefiirdert, wurde er Galopin bei dem General der 
C<*iU«rie Grafen Wurmser, und wai- sowohl bei Eroberung des Bienwaldos 
1^ Qod 21. Augtisl), ab bei der Erstürnrnng der Weiaseuburger Linien 
(13, OetAb«r) jn>genTrlirtig. Von seiner Anstellung im Hauptquartiere beim Regi- 





mente wieder eingerückt, fand Hardegg in dem hitzigen Gefechte bei Utten- 
hofen die erste Gelegenlieit zu bemerkcnswertherer Auszeichnung; duich einen 
eben so raschen als kühnen Angriff mit einer halben Schwadron, welcher durch 
Oberlieutenant Leitiier mit einem Flügel Kaiser -Dragoner kräftig unlerstützt 
wurde, warf er die Franzosen mit grossem Verluste zurück und Tcrcitelte ihre 
AbHicht, die Stellung des General-Majora von Hotze bei Reichsbofen in Flanke 
und Rücken zu nehmen. Nur zwei Tage später {28. November) zeichnete er sich 
in dem Gefechte bei Neuburg abermals aus, indem er durch wiederholte Attaquen 
die Franzosen auf das rechte Ufer der Motter zurückwarf und das beinahe ver- 
lorene Gefecht zu Gunsten der Österreicher entschied. Für beide Thaten wurde 
er von dem Oberfeldherrn Grafen Wurms er belobt und in der Relation unter den 
Ausgezeichneten aufgeführt. 

Im Feldzuge 1794 stand H ardegg fortwährend am Oberrhein. Im Treffen 
bei Handschuhsheim am 24. September 1795 erwarb sich Hardegg das 
Ritterkreuz. Als die Franzosen unter Pichegru gegen Heidelberg vorrückten 
und General Dufour Handschuhsheim wiederliolt angriff, wurde Oberst -Lieute- 
nant Kien au beordert, mit sechs Schwadronen diese feindliche Umgebunga- 
colonnc zurückzuwerfen; Hardegg befand sich bei den als Unterstützung 
nachrückenden drei Flügeln, und bemerkte, dass Klenau's linke Flanke nicht 
gedeckt sei. Nach der auf seine Bitte erhaltenen Bewilligung, mit einem Flügel zn 
Klenau's Deckung vorzurücken, eilte er rasch dabin, gewahrte aber bald, dae 
Klenau von dem überlegenen Feinde geworfen und lebhaft verfolgt werde, wie 
auch, dflss eine durch Cavallerie unterstützte, geschlossene und mit Geschütz ver^- 
eehene feindliche Infanterietruppe nachrücke. Der Moment war kritisch, ja < 
stand vielleicht Alles auf dem Spiele. Ohne Rücksicht auf seine Schwäche stüi'zl 
sich Hardegg dem überlegenen Feinde entgegen, hieb die feindliche Infanterie 
grösstentheils nieder, warf die sie unterstützende Cavallerie, welche sich wieder- 
holt zu ralliiren suchte, um die beihabenden drei Kanonen zu retten, durch wieder- 
holte Attaquen der Ai-t, dass nur wenige Reiter sich schwimmend durch den Neckar 
retten konnten, eroberte drei Kanonen und eine Standarte, und nahm noch in den 
letzten Momenten dieses glänzenden Reitergefechtes den verwundeten französischen 
Divisiona- General Dufour gefangen. Auch im Feldzugo 1796, wie überhaupt 
bis zum Ende dieses Krieges diente Hardegg fortwährend bei der Armee in 
Deutschland; er focht bei Maisch, bei Kanstaft und Esslingen, bei Neree- 
heim, Biberach, Emmendingen, nahm Theil an der Berennung von Kehl, , 
stand im November auf Vorposten zwischen Breisach und Kehl, und rückte i 
31. December mit dem Regimente in die Cantonirung bei Sinzheim. In dem kur- 
zen Feldzuge 1797 am Rhein zeichnete sich Hardegg abermals in den Gefecb* 
tcn bei Diersheim und Honau, dann an der Rench am 20. und 21. April 
rühmlichst aus. 



891 



ICach dem Frieden zu Campo Formio wurde das Regiment nach Wittingau 
in BShmen verlegt, wo ea bis zum Ausbruche des Krieges 1799 verblieb. In 
iÜM«m diente Hardegg abermals bei der Hauptarnice in Süd-Deutsehland, focht 
beiOsterach, Stock ach, bei dorn zweimaligen Entsätze von Philippsburg, 
tri der Eroberung von Mannheim, und wurde zu Ende dieses Jahres in seiner 
Chtrge als Schwadrons-Commandant wieder zu dem 3. Husaren - Regime nte über- 
teUL Im Feldsuge 1800 stand er unter General -Major Graf Ignaz Gyulay bei 
Freiburg. Als die Franzosen noch vor dem wirklichen Beginne der Feindselig- 
köleo mit einem Infanterie-, einem Chasseur- Regimen te und drei Xanonen am 
7. HXrz mit Tagesanbruch aus Alt-Breisach rasch hervorbrachen, um die öster- 
tnchische Aufstellung in und bei Freiburg zu überfallen, griff sie Ilardegg aus 
«mem Hinterhalte entschlossen an, und trieb sie mit bedeutendem Verluste bis 
■toter die Kanonen von Alt-Breisaeb zurück, wofür er mit Generalsbefchl des Erz- 
berxogs Karl belobt wurde. Im ganzen Laufe dieses Feldzuges wurde Hardegg 
brim Avant- und Arriöregardedienste , im Parteigängerkriege und in andern 
«hwierigen und gefahrvollen Dienstleistungen mit besonderem Vorzuge verwen- 
det, und fand hiebei vielfache Gelegenheit zur Auszeichnung; so namentlich am 
25. April als Commandant der Arri^regarde in dem Gefechte bei dem Ruckzuge 
Bber Froiburg nach Ebnet, wofür er in der Relation des Generals Gyulay 
besonders anempfohlen wurde, ferner am 30. April, wo er mit einem schwachen 
Strafcommando nach Freiburg zurückgesendet, von dem vielfach überlegenen 
Fetnde cavermutliet angegriffen, die Stadt erst nach dem hartnäckigsten Strassen- 
g«fechte rXumte, und noch mehrere Gefangene mitnahm. Auch bei Stockach, 
Eogeo, Mtiskircb, Biberach, Memuiingen, Erbaeh, an der Hier und 
bei Ulm gab er vielfaltige Beweise seiner Tapferkeit und Kaltblütigkeit, focht 
mit AnaiftichnuDg be i Neubufg . Deussenhauson, Vettenbausen und Deubach, wo 
tr durch eine Masketenkugel eine starke Contusion auf der Brust erhielt. Auf 
Voncblag des Feldzeugmeisters Kray wurde Hardegg zur Belohnung seiner 
mgezeichnelen Dienste am 4. Juli zum supemumeraren Major im 3. Husoren- 
Regimeate ernannt. 

Bei dem RQckznge der Armee unter Kray an den Inn befand sich Hardegg 
iteti bei der Arri^rcgarde oder auf Streifcommandcn, und nahm an allen Gefech- 
lea und Schlacbien bis zum Waffenstillstände Thei). Im December wurde er als 
*irlicberM»jor zu dem 13. Dragoner- (jetzigen 10, Uhlanen-) Regimente eingclbeilt, 
Wtli dem Frieden zu Luneville aber als Adjutant zu dem Erzherzoge Ferdinand 
toffiinandirt. welcher um jene Zeit eine Armee -Division in Odenburg befehligte. 

Im Jahre 1803 ruckte der Graf bei seinem Regimente ein, wurde im Lager 
W Prajf 1804 Oberst-Lieutenant bei Ott-Husaren, tauschte aber zu dem zweiten 
rUanen- Regimente Fürst Schwarzenberg, in welchem er 1805 vor Ausbruch 
dtt Krieges mm Oberst und Commandanten avancirte. Während des Marsches 



I 



892 




nach Deutschlnnd im September erkrankte er jodool» so schwer, daaa er dem Feld- 
zuge nicht beiwohnen konnte, und erst zur Schlacht von AusferÜtz wieder Lei 
der Armee eintraf. 

In den Jahren 1806 und 1807 stand er mit seinem Regimente hei dem Neu- 
tralitäta-Cordon an der böhmisch-Bchleaischen Grenze, und blieb nach dessen 
Auflösung in Böhmen stationirt. 

Im Kriege 1809 erhielt Hardogg eine Brigade in der Avantgarde-Division 
Fresnol des ersten Armeecorps Übertragen; sie bestand aus 3 Jäger -Bataillonen 
und 4 Schwadronen Schwarzonborg-UIJanen. Vielfach zeichnete er sich aus, ins- 
besondere bei Erstürmung des Städtchens Berchnig, in dem Cava 11 er iegef echte 
bei Esslingen am Vorabende der Schlacht bei Aspcrn, dann in der Schlacht bei 
Aspern, mittlerweile zum General-Major und Brigadier beim zweiten Armeecorps 
befördert, und in der Schlacht bei Wagram durch die heldcnmüthigeVertheidigung 
von Baumcrsdorf, welche selbst die Aufmerksamkeit des Kaisers Napoleon 
auf sich zog. Es war dies ge wisser massen der einzige Punct in der Gele chtsli nie 
am ersten Schlachttage, dessen Verlust die schwersten Folgen nacli sich gezogen 
haben würde. Sieben Bataillone unter Ilardegg fochten hiergegen die sehr über- 
legenen Angriife des VIcekönigs, der Marschälle Marmont und Oudinot einen 
walirhaft homerischen Kampf. In den engen Gassen des fast nui- Schutthaufen bil- 
denden Dorfes folgten sicii AngritF und Vcrtheldigung Schlag auf Sclilag, so (laas 
es bisweilen nicht möglich war, auch die kleinste Unterstützung zu sammeln. Bis i 
tief in die Nacht hinein dauerte der blutige Kampf, worauf sich der Feind in grosser 
Unordnung zurückzog. In der Relation hcisst es hierüber: „Vierzig Feuerachlündc 
beaeliossen den Ort Baumersdorf und setzten ihn in Brand; mitten in den Flammen 
rangen beide Theilc um seinen Besitz, der General Graf Ignaz Ilardegg behaup- 
tete sieh jedoch in demselben mit einer beispiellosen Entschlossenheit." Woiters tfaat 
sich Hardegg in diesem Kriege hervor: als Commandant der Arrifiregarde des 
vierten Armeecorps in den Gefechten vom 6. bis 11. Juli, wn der Waffenstillstand 
von Znaim den Feindseligkeiten ein Ende machte. In dem Ordens - Capitel vom 
April 1810 wurde er für seine ausgezeichneten Thaten, namentlich für Baumers- 
dorf, mit dem Oonimandeurkrcuze bedacht. 

Die folgenden Friedensjahre brachte Hardegg als Brigadier in Rrünn zu, 
und erhielt beim Ausbruche des Krieges 181.5 das Conimando einer Brigade in 
der leichten Division des Feld marsehall -Lieutenants Fürston Moritz Liechten- 
stein. In derSchlacht bei Dresden, und insbesondere nach derselben, während des 
Rückzuges nach Böhmen, bewührte Hardegg abermals seine mit Klugheit gepaarte 
Tapferkeit, und wurde in Anerkennung derselben zum FelJmarachall-Lieutenant 
mit der Übernahme eines Divisions-Commando's beim ersten Armeecorps ernannt. 
Er commandirte jetzt die Avantgarde des Generals der Cavallerie Bennig- 
aen auf der Dresdener Chanssiie, bis er, durch russische Truppen abgelöst, seinem 




Anueecorps in forcirten Märsclien naclieüte und dieses am Morgen dos 18. Octo- 
btn etroichte. In der Sctincht bei Leipzig fÜlirtQ der Graf dieVorhut des linken 
DOgicls DBter dem General der Cavnlleric Erbprinzen von Hessen -Homburg, 
and wurde bei Dülitz durch eine Flintcnkugel seLr gefährlich ajuKopfe verwundet, 
JB F»Jge dessen er nach Prag gebracht werden musste. Seine Verdienste in der 
Scidacht bei Leipzig wurden durch Verleihung des kaiserlich russischen St. Georg- 
Ordcos 3. Classe, und durch die Ernennung zum zweiten Inhaber des 8. Kürasaier- 
fbf^cQts, welches nachdem 1831 erfolgten Tode des GrossfUratcn Constantin 
Mtoen Kamen annalim, belohnt. 

Noch war Hardegg nicht ganz genesen, als er schon im Jänner 1814 die 

«Vnuce in Frankreicli einholte und wieder das Comiuando seiner Division über- 

Bxluti. Am 15. Februar erstürmte er die von dem General Montbruu hartnäckig 

Tertbeidigte Stadt Moret, und wurde nach dem ungünstigen Ausgange des Tref- 

SeoB bei Montcrcau zu der sich bildenden Sud-Armee bcstiiuuit, welche dem 

«o Dijon vordringenden Marschall Augereau entgegenwirken sollte. Am 

86. Fobruar bcäctzto Hardegg Dijon, am 8. MUrz Chalouä, am 11. Bourg en 

Brewc, «Hl 17., als die Süd- Armee von Maeon gegen Lyon vorrückte, Marlieux am 

liakeD Saone-Ufer. In dem Gefechte von Lyon (am 18.) drang Hardegg bis 

Vuuuuenx vor, blieb daseibat am 19., und liess die französische Armee durch 

Oberst Simonyi, welcher mit einer Husaren - AhtLeilung die hoch treibende 

Bhoa« ditrclischwamm, im Kücken beunruhigen. Im Treffen von Limonest am 

SOl dnni^ Hardegg bis gegen Miiibcl, hieb die feindliche Vorhut zusammen, 

uetiM Oe&ageucund warf den Gegner zurück. Am 21., als Mai'schallAugereau 

I^oa ger&iuiit Iwtle, bettelzto Hardegg dnsThor dieser Stadt zwischen derBhone 

«ad Saoae, rückte aber schon am 32. gegen Cliambcry ab, um die Rückzugslinic 

du Qcoerals Marchand zu bedrohen, das insurgirte Landvolk zu entwaffnen und 

«Be linke Flouke der gegen die Is^re vorgerückten Avantgarde zu decken. Am 29. 

birtiad er bei Chircusein hitziges siegreiches Gefocht gegen den überlegenen 

Ffläd, zwu);; tlin zum Rückzüge und besetzte am Sü. Voh-on. Zu Anfang April 

aUait Hardegg den Befehl nach Lyon zurückzukehi'eu und mit mehreren Trup- 

fm ventSrkt gegen die Loire vorzurücken, Augereau'a Bewegungen auf jener 

Scäc so beobachten, die unter General Montholon sich bildenden Bewaffnungen 

n Tenilcln und den Rücken der Süd-Armee zu decken. In Vollziehung dieses 

.VnAnpe» eroberte Hardegg Roane an der Loire, ging hier über den Fluss und 

«bmg über den AUier bis in die Auvergno vor, deren Hauptstadt Clermont, so wie 

«0 Thal des Departements Puy de Dome von ihm besetzt wurde. Hier ereilte ihn 

Ce Nachricht von dem abgeschlossenen Waffenstillstände, wodurch sein kühner 

PUb, die in den südlichen Departements verlegten alliirten Gefangenen zu befreien 

«4 n bcwaßhen und die Vereinigung mit der anglo-spanischen Armee zu suchen, 

ii%*gebeD werden musste. 



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Während des Wiener Congresses wurde Hardegg zu dem Kaiser Alexan- 
der von Russknd commandirf, und machte in dieser Anstellnog auch den Feld« 
zug 1815 mit. Da Hardepg dessen besonderes Wohlwollen sich erwarb, W- 
wurde er sowohl während Alexander's Aufenthalt zu Wien 1818, als auf des- 
Congressen zu Troppau, Verona und Laibach bei dessen Person angestcllL 
1829 zum Militär -Conimandanlen in Linz bestimmt, wurde der Graf schon im. 
November 1830 zum geheimen Bathe und commandirenden General in Sieben- 
bürgen ernannt, 1831 in gleicher Eigenschaft nach Galizien übersetzt, und im. 
December d. J. unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Cavallerie nach 
Wien berufen , um als Vice -Präsident die Leitung des Hofki'iegarathes zu über- 
nehmen. 

Im August 1834 zum wirklichen Hofkriegsraths -Präsidenten ernannt, beklei- 
dete er diese hohe Würde bis zu seinem am 17. Februar 1848 erfolgten Ableben, 
Fast volle 59 Jahre in der Armee dienend, hatte sich Hardegg wahrend seines 
thatenreichen Lebens durch Muth, Einsicht, Ritterlichkeit, Biederkeit und Herzens- 
güte allgemeine Hochachtung und Liebe, so wie das ungetrübte Wohlwollen seines 
Monarchen erworben, und war bis an das Ende seiner Tage durch Wort und Tbat 
beflissen, das Wohl der ihm anvertrauten Armee möglichst zu fördern. Zahlreiche 
Beweise der Anerkennung seiner Verdienste wurden ihm durch Orden zu Theilf 
welche Hardegg nicht nur von seinem Kaiser, sondern auch von den Monarchen 
Kusslands, Preussens, Hannovers und Sachsens erhalten hatte. Mit dem goldenen 
Vliesae wurde er 1836, mit dem Grosskreuze des Leopold-Ordens aber 
bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums im Jahre 1839 ausge- 
zeichnet. 

KLENAÜ, Johann Graf, Freiherr von Janowitz, General der Cavallerie, 

geheimer und Hofkriegsrath, Kämmerer, Inhaber eines Chevauxlegers-Regiments, 
stammte aus einer alten böhmischen, im Jahre 1630 in den Grafenstand erhobenen 
Familie, und war zu Prag 1757 geboren. Siebenzehn Jahre alt, kam er als Cadet 
in das 47. Infanterie-Regiment Elrichshausen, und wurde im bayerischen Erb- 
folgekriege Rittmeister bei Kinsky-Chevauxlegers Nr. 5 (derzeit 9. Uhlanen- 
Regiment). 

Im Türkenkriege zeichnete sich Klenau zuerst aus, da er am 22. April 1788 
bei Semlin als Vorpostens-Commandant einem überlegenen feindlichen Angriffe 
standhaft begegnete. Sofort rückte er zum Major bei Joseph Tos cana- Dragoner 
vor, wurde im Mai 1792 zu Kaiser-Dragoner, welches in der Folge reducirt wurde, 
übersetzt, und zog in den französischen Revolutionskrieg als Ob erst- Lieutenant 
(12. Februar 1793). 

Klenau stand jetzt bei der Armee am Rhein, die der General der Cavallerie 
Graf Wurms er befehligte,uadwurde vorzüglich als Parteigänger, wenngleich vom 



dicke nicht immer begünstiget, Tervrendet, wozu er durch Tapferkeit und Geschick- 
liehkwtaicli im hohen Grade eignete. Im Scharmützel beiLeimersheim (2, April), 
kiOffenbach — hier wurde Klenau gefangen, jedoch durch zwei Husaren 
<l»KegtmenU Erzherzog Leopold auf dem Schlachtfelde wieder befreit — , bei 
Scbaid (18. September), bei der Einnahme der Weiasenburger Linien, bei 
J*rd»nwif erfolgten Vorrückung auf Brumpt, beim Angriffe auf Weiersheim 
'?!. November), bei Vertheidigung des Postens von Reichshofe n (26, November) 
lud in der Stellung bei Dangendorf (2. December), wo er auf drei Seiten ange- 
griffen, vom Oberst-Lieutenant Prinzen U essen-Homburg kräftig unterstützt 
»Tirdc, diesem letzteren unmittelbar darnacli bei Neuburg denselben Dienst erwies, 
ta der Epoche vom 16. bis 19. December, wo er am ersten Tage verwundet wurde, 
endlich bei Liitticb am 3. August 1794 ward Klenau's Name mit grosser Aus- 
seichDimg genannt. 

Das gTöMte Verdienst erwarb er sieb im Treffen bei ITandschuhsheim. 
Feldm«rschall -Lieutenant Quosdanovicb wurde am 24. September 1795 von 
den beiden französischen, durch den Neckar getrennten Divisionen Dufour und 
Ämbert in seiner Stellung angegriffen. Eine feindliche Colonne — ein Chasseur- 
B<^Ti»eni und 5 Bataillone mit 8 Geschützen — drang erneuert gegen Neuen- 
iwiin Tor, uro Handschiihsheim, welches unsere Truppen tapfer vertheid igten, 
n nehnfio. D« trug General Bajnlich dem Oberst-Lieutenant Klenau auf, mit 
■nnea sechs Schwadronen Über Neuenheim hinauszurücken und die feindliche 
Trappe anzugreifen. Schnell theilte Klenau seine Reiter in drei Treffen, eilte 
daao tD die Flüche vor, warf sich auf das Chasseur-Uegiment, schlug und zer- 
■prengtc dasselbe und eroberte die sämmtliche, den Chaaseurs im Marsche folgende 
Anillerie mit 9 Munitionskarren und 31 Pferden. Den günstigen Augenblick, wo 
üt AvfreibuDg der Reiterei die franzüsiache Infanterie mit Schrecken erfüllt hatte, 
bentUsend, griff Klenau auch die fünf Batsilione mit grösstem Nachdruck an; sie 
ukben die Flacht und lösten sich auf. Die verwirrten Haufen eilten theils in das 
Gebirge des Odenwaldes, theils suchten sie über Ladenburg und Feidcnhcim längs 
de>K««k*r9 hinab zu cntkonimeu. Aber der grössere Theil wurde von KIcnan's 
lUimii dogcholt, niedergemacht, in den Neckar gesprengt oder gefangen, General 
t)kiour, der (_'orps-Commandant, durch zwei Säbelhiebe verwimdet, gerieth in 
isehafi; die französische Reiterei jagte mit verhängtem Zügel nach Mann- 
'imd der Rest der Brigade Dcsirat, deren Commandant todt geblieben, 

sieb auf das linke Neckarufer. 
Dieae cntscheidendeThat brachte Klenau am 30. Octohcr das Ritlerkreuz 
CapttH und die Beförderung zum Obersten hei Wurmser- Husaren, wel- 
tfc« er aU Vorbild des Muthes voranglänzte. Wir Alhren folgende Beispiele an: 
Elenao omging im Scharmützel bei Oggersheim die auf der Chaussee auf- 
gMcUten feindlichen Batterien und nahm dem Feinde 3 Kanonen ab; bei Schwel- 



896 

genheim (10. Deccmbcr) zeiclinete er sich neuerdings aus, und kam im folgendeo 
Joliro 1796 zur Armee nach Italien, dann im September mit einem Theile des 
Regiments in die Festung M an tua, blieb während der mehrmonatlichen Verthei- 
digung durch Wurmaer an dessen Seite, so Yrle er auch am 2. Februar 1797 die 
Capitulntion dieses Platzes mit unterzeichnete. Im April wohnte er mit dem Regi- 
monte dem Lager in Wien bei und wurde hier in weiterer Würdigung acincr Ver- 
dienste zum General-Major ausser der Tour befördert. 

Bei dem erneuerten Ausbruche der Feindligkeiten im Jahre 1799 führte 
Klenau in Italien wieder den kleineu Ivrieg und erlangte fi;rosse Itesultato. Als 
der General Macdonald, Befehlshaber der einen franzüsichen Armee, genöthigt 
war die von ihm besetzten Thcilo des oberen Italiens zu räumen, liess er daselbst 
mehrere kleine Abtheilungen zurück, welche die Bestimmung hatten, die Anstren- 
gungen der italienischen Repuhlicanor zu unterstützen. Klenau zerstreute sie nach 
allen Enden. Hierauf wurde er bei der Einschliessung von Genua und den ihr 
vorangegangenen Gefechten gegen Masscna verwendet, und im Jahre 1800 zur 
Armee nach Deutschland übersetzt. Am 28. Oetober desselben Jahres zum Feld- 
marschall-Lioutenant befördert, verdankte er diese glänzende Laufbahn lediglich 
seinen Vertliensten, 

In der Friedens epo che führte der Graf ein Divisions-Conuuaudo in Prag und 
wurde iniFebruar 1804 Inhaber des 5. Chevauxlegers-Ilegimenfs. 

In dem Kriege von 180Ö stand Klenau bei dem Heere in Bayern und 
wurde in Ulm mit oingesehlosaen. Nach der Übergabe dieses Platzes ward er dem 
Kaiser Napo leon vorgestellt, der ihn seiner Tapferkeit wegen rühmte, indem 
er ihn zugleich wegen des Unglückes der österreichischen Waffen bedauerte. Rast- 
los bemüht dem Staate in der eingetretenen Friedensepocho zu nützen, wurde der- 
selbe im Jahre 1808 Ilofkriegsrath und mit dem Commandcur kreuze des neu 
gestifteten Leopold-Ordens ausgczoichuct. 

In der Sehlacht bei Asperii commandb-te Klenau den Vortrab der 4. und 
5. Colonno; in jener bei Wagrani an des erkrankten Feldzeugmeisters Hiller 
Stelle das 6. Armeecorpa. Die Berichte jeuer Tage orwäliuen seine Leistungen 
ehrenvoll. Bei Wagram hielt Klenau die Donau von Spitz bis Enzersdorf und 
die Werke vor der Brücke von Aepcrn, uud hatte die Weisung nach Mass des Au- 
griffes mit seinen Truppen In den Veraebanzungen vor Aspern und EBslingen 
Widerstand zu leisten ; in der Nacht vom 5. zum 6. Juli stand er auf den Höhea 
von Stammersdorf, und hielt seine Vorposten voi'wärts Geraadorf uud Leo- 
poldau, verfolgte dann im Laufe dos Tages siegreich die vorgezeichneten Dispo- 
sitionen, drang bis Esslingen und Aspern vor und verlies.s diese Orte erst, als 
der blutige Kampf geendet hatte. Er verfolgte seine Richtung unter steten Gefechten 
in die frühere Stellung nach Stammersdorf Die Nacht über hielt er in Schlacht- 
ordnung die Höhen vor diesem Orte besetzt, nahm am Morgen des 7. Juli atx 



Arri^reganlederÄriueebeiitiiuiiit, uai'iidcm die übrigen Curpä nach derRicIitODgder 
hümet Strasse abtrerilckt waren, hinter Konieubiu-g: seine Aufalellung, welches 
« lor der Front besetzt hieltj den rechten Flügel an der Donau, den linken gegen 
LMbendorf geleimt, und bescliüftigte dcu mit Ubermachl vorrückenden Feind den 
mixen Tj^. Hierauf zogKlenau über Sierndorf, Mallebcrn, GöUersdorf und 
Slplunilorf nacli Ilollabrunn, wo er ein lebhaftes Gefecht bestand und am 10. 
iiu Dienste der Nachhut durch das 5. Armeecorps (Feldzeugmeister Reuss) abge- 
lürt wurde. Als Conunandant der Arri^rcgarde hatte Klenau viele Einaicht und 
Stindhaftigkcii entwickelt und der Armee so wesentliche Dienste geleistet, dass ihm 
der Cieoeralissinius im Namen Seiner Majestät das t-ommandeurkrenz verlieh. 
Im Jahre 181^ erfolgte Klenau'sErnennung zum geheimen Rathe, im Jahre 
1813 jene «oni General der Cavallerie und zum Grosakrouze des Leopold- 
Ordens, auch erhielt er ein .VrmeecorpD im hohmlschen Hauptheere. In der 
Srhlarbi von Dresden bildete er, von Freiberg kommend, den äussersten linken 
ttUgel der verbündeten Heere, von welchen erjedochdurchden Plauen 'sehen Grund 
fretrennt blieb. Dieser ungünstige umstand verursachte den bedeutenden Verlust, 
den das Corp» erleiden mnsste, da ea den heftigen Angriffen der Reiterei des Königs 
vwD Neapel ausgcselzi war. Hierauf focht Klenau bei Leipzig und führte dann 
rom 26. Oelober an den Oberbefehl des Blockade-Corps von Dresden. Das 
Corps zSlillc 5;J,UÜ0 Mann und Klenau hatte die Absicht diesen vom Marschall 
St Cyr mit mehi- uU 30,000 Franzosen vertheidigten Platz mit Gewalt zu 
Bchmcn. Indessen bewogen ihn theüä Rücksichten für jene Glieder des königlich 
■d||Wlclien Hauses, welche freiwillig das traurige Loos der unglücklichen Stadt 
^^^^Kb, tbeils die Gewis^heit, daas die Übergabe bei der hohen und fortwährcud 
^mP^dea Noth in Kurzem erfolgen müsse, zu dem milderen Entschlüsse, Dres- 
ilenbloe enge einzuschh'essen. Die Lage der Besatzung verschlimmerte sich vonTag 
in Tage. Krankheiten und Desertionen verminderten ihre Reihen in erschreeken- 
iarWeise, Sl. Cyr sah sicli endlich genöthigt, die sächsischen und anderen 
^eulMhen Troppen zu entwaffnen und zu entlassen, und als letztes Mittel den 
Dorditiruch gegen Torgau zu versuchen, der aber an Fei dm ars ch al 1 - Lieutenant 
Wied-Kuukel's Tapferkeit scheiterte. Die Noth hatte bereits den höchsten 
Gnd erTei<'ht, Der Soldat erhielt durch längere Zeit nur 6 Loth Pferdefleisch 
tägliche Ration und man sah in der Thal viele derselben die ek elhaftesten Gegen - 
•ÄadcxurStillungihreswüthenden Hungers verschlingen. DasgrassirendeNervea- 
S«ber voll endete das Übel. St. Cyr entschloss sich am 7. November wegen der 
I twrgahe zu unterhandeln. Der Vertrag kam nach einigen Tagen zu Stande, und 
■urdc am II. zu Herzogswalde in dem Hauptquartiere Kien ans abgeschlossen. 
NVh dem Sinne dieser Cftpitulation wurde die Garnison, mit Ausnahme eines 
von 600 Mann und 50 Gensd armen, als Kriegsgefangene betrachtet, 
ihre WalTen ablegen, sollte in 6 Colonnen nach Strassbnrg abgeführt, und 



898 

vor ihrer gänzlichen AuswecKslimg nicht gegen die Verbündeten verwendet werden. 
Der Abmarsch der Truppen erfolgte wirklich vom 12. bis zum 17. in den bestimm- 
ten 6 Colonnen, deren Gesammtstärke 1 Marschall, 11 Divisions-, 20 Brigade- 
Generale dann 1727 Oberofficiere und 27,714 Gemeine betinig. Indessen erklärte 
Feldmarschall Fürst Schwarzenberg aus Frankfurt vom 17. November 1813 
diesen Vertrag für ungültig da er seinen dem Grafen Klenau gegebenen Befeh- 
len nicht entsprach, und stellte es dem Marschall St. Cyr frei, wieder unter den 
früheren Verhältnissen nach Dresden zurückzukehren, oder sich als Kriegsge- 
fangener in die Provinzen des österreichischen Staates abfuhren zu lassen. St. Cyr 
wählte nach längeren Zaudern das Letztere und Klenau verstärkte nun mit seinem 
Corps die Armee in Italien. 

Nach dem Pariser Frieden vorübergehend zum Inspector in Böhmen ernannt, 
wurde Klenau in der Folge commandirender General in Mähren und Schlesien, 
wo er bis zum Tage seines Ablebens — er starb zu Brunn am 6. October 1819 —» 
dem Staate sehr erspriessliche Dienste leistete. 

RITTER. 

Stepfanini de Monte Airone, Joseph, General-Major, einem südtiroli- 
sehen, im Jahre 1763 vom Trienter Fürstbischöfe geadelten und nachmals von 
weiland Franz I. im Jahre 1822 in dieser Würde bestätigten Geschlechte ent- 
sprossen, war zu Fione in Wälsch-Tirol geboren und hatte schon im 15. Lebens- 
jahre den bayerischen Erfolgekrieg als Cadet beiLacyund den Türkenkrieg in 
diesem Regimente als Oberlieutenant mitgemacht 

Das bestandene Tiroler Scharfschützen-Corps wurde im Jahre 1790 comple- 
tirt und zur Observations- Armee nach Mähren, von da nach den Niederlanden 
gezogen. Steffanini, ein ganz vortrefflicher Schützen-Officier, kam um diese Zeit 
als Hauptmann in dieses Corps und wohnte den Feldzügen gegen Frankreich bis 
zum Luneviller Frieden mit hervorragendem Eifer bei, so dass er im Juli 1800 zum 
Major befördert wurde. Besonders thätig erwies er sich zu Ende Mai 1800 bei der 
Armee in Deutschland, wo er in mehreren Gefechten grosse Umsicht an den Tag 
legte und Wunden davontrug. 

Als im November 1801 unter der Leitung des Feldmarschall-Lieutenants 
Marquis Chia steler aus dem bestandenen 3.[ Jäger-Corps, den Tiroler Scharf- 
schützen, den deutschen oder Dandini-Jägern und dem Niederländer oder Le Loup- 
Jäger-Corps dasTiroler Jäger-Regiment zusammengesetzt wurde, kam Steffanini 
als geborner Tiroler in dasselbe und ward im Jahre 1804 bei den entstandenen, 
die Reichs-Ritterschaft betreffenden Streitigkeiten in Württemberg verwendet. 

Im Feldzuge 1805commandirteSteffani ni das erste Bataillon bei der Armee 
in Deutschland und zeichnete sich in den Gefechten von Ulm am 14. und 15. Octo- 



899 

her besonders aus, <la er das Vordringen der Franzosen gegen das Gensthor ver- 
hiniiprlc und der retirirendcn Infnotcrie durch seine Standhaftiffkeit Zeit verachaifte 
«leb in der Stadt xu gammeln und Widerstand zu leisten. Er tbeilte das Loos der 
rber Oamison. Im Jänner 1807 avancirte Stcffanini zum Oberst-Lieutenant 
sni! erhielt das Commaodo der 7. Division, das nachmalige 7. Jäger- Bataillon, 
it bekanDtlicl) im Septemher ISOS aus dem Jäger-ßegimente 9 derlei Divisionen 
(onnirt wurden, mit der gleichzeitigen Ernennung zum Obersten. 

Das Jahr IS09 fand ihn hei dem 2. Armee-Corps in der Avantgarde unter 
fddmar6chall-Lioutenant Klenau. Am II. April Tvar Steffanini mit seinem 
Bitüllon und 1 Division Uhlanen von Wernhcrg gegen Hirschau vorzurüeken 
!i«ori]erl, um die Strasse von Sulzbacli nach Amherg zu beobachten und die 
Verbindung zwischen dem 1. und 2, Armeecorpa zu unterhalten; während des 
Uinches erhielt er die Nachricht, dass" der Feind Hirse hau stark besetzt und in 
iiiiil UR) den Ort 3 Bataillone Infanterie und beiläufig 500 bis 600 Mann üavailerie 
laTjEtcfliellt harte. DorentschlosseneOfficier, mit der Ürtlichkeit vertraut, warbald von 
der Wicfatif;keit dieses Postens in den gcgenveärtigen Verhältnissen und auch davon 
libeneo^, dass dem Feinde nicht Zeit gelassen werden dürfesich festzusetzen, indem 
Ton da ans die Verbindung der Armeecorps nicht nur erschwert, sondern auch die 
«eitcnt Vorrückung heunruhigt und aufgehalten werden könnte. Er beschloss also, 
nliDe Zeitverlust und ohne einen Befehl abzuwarten, den Feind anzugreifen und 
iu Amsentc anzuwenden, um ihn von diesem wichtigen Posten zu vertreiben und 
sdi bia rar Ankunft des nach rückenden Corps zu behaupten. Es war dies allerdings 
fia gewagtes Uniemehmen mit nur 1 Bataillon, woi'unter zwei Drittheile erst kürz- 
Geh etaffcreihtc Recruten waren, und I Cavallerie-DiTision, entfernt von jeder Unter- 
MMmtig, aich mit einer überlegenen Macht in Kampf einzulassen, ein Unternehmen, 
wddwi nur die triftigsten Gründe und die Überzeugung Steffanini's reeht- 
fMigen konnten, doss es durch zweckmässige Vorkehrungen und eine eben so kühne 
dl rMche Ausführung dem schwächeren Theile gelingen könne, den stärkeren 
abeBCgen. Der Erfolg hat dies auch bestätigt, denn es gelang ihm nach einem 
Hmtilndigen hitzigen Gefechte die Franzosen nicht nur aus Hirschau zu ver- 
trauen, sondern auch mehr als 1 Stunde Weges über diesen Ort zu drängen 
ni sich in dieser Stellung bis zum folgenden Tage zu behaupten. Klenau bot 
den tapferen Obersten schon am 12. Morgens die Hand, und die beiden Armee- 
«Jp vereinigten sich an diesem Tage in Wernberg. 

Da« Capitet vom Jahre 1810 erkannte Steffanini fiir diese freiwillige ent- 
■dtldMciic Thathandlung dos Kittorkreuz zu. 

Im September 1813 trat der seitdem Wiener Frieden in Ruhestand getretene 
SlcfUnJoi als General-Major wieder in die Aetivität und erhielt eine Brigade 
bei der Armee in Xlulicu, Nach unserem Einzüge in Verona am 4. Februar 1814 
•ttlbeiicb du Curps dea Feldmarschall-Lieutenants Radivnjevich Jn Dossobano 



auf und der Vortrab unter Steffanini rückte bis Villafranca vor. Hier stiess 
er auf den französischen General Bonnemain, griif diesen um 1 Uhr Nachmit- 
tags an, und zwang ihn nach einem zweistündigen Gctecbte zum Rliekzuge, wobei 
die Franzosen zwei Kanonen einbüssten. Auch in der Schlacht am Mincio liess 
sich Steffanini mit lohenswerthem Eifer verwenden , und als der Krieg gegen 
Murat im Jahre 1815 eröffnet wurde, führte er das Commando der in den Marken 
befindlichen Truppen, welche er mit Vermeidung jedes unnützen Gefechtes hinter 
den Canal von BentivogUo vor Borgoforte in die für sie dort bestimmte Aufstellung 
abrücken Hess und den Neapolitanern nach der erhaltenen Weisung ohne Widerstand 
Rimini Preisgab. Im Gefechte amPanaro (4. April)leiteteSteffanini die beiden 
Fährten von Spilimberto aufgestellten Truppen. Gegen Mittag, als die Neapolitaner 
sieh dieses Orles bemächtiget hatten und daraus vorbrechen wollten, griff er sie an 
und warf sie durch Spih'mberto wieder über den Panaro zurück. Mii rat hatte aber 
den Übergang bei Nizzola und Santa Anna erzwungen und die Brücke gewonnen. 
wodurch Steffanini sich abgeschnitten sah. Ohscbon verwundet, heschloss er 
unerschütterten Muthcs mit dem Bataillon Pleasen-Homburg durch den zahlrei- 
chen Feind sich Bahn zu brechen. Er trat also am hellen Tage den Rückzug von 
Spilimberto an, schlug alle Angriffe der Neapolitaner zurück, verlor zwar viele 
Leute, erreichte aber doch in der Nacht die von Modena auf Reggio führende Strasse 
bei Rubiera, gönnte hier den ermüdeten Truppen kurze Rast und zog sich hierauf 
gegen Guastalla zurück. Bei der weiteren Vorrückung der Armee gegen Neapel 
erhielt Steffanini das MilitiEr-Gouvernement in Bologna und führte es bis zum 
18. Juli, dem Tage, wo die drei Legationen Bologna, Ferrara und Romagna dem 
von dem Papste dazu bestimmten Legaten übergeben wurden. 

Seine Majestät der Kaiser lohnte diesem als Brigadier zu Verona am 26. Jän- 
ner 1821 verstorbenen tapferen Krieger die grossen Verdienste in den FeldzU- 
gen 1814 und 1815 mit dem Ritterkreuze 2. Classe des Ordens der eisernen 
Krone. 

VOLKMÄNN, Anton von, General-Major, Oflicierssohn, war zu Balaasa-Gyar- 
mathin Ungarn 1775 geboren. Dieser Ofiicier hatte sich nicht nur bei der Infanterie, 
sondern auch im General-Stabe mit grosser Auszeichnung verwenden lassen. Im 
17. Lebensjahre begann er als Cadetbei Callenberg seine militärische Laufbahn, 
that sich im Türkentricgo hervor und wurde 1790 als Oberlieutenant zum General- 
Stabe, dann zu M^artensleben-Infanterie eingetheilt. 

Vom Jabre 1793 bis zum Luneviller Frieden neuerdings im General-Stabs 
angestellt, rechtfertigte er diese Bevorzugung im ganzen Umfange. Er vertrieb am 
23. Juni 1793 bei C o n de mit einigen Jägern und einiger Infanterie die Franzosen 
iius ihrer gedeckten Stellung und zerstörte ihre Verscbanzungen, zeichnete sich 
am lÜ. November 1794 als Hauptmann bei dem Rückzuge eines^itf"^^^'^^'^'^ über 







901 



den Uliein bei Wesel, im Treuen bei Beinmel ttii der Waal (10. Jänner 1795), 
liei A^r Einnabme des Galgenbergcs vor Mainz, bei Verthoidiguiig dea Postens 
wnWildstStt (27. Juni 1796) und bei anderen Gelegenheiten so vortheilbaft aus, 
ijui er im Juni 1797 zum Major befördert winde, dann aber dem Militärdienste bis 
lam J&Jkrc 1 80& entsagte, als Oberst-Lieutenant aufs Neue in den ü eneral-Stab ein- 
[«ihcilt wurde und de» Feidzug 1809 vorerst als Oberst bei Johann JelJachJch- 
Infuilerie und vom 35. Mai ab im General-Stabe mitmachte. 

Die erste die Operationen fördernde Rollo bei Beginn der Feindseligkeiten in 
lullen fiel dem Oberst Volk mann zu. Um die Aufmerksamkeit dea Feindes von 
dem Puncte abzuleiten, wo die Haupt-Armee die Absicht hatte vorzurücken, wurde 
Voikmann mit 1 Bataillon seines Regiments, 1 Bataillon Franz Karl. 1 Ba- 
uiUoD vom zweiten Banal- Regini ento und 2 Schwadronen Ott-Husaren über Pontafel 
ii das FoUatlial cnt&endet. Er vertrieb die Posten des Feindes in diesem Thale und 
rfickte ani 10. April bis Rcsiutta vor. Am folgenden Tage erschien er vor Ven- 
tone, und atiess auf den feindlichen General Broussier. Obschon Volkmann 
di« Franzosen in einer sehr vor tli eilhaften Stellung vorwärts Venzone bei dem 
Dorfe Pontis aufgestellt fand, griff er sie doch mit eben so viel Klugheit als Ent- 
KJtloMenheit an, und es gelang ilun nach einem lebhaften Kleingewehrfeuer sie 
Ml ihrer Stellung zu verdrängen. Es waren dies Trujipcn des feindlichen Vorti-a- 
twa; sie zogen eich hinter Venzone auf die Position von Rivobianco zurück, 
•riebe dunJi 6 Bataillone, 4 Kanonen und 2 Haubitzen vertheidjgt wurde. Volk- 
Kkan, der den Feind bis hiebor verfolgt hatte, liess sogleich seine Geschütze 
Torbringen und ein sehr lebhaftes Feuer eröffnen. Der rechte P'lügel der Fran- 
nMca, der eich an den Monte Comelico lehnte, griff unseren linken an, allein die 
Baiialuten schlugen diese Attaque nicht nur ab, sondern warfen sich auf den Feind, 
irielM'a ihn «urUck und benutzten die eingerissene Unordnung um sich der Anhöhen 
»uf de« Gegners rechtem Flügel zu bemeistorn. Da zu gleicher Zeit die zwei andern 
Bsuillooe unter V'olkmann's Anfuhrung in der Fronte angriffen, so wurde der 
Fönii nsch einem neunstündigen Gefechte, ungeachtet seiner Überlegenheit, mit 
gma&a VerluBte zum Rückzuge genöthigt. Der entschlossene Oberst verfolgte ohne 
Ritt die Franzosen bis San Daniele und über den Tagliamento und erreichte den 
wichtigen Zweck, dass die Armee ohne einen Schusa zu Ihun und ohne auf den 
fluni zu stossen, nicht allein bis Cividalo am 13. und 13. vorrücken konnte, son- 
im eml bei Pordenone am 1 5. auf Widerstand traf. Hier trug Vo 1 k m a n n durch 
KJoe Stellung am Fuaso der Gebirge zu dem Tages darauf orfochtenen Siege bei 
Fontana Fredda dadurch wesentlich bei, das» er die bereits zur Reife ge- 
ktackle Absicht de» Feindes , unsere Position bei Villanuova über das Gebirge zu 
ufegeben, vereitelte, da er sich tuit seiner Abtheilung der nächsten Berge stUr- 
»end bemächtigte, den Feind verjagte und einen Theil der italienischen Garde 
TtntHhielie. PDr das tapfere und umsichtige Benehmen bei Venzone erhielt 



902 

Volkmann nuöser Capitel mit Armoe-Befehl vom 24. Octolcr 1809 das Ritter- 
kreuz. 

Mit derselben Auszeiehnuiig kämpfte Voltmann in den Jahren 1813 — 1815, 
seit September 1813 zum General -Major befördert. In der vereinigten österreichisch- 
bayerischen Armee cfngetheilt, commandite er eine Infanterie-Brigade in der Divi- 
sion Bach, rückte am 29. Oetober 1813 über Alzenau nach Gelnhausen vor, beun- 
ruhigte den Feind ohne ünterlass im Rücken und in den Flanken und verfolgte seine 
Nachhut bis Hanau. Am folgenden Tage nahm er thätigen Antheil an der Schlacht 
und besetzte am 2. November mit der Avantgarde Prankfin-t. Nach dem Übergange 
über den Rhein blockirte er Schlettstadt, besetzte am 22. Februar 1814 Troy es 
wo die Monarchen sich zur Berathung versammelt hatten und wurde Tages darauf 
vom französischen General Piro zur Übergabe aufgefordert, Yolkmann verwei- 
gerte sie. Daliess Piro die Stadt beschlossen und traf Anstalten zum Sturme; er aber 
steckte dagegen die Vorstädte St. Martin und St. Savine durch Ilaubitzgranaten in 
Brand. Gegen 10 Uhr Abends hatten die Franzosen in das alte Gemäuer Bresche 
geschossen und vorsucliten zu stürmen ; drei Compagnien des Infanterie-Regiments 
Ru dolph schlugen jedoch die Angriffe ab. Zwei andere gegen und nach Mitter- 
nacht wiederholte ähnliche Versuche hatten keinen besseren Erfolg; da gebot 
Napoleon, besorgend, der Stadt Untergang zu bereiten, vom Sturme abzustehen 
und den Morgen zu erwarten. Um 2 Uhr des Morgens am 24. war aber V o 1 k m a n n 
abgezogen und überliess die Stadt dem Feinde- 

Im Treffen von Bar sur Aubo (27, Februar) kämpfte Volkmann mit seiner 
Brigade so ausgezeichnet tapfer, dass iJm die verbündeten Monareben mit Decora- 
tionen beehrten; hierauf besetzte er Arcis (19. März), brach die Brücke über den 
schmalen rechten Arm der Aubo ab, fuhr Geschütz auf der Terrasse des Schlosses 
auf, verrammelte alle nach dem Flusse führende Gassen und traf überhaupt die 
zwecktoässigsten Verlbeidigungsanstalten. In der am nächsten Tage stattgehabten 
Schlacht that Volkmann mit dem Regimen te Erzherzog Rudolph und einem 
Bataillon J or dis bei dem Kampfe um Gross-Torey Wunder der Tapferkeit, schlug 
und hielt sicli gegen die besten Truppen Napoleon's durch viele Stunden, bis 
endlich der dunkelnde Abend die ersehnte Hülfe mit der russischen Garde brachte. 
Mit dieser Schlacht, die V o 1 k m a n n den bayerisch militärischen Max Jnseph-Ordwi 
einbrachte, schloss seine kriegerische Thätigkeit, Das für Österreichs Waffen weniger 
thatenreicheJahr 1815 berief Volkmann zuerst zum Commandanten des Blockade^ 
Corps von Neubreiaach imd Foi't Mortier, und später zur Verstärkung der Belage- 
rungstruppen von Hüningen. 

Volk mann starb als Brigadier zu Linz am 5. April 1824 im 50. Lebensjahre. 

FäVEEGE, H einrieb Graf von, Major, zu Chambery im Jahre 1781 geboren, 
hatte zwölf Jahre im kaiserlichen Heere mit grosser Auszeichnung gedient 




903 

imii trat, durch den Wiener Frieden 1809 veranlasst, im Mai 181] mil Majors- 
Cbarokter aus. 

Die Feldzüge 1805 und 1809 machte Faverge als Hauptmann im 52. Infan- 
urie>Rrgiineotc ia Italien mit und erwarb aicli in dem letzteren Kriege bei Görz 
d« Kitterkreuz durch Capitel-Bcscliluss im Jahre 1810. 

Der General Gayasini war mit 5 Bataillonen, 4 Oompagnien, 2 Schwa- 
JroQcn und einem Pontons-Train am 10. April in Görz eingerückt, fand aber die 
Brücke über den Isonzo zerstört, und ein feindliches Piquet auf dem jenseitigen 
LVer bemühte sich die Wiederherstellung derselben zu verhindern. Da trug, sich 
F«Torge an. den Fluss mit einigen auserlesenen Leuten durchschwimmen zu 
woUeo, um die jenseitigen feindlichen Posten zu vertreiben und einen mit 80 Mann 
|,taHUlea festen Thurm zu nehmen. Mit dem Obcrlicutenant Cserghöund 50 Mann 
^I^HtlgtDients schritt er um 1 1 Uhr Nachts zur Ausführung seines Wagestückes 
^PPV^Itduigtc glücklich bei der Papiermühle von Podgora an das jenseitige Ufer, 
■übte aich zum Meister des Thumies, nahm 24 Feinde gefangen, und da keine 
[JDterstiltKUiig vom jenseitigen Ufer nachfolgen konnte, Faverge aber von den 
rfldkwKrtig^n feindlichen Detachement Alles zu besorgen hatte, traf er die entspre- 
di(iMl*t«n Anstalten zur Behauptung der errungenen Vortheile. Ein feindliches 
I)Macbement, von Podgora kommend, wurde abgewiesen ; diesem folgte eine Stunde 
•fiUer tia stärkeres, welches jedoch durch die Standhaftigkeit der Bci^utzungs- 
Buanhaft ebenfalls zui-uckgctrieben und die Mehrzahl mit dem Bajonete nieder- 
K^uckl wurde. Dreimal versuchten die Franzosen den Hauptmann Faverge 
*■• dem Thurme zu verdrängen, jedoch begünstigt durch die Nacht und den Muth 
Mäff Uuittscbaft gelang es ihm, sich 3 Stunden gegen den weit überlegenen Feind 
a bdiMiptcn und die Herstellung der Brücke zu decken. Hiedureh wurde derCo- 
hme dt» Generals Gavasini der Übergang über den Isonzo gesichert, welche 
mflir« weiteren Operationen in Vorbindung mit den über Cividale und Venzone 
nniekooden Arraeecorpa fortsetzen konnte. 

Später wurde Ohcrat Gyurkovics des Regiments mit einerColonne gegen die 
Kfltfa detaehirt und> nachdem er Treviso besetzt hatte, zur Blockade von Venedig 
WNiauiit. Dieser Stalisofhcier verwendete Hauptmann Faverge zu Gcneralstabs- 
KcMvo, die er bis zur Aufhebung der Blockade mit Eifer und Thätigkeit versah. 
AMJid«!!] siphdieArmee hinter die Piave zurückgezogen hatte, rückte Faverge hei 
*'iaarCompagDiecin und fand Gelegenheit, alsdas I.Bataillon des Regiments von der 
•b^eschnitton den Rückzug über das Gebirge nach Karntlien nehmen musste. 
Wie bei den Detachirungen gegen Villaeh uud Klagonfurt als ein geschickter 
Partdgänger sich geltend zu machen, auch der Feste Sachsenburg durch 
Appnrmionimng und verschiedene Demonstrationen nützliche Dienste zu leisten. 

Farerge nahm später in seinem Vaterlande Kilitiirdienste, stieg bis zum 
Genertl -Lieutenant empor nnd starb im Jahre 1839. 




904 

TEIMER voa Wiltau, Mai-tiii Freilierr, Major, Sohn eines Tagliibners, 
zu Schianders im Vintachgau 1778 geboren, studirte zu Innsbruck. Als im Jaiu-c 
1796 die Schrecken des Krieges zuerst die friedlichen Grenzen Tirols bedrohten, 
70g Teimer als Gemeiner ins Feld und warde schon zu Anfang des folgenden 
Jahres zum Fähnrich der Maysee-Schützen-Compagnie gewählt, in welcher 
Eigenschaft er am 24. und 26. Februar 1797 auf dem Nonabergein den Gefech- 
ten bei Zambara und Rocchetta unzweideutige Beweise unerschrockenen 
Muthes an Tag legte, da er vorzüglich am 26. mit freiwillig gesammelten Schützen 
den Feind stürmend von den Anhöhen vertrieb, den wichtigen Poston Fajo weg- 
nahm und sich bis zur Ankunft der Unterstützung behauptete. 

Im März waren die Franzosen bis in das Herz des Landes vorgedrungen; 
General London musste sich über Meran zurückziehen; da retteteTeimer am 29. 
als Unterlieutenant ein Piquet kaiserlicher Dragoner, indem er beim Schlosse 
Maultasch dem verfolgenden Feinde in den Rücken fiel. Das Unternehmen gelang 
zwar, als sich aber Teimer wieder in seine vorige Position zurückgezogen hatte, 
wTirdo er bald darauf von einer mehrere Hundert Franzosen starken Abtheiliing 
angegriffen, der er nur 20 Mann entgegensetzen konnte ; trotzdem suchte er sioii 
den Rücken zu sichern und unterhielt durch volle acht Stunden ein so lebhaftes 
Feuer, dass die Franzosen die Verfolgung aufgeben muasten. Am folgenden Tage 
schmolz Teimer's ganze Abtheilung auf drei Mann zusammen. In dieser Ver- 
legenlieit sammelte er Weiber und lünder aus der umliegenden Gegend und Hess 
in einer ausgedehnten Linie durch die ganze Nacht sehr viele Wachtfeuer unter- 
halten, woraus der Feind auf ein grösseres Tmppencorps schloss und sich rulii^ 
verhielt. Die Folge dieser klugen List war, dasa General London drei Tage 
Frist gewann , um den Landsturm in Meran und allen umliegenden Gegenden auf- 
zubieten, wodurch er in den Stand gesetzt wurde, die Franzosen bei Bolzen anzu- 
greifen und bis Brixen zu jagen. 

Im April 179y ruckte Teimer als Hauptmann einer selbst geworbenen frei- 
willigen Sc blitzen- Co mpagnie der Stadt Botzen ins Feld und trug am 30. ent- 
scheidend zum guten Erfolge des hitzigen Gefechtes im Scharlerthale, und aur 
Eroberung der feindlichen Ilauptschanzc, die er an der Spitze seiner Compagnie 
erstieg, bei, wo er auch /.wej Wundon erhielt, die zcidebens nicht mehr geheilt 
werden konnten. 

Im Jahre 1802 zum Hauptmann der damals errichteten Landesmiliz ernannt, 
erfüllte Teimer als solcher sowohl bei der Organisirung wie im Felde seine 
Pflichten im ganzen Umfange, und als 1809 der Riesenkanipf begann, verliess er 
freiwillig Amt und Familie und begab sieh schon lange vor Ausbruch des Krieges 
unter tausend Lebensgefahren in sein Vaterland, um den Brennstoff vorzubereiten, 
in den nun bald der zündende Funke fullen sollte. Der Erfolg übertraf die kühn- 
sten Erwartungen. 




905 

lf«ch einer Unterredung mit A nilreas Hof er TeilJess Tcimcr am 9. April 
?iaeyt and eilto nach dem OberiiintliDle, um Jen Landatui-m zu den Waffen auf- 
lulordera. Am 12. eröffnete er durch ein lebliaftes Feuei* den Ajigiiff von den 
Ilättin^er Höhen herab gegen die in Innsbruck bereits von allen Seiten ein- 
eCH'hloBsenen bayerischen Truppen unter dem General Kinkel. Diese wurden 
ufeerieben und Kinkel gefangen. Am 13. nahten über den Brenner vom Puster- 
Miller Landstürme lebhaft verfolgt die Franzosen unter General Bison und die 
KiTem unter Oberst-Lieutenant \V r e d e n gegen die Hauptstadt, und rüukten naeh 
Wihau vor, um sich mit den Waffen in der Hand einen Ausweg zu bahnen. Aber 
die Tiroler hatten bereits alle Wege besetzt und Bison mit 4U00 Mann sah sich 
•on 15,000 Landsliirmern eingeschlossen. Er versuchte den Weg der Unterhand- 
long der offenen Gewalt vorzuziehen, doeh der energische Teimer erklärte, dass 
kein« Wahl vorbanden sei, als das Gewehr zu strecken. 

Als Biß on noch zauderte, gab er den Tirolern das Zeichen zum Kampfe, und 
im Augenblicke fielen gegen 100 Feinde, theils todt, theits verwundet. Der blutige 
Enisl. mit weichem Teimer das Geschäft der Unterbandlungen fiihrte, bewog 
Biioa eu cApitnliren, und er unterschrieb die Bedingungen, die Teimer ihm 
n^tBod, womacb das „frauzüsisehe und bayerische Militär auf jenem Flecke, 
wtm gegenwärtig — 13. April, Früh 9 Uhr — stand, die Waffen niederlegte" 
ud nod) an demselben Tage nach Schwaz und von hier nach Salzburg in die 
biegsgoTangen Schaft abgeführt wurde. In vier Tagen — vom 9, April, dem Aus- 
hfuche der Feindseligkeiten, bis zu dieser Capitulation — waren Nord- und Mittel- 
Tirol durch T ei m er, Hofer und Speckhacher befreit und 2 Generale, 130 
üffidere, 3060 Bayern, 2050 Franzosen gefangen, 1 Adler, 3 Fahnen. 7 Geschütze, 
Ui 8ÜU Cavallerie- und Zugpferde und eine beträchtliche Kriegscasse die Tro- 
phSea, welche von der Tapferkeit der Tiroler Landesvertheidiger in diesen denk- 
*bdig«D Tagen zeugten. 

Am 14. April nahmTeimer einen General-Adjutanten Napoleon'» mit eige- 
MT Hand gefangen. Wiilirend der Dauer des eben so muthvollen als glorreichen 
KuDpfea im treuen Tirol bis zum Abschlüsse deä Waffenstillstandes war dieser 
*»clerc Krieger immer in ununterbrochener Thiitigkeit. Anfangs Mai unternahm er 
mit 6i)0 Mann freiwilliger Landesscbülzen und einem Zuge Ilohenzollcrn-Chcvaux- 
i<fgw»Ton Reo Ite aus einen Streifzug nach Schongau, Kau fb eue r n, Ober n- 
^■•tf, Kempten, Memmingcn in Bayern, und brachte bis Mitte Mai 15,000 
M"ticn Getreide, 5000 Gewehre, mehrere Centner Munition, Sohlachtvieh und Gel- 
il» Dich Tirol, und deckte dadurch die k,k. Truppen vor zu gewiinigcndem Mangel. 
Ntehdem Teimer durch eine listige Unterhandlung mit dem bayerischen General 
'ifredp. der ihm lockende Versprechungen mündlich und sehriftlich zuBirhcrte. 
nsui er als Anführer des Landvolkes zurücktreten wolle, die nüthlge Zeit zum 
Aafc«hnt Hea Landsturmes gewonnen hatte, rückte er mit diesem am 29. Mai in 



i 



906 

die Gegend von Zlrl und Hüiting, auch gegen Seefeld und Scharnitz, von wohef 
ein anderes bayerisclies Uorpa in das Land einxudringen und mit Wredc sich 
vereinigen suchte, und fiel dem Feinde in die Flanke, während die k. k. Truppe 
im Vereine mit den Landesvertheidigcrn, die von Süden herbeieilten, über deri 
Berg Isel nahten. Die Bayern niussten mit namhaftem Verluste weichen, vrar- 
den bis Kufstein verfolgt — und Tirol erfreute sich zum zweiten Male seiner 
selbst erkämpften Freiheit. Bei dieser Gelegenheit machte Tcinier 2Ü0 Gefangi 
und zwang den Gegner, secha Kanonen, welche er nicht raelir retten konnte, 
Wasser zu vrerfen. 

Feldmarschall-Lieufenant Chasteler hatte schon lange die Grenzen Tiroli* 
verlassen, alsTeimer aui 9. Juni einen zweiten Slreifzug nach Bayern unternolim^ 
theila um die Aufmerksamkeit der feindlichen Reserve-Truppen auf sich zu ziehen, 
theils aber auch um das von allen Vertheidiguugsmitteln entblosste Land durch die 
sicher zu erwartende Beute mit Vorräthen zu versehen. Toinier di-ang bis Weil* 
heim vor und würde seihst München erreicht haben, wenn nicht die gai' zu grosse: 
Überzahl der feindlichen Cavallerie ihn um Jeu Rückzug besorgt gemacht hätte^ 
den er jedoch erst antrat, als die Hauptzwecke der Expedition erreicht waren. 

Am 19. Juh', wo der Waffenstillstand in Tirol noch nicht officiell verkünd» 
war, unternahm Teimer einen dritten Htreifzug bis nach Murnau in Bayern. Ef 
führte ausser freiwilligen Schützen- Comp agnien und Landsturm eine Compagnie 
kaiserlicher Salzburger -Jäger, einen Zng HohenzoUern-Chevauxlegcra und eine 
Kanone. Nach einem vierstündigen Gefechte in der Nähe von Murnau zwang er 
den Feind mit bedeutendem Verluste zum Rückzuge, und eroberte in Murnau ein 
sehr beträchtliches Magazin , welches in dem schon völlig ausgesaugten Tirol für 
die Subsistcnz unserer Truppen von höchster Wichtigkeit war. Der bald darauf' 
publicirte Waffenstillstand machte den siegreichen Fortschritten der Truppen i& 
Tirol ein Ende und zwang auch Teimer, den bisherig öfl'cntlich aufgestellten 
Defensions-Obercommandanten im Norden Tirols, nachdem ihn Se. Majestät zum 
wirklichen Major in der Armee zu ernennen geruht hatten, zum tractatmässigen 
Ab zage. 

Diese grossen Verdienste Teimer'a lohnte der Kaiser aufglänzende Weisej 
das Capitel vom Jahre 1810 eikannto ihm das Ritterkreuz für die That bei 
Wiltau zu; der Monareh aber verlieh ihm im Juni 1812 den FVeilierrnstand und 
dfts Gut Ilerborsdorf in Steiermai'fc, wo er nach dem Wiener Frieden zurück- 
gezogen lebte und am 27, September 1838 starb. 

MENSDOBFF-POUILLY, EmanuclGraf, General der Cavalleiie, geheimer 
Rath und Kämmerer, Inhaber des Husaren -Regiments Kaiser Franz Joseph 
Nr. 1, einem alten lothringischen Geschlechto entsprossen, Sohn des franzö'sisehca 
Generals Grafen Louis Albert de Pouilly, Besitzers von PouiUy und der Graf- 



907 

•diaft Ronasy, wurde am 24. Jiinnor 1777 zu Nancy geboren. Sein Vater emigrirte 
küt doD königlichen Prinzen und vertrat sie im Jahre 1792 als Bevollmäehtigler 
im preassischen Hauptcjuartiere, wohin ihm sein 15jähriger Sohn Emanuel beglei- 
tete und zuerst bei Valmy ins Feuer kam. 

Im Juli 1793 trat Mensdorliin kaiserliche Dienste, und zwar als Cadet in 
du Chevauxlegers- Regiment Kinsky (dermalen Fürst Liechtenstein-Uhlanen 
Nr. 9), von welcher Zeit an er den Namen Mens der ff, nach einer zur Graf:scLoft 
BoDSsT gehöngen Ortschaft, annahm. An allen bedeutenden Ereignissen in den Nie- 
dcrluden nahm er TheQ und zeichnete sich bei Avesncs le See aus, indem er 
fbil eütciii Corporal des Regiments den Obersten der Kuasnrds de la mortvom 
Pferde liieb. Den Feldzug des Jahres 1794 machte Mcnsdorff als Unterheute- 
uat mit, kam 1795 zur Belagerung von Mannheim und ging mit dem Regimente 
nach dem Falle dieses Platzes auf das andere Ehein- Ufer. Dort nahmMensdorff 
tB eiaeiu Slreifzuge unter seinem Rittmeister Grälen B u b □ a Theil , auf welchem 
M Ludaa der französische General Meyer gefangen wurde. 

Bei dem Ruckzuge von Kannatadt (179(j) wurde Mensdorf f, der mit seiner 
Abtbeilang die Nachhut bildete und sich schon früher hei Mal ach horvorgethan 
kan», durch einen leichten Scliusa ins rechte Bein verwundet. Nach der Schlacht 
Ton Aiuberg verfolgte er schon wieder in der Avantgarde den General Jourdan. 
ZwbebeD Nürnberg und Erlangen schnitt Mcnsdorff einen bedeutenden 
Tmuporl feindb'cher Wagen und eine Anzahl Gefangener ab. In der Schlacht von 
ffirxborg eommandirte er in Abwesenheit der älteren Officiere die Schwadron, 
niffaete aEs Avantgardc-Commandant das Cavalleriegefccht und entschied dui-ch 
rio« kühne Flankenbewegung den Angriß' der Cavallerie-Brigadc Liechtenstein. 
In Jtlir« 17!^9 rückte er mit der Division Rosenberg in die Schweiz ein und 
■wi bei dem für das Regiment Kinsky so rühmlichen Gefechte von Frauen- 
Wd »cbwer Ml der rechten Hand verwundet, was ihn für einige Zeit dicnst- 
■ifthig machte und auf Lebenszeit nöthigte, Degen und Feder in der linken Hand 
alUmo. 

Ajn 22. Februar 1804 vermählte sich Mensdorff zu Coburg mit der Prin- 
wwan Sophie, Tochter des regierenden Herzogs Franz von Saehsen-Coburg, 
lnj«hre IÖt>5 befand sich sein Regiment bei dem Jcllachich'schen Corps und 
■In ohne das energische Auftreten Mcnsdorffs (damals Öchwadrons-Comman- 
W>, welcher die Obersten Graf Kinsky und Wartenalebon bewog, mit den 
a^gwentem Klenau-Chovauidegcra und Blankcnstein-Husaren sich durch einen 
nh&a Nacbtmaracli der bereits abgesclilossenen Ca]>itulation von Bregenz zu enl- 
*M>Bn , mit dem erwähnten Corps in Gefangenschaft geratben. Mcnsdorff's 
•uardnungeo als Colonnenfuhrcr und Avantgarde- Commandant wurde es gedankt, 
daMdieCavallerie Böhmen, im Kücken des Feindos marüchh-end, glücklich erreichte. 
Akn 1806 befand sieb Mensdorff beurlaubt zu Saalfeld, als Prinz Louis 



von Preussen in dem ungluckliplicn Gpfeclite seinen Tod fand. Des Grafen kl» 
füciu und entschlossenem Benehmen gelang es, sowohl den Hof aemes Schwieger- 
vaters gegen den brutalen Übermuth des Siegers zu beacbützen, als auch die LeicEii) 
des gefallenen Prinzen für die königlichen Anverwandten zu erhalten, wofür ihnl 
die verdiente Anerkennung nicht ausblieb. 

Im Jahre 1808 ward Monsdorff zum Major bei Merveldt-Uhlanen ernanal 
und rückte im Jahre 1809 in der Avantgarde des Kolowrat'schen Ärmeeeorpi 
in Bayern ein; Am 12. April wurde er vom General-Major Grafen Crennevilld 
mit einer Schwadron und einer Compagnie vom 8. Jäger-Iiatailion von Schwarzeo- 
feld aus gegen Amberg abgeschickt, um des Feindes Stellung, der bei Amberg 
sehr stark vermuthet wurde, zu eiforschen. Dort angekommen, stiess Mensdorff 
auf feindliche Truppen, vertrieb sie aus dor Stadt und setzte sich daselbst fest. 
Arn niicbsten Tage früh 7 Uhr wurde er durch das ganze französische 1. Chas^ 
seur-Regiment , von 500 Mann Infanterie unterstützt, angegriffen, Da ihm abec 
die Wichtigkeit Ambergs für die Vereinigung des 1. und 2. Corps nur zu aeb(' 
einleuchtete, so stand er keinen Augenblick an, sich aus der Defensive in die Offen- 
sive zu versetzen. Schon die erste Attaque war so glänzend geführt worden^ 
dass des Feindes Verlust die Stärke der Abtheilung des Majors Mensdorff 
erreichte; ein neucrVersuch desselben, sieh Amborgs zu bemächtigen, fiel eben 
so unglücklich aus. Mensdorff warf die Franzosen bis Ürsenaolen, 2 Stunden 
von Aniberg, zurück, und behauptete sich in dieser Stadt bis zur Ankunft de« 
1. Armeecorps. Obschon durch einen Schuss in die linke Schulter verwundet^. 
verliess er doch den Kampfplatz nicht, sondern trug vielmehr Alles bei, was itti 
seinen Kräften lag, um dem Gefechte eine günstige Wendung zu geben. — An demi 
blutigen Tage bei Regensburg hatte Men sdorff ungeachtet der schmerzlicheil'' 
Wunde neue Beweise besonderer Bravour gegeben, hiobel aber erneuert viar 
Säbelhiebe erhalten, darunter einen, der ihm die rechte Wange spaltete. Er verliesB- 
trotzdem seine Truppen nicht eher, bis er sie, selbst einer der Letzten auf dem, 
Kampfplätze, durch Regensburg nach Stadt am Hof geführt hatte. Das Ritter* 
kreuz belohnte sein heldenniüthiges Benehmen am Tage bei Amberg durch 
Capitel-Besehluss im Jahre 1810. 

Kaum hergestellt, sehen wir Mensdorff schon wieder als Vorposten-Com- 
niaodanten an der österreichisch-böhmischen Grenze zwischen Freistadt undKaplitx. 
l'.ä wurde ihm die Organisation einer aus den heterogensten Theilen z 
gesetzten sogenannten fränkischen Legion übertragen, welche jedoch bei dem kurS 
darauf erfolgten Friedensschlüsse aufgelöst wurde. Mensdorff war unterdeaso» 
zumOberst-LieutenantbeiErzherzogKarl-UhlanenvorgerÜckt und schon im Auguit) 
des Jahres 1810 zum Obersten und Commandanten derselben ernannt worden. 

Als Österreich im Jahre 1812 sich mit Frankreich allürte, trat Mens do 
schweren Herzens mit noch vielen anderen ausgezeichneten Männern auf lotrze Zo^ 



r£& 




den Reihen desHeerca, wobei ihm jedoch von Sr. Mnjestat dem Kaiser Franz 
■ höchst g;nädigei- ^\~cise ausdrücklich sein Hang' vorbehalten blieb. In dem Auß:cn- 
Uickc jedoch. nU Österreich neuerdings die Wafl'on gegen Frnnkreich erfrriff, 
dte er in das IIaupt(|uartter Lieben bei Frag, um sich zur Disposition zu 
•teilen. Er ward auch sogleich seinem früheren ßeginiente eingctheilt und zum 
Commutdanten eines Stroifcorpa ernannt. Mens dorffalarniirte mehrmals Leipzig 
■od bcsUad bei Eötha ein Gefecht, wo der Feind gegen 80 Mann verlor. Der Vcr- 
drr Schlacht von Dresden rief auch ihn auf kurze Zeit nach Böhmen zurück, 
Velefaefi er jedoch gleich nach der Schlacht von Kulm wieder verliess. Durch 
ita on^lücklicheD Irrthum eines Officiers misslang ihm die Befreiung der gefan- 
genen Division Mesko. Um so glücklicher liihrte er einen Überfall von Wur- 
len aus, wo eine bedeutende Anzahl Gefangener gemacht und sehr wichtige 
CufTespon denken erbeutet wurden. Auf dem Marsche zur Vereinigung mit dem 
General-Lieutenant Thioleraannbefieite Mensdorff öOUpreussische Gefangene 
in der NKbe von Llilnen. In dem Treffen von Altenburg war Menadorff's 
Ajttbeil ein entscheidender; sein Detachement machte gegen 500 Gefangene und 
nhm mehrere Geschütze, und ihm wurde für dieses Gefecht der russische Wla- 
finir^rden 3. Classe zu Thcil. Bei Leipzig führte der Graf die Vorposten 
fe( Grnlaj'Bcfaen Corps und der Division Moritz Liechtenstein und nahm 
in Franzos«n 7 bespannte Munitionawagcn und gegen 200 Mann ab- Die Bese- 
tnag de* Übcrgangapunctes bei Kosen über die Saale wurde ihm später vom 
Feldseugaieiater Grafen Gyulay übertragen. Auf sein Ansuchen ward hierauf 
MpDsdorff durch Fcldraarächall Fürst Schwarzenberg ganz unabhängig ge- 
DtlltaQdDur seinen unmittelbaren Befehlen untergeordnet. Der rastlose Oftici er 
Ibtrfi«! den Feind bei Geissa am 25. October, wobei er 4 Geschütze nebst znhl- 
iwchen Kriegs vorräthen eroberte, 17 Ofliciere und 200 Mann zu Gefangenen machte 
■nd 160 Pferde erbeutete. In der Schlacht bei Hanau bildete er den äusserslen 
link«) Flügel der .\lliirten und rettete gegen Abend mehrere versprengte öaterrei- 
diwlic Infanterie- Ablhcilungen nach Frankfurt. Wkhi-end desWaffenstill Standes war 
Htnidorff auf Wunsch seines Schwagers, des regierenden Herzogs von Sachsen- 
'•biirg, velcher da« 5. deutsche Aimeecorps befehligte, als Chef des General- 
Mtbctza diesem versetzt. Er leitete nun die Blockade von Mainz und dieUntethand- 
Wff«! wegen der Übergabe; auch unterzeichnete er die Capitulation dieser Festung. 
Von da ging Mensdorff nach Paiis, wo er zum General-Major ausser der 
i<«r, nil Vorbehalt des Kangea seiner Hintermänner, am 15. Mai 1815 ernannt 
■irfe. Daaselbe Jahr sah Mensdorff abermals als Chef dos General-Stabes des 
^ Anie«oorp9, das jedoch an dem Feldzuge keinen Theil nahm, sondern im Elsass 
CiBtoaaeiMDia bezog. Als Zeichen der Anerkennung seiner Leistungen war er mit 
Georgs- und Anna-, dem preussischen pour le m^rite- und dem 
Hflinriohfi-Orden decorirt worden. 



910 

Menadorff wardo nun Cavallene-Brigadier in Böhmen, wo er bis zu seineei 
Ernennung als Festungs-Commandaat in Mainz im Jabre 1824 blieb. Nach Ablaul 
von 5 Jahren wurde er ausser der Tour zum Feldmsrsehall -Lieutenant, und auf 
weitere 5 Jahre zum Vice- Gouverneur dieser Festung ernannt. Bereits im Jahr» 
1825 war er zweiter Inhaber des ersten Husaren-Regiments Kaiser Franz gewor- 
den. Seine Klugheit und Energie, seine Humanität und angemessene Strenge- 
wührend der Dreissiger Jahre hatten ihm, wie der herzliche Abschied bewies, die 
Neigung der Besatzung und Bevölkerung in hohem Grade gewonnen. 

Von da zum commandirenden General in Böhmen ernannt, traf ihn im Jahro 
1840 zum grossen Schmerz die Ernennung zum zweiten Hofkriegsraths-Präsiden-^ 
ten, welche ihn einer gewohnten Sphäre und Anhänglichkeit seiner Truppe en( 
rückte. Im Jahre 1843 feiorte Mensdorff sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum 
hei welcher Gelegenheil ihm Kaiser Ferdinand eigenhändig das Grosskreu, 
des Leopold-Ordens überreichte. Im Jahre 1845 zum General der Cavalleri 
ernannt, ging der ergraute Krieger im Jahre 1846 als deutscher Bundcs-Commissär' 
nach Schlesien, und ward dort mit dem preussiachcn Adler-Orden docorirt. 

Das unheilvolle Jahr 1848 bowog Mensdorff, seine Stelle niederzulegen und 
um seine Versetzung in den Ruhestand nachzusuehen. Nur mit der grossten AbDeiw 
gung, aber gewolmt als Soldat unbedingt zu gehorchen, trat er die Iteise als Com- 
missär nach Prag an, um die Ruhe dort herzustellen. Im Spütjahro stellte sici 
Mensdorff, ohne Rücksicht auf frühere Rangsverliältnissc, dem Feldmarschati 
Füraten'VVindischgriitz zur Disposition; einmehrmonatUcberGicbtanfall fesael« 
ihn jedoch an das Krankenlnger. Von jener Zeil an schien seine Gesundheit waih 
kend, und oin langwieriges Nervenleiden endete am 28. Juni 1852 sein thaf 
veicbes Leben zu Wien, 

"WmrZINGERODE-OHMPELDjFerdinandFreiherrvon, Felduiarsdiall-Licuto. 
nant, zu Kirchohmfeld im preussischen Regierungsbezu-ke Erfurt 1769 geboreiv 
und einem der ältesten deutschen Geschlechter entsprossen, welches schon seit dem 
zwölften Jalirhunderte im, heutigen Kichsfelde ansiissig ist. Wintzinger ode'* 
Vater Wilhelm Levin war landgräflich hessischer Oberst; der Sohn begann seine 
kriegerische Luf bahn in vaterlUndischen Diensten, vertauschte sie jedoch bald mit dea 
russischen, und im Februar 1799 mit den kaiflerlichen, da er als Oberst-Lieutenant 
übernommen und zu Erzherzog Ferdinand-Dragoner eingetljeilt wurde. 

Seiner Kampflust war bald Gelegenheit geboten, da er sich schon in der 
Schlacht bei Stockach rühmlich auszeichnen konnte, hierbei verwundet und 
gefangen, jedoch durch den Dragoner Gabriel SchlUch t er ausdesFeindes Hän- 
den glücklich gerettet wurde. Im November I80U war Wi ntzingerode bereits. 
Oberst, im Jänner 1802 ernannte ihn der Kaiser Alexander von Uussland zum. 
General-Adjutanten und übertrug ihm 1805 die wichtige Sendung, um I'reussea. 




911 



itie mir Alliana mit Öaterreich und England gegen Frankreich zu bewegen. 
Wintiingerode nacli Wien, um den Tractat zwisclien den verbün- 
;en Micbten abznscbJiessen. Als der Kaiser hierauf selbst zur Armee nach 
Deotsc-Majid kam, begleitete ihn Wintzingerode während dea Feldzuges und 
Icfaoete sich bei Dürnstein so vortheilhaft aus, dass er mit dem Militär-Georga- 
OrdcD goschiuUcltt vurde. 

Schoo im Februar 1807 war Win tz ingerode als General-Major In kaiser- 
lehe Dienste wieder Übernommen und conuuandirte im Jahre 1609 die Avautgarde- 
Brigkde des I.OrafBellegarde'schen Corps, 

J^as Gros derselben sollte am 14. April eine Stellung bei Ursensolen 

ais Wintzingerodo die Vorposten aufgestellt hatte, stiess er auf der 

Jläut TOD Kisetsberg unweit Cnstcl auf den Feind, gerade in dom Augenblicke, als 

iFeldmarecball - Lieutenant Fresnel Gegenbefehl erhielt mit dem Gros in der 

PadiioD b«i Äjuberg steken zu bleiben und den Harsch nach Ursensolen zu unter- 

Die Lage der Vorhut gestaltete sich äusserst kritisch, zumal es nicht mehr 

ftsnlieh w«r das mit dem Überlegenen Feinde bereits engagirte Gefecht nbzu- 

and bei Tage sich zurückzuziehen, ohne ihn nach sich zu locken und die 

TCrgneicIiiicte Position bei Amberg, von der das Armeecoi-ps noch mehrere 

Xoleo entfcml stand, bloss zu stellen. Wintzingorode erwartete also mit den 

\iirfotUia, die au5 dem 3. Jäger- Bataillon und einer Schwadron Blankenstein- 

Konreo bestnoden, den Angriff, der mit grosser Überlegenheit erfolgte; es gelang 

iboi nicht nur altein den wiederholten Attaquen zu wideratcben, sondern auch nach 

ia Ankunft zweier Bataillone und einer halben Batterie, welche Feldinarachall- 

Unlviuot Fresnol als Unterstützung absenden Hess, die Franzosen wieder 

unk ktosch lagen, wodurch der Plan des Marschalls Davoust, auf dem nächsten 

W'tjft abfir Ambcrg nach Regensburg zu rücken, um sieh mit der französischen 

ilu{i|-j;Vru)CC XU vereinigen, gänzlich vereitelt wurde. 

In der Schlacht bei A spe r n untcrnolini Wintz ingerode den ersten Angriff 
BfiSeieaDoH'. Seine Brigade (2 Bataillone An ton Mi trowsky, 1 Bataillon Jäger) 
boe innchstStteo besetzt und erhielt den Befehl diesen Angriff auszuführen. Es war 
«ton Aoffcnblickeals einige Infanterie-Abtbeilungen derVorhut des Hillcr'schen 
^«ft in den Ort eingedrungen auf den Feind stiessen und sich auf dem Wege 

IucbSudlau zorückzichen mussten. Wintzingerode liess die Bataillone Massen 
fanumn und da» erste rechts gegen das linke Ende von Aspern, das zweite aber 
*•■ HirBcbstllten gerade auf das Angnffsobject vorrücken, während das 2. Jäger- 
kuiUan die Pläuklcr vor dem Orte zu vertreiben und die Brigade- Batterie die 
rnuraebniuog durch ihr Feuer zu unterstützen hatte. Als diese Anordnungen 
irncbclicn, war der Feind bemüht Aspern mit mehreren Batterien, und alle um und 
mrdein Dorfc gelegenen Gräben, so wie die Brücke mit Infanteric-Abtheilnngen 
lassetL Die .Vraatgaido des Hillcr'schen Corps blieb mit den die Auen 




912 



M 



haltenden feindlichen Plänkler engagirt und eine von üir aufgefahrene BattcrM 
beschosa den Ort. Das 2. Jäger-Bataillon vermengte sich im Vorrücken mit dicsei 
Truppen. Wintzingerodo, an der Spitze der Batdülone Mitrowsky, rlicktt 
gegen die Brücke, warf die Plänkler zurück, vertrieb den Feind aus den Graben 
passirte die Brücke unter dwn heftigsten Feuer im Doublirschritt und eilte ohw 
einen iSciiuss üu lluin Kuin Sturme auf den Kirchhof, woliin t-ich der Feind ziiHiok 
gezogen hatte. Die Bataillone waren bereits nunihaft Jui Verluste, als der Feil 
verstärkt aus Aspeni gegen sie anrückte. Bis auf 30 Schritte liesa ihn das 1. BataS 
Ion ankommen, dann gab es die erste so kräftige Decharge, dasa die FrsXt 
zosen zurückwichen. Nun war keine Zeit zu verlieren, der General befahl dii 
Einstellung des weitern Feuers und den Angriff mit dem Biijonete, der denn aucli 
durch das persönlich tapfere Beispiel Wintzingerode's gefördert, sofort gelang 
Nur wenige Schritte vom P'cinde entfernt wurde Wintzingcrode verwunde! 
verlor sein Pferd unter dem Leibe und musste vom Kampfplätze getragen werden 
aber die achwierigc Aufgabe ward gelöst. Der Üeneralissinius ernannte den brav« 
Wintzingcrode mit Armeebefehl vom 24. Mai zum Feldmarschall-LieiitenanI 
und Seine Majestät der Kaiser verlieh ihm im Nachtrags-Capitel vom Jahre 1811' 
das Ritterkreuz, das er ihm schon für sein ausgezeichnetes Benehmen bei 
Dürnstein zugedacht hatte. 

Als der Krieg gegen Russtand im Jahre i8!2 ausgebrochen war, verlie^s 
Wintzingcrode imMärz abermals die kaiserlichen Dienste und erhielt ein leichtes 
Corps bei der Avantgai-dc der russischen Armee. Vor Moskau wurde er am 
22. October gefangen und Napoleon wollte ihn als Unt^rthan eines Rh ein b und es- 
Fürsten erschiessen lassen, allein schon am 22. November ward er durch General 
Tachcrnitsehew befreit. Er commandirte hierauf das 2. nissische Corps der 
Haupt-Armee, schlug die Franzosen bei Kaiisch (Vi. Februar 181.3), und bewährte 
in der Schlacht hei Lützen von Neuem seine Tapferkeit. Dann focht er unter dem 
Kronprinzen von Schweden, und hatte thätigen Antheil an den Schlachten bei 
Grossbeeren und Dennewifz. Für sein ausgezeichnetes Benehmen in der Sehlaeht 
bei Leipzig erhob ihn der Kaiser Alexander zum General der Cavallerie. Später 
befehligte er die Avantgarde des Marschalls Blücher, nahnj Rheims und stellte 
die Verbindung der Blücher'schen Armee mit der Schwär zenberg' schon her. 
Nach der Schlacht bei Aj-cis verfolgte er das Heer Napoleon's, welchen er in 
der Meinung zu erhalten wusste, dass ihm die ganze H.iupl-Armee folge. Da 
wendete sich aber Napoleon am 26. März 1814 gegen den lästigen Ver- 
folger und schlug ihn bei St, Dizler. Wintzingerode starb zu Wiesbaden am 
17. JuDi]818. 

KEINISCH, Ignaz Freiherr von, Feldmarschall-Lieutenant zu Saatz in Böh- 
men 1770 geboren, hatte seine L&ufbahn bei Eröffnung des Krieges gegen die 



913 



lYorlo ais Cadet bei Herzog A 1 b ü r t von Sachaca-Tesehen-Carabinieicn begonnen 
und wurde im Verlaufe dieses Feldzuges Fähnricli im 16. Infantcric-Regimcnte. 

Die kriegerisclicn Zeitläufte haben Rcinisch Gelegenheit gegeben, sowohl 
«Dem Theilc des Türkcnkrieges als auch allen Campaguen der wiederholten Kriege 
gegea Frankreieh bis zum Jahre 1809 unausgesetzt, und in diesen 18 Haupt- 
ichlftcbton, 3 Belagerungen und zahlreichen Gefechten beizuwohnen urid sich grosse 
Verdieosle zu erwerben, lleiuiBch war im Jahre 1793 bei dem Übergange über 
dea Rhein, in den Gefechten bei Speier und Bergzabern, im Bienwaldo, bei 
dem Stunuo der Weissen liurger Linien, im Treflcn am Geisberge, 1794 in 
•Utn Gefecbl«n auf dem linlteu Rheinufer, so wie 1795 bei der Wegnahme des 
Uartenberges, beim Sturme der Mainzer Linien, dann als Obcriieutenant des 
OtneraJ-Stebes in den Schlachten bei Amberg, Wiirzburg und Emmen- 
dingen and bei der Belagerung von Kehl; J799 als Hauptmann in den 
Schlachten bei Verona, an der Trebia, bei Novi, beiGenola, im Gefechte 
hti Mondovi und bei der Belagerung von Cuuoo; im folgenden Jahre bei der 
&abening der verschanzten Position am Monte Cenis, dann jener am Col di 
Teoda, in der Schlacht bei Marengo, am MIncIo und 1805 als Major in der 
ScblAcbt bei Caldiero. In allen diesen Vorfallenheitcn hatte Reinisch als 
OfEcier des Goneral-Stabcs wesentlichen Einfluss auf die Leitung der Truppen zum 
md im Gefechte ; ganz vorzüglich aber war sein Betragen bei der Erstürmung des 
Col di Tenda, wo es seiner Einsicht und Verwendung am meisten zuzuschreiben 
nr, imaa der i-opublicanische Generat Suchet seinen Rückzug hinter den Var 
tttreten masste; dann bei der Wegnahme des Monte Cenis, wo er die dritte 
Coloanc fuhrt« und aus freiem Antriebe die errungenen Vorlheilo so zu nützen 
vntte, dua durch seine khige Anführung und Tapferkeit der Feind in Lasleburg 
Aberfidlco, 2 Kanonen und 5 Munitionskarren in Stich Hess und bis gegen Chambery 
^orfcn wurde. 

Bei Pordenonc im Jahre 1809 erkämpfte sich dieser bravo Officier als Oberst- 
Lienlenuit das Ritterkreuz, welches ihm im Capitel 1810 zuerkannt wurde. 
Am Tage dieses Gefechtes (15. April) bei der Person dea Commandirenden, 
fjtiierzogs Johann zubleiben angewiesen, der mit einer einzigen Sehwadron Ott- 
Ilauren als Bedeckung auf einem Puncte stand, von welchem das Schlachtfeld 
ucli allen Riebtungen übersehen werden konnte, bemerkte Reinisch, dass die 
Fniuoeen mit einem Tbeile ihrer Truppen durch Rorai grande gegen Sacile sich 
nrQcktogen, und dass der zur Vereitlung dieses Rückzuges beorderte Oberst und 
CW des General -Stabes Graf Nugent zur rechten Zeit kaum dahin gelangen 
konnte. Oberst-Lieutenant Reinisch war aus früheren Jahren mit der Terrain- 
fittcbiffenheit vollkommen vertraut und erkannte sogleich, dass dem Feinde über 
Roru grande noch zuvorzukommen möglich sein würde, ehe er Fontana Fredda 
«rrCMbe. Aber Rorai grande war schon von den Franzosen besetzt und sie mussten 



914 



erst vertrieben werden. Dazu mangelto es an Truppe», und sie erst herbeizuluhren 
schien Iteinlscli die Zeit viel zu gemessen. „Aiiidacesfoftunajuvat!" meinte er 
und nahm an, dass die Franzosen die Stärke der Ihnen entgegengefiihrten 
Ilus.aren nicht erkennen, auch nicht annehmen würden, dass sie nur von einer 
kleinen Abtheilung augegrilfen werden. Ohne Befelil fasste also Reinisch den 
raschen Entschluss, mit der zur Bedeckung des Erzherzogs bestimmten Schwadron 
eine Attaque zu wagen, um den Feind im Rückzuge aufzuhalten und der Abthei- 
lung des Obersten Graf Nugent die Unternehmung thuultchst zu erleichtern. 
BoiRorai grando traf Reinisch das französische 6. Husaren-ßegimont mit Grena- 
dieren und Geschütze im vollen Rückzüge. Trotz der Übermacht griff er mit der 
Husaren-Sehwadron die Gegner in einem breiten Hohlwege und im Dorfe selbst 
an, hieb alles um sich nieder und setzte die ganze Colonne in Verwirrung. Sie 
stockte, nahm danu eine neue Aufstellung und die Ofßciere trafen manche Vorkeh- 
rungen um die Ordnung wieder herzuslellen. In diesem Gemenge verlor Reinisch 
sein Pferd, das sich mit ibm überschlug, und wurde durch einen Säbelhieb am Kopfe 
verwundet und gefangen. Dieses lauge Gefocht hatte dem Feinde einen grossen 
Zeitverlust verursacht, so dass Oberst Graf Nugent noch rechtzeitig anlangen 
konnte. Nun begann die Verwirrung aufs Neue und Reinisch fand Gelegenheit 
sich wieder frei zu machen , auf ein Husaren-Pferd zu schwingen und an der gänz- 
lichen Vernichtung der Colonne neuen Antheil zu nehmen. 

Der Feind verlor in diesem Gemetzel viele Hundertc an Todten, Verwun- 
deten und Gefangenen, dann 4 Geschütze und 3 Adler. Das 35. Infanterie-Regiment 
wurde gänzlich, das 6. Husaren -Regiment grösstentheÜs zu Grimde gerichtet, 
Erzherzog Johann bekräftigte diese tapfere That mit folgenden achSnen Wor- 
ten: „Das nachahmungswürdige Beispiel des Oberst-Lieuleuants von Reinisch 
entging nie meinem Blicke. Für ausgezeichnete Krieger, die, zumal wie gedachter 
Ob erst- Lieutenant, entscheidende Beweise ibres unermüdeten Eifers im Dienste, 
ihrer Tapferkeit auf dem Schlachtfelde und ihrer richtigen Ansicht all' jener 
Gegenstände gaben, die ihr Wirkuugski-eis umfasst, »oll jeder Vorgesetzte 
gerne das Wort führen, und ea gereicht mir wahrlich zum besonderen Ver- 
gnügen, dieses für ihn durch gegenwärtige Bekräftigung mit dem Zusätze thua 
zu können, dass er zu dem glücklichen Erfolge Alles beigetragen habe." 

Die schwere Kopfwunde, welche Reinisch erhalten hatte, war, wenn auch 
nicht tödlich , so doch vou der Art, dass er sich der Schlacht des folgenden Tages 
hätte entziehen können. Allein er wohnte dieser wieder an der Seite des Erz- 
herzogs bei. Unsere Vorhut stand bei Fontana Fredda , das 8. Armeecorps voi-, 
und das 9. hinter Pordenone aufgestellt. Um 9 Uhr meldeten die Vorposten die 
Vorrückung des Feindes; Kundschafter berichteten, wienach demselben Verstärkung 
zugekommen sei, tmd bis 1 Uhr stand es ganz ausser Zweifel, dass er mit ganzer 
Macht anrücke und seine .Angriffe auf unser Centrum und den linken Flügel 




j^'cJiiel »eieu. Dm- Krzliisrxijg beüclilusä dotu Ftiindu itiit litiiii ä. Cui-ps entguguiizu- 
lüekea nod mit dorn 'J. in diu liiike Flanke ku fiiUeii. Mit letztei'em Auftrage wurde 
Beinisoh Buiii Commaudaiiteii des 9. Corps, FeldmarscliftU-Lieutejiaiit Graf 
GjnUy, voraus gesciiickt iiud diiigirtu diesuü Corps über diu Cuiiipugne di 
liovemio, wo es in dei- linken Flunku dea vüniiekoiiden Feindes iSlüUuiig iialini, 
hii der Kriwrzog in Pcnion erächieu und den Flunkeaun^ritt' anordnete. Geueral- 
JügorUarziani wui-d befehligt luIl seiner Brigade rasi^L nacli Viguuuovu zu uilou, 
»tiirand die 2 Dragoiiei*- Regimen l«r liuiieiilulie und Sovuyeu diu gegenilber- 
«UlieDde Ktfilorci verjagen und duiin die Infanterie angreifen äuÜten. Diese Attaque 
iwwriang, da das liogimuul Havoyen auf einen von der feindJiciion Infanterie 
hvtaieki^ TertJieidigten Oraben stiess. Zu gleiclier Zeit scliritten die Fianzosen 
tma Augriffv auf liorai gronde und Kuriii piccolo. Gelang dies, au war unsei' 
l^tmm durchbrocben und die vorgenoiuniene ti-efflicli berechnete Flanten- 
Brwcgiiog idcht nur ganz fruelitlos, sondern aueL der Rückzug diese» Corps im 
gäutigstcii Falle sehr schwierig. Der mnsiulitigu Keinisch erkannte sogleich 
AcGefahr und auch die Ngthwendigkeit die Flanken- Operation zu beschleunigen, 
bmerfch! aber, da^s die Urigade Marziuni noch nicht uu Vorrücken begriffen 
«1, und in dci' Erkenntnis^, wie unumgänglich nothwendig dies zur Ent- 
Mketdiing doa Tages eci, sprengte er gegen das eine halbe Stunde entfernte Dorf 
VipiDiiovu, wo er die halbe Brigade (3 Bataillone Älvintzy) hinter demselben 
den Rusi abei-, 2 Bataillone Ogullnor mit einer Positions-Bat- 
theUs im, thoila um das Dorf unentwickelt stehen sah. Auf die an das 
,t Ä Win tzy gorichtetc Frage: „Was sie hier unthätig machton ?" erhielt 
vdie Antwort, datis sieaufBctebl harren. Rot nisch stellte bei dieser Lage der 
Mn^ ieiu Obersten und Reginients-Commandanten v. Seelhai die Nothwcndig- 
Ul «Iner «cfancUen Vorrückung des Regimoots vor, welcher hierauf mit grösstem 
^ifsnad unter dem Jubel des dringend das Vorrücken verlangenden Regiments 
is mmierbafler Ordnung, das Dorf rechts lasKeud, vorschritt und sich mit den 
Uiri^B Truppen in Verbindung setzte. Reinisch erwirkte durch eine thätige und 
{dehicklc Vorwendung des Geschützes die Vorrückung gegen und nach Sacile, wo- 
i"^ letxierer Ort noch mit einbrechender Nacht genommen und der bis auf diesen 
-UfnobliHc noch immer unenisehiedene Sieg endlich vollkommen und glorreick 
önmgen wurde. Sacile war nändich der einzige i'uncl, der des Feindes Rückzug 
^Mtca konnte, da durch diesen mit einer freien Umfassung verthcidigton Ort die 
■ndfO Commonicatiou über den Livcnza-FIuss führte. Der Verlust von SacUe, 
tiAu das brave Gguliner-Regimeut unter seinem tapferen Obersten Cs i vi c h auf 
^<ififfderuiig des Oberst-Lieutenants Reinisch stürmend nahm, brachte den 
f<ni in 10 grosso Vcrwimmg, dass er sich in Unordnung auf Riugnero und 
CoDegliaao über die Piave zurückzog und hei Brugnero 18 Kanonen und mehrere 
lUOO Odangeno zurücklassen uiusste. Das Vorrücken der Brigade Mar ziani nach 



916 



Sacile entschied den Sieg und Oberst-Lieutenant Rcinisch, der durch uner- 
müdeto Thiitigkeit diese Vorrückung erzielte, kam ein wesentlicher ÄBtheil dieses 
glänzenden Erfolges zu Gute. 

Indessen wurde die in dem vorhergegangenen Treffen überkommene Wunde* 
30 gefährlich, dass sie des tapferen Soldaten^ der im August 1810 in den Frei- 
herrnstand erhoben worden — Untauglichkeit zu fernerem Kriegsdienste herbei- 
führte. Doch blieb ßeiiiisch in FriedensansteUungen desto thätiger und wurde im 
April ■ 1818 Platz-Oberst zu Gratz, wo er die Cadeten-Compagnie errichtete und 
fortwährend inspicirto. 

Imjuni 1832 zum General-Major und Local-Dircctor der Neustädter Akademie 
ernannt, wirkte Reinisch zum Besten dieser Anstalt bis zu seinem am 23. Sep- 
tember 1843 erfolgten Ableben , ward noch im Jahre 1836 mit dem Commao- 
deurkrcuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet und im Mai 1840 zum Foldmar- 
schall-Lieutcnant befördert. 

Als dieser vielverdicntc Soldat am 24. September 1838 sein fünfzigjäh- 
riges Dien st Jubiläum gefeiert hatte, beeilton sich die Mitglieder der Akademie». 
durchdrungen vom Gefühle der Achtung, ihm einen zierlich gearbeiteten Degen und 
einen silbernen Becher zu" verehren, auf welchem alle Feldzüge, die er mitgemacht 
hatte, und die Namen der Mitglieder der Akademie verzeichnet waren. 

MARTYN, Poter Chevalier, Oberat-Lieutejiant und Kämmerer, von altem 
iiisehen Adel , war zu Castlebar in der Provinz Connaught geboren und erhielt im 
18. Lobensjahre (Juni 1790) eine Unterlieutcnantsstelle beim 1. Kürassier-Regi- 
mente, mit welchem er die Feldzüge bis zum Jahre 1805 mitmachte und im März 
1808 als Rittmeister zu Hohonzollern-Chevauxlegers übersetzt wurde. 

Das Regiment Ilohenzollern hatte im Jahre 1809 in Italien und Kärn- 
then seinen alten Ruf auf glänzende Weise bewährt, und dem Rittmeister Martyo 
ward Gelegenheit zu besonderer Auszeichnung geboten. 

Als die Avantgarde unserer Armee am 15. April 18U9 gegen Pordenono 
vorrückte, wurde General-Major Schmidt mit einem Bataillon Banaüsten und 
der Schwadron des Rittmeistors Martyu zur Flankendeckung beordert. W^'ährend 
dieser General mit der Infanterie den Marsch des Erzherzogs Johann gegen 
ßorai grande cotoyirte, blieb Martyn in der Ebene aufgestellt und gewahrte, als 
das Gefecht bei der beiderseitigen Vorhut sich entwickelt hatte, eine feindliche 
Infanterie-Colonne durch einen tiefen Hohlweg aus Rorai grande vorbrechen und 
dieser eine Cavallerie-Abtheüung folgen. Ohne Befehl abzuwarten, warf sich 
Martyn mit wenigen Reitern auf die Colonne. An den Hohlweg gelangt, stiesa 
er auf die Tete, welche sich eben entwickeln wollte; er Hess ihr aber keine Zeit, 
sondern hieb so rasch und entschlossen ein, dass die Infanterie gänzlich gewor- 
fen wurde. In diesem Kampfe erhielt Martyn eine Schusßwunde und drei 





917 

Bijonetslictie. Ein Thell des Feindes wurde gefnugeii, der Rest kletterte in Unord- 
Dun^aufdenKand des Ilobiweges undformirte zu beiden Seiten desselben Massen, 
{■a U a r 1 IT n in Folge dessen nieKt weiter im Hohlwege vordringen konnte, suchte 
er cinca Aufgang rechts zu gewinnen, und griff dann trotz seiner Wunden zwel- 
oui die rechts aufgestellte Masse mit solch' unwiderstelilicher Tapferkeit an, dass 
iCe Feinde theils niedergehauen, theils gefangen wurden, aueli die links stehende 
JCuM) jeden Widersland aufgeben niusste. 

Itn weiteren Verlaufe dieses Krieges hatte sich Martyn am 5. Juni frei - 
wütig angeboten, mit 60 Mann Infanterie und 40 Pferden von Feldkirchen bis 
St Veit die linke Flanke des Feidmarschall-Lieutenants Chasteler zu decken. 
B« FiHstritz atiees er auf eine feindliche Cavallerie-Patrouille, welche bald gewor- 
wurde, und vor St. Veit links von der Strasse auf ein feindliches Infanterie- 
lent von ungefähr 200 Manu, dieses zum eiligen Rückzüge bemüssigend 
iglcicb die zweckdienlichsten Anstalten zum Angriffe auf den Ort tieffcnd. 
BimIi sich des Feldkirchncr Thores bemächtigend, drang der tapfere Ofiicier mit 
Mocr Handvoll Reiter in die Stadt und auf die Besatzung ein, die nacli kurzem 
Widerstände die Flucht ergriff ujid dem Rittmeister Marl yn 125 Gefangene über- 
Üe»; bei dieser Gelegenheit wurden auch 25 Mann des Infanterie - Regiments 
Etsterhiüy aus des Feindes Händen befreit, St. Veit noch bis zum 6. Abends 
itet und dadurch dicBcwegungen des Feldmarachali-Lieutenants Chastelcr 



In dem 181U abgehaltenen Capitel ward Martyn durch die Verleihung 
des Ritterkreuzes ausgczeiclinet und 1812 zum Major beim Chevauxlegers- 
Begimentc GrafKlenau ernannt. Mit diesem Rcgimcnte kämpfte er bei Dresden 
■ihilKDlm, diuin bei Leipzig in der Division des Feldmarschall - Lieutenants 
fmfen Crenneville, nmsstc aber schon im Juni 1822 aus Anlass der durch 
Kmgittrapazcn geschwächten Gesundheit in den Ruhestand treten, und beseliloss 
lia Leben zu Arad am 21. Mai 1827 im 54. Jnhre. 

CSIVICH von Roh r, Ignaz Freiherr, General-Major, Ol'ficierssohn, war zu 
•iotovf-ze 1752 geboren. Mit ndilzehn Jahren trat er als k. k. Cadct in das Broo- 
te Grenr-Regiment und wui'de im TUrkenkriege in das neu cirichtotc slavonisch- 
l*Mi»chc Freicorps als Oberlicutonant cingetheilt. Auf Loudon's Befehl steckte 
*f im November 1788, zu einer Zelt, da die ganze türkische Gai'nison in der 
^'«tinif Gradiska war, die Ober- und Unter- Vdros in Brand. 

Im Jfthre 1793 zum Rittmeister bei den Husaren des Wurmscr'schen Erei- 
Miqis wuaunt, zeichnete 'sich Csivich bei der Vertheidigung des Postens von 
KlllstZdt unter den Augen des Inhabers so vortheilhaft aus, dass ihn dieser in 
■Irr heUtion Qber die Vorfälle des 24. und 25. November ehrenvoll erwähnte; 
""dl grÖMCrp Verdienste erwarb sich Csivich im Jnlir*> 1796. Durch einen 




918 

raschen Angriff warf or Olli 9. August bei Niederstonhigcn eine französische 
Truppenabtheilung zurück, machte 97 Gefangene und erbeutete 31 Pferde und 7 
mit verschiedenen Monturasorten beladeuo Rüstwägen. Am H. September ubertiel 
er in Verbindung mit dem Major Siegmund Baron Wolfskehl (s. d.) von Schar- 
nitz aus die bei Dachau gestandenen Franzosen, erbeutete mehrere Muni tiona- 
karrcn, Kanonen, Pferde und bei 100 mit Lebensmitteln beladene ^Vägen, und 
machte 40 Officiere und bei 1000 Mann zu Kriegsgefangene. Diese Thaf braclite 
ihm die Beförderung zum Major bei den Likkanern. 

Nachdem Csivich den Feldzug 1805 im südlichen Tirol als Ob erst- Lieute- 
nant bei den Ogulincrn mitgekämpft, fiilirte er als Oberst die zwei Feldbatailloiie 
des Regiments im Jahre 1809 ins Feld und war bei dem Armeecorpa des Feldraar- 
achall-Lieutenants Grafen Ignaz Gyulay eingetheilt. In der Schlacht bei Sa eile 
(16. April) liatte sich dieser vortrefflich instruirte Oilicicr an der Spitze seiaes 
braven Regiments mit Ruhm bedeckt; ihm verdankte die Armee grüsstentheils 
die glänzenden Resultate dieses siegreichen Tages. Noch in der Nacht stürmte or 
aus freiem Antriebe das vom Feinde hartnäckig vertheidigte SacJle, den wich- 
tigsten Punct, mit dem S&bel in der Faust, kam dadurch auf des Feindes Riick- 
zugsbrück'e über die Livenza und voliendctc den errungenen Sieg. Drei Kanonen, 
1 Haubitze, 1 Pulverkarren, 1 Adler und mehrere Hundert Gefangene Helen 
in seine Hände. Der Feind, besorgt um den Rückzug, floh in der grösston 
Verwirrung; mcbrerr Tausend Franzosen wurden abgeschnitten und mussten 
eapituliren. 

Mit gleichem Ruhme hatte steh Csivich immer an der Spite seines Regi- 
ments in den Treft'en bei V illanuova und San Daniele durch zweckmässige 
Führung und Gegenwart des Geistes, namentlich bei San Daniele liervorgethan, 
wo er zu dem glücklichen Ausgange des Gefechtes wesentlicJi beitrug und der 
Armee Zeit verschaffte den RUckzug ohne Verlust antreten zu können, bei wel- 
cher Gelegenheit er auch verwundet wurde. Für das enfschlo-ssene Benehmen hä , 
Sacilc ^vurde ihm mit Armeebefehl vom 24. October das Ritterkreuz, und im 
Jahre 1812 der statnicnmässige Freiherrnstand zu Thcil. 

Im April 1813 zum General-Major befördert, erhielt Csivich eine Brigade 
bei der Armee in Inneröaterreich. Er wurde vom Fcldmarsch-tll-Lieutenant Radi- 
vojevich, welcher die feindliche Dirision Palombini in drei Colonneo 
anzugreifen beabsichtigte, mit einem Bataillon Sluiner, drei Compagnicn Ogu- 
liner und einem Zuge Ihisaren aus Karlstadt über Möttling entsendet. In Reisnitz 
angekommen, beschlossen Csivich und Oberst Graf Starhemberg, CommBa- 
dant der ersten Colonne, den Feind vereint bei Oblak anzugreifen, und rückten 
diesem Orte zu. Sobald aber die Franzosen den Anmaisch unserer Truppen wahr- 
nahmen, zogen sie sich in eine vortheilhafte Stellung bei Zirknitz zurück. Am 
27, vereinigten sich die östdiTeichiachen Colonncn bei Radick, griffen den Feind mit 




Enlsriiiossenheit an und z-wonfren ihn zum Rückzüge bis gegen Maunilz, wo er eine 
MBeRevcTTc traf und es üini möglich wurde seine versprengten Abtlieilungen zu 
»unneln und sich erneuert in Schlachtordnung aufzustellen. Die vortheilhafte 
Poiition der feindlichen Ubermncht bewogen Csivicb und OberstGraf Starb om- 
tcrg nach einem vierstündigen mörderischen Kampfe zu dem Entschlüsse, den 
Fond, ohne einen Hauptangriff zu versuchen, durch Flank en man ocuvres zur Ver- 
lauuBg dieser Stellung zu zwingen. Indessen trat er aber um 4 Uhr Nachmittags 
freiwillig »einen Rückzug von Maunitz nach Adelaberg an, wobei ilim die Avant- 
gu^c der Österreicher noch mehrere Gefangene abnahm. Hier, wo alle Truppen 
•icfa durch Beharrlichkeit auf den beschwerlichen Märschen die Anerkennung ihrer 
Cotninnndanten erworben hatten, war es, wo auch das eben erst organisirte Sluiner 
BaUUlon neue Beweise der Treue und Ausdauer gab, und sich sowohl die OfHciero 
all Usnoscluift durch nmsterhaft tapferes Benehmen der Gnade dos Kaisers würdig 
auKhten. In der Folge bei der Cei-nirung von Palmanuova verwendet, schlug 
Csivicb einen am 28. October von 2000 Franzosen mit 4 Geschützen unternoni- 
■icnen Ausfall, der namentlich unserer Stellung bei Pirano galt, nach einem ziem- 
lich Mntigen Gcfeehle, warf die Besatzung bis unter die Kanonen der Festung zurück 
und bcmctstorte sich aller kleinen Forts am Meere von der Mündung des Isonzo 
hbiu jener der Piavo; nur das Fort Grado leistete noch längeren Widerstand. 

SpUer erhielt Ost vi eh eine Brigade im Banal -Grenz bezirke, kam nach dem 
Feldmgc I8I5 in gleicher Eigenschaft nach Siebenbürgen, ward dann theilsim 
Buatc, thcÜa in Galizion verwendet, und nach eitier mehr als zwei und fünfzig- 
)(brigen Dienstzeit im Jahre 1822 pensionirt. In seinem Geburtsorte beschlosa 
iliewr tapfere Soldat am 30. November das Zeitliche. 

Ost, Joseph von. Dieser brave Officier besiegelte seine Treue mit dem Helden- 
tod« iD d«r Schlacht amMincio am 8. Februar 1814, nachdem er 35 Jahre mit 
■\uue)chniing gedient und das 41. Lebensjahr erreicht hatte. 

ZaWieogcborcn, brachlecrdiccrsten Dienstjahre bei dorn Kreuzer 5. Grenz- 
utKimsDtc zu, wurde wegen vorzüglicher Verwendung vor dem Feinde im Decem- 
W 1796 Oberlieutennut und linJd darnach in das 61, Infanterie - Regiment ein- 
mheilt. 

Wührend de» Feldzuges 1809 in Italien commandirtc Ost noch als vierter 
■liBplmajin im Range ein Bataillon mit grosser Auszeichnung, in allen Gcle- 
fiuliuten seinen l'ntergeordnetcn ein nachahmungswürdiges Beispiel der TTner- 
■iJirockenhcit und Tapferkeit. 

In der Schlacht bei Fontana Frodda am 16. .Vpril ruckte er aus eigenem 
Aulriebe mit 3 Com[iagnien vor, brach ilurch unsere bereits geworfenen Vorposten- 
'nippen, stünnto auf den weit überlegenen Feind mit dem Bajonete , zwang 
wn Butu Weichen, machte viele Gefangene und entschied durch diese tapfere 




920 

Untcrnelimung den Sieg auf dem linken Flügel. Eine erlialtene Blcssur im linkea 
Obersclionkel nöthigte ihn den Kampfplatz zu verlassen; er hatte aber kaum des 
Verband angelegt, als er sieh, angespornt von Muth und Vaterlandsliebe, wieder 
zur Truppe begab und das Commando seines Bataillons bis zum Ausgange der 
Sclilaclit mit heldenmüthiger Ausdauer fiihrte. 

Bei Raab (14. Juni) erhielt dieser tapfere Offieier mit seinem Bataillon die 
Aufstellung beim Meierhofe, welchen der Feind mit einer überlegenen Macht 
zu erstürmen suchte. Dies zu bewirken , musste er früher a t's Bataillon werfen, 
und sehritt auch mit 1700 Mann gegen seine sehr gelichtete Abtheilung. Der uner- 
schrockene Hauptmann liess die Franzosen auf 30 Schi'itte anrücken, empfing sie 
dann mit einer Decharge, rettete durch standhafte Ausdauer 2 Kanonen, welche 
ihnen, da sie den Mcicrhof in Rücken genommen hatten, in dJe HUnde gefallen 
wSren, und hemmte nach Thimlichkeit ihr schleuniges Vordringen. Es erforderl 
viel Muth, einem siegenden übermächtigen Feinde die Spitze zu bieten. Ost that 
es und erzielte dos Möglichste, da der Gegner die errungenen Vortheüe nicht allzu- 
rasch verfolgen konnte. Bei dieser Gelegenheit verlor Ost nicht nur sein Pferd 
unter dem Leibe, sondern wurde auch tödlich in der Brust verwundet und gefan- 
gen; aber sein heldenmütliiges Benehmen bei Sacile und Raab ward durch 
Capitelbeschluss vom Jahre 1810 mit dem Ritterkreuze gewürdigt. 

In der Schlacht am Mincio leistete das Regiment St. Julien unter General 
Quosdanovieh Ausserordentliches; es stürmte Massi und liielt sich längere Zeit 
mit so grosser Bravour, bis es in die linke Flanke genommen endlich weichen 
mussto. Der beharrliche Widerstand kostete dem tapferen Regimente 4 Officiere^ 
an Todten, darunter Ost, dann den Major Longueville und 12 Officiere an 
Verwundeten. 

LAKOS, Johann Freiherr von, General-Major, gestorben alsFcstunga-Com- 
mandanl zu Essegg am 28. Juni 1843 im 67. Leben.sjahre, zählte Ungarn zum 
Ileimathlande und kam zuAjka im Veszprimer Comitato zur M'clt. Vom Cadeten, 
in daalnfanterie-Eegiment Jellachicli Nr. 53 imOctober 1793 eingetreten, hatte 
Lakos bis zum General-Major fünfzig Jahre dem Vaterlondc mit Auszeichnung 
gedient und alle Kriege von 1795 an mitgemacht. Tüchtig vorgebildet, war es 
ihm nicht schwer, in jener Zeit eine rasche Carriere durchzumachen, zumal or viele 
Jahre im General-Stabe vorwendet wurde. 

Schon zu Anfang 1796 kam Lakos als Regiments-Adjntant in das 45. Infan- 
terie-Regiment, diente einige Jahre als Oberlieutenant bei dem leichten Batail- 
lone Munkäcsy und trat nach Reducirung desselben im October 1801 wieder in 
das 45. Infiinterie-Regiment zurück. 

Im November 1805 in den General-Stab übersetzt, blieb Lakos diesem 
in der Fried cnsep och e zugetheilt und erhielt 1809 die Beförderung zum Haupt- 



921 

uinn. So wie Italien der Schauplatz seiner Thäligkcit biBhcr wai', so l)Iieb os 

wifh im Jahre 1809. Lak os war beim Ausbruche des Kriegs dem 9. Armeecorps 

unler dem FeldmarschaU-Lieutenant Grafen Gyufay zugetheilt und hatte sich 

puu besonders am 16. April ausgezeichnet, als das 8. und 9. Armeecorpa 

»om Viceköm'ge bei Pordcnonc angegriffen wuido. An diesem Tage ward die 

Bri^de Marziani beordert Sacile zu nehmen. Die Avantgarde bildeten 

i Bataillone des Oguliner Grenz-Regiments, von welchem I Compagnie links 

gtgea die Chaussee, welche von Pordenone nach Sacile führt, in Flankier aufgelöst 

«arde, während sich fünf Compagnien durch die Felder rechts gegen die Livenza 

Mgen und das zweite Bataillon in Colonne auf der Strasse von Vigonuovo nach Sacite 

gtndein die Stadt vordrang. Bei diesem letzteren befand sich Hauptmann Lakos 

all Colonneofuhrcr. An der Spitze desselben rückte er entschlossen gegen die 

Sladtthorc vor, drang trotz des Kartätschenfeuers in die Stadt, warf den Feind, 

welcher tinter dem Schulze der Dunkelheit der Nacht in den Gassen und unter den 

GewQlben einige Male Widerstand zu leisten suchte, und verfolgte ihn bis zur letzten 

Brtcke an der Livenza, wo sich der Weg rechts gegen Conogliano wendet. In 

iiaatx Strasse war jedoch feindliche Cavallerie aufgestellt und die Infanterie hinter 

des Gewölben verborgen. Als die Colonne hier einen Augenbh'ck anhielt, um die 

tactuückcnden Abthcilungcn abzuwarten, sprengte Lakos vor und über die 

BrOeke «of den Feind los. Durch dieses entschlossene Beispiel aufgemuntert, folgte 

im die Colonno sogleich ohne Bedenken nach, vertrieb und verfolgte den auch hier 

vaakend gemachten Feind, setzte sich in Sacile fest und trughiedurch nicht nur zur 

^DcUichen Entscheidung des Tages bei, sondern nahm auch einen General, mehrere 

Ofieierc und Soldaten gefangen und erbeutete 11 Kanonen, 19 Munitionswagen 

nd 6 I.affetten. Lakos hatte das Verdienst, durch seine Bravour und umsichtige 

("Urning den Erfolg des ruhmvollen Tages wesentlich gefördert zu haben, wofür 

UHU im Capitel vom Jaliro 1810 das Ritterkreuz isucrkannt wurde. 

In der Friedensepoche war Lakos bei der Militär- LandesbcscJireibung im 
RuMte, wurde 1813 dem Cavalieriecorps des Erbprinzen Hesscn-IIomburg 
"petheill and erlitt hei Dresden am 26. August einen Schenkelbruch. Im November 
nn Major im Corps befördert, wurde Lakos im Präsidial - Bureau unter dem 
'icneral Langenau und 1814 bei der Recognoscirung der Festungen im Rhein- 
ImIo und der Pässe in den Vogcsen verwendet, im April 1815 aber dem Reserve- 
"ifp» de» Erzherzogs Ferdinand beigegeben; später war er bei der Mappi- 
üi Österreich and Tirol, und 1819 mit der Abfassung der Kriegsgcseliichte 
und 1820 als Oberst- Lieutenant zur Armee nach Italien versetzt, mit 
Or dein Zuge gegen die neapolitanischen Insurgenten beiwohnte und bei 
ipations- Armee verblieb. 

Anerkennung seiner Verdienste bei dieser Oecupation wurde ihm das 
des sicilianischen St. Ferdinand-Verdienst-Ordens zu Thcil. Lakns 



leitete dann bis zum Jnlii-c 1826 die kricgsgescbicbtliclie Äbtheilung, hierauf die 
Laudesbescbreibung in Siebenbürgen und in Slavonicn, kam Im September 1829 
als Oberst und Commandant in das 2. Szekler Grenz-Infanteric-Kegiment und 
1835 als General -Major und Brigadier nach Bölunen. 

Mit seinen vorzüglichen Eigenscbaften als Soldat verband Lakos die cineB 
gebildeten Militärs; er bcreicherlc die Militär-Literatur durch manche wertlivolle 
Beitrüge, die in der bestandenen militärischen Zeitschrift erschienen sind. 

Walter, Matthias Ritter von, Gcncral-Major in der Artillerie, zu Kovitcs in 
Ungarn geboren, stieg vom Gemeinen stufenweise bis zu dieser hohen Charge 
empor, und hatte nicht nur im Türkenkrioge, sondern ?ucb in allen Feldzügen 
gegen Frankreich bis zum Jahre ]8]f> in vielen Vorfall enheiten Kaltblütigkeit, 
Muth und Einsicht bewährt. 

Nachdem er erst im Februar 18U4 zum Lieutenant vorgerückt war und die 
höheren Grade in der nachmaligen Fricdcnsopoche erreicht hatte, gab ihm dei^ 
Feldzug 1809 Gelegenheit, sich als Lieutenant das Ritterkreuz zu vorc1ieneii| 
welches ihm im Capitel des Jahres 1810 zuerkannt wurde. 

Walpcr begleitete am 16. April mit einer Cavallerie- Batterie das Haupt- 
quartier des Erzherzogs Johann von Pordonone bis auf die Anhöhen von Fon- 
tana Fredda. Als unser rechter Flügel gegen Fontana Frodda gedrückt wurd^ 
eilte Walper dem Feinde entgegen und griff ihn in seiner Flanke so vortheilhafit 
an, dass er nicht nur vom weiteren Vordringen abgehalten , sondern auch zum 
Rückzuge genüthigt wurde. Das heftige und gut geleitete Feuci', welches Walper 
au unterhalten wusste, bewirkte eine Unordnmig, welche allgemein wurde 
und den Rückzug der Franzosen zur Folge hatte, — TTnserc Arriöregarde passirte 
am 3. Mai bei Fonteniba die Brenta. Walper erhielt den Befehl, sich dieaaejts 
des Flusses mit seiner Batterie der Art aufzustellen, damit er dem nachrückenden 
Feinde den Übergang, der in dieser Gegend mit Cavallerie ausführbar war, ver- 
wehre. Zu gleichem Zwecke und zur Geschützbedockung wurden Walper eine 
Division Oguliner und eine Schwadron Erzherzog Joseph -Husaren beigegeben. 
Der Tag verstrich indess ruhig und M alpor sollte eine halbe Batterie ins Lager 
zurückführen; die Tour hatte ihn getroffen. Er entsondolo aber den Feuerwerker 
Kralik, um auf dem ihm wichtiger scheinenden gefährlichen Posten ver- 
bleiben zu können, wn er alsbald alle Anstalten zum kräftigen Kmpfangc des 
Feindes traf. Diese Vorsicht war gar nicht überflüssig, denn schon am folgenden 
Tage(4. Mai) erschienen die Franzosen, um den Flussühergang zu forciren. Walper 
wies die erste Ahtheilung um i Uhr Morgens blutig zurück. Gegen !) Uhr führte 
der Feind eine Kanone zur Unterstützung herbei, die aber Lieutenant Walpcr 
durch einen eben so glücklich als geschickt angebrachten Granatenwurf sogleich 
demoQtirte. Einige Standen später wurden dem tapferen Officior 8 Geschütze ent- 



fe^ng«stcllt und so placirt, dass deren 3 rechts, 3 links und S in der Mitte ein 
heftige» Krenzfeuer gegen unsere halbe Batterie eröffneten, wodurch Walper 
lüerdings den grössten Theil seiner Bedienungs- und Bedcclcungs - Mannscliaft, 
dum auch den wichtigen Posten selbst cingebiisst haben würde, wenn er nieht 
säae zwar sehr vortJieilhaft gewühlte, jedoch durch einen gegen dos Geschützfeuer 
nolir schädlichen als nützlichen Steinaufwurf gedeckte Stellung vorsichtshalber 
iciion Tages vorher mit Erde hätte bewerfen lassen, wodurch die Mannschaft gegen 
die Gefahr, durch Steine getödtet zu werden, gesichert war. Durch eigenes muth- 
nOos Benehmen ermunterte er seine Leute zui- Ausdauer und Standboftigkeit und 
dirigirte seine 3 Geschütze gegen das überlegene Feuer mit so grossem Erfolge, 
iioB dem Feinde von den 8 Piöcen 3 deniontirt wurden, er sieh nach einer drei- 
MSiwligeii fruchtlosen Kanonade zum Rückzuge gezwungen sah und für diesen 
Tag alle weiteren Unternehmungen aufgeben rauaate. Es war also lediglich dem 
Uuulhaflen Benehmen dieses tbätigen und tapferen Ofticiers zu danken, dass die 
Arriärcgardc eine zweitägige Ruhe und die Armee Zeit zu einem ungehinderten 
BSckzuge gewinnen konnte. 

Nicht minder zeichnete sieh dieser tapfere OfGcier in der Schlacht an der 
Piave durch Muth und Standhaftigkeit aus, da er mit einer halben Batterie gegen 
Cam|M^e dem vorrückenden Feinde sich entgegenstellte und so lange durch ein 
gvt gdoitetc« Feuer Widerstand leistete, bis mehiere Batterien ins Treffen gebracht 
terden konnten; durch diese unterstützt setzte Lieutenant Walper seine Verthei- 
JigODfi; 80 energisch fort, dass nicht nur eine feindliche Kanone deniontirt, sondern 
uwh sveiMunitionskarrcnin die Luft gesprengt und unserer Cavallerie dieGelegen- 
lat eines vortbeilhaftcn Angriffes zugewendet werden konnte. Selbst als später 
ünaBeiter von der feindiic-ben jlbermacht geworfen wurden, hielt Walper mit 
wltner Beharrlichkeit Stand und beharrte darin so lange, bis er, völlig umringt, 
toubemucbt erlag und gefangen wurde. 

Auch in den Feldzugen 1813 und 1815 liess sich Walper mit Erfolg ver- 
*«dn, xvancirte im Jünner 1837 zum Major, befehligte das 1. Regiment als 
Obent Ton Juli 1837 durch acht Jalirc und trat im Juli 1845 mit Goneral-Majors- 
Chirakler nach einer ftTjiihrigen eifrigen und erspriesslichen Dienstleistung in den 
Kihaetand. 

Kr «Urb zu Wien am -SO, Suptembor 1849 im 8!. Lebensjahre. 

' fiOGATS, .1 « h a n n Freiherr von. Major, zu Wien geboren, diente vorerst als 
(Wet beim Warroser-Frcicorps, dann ftlsOfficierimdeulscbbanaterGrenz-Regimente, 
<nd avaacirle nach dem Frieden von Luneville zum Oherlicuteuaat bei Wukassovich- 
lofinleric. Xacbdcm dieser brave Officier schon in Italien 1799 und 1805 Proben 
^tÜKhlossener Tapferkeit an Tag gelegt hatte, gab ihm der Feldzug in Polen 
WB Vcraoliusung sich das Ritterkreuz durch folgende Thaten zu verdienen: 




Bei dem Vordringen des 7. Ariucecorps gegen Warschau am 19. April 
hatte der Feind bei Rasczyn und Nadarscliin eine sehr vortlieilhafte Stelluag 
genommen. Daa Freiherr von Simbscheo-Infanteriö- Regiment wurde bestimmt, ihn 
zu verdi'ängen, und der Angriff um halb 3 Uhr Naehuiittaga so glücklich auagfl- 
führt, daes in Kurzem die beiden Orte vom Feinde verliisseii werden mussten. Das 
8000 Mann starke Corps, dem an der Behauptung von Rasczyn und Nadarschia 
Alles gelegen sein mussle (da hiedurch seine Offensiv-Oporation begünstigt und 
seine Defensive gedeckt wurde), bot jedoch neue Mittel auf, dem Regiments 
Simbschendie errungenen Vortheile wieder zu entreissen. Der AngrifFdes Feindes 
geschah überaus rasch und entaclilossen und nur durch die grosse Überlegen- 
heit desselben wurde das Regiment ungeachtet des herzhaften Widerstandes endlich 
zumWeichen gebracht. Oberstvon BruschdesGcneral-Quai-tiermeisterstabeshatte 
den das 2. Bataillon befehligenden Hauptmann Rogats noch vor der Attaque ia 
Kenntniaa gesetzt, welchen wesentlichen Nutzen ein hier crkiinipfter günstiger Erfolg; 
dem ganzen 7. Armeecorps bringen müsse; Rogäts cntschloss sich also, freiwillig- 
auf jenen Flügel zu eilen, gegen welchen der Feind den entscheidenden Angriff 
unternommen und die Truppe zuerst zumWeichen gebracht hatte. Kr war so glück- 
lich, die im Rückzuge befindliche Mannschaft durch Zureden und eigenes Beispiel 
zum Halten und zum erneuerten Angriffe zu bewegen, welcher von dera ganzen 
Regimente so lebhaft unterstützt wurde, dass die Polen aus den beiden Ortca 
geworfen, 3 Kanonen und 260 Manu an Todten und Verwundeten einbUssten. 

Am 14. Mai wurde ein Bataillon durch den Chef desGeneral-QuartiermeiBter- 
stabea beordert, die Verschaiizuogen vor der Brücke von T h o r n und den daselbst 
errichteten Brückenkopf zustürmen, flauptmannßogät 3 bot sichzudieserUnterneh- 
raungmit dem (620 Mann starken) 2. Bataillon, das er während der ganzen Campagne 
befehligte, freiwillig an, und brach am 15. Mai um halb 4 TIhr dahin auf; nach 
einer Stunde langte er vor den Verschanzungen an, welche aus fünf Redouten 
bestanden, die mühsam in fusstiefem Sande in der Höhe von vier Klaftern und 
in der Länge von einer Viertelstunde ausgeführt, zum Theile auch mit Pallisaden 
befestigt und mit zwei Achtpfiindern, einer Haubitze und ungefähr 2000 Mann 
Infanterie besetzt waren. Der General - Quarlicrnieister Oberst von Brusch, 
mit Rogjl ts an der Spitze des Bataillons reitend, wurde während des VnrrückenB 
zum Angriffe durch eine feindliche Kugel getödtet; Hauptmann Ru gä ts war zwai' 
der Angriffsplan des auf dem Felde der Ehre Gefallenen unbekannt, er gewiUirto 
überdies den ungünstigenEindruck, den dieser Todesfall auf die Mannschaft gemacht 
hatte, und dass sie bereits zu wanken beginne; aber der wackere Hauptmann erkannte 
auch, dass ein Zaudern oder gar ein Rückzug nur die nachtheiligsten Folgen nach 
sich ziehen müsse, da die Polen bei der Wahrnehmung der Fassungslosigkeit 
das Bataillon nicht nur durch ihre Übermacht ganz aufreiben, sondern auch der 
Nachhut durch ein Manoeuvre sehr leicht in den Riieken fallen würden, er 



beschloas daher ohne Zeitveifiist einen iieueu Äugriff zu vorsuchen, ermunterte 
f«ne Krieger und bemetsterlG sich auch in einer Viertelstunde der durch Natur und 
Kanst ganz ausserordentlich festen Verschanzungen, so wie der an der Weichsel 
birt anter dein feindlichen Kanonenfeuer liegenden Flesche. Die beiden Kanonen 
und die Haubitze wurden erobert und gegen liöU Polen gefangen. Ohne sich aufzu- 
biJten, drang Bogiits mit dem Bataillon weiter über die WcichscI-BruckG gegen 
i« stark verschanzte Insel, gelangte bis unter die Kanonen derselben und würde 
«ine errungenen Vortheilc selbst noch weifer verfolgt Laben, wenn or sich nicht 
ptwiiagen gesehen hätte, sowohl aus Mangel einer Unterstützung, welche erst nach 
Verlauf Ton einer Stunde nachrücken konnte, «la auch um sein Bataillon dem feind- 
lichen mörderischen Kanonenfeuer zu entziehen, mit der Behauptung des erstüim- 
ICD Brückenkopfes sich zu begnUgcn. Da die Brücke mit Pechkränzen und Stroh 
gwia amgeben war, ao war Hauptmann Rog At b bei einem weiteren Vordringen auch 
loci) der Gefahr ausgesetzt, dass durch einen glücklichen Sclmss des Feindes die 
Brücke iii seinem Hucken in Brand gesteckt und üini der KUckzug abgeschnitten 
vorden wäre. Die Erstürmung und Behauptung des Brückenkopfes hatte für uns 
Jeu Vortfaeil, dass das linke Weichsel-Ufer vom Feinde gereinigt, die Strasse nach 
Pdmo gesichert und eine namhafte Truppenzahi vor dem unzweifeUiaften Verder- 
ben gerettet wurde. 

Dem tapferen Uogats wurde im Nachtrags-Capitel vom Jahre 1811 das 
wUTcrdiente Uittcrkreuz zuerkannt, und Ihm am Schlüsse dieses Jahres die 
ugoanchlc Pcnsionirung nach lä Dienstjahren bewilligt. 

Indessen licss er sich beim Ausbruche der Befreiungskriege wieder einiheilen, 
woIuUg dienen als Rittmeister bei und trat im Dcccmber 1817 als Titular-Mojor 
•■ranien in den liuhestaud. f 

Rogiia starb zu Mosciska in UalizJen am 22. November 1831. ^ 

BEBSDiA von Siegenthal, ITeinrich Freiherr, General der Cavallerie, 
gebamer Hatli , Inhaber des 1. Kürassier- Regimen (s. Bersina's Vater Franz 
nr Rjtflnetstcr itn Kürassier-Regtmenle Trautmannsdorf und erlangte 1758 
nach 30 Dienstjahren den Adelstand. Der Sohn, am 18. Febmar 1762 geboren, 
liilgte dem Beispiele desselben, erhielt die Ausbildung in der Neuslädter Aka- 
ihnue gnd trat im 21. Lebensjahre als Lieutenant in das Chevauxlegers- Regiment 
Kiasky. 

8c)ioa im TUrkenkriege bewies Bersina als Oberlieutenant und Adjutant des 
Fddoiarsclittll -Lieutenants Grafen Kavanagb auf dem Rückzuge von Illowa 
u^ Kxrauitebea seine Entschlossenheit, da er von vier zur Arrieregarde bestimmten 
■od ber«iia in, Unordnung geratbenen Cavallerie-Regim entern mit einer gesamniel- 
fen Diiiaion Kavanagb -Kürassieren dem verfolgenden Feinde aus eigenem Antriebe 
hieb entgegenwart^ dessen Vordringen und Übergang über den Fluss in Gegenwart 



926 

weilaiid Ör. Majestät Kmuetä JuaepL und des daiuuligeii Kronprinzen Erzherzogs 
Franz verliinderte und sich die Allorhöchate ZufriedcoLeit erwarb. 

In allen seit diesem Kriege bia zum Jiilire 1813 eingetretenen Feldzügen hatte 
aich Bei'sioa tapfer benommen, di-ei Wunden davongetragen und namentlich als 
Vorposten-Commandant dea liöehsten Vertrauens und der vollkommensten Zufrie- 
denheit dea Generalissimus Erzherzogs Karl würdig genia,oLt, so im Jiihre 1796, 
wo ihm der Prinz wiederholte schwierige Aufträge ertheüte und zur Belohnung als 
Major in den General-Stab aufnahm. 

Bald darnach zum 4. Klirassier-liegiineute Übersetal, n«hiu er an dem Kriege 
in Italien 1799 mit Auszeichnung Theil, avancirto im November zum Obersten 
und -wurde im Jänuer 1801 mit dem besonderen Vertrauen beehrt, das neu aufgc- 
Btellfe 3. Uhlanen-Regiment in Krakau zu organisiren und das Commando dessel- 
ben zu rubren. Seinen rastlosen Eifer zur schnellen Ausbildung dieses Regimento 
safi er bei niehrföltigen Gelegenheiten auf daü Schmeichelhafteste gewürdigt. 

Inj JaJirt^ 1805 hatte Bersina, seit August zum Geueral-Jilajor vorgerückt, 
bei dem Rückzuge der Armee aus Italien durch die tapfere Veitheidigung voa 
Ponte ba und der Flitseher Klause die Vereinigung der Erzherzoge Johann 
und Karl wosentlich gefördert; im Jahre 1809 aber im Treffen bei Eckmühl 
am 22. April durch eine glänzende Attaijuo sich das Ritterkreuz erkämpft. 

Ea war schon gegen Abend, als die ganze französische Reiterei zur Verfol- 
gung unserer, der Unterstützung der Artillerie bereits verlustig gewordenen Regi- 
menter sich vorbewegte und zur eiligen Fortsetzung des Rückzuges zwang. Die 
Fläche war von morastigen Strecken durchschnitten, und Freund und Feind, von 
dem Schwalle fortgerissen, suchte die Strasse zu gewinnen. Die theils zurückeilende, 
theils verfolgende Colonnc war über Köffering hinausgeiangt, als die Dunkelheit 
einbrach. Da traf eben der General der Cavallcne Fürst Lieeh tenatein mit 
seinen Rciforschaaren in der Gegend ein. Er liatte auf die erste Nachricht von den 
Unfällen des 4. Armeecorps bei Kckmühl sich in Marsch gesetzt, und kam den 
zwischen KöfForing und Oher-Trauhling verfolgenden feindlichen Reitern in die 
linke Flanke. General-Major Siegenthal befand sich mit dem Rogimente Albert- 
Kürassieren an der Spitze, und ihm befahl der Fürst eilends aufzumarschlren und 
zu attaquiren. Die Franzosen wollten sich zwar ebenfalls formii-en, fanden aber 
hierzu nicht mehr die Zeit, denn Siegenthal brach schnell wie der Blitz mit 
einer Schwadron dieses Regiments unter sie ein, warf sie über den Haufen, jag^ 
sie in die Flucht und setzte mit dieser glänzenden Attaque dem hartnäckigen Drän- 
gen der feindlichen Reiter ein Ziel. 

Der Armeebefehl dea Generalissimus aus Katzenherg vom 26, April sagte 
hierüber: „Die Armee ist vereinigt; der Anblick ihrer Stärke, das .innere Gefühl 
ihres Werthea verbürgen die Hofthung, den Feind jene Vortheile wieder zu ent- 
reisaen, die die Folge eines am 22. Nachmittags gelungenen iVnfallß nur mit über- 





It^ner Cavallerie gegen einzeliio Regimenter waren. Aber am 2'd. Vormittags 
ai%te unsere vereinte brave Reiterei, ilass sie ihren alten Rulim zu beliaiipten 
%issc. General-Major Siegenthal hat schon am Vorabend durch einen cnt- 
•^osscnen Angriff mit einer Sehwadron Albert- Kürassieren das Vordringen dos 
Feindes aufgehalten." Und im Armcciiefelil den Erzherzogs aus Neumark vom 
2S. April Iieisst es: „Ich verleihe dem General -Feld Wachtmeister Siegenthal für 
»ein aosgezcichneles, dcrAnnee bereits bekannt gegebenes Botragen am 22. Abends 
im Namen Sr. Majestät des Kaisers das kleine Kreuz des Theresien- Ordens," 
Noch im Laufe dieses Krieges ruckte Siegenthal zum Feldmai-schnll-Lieutenant 
Tor und wurde im August 18IU in den Preiherriistand erhoben. 

Siegenthal comniandirte im Jahre 1812 beim Auxiliar-Corps unter FUrst 
Scfawarzenberg eine Division. Als die Reste der französischen Armee im Deeem- 
Wntch der Weichsel flohen, eilte Fürst Schwarzonberg nach Pnltusk, wo er 
adi bii zum Anfange Februars J8I3 hielt, Wai-sclinu deckte und die Organisirung 
ia polniscbeD Truppen möglich maclitc. Der weitere Rückzug der Franzosen an die 
Oller bedingte auch jenen unseres Corps. Siege nthal, der Warschau besetzt hatte, 
übci^b diese Stadt erat am 7. Februar an den russischen General -Lieutenant Baron 
Korff, nachdem die Franzosen und Sachsen ihren Rückzug bewerkstelliget hatten, 
ind BQß sich auf Krakau. Mit ilim verschwand das Hülfaeorps vom Kriegsschau- 
(litu, ond der tapfere General achloss seine ThUtlgkeit vor dem Feinde, um nun 
ieäo FMÜoaer in hohen Anstellungen des Friedens, wozu ihn das Vertrauen seines 
CiiMn berief, sich verwenden zu lassen. Schon im Jahre 1813 ward er Comman- 
dinndtr in Slavonien und Sirmien, und im November 1827 zum General der 
Cmllerie befördert. Viele Jahre stand Siogenthal diesem Generalate mitsorgen- 
4m Eifer vor und fand seine Bemühungen in der Erhebung zum Vice-Prösidenfen 
4« Itoflcriegarathes gewiirdiget. Er hatte indessen diesen neuen Posten kaum ango- 
twWM, als ihn der Tod am 31. Deceinher 1831 zu Wien überraschte. 

LBIRUiGKN-WESrrEKBUHG, Christian Graf, Uberat und Künmierer, seinem 
Bndw Aogast (s. d.) an Tapferkeit und Muth ebenbürtig. Zu GrUnstadt auf der 
vStMÜeben Besitzung gaboren, wurdu ihm schon im Jitnuer 1790 eine Lieutenanta- 
•laBebci Bender -Infanterie Nr. 41 zu Theil. 

Leiningen'a tbat«nreicLstc Epoche war der Feldzug 18Ü9 in Tirol; er hatte 
■l^rMboD in den ersten Kriogon gegen Frankreich mehrOiltige Beweise rühmlicher 
Ttfiferkwt Bti Tag gelegt. Bei der Belagerung vor Mainz rettete er am 18. Juli 
1793 al* Oberlteutonnnt ein Pnlvermagazin vor unvermeidlicher Explosion; bei 
der Unternehmung auf Lauterach im Jahre 179d, bereits Hauptmann, war er 
Mit den Freiwilligen 'Über das Gebirge den Franzosen in Rücken gefallen, hielt 
aicti mit )^ro6s«r Cntschlossenheit, wurde aber schwer verwundet; als im Jahre 1799 
«riff auf Graubündten erfolgte, bemeisterte sich Leiningen mit Hülfe 




einiger Laudesschützen Tirols zu Altstädten 2 Kanonen, 5 Munitionskarren, vieler 
Gewehre und Munition. 

Diese und andere Beweise unferne!) mender Entschlossenheit waren Veran- 
lassung, dass Leiningen schon im Mai 1S05 zum Major und im Februiu' 1809 
zum Oberst-Lieutenant bei dem 26. Infanterie-Regimentc die Beförderung erhielt 

Im letzteren Jabre hatte Feldmarscbail-Lieutenant C h a s t e 1 e r die begonnenen' 
Angriffsoperationen gegen Trient bekanntlicb mit Nachdruck fortgesetzt, um die 
Franzosen zur Räumung von Süd-Tirol zu zwingen. Trient sollte am 24,April 
angegriffen werden. Da man jedoch von der feindlichen Aufstellung nicbt hinläng- 
lich unterrichtet war, so unternahm Oberst -Lieutenant Gi'af L e i n i n g o n, der die 
Vorhut dos Corps conimandirtc, am 21, eine Rccognoscirung auf dem linken Etach- 
Ufer und bemächtigte sich La vis. Der feindliche Vortrab verbrannte auf seinem 
Rückzuge die daselbst befindliche Brücke, welche aber Leiniugen eiligst wieder 
herstellen Hess und bis Gai-dola auf der Trienter Heerstrasse vorrückte. Hier 
hatten sich die Franzosen aufgestellt ; Mcano, Gardola di tiopra und Monte di Soprn 
auf der rechten Flanke ihrer Stellung, mit dem linken Flügel an die Etseh gelehnt^ 
und Bocca di Vela auf dem rechten Etsch-Ufer besetzt haltend. Nachdem sich Lei* 
ningen von dieser Aufstellung überzeugt hatte, uahm er den Rückzug nach 
Lavis. Gegen Abend drückte der Feind seine Vorposten aus der Stellung; da 
aber Lavis fUr die Operationen des Feldmarscball-Lieutenants Chastel er von 
Bedeutung war, liess Lei ningen dieselhensoglcichunterstUtzenund traf so zweck- 
mässige Gegenanstatten , dass die Franzosen durch seine Tapferkeit zum eiligen 
Rückzuge nach Gardola gezwungen, am 22. Früh Trient räumten, wo er uiu 
lü Uhr Vormittags ohne Widerstand einrückte, und diese Stadt und Süd- Tirol bis 
zum Abzüge unserer Truppen gegen alle feindlichen Unternehmungen standhaft 
behauptete. Loiningen führte das Spiel eines glücklichen Parteigängers, da er 
in den Thälern gegen Italien Streifpnrteien vorschob und den Feind stets in Athem 
erhielt, ohne sich selbst zu sehr zu ermüden noch zu viel zu wagen. Am 3. Juni 
überfiel er Bassano, doch hinderte ihn die geringe Stärke seiner Truppen, die 
errungenen Vortheile in den venetiamscheu Ebenen zu verfolgen, obschon diese 
Unternehmung mit jenen im Etschthale bis über Ala den Feind für seine Sicherheit 
in Verona besorgt machte. Der französische General Levin drang auch mit 1400 
Mann Infanterie und 170 Reiter gegen Trient vor, worauf Leiningen seine aus- 
gesendeten Streifcorps an sich zog und in der Absicht nach Trient zurück- 
ging, um sich in das dortige Schloss zu werfen und Verstärkungen abzuwarten, 
wenn cs ihm nicht gelingen sollte sich ausserhalb des Schlosses zu behaupten. 
Levin griff am 6. Juni Trient an, vorstärkt auf seinem Zuge dahin bis zu 2000- 
Mann mit 6 Kanonen. In der Fersina-Vor Stadt entspann sich ein lebhaftes und 
blutiges Gefecht, welches Leiniugen bewog sich in das Castcll zu werfen und 
dieses bis zum anhoffenden Entsätze zu behaupten. 13 Compagnien Landesver- 




929 

t!iei(]ig«r hatten sieh bei der Nachricht von dem Vorrücken des Fcindea gegen 
Trient «tif Hofe r's Ruf, veretürkt durch cino beträchtliche Masse Tiroler, am 8. in 
Litis Tcrsammelt und rückten am folgenden Tage in 3 Colonnen zum Eritsatzo 
Trienta vor. Der Angriff dieser Colonnen und ein glücklicher Ausfall aus dem 
ScMoäse zwangen die Franzosen zum Rückzüge überRoveredo nach Ala, nachdem 
äc seit dem Üherfalle auf Bassano beinahe die Hälfte ihrer Truppen an Todten, 
Verwundeten und Verniisslen verloren hatfon. Da Leiiiingen durch 4 Monate 
in «üdlichen Tirol pcrsÖnUeh wichtige Dienste zur Erhaltung des Landes geleistet 
hiltc, 90 verlieh ihm Se. Majestät der Kaiser mit Armeebefehl vom 25. August 
1309 dju Kitt er kreuz und ernarmte ihn im October d. J. zum Obersten. 

Indessen hatte dieser verdienstvolle Soldat schon im August 1811 die activen 
Dienste verlassen und sich nach Arad gezogen, wo er am 20. Februar 1819 im 
57. Lebensjahre verstarb. 

SÄCHSE.\-COBUßO-<iOTUA,FL-idinandl'ni]z,übcrstvonErzherzogFerdinand- 
Iloatna, fUr die ausgezeichnete ßravour bei E c k m U h I am 22. April 1809 ; erhielt 
iuCommaDdcurkreuz im Jahre 1815 (n. d.). 

(MiLDLIM von Tieffenau, Karl Freiherr, Oberst, Oflicierssohn , war zu 
Utem geboren und im Knabonstifte zu Tymau erzogen. Im 19. Lebensjahre 
mt er bei Beginn des bayerischen Erbfolgekrieges als Fahnen - Cadet in dos 
H. Infanterie -Regiment Terzi und avaocirte im Laufe dieses Krieges zum Fähn- 
rich. Vor Ausbruch der Feindseligkeiten gegen die Pforte wurde er Lieutenant 
ud BD Verlaufe derselben Oberlioutenant bei Latterniann-Infanlerie. 

Nftdidetn Gö I dl i n in den ersten Kriegen gegen Frankreich mehrfaltige Pro- 
ben ton Besonnenheit und Tapferkeit gegeben hatte und im Feldzuge 1805 als 
AnerkennnngiinemiüdeterundeifrigerDienstc zum Major befördert worden, erhielt 
er im Jahre 1808 als Oberet-Lieutenant das Commando der neu errichteten 
9- Feldjäger -Division. 

Im Jahre 1 809 bei dem 8. Armeecorps unter Feldmarschall-Lieutenant C h a- 
■lelor eingctbeilt, gab Göldlin noch schönere Proben von Geistosgegenwart und 
Ttpf«rfceit. SeboD am 23. April hatte er mit seinem Bataillon und dem Tiroler 
LuutrtanDe den Weg aus Zamiiano über das Gebirge nach Tirol genommen, den 
'AauSaisebeD General Fontaneila bei Bocca di Vela mit 1300 Mann in drei 
ColoQDOn uigegrilfen, geschlagen und ihm einen Verlust von 600 Mann beige- 
Incbi. Am folgenden Tage griff Göldlin den mit 3000 Mann bei Ravazzona 
tad Mori postirten Feind im Rücken mit gleichem Erfolge an. Am 5. Mai 
er mit 2 Jäger-Corapagnien und einer halben Schwadron von Hohenzollem- 
ESwvanxIegers nacbWorgl, dem Vcrcimgungspuncte der Strassen von Strub und 
nach Innsbruck, um den in Strub und Kufstein aufgestellten Truppen 



930 

als Unterstützung zu dienen. Am 11. gritfen 3000 Manu von der bayerischen 
Division Wrede mit 4 Zwölfpfiindern und mehreren Haubitzen den Pass Strub 
an, der von 1 Compagnie De Vau x mit 2 Kanonen, 4 Compagnicn Tiroler Landes- 
verth eidiger und einer halhen Compagnie Jäger vertheidigt wurde. Mehrere Ver- 
suche der Bayern, sich des Passes zu bemeistern, scheiterten an dem Muthe und 
der Tapferkeit der Besatzung, welche Göldlin durch sein Beispiel zu enthusias- 
miren wusstc. Die Tiroler vertheidigten die verhauenen Gebirgslehnen und deckten 
die Flanken der im Passe angelegten Verschanzungen. Erst nach einem blutigen 
Kampfe von mehreren Stunden, nachdem alle Artilleristen getödtet und in der 
Verschanzung selbst nur 17 Mann übrig geblieben waren, drang der bayerische 
Oberst Berchem um 3 Uhr Nachmittags an der Spitze dreier Bataillone in die 
Werke ein und bemächtigte sich des Passes, dessen rühmliche Vertheidigung dem 
Feinde mehrere hundert Todte und Verwundete gekostet hatte. Göldlin wurde 
für dieses entschlossene Benehmen im Capitel vom Jahre 1810 mit dem Ritter- 
kreuze belohnt. 

Im Jahre 1813 und 1814 folgte er mit seinem Bataillon der Armee nach 
Innerösterreich, und schlug am 29. August den feindlichen General Bellotti, 
welcher mit seiner Brigade aus Laibach aufgebrochen war und die von Göldlin 
mit dem 9. Jäger- und einem Landwehr -Bataillon vertheidigten Verschanzungen 
von St. Leonhard angegrüfen hatte, so entscheidend, dass sich dieser* General, von 
Göldlin verfolgt, bis Krainburg zurückziehen musste. Auch das Jahr 1814 hatte 
der Beweise seiner Tapferkeit genug gegeben, die aber mit mancher Wunde erkauft 
wurden, so dass er sich gezwungen sah am 1. November 1815 mit Obersten- 
Charakter in den Ruhestand zu treten. 

Göldlin beschloss sein Leben am 1 1 . Februar 1826 zu Gratz im 67. Lebens- 
jahre. 

ERDMANN von Kapp 1er. Karl, als Oberst-Lieutenant des Infanterie-Regi- 
ments Ko low rat Nr. 36 zu Prag am 16. Dccember 1811 im 43. Lebensjahre 
gestorben, war der Sohn eines Artillerie-Officiers und begann seine Laufbahn nach 
vorzüglich abgelegten Studien bei Ausbruch des Türkenkrieges als k. k. Cadet im 
Bombardier-Corps. Hasch stieg er zum Lieutenant und Oberlieutenant empor, und 
gab bei der Einnahme von le Quesnoy im Jahre 1793 als Batterie - Commandant 
so grosse Beweise von zweckmässiger und nachdrücklicher Leitung seiner Batterie, 
dass ihn der Chef der Feldartillerie, Feldmarschall-Licutenant von Penzenstein, 
öffentlich belobte. Bei der Wiedereinnahme dieses Platzes durch die Franzosen 
(15. August 1794) kam Erdmann in Folge der Capitulation als Kriegsgefangener 
nach Frankreich, ward erst km 16. August 1795 auf Ehrenwort entlassen, und 
fand bis zum Luneviller Frieden keine weitere Gelegenheit, sich bemerkbar zu 
machen. Am 6. Mai 1800 zum Capitän - Lieutenant befördert, erhielt Erdmann 



931 

im September 1805 die Erucnuung zum Major beim Geueral-Quartiermeisterstabe 
und wurde im Jahre 1809 dem Feldzeugmeister Grafen Eolowrat zugewiesen. 
In allen Gelegenheiten bewies er grosse Bravour und Einsicht, und erwarb 
sich am 23. April bei dem Rückzuge der ArmccPdurch Kegensburg so namhafte 
Verdienste, dass er mit Armeebefehl vom 24. October mit dem Ritterkreuze 
belohnt wurde. Das 2. Armeecorps schloss die Rückzugs -Colonne durch da^ 
Jakobiner-Thor y als der Feind bereits mit Cavallerie-Abtheilungen vorgedrungen 
\7ar und das Thor aus einigen Geschützen zu beschiessen begann. £s war von 
grosser Wichtigkeit, den Rückzug durch dasselbe zu vollenden, ehe die feindliche 
Infanterie-Colonne heranrücken und zum Angriffe schreiten konnte. Frdmann 
bemühte sich nun mit der grössten Thätigkeit, das unaufhaltsame Fortrücken der 
Truppen in diesem sehr beengten Defilö zu betreiben, nach verschiedenen Rich- 
tungen zu instradiren, um Raum für die nachrückenden zu gewinnen, und die 
durch das feindliche Feuer entstandenen Stockungen durch seine Aneiferung und 
sein Beispiel zu heben, wodurch er wesentlich beitrug, dass der Rückzug der zur 
Abhaltung des Feindes vom Thore in den vorliegenden Gärten aufgestellten 
Truppen ohne beträchtliche Verluste bewerkstelligt und das Thor verrammelt 
werden konnte. Hiedurch war es möglich, dass Regensburg, ungeachtet des mehr- 
maligen heftigen Andringens des Feindes, bis gegen Abend behauptet werden und 
die Armee Zeit gewinnen konnte die Donaubrücke zu passiren , sich auf den jen- 
seitigen Höhen zu formiren und den Feind, welcher ihr mit seiner ganzen Macht 
folgte, abzuhalten, derselben noch an diesem Tage zu folgen. Erdmann kam 
später als Oberst-Lieutenant und Adjutant zum 3. Armeecorps, welches bestinrnoit 
war, den Unternehmungen des Feindes aus der Gegend von Linz Schranken zu 
setzen, und erprobte auch hier seine Talente, wie er denn im Verlaufe dieses Feld- 
zuges dem Vertrauen seines conmiandirenden Generals so allseitig zu entsprechen 
wusste, dass dieser ihn mehrmals der höchsten und Allerhöchsten Gnade anempfahl. 

BAKONYI, Emmerich Freiherr von, Feldmarschall- Lieutenant, geheimer 
Rath, Lihaber des 33. Infanterie -Regiments, hatte das seltene Glück dem Staate 
durch sechzig Jahre unermüdet, tapfer und uneigennützig gedient zu haben. Zu 
Levenz in Ungarn aus altadeligem Geschlechte den 17. Juli 1768 geboren, wurde 
Bakonyi im 17. Lebensjahre Cadet bei Eszterhäzy- Infanterie und 1787 zum 
Fähnrich befordert. 

Bei dem Sturme auf Schab acz war er in der Colonne, welche, dem erhal- 
tenen Befehl gemäss, durch die brennende Stadt mutliig bis zur Festung vordrang, 
leistete bei dem ungeordneten Rückzüge von Karansebes nach Lugos durch seine 
Besonnenheit gute Dienste, und wurde ausser seinem\Range zum Lieutenant ernannt. 
Während des Feldzuges 1788 war er auch bei dem Gefechte von Uj-Palanka im 
heftigsten Feuer; 1789 bei dem Sturme von Belgrad aber der Erste an den 

59* 



032 

Pallisadcn, drnng; durch eine Lücke ein, erstieg mit den wenigen Leuten, die ihm 
folgten, den Wall, und eilte der Sturnicolonne das Widdiner Thor zu öffnen. Er 
wurde für diese Waffentlmt im Arnieebefehl benannt und von London besonders 
belobt. * 

Als im Augiiat 179U sein Iteginicnt Marschbefcbl nach den Niederlanden 
erhielt, wurde ßakonyi zum Oberiieutenant befördert, und stellte mit Umsicht 
und Kraft die Ordnung iu den Stiidten Tongern und Hasselt her. Im Jahre 1792 
wohnte er den Gefechten in der Gegend von Vnleneiennes bei, wurde am 
29. April bciTournay verwundet, war aber schon am 25. September wieder bei 
dem Bombardement von Lille und der Erstürmung der Vorstadt Five, so wie am 
18. MBrz 1793 als Commandant der 12. Compagnie bei der Schlacht von Ncer- 
windcn, wurde an demselben Tage zu dem Erzherzoge Karl, damaligen 
Brigadier des Hegimenis SztAray Nr. 33, commandirt, und an dessen Seite 
durch eine Kanonenkugel gestreift und betäubt. Im Laufe dieses Feldzuges wohnto 
er noch der Schlacht bei Aldenhoven, dem blutigen Gefechte bei Louvain, der 
Eroberung des Lagers von Fanjurs, der Belagerung und Einnahme der Fcslungea 
Valeneiennea, le Queaiioy, dann der Belagerung Dünkirchena bei, und wurde 
ehrenvoll in vielen Relationen genannt. In dem Gefechte bei Mucron 1794 wurde 
er schwer am Arme verwundet, und entging nur durch seine Behendigkeit der 
Gefangenschaft. Im Jahre 1795 befand sich Ba konyi bei der Belagerung und Ein- 
nahme von Mannheim, und wohnte allen Stürmen und Gefechten bei, die daa 
Regiment während dieses Feldzuges zu bestehen hatte. Im Jahre 1796 war er im 
Corps des Feldmarschall-Lieuienants Grafen Wartenslcben, und führte die Frei- 
willigen an, welche die hochtreibende Naab durchwateten und die französischen 
Vorposten vom jenseitigen Ufervertrieben. SeinRcgiraentfochtdaun in den Schlach- 
ten von Amberg und Wlirzburg , in den Gefechten bei Limburg und Altenkirchea. 
Während der Belagerung von Kehl kam er als Pitjuet- Commandant in eincy 
Redoute durch seine Wachsamkeit einem nächtlichen Überfalle des Feindes auf die 
Spur, und bahnte eich, von den Gegnern umrungen, mit Säbelhiebon einen Ausweg, 
behauptete die Redoute Nr. 1 bis zum Anbruche des Tages gegen alle Angriffe, 
verfojgto dann lebhaft den sich zurückziehenden Feind, und wurde iiierbei am 
Fusse verwundet, wirkte aber schon nach wenigen Tagen bei der Erstürmung des 
kleinen Kehlkopfes rühmlich mit. 

Am 1. Februar 1799 zum Capi tun -Lieutenant ernannt, war Bakonyi am 
3U. April bei der Erstürmung einer der feindlichen Rcdouten bei Martinsbmck. 
Er focht mit Auszeichnung in der Schlacht bei Novi an der Spitze des 3. Bataillons 
vonSztäray, welches er als Bataillons-Coramandant befehligte, erstürmte und 
behauptete die vor dem Dorfe Pasturana Hegenden Anhöhen, schlug sich später, 
abgeschnitten, muthig durch, ging dann in seiner neuerdings gewählten Stellung 
bei Pasturana kühn zum Angriffe über, warf den Feind zu wiederholten Malen, 



«robcrto 24 Kanoneu und machte viele Gefangene. In diesem Foldzugc fotht 
Bakoayi aucli noch in der siegreichen Schlacht bei Savigliano. lui Jahre läUÜ 
in der ICiviera von Genua, in der Division Bellogarde sich befindend, wurde er 
un 20. April pefähriich veovundct, und im Spätjahre von der itnlicnischeu Armee 
IJOK-Charaklei- zur ungarischen Insurreitron bestimmt. Er erhielt die Infan- 
es Baraer und Trencsiner Comitates zur Formirung eines Bataillons, gab 
Truppe bald einen hohen Grad von Ausbildung, und wurde wegen der 
Energie und Geistesgegenwart, womit er dem Versuche zur Meuterei bei eJncni 
•nderen ÜatatUoDO zuvorkam, zum wirklichen Major in der Armee ernannt und 
bei dem Inlnnterie-Regimente De Vins Kr. 37 eingetheilt. 

lu» J.ihre 1805 war Bakonyi Major und Grenadier-Bataillons-Comniandant 
du ItegimenlA Auffcnberg in der Bri^^ade IIohenlohe-Bartcnstcin bei der 
itAlicnischen Armee, erwarb sich in der Schlacht von Caldiero ein neues Ver- 
dienst durch Vorrücken im rechten Momente, und orfüUte spüter nach ein getretenem 
tliickzoge mit gleicher Geschicklichkeit den Auftrag, die Arricregarde zu bilden, 
Viccoxa m vertheidigcn und den nachrückenden Feind so lange als möglich auf- 
«dulteii. Im November wurde er, auf Verlangen der Stände Ungarns, als Oberst- 
Ltcatenant der ungarischen Insurrectlou beigegeben, 1806 als solcher bei dem 
lafAQterie-Regimenle üyulay eingotheill, war mit diesem bei dem BaucKomorns, 
xog nach Polen und dann nach Böhmen. 

Hei dem Ausbruche des Kampfes 1809 wurde er zum Oberst und Begimonts- 
Cammandasten des 39. Infanterie-Regiments befordert, Im 5. Ai'meecorps unter den 
Befehlen des Erzherzogs Ludwig in die Brigade Bianchi eingetheilt, und deckte 
in der Sclilacht bei Abensberg mit seinem Rcgimenle den Rückzug. Bei der 
ijAtcrcn offensiven Bewegung des Feldmarsehall-Lieutenants Hiller gegenNeu- 
tnirkt am 24. April stand Bakonyi mit dem Regimeute m der Colonne 
ia reehtcn Hügels. Ein vor dem Orte befindlicher, vom Feinde besetzter Wald 
mirdc durch Baknnyi'a bewährte Tapferkeit schnell gcnonmien, wobei er sein 
Pl«rd aotcr dorn Leibe verlor. Bakonyi focht nun zu Fuss, und die fliehenden 
Fcinile nngcstüni vor eich horjagend, näherte er sich der Vorstadt Neumarkts, 
Uier gewahrte er in der langen, tiefen, von Hecken und zerstreuten Häusern eln- 
pcnglea Gasse eine dichte Ueitcrcolonne, welche Miene machte zu dobouehiren. 
BikoDvi's schon oft erprobter miHtUrischer Scharfblick erkannte augenblicklich 
^Biiwliciie Lage, in welche er gcrathen könnte, wenn die feindliche Reitercolonnc 
MDe aus dem Walde dabereilondon Abtheilungen noch in der freien Ebene träfe. 
Er enbcklou sich daher schnell. Mit einigen Worten rief er seinen Leuten zu, ihm 
nfo^en; an der Spitze von 30U bis 40O Mann erreichte er glücklich im vollen 
Ltab den vVnfang der tiefen Gasse, bevor sich das Reiter-Regiment in Bewegung 
Mtite. Auf 50 bis 60 Schritte gaben die Vordersten eine Decharge auf die Tetr 
4or Colonne. I>!<> crKtc Ahthcilung mit dem Commnndanten stürzte. DieGefnllcnen, 



934 



ao ■wie die scheu gewordenen Iferde hinderten die njidercn Abtheilungcii au d( 
Vorrüekung. Nun begann das mörderischa Feuer der herbeieilenden Soldaten 
Duka- und Kle beck-In fanter le, welches letztere Regimentsich in derselben Colonn»] 
befand, auf 20 bis 30 Schritte Entfernung. Es entspann sieh ein furchtbarer Kampf. 
Die Hecken, die Hüuser zu beiden Seiten wurden besetzt, und in dem Zeiträume 
einer kleinen halben Stunde war das feindliche Regiment beinahe ganz vernichtet. 
Dos Regiment Duka erheuteto bei fiOO meist verwundete Pferde. Bakonyj eilte 
nun dui'ch das ort'ene Thor auf den Marktplatz , wo auch die anderen Colonnen 
anlangton. Für diese mit glänzendem Erfolge gekrönte Watfenthat — welche der 
Generalissimus als liewcis anführte, dass eine brave entschlossene Infanterie jede 
Carallerie werfen und besiegen könne ^ erhielt Baknnyi im Capitel vnm Jahre 
1810 das Rittorkreuz. 

Im Treffen hei Ebelsherg (3. Mai) bildete Bakonyi mit dem Regimente 
die Amtrcgarde und gelangte ohne Verlust in die Aufstellung hinter die Enns; 
den Tag vor der Schlacht bei Aspcrn (20. Mai) war sein Regiment hei Enzersdorf 
und längs dem Ufer der Donau gegen die Lobau als Vorposten aufgestellt; ein Ba- 
twllon besetzte die Gebüsche und den Uferrand und fügte dem Feinde trotz des furcht- 
baren Kartiitschcnfeuors bis 5 TThr Nachmittags bedeutenden Schaden zu, als eine 
vordere Tirailleur- Abtheilung, welche nicht mehr Stand halten konnte, zurückzu- 
laufen begann. Bakonyi eilte dahin, um sie aufzumuntern, da streifte ihn eine 
Kanonenkugel am rechten Knie und er sank zusammen. Vom Schlachtfelde nach 
Nikolsburg geführt, fand er hier nach der Schlaclit von Wagram an dem Erherzoge 
Ludwig den thellnahmsvollsten Pfleger seiner Wunde, und konnte schon in einigen 
Monaten das Commando seines Regiments wieder übernehmen. 

Bei den Gefechten von Prussani und Kosiebrod (den 10. August 1812) war 
Bakonyi mit dem Rcgimonte längs den Sümpfen aufgestellt. Die Russen mit ihren 
Geschützen hatten eine sehrvortheilhafteAufstellungaufdenjcnscitigen, denSumpf 
begrenzenden Anhöbon, wohin nur ein Damm führte. Auf diesem nun führte 
Bakonyi sein erstes Bataillon zu Fuss dem feindlichen Geschütze entgegen und 
entschied das wankende Ti'effen. Fürst Scbwarzenberg Teröffentlichtc diese 
Waffenthat im Armeobefohlo. 

Bakonyi's zerrüttete Gesundheit bewogihn vorübergehend in den Ruhestand 
zu treten, aber das Jahr 1813 rief den tapferen Krieger erneuert unter die Fah- 
nen. Er erhielt im November als General-Major und Brigadier 6 ungarische 
Bataillone und führte sie nach Besannen. Bei demTreficn vonMaconam 11. Msnt 
1814 naiuu Bakonyi thätigen Antheil, ingleichen an den Gefoehtcn, welche btt 
der Vorrückiing gegen Lyon stattfanden, und an der Einnahme von Romanoe am 
2. April. Im Jahre 1815 cernirte er mit seiner Brigade Schleltstadt und wurde (Üfrj 
diese glücklich beendete Unternehmung mit dem St. Georgs-Orden 4, ClnsiM 
belohnt. 



I 





Auch nach liergestelltoiii Frieden fuhr Bakonyifoit dem Staate niilzlicJit" 
Dienste xu Iciatea; er stand durch dreizehn Jahre in der RoHidenz als Brigadier, 
erbiolt 1833 das 33. Infanterie-Regiment, rückte 1826 zum FeldmarschaU-Lieute- 
Diint Tor und ward auf eigene Bitte im Jalire 1832 zum Featunga-Commandanten 
von Komorn ernannt, lüor überwachte er mit Äufmorksamkeil die grossartigeo, im 
Jahr« 1838 begonnenen Bauten der Palatinal-Linie, und erfreute sich, kurze Zeit 
Tur dem am 24. Jüniier 1845 erfolgten Ableben, der Auszeichnung, in die Zahl 
der geheimen Rällic aufgonommen zu werden. 

DESQUILLES, Joseph Marf^nis, Hauptmann, von altem franzüsischea Adel, 
WM zu Pau im Jahre 1782 geboren. Als Cailct des Infantcrie-Hegiraents Früh- 
lich hatte er im 17. Lebensjahre den Feldzug 1799 in Italien mitgemacht und 
wnrde im April des folgenden Jahres als Fähnrich in der Eiviera di Genova am 
Unken Arme verwundet. 

Im Jalire 1809 brachte ihm seine heroische That bei Volano nächst Kove- 
redo das Ritterkreuz, weichca er im Nachtrags-Capilol vom Jahio 1811 zuer- 
buuit erhielt. D'Esquilles, im Februar 1809zumHauptmanuiniRcgimentebeior- 
deit, Ualtc sich bei Volano am 24. April mit seiner Compagnie ungeachtet eines 
WDinlcrbrochenen feindlichen Kreuzfeuers der Anhöhen bemächtigt, den Kirchhof, 
einen sehr wichtigen Punct, mit 19H Mann besetzt, und diircli nenn Stunden heU 
deoRiiiliiig Tertbcidigl. Vier Stunden schon liicll er sich tapfer gegen die feind- 
Belie Übcnnaclit, als ihm der Rückzug wiederholt anbefohlen wurde; dieser war 
,^r bei der augenscheinlichsten Gefahr, aufgerieben zu werden, nicht ausführ- 
en^ snd d'Esiiuille» blieb im Besitze des Kirchhofes, den Franzosen den hel- 
dlunlltliigiitea Widerstand enlgcgensctzend, da er alle Angriffe derselben durch 
•titere fünf Stunden blutig zurückwies. Ein feindlicher Stabs- OfficJer, erbittert 
über den bnriaSckigen Widerstand dieses Häufleins Braver, stellte sich nun an die 
S^ue einer Division, um den Kirchhof zu stürmen; aber ein woIUgetrotFcner Schuss 
•treclitc ihn nieder und machte des Feindes Muth sinken. Dm-ch den Fall ihres 
' omm Indulten und das Freudcngoaclirei der Verthoidiger bestürzt, geriethcn die 
An^eifi^r in Unordnung und zogrn sich in Eile zurück, von den Erstercn lebhaft 
verfolgt, nirgends mehr Stand Iialtcndund dem tapferen d'Ksijuilles dasSchlachl- 
ield li<^ Volano Überlassend. F^ine Compagnie von dem Infanterie - Rcgimente 
Hnlicnlobc-Bartenstein liiste nun die Braven ab; von den 196 Vertheidigern 
Velinen nur I -I zum ßegimcntc zurück ; der Oberüculenant und der Fühnrich waren 
urwimdci, der erste Feldwebel und beinahe alle Chargen geblieben, d'Esquilles 
it!t<il hatte einen Streifschuss im rechten Schenkel erhalten. 

Am I. September 1813 bat d'Ksquill es als Invalide in die Pension, quittirie 
'Sfhr die Ssterreicl tischen Dienste nnd kehrte nach der Restauration in sein Vater- 
U^vfick, wo er noch lebLi 




936 

FASTNER von NeumftrfetjJoliannGeorg Froilicrr, Olterlieutenant. Dieser 
Officier ist ein ruhmwürdiges Beispiel desMuthcs, der Entacliloasenhcit und Tapfer- 
keit, da er, ein Zögling des Regimenls-Erziehungshausea vom 14. Infantcrie-Regi- 
mente, nur diesen Eigenschaften die seltenen Auszeichnungen zu danlcen Latte, 
welche seine Brust zierten. Die Geschichte der k. k. Armee bat fünf Helden ver- 
zeichnet, welche mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens die 
goldene und die silberne Tapferkeita-Medaille vereint als Preis des Verdiensiea 
trugen. Fastner war einer derselben, Alfmann, Saintenoii, Christ und 
Czechowini die anderen. 

Fastner, ein Soldatenkind, kam in "Wien zur Welt. Im September 1789 
begann er als Gemeiner in dem Rcgimcntc, dessen ErziehungshauB ihn gross 
gezogen, seine Laufbahn. Bei Maubeuge im Jahre 1793 erwarb er sich als Gefreiter 
die silberne, und im Feldzugo 1799 die goldene Tapferkeita-Medaille. 

Am 26. März des letzteren Jahres hatte Fastner als Adjutant bei Verona 
nicht nur mit ausgezeichnetem Muthe gefochten, sondern auch eine Kanone und 
2 Compagnien Infanterie, welche vom Feinde umgangen und in augenscheinlicher 
Gefahr schwebten gefangen zu werden, mit einem einzigen ITusoren des 5. Regi- 
ments und einigen Freiwilligen gerettet. Noch vor Ablauf des Jahres zum Unter- 
lieutenant (23. December) befördei-t, gerieth er im darauf folgenden Feldzuge in 
•Kriegsgefangenschaft, rückte im September 1805 zum Oberlieutenant vor und 
zeichnete sich am 2. November bei der Vertheidigung des Passes Strub in Tirol 
durch Entschlossenheit und Geistesgegenwart erneuert aus. Er hatte mit herbei- 
gerufenen Freiwilligen den schon auf 400 bis 500 Schritte in den Pass eingedrun- 
genen Feind mit gefälltem Uajonete angegriffen, geworfen und den Pasa gegen 
die wiederholten Stürme behauptet. 

Im Jahre 1809 hatte das 1. Bataillon Klebeck, wo sich Fastner befand, 
bei der Vorrlickung des 6. Armeecorps gegen Neumarkt in Bayefti (24. April) 
das Regiment Duka zu unterstützen. Das durchschnittene Terrain erlaubte nicht 
geschlossen vorzurücken, daher sich die Flügel-Divisionen in eine Plänklcrkette 
auflösten, welchen die Mittel - Division als Reserve folgte. WSlu'cnd der Vor- 
rückung ersah Fastner eine aus vier Häusern beBtehcnde Ortlichkeit, die vom 
Feinde besetzt und hinter welchen französische Cavallerie zur Deckung der rech- 
ten Flanke .lufgestellt war. Als Interims- Conimandant der Compagnie führte 
Fastner seine Leute unaufgefordert, in Masse geschlossen, mit gefälltem Bajonete 
stürmend dabin, zwang den Feind die Häuser zu verlassen, und liess aus den Gär- 
ten und Zwischenräumen ein heftiges Feuer auf die Reiter eröffnen, weldie mit 
verhängtem Zügel nach Neuniarkt zurücksprengten. Durch das zur Unterstützung 
herbeigeeilte Bataillon von Klebcck aufgemuntert, brach auch das Regiment 
Dukawiederausdera Walde hervor und warf den noch immer verfolgenden Feind 
zurück, welcher durch das Flankenfcner des Oberlieutenants Fastner in völlige 



tTnordnoDg gerieth. Nun allgemein verfolgt, zog sieli der G-egner in gedi'Sngten 
ReSien naeh Neumarkt, Auch die CavnUerie, welche sich noch am Kussersten Ende 
des Ortes befand und welche Fastner stets im Auge hielt, suchte in den Häusem 
des Yonnarktes Schutz. Der tapfere Officier eiferte nun die Soldaten, die sich 
um ihn gesammelt hatten, an ihm zu folgen, drang hinter die Gebäude des Ortes 
ein and üess durch die 30 bis 40 Schritte weiten Zwischenräume der Häuaer auf 
die feindliche Reiterei, die der in Masse gegen die Brücke eilenden Infanterie 
dcD Rückxug verhinderte, ein Plänklerfeuer eröffnen. Schuss auf Schuas traf 
nnd Uchteto die feindlichen Reihen ; Fastner brach durch den Hinterhalt eines 
Ilatuies, gewann die Strasse, stürzte sieh mit den durch sein Beispiel begeisterten 
Soldalen mit gefUlltcni Bajonete in die Keilerei und führte eine so grosse Verwir- 
rtiag herbei, daaa, wa£ nicht den Säbel wegwarf und augenblicklich absass, ent- 
■wcdcr vom Pferde gestochen oder herabgeschossen ■wurde. Pferd an Pferd und 
Simon in Slann deckten todt oder verwundet den Weg vom Eingange des Dorfes 
Mb «or Brücke, und eine namhafte Zahl wurde gefangen. Diese aus freiem Willen 
■«•geführte tapfere That wurde im Oapitcl vom Jahre 1810 mit dem Rittor- 
Itrenzc belohnt und dem cntsehlossenen Officier im April 1811 der Freiherrn- 
Etand rerliohcn. Fastner erlag viel zu früh den zahlreichen vor dem Feinde 
criialteDen Wunden auf dem Durchmarsche des Regiments* zu Wels am 19. Sep- 
»■ber 1811 im 43. Lebensjahre. 

IKAHHREIS, Julius Graf, Haupinmnn im Goniccorps. Das k, k, Ingcm'eur- 
»rps hat eeit der Errichtung viele ausgezeichnete Officicre grossgezogen j die 
Vthnahl war dem Grafen d'Andreis an Muth und Entschlossenheit ebenbürtig, 
*nug« haben ihn überlroffcn. Zu Nizza in Sardinien 1787 geboren, crLielt er seine 
Endehung in der Genie-Akademie. Er widmete sich den kaiserlichen Diensten, die 
Sun in der bewegten Epoche des Jahres 1809 seine Heimath, sein persönliches 
lottmee und selbst die Folgen, welche jedem zu jener Zeit unter dem Scepter 
tViakreich« gestandenen k. Officier bei der Gefangcnnchmung in Aussieht gestellt 
*wl«i, »■ergCssen machton; so mächtig war die Liebe zum freigewälilten 
^'ueriaade. 

D'Andreis, im 18. Lebensjahre Coips-Cadot, war im Jahre 1805 Oberlieute- 
"Wt-Biid in dem ihn verewigenden Feldzuge 1809 Hauptmann. In diesem versah er 
Wfleni 8. Anneeeorps unter Feldmarschall-Lieutenant Ohastcler die General- 
"•»ti- und Ingenieur-Dienste und zeichnete sich mehrfaltig aus. Nach der am 
*■■ April erfolgten Affairebei Vo I an o wollte Feldmarachall-Lieutenant Chasteler 
^Wen Weg recognosciren, der im Angesichte und parallel mit dem auf der nahe 
f^äfigown Anhöhe von Volano aufgestellten Feinde lief. Um unerkannt zu bleiben 
""^ile Ä«&rtellnng des Feindes genauer zu orkundschaften,kloidetesIch Chasteler 
■odtn Hantel und ficlm eines Soldaten, und der imersciirockcne d'Andreis bot 



938 

sich freiwillig an, 150 bis 160 Schritte vor ihm zu gehen. Da er in voller Uniform 
war, zog er die Aufmerksamkeit des Feindes, so wie auch das Feuer desselben auf 
sich, während der General unbelästigt seine Beobachtungen anstellen konnte. Hier- 
auferstürmte d'An d reis mit 40 Freiwilligen ein für die Position der Armee wichti- 
ges Dorf; dieser Sturm bedingte am folgenden Tage den Rückzug des Feindes nach 
Ala. Chasteler wollte nun in Erfahrung bringen, ob in einem Thale, welches 
sehr nahe zwischen ihm und dem Feinde lag, feindliche Vorposten und Piquete sich 
befänden. Auch hiezu bot sich d'Andreis freiwiUig an. £r ging ungeachtet des 
heftigsten feindlichen Feuers ganz allein in jenes Thal, und entledigte sich des Auf- 
trages zu vollkommener*Zufriedenheit des Corps-Commandanten. Am Ende des 
Weges, welchen Fcldmarschall-Lieutenant Chasteler rocognoscirt hatte, demFusso 
der Anhöhe von Volano, auf welcher der Feind aufgestellt wai*, lag ein Dorf, welches 
dem Corps-Commandanten von grosser Wichtigkeit schien, da durch dasselbe die 
Gregner bei Rovercdo in Flanke und Rücken genommen werden konnten. Allein der 
Angriff war mit vielen Gefahren verbunden und Chasteler nicht ganz entschlos- 
sen sich diesen preis zu geben. Kaum hatte er indess den Wunsch geäussert, in den 
Besitz zu gelangen, als sich Hauptmann Graf d'A ndreis freiwillig und mit gross- 
tem Eifer anbot, den Ort augenblicklich zu nehmen. Er griff ihn auch mit 30 bis 
35 Freiwilligen an, die, durch sein Beispiel angeeifert, sich desselben bald bemäch- 
tigten, obschon er durch ein, von verschiedenen in der Verlängerung der Gassen 
aufgestellten feindlichen Abtheilungen unterhaltenes lebhaftes Feuer vertheidiget 
wurde. Fcldmarschall-Lieutenant Chasteler entsendete hierauf ein Bataillon zur 
Besetzung dieses Dorfes, und zwang die Gegner Tages darauf zum Rückzuge auf Ala. 
^m 1 9.Mai erkannte d' A n d r e i s, nachdem berst- Lieutenant Graf L e i n i n g e n 
von Hohenlohe-Bartenstein-Infanterie seinen Angriff von Trient aus auf die Höhe 
von Schahs unternommen hatte, um die Verbindung mit dem am Brenner stehen- 
den General Buol zu bewirken, sehr wohl, dass Trient, der Schlüssel des südlichen 
Tirols, gehalten werden müsse ; er eilte mit der Avantgarde (62 Mann) dahin, und hielt 
durch zwei Tage bis zur Ankunft der Haupttruppe den Trient bedrohenden Feind von 
jedem offensiven Unternehmen ab. Als das kleine Corps Leiningen's (700 Mann) 
an Munition zu leiden begann, suchte d'Andrcis durch Streifzüge des Feindes 
Aufmerksamkeit von Trient abzulenken und Leiningen Gelegenheit zu ver- 
schaffen sich mit Munition zu versehen. — Bei dem Überfalle auf Bassano durch 
das Detachement dieses Oberst-Lieutenants führte d 'Andreis freiwillig die 
150 Mann starke Avantgarde. Unweit von Bassano, wo die Gegend von Mauern, 
Gräben und Zäunen sehr durchschnitten war, ging er mit 12 Jägern und 10 Che- 
vauxlegers vor, stiess auf eine feindliche Abtheilung, bewältigte sie nach kurzem 
Gefechte, und nahm ihr 35 Gefangene ab; doch wurde der Obcrlieutenant von den 
Chevauxlegers neben ihm erschossen und mehrere Mann und Pferde verwundet. 
Der Feind stellte sich auf den Mauern von Bassano; d*Andreis Hess gleich die 



939 

Kanonen und den Rest der Avantgarde vorrücken, ein heftiges Feuer gegen das 
Thor eröffnen, zum Sturme blasen, und warf sich an der Spitze der Jäger gegen 
dasselbe, wo noch mehrere Gefangene in seine Hand fielen. Die Besatzung 
wurde lediglich durch die Avantgarde, welche allein ins Feuer kam, bis über die 
Brenta-Brücke zurückgetrieben, in Bassano ein kleines Magazin von Monturssorten 
erobert, welches der stark abgerissenen Mannschaft sehr erwünscht kam, auch 
wurden einige gefangene österreichische Officiere befreit, und die Truppe mit 
hinlänglicher, bereits nothwendig gewordener Munition versehen. Kaum war das 
Detachement von dieser Expedition in Trient eingerückt, als die feindliche Caval- 
lerie von der Strasse von Verona herbeieilte und die Infanterie geschlossen 
anrückte. D'Andreis liess jenes Stadtthor schliessen, gegen welches der Feind 
aus 2 Kanonen und 1 Haubitze sein Feuer eröffnete, und verrammelte es, persönlich 
mithelfend, so gut es in der Eile nur immer möglich war; bald darauf stürmten 
auch die Franzosen in Massen gegen dasselbe und die an der Stadtmauer angebau- 
ten Häuser und auf die Stadtmauer selbst. D'And reis legte unter dem heftig- 
sten Feuer mehrere mit Rasen gefüllte Säcke, hinter welchen sich die Jäger 
deckten, und empfing den Feind so kräftig, dass er ungeachtet seiner angestrengten 
Versuche, Meister der Stadt zu werden, mit Verlust von 120 Mann den Rückzug 
anzutreten bemüssigt wurde. ^ 

Hauptmann Graf d'And reis, welcher sich auch bei der Vorrückung nach 
Ala und dem Monte Baldo als muthiger und einsichtsvoller Officier besonders her- 
vorgethan hatte, erhielt in Anerkennung seines ehrenvollen, entschlossenen und 
tapferen Benehmens im Nachtrags-Capitel vom Jahre 1811 das Ritterkreuz, 
trat 1812 in grossbritannische, später in sardinische Dienste und erlangte in der 
letzteren Armee die Stelle eines General-Lieutenants. 

Lenk von Wolfs berg, Jakob Freiherr, Oberst, gestorben zu Prag am 
29. Juni 1837 als Commandant des 1. Artillerie-Regiments. . Sein Vater erhielt 
als Artillerie-Hauptmann im Jahre 1801 wegen acht und vierzigjähriger Dienst- 
leistung den Adelstand. Zur Zeit da Jakob zu Platz in Böhmen 1767 geboren 
und im 13. Lebensjahre als Tambour für das 3. Regiment auf beständig assentirt 
vrurde, war der Vater noch Unterofficier in der genannten Waffe. 

. Der junge Lenk stand schon 1783 bei der Armee in Holland, im Jahre 1788 
und 1789 bei dem Heere gegen die Türken, von 1792 bis 1796 bei jenem in den 
Niederlanden, in Frankreich und am Rhein, 1799 und 1800 in Italien, 1805 und 
1809 an der Donau, 1813 und 1814 bei der grossen Armee, und errang sich durch 
Muth und unermüdeten Eifer nicht nur die schönsten Ehrenzeichen, sondern auch 
eine Stufe um die andere. 

Tm Jahre 1796 trug Lenk als Feuerwerker durch ein höchst zweckmässig 
geleitetes Kartätschenfeuer wesentlich dazu bei, dass der Feind, welcher die Sieg 



940 

bei Sieg'burg bcrcils Überaclzt hatte, wieder zum Rückzuge gezwungen 
Die silberne Tapi'erkcits-Medaillc schmückte für dicdc That seine Bruat. 

Im Feldzuge 1809 wurde die Brigade Hohenfeld des 6. Armeecorps auf 
dem Rückzüge von Landshut nach Altöttinp am 26. April durch zahireicha 
auf der Strasse aufgestellte feindliche Artillerie in ihrer Bewegung zu hindcm< 
gesucht und es galt vor Allem dieses Vorhaben des Feindes zu vereiteln. Lieute» 
nant Lenk, seit dem Jahre 1803 hiezu befördert und bei der Brlgsdc-ßatteria 
angestellt, placirte' aus eigenem Antriebe zwei Geschütze auf die die Strasse' 
beherrschende Anhübe, und zog die andern an eich. Dann eröffnete er ein ebea 
so anhaltendes als verheerendes Feuer, dass der Feind sich liinter Neumarkt zurück- 
ziehen rausste, unsere Artillerie aber Zeit gewinnen konnte sich zu sammeln. 
Mit dieser vereint bcschoss der tapfere Oflicier nunmehr die feindliehen Massea 
Bo erfolgreich, dass sie nach kurzem Widerstände den Rückzug antraten und voa 
unserer Infanterie lebhaft verfolgt wurden. Die Brigade Hohenfeld erreichte, 
durch das richtige milititrische Augenmasa und die Geistesgegenwart Lenk'» unter- 
stützt, den angestrebten Zweck, dieaem al)pr wurde im Capitel vom Jahre 1810 
das Ritterkreuz verliehen. ' 

Gleich ausdauernden Muth bewies Lenk am 21. Mai, wo er bei dem 
Aogi'ifFo von Iliruchstätton gegen Asporn nach vorgenommener gefährlicher 
Recognoseirung mit zwei Batterien entschloasen vorrückte, und die Franzosen 
durch entsprechend angebrachtes lebhaftes Feuer mit beträchtlichem Verluste zum 
Weichen nöthigto. Als gegen Abend das Dorf Asponi vom Feinde zum Theilo 
wieder genommen wurde, führte Lenk aus eigenem Antriebe eine scclispfiindiga 
Kanone bis vor das Ende desselben und bewirkte durch gut geleitete Dirigirung 
des Feuers die Riiumung des streitigen Objectes. 

Bei allen Unternehmungen gleich eifrig, kaltblütig und entschlossen, unter— 
stutzte Lenk durch seine Batterie mit Inbenswertlier Standhaftigkeit den Rückzug 
des 6. Corps am ersten Schlachttage von Wagram, und so wie er seine Geichtltze 
nie dem Ungefähr Preis gebend, an diesem Tage bis zur einbrechenden Abend- 
dämmerung den lebhaftesten Widerstand leistete, so war er auch.bci dem Angriffe 
am folgenden Tage, wo sein wohlüberlegtes Vordringen und wirksam angebrach- 
tes Feuer den Feind zum schnellen Rückzüge über Ilirschatiilten nach Aspem 
bestimmte, wobei er persönlich eine Haubitze eroberte und nicht wenig beitrug, d&sa- 
der Feind 10 Geschütze zurücklassen niusate. Kben so muthvoll und thätig erwies 
sich Lenk während des Rückzuges der Armee. Der Generalissimus ernannte den 
braven Oi'ticier noch auf dem Schlachtfeld« von Aspcrn zum Oborlicutenant. 

Im Jaliro 1813 gelang oa Lenk, den von Dresden gegen Leipzig vori-Ückea- 
den feindJichcn Truppen mit seiner Cavallerie-Batterie solchen Widerstand za 
leisten, dass die Franzosen nicht nur den beabsichtigten Übergang über die 
Flöhe nuffteben musstcn, sondern auch auf dem weiteren Marsche bedoutendeo 



J 



941 

-T-Inst erlitten. In den Tagen von Lieboitwolkwitz, IIolKhaiiscn, bei Fuchs- 
iiro unii endlich in der Schlacht bei Leipzig faml Lenk wiederholte Gelegen- 
sit 2ur AnsMichming; er ward vom Genoral der Cavallerie Grafen Kien au unter 
Lencn genaimt, welche sich besonders verdient gemacht hatten. 

Im Jahr« 1815 war Lenk beieits Ilaiiptmnnn und bei der Armee in Italien. 
Oi« mustorhafte Übergabe der Turiner CitJidelle an Pieraont lohnte der König 
Tnit dem Mauritius- und Lazarus -Orden. 

Dieser brave Officier, im September 1 820 in den Freiherrnstand erhoben, wurde 
iraAu?ust 1832 Oberst-Lieutenant, und 3 Jahre darnach Oberstund Commandant des 
«r»t«n Artilloric-Regiments. Kr hatte dem Staate 57 Jahre mit Auszeichnung gedient. 



1 Ehrent'eld, Joseph, linttc sich als Oberlieutenant des Likkaner 
ßreni-Ilcgiments in dem Gefechte bei Penter in Dalmatien am 30. April 1809 
•0 mntliij pnd tapfer benommen, dasa ihm das Ordens-Capitel des Jahres 1810 
äuRiltcrkreuz einstinimig zuerkannte. 

flöss cl commandirle in dieser Affaire eine Uompagiiie und hatte nicht nur 
Jic Tom Feinde borcits geworfenen und abgeschnittenen neun Compagnien des 
Sbincr Regiments unter Major Petzingor aufgenommen und befreit, sondern 
»Aiu Vorhaben des Feinde^, den linken Flügel unseres Corps zu durchbrechen, 
"witelt, da er im entscheidenden Momente den Feind mit Bravour angriff, zurück- 
"rfoncl die wichtige Stellung behaupicle, ohne der unsere Truppen erlegen wären. 
Bm diesem Augriffe durch den Leib geschossen, hielt flössel so lange bei der 
Tnppcaus, hie das Unternehmen gesichert schien. Der Chef des General-Stabes 
»icwa Anneccorps, Major von Hrabowsky, bezeugte dem entschlossenen Officier, 
™MniirBeiner Tapferkeit der errungene Erfolg zu danken war. 

llöascl war zu Deulschbroderadorf in Niederüsterreich 1782 gehören; mit 
" JlWu wurde er Cadet bei den Ogulinern, im Laufe des Feldzuges Fiihnrich bei 
*nLikkanern. Kr starb am 22. Juni 1812 zu Weisakiitlien im Banale als Ober- 
"•"tenant des walachiflch-illynachon Gronz-lteginients. 

STEIHDL, Karl Freiherr von. Major, zu Földvär in Ungarn geboren, trat im 
~ - t^bcntjahrc (I. Jfinnor 1807) als Cadet in das 2. Uhlanen-Regiment Fürst zu 
^ **«rzenbcrg ein und stieg in demselben im Verlaufe der kriegerischen 
"^'^he bis zum Hitlineistcr empor. 

Der Keldzug des Jahres 1809, in welchem das Regiment bei dem 1. Armec- 
'« nnter dem General der Cavallerie Grafen ßellegarde eingetheilt war, 
tfam Gelegenheit sich als Lieutenant das Ritterkreuz zu erkämpfen, welches 
«ttrh im Capilel vom Jahre 1810 einstimmig zuerkannt wurde, 
. Am 30. April 1 809 wollte eine 5 OCficiere und 1 21 Dragoner starke feindliche 

^eilong die Stadt Eger überfallen. Lieutenant Steindl befand »icJi mit 



y4a 

3 Corporalcii und 15 Gemeinen ala .Wisopostea in dersulbeii, und .ils ihm die 
Abgjcbt dea Feindes klar wuido, fassto er den Entschluss, das Aussersto zu vagen, 
um sowolil die Stadt, &la das in derselben noch licfindlJchc bedeutende ararischa 
Gut zu reiten. Er setzte sich also an die Spitze seiner kleinen Abtheüung und griff 
den ihm weit überlegenen Feind mit dem grössteii Mutlie an, hieb selbst den Com- 
mandantcn mit 2 Ol'ficiereii zusammen, feuerte die unter aeineni Comaiando 
stehende Mannschart zum Kampfe nul' Leben und Tod an, und drang kühn in den 
Feind ein, bis es nach langem Kampfe gelang denselben zu werfen und in Unord- 
nung {mit Zurück laasung von 14 Todten, mehreren Verwundeten und Benlo- 
pferden) in die Flucht zu Bchlagcn. Bald hatte sich aber unter Führung eines 
Wachtmeisters eine neue feindliche Abtheilung gesammelt, um dem schwachen 
Häuflein des Lieutenants von Stcindl die Spitze zu bieten; kaum bemerkte der 
tapfere Officier, der schon in dem ersten Gefechte zwei schwere M'unden erhalten 
hatte, dieses Vorhaben, so griff er, seines Blutverlustes nicht achtend, auch diese 
Truppe mit der grössten Entschlossenheit an, hieb den Wachtmeister vom Pferde 
herab, verwundete mehrere Gegner und zerstreute die übrigen ao kläglich, das« 
von der ganzen 121 Mann starken feindlichen Abtheilung nur 4 Mann ohne Ver- 
wundungen entkamen. 

Es ist dies eines der denkwürdigsten Keitergefechte, welches den Beweis liefert,' 
dass eine entschlossene stürmische Attaque, wenn sie gehörig geführt wird, iminec- 
zum Siege fuhren nniss, ohne Rücksicht auf die Zahl der zu bewältigenden Gegner. 

Dieser brave Officier hatte auch in den Befreiungskriegen den Ruhm des Regi- 
ments durch mehrfjiltig bewiesene Entschlossenheit gefordert, war unter anderen 
in der Schlacht bei B r i e n n e am 1 , Februar 1814 verwundet und bald darauf zum 
Rittmeister befördert worden. Kr trat im April 1833 als Major in den Ruhestand 
und starb in seiner Heimath am 14. September 1837 im 5U. Lebensjahre. 

I.A TOÜB, Jan US Graf, Major, zu Chaniberjin Piemont 1779 geboren. Einer 
alten Familie entsproesen, niihni er im 18. Lebensjahre Dienste in der kaiserlichen 
Armee als Cadet, und erhielt im Februar 1799 eine Fäbnriohstelle bei dem neu 
errichteten Lifanterie-Begimente Nr. 60. Mit ausgezeichneten Kenntnissen begabt, 
wurde La Tour in den Feldzügen 1805 und 1809 beim General-Stahe verwendet 

Besonnenheit, Unerschrockenheit und, eine mit der edelsten Aufopferung 
verbundene Bravour charakteriairton ihn in diesen Kriegen und namentlich im 
letzleren, wo er sich (bei dem 8. Armcccorpa in Italien thätig) das Ritterkreuz 
zu erkämpfen wusato, welches ihm durch Capitelbcschluss vom Jahre 1810 zuer- 
kannt wurde, 

Die Armee des Erzherzogs Johann zog am 2. Mai 18u9 über Vieenza. 
La Tour erhielt die Weisung, die bei Albaredo detat'liirte Brigade Splt^ 
nyi nach dieser Stadt zu führen. Nachdem eie aicb mit der Armee vgirBin^ 



943 

Imlie, erUt« der KciüJ unserer Arpiörcgardo uu^pstlim zu, und Lu Timr lilieb, in 
i« VoranasicLt, tiass es hier zum Sclalnpen kommen werde, aus eigenem Antriebe 
bd derselbeo. Bei Olmo wurde Slcllunf» genommen, General- Major Marziani, 
wolehpr rechts bei Creazn aufgestellt war, muaste aber der Übermacht weiclion, 
bhJ der Posten bei Olmo ward dadurcb auf der Hauptstrasse rechts umgangen. 
Sur tu bald erfolgte aueb der ferndJiebe Angriff in Front und Flanke mit solchem 
ünf^lüm, dass diese Stellung Gefahr lief forcirt zu werden. In diesem Augen- 
Witlc erschien La Tour und brachte die Truppe durch das Beispiel persön- 
licher Tapferkeil und durch zweckmässige Anordnnngen nicht nur zum Stehen, 
»ndcrn es gelang ihm auch den Posten trotz der Übermacht so lauge zu halten, 
Ua General Marziani den Ruckzug vollführt hatte. — In dem Gefechte am 8. Mai 
renaehteii die Franzosen auf dem kürzesten Wege nach Conegliano unseren linken 
Flfi^ KU tonrnireti und sich auf die Hückzugslinie zu werfen. Erzherzog Johann 
ÜMJas OKoohaDer Grenz -Uegimt-nf links abrücken, und beauftragte den Oberst 
Onfen Kugeiit, zur Führung dieser Truppe einen Offizier des Gcneral-Quartier- 
nciitffstabeii beizugeben. Graf La Tour bot sich hiezu freiwillig an, und fand 
Ju Kcp'nioat bei der Ankunft bereits mit dem Feinde engagirl. Als er sah , dass 
teßehattptun^ der Stellung gegen die Übermacht immer achwieriger werde, schlug 
«dem Conunaudanten einen Angriff mit dem 1. Bataillon vor, setzte sich selbst 
(D die Spitxe desselben, nuchdem deren Führer Oberst-Lieutenant Kukavina 
rerauadot worden war, und uiileniiihm die Ättaijue mit solcher Br-avour, dass die 
trattn Abiheilungen des Gegners geworfen und dem weiteren Vordringen Einhalt 
fWluu werde. La Tour konnte sieh bis zum Einbrüche der Dämmerung in dieser 
5t*llflog behaupten, wodurch die Brigade Col loredo auf dem rechten Flügel mit 
*am Tlicilc der Cavallonc und die Geschütze vor Umgehung geschützt werden 
""d dif Arritregardc zur Deckung des weiteren Marsches sich fornnren konnte. 

Bei dem weiteren RUekzuge der Armee sollte San Üanicle am 14. Mai dureh 
w .\rriiTegftrde behauptet werden. Dem Feinde gelang es aber bis zu dem als 
talcMützung hinter Sl. Thomas aul'gestollten Grenadier-Bataillon Salanion und 
4cm Ognliiier Grenz-Kegimente vorzudringen. Ungeachtet des tapfersten Wider- 
■bfideider Grcuadit^re waren sie endlich zum Weichen bcmUssiget. La Tour, 
"ddiiH-tq dic«oi» Augenblicke bei dem Ogniiner Regimonte sich befand, sprengt 
*^ ^ CbauiiM^e hinnb, niunlert die Grenadiere auf . lässt Sturmstreich schlagen 
""Ipcift mit i'incT kleinen Zahl derselben unter dem Befehle eines Officiers den 
'«inil unerschrocken an. Zu neuem Mutbe cntüamnit nimmt bald die ganze Linie 
«derVorrücküngTheil. St. Thomas wird wieder genommen und die Franzosen 
'''•mW an San Daniele geworfen. 

LJcr Hauptmann La Tour musste, wie so viele brave Altfranzosen, nach dem 

"Der Kriedon die kaiacriicho Armee verlassen; erhielt «her in Anerkennung 

^^ Vonüglich geleisteten Dienste den Charakter eines Major». Doch war ihm 



nur ein Jahr beschieden in seinem Vatcrlandc zu loben, cla ihn der Tod schon am 
25. November 1811 ereilte. 

PADMQARTTEN, Jolianii IJaptiat Froihen- von, Fcldmarschall-Lieutenant, 
Inhaber des 21. Infanterie-Regiments, aus einem Geschlccbtc entsprossen, das für 
hcldenmütbigc Aufopferung auf dem Schlachtfelde unter Kaiser Leopold I. in 
den Adclstand erhoben wurde und das während der letzten französischen Kriege 
seinen Namen durch vier unter den kaiserliehen I'ahnen fechtenden Brüdern mit 
neuem Ruhme bedeckt hat, gebührt dem Johann Preilierrn von Paumgartten 
der erste Platz unter den Gliedern der Familie, 

Zu Schloss Grieshof in der Steiermark im Jahre l?72 geboren , war er Fre- 
quentant der Neustiidler Akademie und trat bei Eröffnung des Türkenkrieges aU 
Fülinrich in das Regiment Wenzel Collorodo. Er wohnte den Feldzügen 1793, 
1794, 1796 und 1797, 1805 und 1809, dann 1813 — 1815 und in diesen auaser 
verschiedenen Vorposleugefechten , 4 Belagerungen, 11 Hauptschlachten nnd 
14 Gefechten bei, in weichen er mehrere Maie als Freiwilliger gefochten und im. 
August 1800 die Hauptmanns-Charge erlangt hatte. 

Im Jahre 1805 rettete Paumgartten hei dem Abmärsche der vorbUndeten ' 
Armee von Brunn als Major und damaliger Gencral-Commando-Adjutant, mit 
100 Mann Kaunitz-Iiifnnterie und einem Zuge Vincent-Chevausiegers, 18 Kanonen, 
und eine grosse Menge Artilleriegut durch die Gebirgswege nach Olmütz, und' 
ward im Kriege 1809 als Corps-Adjutant dem Feldmarschall-Lieutenant Freiherm 
von niller beigegeben. 

In Verbindung mit den Operationen der groasen Armee dos Erzherzogs Karl 
musston auch das 5. und 6. Armee- und das 2. Reserveeorps, unter Hiller, durch 
unausgesetztes Drängen der Hauptmacht der Franzosen am 3. Mai den RUckzogr 
über die Traun bewirken, Hiebei ereignete sich der unangenehme Fall, dass die 
bei Ebelsberg befindliche Brücke über den genannton Fluss, welche unsere CorpB> 
passiren mussten, durch des Feindes Übermacht forcirt wurde, nnd dass die Fran- 
zosen, unseres stäten Feuers aus schweren Geschützen ungeachtet, die.se mit unserer 
.\jTi6regarde gleichzeitig übersetzten, Ebelsberg vor der Fronte emportirten und 
aus diesem Orte mit Macht auf die hinter demselben gelagerte« Truppen vordran- 
gen. Nach des Armee-Commandanten Befehl liütte die BrUcke, da auch unser 
linker Flügel vom Feinde gedrückt wurde, abgebrannt werden sollen, und il» 
dieser Voraussicht lagerten die nach eilftägiger Verfolgung äusserst ermatteteA 
Truppen gleich hinter Ebelsberg, einen unerwarteten Empfang des Feindes gi 
nicht voraussetzend. Unter diesen Umständen miisste das Hauptaugenmerk 
gerichtet werden, dem P'einde so schnell als möglich und noch ehe er unse' 
ungünstige Lage entdecken koimte, den errungenen Vortheil zu eatrcissen, u. 
nic ht slloin den Armeecorps zur Aufstellung und Formirung Zeit zu Tewn 



945 

«Andern haaptsMcMich , weil eben die Landwehr-Bataillone aus Ober-Österreich 
uidisl Ebeltiberg gelagert waren, zu verhüten, dass sich dieee an das Schlagen 
noch angewöhnte Truppe nicht durch panischen Schrecken auflöse, in dej- Vor- 
wimmg in die Armeecorps werfe und eine Unordnung herbeiführe, zumal unmit- 
ttlW hinter der Position ein Defil^ zu passiren war. Diese Gefahren wurden 
Tom Major Paumgartten, als er zu den Plänklern angeritten kam, nicht sobald 
btncrkt, als er sich auch entschlosa dem weitern Vorrücken des Feindes Einhalt 
idiKuii. Er forderte — im Namen des Ajmee-Commandaotea — das Iiifanterie- 
Keptncnt Lindenau zum Angriffe auf, und obgleich ihn seine Stellung als Adjii- 
tuioicht Tcrpßichtete an dem Sturme Theil zu nehmen, so stellte er sich doch an die 
Spilic eines Bataillons dieses Regiments, dem sich ein Bataillon Wiener Freiwil- 
lig* angeschlossen hatte, und warf sich dem Feinde entgegen. Der Angriff ward so 
rtsA, unTcrmulhet und tapfer durchgeiuhrt, dass Ebelsberg gleich in unsere Hände 
km und die Franzosen in eiliger Flucht ihren Rückzug unter Röcklassung von 
74(1 Oofuigenen durch den Hohlweg vor dem Orte antraten, beunruhigt von dem 
Feaer einer schnell herbeigezogenen Kanone, welche Paumgartten sehrzweck- 
Biiisig placirt hatte. Der Verlust des Feindes an Todten und Verwundeten betrug 
mcir als tausend Mann. In der Zwischenzeit, als Paumgartten Ebelsberg 
ttliaiiptcte, setzten eich unsere Armeecorps in Verfassung und traten den anbe- 
fcUenei» weiteren Rückzug an die Enns an, unbehelligt vom Feinde, was ledig- 
fwli der tapferen Handlung des bei dieser Gelegenheit durch einen Kartätschen- 
idinM am Unken Arme verwundeten Majors Paumgartten zu danken war, dem 
iDdidas Capitcl vom Jahre 1810 das wohlverdiente Ritterkreuz zuerkannte. 

Zum Oberst-Lieutenant ernannt und im März 1813 in den Freiherrnstand 
oiioben, kämpfte Paumgartten in den Jahren 1813 bis 1815 als Oberst und 
t-^mmuidant des Infanterie - Regiments Chasteler bei der niederösterreichischen 
<iKil ilalicnischcn Armee. Als dei- Oberst -Lieutenant Göldlin mit dem 9. Jäger- 
^uülon die schwache französische Brigade Beitotti über Neumaikt bis Krain- 
twp verfolgte, war Paumgartten, mit einem Bataillon des Regiments am 
3u. Aaguft von Windischkappel kommend, übor das Branagcbirge durch den Kan- 
'«rpiM gerCckt, nnd vereinigte sich mit GöIdIin»vor Krainburg. Die Franzosen 
"rthodigtcn diesen Ort hartnäckig, verloren aber gegen Abend die Vorstädte, 
"^BnitcB in der Nneht, aus Besorgniss abgeschnitten zu werden, Krainburg, zer- 
"änca die Brücke imd gingen auf der Strasse von Laibach bis Zwischenwasser 
"r^dt. In dem Gefechte von Caldiero (15. November) hatte Paumgartten 
■odon ß«gimente das Schloss von Soavo besetzt und standhaft behauptet, woduich 
"ittelbir die Versuche der Franzosen, den Übergang über die Alponbrücke bei 
■iUiiiuoTa zu erzwingen, an der Tapferkeit seiner Truppe scheiterten. 

Inder denkwürdigen Schlacht von Tolentino bedeckte sich Paumgartten 
^**>a braves Regiment mit Ruhm. Nachdem es am zweiten Tage (3. Mai) mit 



klingendpm Spiele und wehenden Fahnen einen angeordneten Angriff aaf ein feind- 
üchcB Schützen-Bataillon mit bestem Erfolge auagofilhrt hatte, erwartete es den Feind, 
in seiner Stellung auf der Höhe von Madia. Dieser griö' mit grosser Entschlossen 
!ieit in Carr^'s forniirt und von einer Batterie unterstützt das Regiment an. Fest 
und ruhig stand Paiimgartten mit demselben, ohne einen Schuss zu thun, deiii> 
feuernden Feinde gegenüber. Die Neapolitaner, die erwartet hatten, unsere Trup- 
pen (ea war noch ein Bataillon Wacquant und eine Dragoner -Schwadroi 
welche mit Chastolor den mächtigen Stoss auszuhallen halten) würden sich vc 
so grosser Überlegenheit sogleich zurückziehen, waren über diese Fassung c 
betroffen, dass sie zu feuern aufhörten, und so standen sieb einige Minuten bcida 
Theile, ohne zu feuern, gegenüber. Der Comraandircndo, Feldniarschall-Lieuten 
nant ß i a n c h I , gewahrte des Feindes Unentschlossenheit und den entmuthigendei 
ICindruck, den das Feuer unserer auf den unzugänglich geglaubten Höhen voi 
SIndia aufgerührten Geschütze auf denselben machte, liess Sturms tr eich schlagei 
und befahl den eben vom Contrum kommenden zwei Schwadronen Toscana-Dr* 
goner, das erste feindliehe Viereck in die rechte Flanke zu nehmen. Der Stm 
marsch wirbelte; Faumgartten mit dem Regimente rückte unter kllngendei 
Spiele ohne zu feuern vor; eines der feindlichen Vierecke, erschreckt durch di< 
drohende Haltung des Regiments, löste sich auf und floh, die anderen folgtet^ 
nicht achtend des Zuspruches, der Bitten, der Drohungen ihrer Generale i 
Officiero, und eilten in Unordnung nach Gallioso, woher sie gekommen warea. 
Der Sieg von Tolcntino ist mit dem Namen des Regiments Chast clor (derzeit 
Leopold, König der Belgier) und seines damaligen Obersten Paumgartteai 
der für seine Bravour mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens belohot 
wurde , so enge verknüpft , dass das Andenken desselben für alle Zeiten fort 
leben wird. 

Dieser sehr verdienstvolle Krieger avancirtc in der Folge bis zum Feldmais 
schall - Lieutenant und bekleidete bis zu seinem am 24. September 1849 orfolgteail 
Ableben den Posten eines Festungs - Commandanten zu Prag. Er hatte aeineob 
Monarchen bei 62 Jahre mit jener Auszeichnung und pflichtti'euer Ergebenheit 
gedient, welche seinen Vorältern in allen Verhältnissen zum Ruhme gereichten. 

SlEGLER von Ebcrswald, Heinrich Freiherr, General-M.njor , einem ud 
die Mille des 16. Jahi'bunderts geadelten rheinischen Geschlcchte entsprossen, w»ft 
zu Fulda im Jahre 1776 geboren. 

Dieser tapfere Soldat hatte schon im 15. Lebensjahre bei dorn 7, lutanteri» 
Regimente Karl Schröder als Cadet die Laufbahn begonnen, die Kriege gcgi 
Frankreich mitgemacht und an der Schlacht bei H o h c nii n d e n (3. December 1800^ 
als Unter lieutenant ausgezeichneten Antheil genommen ; in dieser Affairo wurde ot 
kriegsgefangen, bald darauf aber als Oberlieutenant in die neu anlgeslellte bolu 




947 

kIid Lej^OR Erzlierzoi;: Karl oingetheilt. Nach Auflösung derselben kam er wieder 
in das Itc^nipjit zurück und avancirtu im Februar 1ä04 zum Hauptmann. 

Das Jahr 1809 liat Sicgior's Nanion für alle Zeiten in die Annalen der 
Kriegsgeschichte verzeichnet und ihm durch Boschhiss des Capitels vom Jahre 
lälOdaa Ritterkreuz eingebracht. 

In dem heiisen Gefechte bei Ebelsberg am 3. Mai stand er als Coniman- 
ilmt der Abrichtungs- Division seines licgimcnte im zweiten Trctfen. Die Feinde 
baen sich der Stadt und eines Xheiles der Vorstadt bemächtigt, und griffen nun 
du Opfere 5, Wiener Freiwilligen-Bataillon (unter dorn Oberst-Lieutenant Grafen 
Sili8)ao. Die Vorstadt wurde wieder genommen, mehrere Infanterie- Abtheilungen 
(tiffeo den Freiwilligen und der hitzigste Kampf begann im Innern der Vorstadt 
tdixiL Mit einem alten Schlossgrabcn umgeben, welcher sich in eine tiefe Schlucht 
([Bjen die Traun hinabfienkt, befand sich am Endo dieser Schlucht ein geräumiger 
Piili, der mit dünnem Gesträuch bewachsen war; ein Fusaweg zwischen Garten- 
Xiocm fiihrt zum Wossertliore. In der genauesten Kenntniss der Ortüchkeit erkannte 
Sicgler, der ein aufmerksamer Beobachter der Bewegungen dos Feindes gewesen, 
hm, wenn dieser durch Benutzung jenes Fussweges mit Infanterie deboucliirc und 
■id der Schlacht und des Schlossgrabens bemächtige, unsere in der Vorstadt kam- 
jiaiea Bataillooe abgeschnitten und gefangen, auch 7 nahe an der Schlucht pla- 
orttKaDonßn, welche dos Feindes Übergang sehr orBchwcrten, eine Beute des- 
•tlhn werden müssten. Fben theilte Siegicr diese Befürchtung den Officieren 
winer ÜivtBioD mit, als das heftige Kleingcwehrfouer, welches in jener Tiefe begann, 
WH vorgcfäsBlc Meinung bestätigte und er aus dem Feuer selbst die rückgängige 
Knri^n(fnn80-rcr Truppen erkannte. Ohne Befehl ruckte Siegicr imGeschwiad- 
Kbritl« »or, indem er die vordere Cavalleric- Linie durchbrach, langte auch eben 
nadeln Graben an, als das feindliche Bataillon sich schon desselben bemeistert zu 
kibeo (glaubte , und durch eiligen Nachschub von der Brücke selbst die Vortheilo 
UBi) ilie Palme de» Sieges zu erringen im BcgrifFo war. In diesem Augenblicke war 
Sicplor's Divi&ion in der Verlassung zum Sturme; der Corps-Commandant Feld- 
■undiall- LicDtonant Freiherr von Hiller war Augenzeuge der Energie, mit 
weither der Sturm durch diese brave Division unternommen wurde und wie 
Siegler an der Spitze derselben sich der Erste in die feindlichen Glieder stüi'zte; 
üe Otteiere und die Mannschaft folgten äcinera Beispiele und das feindliche Bataillon 
■wde gröaatentbcils mit dem Bajoneto niedergemacht. Um diesen errungenen Vor- 
Aeflbwteiu za benutzen, setzte Siegicr den Flüchtigen auf dem Fusse nach und 
fimnc mit ihnen zugleich die Schlucht, wcsshalb der langsame Rückzug durch 
des Fvnvcg zur Stadt diesem Überreste unmöglich wurde. Die Feinde hatten aber 
1^ den freien ontcren Platze bereits eine Reserve von 'IW Mann aufgestellt, 
dtvcb die Plüchtendoü des vorgedrungenen Bataillons vermehrt wurde. 
Siedler die Zeit, durch die schleunigste Wiederforniirung seiner 




948 

Division sich zum weitem Angriffe in Verfassung zu setzen^ als er mit einer Lage 
begrüsst wurde. Siegler warf sich mit dem Bajonete, ohne einen Schuss zu thun, 
auf diese Linie; vor den Augen seiner Truppen drang er zum' zweiten Male der 
Erste in den Feind und die Bravour seiner Division vereitelte trotz der hartnäckig- 
sten Gegenwehr des Feindes Vorhaben Stand halten zu wollen. Viele wurden 
niedergemacht, 30 Officiere und 120 Mann erbaten sich Pardon; der grösste Theil 
aber, der sich durch die Traun retten wollte, ertrank. Während dieses Angriffes 
hatte sich auf Siegler's Befehl eine Abtheilung der Division des Fussweges bemei- 
stert und nur durch die angestrengteste Tapferkeit hielt dieselbe die andringende 
feindliche Unterstützung zurück Dieser Fussweg, eigentlich der wichtigste Punct 
in Siegler's errungener Stellung, wurde ungeachtet des äussersten Widerstandes 
verrammelt. Dreimal stürmte der Feind mit Ungestüm dieselbe, eben so oft 
wurde er aber blutig abgevriesen, und Sieg 1er kämpfte in Wahrheit hinter einer 
Brustwehre feindlicher Leichname! Diesen so wichtigen Posten räumte 
der unerschrockene Hauptmann dem Feinde erst ein, als er von dem Corps- 
Commandanten zum Rückzuge beordert wurde. Im stäten Kampfe erreichte 
Siegler die Höhe, wo er vom commandirenden General Freiherrn von H i 1 1 e r 
das schmeichelhafteste Lob imd die Zusicherung der verdienten Belohnung in 
Gegenwart seiner auserlesenen Schaar erhielt. 

Li der Schlacht bei Wagram (6. Juli) commandirte Siegler das 3. Bataillon 
des Regiments , welches in der Division des Feldmarschall - Lieutenants Baron 
Wukassovich stand und seine Aufstellung am äussersten linken Flügel des 
3. Armeecorps erhalten hatte. Nachmittags vermehrten die Feinde in der Direction 
gegen das Grenadiercorps und den linken Flügel des 3. Armeecorps ihre ohnedies 
zahlreiche Artillerie noch bedeutend, und rückten unter dem Schutze eines heftigen 
Feuers vor. Zwei in Masse mit schmaler Front gebildete feindliche Colonnen 
zogen gegen Siegler's Bataillon in der Art heran, dass die eine mehr links gegen 
das Intervall des Grenadiercorps, die zweite aber die gerade Richtung auf die 
Bataillonsmasse nahm. Siegler erkannte aber die Absicht des Feindes gar bald, der 
sein Bataillon von beiden Seiten zugleich angreifen, in beiden Flanken nehmen und 
vernichten wollte, wornach der wesentlichste Widerstand zur Erreichung des wich- 
tigen Punctes Süssenbrunn und zur Trennung beider Corps durch diese zwei feind- 
lichen Colonnen beseitigt worden wäre. Er fasste also aus freiem Antriebe, durch 
eigene Einsicht geleitet, den Entschlnss, einer dieser Colonnen entgegenzurücken 
und das gleiche Verhältniss im Kampfe herzustellen, erkannte aber, dass ohne 
Artillerie selbst der heldenmüthigste Angriff nicht den erwünschten Erfolg haben 
könnte und Hess durch einen Officier seines Bataillons eine rückwärts bei Süssen- 
brunn aufgestellte Batterie zur schleunigsten Nachrückung auffordern. Im Eil- 
schritte und mit gefälltem Bajonete ruckte Siegler mm mit dem Bataillon vor; 
der Versuch einer Cavallerie - Abtheilung, in dasselbe einzudringen, wurde mit 



\erlnsl. olme dessen fernere Vorrückung; weiter zu hemmen, abgewiesen, und so 
Bkline Sieglei- das BataiUoii in der iiiutlugsten Haltung der das latervalt bedrolicii- 
in Colonne entgegen. 

Diese entschlossene Bewegung erzweckte, dass die feindlichen Colonnen in 
deoi Augenblicke anhielten, als die von Siegle r verlangte Batterie anlangte. Er 
^•äite sie ohne Zeitverlust in schi-ägcr Linie, und ein mürdensehea Kartätschen- 
buer, Vis allen Geschützen begonnen, flankirte die Feinde, welche schon nach 
irr «weiten Lage in Verwirrung den Rückzug antiatcn. Nun verwendete der 
tapfere Officicr sein Batiüilon zur Deckung und daraus entspringenden ferneren 
mtusge setzten Wirksandceit dieser so brav bedienten Batterie, welche auch olrne 
miadesien Verlust zurückgebracht wurde. 

Nach dem anbefohlenen Kückzuge des 3. Ärmeecorpa wurde Siegler die 
V'MheidigaDg des Dorfes SUsscnbrunn übertragen. Er stellte d.is Bataillon gedeckt 
iodea den Ort umgebenden Graben, und obwohl das überaus lebhafte Artillcricfeuer 
raf äüsseabrann jedem ungedeckt die sichere Vernichtung drohte, im Gegenthcile 
iticr die genaueste Beobachtung des sich auf sehr kurze Distanz annähernden 
Fcmdes top unauswetcldicher Nothwendigkeit war, machte es sich Siegler zur 
Pflichl, tuf dem freien Graben hinter seinem Bataillon in einem Kugelregen auf- 
ud tbsurcilon, indem ihm hiedurch keine Bewegung des Feindes entgehen konnte. 
I*ea Rückzug aus SUssenbninn, der im Angesichte des Feindes angetreten worden 
Duile, veranlasste Sicgler in 3 Colonnen, aus welchen er rückwärts des Dorfes, 
oijedenAngritfzu begegnen, Diviaions-Masscn fornilren Hess. DiedasBataillonstets 
nueichDCodo musterhafte Ordnung und Sicgler's tapferes Benehmen, welches 
natäatr Aufstellung vor Süssonbrunn bis zum Aulhiarsche in die Linie bei Gera»- 
dorf Tbn (letn Erzherzog Generalissimus bemerkt wurde, errang ihm und seiner 
Trappe die hohe Auszeichnung, öifcntlich, als der Erzherzog die Front des Batail- 
Imi pusiric, belobt zu werden. Zum Lohne für die in dieser Schlacht geleisteten 
Uenil« Kbriiten Feldzeugmeister Graf Kolowrat und später Fcldmarschall- 
iMticnant Graf Klenau wiederholt um Sieglor'a Beförderung zum Major hoch- 
*«B OrMa ein, die jedoch in Folge der eingetretenen friedlichen Verhältnisse erst 
ui Aqpisl 1813 bei dem 10. Infanterie-Itegimenle erfolgen konute- 

Dcr General-Major vonSiegler, im September 1816 in den statutenmässigcn 
erhoben, hatte später dem 27. Infanterle-Regimente durch 11 Jahre 
JlJSSlbis Mäjz 1831 — als Oberst und Keglmcnts-Commandant vor- 
■war im October dieses letzteren Jahres nach einer mehr als 41jlüiri- 
gm sehr enpriesslichcn Dienstleistung in den Ruhestand getreten. 

PlKQDET von Cesenatico, Peter Freiherr, Feldzeugmeister, geheimer 
Satli, Capitäo - Lieutenant der Arcleren- Leibgarde, Inhaber des Kaiser ■ JUger- 
fiegtaieate, war zu Lüttich im Jahre 1783 von adeligen Altern geboren. 




950 

Vom Beginne seiner militäriscLen Lnufbalin (16. Derember J799) flis CaJel, 
bei dem 58. Infanterie-Regimente B e » u 11 g u bis zur Beoodigung der Kriege gegen 
Frankrcicli wird dieser auHgezeiclmeto Officier in jeder Relalion rücksichtlicb seiner 
Talente, seiner Vorsicht, seines Augenmerkes auf Benützung jedes sich ihm dar- 
bietenden VortheUes und seiner schnellen Ausführung in allen Unternehmungen 
angerühmt: Beweis dessen, daas er am Schlüsse der Feldzüge im Jahre 1815 bereit» 
übers t-Lieutenant und mit dem Ritterkreuze desMariaTheresIen- und des 
Leopold-Ordens geschmückt worden war. 

Schon ftlsCadet zeichnete sich Pirquet in den Schlachten bei Engen, Mös- 
kirch und Biberach durch Entschlossenheit aus und eommandirte als Fühnricb 
in jenei' bei Hoheulinden eine Compagnie mit bestem Erfolge. Im Feldzuge 
1805 zum Unterlieutenant befördert, nahm er als Commandant eines Streifcorpsi 
bei einem Überfalle 40 feindliche Schiffe, deckte dann bei Castelfranco den 
Rückzug des Prinz Rohan'schen Corps, und obgleich verwundet hielt er docli 
mit 90 Mann mehrere Stunden lang den 3000 Mann starken Gegner auf. 

Im Februar 1809 zum Oberlieutenant ernannt, eiTang seine Entaeblossenheit 
die Wiedereroberung 3 bereits verlorener Kanonen und eines Munitionskarrenft 
ans des Feindes IlUnden, und gab ihm bei Eb olsb er g Gelegenheit sich sehr ver- 
dient zu machen. Pirquet eommaudirte an diesem Tage (3. Mai) eine ganztt 
Division des Regiments. Nachdem er, wie ihm anbefohlen worden war, cinca 
Graben genommen und die Höhe besetzt hatte, erstürmte er aus freier Beurthd« 
lung mehrere Häuser nach einander, in denen die aus dem Graben verjagte»* 
Feinde sichpostirt hatten, von wo aus unsere Stellung gefährdet und die Brücke 
als einziger RUckzugspunct für die Besatzung des Schlosses beherrscht wurde. 
Dann warf er sich mit gefälltem Bajonete auf eine gegen die Brücke vorrückend«! 
feindliche Colonne, die das Scbloss und unsere Position zu umgehen beab* 
wichtigte, durchbrach diese Colonne und brachte sie in volle AuÜÜsimg. In dem 
Augenblicke, wo Pirquet deniFcmde cmen Adler entriss, streckte ihn ein Sehusa 
durch den Leib zu Boden ; er ratfte sieb alsbald wieder auf und führte seine 
tapfere Mannschaft vor, bis eine zweite Kugel im Halse ihn kampfunfähig 
machte, so zwar, dass er auf dem Sclilaehtfelde liegen bücb und in Gcfange nach all 
gerieth. Seine geschickten Dispositionen an diesem Tage hielten den feindlichen 
linken Flügel zwei Stunden im Vorrücken auf, machten den Weg nach Enns frei 
und sicherten und deckten den Abzug der 2000 Mann zäliicnden Besatzung des 
Schlosses. Pirquet blieb 15 Monate in Gefangenschaft und hatte nach der Baa- 
zionirung mit langwierigen Leiden zu kämpfen, so zwar, dass er zu Endo Hü 
1811 in den Ruhestand treten mu-sste, wobei ihm als Anerkennung »einer beson- 
deren Leistungen vor dem Feinde der Capilän-Lieutcnanta-Charakter verliehen 
wurde. Diese Umstände verhinderten ihn zwar seine schöne Wafienthat bei E b e I 
borg in den Capiteln der Jahre lälU und 1811 zur Galtung zu bringen, tlodi 




wordc dieselbe auf AUcrhöclisten Befehl in dem nächsten Capitel vom 17. Juli 
1813 lor I'rUfung mit aufgcnoiuiuen und Ihm das ßittcrkreuz init dem Range 
v«m 3- Hai 1809 zuerkannt 

Schon im Juni 1813 konnte Pirquet zu aciner Freude wieder dem aetiven 
Dii^oalc Torstehrn und erhielt die Einthcilung In das Ü. Jäger-Bataillon. AU das 
(ntatMisdic Heer von Italien iui September dieses Jahres dJo Aulstellung an der 
Utau genommen hatte und diesen Fluss vc rth ei d igte, stand Pirquet mit seiner 
l'oinpi;t^ic in Sachscnburg und zwang am 11. St^pteniber ein feindliches Bataillon 
Etil Verlast zum Ruckzuge. Den 18. war er mit 3 Oompagnien delachirt, und ohne 
IWcJil erlialtcn zuhaben erkletterte Pirquet mit seinen Sotdaten unwcgbare 
IWnc, griff 3 fcindliciic Bataillone mit dem Bajonelo an und warf sie. Um seine 
Traj)]« aozucifcrn sprengt er mitten unter die Feinde zu Pferde, nimmt mit eigener 
llud deren Fahnen und gibt sie seinen Jügem. Obschon durch drei Bajonetstiche 
■firwundet, sprengt er aufs Neue an der Spitze von 6 Fluearcn von Frimont in 
<tn Feindes Colouncn und cntwaifnct sie. ZwciFahncn, 18 Trommeln, TOüQewchre, 
SOOGduigoae, worunter 3 Bataillons-Cbefs, und 200 Todtc Bind die Trophäen ; 
dir Feind eilt rastlos zurück und im Rücken seiner Armee verbreitet sich panischei' 
äcbreckea. Pirquet's Pferd hatte zwölf Bajonctstiche erhalten. Nach kurzer Rast 
wrfolgie dei- brave Hauptmann seinen Vortlieil weiter. Er aehlicb über vom Feinde 
■uülferstoiglich geglaubte Felsen bis Pontafel, überfiel diesen Ort am 29. Sep- 
taber, vemichtcle die Magazine und zerstörte alle Brücken auf 15 Stunden im 
CnJirttse. Den 7. October fdliite er die Avantgarde der Division und halte den 
ßtfehl, einen Engposs von Windisch -Feistritz in der Front zu nehmen. Nacb- 
äüu BT Bcbon ein Drittheil seiner Compagnie und 2 Officiere verloren hatte, 
ailetlerte er doch einen fast unübersteiglichcn Felsen und kam bis auf dessen 
Uipfel. Von da liees er eine filcnge Steine auf den Feind herabrollen und zwang 
ihn »eine Stellung bei Saifnita zu verlassen. Mittlerweile hatte sich eine feindliche 
Trappe dorcb eine unbemerkte Schlucht auf den Kucken des Berges in Pirquet's 
eiaagicn iUickzugswcg geschlichen, und da er nur 40 Jäger um sich hatte, welche 
I« ia Wkbrgenommenon Stärke des Feindes sieb ergeben wollton, stellte er ihnen 
^knrz vorher bewiesene Entscblosaenheit vor, erwartete ruhig den Feind bis 
«rf 15 Schritte, sprang dann mit dem Rufe: »Folgt eurem Hauptmann" auf den 
^«unaiulaaten hin und streckte ihn zu Boden. Der Feind, durch diesen unver- 
'«•tai Angriff aus der Fassung gebracht, suchte sich zu retten, wurde aber tbcils 
Biderfiemacht, theits gefangen. 

Den 2-4, October 1813 sollte Pirquet mit 80 Jägern, 70 Mann von Bianchi 
■•»d-lU Husaren den Feind über Cavallo und den Monicllo -Wald reeognoaciren. 
^»üllte die Piave-Brüfke bei Na^^■e8e, die einzige Uückzugslinic dos Feindes, 
BImÜiIIco und abbrennen. Vor Saut» Mama stiess er auf die ganze feindliche 
biriiioo Uranier (bei 80Ü4J Mann), welche ihn angriff und 4 Stunden lang ver- 



i 



folgte. Aber Pirquet's Eotachlossenheit und Kaltblütigkeit wies alle Cavallerie« 
Angriffe zurück, bis er endlicb spät in der Nacht bei Pederoba mit Verlust v 
6Todtea auf Unterstützung Btiees. Hieram 26. wieder angegriffen, erhielt Pirquet 
einen Scbuss durch die reclitc Plond, was ihn aber nicht abhalten konnte dent 
Gegner den beherztesten Widerstand zu leisten. 

Der Ilaupttheil unserer Armee war in den ersten Tagen des Novembers io 
Vicenza eingetroffen, und die Brigade Eckhardt besetate allein die PositioB 
von C al d i er o. Der Vicekönig stand mit seinem ganzen Heere vor Verona. Pirquet 
erhielt den Befehl, Caldiero bei dem erfolgten Vorrücken des Feindes auf das 
Ausaerste zu vertheidigen, und bekam zu diesem Zwecke nebst seiner Jäger-Com- 
pagnie noch eine Division von Bianchi. Der Feind nahte mit starken Colonnen 
im Rücken unserer Stellung, und die schwache Brigade Eckhardt, die Gefahr 
lief abgeschnitten zu worden, zog sich zurück, worauf die Franzosen mit Cavalleri^ 
Caldiero umringten. Da Pirqu et sah, dass er in diesem offenen Orte der Armee 
unmöglich nützen köune, trat er mit den 3 Compagnien, eine irreguläre Massa 
formirend, den BUckzug an, ward aber gleich zu Anfang durch einen Schuss in dia 
linke Schulter getroffen, und noch an der rechton Hand leidend, wurde er nunmehr 
an beiden Händen lahm. Ungeachtet dessen Hess er auf die feindliche Reiterei, die' 
ihm den Antrag machte sich zu ergeben, feuern, ging mit seiner Masse auf sie loa, 
öfihete sich den Weg durch den Feind und erreiclite die Brigade in Villanuova, wo 
man ihn schon gefangen geglaubte hatte. Hier half er, nachdem er sich hatte verbiii« 
den lassen, mit seiner Compagnie mehrere Stürme des Feindes auf die Brücke def 
Alpons abschlagen. Im December zum Major befördert, war Pirquet schonin dei 
Schlacht am MJncio wieder auf dem Kampfplatze in Thätigkeit. Er sammelte difr 
zurückziehenden und zerstreuten Bataillone, formirte sie und führte eines nach 
dem anderen wieder mit dem besten Erfolge vor, ao wie auch seinen Dispositionen 
die Erhaltung der Brücke bei Valeggio zuzuschreiben war. Abermals verwunde^ 
kam er im Mai in das bestandene Tiroler Jägcrcorps Fcn npr und vermehrte den 
Kuhm seiner kriegerischen Thaten in dem Feldzuge 1815 gegenMurat. 

Es wurde ihm eine Colonne aus allen Waffen gattim gen und abgesondert voir 
der Armee anvertraut. Mit dieser überfiel er den Feind bei Bavenna am 19., und 
in Cesenatico am 23. April. Dass man auch am hellen Tage gegen einen sor^ 
losen Feind alle Vortheile, die ein nächtlicher Überfall gewährt, erringen könne, 
bewies das letztere Ereignias. Am Morgen des 23. hatte Pirquet die Neapolitaner 
aus Cervia vertrieben und rückte Nachmittags gegen Cesenatico, General Neiipo-' 
litani stand mit seiner Truppe hinter einem Flüsschen, das die Stadt in zwei' 
Theile theilt. Die steinerne Brücke war mit Infanterie besetzt, Infanteriemasseo 
standen in den Strassen, auf dem Platze war Cavallerie und Infanterie aufmarschirt. 
Neapolitani war weit entfernt an die Möglichkeit eines Angriffes zu glauben, 
da er die geringe Stärke des Gegners kannte und ihn ferne wähnte. Seine Truppen 





953 



wen in gjösster Sorglosigkeit, Pirquet, hievon und von dem Umstände benadi- 
ncÜitigt, dafis man sicL der Bi-iicke gedeckt nähern könne, beschloss den Feind zu 
tb«rf«lJ«n, ungeachtet er nur 226 Jäger und 38 Dragoner von dem Regimente 
Toscana anter dem Rittmeister JI arm ker zählte. Er etürzte sieh auf die Brücke, 

r die Jäger folgten in Masse. Das plötzliche Erscheinen österreichischer Reiter hatte 
<)ic neapolitamscbe Infanterie so betiiubt, dass sie nicht einmal die Gewehre 
■iifeuerte. Die Dragoner überritten die Massen, warfen sieb auf die berittenen 
Uueoträger, trieben diese durch die eigene Intanteiie und versprengten sie der- 
gotilt, dass bald kein Feind mehr zu Pferde zu sehen war. Die Infanterie hatte 
bsreits die Gewehre weggeworfen ; einzelne Dragoner trieben ganze Scbaaren vor 
sid bor. Der General selbst hatle sich bereits ergeben, als sich die feindliche 
Inlintwie wieder ermannte und auf unsere Truppe aus den Häusein und Gräben an 
fmem begann. Major Pirquet verliess die Stadt mit 200 Gefangenen; SOOTodte 
nad Blessirtc fielen unter den Streichen der Dragoner und unter dem wohlgezielten 
Feuer onserer JSger, während er nur 50 Todle und Verwundete zählte. Im Juni 
Khlng Pirijuet bei Aiguebelle eine feindliche Colonne zurück, welche unsere 
VtriiindungeD umgehen wollte, und commandirte bei dem Angriffe auf die Vor* 
ittdlLa Guillotifire von Lyon den rechten Flügel mit bestem Erfolge. 

Pirqaet wurde im October Oberst- Lieutenant und im folgenden Jahre 
ComnumdAnt dos 9. Jäger-Bataillons, mit welchem er im Neapolitanlsclien für 
&t Sicherheit des Landes in den Zwanziger Jaliien wesentliche Dienste leistete. 
Im Hü 1818 in den Freiherrnstand, im Jahre 1821 zum Obersten erhoben, trat 
Pirciuet im April 1840 in die Pension, wurde jedoch nach Jahresfrist zur Arcieren- 
Uibgarde als Untcrlleutcnant eingetheitt, wo er nach und nach zu den eingangs 
RwldiaieD hohen Wurden gelangle und im April 1857 diucb die Ernennung zum 
ftÜsrngmeiBter in seiner Anstellung einen neuen Beweis kaiserlicher Huld erhielt. 

KLOPSEEIN von Ennsbruck, Anton Freiherr, Genera! -Major, Inliaber 
dtt47. Infantcrie-Regimonta, Officierssohn und Zögling der Neustädtcr Akademie, 
"tt n Klaosenburg I7&4 geboren. Als Cadet in das Infautcrie-Kcgiment Baden- 
I^wUch eingetreten, avaneirte er im Türkenkrioge zum Oberlieutenant, in den 
ciUo Kriegen gegen Frankreich zuui Hauptmann und im Jahre 1805 zum Major 
Ixi Spork-Infanterie. 

Im Jahre J 809 war Klopstein Oberst bei Deutschmeister; seine schöne 
1^ bei Eholsbcrg wurde durch Armeebefehl des Generalissimus ErzJierzogs 
Kill roiu 19. Mai mit dem Ritterkreuze belohnt, dem im April ISIl der 
'ndtermstand folgte. Nachdem das 5. Armeccorps unter Commando des Erzher- 
""p Ludwig mit dem 6. Armeecorps unter Feldmarschall-Lieutenant Baron 
"liier »ereinigt, bei welch' letzterem Klopstein mit dem Regimente stand, nach 
™ Gefflolite bei Ebelsberg über die Knna gezogen war, and der weitere 




954 

Rückzug dieses Corps nocli in der Nacht vom 4, auf den 5. Mai festgesetzt -mirdej 
[mite der Erzherzog das höchste Vertrauen in Klop stein gesetzt, und ihn, da um 
1 1 Uhr Nachts der Abmarsch erfolgte, mit einem Bataillon Deutschmeister beauftragt, 
die Zerstörung der Brücke über die Enns zu bewerkstelligen und den Übergang 
des Feindes wenigstens durch 24 Stunden und so lange zu vorhindern, bis beide 
Coi-ps die Defil^'s über Sternberg bis Amstetlen (zwei Tagmärsche) mit der zahl- 
reichen Artillerie, Munition und sonstigem Armee-Fuhrwesen zurüekgelegt babea 
würden. Am 5. Mai Früh 6 Uhr erschienen 2 CavallerieJlcgimonter, 4 Bataillone 
Infautcrtc und 1 1 Kanonen auf dem jenseitigen Ufer und bemühten sicli unter sehr' 
heftiger Kanonade und Tiroilleurfeuer sowohl die Brücke herzustellen, als auch 
abwärts des Flusses, eine Viertelstunde unter Enns, einen Übergang auf Schiften 
zu forciren. Doch Oberst Klnpstein war durch die Tapferkeit und Ausdauer 
seiner Truppe in den Stand gesetzt, beide Unternehmungen nicht nur zu vereiteln, 
sondern dem Feinde auch durch 24 Stunden den Übergang zu verhindern und die- 
Ken Posten bis in die folgende Nacht vom &. auf den 6. Mai zu behaupten, dadurch 
endlieh den durch fast täglich vorhergegangeue hartnäckige Gefechte ermüdeten 
Aimeecorps einen ungestörten Rückzug bis Amstetten zu verschaffen und die 
Rettung der gesammten Artillerio, Munition und desi^rwesens beider Armeecorpa 
zu ermöglichen. 

Ehe der Kampf des Jahres 1813 losbrach, rUekte Klopstein zum Gcueral-' 
Major und Brigadier bei der grossen Armee vor, focht bei Dresden und Leipzig, 
knni dann unter Bubna zur Amce in das südliche Franki'cich, zeichnete sich bei 
Genf und St. Julien, und namentlich im Mürz durch ein geschickt ausgefiihp- 
tes Manoeuvre nach Aix und Chambcry iius; commandirte 1815 eine Brigade unter 
Frimont in Ober-Italien, erhielt für die neuerlichen Verdienste das Comman- 
dourkreuz des Leopold-Ordens, zog mit der Armee im Jahre .1821 io 
Neapel ein, wurde im Februar 1823 Regiments-Inhaber und starb, zu ü-üh lilr 
den Staat, als Brigadier in Palermo am 6. August 1824, naclidom er sich in der 
bewegtesten Zeit und in allen Kriegen, welche das Haus Österreich von 1788 an 
führen mussle, als umsichtiger, tapferer und dem Monarehen ergebener Soldat 
erwiesen hatte. 

GEKAMB, Leopold Freiherr von, General der Cavallerie, geheimer Ratb, 
Inhaber des 4. Ilusaren-Iteginients, Sohn eines Oberbeamten bei der Bergwerka- 
Direelion in Ungarn, war zu Sehemnitz 1775 geboren. Im 2. Husarcn-Regimeal^ 
welches er nur vorübergehend verliess, stieg er nach kaum siebenzehn DienstjaL- 
ren vom Cadetcn bis zum Obersten, ein glücklicher Umstand, dem seine beson- 
deren Eigenschaften vor dem Feinde und im Frieden zu Statten kamen. 

Geranib wurde bei dem Ausbruche der französischen ICriege Soldat; sie 
alle hatte er mit gi'osser Auszeichnung durchgekämpft, sich als einsiehtavoller und 




atsdilossener Offieicr bewährt, und in den Jahren 1805, 1809, J8I3 und J814 ein 
ehrenvolles Andenken in den Annalcn der österreichischen Kiiegsgesehiehte sich 
gvgriindet. Bei dem Rückzüge der kaiserlichen Armee nach der Schlacht von Cal- 
diero im Jahre 1805 bestand Gerarab, damals Rittmeister, ein sehr rühmliches 
Vorpostcnge focht. Arn 21. Oetober liesa General Kneaevich, um sich von der 
Sltrlic der Aufstellung des bis Sosaana vorgedrungenen Feindes zn überzeugen, 
wf der Hauptstrasse Geramb's Schwadron vorrücken , um einige Gefangene zu 
lueheD, von welchen hierüber die näheren Aufschlüsse erhalten werden konnten. 
Ueramb vollzog dieaon Auftrag sehr glücklich, da er die Hälfte seiner Schwadron 
l*i Stori« im Hinterhalte verbarg, während er mit dem Reste gegen den vor 
SfflsMa aufgestellten Foind vordrang. Plötzlich, um diesen zur Verfolgung zu 
TOMTi, wendet Geramb um und eilt in scheinbarer Flucht bis über Storie zurück. 
Die Chaiwenra dringen unvorsichtig nach ; der Hinterhalt bricht in ihrem Rücken 
mr; üe werden umringt, 30 niedergehauen, 15 Reiter gefangen. Für diesen gut 
ungefUhrten Handstreich wurde Geramb Major. 

Vor Eröffnung der Feindseligkeiten im Jahre 1809 avancirtc Geramb zum 
Ob«rKt' Lieutenant. Stets bei der Avant- oder Arri^regardever^vendct, hatte er jeden 
KjAub benutzt dem Vortrauen auf das Ausgezeichnetste zu entsprechen. Das Treffen 
WPordenono (15. April) entschied zumeist Geramb's Tapferkeit, da er die 
in IVirdenooe poatirte Avantgarde des Feindes, welche aus einem Infanterie- und 
wei C*Ta]lerie-Reginientom bestand, mit seinen Husaren attaquirte, den grössten 
- TW zusammcnhieb und den Rest gefangen nahm; mit gleicher Bravonr unter- 
nihn Geramb am folgenden Tage in der Schlacht bei Fontana Fred da mehrere 
Anpiffc und wirkte dadurch auf deren glänzenden Erfolg. Von entscheidender 
W^irkung war sein Benehmen an der Piave am 8. Mai, wo er Abends in dem ent- 
virndcndsten Momente durch die Stundhaftigkeit seines Regiments und durch sein 
boihaftn Beispiel der Armee zur Behauptung ihrer Stellung den wesentlichsten 
^»laen leistete, da er mehrere Attaquen der überlegenen feindlichen Cavallerie 
Mgmcli zarilckschlug, welche dio Oavatlerie-Divisionen Grouehy und Pully 
a itr Stellung zwischen Campana und Mandre auf Geramb's Husaren unter- 
offlimKn hsiton. v\ueh auf dem weiteren Rückzuge der Armee leistete Geramb, 
hnJoiii zum Obersten bcßirdort. die besten Dienste, namentlich vor San Daniele 
1 11. M«i), «od wurde für diese Beweise von Umsicht und Tapferkeit mit Armee- 
'■«fcU Bciner Majestät de« KaJuers vom 24. October durch dna Ritterkreuz 
Woint 

Während des Feldzuges 1SJ.1 wurde Geramb mit dem Regimentc in der 
'i»lcnfichi»cli- bayerischen Armee verwendet; er unternahm am 29. Octobcr bei der 
Vonüclttuig gegen Rothenhorgen auf die aus den Wäldern hervorbrechenden 
t'mniJJsischcn Colonnen mehrere glänzende Attaquen; Tages darauf in der Schlacht 
ha [lanaa Itmohte die feindliche Reiteroi durch ihre Übermacht die alliirte 




956 

Cavallerie auf dem linken Flügel zum Weichen. In diesem bedenklichen Momente 
eilte Geramb mit einer AbtlieÜung seines Eegiments herbei, warf sich auf den 
vordringenden Feind und hieb mit solchem Nachdrucke ein, daas die folgeodea 
Cavallerie-Abth eilungen Zeit gewannen auf dem gefährdeten Puncte einzutreffefl 
und das weitere Vordringen des Feindes zu hindern; dann dockte Geramb 
die rückgängigen Bewegungen dea linken Flügels nach Hanau und hielt die ver- 
folgende Garde -Cavallerie möglichst auf. Bei der weiteren Vorrüekung in das 
Innere Frankreichs besetzte Geramb, vrelcher sich bei dem 5. Armeecorps befand, 
am 15. Februar 1814 — dem Tage, an welchem ihn die Beförderung zum General- 
Major getroffen — Nangis, und zeichnete sich in der Schlacht bei Ärcis sup 
Aube (21. Mai), bei dem Angriife auf die französische Cavallerie-Division Col* 
bert, an der Spitze von 4 Schwadronen seines kurz vorher mit so grossem Ruhm«. 
geführten IIusaren-Kegiraents, im Vereine mit den Kosacken unter Kaissarof^ 
der Art aus, dass ihn der Kaiser von EusslaudundderKönigvon Bayern mit Ordeo 
schmückten. Dann folgte er dem Zuge der siegreichen Armee nach Paris, immer 
die angcborne Umsicht, Entschlossenheit und Kühnheit mit seiner Brigade Erz- 
herzog Joseph- und Szekler-Husai'cn bewährend. 

Auch im Jahre 1821 finden wir Geramb bei der Interventiona-Armee iBi 
Neapel, wo er längere Zeit blieb, dann nach Wien, im Jahre 1829 aU Feldmar- 
schall-Lieutenant und Divisionär nach Ungarn, nicht lange dai'auf als ad latus dw 
Commandirenden nach Agram, endlich im Jahre 1838 als Commandant de» 
2. mobilen Corps nach Italien versetzt wurde. Nach zurückgelegten 47 Dienst- 
Jahren trat der würdige Krieger mit dem Charakter eines Generals der Cavatlerio 
in den Ruhestand. Ei' starb zu Meran in Tirol den 3. December 1845. 

CHIMÄNI von Mannsberg, Anton Freiherr, General-Major, Zögling der 
Neustädter Akademie, war zu Pardubitz im Jahre 1769 geboren. Als Fahnen-Cadti 
im März 1787 in dasRegimentFiirstE8zterhizyeingerejht,wohnte er denKrlegea 
gegen die Pforte und jenen gegen Frankreich bei, und war schon im 28. Lebensjahre 
Hauptmann. 

Tapfer, klug und unternehmend, benutzte C h i m a n i jede Gelegenheit sicli her- 
vorzuthun ; es war dies namentlich im Feldzuge 1809 der Fall, wo er als Majoi 
des Infanterie- Regiments Simbschen im 9. Armeeeorps eingetheilt war. In der 
Schlaclit an der Piave (8. Mai 1809) warf er mit seinem Grenadicr-BalaiUon die 
Franzosen aus dem Dorfe le Crave und vertheidigte dieses vom Anbeginne der 
Schlacht bis gegen Abend hartnäckig, und als es wegen des liückzuges der 
Ai'inee verlassen werden musste und das Bataillon von mehi'eren feindlichen Caval* 
leriemassen, die den linken Flügel toumii'cn wollten, verfolgt wurde, griff Chi- 
niani aus eigenem Antriebe zweimal die Cavallerie mit dem Bajonotc an, und 
warf sie jedesmal mit grossem Verluste zurück. Chimani erhielt bei dieser 




957 



Gelegenheit zwei Ble88uren,ward aber für die bewiesene persönliche Tapferkeit und 
tlotschloEsenheit mit Armeebefehl des Generalissimus vom 12. Juli 1809 ausser 
0»pitel mit dem Ritterkreuze belohnt. 

Als im Feldzuge 1813, Chimani war bereila zum Obcrst-Lleutcnffnt vor- 
gfTÜckt, die befestigte Position bei Feistritz am 6. September von dem Vicekönig 
pfnommen wurde und der Feind mit Schnelligkeit gegen die Hoilenburger Brücke 
Torriickie, ging ihm Chimani mit dem Bataillone entgegen, griff ihn auf mehreren 
Wuctcn mit Heftigkeit an , warf nhn aus dem besetzten Dorfe St. Anton mit dem 
Btjaaete hinaus und vereitelte des Feindes Absicht, sich jener Brücke zu bemäch- 
lifen. Am 15. November wurden die auf den Anhöbeu von Caldiero aufgestellten 
kmriicben Truppen bis In die Gegend des Alpon zurückgedrUckt, wo der Feind 
^les anwendete, nm die bei Villanuova über den Älpon führende Brücke, den 
SchiiiasoJ unserer Position, mit Sturm zu nehmen. Chimani eilte mit seinen 
Gfeaadieron gegen die Brücke, hielt den Sturm des Feindes auf und vereitelte alle 
Ae^'fleauf dieselbe, wurde aberdurcheinenSchuss verwundet. In der Schlacht am 
llincie (8. Fehruai' 1814) wurde bekanntlich unsere Reser\'e mit grosser Über- 
kfenheit unvermulhct in der linken Flanke angefallen. Man entdeckte mehrere 
Citalltiricmasscn, welche unseren linken Flügel bereits tournht hatten, und unsere 
Communioation abachneiden wollten. So unerwartet das Zusammentreffen mit dem 
Fände war, so schneit musstc als einzige Rettung ein rascher Entschluss gefasst 
«ndca. Chimani Hess den Sturmstreich schlagen und stürzte mit seinen zwei 
Graudier-DiviaionsmasseQ mit dem Bajoneto auf dos Feindes Reiterei, welche auch 
revorfen wurde. Sie untemalun allerdings noch mehrere Atta<jucn auf Chimani's 
Grenadiere, ward aber jedesmal mit Kaltblütigkeit empfangen und mit Verlust 
(tworfcn. Von Früh 10 Uhr bis in die sinkende Nacht war Chimani an diesem 
Tigfl mit dem Feinde engagirt und erntete für die bewiesene Bravour die Aner- 
Vcnning, da&s ihn der Kaiser zum Obersten bei St. Julien-Infanterie zu ernennen 
forabto. 

Im Foldxuge gegen KI u r a t stand Chimani mit dem Regimcnto in der Brigade 
Bangwitz und kam zur Blockade von Ancona, Hier war er am 27. Mai einem 
*<r bedeutendsten Ausfalle gegen den von ihm befehligten linken Flügel der 
'Silerretchischen Truppen kräftig entgegen getreten, hatte durch das Feuer seiner 
(}c*ehQtxo die feiodlichen Kanonenschaluppen gezwungen sich von der Küste zu 
Wfmien und die ausgefallenen Neapolitaner bis an die Werke der Festung zurUck- 
gctririies. 

Das Regiment blieb nach dem hergestellten Frieden bis zum Jahre 1817 bei 
'■w Occnpations- Armee in Neapel. Chimani, welcher durch die Verleihung des 
"fwkreazes des königlich siciliam'schen St, Ferdinand- und Verdienst-, und fles 
P^ptÜicbcn Christus -Orden 8 ausgezeichnet worden war, avancirte im März 1828 zum 
'»•Mnl-Major. Erstarb als Featungs-Commandant zuAradamSl. Deeember 1835. 



BARTUOLEMY, Peter Freiherr von, gestorben zu Wien am 7. Februar 1832 
als Oberst im l'cnsionaatande im 61. Lcbenajahre, war zu Malmedy ini preuaaiscLcn 
Regierungsbczirko Aachen geboren. Auf dem CoUegium dieser Stadt liörto er die 
Vorlesnngen bis zur Rhetorik, dann auf der ünivorsitiit zuPesth die philusophischen 
Studien, entsagte diesen und folgte zur Zeit des Türkenki-iegea dem Rufe des 
Feld mar schall- Lieutenants Alvintzy, der ihn als Fähnrich in sein Regiment nahm. 
Im Kriege gegen Frankreich kämpfte er in Italien und commandirte im Jahre 
1809 als Hauptmann das bei dem9. Armeecorps eingctboilte dritte Bataillon. Mutb, 
Einsicht, Entschlossenheit waren ßartholemy's glänzende Eigenschaften, durch 
diese wirkte er mit seiner Truppe Vorzügliches und erntete Beifall und die schmei- 
chelhafteste Zufriedenheit des commandircnden Generals Grafen Gyulay, 

Nach der Schlacht an der Piave am 8, Mai hatte der Oberbefehlshaber der 
kaiserlichen Armee in Italien, Erzherzog Johann, den weitern Rückzug ange-'^ 
ordnet; es war, um die Colonnen formiren zu können, die Behauptung der Stel- 
lung bei Campagna von grosser Wichtigkeit. Der Feind erkannte den Werth der- 
selben und versuchte hier mit zwei Reiter- Regimentern durchzubrechen. Bartho- 
lomy stellte sich ihm jedoch mit dem Bataillon mit gefälltem Bajonete entgegen 
und warf ihn, unterstützt von unserer Cavallerie, glücklich zurück. Durch diesen 
entschlossenen AngrifT verhinderte Bartholemy, dasa der Feind das Debouchd 
gewinnen konnte und verschaffte der Armee den VortheU eines ungehinderten Rück- 
zuges. Bei dem Übergänge über den Tagliamento bei Spilimbergo bahnte Bar- 
t ho lern y der Armee den Weg, indem er mit einer Compagnie herbeieilte und den 
hochtreibenden Fluss unerschrocken durchwatete. — In der Affaire bei Päpa 
(1 1. Mai) vertheidiglo er mit seinem Bataillon die Stadt so lange gegen ctncn bedeu- 
tend überlegenen Feind , bis sich die Armee und die Arricregarde zurückgezogen . 
hatten, worauf er dann den Rückzug in bester Ordnung antrat und ohne bedeutenden 
Verlust unsere Nachhut erreichte. Eben so hatte sich Bartholemy bei Raab am 
14. Jnni nicht nur ausgezeichnet, sondern auch einen feindlichen Cavallerie- Angriff 
auf seine Bataillonsmasseii mit grosser Bravour abgeschlagen, und den Rückzug 
des ganzen Armeecorps gedeckt und gesichert. Der tapfere Officier erhielt in Aner- 
kennungaeines tapferen undontschlosseneu Verhaltens in der Schlacht an der Pia vc 
durch das Capitel vom Jalire 1810 das Ritterkreuz, ward 1811 in den Frßiherm- 
stand erhoben und 1813 zum Major befördert. In der Division des Fcldmarachall- 
Licutenants B i a n c h 1 eingetheilt, kämpfte B ar t h o 1 c m y bei Leipzig, wo er gefan- 
gen wurde, dann bei Lyon und Genf mit so grosser Bravour, dasa er in den bezüg- 
lichen Relationen mit Auszeichnung genannt und zum Oberst-Lieutenant befördert 
wurde. Den kurzen Feldzug des Jahres 1815 machte er als Commandant eines 
Grenadier-Bataillons bei der Reserve-Armee in Italien, ingleichen jenen gegen 
Neapel im Jahre 1820 mit, und avancirte zum Obersten bei Mecsöry-Infanterie. 

Bartholemy hatte 41 Jahre dem Staate mitEifer und Auszeichnung gedienu 




959 



VKVDKR von Malberg, I''raiiz Karl Frciliccr, General -Major und Käm- 
merer, Inhaber Jos 58. InfanlGric-Re^inients, besclilosä sein Leben als Brignditrr 
•u Mmox den lu. April 1830 im 55. Jahre in jeuor Stadt, in welcher er im Jahre 
I7itö bei der V«rdiei Jigung das erste JugcndMut vergossen hatte. Auf dem vüter- 
lieben Schlosse Malbcrg im Liixcmburgisclicu geboren, beendete er seine Studieo 
anfilcr Univeraitüt zu Cülii und trat im Jaiire 1794 als Cadet in das Itegimont 
Mknfrodini; in II blutigen Fcldzugen bcwiilu-te Voyder stets Heldensinn und 
Tipferkcit. Schon als Fähnrich gehörte er mit zur Besatzung der im Jahre 17St5 
iurt blockirten Festung Mainz, wo er bei Erstürmung der IlechtshcinjerVerschnn- 
tutj^R namhaft zur Eroberong von 38 schworen Geschützen beitrug und ver- 
•ruDtJct wnrde. 

S^e eiithusiastiBche Liebe zum neuenVaterlande licss ihn sein namhaftes Ver- 
Btgen in den Niederlanden auf's Spiel setzen, da er einer Aufforderung des französi- 
kAbd Volksrep rasen I ante n LaCostezurRückltohr in die Keimatli nicht Folge gab. 
Nunmehr gelangte Vey d o r meist durch Auszeichnung von ühai-ge zu Charge, 
ubni an 62 bodeutendcn Gefechten und entscheidenden Schlachten Theil, ward 
darcl] 6 Jahre Flügel- und Corps-Adjutant beim Fcldinarschall-Licutenant Cha- 
tlster und mit grossem Vorthcile in den Jahren 1805 und 1809 in Tirol, dem 
fnichtbarsten Felde eeiner Thateu, verwendet. 

Schon imJalire 1801 erhielt Vcyder wegen vorhergegangener Auszeichnung 
und rcfccr Mitwirkung zum Besten Tirols von den Ständen die grosse goldene 
Uren- Medaille, filr die Tliaten beiWiJrgl,Schwaz und V o 1 d c r b im Jahre 1 HOS) 
ikUajor im Nachtrags-Capitel vom Jahre 1611 aber das Ritterkreuz. Überall 
i;tjrenwilrtig, wo es die hüchsle Noth jener Tage erheischte, überall Anrührcr, wo 
«neTroppen-Abtlieiiuug durcli feindliche Kugeln den ihrigen verlor, war Vey der 
iti onthiuiastische Rufer im Kampfe. Er sammelte bei Innsbruck eine Volksmasse 
m 15,000 Tirolern, besetzte damit am U.Mai 1809 die für die ganze Provinz 
^DfeHllM) wichtige Position an der Voldet-sbrUeke, leitete deren Vertheidijrung 
^^^Hith den unter dem Marschall Ilorzoi; von Danzig aus Salzburg vordrin- 
^^^Hh Feind fechtend von der Hauptstadt Tirols ab, rettete dadurch die dort 
Utk befindlich gewesenen ÄrarioI-VorrSthe und Gassen, dann das schon gänz- 
w ab^elinittene 3. Bataillon De Vaux und eine Division Lusignan vor 
ainneidliclier Gefangenschaft. Der rühmliche Kintiuss, den diese Thatcn auf die 
^ncra Erhaltung Tirols genonjmcn, und wie solche den Unternehmungen dc.-^ 
^(rbcicilondcn Volkaannihrers Major Te i ni e r (s. d.) und des Sandwirlhes Andreas 
Bofer den wichtigsten Spielraum gewährten und bereiteten, ist in der Geschichte 
JieteiLaodee zu wesentlich bezeichnet, uninicht lur die hohen Verdienste Vey de r's 
bnnmäerung xu erregen. 

Noch bei vielen anderen Gelegenheiten und an heisscn Kampftagen geschah 
Vcf lier's utsgexelcbneter Thaten rühmliche Erwähnung, vornehmlich hei Stara- 



960 

* 

Wischna in Volhynien 1812, bei Freiberg und Wettau in Sachsen, bei Leipzig, wo 
er verwundet wurde, und in dem Gefechte bei Kosen (21. October 1813), wo er 
mit seinem Jäger-Bataillon die vortrefflichsten Dienste leistete. Der Kaiser verlieh 
ihm das Ritterkreuz des Leopold-, der König von Sardinien in Anerkennung 
der Verdienste und des edelmüthigen Betragens während seines in Savoyen geführ- 
ten Commando's im Jahre 1814 jenes des St. Mauritius-Lazarus-Ordens. 

Ln Jahre 1816 erwarb er sich für die Organisirung des 45. Lifanterie-Regi- 
ments den Dank des Hofkriegsrathes, und für die umsichtige Leitung des 24. Lifan- 
terie-Regiments die Anerkennung seines Kaisers. Ln Jahre 1820 zum General- 
Major befordert, verlieh ihm der Monarch schon 7 Jahre später die Lihabers- 
würde des 58. Lifanterie-Regiments. Als Brigadier zu Karlstadt war Vey der 's 
unablässiges Augenpierk, dem dort schon seit Jahren eingepflanzten Unwesen der 
von bosnischer Seite herüber verübten Einfalle möglichst zu steuern ; überall trach- 
tete er persönlich einzuwirken und betrieb die äusserst gehäuften Geschäfte meist 
mit Zuhülfenahme der Nacht. Die letzte seiner verdienstlichen Leistungen war die 
unermüdete Thätigkeit, mit welcher er bei Gelegenheit eines durch eine Horde 
Bosnier frevelnd verübten Raubzuges die aufgebotenen kräftigen Mittel, allerorts 
selbst gegenwärtig, zusanmienwirkend vereinte und Anstrengungen und Fatiguen 
mit den Grenzsoldaten theilte. Dies war die Grundursache seiner sichtbar begon- 
nenen Todeskrankl^it, welcher er auch im December 1829, seiner neuen Bestim- 
mung nach Mainz folgend, wenige Monate darnach erlag. 

BRTEN, Johann Freiherr, Graf aufThomond, General-Major und Käm- 
merer, folgte dem Beispiele seines Vaters und erhielt für den gewählten Stand die 
Erziehung in der Neustädter Akademie. Zu Karansebes geboren, trat er im Sep- 
tember 1794 als Fähnrich in das 33. Lifanterie-Regiment, wohnte den Feldzügen 
1799 bis 1801, dann 1805 im General -Stabe bei, ward zu Anfang October des 
letzteren Jahres zum Major befb'rdert und im Juni 1808 zu Kerpen-Lifanterie 
übersetzt. 

O'Brien hatte schon in diesen Kriegen viele Einsicht und Entschlossenheit 
an Tag gelegt, im Feldzuge 1809 aber so ausgezeichnete Dienste geleistet, dass er 
m'cht nur wiederholt angerühmt, sondern auch belohnt wurde. Commandant des 
1. Bataillons, fand er bei Landshut am 21. April die erste Gelegenheit dem 
Vaterlande nützlich zu werden, da er als Nachhut des linken Flügels dem Feinde so 
lange beherzten Widerstand leistete, bis das Geschütz und Gepäck in Sicherheit 
gebracht werden konnte. Bei dieser männlichen Vertheidigung ward ihm ein Pferd 
unter dem Leibe getödtet. 

Nach der Affaire bei Ebelsberg am 3. Mai sah sich O'Brien auf seinem 
Marsche zur Vereinigung mit der Haupttruppe plötzlich von 300 Plänklern ange- 
griffen, die ihn abzuschneiden suchten. Er trieb sie zurück, doch der Feind warf 



iichiam nwoiten Mulc auf iliii, eutscblosiseii sein Bataillua in Unordnung zu bringen, 
Aberem rascher Bajonetangriff vereitelte auch diesen Veraucli, und O'Bricn setzte 
iea Mokzag uuter beständigen Kämpfeu bis Ennt; fort, wo er sicli mit dem 
It^imcnle vereinigte. 

Napoleon hatte luit riiJi tigern ticLart'bliuke die J e dl e r a e e r A u aur Gewin- 
luuie des Unken Douau-Ufera gewählt. Diese Insel verdeckt alle Bewegungen 
HD TOchteB Ufer und ist von dem linken am- duieh die sogenannte schwarze 
Ucke (eiueni schmalen Arme der Donau) getrennt, die bei niederem Wasserstande 
lici dnrohwaten lässt, Nussdorf bietet alles zum Brückensclilage Erforderliche. 
Die Insel war durch Piijucts des Limdwehr-Bataillons Obergefell leicht besetzt. 
b der flüsteren Nacht vom 1 2. auf den 1 3. Mai setzten 600 Grenadiere des O u di- 
notVhca Corps in Schiffen auf dieselbe über, trieben die ausgestellten Posten 
«rück und zwangen das Bataillon nach einem Gefeebto, daa bis Tagesanbruch 
»ilirtf, sich auf das linke Ufer zurückzuziehen. Als Fe Idmarsc hall -Lieutenant 
Hiller den Übergang des Feindes erfuhr und seine Absicht erkannte, befahl er 
dem R^mentc Kerpea, den Feind von der Insel zu vertreiben. Unter dem 
Rufe: ,£a lebe der Kaiser I" eilte dieses brave Regiment im Geschwindschritte an 
iu Ufer. Auf einem sclmialeQ, kaum für 3 Mann zureichend breiten Damme setzte 
ei, du 1. B«tJullou unter O'Brien an der Spitze, aus der Langcnzeradorfer Aue 
Uta die schwarze Lacke auf die lusel. Eine Divbion dieses Bataillons wurde 
becffdert \mnga dem rechten Ufer, eine andere längs der Mitte der Insel, und eine 
iBüe längs dem Unken Ufer vorzugehen; die zwei anderen Bataillone sollten zur 
Uucrttütxung futgeii. Die Bewegung wurde gegen das au der öatlicLen Spitze der 
Ijuel gelegene Jägerhaus gerichtet. Die letzfen Abtheiluogen waren noch nicht 
über den Damm, als die Divisionen des 1. BataiUous bereits auf den Feind stieasen. 
Dorcb das Feuer aufmerksam gemacht, beachoss der Feind mit Kugeln und Kar- 
U&cbm nnn sowohl den Damm, der zum Übergänge diente, als jenen, der am rech- 
tea t'fer »ich hinzieht und der rechts stehenden Division des 1. BataiUona zum 
Varrttcken diente. Die Truppen mussten von dem Damme herunter, aber unsere 
ItddsaaiUtbigen Soldaten waren entschlossen des Feindos Verderben dräuende 
rluK in vereitelt), trotzdem sie mit der Gegend unbekannt und sich auf dem 
bndiTiokten Räume nicht entwickeln konnten. Im geraden Zurückdrängen, Mann 
B^goiMuin im Kampf, musiste jeder Schritt mit Blut erkauft werden, und bei dem 
weninütfaigen Widerstände des Feindes konnte man nur langsam vorschreiten, 
Mr Abood brach ein und der Besitz der Insel musste noch am Tage errungen 
•«»deii, wenn der Feind nicht die Nacht zur Überschiffung neuer Truppen, zur 
uiidituiig: eines Brückenkopfes, zur Erbauung einer Brücke benützen, und so am 
li mit seinem ganzen Heere den uns verderblichen Übergang bewirken aollte. 
UMrGedujko begeisterteO'B r i cn's Truppezur höchsten .\nstrengung. Durch einen 
•(^eaaeioen Bajoivetanlauf wurde der Feind auf >^00 Schritte zurückgeworfen. Nun 



M. 



aber hatte er eine Aufstellung erreiclit, in welcher das Terrain ihm die grössten 
Vortheile bot. Ein 12 Schritte breiter, todter, aber tiefer Wassergraben lief längs 
seiner ganzen Fronte hin, hinter dem alle seine Streitkräfte zur kraftToIlen, gesi- 
cherten Vertheidigung aufgestellt ■waren. Das heftigste Gewehrfeuer fand neuer- 
dings Statt, des Feindes Geschütz vom anderen Ufer beschoss unsere Flanke; die 
Dämmerung brach ein, nur eine Stunde blieb noch zur Entscheidung des Gefechtes. 
In diesem Drange warf sich Major O'Brien an der Mündung der Grabens in den 
Donauarm, ging, durch eine Planke gedeckt und von 50 Mann gefolgt, in selbem 
bei 500 Schritte fort, kam im Rücken der feindlichen Aufstellung hervor und stürzte 
sich sogleich auf den Feind. Dieser unerwartete Angriff brachte in ihm paniscbea 
Schrecken hervor. Er verliess seine vorlheilliafte Stellung und flüchtete, nur auf 
Rettung bedacht, den ScbitFen zu. Das Regiment folgte über den Damm und durch 
die Fürth dem Feinde, so wie er den Graben vei'liess. Er fand jenseits mehr Raum 
sieb zu entwickeln und noch 3 Compagnien ins Gefecht zu bringen. Der Feind 
hatte vor den Schiffen sich in dichte Haufen gestellt; Major O'Brien drang auf 
einen derselben, der bei 100 Mann stark sein konntCj ein, entwaffnete den ButalL- 
lons-Chef und zwang die Mannschaft zur Niederlegung der Waffen. Bald traf die 
anderen Abtheilungen ein gleiches Schicksal. Die Fahrzeuge wurden genommen und 
jedes Mittel zm- Flucht abgeschnitten. Bei diesen letzten Ereignissen war das 
Regiment über den schützenden Damm , der am rechten Ufer hinlief, hinausge- 
kommen. Das Geschütz vom rechten Ufer schoss auf die im Flaudgemengc Begrif- 
fenen, auf Freund und Feind. Alles war gefangen, das Gefecht auf der Insel mit 
dem gänzlichen Untergange des Feindes geendet Auf dem Kampfplätze lagen 
530 Franzosen, ein Bataillons-Chef, 14 Officiere, 370 Mann der auserleaeoslea 
Truppen fielen in unsere Hände. 

Auf die Meldung von diesem Gefechte ernannte der Generalissimus den Major 
O'Brien zum Oberst-Lieutenant, den Hauptmann Callot zum Major. O'Briea 
erhielt überdies durch das Capitel im Jahre 1810 Tür die schöneThat das Ritter- 
kreuz, und der Erzherzog Generalissimus vertraute ihm den unmittelbaren Befehl 
Über die schwarze Lacke, auf der täglich ein Bataillon Deutschmeister, ein 
Bataillon Kerpen und eine Jäger-Division im Dienste standen, die sich alle 
24 Stunden ablösten. Die Insel wurde zum Stützpuncte des rechten Flügels der 
Armee. Acht Batterien wurden längs der grossen Donau erbaut, mit Gesehüt» 
versehen und durch Laufgräben verbunden. Im Innern der Insel wurde eine Ver- 
schanzung angelegt, um im Falle einer gelungenen Landung sich bis zur Ankunft 
der Unterstützungen behaupten zu können. 

In der Sehlacht bei Wagram am 6. Juli hatte daa Regiment Kerpen 
der Brigade Mayer beim 4. Corps dem feindlichen Anfalle heldenmüthig wider- 
standen und O'Brien sein Bataillon mit jener Todesverachtung geführt, die einet 
glücklicheren Ausganges würdig gewesen wäre. In diesem heisaen Kampfe ward 




963 

wn Pferd getödtet, er fiel unter selbes und man glaubte ihn todt, — als er schnell 
ndi emporhob , die Fahne seines Bataillons ergriff und es dem Feinde entgegen- 
ß^rt^ I>as gegenüberstehende feindliche Bataillon gab jetzt eine volle Lage; eine 
ÜBpl fuhr O'ßrien durcb die Brust, er sank in die Arme eines Offieiers und 
mit bit Werbend nach Bockflics getragen. Seine Kampfgefährten glaubten 
Mbimelu- ihren tapferen Befehlshaber zu erblicken; doch er genas in Wien nach 
SHoaaten von seiner schweren Wunde, und gonoss die Freude, die Sache, für die 
tf Duititig gekämpft, in wem'gen Jahren triumpbiren za sehen und an den Ereig- 
mMa dicMr eni'g denkwürdigen Zeit als Oberst und Commandant des Regiments 
«Mb rühmlichen Antheil zu nehmen. 

VorLeipzig erwarb sichO'Brien neue Verdienste und eine neue Wunde, 
ab «r un 18. Holzhausen mit dem Bajonete stürmte ; zeichnete sieh in der Schlacht 
M Vincio (8. Februar IS14) aus und commandirte im Jahre 1815 als Oberst eine 
Brigaid« im Buboa'scbeQ Corps, welche unter General Bretscbneider die 
Toftot tuldel«. 

Nkcbdem dieser verdienstvolle Krieger im November 1820 zum General- 
Xajor beJfirdert, im Mai 1826 in den Ruhestand übersetzt wurde, verewigte er den 
Tag;, «D welchem ihm das Theresienkreuz zu Theil wurde (13. Mai}, durch eine 
deren Interessen an drei am längsten mit Auszeichnung dienende Unter- 
leines Regiments verliehen werden. 
O'Briea starb zu Pesth am 27, Februar 1830 im 55. Lebensjahre. 

CSOLUCH, Marcus Freiherr von, Feldzeugmeister, geheimer Rath, Lihaber 
4« 39, Infanterie -Regiments, commandirender General in Slavonien und Sirmien, 
'uciaecn in Croatien und der Herzegowina in vielen Zweigen verbreiteten adeü- 
fta (iMchlccIite entsprossen und zu Priolaka in Slavonicn am 15. April 1766 
^R^oren, [>flr Vater, Cosnius von Csolüch, Hauptmann des Peterwardeiner 
* ircni-Keginicnt«, sorgte für seine vortretFIiche AusbUdung, die ihm in der Folge zu 
in chrenToUalen Posten Bahn machte. 

Csolüch hatte fünf Jahre als Csdct gedient, ehe er eine Fühnrichstelle in 
'w bciBwthUcbCQ Grenz-Regimente erhalten konnte. Dann ging es aber rasch 
^Wwlrti, M dws er schon im Juni 1796 Hauptmann und nach dem Luneviller 

nllajorint General-Stabe ward. Die Vertholdtgung der Schanzen von Trier 
KJaJuBl792, jene von Luxemburg unter dem ergrauten Bender, dann die 
Sdkhdu bei WUrzbarg nennen ihn unter den Ausgezeichneten. Bei Stockach 
nnund Csollich das Regiment Wonkheim so geschickt und enuclilossen zu 
fikiw, dass ihm der Erzherzog Karl meiner vollen Zufriedenheit versicherte; eine 
llacbe flerUckäicbtigung brachte ihm der Tag bei Zürich, am 4. Juni 1799, 

Nachdem Csullich im Jahre I8o5 zum Oberst- Lieutenant und im März 1809 
>ni ObenMcn im Corps die Beförderung, und im P'eldzuge dieses letzteren Jahres 



■wvani, 

»Frnln) 



^le Eintheiluiig bei dem 6. Ärmeecorps als Chef des General-Stabes erhalten hatte^ 
bot sich ihm schon bei Rohr am 20. April die Gelegenheit soine Umsicht und aeioea 
Mutb glänzend zu bethätigen, indem er durch wiederholte kräftige Attaijuea mit 
der Brigade Weissenwolf auf dem rechten Flügel der feindlichen Stellung dem 
Vorrücken der Franzosen Schranken zu setzen, und Tages darauf bei dem Rückzüge 
auf Landsliut einen grossen Theü der Truppen sehr zweckmiisäig zu leiten wusst^ 
so ^vie er bei Neumarkt nielit nur bei dum Entwürfe des Angriffes das SeinigB 
beitrug, sondern auch während des Gefechtes die Regimenter in des Feindes rechts 
Flanke so zweckmässig dirigirte, dass der erzielte Erfolg zumeist diesen Dispost, 
tionen zuzuschreiben wai-. Mitr grosser Thütigkeit und Umsieht fiihrte CsoÜicfc 
bei Ebelsberg die Truppen zu wiederholten Angriffen auf den Marktplatz, rallh 
irte die Zerstreuten und stellte die Geschütze auf vortheilhafte Punete. Eben t 
hatte er zu dem entscheidenden Angriffe der schwarzen Lacke am 13. Md 
gorathcn und ihn geleitet (siehe O'Brien), so wie auch bei dem Übergänge doi 
Feindes aus der Lobau denselben gleich bei seiner Entwicklung anzugreifen b 
tragt. An den heissen Tagen von Aspern war CsoUich stets an der Tete de 
Colonne, benützte bei ihrer Entwicklung mit grosser Umsicht das Terrain, giß 
bei jedesmaligem Angriffe auf Aspern mit vor, um die Truppe durch seine LocaI> 
kenntnisse zu leiten und durch sein Beispiel anzueifern. Auch führte er zu wieder^ 
holton Malen Bataillone und Batterien längs Aspern gegen den feindlichen linkea 
Flügel, und hatte an diesen zwei Tagen durch seine Anschläge und thätige Ver- 
wendung erneuerte Beweise der Befähigung und persönlichen Bravour kundgegtf 
ben. Auch in der Relation Über die Schlacht bei Wagram wurde Csollich Ußt0 
den vorzügb'cb Ausgezeichneton genannt, und mit Armeebefehl vom 24. Octobcl 
wegen der entscheidenden Unfcmchniung bei dem Angriffe des Feindes auf dtt 
schwarze Lacke, wodurch der von Napoleon beabsiclitigte BrückeDsohls^ 
über die Donau und die Gewinnung der Position am Bisamborge vereitelt worden^ 
zum Ritter ernannt. 

Nach dem FriedensschlusKc wurde l^sollich als Chef der Genoralslabe- 
Abtiieilung in Ofen, im Jahre 1812 bei der Reserve- Armee in GalJzien verwendet, 
dann zum General-Major befördert, und im Feldznge 1813 mit einer Brigade bat 
der 3 Armee-Abtheilung unter Feldzeugraeister Graf Ignaz Gyulav betraut. 

In den Kriegsereignissen bei D resdeo und Kulm vom 26. bisSO. Augod 
behauptete Csollich das wichtige Dorf Löbda gegen die wiederholten feindlidiR 
Angriffe und wies sie jedesmal mit kaltblütiger Standhaftigkeit zurück. Hierad 
besetzte er am 27. Töltscheu, behauptete es noch, als dieses kleine Dorf berei 
in Flammen staud und bewerkstelligte erst dann in vollkommener Ordnung de| 
Rückzug auf Potschappel, als er, vom Feinde gedrängt und von dessen auf der Höhl 
von Rosthal zahlreich aufgeführten Geschützen in der Nälie beschossen, keine MSg 
lichkeit sah die von allen Seiten andringenden Colonnen zurückzuweisen. FeM 



MirscIinll-LieuicnnDt Graf Woisaenwol f rülimte auch an diesem Tasje das cnt- 
«jiiottene und einsioliUrolle Benehmen des Generals Csollich, weliihcr auch 
TOuFeldseugmoisterGrafenGyuIay in der Relalion über die Seil lacht von Leipzig 
Wer den Ausgezeichneten genannt wurde. Bei der Einnahme des verschanzten 
Fwiens Ton Hochheim am Main (9. November) bildete die Brigade Csollich 
dieTfte der ersten Angriffscolonne. AIsGyulay dieWirkung der gegen denFeind 
«fgefniirenen Batterien und das Wanken der Besatzung in dem Werke links von 
Qocliheim w&hmahm, befahl er den Sturm, Er selbst setzte sich an die Spitze eines 
Bttaillons vom Regimente Kaiser; dem General-Major CsolHch mit dem Reste 
der Brigade übertrug er den Angriff auf die Stadt. Beide Unternehmungen -wur- 
den gleich schnell und überraschend erfolgreich ausgeführt. Die Pallisadcn waren 
illcoth&Iben durchgebrochen, die Truppen der Brigade Csollich in der Stadt, ehe 
lUi dritte Bataillon WUrzburg, welches, um Sturmrequisiten zu sammeln, inWikkert 
inrück geh liehen war, wegen verapUteten Enipfanges derselben dem raschen Gange 
dea Ganzen nachfolgen konnte. Doch traf es im gelegenen Augenblicke ein und 
bitte sich AUS Hangel an Faschinen mit Strohbündeln versehen. Csollich befahl 
den Graben am Mainthore mit denselben auszufüllen und die Pallisaden ganz weg- 
nrttmen. Alle Oftieiere legten mit unermüdlichem Eifer Hand an. Die Eingänge 
WTielfiUtJgten sich, die Truppen konnten schneller eindringen. Der Besitz der 
Slidt wurde dadurch vollkommen gesichert und der bisher heftige Widerstand des 
FcMm Oberwunden. Auch hier wurde CsolHrh vom Feldzeugmoister Grafen 
GjrBlay wegen der grossen Einsicht, mit welcher er den Sturm angeführt hatte, 
Mer den Ausgezeichneten genannt und für die neuen vielfältigen Verdienste von 
Sencr UajeHüU mit dem Commandeurkreuzed es Leopold-Ordens belohnt. 
Csollich, schon im September 1810 in den Freiherrnstand erhoben, hatte 
dtm Staate bis zu dem am 14. September 1844 zu Pcterwardein erfolgten Ableben 
63 Jahre mit dem ihm angebornen Eifer gedient und sieh durch persönliche Ver- 
<fi>Bte EU den eingangs beriihrt'^n hnhen Wurden cmpnrgoschwungen, 

FLEISCHKE von Eicheukranz, Ferdinand Freiherr, Feldmarschall - 
iMnunant, lahahor des 35. Infantorio-Regimcnts, war zu Korneuburg geboren. 
San V*ater diente dem Vaterlande 47 Jahre mit Auszcicluiung, erreichte dieRang- 
■hfe «nes Oeoeral-Majors und wurde geadelt. Dem Sohne ward die Erziehung 
^ der UilitXr-Akadcmic zu Wiener- Neustadt zu Theil, aus welcher er. einer der 
FenBgUciuileii , im Jahre 1795 alsFälinrich zu dem Infantcrie-Regimentc Lacy 
ifaigvtbeill, in Jahresfrist itum Unlerlieutenant im I'ionniercorps vorrückte. 

FleiBchcr war ein äusserst geschickter, wissenschaftlich gebildeter und 
Hiigcr Soldat, der sich in allen feindlichen Gelegenheiten mit besonderer kaltblü- 
;er aad kraftrollcr Tbätigkeif auszeichnete. In den Jahren 1809, 1813 bis 
In war fr überall, wo eine Trupp« zum Angrilfe honrderl wurde, in seinei 



966 

Stellung als Generalstabs-Officier mit vielem MiitLe nn ihrer Spilze; da wo bei 
einer oder der nndem Abtheiiung Zerrüttung entstand, eilte er sogleich hin und 
schaffte durch Anstrengung und gutes Beispiel Ordnung. 

Schon in der Schlacht bei Amberg 1796 und imTreffenbeiGieaaen ander 
Lohn hatte Fleischer seinem guten Benehmen die Beförderung zum Oberlieutenant 
zu danken; die Tage bei Osteracli, Winterthur und Zürich 1799 brachten 
ihm das Lob der Commandirendcn, die Gefechte bei Splügen und in GraubUnd* 
ten löOO das Hauptmanns-Patent, Wahrend des Feldzuges 1805 leisteteFl eise her 
als Major in Tirol, dann bei Caatelfranco wesentliche, ganz vorzügliche Dienste 
aber als Chef des General -Stab es beim Armeecorps des FcldzeugmeistersEolo- 
wrat im Jahre 1809. 

Bei dem Angritfeundder Eroberung vonRegensburgundbeidemRückzuge 
der Haiiptarmee durch dieseStadt stellte Fleischer die Regimenterund Bataillone 
des zweiten Corps so zweckmässig auf, dass der Feind so lange von Regensborg; 
abgehalten wurde, bis die ganze Armee dasselbe und die Potonsbrücke übCrdie 
Donau passirt hatte, das zweite Armeecorps aber nach und nach durch die Stadt 
mit geringem Verluste ziehen und diese bisAbends behaupten konnte. — Auf dem 
weiteren Rückzüge der Armee hatte Feldzeugmeister Kolowrat den Befehl; 
erhalten, deuBrückcnkopf auf dem linken Donauufer beiLinz zu nehmen. Dieser,; 
80 wie die G egend vor demselben war mit 8000 Mann württembergischer Truppeo, 
dann zwei französischen Infanterie-Kegj meutern besetzt, welche am 17. Mai durch 
das 16,000 Mann starke sächsische Armeecorps verstärkt wurden, das durch gant 
ungewübnliche, ausser aller Wahrscheinlichkeit gelegene Eilmärsche angekommoo 
war, Das dritte Armeecorps, damals kaum 10,000 Mann stark, war im vollen 
Angriffe, eine Colonne* desselben bereits vom Gebirge herabgerückt , und hatte 
den Feiud aus den drei vor dem Brückenkopfe an der Strasse gelegenen Dörfern 
vertrieben, als der Gegner, von seiner Überraschung sich erholend und seiner so 
bedeutenden Überlegenheit bewuast, mit allen Ihm zu Gebote stehenden Kräften 
gegen die Colonnen des Feldzcugmeisters Grafen Kolowrat von^ückte und ihn 
nicht nur vom Angriffe abzustehen, sondern auch eine zweckmässige Defensiv- 
stellung zu nehmen nöthigte. Fleich er bot sich hei dieser Gelegenheit freiwillig 
an , mit den Vortruppen den Feind so lange aufzuhalten, bis das Armeecorps diesd 
Stellung genommen habe, und führte dies mit so vieler Bravnur, Thätigkeit und' 
Geschicklichkeit aus, dass der überlegene Feind keine Verfolgung unternahm^ 
wodurch das ungleiche Gefecht ohne besonderen Verlust für das Armeecoi-ps been- 
diget und alle weiteren Unternehmungen des Feindes nach Möglichkeit paralyairt 
w-urden. Auch in der Schlacht bei Wagram hatte der im Juni zum Ob erst- Lieute- 
nant vorgerückte Chef des General-Stabes Fleischer durch h ei spiel! ose Thätigkeü 
sehr vieles beigetragen, dass die Angriffe des Kolowrat'schen Corps auf de* 
Feindes linken Flügel gelangen und dieser über eine Stunde weit geworfen wurdi 



967 

ba Biickzng Kolowrat's vom neuen Wirthshause bia auf die Höhen von 
SUnimerBdorf, eine Strecke von drei Stunden, wurde durch Fleiacher's raat- 
kee Bemubung in einer Ordnung wie auf dem Exerdrplatze vollzogen, obechon die 
Frvuoaen diese Bewegung durch ein mörderisches Kanonenfeucr belästigten. Der 
Aniie«befehl vom 24. October ernannte den ausgezeichneten Fleischer zum 
Riller des Maria Theresien-Ordens , welcher Verleihung im September 1810 der 
Fmliermstand Tolgte. 

In der Epoche bis sum emeuorten Ausbruche des Krieges gegen Frankreich 
mirde Fleischer bei der Mappirung im Kaiserstaate, dann am Niederrhein, in der 
PWi und in den kleinen Schvreizer Cantonen verwendet, im August 1813 aber 
luffl Obersten und Chef des General-Stabes bei der innerösterreichisehen Armee 
DDler Feldzeugmeister Hiller ernannt. Das Treffen bei Tarvis (7. October), die 
EistUnnung der Mühlbacher Klause und die Operationea der Armee vom 
8- bit 18. October, durch welche Illyrien von den Franzosen befreit wurde, haben 
ihn grosse Ehre eingebracht, die Schlacht von Tolentino aber, welcher er 
als Chef des General - Stabes bei dem Feldmarschall -Lieutenant Bianchi bei- 
«olute, seinen Verdiensten die Krone aufgesetzt. In dieser gerietli Fleischer mit 
den Com man dir enden in Gefahr gefangen zu werden. Es war um die eilfto Morgen- 
Stande am ersten Gefechtstage (2. MaiJ, als die neapolitanischen Colonnen un.teren 
Vorposten naheten, welche sich langsam auf ihre Unterstützungen zurückzogen. 
Eioe Jüger-Abtheilung blieb vorwärts Palomaredo auf den Anhöhen aufgestellt. 
Zc dioer begab sich Fcldmarschall-Lieutcnant Bianchi mit Oberst Fleischer 
tmd eitügea anderen Officieren des General-Stabes, am sie zum tapferen Wider- 
ctsade SU ermuntern, als feindliche Cavallerie angesprengt kam, die Jäger umzingel- 
les und gefangen nahmen. Alsbald eilte eine in der Nähe stehende Schwadron von 
1 Prinz Regenl-Husaren herbei, warf mit ausgezeichneter Bravour den überlegenen 
'] Feind and befreite die Jäger — und die Officiere. Fleisch er's Verdienste in diesen 
jl Kn'f^pen wurden mit dem Commandeurkrcuze des Leopold-Ordens belohnt. 
Er avancirte bis zum Feldmarschall -Lieutenant und starb als Dtvisionär zu 
PreuWrg ani 1.1. December 1841 im 64. Lebensjahre. 

HACIQIER zu Hart, Franz Xaver Freiherr, Oberst im Geniecorps, Sohn 
de« Elobecrelärs Franz Anton Edlen von Hackber, aus altem niederösterrei- 
cIiBcbeaRittcrgGsc hl echte entsprossen, das schon 1485 von Matthias Corvinus 
djM Vogtoirecbt über das auf dem eigenthümlichen Grunde erbaute Gotteshaus zu 
£br«n Sl Georgs des heiligen Ritters erhalten hatte. Zu Wien den 13. Novem- 
ber 1764 geboren, erhielt Hackher die Erzioliung in der Genie-Akademie und 
wrde im 21. Lobensjahrc Corps-Cadet, im TUrkonkiiege Oberlieutenant und 1796 
Haapduatiu. Er war bei der Belagerung von Valenciennea und Cuneo, bei der 
Vertbeidigung des erstoren Platzes und in Maotua unter dem Feldmarschall- 



968 

Lieutenant Canto d'Yrl^s,wo er bei einem Ausfalle die rechte Colonne führte 
und sich sowohl bei dieser Gelegenheit, wie auch im Verlaufe der Vertheidigung 
der Festung die Anerkennung des Commandanten erwarb ; ferner bei der Verthei- 
digung von Ulm. Unter seiner Leitung wurden Marchiennes^ Gradiska am Isonzo 
und Cherasko befestigt und die Festung Braunau im Jahre 1808 demolirt. * 

Als Majorvertheidigte Hackher den Schlossberg zu Gratz mit so mann- 
hafter Entschlossenheit,, dass ihn Seine Majestät mit Allerhöchstem Handschreiben 
vom 31. Juli 1809 zum Ritter des Maria Theresien-Ordens ernannte, dem im April 
1812.der Freiherrnstand folgte. Schon Anfangs Mai 1809 hatte Erzherzog Johann 
den Schlossberg in Vertheidigungsstand setzen lassen und bei seinem Rückzuge aus 
Gratz am 31. Mai die Vertheidigung desselben dem Major Hackher übertragen. 
Am 1. Juli begann die Belagerung und dauerte bis zimi 11., an welchem Tage der 
Feind eine Batterie im Wurmbrand - Garten aufwarf und Steigeisen und Leitern 
requirirte. Der Blockadecorps-Commandant Brou ssier band sich wenig an die 
vonGrouchy eingegangenen Capitulationspuncte, nach welchen in Gratz keine 
Feindseligkeiten ausgeübt werden sollten; er liess vielmehr um 2 Uhr am 11. Juni 
das Feuer gegen den Schlossberg eröffnen. Drei Batterien, eine im Pistorischen^ 
eine im Wurmbrand-Garten, eine vor dem Paulusthore, wurden in Thätigkeit gesetzt; 
feindliche Schützen waren auf den Dächern in der Stadt postirt. Hackher beant- 
wortete das Feuer so kräftig, dass in anderthalb Stunden die feindlichen Eanonen- 
batterien rasirt waren. Die Stürme am 13. und 14. um Mittemacht wurden mit 
Steinen und Rollgranaten abgeschlagen. Seit dem 17. war schon Mangel an Lebens- 
mitteln eingetreten. Bis zum 20., wo die Franzosen gegen Gösting abzogen, wurde 
die Besatzung ununterbrochen damirt, jede Aufforderung zur Capitulation aber 
zurückgewiesen. Noch am selben Tage liess Major Hackher die Stadt und die 
Thore durch 240 Mann besetzen, und Lebensmittel auf einen Monat in die Feste 
bringen ; die Bürger rasirten die Batterien, die Ejranken wurden in die Stadt, die 
Reconvalescenten in das Schloss geschafft. Am 22. Abends zog die Basatzung 
(586 Mann) sich zurück. Br ous sie r erschien am 23. vrieder in Gratz und besetzte 
am 24. die Höhen. 

Es lag den Franzosen viel daran, sich eines Punctes zu bemächtigen^ von wo 
aus sie sehr belästiget wurden. Keine durchmarschirende Truppe, kein versam- 
melter Haufen durfte sich auf den Strassen von Gratz blicken lassen, ohne vom 
dominirenden Schlossberge beschossen zu werden. 

Des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Gyulay Avantgarde, die am 24. vor 
Gratz eingetroffen war, um die Feste zu entsetzen, erlitt zwar zu Kaisdorf einigen 
Verlust, dies schreckte sie jedoch nicht ab, und am folgenden Tage passirte das 
Armeecorps bei Wildon die Mur und rückte nach Gratz vor, welches von den 
Franzosen, die sich an der Weinzierl -Brücke eiligst verschanzten, geräumt war. 
Abends um 6 Uhr kam G y u 1 a y an der Spitze von 2 Schwadronen Savoyen -Dragoner 



969 

InGratz an. Er erstieg sogleich den Rosenberg, der im Rücken der feindlichen 
Stellung ui der eben genannten Brücke lag, und sab die Notb wendigkeit ein selben 
n besetzen. Allein noch war keine Infanterie angelangt, und ehe selbe kam, 
kitte der Feind, ebenfalls von der Wichtigkeit des Besitzes desselben bewogen, 
twü Bataillone auf selbem postirt. 

Inzwischen war die Brigade des Generals Munkicsy auf dem G-Iacis vor 
Gntt aufgestellt worden und hatte einige, den von den Franzosen am Rosen- 
iffld Rukcrlberge besetzten Häusern gegenüberliegende Gebäude in Besitz genom- 
0101. Kaum war dies geschehen, als der Feind, vom Rosenberge herab, gegen 
Sl Leonbard anrUcktc. Es entstand nun ein hitziges Gefecht, welcliea in den Vor- 
mdlen, den dortigen Häusern und Gärten die gnnze Nacht und den folgenden Tag 
fnrlgesetzt wurde. Am 26. rückte der Banus nach Fehring, am 27. nach Geas. 
I>ie Franzosen plünderten die Vorstädte, belagerten und beschossen die Feste; am 
1. nnd 2. Juli Eogon sie gegen Wien ab, Hackher liess die Stadt durch 300 Mann 
bttetieu, welche, durch das feindliche Feuer stark beschädigt, wieder in Verthei- 
lUpmgsstand gesetzt wurde. Nach den Vorfällen bei Wien musste die Feste an die 
Fruzoaea übergeben werden. Dies geschah am 22. Juli; die tapfere Besatzung, 
TOD ilen Einwohnern mitThränen in den Augen zahlreich begleitet, rückte am 
S3. ab und traf am 30. in Csakatbum ein. 

lu den Feldzügen 1813 und 1814 war Ilackber als Oberst-Lieutenant bei 
il«f Nord -Armee des Kronprinzen von Schweden zugetbeüt; er entsprach dieser 
Sendong aur Zufriedenheit und wurde mit dem Schwert-Orden ausgezeichnet. 

Dieser verdienstvolle Ofticier trat nach 4 Ijähriger. Dienstleistung in den Ruhe- 
•tuul und starb xu Wien am 3. September 1837. 

HAEOEVICII, Johann Freiherr von, Oberst, zu Wien am 13. März 1831 ver- 
»hjriWQ, kam zu Novi in Croatien 1772 zur Welt, und hatte im 15. Lebensjahre 
diCadel bei dem Otlochaner Grenz-Regimente die militärische Laufbalin begonnen. 

Dieser unerschrockene Officier, dessen grösste Verdienste in das Jahr 1809 
f*Il«, wo er sich bei dem Corps in Dalmatien befand, hatte schon früher gegen 
sieTöriton und in den ersten Fcldzügon gegen Frankreich viele Proben von Tapfer- 
kdl nnd Umsicht gegeben. Einige davon mögen erwähnt werden: Als UnlerlJeute- 
"wi de« Sluiner Regiments hielt Marocvicb den Hauptposten Furian an der 
^niicbeo Grenze mit 120 Mann besetzt; er wurde am 27. April 1791 in einer 
"fli Stock hoben baufälligen Csardakc von 3000 Türken angegriffen, hielt ach 
^•oentAcblosBen, dass, nbschon der Feind das Dorf in Brand gesteckt hatte, 
Maroevich nichts desto weniger die Csardake und einige nnstossende Häuser 
^witer Wotb der Türken und dadurch viele Familien vom sicheren Tode rettcte- 

Ini Jaiire 1 796 wai' er «la Obcrlieutcnant des Ottochaner Grenz-Regiments 
uf dar Floliillf d<?s Gardas^ex rommandirl; am 3. August musste sieh ein Theil 



970 



unserer Truppen zwischen Desenzano nnd Salö zurückziehen und wurde verfolgl. 
Von seinen Schiffen aus beschossMaroevich die Feinde so kräftig, dasssie von der 
Verfolgung abliessen, wodurch 150 Mann verschiedener Waffengattungen auf die 
Schifte in Sicherhoil gebracht werden konnten. 

Im Jahre 1798 nahm Genoral-Major von Rukavina Eesitz von Albanien^ 
er zog 1 Bataillon Likianer an sich, welches ihm in die Bocca di Catfaro folgte. 
Marocvich, obschon einer der jüngsten CapitUn-LieutenanIs, erbot sich freiwillig 
dem Zuge zu folgen, und leistete, durch die im Jahre 178S erworbene Landes- 
kenntniss von Montenegro treffh'ch unterstützt, da er den damaligen Hauptmann 
W.ukassovich daiiin begleitet Latte, auf dem bedenklichen Posten Risano vor- 
zügliche Dienste. Seiner besonderen Klugheit und Entschlossenheit gelang es, den 
rachgierigen Risanoten, den benachbarten wilden Montenegrinern und den hoch- 
mUthigcn Türken Respect einzuäossen und Ruhe und Ordnung herzustellen, so 
wie er sich jedesmal zu den wichtigsten und gefälirlichsten Unternehmungen mit 
besonderem Nutzen verwenden liess. 

Im Jahre 1809 legte Maroevich in folgenden Gelegenheiten ao herzhafte 
Beweise von Umsicht an Tag, dass ihm im Nachtrags- Capitel vom Jahre 1811 das 
Ritterkreuz zuerkannt wurde. Am 16. Mai 1S09 hatte er mit seiner Compagnio 
Likkaner und einer halben Compagnio Banalisten mit fester Entschlossenheit den 
mit 4 Colonnen vor Otton vorgerückten Feind aufgehalten und durch zweck- 
mässige Unterstützung besonders den rechten Fliigc) (4 Compagnien stai'k) von 
Gefangenschaft gerettet, dem linken Flügel zu Perlova, unter Conimando des Corps- 
Commandanten Obersten Rebrovich, mit dem I. Bataillon Likkaner und dem 
Dalmatiner Freicorps den Rückzug erleichtert, auch zur Rettung von 2 Kanonen 
und 2 Munitionskarren aus des Feindes Händen auf dem ungangbaren Kittaberge 
wesentlich beigetragen, überdies mit vieler Mühe und Thatkraft die versprengte 
Mannschaft wieder an sich gezogen und liinter dem Kittaberge so vortheilhaft auf- 
gestellt, daas der linke Flügel die nöthige Unterstützung fand. Mit grosser Ent- 
schlossenheit warf er sich dann mit seiner Compagnle dem anrückenden Feinde 
in Perlevo entgegen, hielt ihn 2 Stunden auf, verhinderte, dass derselbe der voo 
Kravi Brod retirirenden Ahtheilung in den Rücken fallen konnte, und erleichterte 
dem linken Flügel erneuert den Rückzug. 

Besondern Muth bewies Maroovich am folgenden Tage bei Grab, wo er, 
den geflihrlichen Pass auf dem linken Flügel besetzt haltend, sich ruhmvoll und 
unerschrocken verlheidigte, die verwegenen felndJichenPlänkler, welche mehrmals 
durchzubrechen versuchten, mit grossem Verluste zurückwies und einige Gefangene 
machte- In dem Gefechte von Billay am 19. und 20.Mai vertheldigteMaroevich 
allein mit seiner Division die wichtige Brücke, war am 21. bei dem Ausfalle über 
dieselbe der Erste voran, und stürmte auf den zahlreichen Feind ein. Von der 
Übermacht zurückgedrängt, gerietb seine Truppe in Unordnung; Maroevich 





971 

wBSBte sie jeJoch durch eigenes Beispiel wieder zu sammeln, zur neuen grösseren 
Virtsamkeit anzueifern und ins Feuer zu filliren. Obgleich durch die Brust 
^hoesea, hielt er so lange am Knuipfplatze aus, bis der Feind jeden weiteren 
inpriff und seine Absicht, sieh der Brücke zu beniächligen und sohin die Verfol- 
•ong des Obersten Rebrovich aufgeben musste. 

Marocvicii widmete seine Dienste in der Folge dem walacliicb-illyrischen, 
mten Banal- und dem Kreuzer Grenz-Regimonte, und commandirte dieses letztere 
»h Oberst vom August 1819 bis April IS30, um welche Zeit er nach 43 erspricss- 
liehen Dienstjahren in den Ruhestand trat. 



Koller, Franz Freiherr von, Peldmarschall-Lieutenant, Inhaber des 2. Infan- 
leri^ Regiments, war am 27. November 1767 zu Milnchengrlitz in Böhmen geboren. 
Von bürgerlichen Altern abstammend, entwickelte er frühzeitig besondere Vorliebe 
tirien Militarslaiid und trat im 17. Lebensjahre als C'adet in das 18. Infanteric- 
Be^imcnt Freiherr von Brinken. 

Seine glücklichen Anlagen, sein beharrlicher FIciss zur möglichston Auabil- 
lioBg entgingen seinen Vorgesetzten nicht, welche ihn hierin bestens unterstützten. 
EmJ4hre 1790 zum Fähnrich befördert, kam er im folgenden Jahre mit dem 
{Ic^imeote nach den Niederlanden zu dem Corps des Feldmarschall - Lieutenante 
Keohl, welches die im Lüttich'schen ausgebrochenen Unruhen zu dampfen 
bmimoil war, and wurde im Hauptquartiere verwendet. Im Feldzuge J792 in den 
Kbracn der Champagne erhielt Koller die Beförderung zum Untcrlieutenant und 
die Zuthcilung heim General-Stabe; hier benutzte er die ihm dargebotene Gele- 
genheit, sich das ehrenvolle Vertrauen seines Chefs zu erwerben, welches sich 
■inrch Anweisung mancher wichtiger , Geschicklichkeit und Verschwiogenlieit hei- 
uhcnder Arbeiten bewährte. Zur Belohnung für seine ausgezeichnete Verwendung 
brim Übergange der Armee über die Roer (1. MUrz 1793} wurde er vom Feld- 
■urvchall Prinzen Coburg als Courier mit der Siegesbotschaft an den Kaiser nach 
Wien gesendet und ausnahmsweise zum Oberlientonantcrnamit. Koller eilte schnell 
rar Armee znrUck nnd nahm ander Schlacht von Neerwinden so rühmlichen 
Anilieil, data er zum Hauptmann im General-Stabe und zum Adjutanten des 
Gcnenl-Qnarttermeisiers befurdert wurde; auf diesem Posten blieb er bis nach der 
SckUcht bei Famars, und leistete auch in den nachfolgenden Feidzügen bis 1799 
im Ijcncral -Stabe die besten Diemite. 

in der Reihenfolge wichtiger Ereignisse stets auf Standpuncle gestellt, wo 
Eiiuictit, Entschlossenheit und Ausdauer entscheiden , löste er zur vollsten Zufrie- 
<^Git die sehwici^igsteD Aufgaben. Im Jahre ISOO wurde er zum Major im 
^ lofuiterio-Rogimcnte befordert, und zu der neu erricbteten böhmischen Legion 
■»'■»•BU-i, wo eich seiner Thätigkelt ein neues Feld Öffncle. Nach erfolgtem Frieden 
iiui CT ahi übcfKühliger Obersi-Lieutenaut 'in das 3ö. lofanterie-Regiment, und 



972 



i 



nach einiger Zeit bei dem (1809 aufgelösten) 55. Infanterie-Regiraente in die Wirk- 
lichkeit, in welchem er 1605 auf Antrag des Erzherzogs Karl zuni Oberst und 
Commaudanten vorrückte. Durch seine Einsicht und Entschlossenheit rettete er 
das Regiment vor der Gefangenschaft, fndem er es der Capitulation von Wertin- 
gen entzog und in Eilmärschen mitten durch die verfolgenden feindlichen Ab th ei- 
lungen dem in Böhmen sich sammelnden Heere streitfahig zuführte. 

An allen Schlachten des Feldzuges 1809 nahm Koller an der Spitze seines 
Regiments den ehrenvollsten Antheil, und zeichnete sich insbesondere bei Asp ern 
bei dem Angriffe der französi rächen Kürassiere auf die österreichischen Bataillons- 
massen aus. In dieser Schlacht war Koller schon General - Major und einer von 
den drei Brigadieron, welche das Glück hatten von dem Generalissimus in ihrem 
standhaften Ausharren bemerkt zu werden. Am 21. Mai war seine Brigade eine 
derjenigen, welche Nachmittags vor Aspern das erste Treffen bildete und in Massen 
aufgestellt der Attaque der in ganz unvcrhältnissmäsaiger Stärke plötzlich hervor- 
brechenden schweren Reiter schaaren d'Espagno's standhaften Widerstand ent- 
gegensetzte. Sowohl an diesem, wie auch am zweiten Tage der Schlacht hatte Koller 
mit kaltem Blute durch seine Anstalten die grösste Tapferkeit und Einsicht bewi&- 
aen, war, wo die Gefahr am grössten, stets an der Spitze der Tmppen und eiferte 
die Regimenter durch muthvoUes Beispiel in dem Grade an, dass alle feindliehen 
Sturme abgeschlagen werden konnten. Der Lohn seiner Bravour bestand in der 
Verleihung des Ritterkreuzes ausser Capitel mit Armeebefehl vom 24. Octo- 
ber, dem im Jahre 1810 der Freiherrnatand folgte. 

Vom Abschlüsse des Wiener Friedens bis zu dem Befreiungskämpfe 1813 war 
Koller als Brigadier in Böhmen angestellt, und widmete sich in dieser Periode 
dem angestrengtesten Studium der Staatswissenschaften. Zum Foldmarschall- 
Lieutenant befördert und im August 1813 in das Hoflager berufen, erhicltKoller 
den ausgezeichneten Wirkungskreis als erster General- Adjutant bei dem Feldmar- 
schall Fürsten Seh Warzen berg. Von der Natur mit der herrlichen Gabe beglückt, 
Herzen und Neigungen zu gewinnen, in alte Zweige seines Berufes vollkommen 
eingeweiht, mit^er Kenntniss der meisten lebenden Sprachen und mit einer beson- 
ders glücklichen Redegabe ausgerüstet, erwarb sich Koller sowohl die Gunst der 
fremden Monarchen, als die Achtung der ausgezeichnetsten Männer in ihrer Umge- 
bung, und wirkte auf die in den Verhältnissen jener Zeit so nothwendige Einheit 
und Übereinstimmung, auf welche so Vieles — vielleicht Alles — ankam, auf das 
Gredeihlichstc ein, In Anerkennung dessen ward er auch von den Monarclien Russ- 
lands, Preussens und Bayerns mit Orden ausgezeichnet. In Paris wurde er zu 
einem der Commissäre ernannt, welche den Kaiser Napoleon von Fontaincbleau 
nach Elba zu führen hatten. Nach der Rückkehr von dieser Sendung (Juni 1814) 
begleitete er den Kaiser von Russland und den König von Pretisaen, so wie die Erz- 
herzoge Johann und Ludwig nach London und auf ihrer Reise durch Enf^land. 




Kese milttäriscli- diplomatische Mission erwarb ihm das Commandeurkreuz dea 
Leopold-Ordens und war die Veranlassung seiner Sendung nach Petersburg, um 
im Kaiser von Russland zu dem Congresao naeb Wien einzuladen. Auch empfing 
erden Kaiser Alexander im Namen seines Monarclien an der Grenze von Gali- 
■Uannd geleitete ihn nach Wien. 

Bei dem glänzenden Buudesfeste am 18. October 1814 wurde Koller durch 
InenRong zum 2. Inhaber des 3. Infanterie-Regiments, dessen 1. Inhaber Kaiser 
AUxander war, neuerdings ausgezeichnet. Als 1815 Frankreieh und Italien der 
SdiupUtz neuer Siege der verbündeten Heere wurden, erhielt Koller die 
Bathnmung als General-Intendant bei der nach Neapel vorrückenden üsterreichi- 
wlien Armee, verbunden mit ausgedehnter Vollmacht zur Ordnung und Ausglei- 
rtonp mehrseitiger finanzieller Verhältnisse, in denen sich Österreich zu verachie- 
dnien Staaten Italiens befand. In dem grossen Wirkungskreise, der ihm bei dieser 
Anateilnpg zugewiesen war, rechtfertigte er abermals ganz das ehi-envolle Ver- 
trtncn, das in ihn gesetzt wurde. Seine klugen Kinleitungen öffneten der Armee 
ftiebticbe Ilülfsijuellen; sie wurde mit jedem Bedarf in Überfluss versehen, ohne 
dl» das besetzte Land durch harten Druck litt. Seine Verwaltung zeichnete dch 
dorch Rechtlichkeit und Unparteilichkeit aus. Die Verdienste, welche er sich auf 
diesem Posten erwarb, wurden mit dem Orden der eisernen Krone 2. Clasae 
Wohnt. Ins Vaterland zurückgekelnt, erhielt Koller daa Commandn einer Infaii- 
len'e-Dirision zu Prag- 
Alu die in Neapel ausgebrochcne Kevolutiun diu Intervention eines üsteiTei- 
ehiMken Heeres nolbwendig machte, wurde Koller abermals zum General- 
Iniendantco desselben ernannt, und kam Endo März 1821 mit der Armee zum 
i*ellcn Male nach Neapel, wo sein umsicbtavolles Wirken durch eigene Kraft zu 
*uHet^ wohnlichem Eintiusse gesteigert wurde. Hier fand er naüh fün^ährigem 
Aofenlhalte das Ziel seines IhUtigen Lebens. Eine anfangs unbedeutende Unpüss- 
licÜeil verschlimmerte sich bald so sehr, dass die Kunst der geschicktesten Arzte 
«rfolük« blieb. Koller verschied am 22. August 1826. 

Ein tapferer Krieger, aufgeklürter Verehrer der Künste und Wissense haften, 
R*<lt9^ner Geschäftsmann, redlicher Freund, Wohlthäter der Nothleidenden, hatte 
w leiae glänzende Laufbahn nur seinen Talenten und deren glücklicher Benützung 
nduken. Noch als Feldmarschall-Lieutenani widmete er jeden freien Moment 
•nner wissenschaftlichen Ausbildung, und zeichnete sich durch schnellen und 
dmckdringenden Scharfblick im Erfassen und Beurtheilcn der Charaktere, so wie 
ditnb besonders glücklichen Tact in deren Behandlung aus. So geschah es, dass 
<T nicht allein jeden Platz mit Anstand und Würde behauptete, sondern auch die 
Acktnng and das Wohlwollen der ausgezeichnetsten Männer sich erwarb. Auch für 
*• Winsenschaften suchte er als Mitglied mehrerer gelehrter Vereine nützlich zu 
"■rkeiL Seine arehlologischen, in Italien mit beharrlichem IileisEe gesammelten 




WWf9^^^^ 974 ^^H 

Kunstschätzo Hess er in aeinem Schlosse zu Obrzjsteny in Böhmen aufstellen, i 
und gestattete Gelehrten und Kunstliebhabern gerne deren Besichtigung. Sie wur- f 
den durch den König von Preussen für das Museum in Berlin angekauft. 

FREHLICH, Franz Freiherr von. Dieser zu Troppan den 17. Mai 1813 als 
General-Major und Brigadier Im 42. Lebensjahre verstorbene tapfere Officier war 
zu Bellovär geboren und hatte seine Laufbahn als Cndet bei dem Kreuzer Regi- 
mente im Jahre 1784 begonnen. 

Frehllch machte den Türkenkrieg als Oberlieulenant mit. zeichnete sich 
später hei der Einnahme von Landrecy 1794 und bei Mannheim 1795 vor- 
theilhaft aus, avancirte im folgenden Jahre zum Rittmeistor hei dem slavonisch- 
croatischen Grenz-Husarencorps und that sich bei Zürich hervor. 

Im Feldzuge 1805 wurde Frehlich Oberst-Lieutenant und im September 
1808 Oberst im 10. Husaren-Regimente Stipsiez. Das Jahr 1809 gab ihm so 
viele Gelegenheit zur besonderen Auszeichnung, dass er mit Armeebefehl vom 
24. Oetober zum Ritt er des Maria Theresien-Ordens ernannt wurde. 

Im 4. Armeecorps eingetheilt, commandirte Frehlich bei der Vorrückung 
desselben nach Bayern die Avantgarde, und bestand am 16. April mit der Brigade 
Stuttcrheim das Scharmützel hei Weng. 

Am 19. warf er beiDinzlingendie leiclite Reiterei des GenaralsPajo! zurück, 
und als die Franzosen bald darauf unsere Infanterie den Berg hinab verfolgten, 
attaquirte Frehlich das 5. feindliche Husaren-Regiment und eroberte eine finiher 
verlorene Kanone wieder. Bei Regensburg war Frehlich, dessen Regiment 
am 22. bei Eckmühl grosse Verluste erlitten, bis auf den letzten Augenblick thätig, 
und deckte mit besonderer Bravour und durch zweckmJissige Führung den Rück- 
zug des 4. Corps gegen die dasselbe verfolgende ungleich stärkere feindliche 
Cavallerie. Ein Theil des Regiments konnte als letzte Nachliut die Brücke nicht 
mehr erreichen und musste die Donau durchschwimmen, um sich mit deiu Regi- 
mente zu vereinigen. Am 20. Mai Abends 7 Uhr war Frehlich mit seinen Husaren 
unter jenen Schwadronen von Schwarzenberg-Uhlanen und Rosen berg- Che vaux- 
legers, welche Feldmarschall-Lieutenant Klenau der Reiter-Division Lasalle 
bei Esslingen entgegenfahrte und diese mit Verlust von vielen Todten und Ver- 
wundeten, dann von mehr als 100 Gefangenen in die Mühlau zurückwarf. Die 
Attaijue wurde so glänzend ausgeführt, dass nur die Dunkelheit der Nacht das 
feindliche Reitercorps vor gänzlicher Auflösung rettete. 

Glänzende Beweise von Tapferkeit und militärischen Talenten gab Frehlich 
in der zweitägigen Schlacht bei Aspern, woer als Avantgarde der 4. und 5. vom 
Feldmarschall-Lieutenant Grafen Rosenberg befehligten Colonne Stadl-Enzers- 
dorf vereint mit dem walachisch -illyrischen Grenz -Regimente nahm, bei dem 
Kampfe um Esslingen mehrmals einhieb und die Infanteriemassen , welche den 




u) diedcm Dorfe und Stadl-Enzersdorf hervorbrechenden Feind aufliielten, kräftig 
■merUUtxl«, Oberhaupt duicli zweckmässige Evolutionen wesentliche Verdienste 
u ita errangenen Vorlheilen sich erwarb. Unmittelbar nach der Schlacht zum 
Gtnenü-Major ernannt, war Fröhlich auch bei Wagram thätig; später cd nimun- 
JirUcr 1812 eine Brigade bei dem Auxiliar-Corps gegen Rusaland, und bewalirte 
in mehreren Gefechten seine vortrefflichen Eigenschaften als Führer der leichten 
Re'trrei xuT das Glänzendste. 

GOLLNEE von Goldncnfels. Aloys Freiherr, Feldmarschall-Lieutennnt, 
hli^ter des 48. Infanlerie-Kegiments, Sohn eines Officiers, war zu Fiume im Jahre 
IT72 gehören und starb zu Wien im Ruhestande den 6. März 1844. Mit auage- 
uirhneten Kenntnissen begabt, wai- Gollner's Verwendung biszur Erlangung 
der (ienerals-Öttife meist in der Adjutantnr, in welcher Sphäre er sich zum Vor- 
tlrile des .VUorhSchston I>ienstCB bestens verwenden liess. 

Beit dem Jahre 1792 diente er mit grossem Eifer und zeichnete sich gleich 
ucbteinem Kintrittc in die militärische Laufbahn am 6. November 1792 in der 
ficUacbi bei Jemapjies vortheilhaft aus, da er als Üadotim Regtmente Bonder 
«({ewlitel einer am Fussc erhaltenen Wunde noch zwei Stunden im stärksten 
Fencr blieb, bis ihn eine zweite Kugel, die ihn an der rechten Schulter und am 
AnH bluaine, zum weiteren Gefechte nnialiig machte. Als Unterlicutenant des 
Varmier'sclien Freicorps hatte Gollner in dem Feldzugo 1795, obschon am 
retklen Arme schwer verwundet, seine Truppe keinen Augenblick verlassen und 
ÜA im folgenden Jahre als Adjutant des Fei dmarschall -Lieutenants Grafen Mer- 
nndtD in der AfTaire beiNoiiburg der Art hervorgelhan, dass er ausser der 
Tiw imu Oberliealenant befördert ward. 

Bei denAusbruchd des Krieges im Jahre I805wnrde Gollner seiner beson- 
itrea Brauchbarkeit wegen vom jüngsten Hauptmann des Infanterie-Regiments 
JoriliiHim Major und General -Commando- Adjutanten in Wien ernannt und 
ntan der Schlacht von Au^terlitz bei. I8Ü9 wurde er als Corps-Adjutant 
M jsm Cavallerio- und Grenadier -Reservecorps angestellt, und hatte sich schon 
*>■ vtWn Schlachttagc von Aspern durch wiederholte schnelle Sammlung der 
Ue dmI da Mrslreuten R«itcrei und Vorführung derselben gegen den Feind so 
UtMnrcilh hervorgethaii, dass ihm am nämlichen Abend von seinem Chef, dem 
Wcnl der CaTallcrio Fürsten Liechtenstein, eine besondere Auszeichnung 
■qvwiMni wurde. AmfoldcndenTago (den 22. Mai) hatte Gollner aus eigenem 
iwiebe die versprengten Plänkler gesammelt, mit diesen und an dcrSpitzc zweier 
'^nudier-BatailloRc Esslingen gestürmt, und obschon er am rechten Oberarme 
••nniMdet wurde, dass er den Säbel nicht mehr führen konnte, den zuerst abge- 
tD mit den Grenadieren nochmals erneuert, die nur durch sein hcJ- 
» Betapjel dazu angeeifert wurden. Auf die von seinem commandirendeo 



General Über dieee mit eben so viel Klugheit als Muth aUi^gefUhrte That erstattete 
Relation wurde Gollner zum Oberstea befördert und mit Armeebefeld vom 
24. October zum Ritter des Maria TLeresien-Ordena ernannt. 

Auch in dcrScIdacbt bei Wag r am benahm sich Gollner so ausgezeichnet, 
dnae er in der Relation elirenvoll ei-wälint wurde. Mit welchem Nutzen für de» 
Dienst dieser brava Officier um jene Zeit wirkte, und welches Vertrauen er genoss, 
, beweist auch der Umstand, dass ihn Feldmaj'schn!! Fürat Liechtenstein, aU' 
er das Obor-Commando der Armee übernommen liatlo, zum General-, A.djutantea 
bei der Haupt -Armee ernannte. 

Im Jahre 1810 ward ihm der Freiherrnstand verliehen. Er stieg in der langen 
Zeit seiner eitrigen Dienste bis zum Foldmarsc-hall-Lieutenant (im Deccmber 1829) 
empor, und war vor dem im April 1834 ei-folgten Übertritte in den Ruhestand 
durch fünf Jahre als Divisionär bei der Amiee in Italien angestellt. 



Magdeburg, Frledricli Freiherr von, aUIIauptniaundeaGeneral-Quartier- 
meisferstabcs zu Wien am 8, November 181U im 27. Lebensjahre gestorben, hatte 
sich für die Durchbrechung der Brücke an der Lobauinsel in der Nacht 
vom 21, auf den 22. Mai 1809 mit Armeebefehl vom 24. desselben Monats du 
Ritterkreuz des Maria Thereaion-Ordens vordient. 

Erzherzog Karl beabsichtigte bei Aspern die Franzosen über die ersten DonaU' 
arme zu werfen und die von dem Feinde geschlagene Brücke zerstören zu lassen. 
Mit diesem Auftrage wurde Hauptmann Magdeburg betraut. Er &hr in der Naclit> 
vom 21. auf den 22. Mai mit 4 Flössen von Spitz douauabwärts und näherte 
sich 1500 Schritte der Schiffbrücke, welche die Lobau mit Kaiaer-Ebersdorf v 
band. Nun dirigirle er diese Flösse in des Sti-omcs Mitte, zündete sie an und Uber- 
liess sie der Strömung. Die Franzosen, das Manoeuvre wahrnehmend, eilten mä 
mehreren Schiffen entgegen, um die Wirkung nach Möglichkeit zu bindern, wä 
jedoch um so weniger abgewendet werden konnte, als gleichzeitig von der Insel 
„Schwarze Lacke" durch Obcrlieutenant Ats von Kerpen-Infanterie mit grosser 
Anstrengung vier Salzschiffe, zur Hälfte mit Wasser gefüllt, mitten in die Donan 
geleitet und in der Richtung gegen das zu zertrümmernde Object in Gang gesetsi 
wurden. Auf diese Art gelang es, wenn auch nicht vollständig, die Brücke z 
zerstören, wobei das hochtreibende Wasser das Unternehmen wesentlich forderte. 
Des Morgens zwischen 8 und 9 Uhr erhielt Napoleon Nachricht von der b 
störten Brücke, in Folge dessen er nun vom rechten Ufer abgeschnitten war nod 
weder auf die Ankunft neuer Truppen noch auf die von Artillerie -Parka rechnen 
konnte. Dies der Grund, wesshalb er den Marschall Lannos von ferneren 
Angriffen abberief und ihm blos die Behauptung des gewonnenen TerraJns bis zia 
Wiederherstellung der Brücke anbefahl, ein Umstand, der auf die Wendung dsi 
Tages bei Aspern sehr entscheidend einwirkte. 



977 



iSCH von G ro i f f e nbach, Wenzel, Fcldmarschall-Lieuteniint, von altem 
seinem Vater im Jahre 1749 beatiUiglen Allel entsprossen, war zu 
Zniovriz geboren. Er eiliiolt im Jalire 1770 eine Fuhm-ichstelle im Wolfenbüttel- 
Infanlcrie-IiGginiente Nr. lU, und kämpfte im bayerischen Erbfolgekriegc als Ober- 
änileosat, im Türkeokriejre als Uftuptmann, 

In den Fcldziigen wider Frankreich ward er bei der Vertheidigung von 
Ürcbies 1793 verwundet und durch den General Kray seines Woblverlialtens 
•c^ ■ugerüJimt. Diese Beweise rühmlicher Haltung g'ab er in allen Vorfallen 
bittuu Lunevillcr Frieden so augenscheinlich, dass er schon im August 1800 zum 
Obenien im Ilegimento die Beförderung erhielt imd den Feklzug des Jahres 1805 
bei Jer Division Lindenau in Italien mitmachte. Im April 1807 Gonerid-Major, 
triiifji Buresch im Jahre 1809 eine Brigade bei dem 2. Armeecorps, Sic bestand 
utden Infanterie-fiegim entern Zach (dermal Herzog vonNassau) und Joseph 
Collorcdo (jetzt Fürst Jablunowaky). 

Äni ersten Tage der denkwürdigen Schlacht von Aspern batte das zweite 
Onji«, FeldaiarBchall-Lieuteoant Prinz Ilohenzollern, in welchem Buresch 
OuhI, die dritte Colonne zu bilden und sich nach der Disposition aus der Auf- 
itökag von Seiering über Süsscnbrunn und Breitenlee in Marsch zu setzen. Um 
SLVNacfamittags nahm der Fürst vorwärts Breilcnleo Stellung, vor seinem rechten 
flBgellag Aapern. Buresch unterstützte den langen und harten Kampf der ersten 
ad nnntea Colonne um dieses Dorf durch das Feuer seiner Batterie. Aspern wurde 
'Ukunneren Truppen melirmals erobert und endlich behauptet. Napoleon lässt 
ua£eBataillonatDasgen der zweiten, dritten und vierten Colonne durch 44 Schwa- 
linmcniiDlor Bcssiitres und d'Espagne angreifen. Die schwache, der zweiten und 
inuen Colonne beigegebenc Reiterei wirft sich tlieaen unübersehbaren Rciterlinien 
'«rdiÜMCiUgegen, wird aber geworfen. Jetzt umgeben mehrere französische Küraa- 
Mr-Regimentcr die Bataillonsmassen dieser beiden Colonnen — es war die Division 
I ddiMrHcfa&ll- Li enteil an t Brady mit der Brigade Buresch und Koller, die 
Mdüii ^«nannten Infanfcric-Regimentcj-, dann das im Jahre 18U9 rcducirto Infan- 
'"ie-Heginieol Zedtwitz, ein Bataillon Stain und das zweite Bataillon der Legion 
^Eixog Karl — and fordern sie znr Ergebung auf. Einige feindliche Officiere 
'■liaiheTTor und rufen: „Streckt die Waflcnl" ,Holt sie Eucb," ist die aus dem 
rWiidion Alterthnme nacliliallende Antwort der Braven, die mauerfest stehen 
*Wlei ; »uf swjuizig Schritte lassen sie die Kürassiere herankommen, und empfan- 
ra rie dann mit einem verheerenden Gliederfeucr. Die getroflcnen Rosse und 
Bwu-fiürzicn todt oder verwundet Über einander, der Rest rettet sich durch die 
■^timd wird von unserer leichten Reiterei bis zu ihrer Infanterie verfolgt. — 
•uniweitcnScldachtlage nach 8 Uhr Vormittags begann Napoleon seinen zweiten 
P^*n Angriff auf unser Centruni. Die Truppen des Generals Buresch waren 
"*' lock erschöpft von dem Kampfe des vorigen Tages, doch wiesen sie mehrere 



978 

feindliche Angriffe zurück. In dem kritischen Momente, als die Ermattung den 
Widerstand zu schwächen begann^ stellte sich Erzherzog Karl selbst an die Spitze 
des Regiments Zach, rückte mit demselben vor, und der Feind wurde nun auf allen 
Puncten zurückgedrängt. Der Erzherzog, Zeuge des Muthes und der Beharrlichkeit 
des Generals Bure seh, verlieh ihm mit Armeebefehl vom 24. Mai im Namen 
Seiner Majestät des Kaisers das Ritterkreuz. 

Auch bei Wagram leistete der tapfere General mit seiner Brigade den von 
Baumersdorf her gegen den linken Flügel des 2. Armeecorps vordringenden feind- 
lichen Colonnen den kräftigsten Widerstand, während Feldmarschall-Lieutenant 
Prinz Hohenzollern in Person das Chevauxlegers-Regiment Vincent herbei- 
holte, trug auch hier wesentlich zu den Erfolgen des ersten Tages bei und ward in 
der Relation unter den Ausgezeichneten genannt. 

Buresch starb als Feldmarschall -Lieutenant und Divisionär zu Wien am 
1 7. März 1813 im 65. Lebensjahre. 

WACQÜANT-GEOZELLES, Johann Theodor Freiherr von, Feldzeugmeister, 
geheimer Rath^ Kämmerer, Inhaber des 62. Infanterie-Regiments, aus einem ural- 
ten ritterlichen luxemburgischen Geschlechte abstammend^ war am 17. Mai 1754 
zu Brieg in Lothringen geboren. Schon in frühester Jugend Neigung zu dem 
Stande zeigend^ dem er stets mit Leib und Seele ergeben blieb, trat er im Sep- 
tember 1771 als Cadet in das Artillerie-Corps der Niederlande, in welcher Eigen- 
schaft er bereits bei der Aufnahme der Niederlande unter dem Feldmarschall- 
Lieutenant Grafen Ferraris seine vielseitige Brauchbarkeit zeigte. Im Juli 1779 
zum Unterlieutenant im Mineur-, und einige Jahre später zum Oberlieutenant im 
Ingenieur-Corps befördert, wurde er in diesen Chargen beim Baue der Festung 
Theresienstadt verwendet. 

Im Kriege gegen die Türken fand Wacquant zuerst Gelegenheit seinen 
Muth und seine Unerschrockenheit zu zeigen. Nachdem er bereits bei der Belage- 
rung von Schabacz sich rühmlichst hervorgethan hatte , wurde erwogen Aus- 
zeichnung bei der Belagerimg von Belgrad ausser seiner. Tour zum Capitän- 
Lieutenant befördert. 

Der Ausbruch des Revolutionskrieges rief Wacquant auf einen anderen 
Kriegsschauplatz. Er wurde im Februar 1793 seiner vielseitigen Brauchbarkeit 
wegen als Hauptmann in den General-Stab übersetzt und im Mai desselben Jahres 
zum Major und Flügel- Adjutanten des Feldmarschalls Prinzen Coburg ernannt. In 
dieser Eigenschaft leitete er einen Theil der Belagerungsarbeiten vonValen- 
ciennes, wo er sich vielseitig auszuzeichnen Gelegenheit hatte. Im August 1795 
wurde er Oberst-Lieutenant im General-Stabe der Armee Wurmser's. Bei der 
von selbem den 29. October 1795 angeordneten Erstürmung der Verschanzungen 
am Galgenberge bei Mannheim gelang es ihm mit dem Grenadier-Bataillone 



Rvdf skiity bis m die Neckar-Schanze zu dringen und 18 Kanonen zu vernageln. 
(0 lUss noch in der Nacht die Beschicssunfr der Stadt von dort aus eingeleitet 
«■den konnte. Der Herzog von Württemberg verlieh ihm für diese That da& 
Omnuidcurkreuz seines Militär- Verdienst-Ordens. 

Wac<]uant nalim fortwährend Anthcil an allen lireignissen der j\jmee iii 
DoitKbUnd. Nachdem er bereits Commandant der Festungen von Würzbiirg und 
bf!olctult gewesen, ward er im September 1800 zum Obersten und Coniraan- 
irntta von Btirghausen ernannt, imd im folgenden Jahre erhielt er das 
Onaiuido des Infanterie-Regiments Gemmingen (jetzt Baron ßeischach 

Im Feldsuge von 1805 zeichnete sich \Va c q u a n t am 5. Deceniber im Gefechte 
M Stacken aus, in Folge dessen die Franzosen Iglau zu verlassen genSthigt 
nrfen. Nach abgeschlossenem Waffenstillstände wurde er beauftragt die Dcniar- 
aliontlinie zwischen Tabor und Linz zu bestimmen , und als sich die Franzosen 
md Bi^era in Böhmen und Österreich allerhand Erpressungen erlaubten, wurde 
tt 10 Napoleon nach München gesandt, um dcsshalb Reclamationen zu machen. 
Nubdem die Räumung Braunau's durch die Franzosen im diplomatischen Wege 
botit« eingeleilet war. wurde der im April 1807 zum General-Major beförderte 
WicijuaDt ini November 1807 abgesendet, um diese Festung von dem kaiserlich 
InottittscbGn Coniraissar Otto zu übernehmenj welches Geschäft er zur besonderen 
2ift»deiiheil scüies Monarchen beendete. 

Beim Ausbruche des Feldzuges 18Uy erhielt Wacijuant eine Brigade im 
If inneocorps des Generals der Cavallerie Grafen Bellegarde, mit welchem er 
tBiGefeuIitein Bayern mitmachte. In der Schlacht von Asporndrnng Wacqu ant 
■B 31. Mw Abends an der Spitze seiner Brigade, die Leibfahne dc^ Regiments 
Vof^ulga D g (jutzt K i n s k y Nr. 47) tragend, mit dem Rufe : „Mir nach, Kameraden !~ 
iadu von 12,000 Franzosen vertheidigtc Aspern, welches er dem Feinde entriss 
"Od die ganze Nacht hindurch gegen sieben Angriffe behauptete. Drei Pferde 
■ndmibm bei dieser Gelegenheit unter dem Leibe getödtet. Für sein ausgezeichnet 
^knt Benehmen ward ihm auf dem Sehlachtfcldc mit Armeebefehl vom 34. Mai 
^Rifter kreuz zu Theil. Auch in der Schlacht bei Wagram wurden ihm zwei 
fktia getsdiet. 

Nwh abgeschlossenem l^'rieden wurde Waccjuant /um Commissär bei der 
vttetnn^ von Salzburg und Bercbtesgaden ernannt. Kaum hatte er dieses 
vtKhüA xur Zufriedenheit seines Hofes beendet, als er in gleicher Eigenschaft 
iMk Galizien goaendet wurde, um daselbst die Abtretung Ostgaliziena an Siiehscn, 
■id« Twaopolcr Kreises an Russland zu bewirken. Seine Majestät der Kaiser 
"Uz, ausgezeichnete Verdienste huldreich lohnend, verlieh Ihm, seit August 
WW bereit» zum Feldmarsc ball -Lieutenant vorgerückt, im März 1810 die Inha- 
des 62. Infanterie-Regiments und den Freiherrnstand. 



980 

Beim Ausbruche des Krieges 1813 wurde Wacquant als MUitär-Commissär 
in das Hauptquartier der Verbündeten gesandt^ in welcher Eigenschaft er den 
Schlachten von Dresden, Kulm und Leipzig beiwohnte. Als im December 
die Verhältnisse der Alliirten mit Württemberg zu Stuttgart einen energischen 
Abgesandten erforderten, ward Wacquant mit ausserordentlichen Vollmachten 
dahin abgeschickt. Unter Androhung der feindlichen Besetzung des Landes durch 
die Reserve- Armee des Grossfürsten Constantin gelang es ihm, gleich am andern 
Tage den bisher verweigerten Ausmarsch der königlichen Truppen zu erwirken. 
Im Gefolge seines Monarchen machte er nun den Feldzug in Frankreich mit. 
Nach dem Frieden wurde ihm wieder die Regulirung der Grenze gegen Frankreich 
vom Ausflusse des Var bis zur Mosel übertragen. Doch in diesem Geschäfte über- 
raschte ihn die Rückkehr Napoleon's von der Lisel Elba. Der Kaiser übertrug 
ihm hierauf das wichtige Gouvernement der Festung Mainz, welches er im April 
1815 dem Erzherzoge Karl abtrat. Ins Hauptquartier der Verbündeten berufen, 
erhielt er hier für seine neuerdings geleisteten Dienste den kaiserlichen Stephans- 
Orden. Im Juni wurde ihm die Blockade Strassburgs ifbertragen. AlsinFolge 
der Schlacht von Waterloo aUgemeine Waffenruhe eintrat, schloss er mit dem franzö- 
sischen General-Lieutenant Rapp den Waffenstillstand am Oberrhein. Im Sep- 
tember desselben Jahres verlieh ihm die Gnade seines Monarchen die Würde eines 
wirklichen geheimen Rathes. Nun wiirde er, da aus Anlass der von Bayern an Oster- 
reich abzutretenden Provinzen Differenzen zwischen beiden Höfen eingetreten waren, 
zu deren Schlichtung nach München gesandt. Seinen geschickten Negotiationen 
gelang es, dieselben zum gütlichen Ende zu fuhren und den am 14. April abge- 
schlossenen Tractat zu Ende zu bringen. Seine Majestät geruhten ihm zur Beloh- 
nung für diesen ausgezeichneten Dienst den Orden der eisernen Krone 
1. Classe zu verleihen. Im September desselben Jahres zum ausserordenth'chen 
Gesandten in Cassel ernannt, verblieb er daselbst bis zum Jahre 1821. Nach der 
Abberufung von dort ward ihm die Stelle eines Divisionärs und Militär-Comman- 
danten von Troppau verliehen. 

Wacquant, dessen Gesundheit in seiner bereits öOjährigen Dienstzeit bedeu- 
tend gelitten hatte, suchte nun um den wohlverdienten Ruhestand an, den ihm 
auch die Gnade seines Monarchen gewährte. Er begab sich nach Wien. Doch 
auch in dem Stande der Ruhe widmete er sich gar oft dem Staatsdienste, indem er 
zu wiederholten Malen die Präsidentenstelle bei dem Militär- Appellationsgerichte 
übernahm, bis ihn der Kaiser im Jahre 1833 nach dem Rücktritte des Feldmar- 
schalls Baron Lattermann zum wirklichen Präsidenten dieses hohen Gerichts- 
hofes ernannte und Kaiser Ferdinand ihm kurz nach seinem Regierungsantritte 
die Feldzcugmeisters-Würde ertheilte. 

Bis zum Jahre 1839 versah er diese Stelle, wo ihn das hohe Alter von 
85 Jahren nöthigte, imi seine erneuerte Pensionirung zu bitten. 



Seclis und fünfzig Jahre hatte Wacqnant dem Staate sowolil als Militär wie 
iliDiplomat mit Auszeichnung gedient, unä diese Verdienste Seine Jlajestät der 
EÜMT such bei dessen Pensionirung durch die Verleihung des Grnsskreuzes 
deiLcopoId-Ordens anerkannt. 

Von lebhaftem, heiterem Temperamente, behielt er seinen vielseitig gebildeten 
Urätund sein GcdSchtniss bis an sein Lebensende. Seine vielseitigen Dienststel- 
hm^ hatten ihn mit allen NotabilitUten der Zeit in vielfache Berührung gebracht. 
Seia eifahnuigsreicbes Leben gab ihm Stoff zur lehrreichsten Unterhaltung. In 
xiiieiii Hause, wo sich Alles einfand, ^as auf Geist und Bildung in höherer 
Spühra Anspruch machte, war er der Mittelpunct des geistigen geselligen Lebens. 

Kach mehreren, in körperlichen Leiden zugebrachten Jahren, die jedoch seine 
Grätetkrafl nicht schwächten, starb Wacquant, von Allen, die ihn kannten, tief 
hbnert, ani 18. März 1844 im 90. LebensjaJire. 

Seinen Sarg schmückten das Groaskreuz des Leopold-Ordens, cÜe Ritterkreuze 
äa Miria Thcresicn-Ordens, der eisernen Krone 1. Classe und des St. Stephan- 
Ordecu nebst 12 Grosakreuzen ausländischer Orden, die er sich in seiner Dienstzeit 



WBD-RüNKEL, Friedrich Ludwig Prinz zu, Fcldmarschall- Lieutenant, 
Uilicr des 34. Infanterie-Regiments, zu Dlerdorf im preussiachen Regierungs- 
Itiirte Koblenz 1769 geboren. Dieser tapfere Prinz hatte seinem nusgezeich- 
"(ten Ahn, dem Feldmarschall Grafen Wied in den militärischen Tugenden 
utbgMifert und die erste Jugendzeit holländischen Diensten gewidmet. In diesen 
Bxiie er die Kriege gegen Frankreich unter dem Erbprinzen von Oranien 
Sil, mtrde 1794 gefangen, stieg bia zum Major empor und erhielt im August 
l'ti' eine Hauptmannsstcllc bei dem Infanterie-Regimente Hohenlohe-Kirch- 
WrjNr. 17. 

Hit diesem Reginientc wohnte er dann der Belagerung von Ancona 1799, 
•l<lI»jorTon Gemroingen Infanterie Nr. 21 dem Feldzuge in Deutschland 1800 
K W er durob Klugheit und Tapferkeit die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten 
«fiicli sog und zum Oberst-Lieutenant befördert wurde. 

Den Feldzug 1805 machte derPrinz als Oberst des Regiments im Wcrneck- 
•«oi Corps mit und ward vor Ausbruch des Ki'iegesim Jahre 1809 General- 
"»jar. Ea ward ihm die aus den Infanterie - Regimentern Rohan, Stuart und 
•'«hlirh zusammengesetzte Brigade im zweiten Armeecorps zugewiesen, welche 
"^«■Schlacht bei Aspern zur dritten Colonne zälilte. Am 22. des Morgens, 
'* Jer neunten Stunde, als unser linker Flügel von Aspern zurückgedrückt wurde, 
"Tille des Feindes Reiterei einen heftigen Angriff auf die Mitte unserer Schlacht- 
""'"«nf. Das 3. Bataillon Rohan, unter Oberat-Lieutoncnt Krause, stand am 
*^Mea vor gegen Ksslingen, und hatte den ersten Anfall nuszuhalten. Muthig 



982 

schlug dasselbe den AngriiF ab; nicht so glücklich war ein nebenstehendes 
Bataillon^ in dessen Mitte eine Granate platzte und die Masse in Unordnung 
brachte. Die feindliche Reiterei benutzte diesen Augenblick ; schon waren einzelne 
Reiterin dieselbe gedrungen und einige unserer Soldaten zusammengehauen, schon 
war ihre gänzliche Auflösung und Zersprengung zu besorgen : — da befahl der 
Prinz dem 3. Bataillon Rohan in die Flanke der feindlichen JEleiter ein wirksames 
Feuer zu richten; der Feind liess von dem gedrängten Bataillon ab , und dieses 
gewann Zeit sich zu sammeln. Mittlerweile war unsere Cavallerie auch herbeigeeilt; 
die feindliche wurde angegriffen, geworfen und verfolgt. Würde der französischen 
Reiterei der Angriff gelungen sein, so wäre das 2. Armeecorps von dem 4. getrennt 
worden und der Nachtheil für das Allgemeine von nicht zu berechnenden Folgen 
gewesen sein. Der Generalissimus, Zeuge des ausgezeichneten Verhaltens , welches 
Prinz Wied-Runkel an den Tag gelegt hatte, verlieh ihm mit Armeebefehl vom 
24. Mai das Ritterkreuz. 

Zum Feldmarschall-Lieutenant im Juli 1813 befordert, befehligte der Prinz 
eine Division bei dem Belagerungscorps vor Dresden unter dem General der 
Cavallerie Grafen Kien au und war auf dem rechten Elbeufer bei Weins dorf 
postirt, um der Besatzung jede Verbindung mit Torgau abzuschneiden. Der Ver- 
such des französischen Marschalls St. Cyr, dieEinschliessungslinie auf dem rechten 
Ufer der Elbe zu durchbrechen und Torgau zu gewinnen, scheiterte an des Prin- 
zen Widerstand. Am 6. November traten 15,000 Franzosen den Marsch auf der 
Grossenhainer Strasse mit Tagesanbruch an, gefolgt von mehreren hundert mit 
Lebensmitteln und mit Gepäck beladenen Wägen. Es gelang ihnen die österrei- 
chische Vorhut bis auf die Fläche der Drachenberge zwischen dem Chaussdehause 
und Reichenberg zurückzuwerfen. Hier aber griff Prinz Wied-Runkel mit 
österreichischen und russischen Truppen den Feind so kräftig an, dass er mit 
einem Verluste von 800 Mann nach Dresden zurückgeworfen wurde. Nach der 
Übergabe dieser Stadt kam Wied-Runkel zur österreichischen Südarmee unter 
Feldmarschall-Lieutenant Bi auch i. Mit seiner Division überschritt er zu Anfang 
März 1814 bei Dole den Doubs und marschirte nach Villette, nöthigte Augereau's 
linken Flügel durch die Gewinnung der Höhen Les Rues zum Rückzuge, nahm 
Theil an dem Treffen bei Limonest (20. März) und bewährte auch in dieser Epoche 
seine vortrefflichen Eigenschaften. 

In dem Kriege gegen Murat 1815 verstärkte Wied-Runkel die Colonne 
des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Nu gent mit 6 Bataillonen, nahm an den 
Operationen thätigcn Antheil, führte dann einen Theil dieser Armee zur Occu- 
pation nach Frankreich, und wurde später an Stelle des schwer erkrankten 
Feldmarschall-Lieutenants Chasteler Militär-Gouverneur in Venedig. 

Bei der Intervention in Neapel 1821 war dem Fürsten vorerst eine Division 
und nach Niederdrückung der Revolte das Gouvernement in den nördlichen Pro- 



98S 

mien dieses KünigreicbeB übertragen; doeh tehric er sclion 1823 nach Mailand 
lUfiick lind übernabiii zu Ende dea Jabres ein Divisiona-Commando in Prag. 

Der Prinz starb auf einer Reise nacb Runkel daselbst am 28. April 1824 und 
mii ihm erlöse b die Linie Wied-Runkel, welche jetzt mit Wied-Neuwied 
»«einigt ist. 



David Ton, General-Major, zu Kanb am 20. December 1762 
■tu ugoscbeocr Familie geburcn, als Soldat und Menscb, als Fatiiot und Freund 
glflitb geacbtet und fiir den gewählten Stand feurig eingenommen, trat schon mit 
IfiJihreD als Cadet bei dem 32, Infanterie- Regimente ein und zeichnete sich bei 
»Jien Gelegenheiten, im Türkenkriege, in den französischen Kriegen am Rhein 
and in Italien aus, so dass er im September 1805 Major im Regimente wurde. 

In dieser Campagne lernte ihndcr Erzherzog Karl in der Schlacht bei Cal- 
oieroala einen rorzuglicL braven, entschlossenen und einsichtsvollen Anführer 
(rtlKrer Abtheilungen kennen, — Eigenschaften, welche Andrässy als Oberst 
nd Coounandant des Infanterie- Regiments Froonini Kriege 1809 auf daa Rühm- 
Wirte bathxtigle. — Es war am ersten Seidachttage bei Aspern, als die feind- 
Sti« Reilei'ei die im 3. Araieecorps eingetbeilte, an Zahl sehr geringe Cavallerie 
urUckwarf und unsere Batterien dui-ch das Andringen der überströmenden Scbaa- 
no ihre Sicherheit in der Entfernung suchen musülen. Dieser drohenden, von 
■■Uanelibar naehtbelligen Folgen begleiteten Gefahr setzte der beispiellose Mutb 
w braven Obersten dadurch Schranken, dasa er mit den Massen seiner zwei 
wuillone der feindlichen Reiterei entgegenrückte, sich ihr aus eigenem Antriebe 
»d gleichsam zum Kampfe aufFordornd entgegenwarf und verhinderte die bereits 
ftnagenen Vortlieilc zu verfolgen; dadurch wurde unseren Truppen die Müglieh- 
Mit Tencliafft unter dem Schutze dieser Massen sich zu sammeln und crneuerteti 
^fl'entaRd XU leisten. Aber auch in der darauf folgenden Schlacht am 22. Mai 
w» Andräasy durch das rUhnilicbe Beispiel seiner Bravour und Kaltblütigkeit 
E»a besonders zum glücklichen Ausgange beigetragen. Fcldmarschall-Licutenant 
•Ml von llobenzollorn, der Commnndant des 2. Armeeeorps, wurde am Vor- 
Bittige vom Feinde mit überlegenen Kräften in der Fronte angegriffen, und die auf 
KB recbteo Flügel gestandenen Brigaden Buresch und Wied-Runkel etwas 
pvarfeo. Aber Andrissy mit seinem Regimente hielt unter dem heftigsten Kar- 
'Uxiben- und Kanouonfeuer kaltblütig und in nachahmungswUrdlgor Ordnung 
SUod, abgleicb er beide Bataillons -Commandanten und mehrere Officiere und 
(^^Q Bcbuu verloren hatte. Durch sein Beispiel angeelfcrt, repllirten sich 
wkrere Bataillone hinter Andrilssy'ä Regiment Er selbst sprengte zu dem 
wlwJeilcndeo Feldhcrm und bat gegen den Feind vorrücken zu dürfen. Dies 
mdab nach wenigen Augenblicken in Bataillonsmassen so erfolgreich, dass der 
ftiad is aeinein VortLeile aufgehalten, und als sich mehrere von den gesammelten 



984 

Bataillonen dem tapferen Regimente Froon angeschlossen hatten^ "vsnirde er selbst 
zum Weichen- gebracht und das gedrohte Durchbrechen des im Centrum der 
Armee aufgestellten 2. Corps vereitelt. Das Capitel vom Jahre 1810 erkannte 
Andrässy's entschlossenem Muthe das Ritterkreuz zu. 

Mit gleicher Auszeichnung focht er später als Oberst des Infanterie-Regiments 
Hieronymus Colloredo, wohin er im Juli 1811 eingetheilt wurde, in dem 
Feldzuge gegen die Russen 1812 bei dem kaiserlichen Hülfsheere und hatte wesent- 
lichen Antheil an dem Siege bei Podubnie. Seine Majestät der Kaiser ernannte 
ihn dafür zum General-Major. 

Das Schlachtfeld von Dresden wurde seine Todesstätte. Nach mehreren 
erhaltenen Wunden riss ihm hier am 27. August 1813 eine feindliche Kugel 
die linke Seite weg und mitten in dem grossen Kampfe endigte ein schneller Tod 
sein tapferes Leben. Sein Adjutant, Oberlieutenant von Sauer, brachte die Leiche 
des ruhmvoll Gefallenen aus dem Feuer und begrub sie im Dorfe Räcknitz, ein 
und eine halbe Stunde von Dresden. 

FÖLSEIS, Joseph von, Feldmarschall - Lieutenant, geheimer Rath, Inhaber 
des 29. Infanterie-Regiments, zu Wiener-Neustadt 1760 geboren, hatte seine Lauf- 
bahn kurze Zeit vor dem bayerischen Erbfolgekriegc als Cadet im 12. Infanterie- 
Regimente begonnen, an allen Kriegsereignissen der nachgefolgten Epoche thätigen 
Antheil genommen, und sich in der Schlacht bei Stookach als Hauptmann vor- 
theilhaft ausgezeichnet. 

Im Jahre 1809 commandirte Fölseis als Oberst das 3. Infanterie-Regiment 
Erzherzog Karl und erkämpfte sich bei Aspern das Ritterkreuz, welches ihm 
mit Armeebefehl vom 24. October zu Theil wurde. An diesem Tage beim 5. Armee- 
corps eingetheilt, hatte Fölseis am 22. Mai um 4 Uhr Früh das Dorf Esslingen, 
nachdem es schon Tages vorher einige Male genommen und wieder verlassen werden 
musste, neuerdings angegriffen, erstürmt und sofort durch 4 Stunden gegen 
die ungestümen Angriffe des Feindes standhaft behauptet. Nur die Übermacht, 
Fölseis' Verwundung und seine bereits sehr geschwächte Mannschaft machten 
eine längere Ausdauer unmöglich. Indcss hatte diese mehrstündige tapfere Verthei- 
digung den wesentlichen Nutzen zur Folge, dass die Truppen des in 2 Colonnen 
getheiltcn 4. Armeecorps zum Nachtheile des überlegenen Feindes auf ander- 
weiten Puncten verwendet werden und im Ganzen zum Siege beitragen konnten. 

In den Jahren 1813 und 1814 commandirte Fölseis als General-Major eine 
Brigade bei dem Heere in Innerösterreich. Er rückte über Cilly und Kreuz nach 
Stob , dem Vereinigungspuncte der Strassen von Völkermarkt in Kärnthen und 
von Cilly nach Laibach, vor. Um diese Zeit (8. September) hatte General Be Hot ti 
vom Vicekönig Befehl erhalten nach Tschemutz aufzubrechen, diesen Posten nebst 
Brücke zu besetzen, sich an der Save abwärts bis Saloch auszudehnen, um die 



Mitt, irelche seinen) rechten Flügel drohte, zu entfernen und FöUeis nach 
Qjlj turückzun-erfeu. Bellotti, statt auf der geraden Strasse von Krainburg nach 
Titieniutz am recliten Ufer der Save vorzurücken, väiille das linke Ufer; diese 
Cannichtigkeit benutzte F ö 1 s e i s , gritf B e 1 1 o 1 1 i bei Navreg und Uttich au und 
Tiaielitete seine AbtLeilung, wobei Letzterer selbst verwundet und gefangen wurde. 
hTerlaufc der weiteieo Ereignisse erhielt Fiilseis Anfangs Februar 1814 das 
Cmuodo der Blockade von Legnago , und im Jahre 1815 eine Brigade unter 
frinoat. Dieser bezweckte zuEndc Juni sich der Jurapässe zu bemächtigen, 
mdBbertrug Fölseis die Erstürmung des Engpasses Les Rousses. Nach einer 
lartnltdügep Gegenwehr der Franzosen erreichte Fülseis am 28. Juni das Ziel, 
ädtm er die grossen Versdianzungen erstürmte und dann bis St. Laurent vor- 
rtfiktCL Als Frimont am 14. Juli Lyon besetzt und sein Gegner Suchet sich 
ÜDltt die Loire gezogen hatte, beschloss er Bcsan^on beionnen und den Rest 
^rFnuzoscn, welche »ich noch zu Salins zwischen Dole und Pontutier befanden, 
beiSiiioa einachliessen zu lassen. In Folge dieses Planes niusste Fölseis gegen 
Dole und von da weiter auf Bosan^ou rücken. Da inzwischen sich aurli der 
knoüelie General Hecht Salins näherte, so sahen die dort befindlichen Fran- 
um ihren Kückzug abgeschnitten und unterwarfen sieh mit Capitulation. 

Neben dem Orden der eisernen Krone 3. Classe wurde Fölseis von den 
Künigen Frankreichs und Sardiniens mit ähnlichen Beweisen der Anerkennung 
ua^icichnei, im Jahre 1818 zum zweiten uud nach dem Ableben des Herzogs 
'»uNswan zum ersten Inhaber des 29. Infanterie-Regiments, endlich 1825 zum 
•lidiurachall- Lieutenant und Festungs-Conimandantcn in OlniUtz ernannt. 

Kscli 54 Dionstjahrea trat Fölseis unter Verleihung der geheimen Raths- 
*fide in den Kuheslnnd. und besehloss sein Leben zu Olmütz am 3. Jänner 1841. 

MBCSERY, Karl Freiherr von, Fcldmaraehall-Lieutcnnnt und Kämmerer, Inha- 
w^w 51. Iitfantcric-Uogimcnts, einem alten ungarischen Geschlechto entsprossen, 
"OTBI Raab 1770 geboren. In frlihcatLT Jugend folgte dieser ausgezeichnete Krieger 
"Olf tnegcsprochenen Neigung zum Militär und wohnte den Türkcakriegcn als 
•Unrieli und Lieutenant des 3. Infanterie-Regiments Erzherzog Ferdinand hei. 

Sane vortrefflichen Eigenschaften lenkten gar bald die Aufmerksamkeit der 
«tteren uif ilin und er wurde schon im September 1793 als Oberlioutcnnnt in den 
™«rd-St»b aufgenommen, eine Auszeichnung, welche er in der kriegerischen 
%x4e b« Fielen Veranlassungen eben so glänzend als für den AllerhöchstenDieust 
B^üeulkli belbiitigte. Namentlich wai- es der Feldzug 1799 in Italien, wo 
'ttadry'a Kamen in den Relationen der entscheidendsten Schlachten mit grossem 
'^genannt wurde, so bei Cassano und Novl, dann ab Major bei G enola am 
ili«rciiib«r und endlich in dem blutigen TreDen belMondovi om 13. desselben 

L Noch doni Luneviller Frieden zu Keuhl-lufantorie Nr, 10 ein^etheilt und 



986 

vor Ausbruch des Krieges im Jahre 1805 als Oberst -Lieutenant in den General- 
Stab übersetzt, war seine Verwendung in dieser Epoche eine nicht minder erspriess- 
liehe; doch erst das Jahr 1809 lohnte seine ausharrende Tapferkeit; mit grosser 
Unerschrockenheit gepaart, auf eine besonders ehrenvolle Weise. 

Er commandirte als Oberst das 28. Infanterie-Regiment Fröhlich. Am ersten 
Schlachttage von Asp er n richteten zahlreiche feindliche Abtheilungen ein mörde- 
risches Feuer gegen das im Centrum des zweiten Armeecorps gestandene Regiment, 

undMecsdry rief Freiwillige zumTirailliren auf. Diese, durch kluge Umsicht gelei- 

. 

tet, drückten die feindlichen Flankier zurück und fügten der Artillerie-Mannschaft 
und Bespannung namhaften Schaden zu. Am zweiten Schlachttage unternahmen 
zahlreiche Abtheilungen französischer Kürassiere in mehreren Colonnen den Angriff 
auf das Intervall zwischen dem zweiten und vierten Armeecorps bei Esslingen. 
Mecsdry wurde mit dem Regimente eiligst beordert, die offene Stelle auszufüllen. 
In drei Bataillonsmassen formirt, erwartete der tapfere Oberst mit Ruhe und Ent- 
schlossenheit den Anfall der Kürassiere. Es waren vier Regimenter. Schon waren 
diese Schaaren gepanzerter Reiter, welche Alles niederzuwerfen schienen, bis auf 
vierzig Schritte herangekommen, als sie, durch die feierliche Stille in den Massen und 
deren ruhige Haltung getäuscht, plötzlich anhielten. Einige feindliche Officiere, in 
der Meinung das brave Regiment wolle sich ergeben, ritten noch näher heran, und 
forderten sie auf, die Waffen abzulegen. Aber nun erscholl es hie und da aus den 
Massen, von einigen voreiligen Schüssen begleitet: ;,Holt sie Euch!^ Corporal 
Kohout tritt sogar aus der Masse heraus und sticht einen dieser Officiere vom 
Pferde. Nun befiehlt der feindliche Commandant die Attaque. Doch bei der ersten 
Bewegung dieser Reiter gegen die Masse commandirt Oberst Mecsdry: „Feuer I^ 
und Salven auf Salven donnern ununterbrochen in des Feindes Reihen und schmet- 
tern ganze Abtheilungen, sammt deren Commandanten, General d'Espagne, 
nieder. Der Rest aber sucht sein Heil in der Flucht. Diese ausgezeichnete That 
wurde durch Allerhöchstes Handbillet vom 14. September 1809 mit dem Ritter- 
kreuze belohnt. 

In den grossen Kriegen 1813 — 1814 commandirte Mecsdry, seit Mai 1813 
zum General -Major befördert, eine Brigade in der Division des Feldmarschall- 
Lieutenants Fürsten Aloys Liechtenstein. Die beiden Regimenter Reuss- 
Greiz und Vogelsang waren ihm untergeordnet, und was beide an den Tagen 
bei Leipzig, in den Gefechten bei Lyon, bei Orchamp en Place und im 
südlichen Frankreich 1814 geleistet, kam zumeist auf Rechnung der umsich- 
tigen Anordnungen ihres Generals , der jede Gelegenheit zu benützen verstanden 
hatte , wenn es galt die Waffenehre der kaiserlichen Fahnen zu fordern und zu 
heben. 

Mecsdry blieb dreizehn Jahre General-Major, und erwarb sich auch in der 
Friedensepoche durch rastlosen Eifer und Thätigkcit mehrfiiltig die Allerhöchste 



987 

Zifnedenheit, namentlich als Hri^ndicr zu Mainz, welche in der Vorleihung {\cv 
lululiers wurde dea öl. Infanterie-Regiments (Februar 1822j Ausdruck laiid. 

Nachdem dieser brave Soldat dem Staate 46 Jahre die besten Dienste gelei- 
lUliiatte, sog; er sich im September 1832 in den Ruhestand und starb noch im 
nkilichen .lahre am 26. Decemher zu Linz. 



Fasching, Karl Freiherr von, Gencrnl-Major und Inhaber des 4. Artülerie- 
Bfgimcnls, allerer Bruder des Artillerie-Obersten Jobann (s. d,), war zu Karl- 
tfidl 1753 geboren, und durch die Fürsorge des General-Artilleric-Directors Für- 
dfoLiccIiteiistein Tür dJeseWaffe, welcher er mit so grosser Auszeichnung 
ilurcli 56 Jahre gedient hatte, CrcfTlich vorgebildet. 

Im leteien Preussen- und TUrkenfcriego hatte sich Fasching, besonders bei 
der Belagerung von Belgrad ausgezeichnet; die Kriege gegen Frankreich 179& 
fo t'9V als Hauptmann, dann 1799 die Schlachten und Gefechte bei der Ober- 
ibeü-Armeo mitgemaeht, und wurde von den commandirenden Generalen wegen 
Misei Betragens sowohl in den Relationen wie auch Öffentlich mehrmals belobt. 
In Jthre 1800 war Fasching bei der feindlichen Blockirung der Festung Ulm 
Ji.\rtiUcrie-Commandant und im Jahre 1809 als Oberst und Artillerie-Chef beim 
6. Armeecorps nngestellt. Hier wohnte er den Treffen und Schlachten bei Landa- 
kol, Neomarkt, Kbelsbcrg, Aspern und Wagram bei, und wurde wegen ein- 
liehtjvtillcr Leitung der Artillerie in jedem Armeeberichte rühmlichst genannt. 
FiubitoDdere hatte Fasching bei Aspern durch tapferes und einsichtsvolles 
BwieluDcn bei Verwendung der Batterien , namentlich aber wegen der höclist 
i*eckmiUsigen freiwilligen Disposition der Munitions-ßeserve am 22. Mai wesent- 
li^ nm Erfolge beigetragen, und wcitera bei Wagram durch die Aufstellung 
^ PoEJdons-Batterion auf der Anhöhe hinter Stanimersdorf gegen das Jäger- 
•"•w links hinaus nicht nur allein den Rückzug des Corps gedeckt, sondern auch 
der fenieren Verfolgung desFeindes durch das gut angebrachte Feuer der Geschütze 
iJniait getlian. Ohzwar er durch ein Stück einer zersprungenen Granate eine 
"wlteCoDtmion am Fu sse e rhalten, so blieb er dessen ungeachtet auf seinem Posten. 
"■näcEden Rückzugs gcfechtpn von Koineuburg, Stockernu und Oberhollabrunn 
*W er «eh zurück, um auf die Pflege seiner Wunde Bedacht zu nehmen. Seine 
^'»jertit der Kainer ernannte den umsichtigen Officicr mit jVi-meebcfehl vom 
•^-October 1809 zum Ritter dos Tberesicn-Ordens. und erhob ihn und 
"kea Bruder im Jiinncr 18J2 in den Freiherrnstand. 

Itn December I8X.1 zum General-Major bcRirdert, übernahm Fasching 
thremJ der Belagerung von Hüningen im Jahre 1814. nach der mit den Geuie- 
'jaienlen DannoundÜedovich gcgcnKnde März erfolgten Ankunft, die Führung 
•fO" ArtJUcrie. Seiner angestrengten Thiitigkeit gelang es schon in wenigen Tagen 
!&> April) ilaa aehwere Geachütz einKufuhi-eu, und in der Nacht vom 8, auf den 



9. waren 14 Batlerico mit 54 Geschützen vollendet. Ein heftiges Feuer aus sümmU. 

liehen Batterien am 11. erött'net, welches in der Stadt und Festung bedeutendes , 
Schaden verursachte und den Sturm vorbereitete, bewog den Commandanten zur| 
Übergabe des Platzes, die am 15. erfolgte. Im folgenden Jahre wurde Faschingi 
Chef der Artillerie bei dein Belageruiigsheere unter dem Feldzeugmeister Erzhei^ 
zog Johann und erneuert vor diesem Platza vei-wendet. Später zum Inhaber de»' 
4. Regiments ernannt, starb Fasching als Artillerie-Brigadier zu Bndweis am 
2G. August 1826. 

SCOVAÜD de laJiastide, Franz Friedrich Freiherr, General -Major, zu - 
Avignon in Frankreich am 5. August 1759 geboren , war der Sohn des Marschall 
de camp Peter von Scovaud und im August 1776 bei Bcaulicu-Infanlcric Nr. öS 1 
als Cadet unter des Kaisers Fahnen getreten. 

Scovaud hatte im Laufe einer 40jährigen Dienstleistung 19 FcIdzUgen und 
zwar vom bayerischen Erbfolge ki'iegc an bis zum Jahre 1809 beigewohnt, und iivi 
23 Schlachten und mehreren minder bedeutenden Gefechten mit AuszeichnunM 
gekämpft. Insbesondere that sich dieser brave Officier im Kriege gegen dio nie4 
derlöndischen Insurgenten als Oberlieutcnant im Jahre 1789 hci'vor, wo er, vona 
dem comm an dir enden General d'Alton zu mehreren geheimen Expeditionen' 
bci-ufen, vorzügliche Dienste leistete. Mit einem fliegenden Comniando von 80 Mann- 
Infanterie und 12 Dragonern sollte er jene geistlichen Häupter mit aller Behubi' 
samkeit zu arretiren suchen, welche man an der Revolution betheiligt glaubte, und) 
CS gelang ihm vier derselben einzubringen. Ein andermal besorgte Seovaud diÖ-! 
Überführung der Universitätsbibliothek und der Archive von Löwen nach BrUsselj 
in 180 Wägen mit nur 120 Mann Bedeckung mitten durch die Patrioten; ein drittel'. 
mal endlich überfiel er Tirloraont mit einem kleinen Detaehcment, hob die Rädclsri 
führer auf und stellte die unterbrochene Ordnung wieder her. In diesen und ddu 
bis zum Jahre 1794 nachgefolgten Kriegen gegen Frankreich hatte Scovaud alftlj 
Oberlieutenant stets eine Compagnie commandirt und kam im Mai 1799 zu BaiIIeU.| 
Infanterie, wo er im September 1805 zum Major vorrückte. . 

Im Feldzuge 1809 commandirto Seovaud ein Grenadier-Bataillon aus den 
Divisionen Baillct, Korpcn undDcutschmeisf er zusammengestellt. Bei dem 
BUckzuge unserer Armee nach Landab nt am 21. April wurde Scovaud auf der i 
Anhöhe rechts der nach Neumarkt führenden Strasse aufgestellt, um die zerstreuteai| 
Truppen aufzunehmen und den Feind am Vorrücken zu hindern. Bald darauE-jj 
machten die Grenadier - Bataillone Scovaud und Scharlach die Nachhut des ' 
rechten Flügels. Der Feind besetzte ein an der Strasse gelegenes Gebäude, «ü» 
welchem er diese Bataillone beunruhigte, aber daraus vertrieben ward. Soo- , 
vaud machte nun auf dem weiteren Marsche allein die Nachhut und hielt daa 
unablässig drängende feindliche Fussvolk in Bespect. Jetzt erschien Keitcrci und 




989 

michlc Micno in Scovaud's Grenadiere ciazuhauen , als dleao eben Geisaen- 
kuuen erreicht hatten. Sofort wurden auf dieses Majors Befehl die Eingänge 
Jnrcli Wägen verraiiimelt, und sicli vor der feindlichen Iteiterei gesichert. Ein 
ftynisches Cheranslcgcrs-Rcginient umritt den Ort und wartete his die Grenadiere 
im Verfolge des weiteren Rückzuges ihn zu vorlassen genüthigt sein würden. Sie 
tnlen, uni nicht abgeschnitten zu werden, in Massen forrairt den weiteren Marsch 
u. Hit kaltem Blate wurden die feindlichen Reiter erwartet; 50 Schi-itte hatten 
««eh den Massen genähert, da commandirte Scovaud „Feuer", und dieses, 
mhl ingcbracbt, trieb die Feinde mit Hinterlassung mehrerer Todten in die Flucht 
ui ütss sie von weiteren Versuchen abstehen. 

Am zweiten Schlaclittage bei Aspern wurde Seovaud, einige Tage früher 
tum Oberst- Lieutenant befördert, angewiesen das zum Sturme auf Esslingen vor- 
gtriickte Bataillon Scharlach zu unterstützen, welchem links das Grenadier- 
Btiaillon Kirchen better folgte. Der Schüttkasten dieses Ortes war, so wie der 
dirinttiMsende Friedhof vom Feinde stark besetzt und die diesen umgebende 
15 Ftus hohe Mauer durch angebrachte Schiessscbarten zu einer der haltbarsten 
Vtncbanzungcn umgeechaJfen. Links des Friedhofes waren mehrere feindliche 
üirde-Balaillone and eine durch Cavallerie gedeckte Batterie aufgestellt, welche 
BO terheerendes Feuer gegen das anrückende Bataillon Scharlach unterhielten. 
Diee* wich gegen Enzcrsdorf aus und Scovaud als Unterstützung hätte dieser 
Bnrej^g folgen sollen; er erkannte aber nur zu gut, dass durch diese Bewegung 
^eigentlicbe Zweck, das Centrum des Feindes zu werfen und ihn für den Rück- 
"Og über die Brücke besorgt zu machen, verloren ging, und griff, nachdem er das 
»uf 16 Msnn geschmolzene Bataillon Kirchenbette r an sich gezogen hatte, mit 
•UDcm noch 160 Köpfe zählenden Bataillon aus freiem Antriebe ganz allein das 
'"ftnickig vertheidigle Esslingen mit dem Bajonete an, bemächtigte sich auch des 
Kofjhofes und zwang die links aufgestellten Garden zum Weichen, obgleich er in 
ioi^FUnken beschossen wurde. Mangel an Munition und der unglückliche Irr- 
'iw, dtts Scovaud, da er ohne Unterstützung sich zu weit vorgewagt und von 
■OKTen Balten'on selbst beschossen wurde, nüthigten ihn den blutig errungenen 
■tnheil aufzugeben und den Rückzug unter heftigen Belästigungen anzutreten. 

Bei W'»gram griffSeovaud am 6. Juli Früh mit seinen Grenadieren das 
iWf Aderklaa mit grosser Bravour an und behauptete sich darin bis zum anbe- 
''Hencn Rückzüge, auf welchem ihm nach dem verwundeten Brigadier General 
**TTiUc »las Commando der Brigade zufiel. Am lU. Jidi nahm Scovaud in 
»ml b«i Pttmlitz und im Thaya-Thale gegen Mihlfraun Stellung; leistete an diesem 
T»je »ehr wesentliche Dienste, indem er das Vordringen des Feindes auf dem 
™tbten Thaya-Ufer durch die kluge, thütige und tapfere Verwendung seiner Batail- 
lone bifl «ur Anl&ngimg des 2. .A.rmeecorp8 standhaft binderte und seine Anfstel- 
«tbreod der ganzen Dauer des Gefeehtes behauptete. 



990 

Von gleichem Erfolge waren dieses umsichtigen Stabs-Officiers Anstalten am 
11. Juli bei der Vertheidigung von Znaim gekrönt, da er sich in der vortheilhaft 
gewählten Position bis zur Einstellung der Feindseligkeiten behauptete. 

Das Capitel vom Jahre 1810 erkannte Scovaud für die That bei Aspern 
das Ritterkreuz zu, und Seine Majestät verlieh ihm im Mai 1837 den statuten- 
mässigen Freiherrnstand. 

Dieser tapfere Officier musste schon zu Ende des Jahres 1811 Wunden halber 
in den Ruhestand treten und erhielt in weiterer Würdigung der langjährigen 
erspriesslichen Dienste den Obersten -Charakter. In den Jahren 1814 und 1815 
versah er zu Parma die Stelle eines Stadt- und Militär -Commandanten, kam dann 
als^ Platz-Oberst nach Udine und zog sich im Juli 1831 zum wiederholtenmale aus 
der activen Dienstleistung zurück, nochmals durch das Wohlwollen seines Kaisers 
ausgezeichnet, der ihm den Charakter eines Greneral-Majors verliehen hatte. 

Scovaud starb zu Wien am 25. December 1838. 

WEELAND, Georg Freiherr von, Feldmarschall -Lieutenant, Inhaber des 
9. Husaren-Regiments, zu Farkasfalu in Ungarn 1764 geboren, hatte im 6. Husaren- 
Regimente vom Cadeten bis zum Obersten und Commandanten 38 Jahre gedient, 
und an allen Kriegen, in welchen das Regiment in Thätigkeit gezogen wurde, aus- 
gezeichneten Antheil genommen. Cadet im September 1781, zog Wieland als 
Oberlieutenant gegen die niederländischen Insurgenten, machte den ganzen Krieg 
bis zum Luneviller Frieden in Deutschland mit, zeichnete sich als Rittmeister bei 
Würzburg und im Treffen bei Biberach aus, und focht im Jahre 1805 als 
Major unter General Mecsdry bei Günzburg mit Auszeichnung. 

Es ist bekannt, welchen grossen Antheil dieses Husaren - Regiment an den 
Tagen von Aspern und an den nach der Schlacht von Wagram eingetretenen 
Rückzugsgefechten hatte, und mit welcher Auszeichnung dasselbe die Feinde atta* 
quirte. Wieland theilte, am 15. Mai zum Oberst -Lieutenant befördert, diesen 
Ruhm. Als in der Morgenstunde des 22. Mai Kaiser Napoleon gegen unser 
Centrum seine Hauptmacht führte und sich hier ein lang anhaltender Kampf 
entspann, der endlich mit dem Rückzuge des Feindes endigte, machte Wieland 
einen besonders glänzenden und tapferen Angriff in die linke Flanke der feind- 
lichen Reiter und warf diese gehamischten Männer ungeachtet des heftigsten 
Widerstandes mit seinen Husaren über den Haufen, wodurch unserer Cavallerie 
Zeit verschafft wurde sich zu sammeln und das gedrängte Infanterie - Regiment 
Rohan zu retten. In den Gefechten bei Hollabrunn am 9. und 10. Juli zeich- 
nete sich Wieland wiederholt aus und wurde in der Relation öffentlich belobt| 
für die tapfere und entschlossene That des 22. Mai aber durch Armeebefehl vom 
24. October mit dem Ritterkreuze belohnt. Seine Majestät verliehen ihm auch 
im September 1810 den statutenmässigen Freiherrnstand. 



991 

tri den folgenden Fcldzii^ciiwxr Wieland a.\s Oberst und Commandant des 
Utpiuents, nsch der Schlacht beiLeipzigboi dem ArmeecorpsdeaFeldmarBchiill- 
LleatenanU Grafen Bobna und nahm an den von diesem gelieferten Gefechten 
.btbeil; daa blutigste bestand er am 19. Februar 1814 bei Bourg en Bresse, 
■0 er mit seiner geringen Abtheilung gegen General Musnier längeren Wider- 
«UDil leistete. Im Jahre Iäl5 überschritt er bei Gerasheim den Rhein und eilte in 
fortinen Märscheu durch das Flsass bis Strassburg vor, um sich mit dem Reg^- 
menleui dem Ende Juni unter Commando des Kronprinzen von Württemberg 
■uitgelukbten Gefechte zu betheiligen. 

Dieaer ausgezeichnete 11 usaren-Oiificier avancirte im Juni 1819 zum General- 
Mijomnd im März 1831 zum Feldmarschall-Lieutenanl, und leistete demVater- 
landeöT Jahre treue, aufopfernde und ersprieaeliche Dienste. Er starb zu Kcs- 
miikin Ungarn am 25. April 1849 in dem Greisenaltcr von 86 Jahren. 



REÜSS-KÖSTRITZ, Heinrich XUV. Fürst zu, General der Cavallerlo, 
pheimcr Katli, Inhaber de» 7. ITusaron-Rcgimenta, war auf dem Schlosse Küstritz 
an 31. März 1787 geboren, und succedirto seinem V.iter Heinrich XLIIl. in 
demPtragiat Köstritz am 22. September 1814. An der Universität zu Jena machte 
ie Fürst tüchtige Studien in jeder Richtung und trat, nachdem er sich für den 
KÜiiirrtÄnd vorbereitet hatte, gleichzeitig mit einem seiner Brüder in kaiserliche 
iiiea»le, wo CT am 28. April 1804 bei dem Infanterie - Regimente Graf Kinsky 
Kr. 47 als Oborlieutcnont aufgenommen wurde. Am 1. November desselben Jahres 
lustt als zweiler Rittmeister zu Blankenstein-IIusaren (derzeit König von Württem- 
Iwfyjimd wohnte dem Feldzuge im Jahre 1805 in Deutschland bei. 

Die Friedensepoche verlohte der Fürst vorerst in Grosstopoltachan, dann in 
Bihaen und wurde, als das Jahr 1809 Österreichs Heere unter die Waffen rief, 
iulbrt zum grossen General-Stabe übersetzt und mitder Befiirderung zum Major 
»liRiigel- Adjutant bei Sr. kaiserlichen Hoheit dem Generalissimus Erzherzog Karl 
t*r*endet. Der Fürst entsprach in dieser Anstellung dem geschenkten Vertrauen 
■oiTnUen Grade. In allen Gelegenheiten dieses denkwürdigen Krieges glänzte er 
oi«b Uutii, Unerschrockenheit und einsichtsvolles Handeln und benahm sich 
•»oentlicli bei Aspern tapfer und klug. Als General der Cavallerio Graf Bellc- 
nrdo am ersten Schlachltagc das Reginjent Reiiss-Plauen zum Angriffe von 
■ufCni in der rechten Flanke dieses Ortes beorderte, stellte sich Fürst Rcusb an 
•••Sphzo eines Bataillons und rief den Soldaten zu: , Kinder, folgt mir, auch 
«B bin ein Renssl" 0a er beim ersten Angriff das Pferd unter dem Leibe verlor, 
*^or KU FnsB die brave Truppe, die bekanntlich mit den Regimentern Vogel- 
""g and Bainer tmter Commando des Generals Wacquant nach einem 
"uthfiddeu stundenlangen Kampfe sich Asperns bemächtigten und alle ferneren 

iffo des Feindes, deren letzter am 23. Mai um 1 Uhr nach Mitternacht 



erfolgte , zuriickschlugen. Gleich ausgezeichnet bewies sich der Fürst b« 
Wagram, uod wurde in der Relation über diese Schlacht mit besonderem Lohn 
erwähnt. An dem Abschlüsse des Waffenstillstandes zu Znaim hatte der Print 
grosses Verdienst; er war einer derjenigen, welche die schwierige Frage m) 
Geschick und Vortheil zu lösen verstanden. Sein tapferes Benehmen bei Aspen 
wurde durch Armeebefehl vom 24. Oetober 1809 mit dem Kittorkreuxl 
gelohnt. i 

Begeistert für Deutschlands Sache, wai- der Fürst ein entachieduner Gegn4 
des gewaltigen Mannes jener Zeit, und als das Jahr 1812 eine Coalition Ostoi 
rcichs mit Frankreich gegen Russland ins Leben rief, vermochte er nach seina 
Überzeugung nicht für Jenen das Schwert zu ziehen, dem er jedesmal eni 
gegen zu treten gewünscht hätte. So kam es, dass der Fürst im Juni jen« 
Jahres den kaiserlichen Diensten als Oberst - Lieutenant entsagte und untel 
einem anderen Banner dasjenige für den Augenblick zu erreichen suchte, was ilini 
in der liebgewordenen kaiserlichen Armee durch Verhältnisse vorübergehend 
entzogen blieb. \ 

Mit dem General Grafen Wallmoden eilte er vorerst nach Schweden, voj 
da aber nach England, wo ihm als Oberst-Lieutenant das Conimnndo eines Jägei^ 
Bataillons in der britisch-deutschen Legion anvertraut wurde. Mit dieser Trupp! 
focht er unter Wellington in Spanien und folgte dem Siegoszuge dos Herzogt 
auf den französischen Boden. Er nahm an allen bedeutenden Vorfallen rühmlichfl 
Anthcil und trug zwei ehrenvolle Wunden davon. Als der erste Pariser Friede dii 
Ruhe Europa'» anscheinend gesichert hatte, verliess der Fürst die cngliacbai 
Dienste und begab sich zum Congresse nach Wien. Hier machte er sich um jon^ 
Zeit durch Geist und durch seine echt deutsche Gesinnung, die er selbst in dei 
schweren Zeit der napoleonisehen Herrschaft niemals veriäugnct hatte , bcraerlß 
bar. Die Landung Napoleon's in Frankreich hatte die Mächte nochmals untfli 
die Waffen gerufen; der Füi-st bat um Wiederanstellung in der kaiserlichen Armoai 
und erhielt sie. Im April 1815 ward er dem 11. Infanterie ■ Ilegimente KrzherEO| 
Rainer als Oberst-Lieutenant beigegeben; doch das schnelle und glückliche Kndl 
dieses Kampfes gab ihm nur Gelegenheit, der Belagerung von Hüningen beizO< 
wohnen. Später folgte er mit dem Regimento in das grosso Lustlager nach Dijoj 
im Oetober 1815, und blieb dann bei der Occupations -Armee in Frankreich a 
Oberehnheim in Garnison. ' 

Fürst Reuss stand dann dem 6. Husaren -Regimenle durch eilf Jahre a| 
Obprst vor und wurde nach und nach Feldmarschail- Lieutenant und commandj 
render General, vorerst in Slavonien und Sirmien, dann in Mähren und Schlesien 
Am 1. December 1848 trat er als General der CavaJlcrie in den Ruhestand; 
lobte auf seiner Herrschaft Ernstbrunn im Marchfelde, wo er am 16. Septemlx 
1856 das Zeitliche beschloss. 




KINSKY von Cliinitz und Tettau, Ferdinand Johann Nep. Joseph 
FBtsI, Oberst, Eukel des grossen Fürsten Ulrich (s. d.), war zu Wien am 
iDecember 1781 geboren. Er succedirte aeiocm Vater Joseph am 11. August 
1198 in der fürstlichen Würde und glänzte, wie alle Kinaky, durch die schönen 
Tfl^eodcn : Patriob'smus und Tapferkeit. 

Bekanntlich wurde im Juli 18U8 die Landwehr ins Leben gerufen, der Fürst 
iltllte »ch als Major und Cooiuiiindaut an die Spitze des 1. Rakonitzcr Bataillons, 
tnlbeiADabnich des Krieges in das 2. Bataillon derErzherzogKarl-Legion(l.MKrz 
1809) Dod kämpfte mit diesem die grossen Schlachten jener Zeit so ruhmvoll mit, 
itatr am Schlachtfelde von Aspcrn für die in Gegenwart des Erzherzogs Gcnc- 
nlinimDs roilfiihrten Thaten mit Armeebefehl vom 24. Mai mit dem Ritter- 
beaio geschmückt wurde. In jenem entscheidenden Momente, wo die feindliche 
C»iilleric das erste Trefl'cn unserer Infanterie zu sprengen versuchte, leistete der 
Hirn mit seiner Legion heldeomüthigen Widerstand und eiferte durch rühmliches 
Beifpiel die Truppe zu joner heroischen Standhnftigkoit und Ausdauer an, der es 
dlein mügUch wurde den verderbendrohenden Angriffen der feindlichen Eiaon- 
niHimer männlichen Trotz zu bieten. 

Im Oetobcr desselben Jahres wurde der Fürst Oberst-Lieutenant bei dem neu 
*>%ttelllcn biihniisch' ständischen Dragoner- Regimente , kam nach Rcducining 
<l>twi Bflgimenta fam l. November) zu Klenau-Chevauxlegers und im Mai 1812 
M Sdnrarzenberg-L^iUnon, Hier hatte er kaum die Ernennung zimj Obersten 
«Wien, all das Unglück wollte, dass er am 3, November 1812 zu Weltrus bei 
I^ durch einen Sturz vom Pferde sein hoffnungsvolles Leben einbüsste. 

MUTUfANN von Marchfeld, Georg Freiherr, Major, warzu Asehaffonburg 
'mMre 1766 geboren. Dieser durch die Schlacht von Aspem berühmt gewor- 
<!«« tapfere Krieger hatte schon im 17. Jahre bei dem Infantorie-Regimcnte 
MieUe] Wallis Nr, 11 als Cadct seine Laufbahn begonnen, allen Kriegen gegen 
W Pforte und Frankreich beigewohnt, den ersteren als Fähnrich, dann die Eela- 
(Wng von V«lonciennes 1793, jene von Mastricht als Oberlicutenant, die 
^*Jil«ln hei Castigliano 1796 und die vielen Gefechte in Graubündten im 
Juire 1799 al« Hauptmann mitgemacht, 

E« war in jenem entscheidenden Augenblicke, als Erzherzog Karl am ersten 
"«■»clittago von Aspern die Corps-Commnndanten Hillcr und Bellegardc 
""^mie, diesen Ort um jeden Preis zu nehmen. General Wacyuant Tührte die 
'■P'*'«! Regimenter Vogelsang, Reuss-Greiz und Rainer. Wie der Sturm 
"S'Kl, hörte man die Worte: „Fürs Vaterland! muthig vorwärts." Der sie gespro- 
™*> ^nt Erzherzog Karl, der eben herbeigesprengt kam. Da ruft Murmann, 
"'l" Uraptmann , gleichsam das Echo seiner Braven: , Tausend Leben fUr 
^""^^KriheROg, mir nach!" und tritt den Stürmenden voran. „ Wohlan, Herr 



994 

Major !^ entgegnet der erlauchte Generalissimus ^ ^^rühren Sie das Bataillon zum 
Siegel*^ Und so geschah es! die Mauern des Kirchhofes werden erstürmt, Aspern, 
das 12,000 Mann der besten feindlichen Truppen vertheidigen, wird erobert. 
Murmann ist einer der Ersten, der in die Yerschanzungen eindringt und seinen 
Braven das Beispiel kaltblütiger Entschlossenheit gibt Diesen Heldenmuth lohnte 
der Generalissimus noch auf dem Schlachtfelde, indem er Murmann mit Armee- 
befehl vom 24. Mai im Namen Seiner Majestät zum Ritter des Maria Theresien- 
Ordens ernannte. 

Im Jänner 1811 wurde er in den statutenmässigen Freihermstand erhoben 
und kurze Zeit darnach pensionirt. In den Befreiungskriegen liess sich Murmann 
als Commandant des Sanitäts-Bataillons mit grossem Eifer verwenden, und erhielt 
nach Auflösung desselben im December 1816 den Befehl über das 2. Landwehr- 
Bataillon von Herzog von Wellington-Infanterie. 

In dieser Anstellung beschloss der würdige Soldat, dem der grosse Erzherzog 
Karl zeitlebens ein gnädiger Gönner geblieben, seine thatenreiche Laufbahn am 
23. JuU 1820 zu Prag. 

PORÜBSKY, David von, Oberst-Lieutenant, zu Pressbui'g geboren, diente vom 
gemeinen Soldaten durch alle unteren Grade bei Loudon-Infanterie, machte den 
Türkenkrieg als Feldwebel, dann als Adjutant des 13. Infanterie-Regiments mit, 
wohnte dem Feldzuge in Italien 1795 als Lieutenant, der Schlacht von Castiglione 
als Oberlieutenant bei und wurde zur Belohnung seiner eifrigen Verwendung im 
Mai 1797 als Hauptmann in das croatische Grenz-Freicorps Zulechner, und nach 
Auflösung desselben in das 7. leichte Bataillon Schmelzern eingetheilt, mit wel- 
chem er die Kriege in Italien 1799 und 1801 mitfocht. 

Nach dem Luueviller Frieden in das Infanterie -Regiment Hieronymus 
Colloredo Nr. 33 übersetzt, commandirt Porubsky im Jahre 1809 als Major 
das 2. Bataillon. Diese Truppe gab in der denkwürdigen Schlacht von Aspern 
am 22. Mai unter seiner Anführung so grosse Beweise beispielloser Beharrlichkeit 
und unerschütterlichen Muthes, dass dem tapferen Commandanten hiefür im Nach- 
trags-Capitel vom Jahre 1811 das Ritterkreuz zuerkannt wurde. 

Der Feind hatte unter dem Schutze eines in der Morgendämmerung des 22. 
plötzlich entstandenen Nebels das Bataillon, welches bei Stadl-Enzersdorf im 
ersten Treffen am äussersten linken Flügel der Armee stand und eben im Vor- 
rücken begriffen war, mit vieler Cavallerie von allen Seiten angefallen. Die 
Geistesgegenwart des Majors liess ihn mit gefälltem Bajonet und in dem entschei- 
dendsten Augenblicke mit einer so erfolgreichen Decharge empfangen, dass er mit 
grossem Verlusts umkehren musste. Diese Angriffe wurden fünfmal stets mit 
frischer Reiterei wiederholt, denn was anfangs mit Chasseurs nicht bewerkstelligt 
werden konnte, suchte man durch die Garde elites, Husaren und Grenadiere 



995 

icheva] zn crsweckon, alJein jeder neue Angrilf wurde mit gleichem Muthe und 
derselben Entschlossenbeit abgewiesen und den Franzosen ein solch namhafter 
Scluden beigebracht, dass die Generale ungeachtet aller Bemühung and Aufinoo- 
tertmffdio Truppen zu keinem neuen Angriffe vermögen konnten. Ea war ausser 
^Hi Zweifel, dass dieses RataiDun durch Keine Standhaft igkeit zum glücklichen 
Erfolge des Tages viel beigeti'agen hatte, denn würde es dem Feinde gelungen sein, 
4ie wf dem Flügel gestandene erste Masse — Porubky's Bataillon — zu zer- 
Kreuen, so wjire es ihm dann oia Leichtes gewesen, mit der zahlreichen Cavallerie 
die Vortheile weiter zu verfolgen, das ofFene Terrain rückwärts Stadl-Enzersdorf 
w ^winnen, die wenigen Truppen der 5. Colonne in Unordnung zu bringen, seine 
Mirht xa entwickeln und schliesslich unsere Armee in Flanke und KUckon zu 
nehmen. Major Poriibsky erwarb also durch seine klugen und zweckmässigen 
.Wrdnuiigon, selbst bewiesene Standhaftigkcit und Erhaltung der Ordnung einen 
irmseo Antheil an dem glücklichen Ausgange jenes Tages, wie ihm auch der 
dioulige General- Quartiermeisterstabs -Chef des 4. Armeecorps, Oberst Quos- 
dinavich, bezeugte: „dass durch seine That der erste Schwall eines weit über- 
leben Feindes gebrochen wurde, sein äusserst standhaftes Betragen die weiteren 
VffMche des Gegners unausführbar machte und hiedurch alle üblen Folgen ent- 
hrnl wurden, welche bei Weichung dieses Bataillons dem linken Flügel unserer 
Auätcllung unvermeidlich treffen musstcn." 

Kachdcm l'orubsky das Vorhaben des Feindes so ruhmvoll vereitelt hatte, 
blieb« mit dem Bataillon unter dem ununterbrochenen feindlichen Kanonen- und 
Mniitelcnfoucr, welches er in der Fronte sowohl als in der Flanke von der Insel 
l>f kUDZii halten hatte, bei einem nicht unbedeutenden Verluste standhaft und kalt- 
l>lätifr Hieben und behauptete die ihm angewiesene Stellung bis an das Ende der 
''*lil»rht. Mit gleicher Auszeichnung wohnte Poruhskyin der Division Bi an cbi 
"BBPeldzugc gegen KuRsland als Oberst-Lieutenant bei, musete aber schon im 
**" 1813 n»ch einer dreissigjährigen Dienstleistung der vielen Wunden wegen die 
•rtiTen Diemtle verlassen. 

Er «tarb iu seiner Gehurfssladt am 22. öeptembor 1835 im 80. Lebensjahre. 

VBRNHOLZ von Vvrnwald, Christoph Freiherr, Hauptmann, zu Weste n- 
*°*'*^ iui preussiachcn Kegierungabezirke Minden 1775 geboren. Als dasRegiment 
"*n-London im Jahre 1790 im niederrheinischen Kreise aufgestellt wurde, 
Vernholz als Gemeiner in dasselbe einreihen und wohnte den feind- 
Letionen bis September 1793 als Unterofficier, dann aber bis zur Umfor- 
Rcgiments in das 3. und 4. leichte Bataillon 1798 als Unterlieutenant 
fen Ericgen 1799 bis 1801 bei dem ersteren Bataillon als Oberlieutenant bei. 
Nach dem Luneviller Frieden wurde Vernholz in das 11. Infanterie-Regi- 
Eühergog Rainer eingetheilt und hier im Februar 1809 zum Hauptmann 



996 

befördert« Diese Epoche war es, welche der ansgegeichneten Standhaftigkeit Y e r n» 
holz*« durch das Capitel vom Jahre 1810 das Ritterkreuz einbrachte. 

Unsere Trappen konnten ihre in der Nacht vom 21. anf den 22. Hai 1809 im 
Dorfe Aspern genommene Stellang in Folge der darch ononterbrochenes nachts- 
liches Feuer überkommenen Erschdpfdng, Hangels an jeglicher Hanition and der 
nicht erfolgten Ablösung durch neue Truppai, am nächsten Horgen bei einem 
heftigen feindlichen Angriffe nicht mehr behaupten und mussten sich unter Com- 
mando des das Dorf bisher besetzt haltenden Generals and Brigadiers Ton Wac- 
quant bis in den rückwärts des Dorfes befindlichen Kirchhof zurückziehen. Bei 
dieser Gelegenheit bemerkte Hauptmann Vernholz^ der an dem rechts seitwärts 
des Dorfes strömenden Bache postirt war, das schnelle Vordringen des Feindes 
und suchte, statt der retrograden Bewegung der Besatzung von Aspem zu folgen, 
mit rorzüglicher militärischer Beurtheilung, Raschheit und Tapferkeit die ausser- 
halb des Ortes befindlichen Scheuem aus eigenem Antriebe noch Tor dem Feinde 
zu gewinnen. Dies gelang ihm, und nun brachte er viele Schiesslöcher an und 
eröffnete aus denselben von allen Seiten ein so hefdges und anhaltendes Feuer 
gegen den aus der Aue und dem Dorfe (der Gegend des Kirchhofes) in grosser 
Anzahl vorrückenden Feind, dass er den mit der Stärke der äusserst muthigen 
Besatzung der Scheuem unbekannten Gegner nicht nur aufhielt, sondern durch 
mehrere Ausfalle sogar zurückschlug und sich volle vier Stunden darin behaup- 
tete. Endlich wurden die Scheuem durch Granaten in Brand gesteckt und Vern- 
holz gezwungen sie zu verlassen. Doch hielt der tapfere Officier vor selben so 
lange aus, bis das Dorf durch das Corps des Feldmarschall-Lieutenants Baron 
Hill er neuerdings genommen wurde, allerdings mit nicht unbedeutendem Verluste, 
da seine brave Division in diesem mörderischen Kampfe 1 Officier und 85 Hann 
an Todten, Verwundeten und Gefangenen einbüsste. 

Dieser tapfere Krieger, im Juli 1812 in den Freihermstand erhoben, starb 
schon am 23. April 1817 in der activen Dienstleistung des Regiments zu Prag. 

BlENEPELD von Löwenkron, Wilhelm Freiherr, Major, zuEger als Com- 
raandant des 1. Landwehr-Bataillons von Herzogenberg-Infanterie am 29. Oetober 
1823 gestorben, war zu Lippa in Ungarn 1776 geboren. Bienefeld's Vorfahren 
waren schon im 16. Jahrhunderte unter dem Namen Beenfeld als tapfere Krie- 
ger bekannt; der im Jahre 1720 verstorbene Sigismund Beenfeld bekleidete 
den Rang eines Generals, und bis auf unsere Zeit dienten fast alle Glieder dieser 
Familie theils im kaiserlichen, theils im dänischen Militär. Auch Wilhelm's 
Vater machte hievon keine Ausnahme, da er durch 34 Jahre den Reihen des öster- 
reichischen Heeres angehörte. 

Unser Bionefeld hatte im Kriege gegen die Pforte als Fahnen -Cadet 
bei dem Infanterie-Regimente Ulrich Kinsky (dermalen Graf Degenfeld) 



997 

(eine Laufbolm begonnen und während der Kriege gegen Prankreicli bei 
rielcn Gelegenheiten sich bemorkbai- gemacht, ao namentlich als Oberlieutenant 
bei ivT Belagerung der Festung Coni im Jahre 1799, wo Feldmarschall-Lieute- 
niDl Fürst Liechtenstein in der Relation ihn unter den Ausgezeiolineten 
inftilut 

In der Schlacht von Äspern comniandirto Bionefeld als Hauptmann das 
3,fiilullon. Am zweiten Sclilachttago (22. Mai) führte er, als der Feind Aspern 
^eiuiiDtucn und Alles aufzubieten rersucht hatte, um sich in dessen höchst wichtigem 
Baüli« zn behaupten, seine Truppen bei dem angeordneten Sturme mit ao vieler 
Klogheit, persönlicher Tapferkeit und Aufmunterung, dassihm von dem Verdienste 
de Wiedereinnahme und ferneren Behauptung dieses wichtigen Punctes der 
wesentlichste Anlheil zukam. Mit seinen braven Kriegern hatte Bienefeld den 
udi einem sehr hartnäckigen Widerstände aus den vorderen Gräben, vom KircL- 
UeDsd endlich aus dem Orte geworfenen Feind bis in die hinter demselben gele- 
(tue Au verfolgt und sich vor Aspern ungeaclitct der angestrengtesten Bemühung 
desFeindes and der eingetretenen Ermattung der eigenen Truppe bis Nachmittngs 
sehr, da seine Ablösung erfolgte, auf das Rühmlichste behauptet. Mit Armee- 
Webl vom 24, October wurde ihm daa Ritterkreuz, und im Jahre 1814 der 
Freibormstand zu Thoil. 

Auch die Feldzügo 1813 bis 1815 machte Bienef cid mit, ward mehrmals 
•erwundel und in Folge dessen im Jahie 1816 mit Majors-Charakter in den Ruhe- 
iMiil versetzt. 1819 erhielt er das Commando eines Landwehr-Bataillons. 



DiETBICH von Hormannsberg, Emanuel Freiherr,Feldniarschall-Lieutc- 
WW, Sohn des im Jahre 1801 als jVrtillerie-Oberst-LieutcnantgoadeltenPetovDi e t- 
'■cbjWu-KuMccheln imjahre 1771 geboren. Dietrichwurdc im April 1786 Kano- 
"Kr, machte den TUrkenkrieg als Bombardier mit, und gab schon bei Belgrad so 
tiele Beweise von Muth und Entschlossenheit, dass er zum k. k. Cadctcn ernannt 
•"rde. Allen Kriegen, welche das Erzhaus von dieser Epoche an bis zum Jahre 1815 
"i^nn moBSle, wohnte Dietrich bei und nahm an 58 Schlachten, Gefechten und 
^ij^rungcn Theil. Für erneuert abgelegte Proben seines Muthes vor Valcnci- 
'ina» und le Quesnoy wurde er im November 1793 zum Lieutenant im dritlen 
w'pniente befordert. Im Foldzuge des folgenden Jahres bei dem Corps des Feld- 
"'inchtll-Lieatennnts Blankenstein eJngctheilt und mit seiner Batterie der 
uti^edca dctaeliirlenGeneralsGrafouMercandin zugewiesen, hatte sich dieser 
••pftro Officier durch Erbauung einiger Verschanzungen und deren Vertheidigung, 
*" der Feind am 24. April bei Saarburg die Saar überschreiten wollte und 
^Vflckgeschlagcn wurde, mit besonderem Vortheil verwenden laüsen, machte sich 
"•ofcaapl in di&ten Kriegen, bei der Armee in Deutschland thätig, durch aus- 
S^eielioetfl Dionatleiatung häufig bemerkboi-, was auch von dem domaligeu 



998 

Feldartillerie-Director Feldzeugmeister Graf Coli o rede und in den bezüglichen 
Relationen auf das Ehrenvollste erkannt wurde. 

Im Jahre 1799 kam Dietrich mit seiner Cavallerie-Batterie zur Beichs- 
contingents-Armee, wo er im Treffen bei Liptingen (24. März) den schnell vor- 
dringenden Feind durch eine Strecke von drei Stunden aus verschiedenen, hart- 
näckig vertheidigten Positionen in den Wald zurückwarf. Gregen Abend wollte der 
Feind mit verstärkter Macht eine links liegende Anhöhe in der Flanke gewinnen, 
wurde aber durch Die t rieh's entschlossenes Entgegentreten mit Verlust von drei 
Geschützen erneuert geworfen. Eben so glücklich verhinderte er am folgenden 
Tage bei Stockach das schnelle Vordringen der Franzosen, erleichterte unserer 
Avantgarde den Rückzug, und hielt, ungeachtet einer erhaltenen Contusion, den 
Wald bei Stockach durch drei Stunden und so lange fest, bis die vom Erzherzoge 
Karl beorderten ünterstützungstruppen anlangen konnten und den Sieg entschieden. 
Bei Biberacham 9. Mai vereitelte Dietrich durch Behauptung der Anhö'he 
von Ober-Reiti, welche von 7 Uhr Früh bis 3 Uhr Nachmittags wiederholt 
bestürmt wurde, sowohl das Debouchiren als das Entwickeln des Feindes, und 
erleichterte der Avantgarde das Übersetzen des Flusses und die Aufstellung jenseits 
desselben. Bei dem am Abend fortgesetzten Rückzuge deckte Dietrich denselben 
mit dem geringen Reste seiner Bemannung so glücklich, dass noch drei Compagnien 
des W u r m s e r 'sehen Freicorps, welche sich im Walde zerstreut hatten, gerettet wer- 
den konnten. Mit gleicher Auszeichnung dirigirte er seine Batterie im Gefechte bei 
Illerdissen am 3. und in der Schlacht bei Neresheim am 23. Juni, vorzüglich 
aber in dem Treffen bei Feucht, nächst Nürnberg, am 18. December. Hier that 
er dem heftigen Vordringen des Feindes beinahe allein Einhalt, indem er sich durch 
das Gewehrfeuer der feindlichen Flankier nicht abhalten liess mit zwei Kanonen 
auf einem offenen Platze des Waldes rechts von der Chaussde aufzufahren und die 
Absicht des Feindes, mit Macht durchzubrechen, zu vereiteln. Durch diesen kühnen 
und schneU ins Werk gesetzten Entschluss wurde der links im Walde zu weit vor- 
gedrungenen österreichischen leichten Infanterie die Gelegenheit verschafft zurück- 
zukehren, die sonst der Gefangenschaft nicht entgangen wäre, so wie das auf der 
schmalen Chaussee im Walde gestandene Infanteriegeschütz mit Munitionskarren, 
welches wegen der durch demontirte Geschütze und Fuhrwerke entstandenen 
Stockung nicht vorwärts konnte, aus des Feindes Händen gerettet wurde. 

Dietrich, im Jänner 1801 zum Oberlieutenant befördert, hatte schon durch 
diese letztere That Anspruch auf das für die Tage von Aspern im Ordens- 
capitel vom Jahre 1810 zuerkannte Ritterkreuz, versäumte aber die anbe- 
raumte Frist zur Bewerbung um dasselbe. In dieser Schlacht hatte er als Haupt- 
mann mit seinen Batterien so Vorzügliches geleistet, dass die ausgezeichneten 
Dienste in der Relation besonders angerühmt wurden. Aus eigener Disposition 
wusste Dietrich diese so zu dirigiren, dass durch deren Feuer dergrösstc Theil des 



fnndlicheu Crcsciiützes zum Schwei^rcn ^cbrncht, auch als unsere Infanterie Äspern 
gesfirml hatte, der Theü gegen Esslingen gesichert und die Infanterie in den Stand 
getedl wurde, die anrückenden feindlichen Colonnen zurückzuwerfen, da der 
Fibd durch das herbeigellihrtc Schweigen seiner Geschütze eine namhafte Unter- 
itütnng verlor. Als auk 22. vor Tagesanbruch diu Franzosen mit oller Heftigkeit 
■iif Äspern stürmten, war ei- der Erste, der mit zwei Batterien aus eigenem 
ÄDtriebe sogleich hci'bcieilte und dem Feinde links von Aspern Widerstand leistete, 
tw mittlerweile die anderen Batterien diePosition erreichen konnten. Nichts hinderte 
KU eatschlosaencs Vorrücken , ungeachtet er durch das heftigste Infanteriefeuer 
ndeLeulc and Pferde von seiner Batterie verloren hatte - — und seine kaltblütige 
klage Disposition, deren Folge eine zweckmässige AVirkung auf sehr nahe Distanz 
wv, am die Franzosen das Feuer verheerend fühlen zulassen. NachdcmDie trieb 
den heftig angreifenden Feinde Tünf Stunden im Infanterie- nnd Kartätschonfouer 
Upfercn Widerstand geleistet, wurde er durch beide Schultern schwer verwundet 
und wu gezwungen sich vom Schlaclitfelde tragen zu lassen. Kurz vor dieser 
^mninduDg zündete ein feindlicher Granatenwurf den Schusskeil eines Muni- 
tinukarrcn seiner unterhabenden Batterie, der mit Heu beladen war; Dietrich 
rii« du brennende Heu herab, hieb den Schusskeil ab und rettete dadurch mehrere 
in der Nähe gestandene Munitions karren, die der unvermeidlichen Explosion aus- 
intettt gewesen wären. Seine Leute, hiedurch aufgcnmntert, suchten die grosse 
Gefthr und Verwirrung, welche das Bersten der Granate nach sich gezogen hatte, 
"^ den anderen Karren abzuwenden, um nicht in dorn ontschoidondaten Momente 
difl Uunition cinbüssen zu müssen. 

Im Jfthre 1813, als Artilleric-Chcf nach Prag beordert, setzte er deu Wissehrad 
■n VertbeidigungBstaiid , kam 1814 zur Belagerung von Hüningen, wo er sich für 
(Dnü^iche Dionato die AUorhochete Zufriedenheit erwarb; im folgenden Jahie 
Kichnete er sich bei Befort (3. Juli) mit seinen vier Batterien erneuert aus und 
»wdB in der Relation ongerUhnil. Im August 1816 zum Major befördert, im No- 
'taiber I8I7 in den Freiherrn stand erhoben, waj- Dietrich nach und nach bis 
inm teldmorschull-Lieutenant und Artillerie-Brigadier in Ungarn vorgerückt und 
*wde nach einer 64jKhrigen Dienstleistung in den Buhestand Übernommen. 

Mobitz, Johunnvon, Hauptmann in der Artillerie, zu Leitmeritz in Böh- 
men 1J68 geboren, war im 16, Lebensjahre in das 1. Regiment als Gemeiner ein- 
f*traica und hatte den Türkonkrieg als Bombardier mitgemacht. Dio ersten fran- 
*««elien Re^-olutionskriege gaben Moritz In der Charge als Feuerwerker raebr- 
^« Gelegoniieit, seine Kaltblütigkeit und Tapferkeit in so hohem Grade nu- 
*^cltliiig zu bringen, daas er nicht nur mit der goldenen Tapfe rkeits-Medaille 
""Um ichiKrt, sondern auch im April 1797 zum Lieutenant im 3. Uegimente 
btfirdttt wurde. 



1000 

Als Oberlieutenant war Moritz im Mai 1809 mit derCavallerie-Batteriebei 
der Avantgarde von Sehwarzenberg-Uhlanen eingetheilt und hatte am 20. Mai; als 
die feindliche Yorhut die Donau passirt hatte, mit seinem Geschütze dem Feinde 
nicht nur einen beträchtlichen Schaden zugefügt, sondern auch mehrere Angriffe 
desselben durch kaltblütiges Ausharren zurückgewiesen; und die wiederholten 
Attaquen der Uhlanen mit vieler Bravour und Besonnenheit unterstützt In der 
Schlacht bei Aspernam21. und 22. stand dieser brave Officier mit seiner Batterie 
unausgesetzt im Feuer imd hatte durch Thätigkeit und Bravour wesentlich zu den 
Erfolgen dieses Tages beigetragen. Nicht nur dass er bei jeder Gelegenheit unauf- 
gefordert sich mit derselben verwenden Hess und seine Mannschaft durch lobens- 
werthes Beispiel aneiferte, er hatte auch bei den wiederholten Angriffen auf Ess- 
lingen durch ein heftiges ununterbrochenes Kartätschenfeuer die französischen 
Cavallerie-Massen, welche seitwärts dieses Dorfes unsere Truppen bereits zurück- 
gedrängt hatten, mit namhaftem Verluste zum Weichen gezwungen. Am ersten 
Schlachttage von Wagram bei der Avantgarde der Brigade Nor dm an zugetheilt^ 
stand Moxitz mit seiner Batterie links vorwärts von Grossenzersdorf, gegen- 
über der Lobau. Als der Feind unter dem Schutze seiner schweren Geschütze 
den Übergang am sogenannten Hanselgrunde bewerkstelligt, und unsere Jäger- 
Compagnien und zwei dreipfundige Kanonen durch heftiges Kugel- und Musketen- 
feuer zum Bückzuge genöthigt, dadurch aber am diesseitigen Ufer immer mehr 
Terrain gewonnen hatte, fuhr Moritz mit 6 Geschützen unaufgefordert vor, trieb 
durch ein schnelles gut gezieltes Feuer mit Kartätschen die bereits auf Flinten- 
schussweitc vorgerückten feindlichen Abtheilungen wieder zurück, und vereitelte, 
ungeachtet des lebhaft fortgesetzten Feuers aus der Lobau, die Absicht des Geg- 
ners, die Umgehung der Redoute Nr. 14, bis zum anbrechenden Morgen. Aus der 
Stellung bei Enzersdorf unterstützte Moritz neuerdings durch sein mit Klugheit 
gewähltes Flankiren des rechts von diesem Orte vordringenden Feindes den Rück- 
marsch unserer Infanterie-Abtheilungen, und bei dem Rückzuge auf Markgraf-Neu- 
siedel kämpfte dieser unerschrockene Officier allein mit der bereits in die Ebene vor- 
gerückten reitenden Batterie, und hielt ungeachtet des grossen Verlustes an Pfer- 
den durch standhaftes Ausharren in mehreren Stellungen den Feind vom rascheren 
Vordringen ab, den Truppen Zeit verschaffend sich in Ordnung zurückziehen zu 
können. Indessen hatten dieFranzosennächstGlinzendorfmehrals40Geschütze auf- 
geführt und unsere auf der Höhe bei Markgraf-Neusiedel aufgestellten Abtheilungen 
mit Heftigkeit beschossen. Da war es wieder Moritz mit seiner Batterie, durch 
9 Geschütze verstärkt, der das Feuer bis zur Dämmerung mit so grosser Wirkung 
aus seiner gewählten Stellung unterhielt, dass mehrere feindliche Karren in die 
Luft flogen und die Franzosen endlich gezwungen waren ihr Feuer einzustellen. 
Am 6. luh* stand Moritz in der Ebene links vor Markgraf-Neusiedel; hier hatte 
er einen zweimaligen Angriff der feindlichen Cavalleric mit Entschlossenheit durch 



f 



1001 

gut iDgebrocLtes Feuer zurückgewiesen und sich gegen die Überniaclit bis Mit- 
ugi beliaaptet. Als dio Franzosen dann in Sturmcolonnen gegen das nur scliwacli 
bwaicBXarkgraf-Nousiedel vorrückten, empfing sie Moritz mit einem lebhaften 
renn and gab auf die stürmenden Massen auf 200 Schritte einige Kartätschen- 
Ugen, die verheerend in des Feindes Reilien wirkten. Endlich ward er genöthigt 
mit einer demoatirtcn Haubitze dem allgemeinen Rückzüge zu folgen. 

Für da» entscheidende Wirken in der Schlacht bei Aspern wurde diesem, 
idwD am 19. November 1815 zu Olmütz als Hauptmann verstorbenen ausgczeich- 
neiwOfficier durch Capitelbeschlusa vom Jahre 1810 das Ritterkreuz zu Theü. 

CHRIST von F:hrenblÜh,JosephFreiherr, Artillerie-Oberst; ohne Zweifel 
tiner der tapfersten und ausgezeichnetsten Krieger, Er hatte 119 Gefechten bei- 
gvwDluit, wurde dreimal verwundet und erhielt achtmal Douccur in Gold, dann die 
'ilbcrno, spütcr die goldene Tapferkeits-Medaille, und endlicli den Maria | 
IfaeresicD-Ordcn. Christ zählt in Rücksicht dieser seltenen Auszeichnungen 
n dem Fünf gestirne der Helden der österreichischen Armee: Faatner, Alt mann, 
Siiatenoii und Czechowini. 

Za Wien 1774 geboren, wurde er im 10. Lebensjahre Tambour im 2. Regi- 
mente, und als er zum Jünglinge heranreifte Bombardier; den TUrkcnkrieg hatte 
ViUTuubonr, die französischen Kriege vorerst iu den Niederlanden als Bom- 
^vdier coitgcmacht, wo er sich die silberne Tapferkcits-Medaüle erwarb, 1797 
tuiD Feuerwerker vorrückte und zur Armee nach Italien kam. Hier ward ihm 
IJelt^Giiheit, der goldenen Medaille thoilhaft zu werden. Um den Fall des Forts 
So. Maria, des letzten festen Punctes, den die Franzosen noch imGolfodiSpezzia 
Wen, berbcizuAihren, hatte der vom General-Major Grafen Klenau hiezu boor- 
itnt Oberst Oreskovich in der Nacht vom 23. August 1799 sich der Stadt 
Vfoere bemächtigt, worauf sich auch die dortige Citadello und das Fort Salva, 
"tehdem letzteres durch cinigeStunden beschossen worden, ergaben. Sobald Oberst 
OtDtkovtcb aich im Besitze dieser beiden lAnchtigen Functc befand, Hess er bei 
Veure eine Batterie auf 4 Kanonen, und auf der gegenüberliegenden Höhe San 
Antonio eine zweite Batterie errichten und sofort aus beiden das Fort Sta. Maria 
ilurcliS StuD<Ien mit aller Lebhaftigkeit beschiessen, worauf der feindliche Com- 
■"«Miaiit XU capituUrcn begehrte. Oberst Oreskovich belobte die rastlose Tliä- 
^t'ii de» Feuerwerkers Christ, der nicht nur bei dem Batteriebaue auf blos fel- 
"8011 Gebirge sich hervorthat, sondern bei dem Mangel brauchbaren Geschützes 
'"• «'orgefondeoen vernageilen Kanonen ausbohren, die zertrümmerten Laffettcn 
'"wunensctsen und ausbessern, und eines und das andere stückweise durch Jlcn- 
•^Sflund Thiere auf die hohen Fclsem-Uckon Gchalfen licss. Christ wardhi Folge 
''S'Mnim April 1800 mit der goldenen Tapfcrkcits-Mcdaillo belohnt, im Febniar 
'«ü juu, Oberfeuerwerker und im September 1805 zum Unterlieutenant befördert. 



1002 

Während des Feldzuges dieses letzteren Jahres gegen Frankreich war Christ 
bei der Armee in Italien. Das Corps des General-Majors Frimont war von der 
Stellung bei Caldiero bis über den Tagliamento zur Arri^regarde der im Rückzüge 
begriffenen Armee bestimmt und hatte am 4. November in den Gärten jenseits der 
Brenta Stellung genommen. Nachdem die Armee die Brenta überschritten^ griff der 
Feind diese Nachhut an^ welche sich fechtend zurückzog. Das im zweiten Treffen 
eingetheilte Husaren-Begiment Erzherzog Ferdinand^ bei welchem sich auch 
Christ als Commandant der aus 4 sechspfundigen Kanonen und 2 siebenpfundigen 
Haubitzen zusammengesetzten Cavallerie-Batterie befand^ und das im 1. Treffen ein- 
getheilte Husaren-Regiment Baron Kienmayer wurden jenseits der Brücke in an- 
gemessener Entfernung aufgestellt^ unter deren Schutz sich die Infanterie zurückzog. 
Nachdem Christ die Noth wendigkeit einsah^ dass rechts und links des Husaren- 
Regiments Baron Kienmayer aufgestellte Artillerie zur Aufnahme der Infanterie 
zweckdienlich sei, begab er sich mit seiner Batterie y ohne Befehl abzuwarten , in 
das erste Treffen und wurde in den Stand gesetzt den Feind^ welcher das letzte 
Bataillon des Generals Frimont lebhaft verfolgte, von beiden Flügeln des Husa- 
ren Regiments mit Kugeln und Granaten zu beschiessen und jenem Bataillone den 
Rückzugin die Ebenen zu erleichtern. Kaum war das erste feindliche Bataillon durch 
die Gärten in die Ebene gedrungen, als auch eine feindliche reitende Batterie mil 
9 Geschützen erschien und unsere Truppen mit Nachdruck zu beschiessen anfing, 
die indessen, ausser einer Division Grenzer, zum Abwerfen der Brücke in Bereit- 
schaft stehend, letztere bereits passirt hatten. Der Feind suchte das Zerstören der 
Brücke um jeden Preis zu hindern und hatte durch das Feuer seiner Geschütze und 
der vorrückenden Bataillone* die Grenzer bereits zum Weichen gebracht; da richtete 
Christ seine 6 Geschütze gegen die heftig andringende feindliche Infanterie, sie 
lebhaft mit Kartätschen beschiesscnd ; er feuerte seine Artiüeristen, gegen welche 
des Feindes Goschützfeuer gerichtet war, zur grössten Standhaftigkeit und Thätig- 
keit an, sprang dann vom Pferde und brachte die Grenzer durch Beispiel und 
Ansprache zum Stehen und Hess alle Pfosten der Brücke abreissen und in den 
Fluss werfen, wodurch dem Feinde der Übergang über die Brenta vereitelt wurde. 
Hierauf wandte sich Christ wieder zu seinen Geschützen, fand die nächst der 
Brücke stehende Haubitze durch das heftige Feuer des Feindes ohne Bedienung, 
übernahm selbst die Yormeisterstelle und Hess durch die übrigen 5 Geschütze 
immer nur eine Kanone des Feindes mit dem besten Erfolge beschiessen, dann for- 
derte er die indessen verborgen gestandenen Grenzer auf, auch die Tragbalken der 
Brücke in das Wasser zu versenken, um dem Gegner die Herstellung der- 
selben zu erschweren. Die An'iferegarde zog sich in der Nacht einige hundert 
Schritte zurück und ging bei Anbruch des Tages über die Piave, wo Christ 
ebenfalls die Zerstörung der Pontonsbrücke auf sich nahm und die Anstalten so 
gut traf, dass dies jeden AugenbHck erfolgen konnte. Auch die Jochbrücke 



1003 

n T&gliftmcnto iiatte er am S. mit Rcihiiifi- eines Hatnilions impracticabol 

t. 

ImFeldziigelSOS fandCIi ri sterneuert Gelegenheit zur Auszeiohtiung, Er hatte 
bei dem Reservecorps des Generals der Cavallcric Pilrston Liechtenstein mit 
«Der Cavallerie-Batterio in der Schlacht bei Asporn den Feind siebenmal ange- 
^len und derOavallerie desselben so viel Schaden zugefügt, dass sie sich an mehre- 
fenPuncten zurückziehen njusslo und dem Choc unserer Reiter nicht widerstehen 
konnle. Chriel war mit seiner Batterie aus eigenem Antriebe immer dort, wo Hülfe 
i><SduK> Am 23. vrsren bereits mehrere Batterien wegen augenblicklichen Mangels 
in Uuüition ausser Stand dus Feuer zu unterhalten, a\s Esslingen von allen Seiton 
nil Sturm angegritfen werden sollte. Unsere Infanterie auf dem linken Flügel 
h»tte gegen die ausgedehnte Stellung nur mit 3 Kanonen wirken können. Da erbot 
ach der brave Officier sogleich, den Angriff der Infanterie zu unterstützen, führte 
maß neun Piecen unter Jiibelgeechrci der Bcdienungsmunnschaft, welche er durch 
eine honthafte Ansprache zu begeistern verstanden, in die Nälie des Ortes, Hess 
ibproixen, und durch «in in mehreren Directionön angebrachtes Kartülschenfeuer 
jtUng CS ihm, dem Feinde einen so betriichtlichen Schaden zuzufügen, dass unsere 
■VhtlieiluDgen in dem äusserst beschwerlichen Vorrücken crmutbigt, bereits thoil- 
*ei« sich dea Dorfes bemächtigten. Als sie «ich in der Folge plützlicb wieder 
uräckaeben und bei den zur Unterstützung aufgestellten Massen sammeln mussten, 
ücnChrist ungcaehtcl des heftigsten Feuers, nur die Wichtigkeit des Augen- 
blicke« Tor Aag«n habend, seine Batterie unverrückt, und unterhielt ein so lebhaftes 
Kvlitwrhcnfcüer, dass die Franzosen von der Verfolgung ablassen njutiston. 

In de« Tagen von Wagram boJ'chligtc Christ eine Cavallcrie-Batterio von 
6GeH-hUtzcu bei dem Corps des (icnerals der Cavallcrie Grafen Itellegarde 
rad httlc schon am Vormittage des ß. Oclegenheit gefunden sich durch fünf mit 
dem be»icfl Erfolge ausgeführte Angriffe auf die feindliche Cavallerio die allgemeine 
AiwrkeanuRg zu erworben. Das Andringen des Feindes wurde spStor immer heftiger, 
und da war es wieder Christ, dessen Thätigkeit und (tcistcsgegcnwart zum Besten 
w Allerhöchsten Dienstes enisch eidenden Spielraum gewann. Aus freiem Antriebe 
**r er mit seiner Itatterie immer auf den bedrohtesten Punctenund hatte wesentlich 
Wfttrigcn, dass es dem Feinde den ganzen Vormittag, ungeachtet der Sussersten 
-WrtDgung, nicht gelingen konnte auch nur irgend eine Ahtheilung des 1 . Amice- 
'orps »um Weichen zu bringen. Nachdem endlieh Nachmittag)« der linke Flügel 
^"t» Corps, wirklich bedroht, zu weiclien anfing, lies* Chri.st seino Batterie auf 
™0 Sehrille vorfahren, crmuthigte seine Mannschaft durch Worte und Beispiel, und 
*ilieftigcti, gut angebrachtes Kartätschenfeuer verschalt'le den geworfenen Truppen 
^ sich zu sammeln und den Rückzug unbclästigt anzutreten. An diesem Tage 
"•ftentlich zeigte Ch rist seine Tapferkeit, sein festes Ausharren in der Gefahr und 
"iw ktthne Entselilosaenheit im schönsten Lichte. Er wurde nach der Schlacht zum 



1004 

Oberlieutenant befordert, erhielt im Capitel 1810 das Ritterkreuz des There- 
sien-Ordens und im Jahre 1811 den Freiherrnstand mit dem Prädicate ;,von 
Ehrenblüh«. 

Auch in den grossen Kämpfen der Jahre 1813 bis 1815 hatte dieser ausge- 
zeichnete Erieger grosse Thätigkeit und persönliche Bravour bewiesen, und rückte 
in der langen Friedensepoche bis zum Obersten vor. Er beschloss sein rühmliches 
Leben als Commandant des 2. Artillerie-Regiments zu Wien am 30. December 1841. 

EHBcENSTEIN, Joseph Robert Freiherr von, Major, ist im 28. Lebensjahre 
vor dem Feinde geblieben. Ein würdiger Schüler des unvergesslichen Kinsky, 
verdankte er diesem seine Erziehung in der Neustädter Akademie. Zu Ungarisch- 
Hradisch geboren , gab der heldenmüthige Jüngling schon als Fähnrich des 
Lifanterie- Regiments Lindenau in der Schlacht bei Caldiero, damals kaum 
18 Jahre alt, Proben von Muth und Entschlossenheit, auf die der erfahrenste 
Krieger stolz sein konnte. Bei einer Batterie waren an diesem heissen Tage schon 
alle Kanoniere gefallen und das Feuer musste ausgesetzt werden. Der Feind, kühn 
gemacht, dringt auf dieselbe los; da eilt Ehrenstein mit einigen Infanteristen zu 
den Geschützen, richtet und bedient sie und empfangt den Feind mit einer so kräf- 
tigen Lage, das ihm jeder weitere Versuch vorzudringen verleidet wird. Erz- 
herzog Karl ernannte den mutbigen Officier auf dem Schlachtfelde zum Lieutenant. 

Ln Jahre 1 809 war Ehrenstein bereits Oberlieutenant im Gencral-Quartier- 
meisterstabe und dem 6. Armeecorps zugetheilt. Die Schlacht von Asp ern gab 
ihm Gelegenheit sich in dem Grade auszuzeichnen , dass ihm das Capitel im Jahre 
1810 das Ritterkreuz zuerkennen musste. Es war am zweiten Schlachttage, wo 
dieses Corps den rechten Flügel der Armee mit der Weisung zu bilden hatte, die 
Flanke zu decken und dem Vordringen der Franzosen längs der Donau Einhalt zu 
thun. Diese concentrirten ihre ganze Stärke gegen Aspem, bemächtigten sich des 
Ortes und besetzten es nicht nur mit mehreren starken Lifanteriemassen, sondern 
auch mit Geschütz, unter deren Schutz ein Angriff auf die dort aufgestellte kaiser- 
liche Lifanterie unternommen und diese zum Wanken gebracht wurde. Ehren- 
stein, dies bemerkend, erbat sich die Stürmung des Dorfes. Er rückte an der 
Spitze von 100 Freiwilligen des Regiments Benjowsky, welche durch 200 Mann 
dieses und des Regiments Kleb eck verstärkt wurden, gegen den Find vor, und 
war so glücklich, nicht nur den Laufgraben vor dem Orte, sondern auch den 
Kirchhof und das Dorf selbst, welches der Feind in Brand gesteckt hatte, zu 
erstürmen und 260 Gefangene zu machen. Der Verlust des Gegners bei dieser 
Gelegenheit war ein sehr namhafter, doch blieben auch von den Freiwilligen zwei 
Dritthoile auf dem Platze. 

Im Jahre 1811 in den Freiherrnstand erhoben, kämpfte Ehrenstein bei 
Leipzig als Hauptmann mit angebornem Muthe, trug eine Wu^e davon und ward 



1005 

üijor. Von dieser noch nicht gänzlich gencäco, machte er doch den Feldzug 1814 
mit aii<l scicbaete sich bei Macon nm 11. März wiederholt aus, da er mit zwei 
ädiwidronen Cavallerio den Feind, welcher unseren rechten Flügel zum Weichen 
iringl, furBdfwirft. Immer ungestüm tapfer, wenn es mit dem Feinde zu thuii 
gibt. greift er auch am 18. März in demTrctfen hct St. Georges den hartnäckig 
lUndhaltenden Gegner im Dorfo Longsard an und findet hier den schönen Tod 
fln Vaterland. 

HtJHHEL, Johann Lud wig Freiherr von, Oberst, Soldatenkind, erhielt seine 
Eniehung im Pottauer Militäi-stifte. Zu Reutlingen in Württemberg 1744 geboren, 
hit dieser Officier durch seine an die Tapferkeit der Griechen und Römer mahnende 
IMdenthat sich ein imvergänglichos Andenken gegründet, und vom Tambour 
nm Ritter des Maria Theresien-Ordens, zuniFrciherm und zum Obersten cnipor- 
pMliwongen. Nnclidem Ilummei sechs Jahre als Tambour bei dem Iiifanterie- 
Ba^cntc Salm gestanden, erfolgte seine Übersetzung in den Feuergewehrstand 
1168. Im 34. Lebensjahre war er Adjutant, Im Türkenkriege Hauptmann bei Terzi- 
Iilulcrie und trug bei Lasmare und Karansebes Lob und Wunden davon. 

In den Feidzügen gegen Frankreich zeigte Hummel grosse Unerschrocken- 
bät und wurde mehrmals, namentlich bei der Einnahme der Weisscnburger 
linicn und imSchwcighauser Walde 1793, dann beim Rückzüge der Armee 
«ödem Oenucsisehen (November 1795) so bedeutend blessirt, dasser, zum Dienste 
ißFtlilo antauglich, eine Friedensanstellung ansuchen musstc. Im August 1796 
i«a Hummel zur Monteurs - Commission nach Marburg, stand hier etwas über 
M Jahr in Verwendung und wurde dann zur deutschen Garde übersetzt. Im Mai 
1801 mm VcrpßegB-Diroctor in Dalmatien mit gleichzeitiger Beförderung zum 
H»jor, und bald darnach zum Genoral-Commando-Adjutanten in jener Provinz 
tnuimt, trat nummel im Juli ISUl?', als Dalmatien an Frankreich fiel, wieder 
10 die PensioD, war aber im Jahre 1809 einer der Ersten, der sich unter die Fahnen 
nSiteand am !5. März das Commando dos zweiten Grafzer Landwehr- 
DUiilloni tl hernahm. 

Uil dieser Truppe und drei Compagnien Strassoldo-Infanterie besetzte er 
ta 13. Juni Abends den Meierhof Hajfö in Kis-Mcgyor hei Raab und bemühte 
«i die Kocht über Bankette zu errichten , um über die Mauer, die den Hof 
■i|nb, TeDcrn zu künnen, wofür ihm auch die Anerkennung des Erzherzogs 
•»!i»nn xuTheil wurde, weicher am 14. Slorgens den Posten besichtigte. Es sollte 
**»w Meiorhof auf das Äusserstc gehallen worden, und Hummel erhielt noch 
■ CompagnicD St. J ullcn als Verstärkung. Um 1 Uhr Nachimttags begannen die 
""gplämcn Angriffe der feindlichen Di\nsion Serraa, wurden aber jedesmal 
'''pwicsco. Anfangs ward der Unke Flügel unserer Armee zurückgedrüekt , und 
"icli tuid nach eine rechts aufgestellte Batterie, so wie das Ca vallerlc- Geschütz bei 



1006 

der Capelle in der linken Flanke des Meierhofes zum Weichen gebracht. Der 
Meierhof musste dadurch zum StQtzpunct dieses Flügels werden ^ und da die 
Besatzung Yortheilhaft aufgestellt war ; so Hess Hummel das vordere und rück- 
wärtige Thor verrammeln und die Patronen der Todten und Verwundeten, welche 
den Vertheidigem bereits ausgegangen waren, unter seine brave Landwehr-Mann- 
schaft vcrtheilen. Mittlerweile war der Hof vom Feinde umrungen. Hummel, von 
der Wichtigkeit der Behauptung dieses Platzes durchdrungen, eilte zu der in 
Reserve gestandenen Abtheilung, führte sie in die Hinterflanke, während er selbst 
sich wieder zur Front begab. Nach vielen Anstrengungen hatte die Division Serras 
die Anhöhe, von welcher die Behauptung des Meierhofes abhing, genommen, und 
den dem Major Hummel zugesendeten Succurs abgeschnitten; einige kühne feind- 
liche Yoltigeurs setzten bereits über die Mauer; in diesem Momente entsendete 
Hummel alle in der vorderen Fronte entbehrlichen Leute dem eingedrungenen 
Feinde entgegen; die Hauptleute Baron Mose on, Bertold und Schmutz, dann 
Fähnrich Fellinger führten die Helden an, und warfen den Feind wiederholt 
zurück. Endlich gelang es dem Letzteren, die beiden rückwärtigen mit Stroh ge- 
deckten Seitengebäude in Brand zu stecken und in die Mauer Bresche zu schiessen. 
Über fünf Stunden hatte sich die Besatzung auf das Hartnäckigste vertheidiget und 
der Armee den Rückzug nicht nur erleichtert, sondern auch des Feindes nachdrück- 
liche Verfolgung gehemmt, auch der Artillerie-Reserve unter Oberst Friere nber- 
ger Zeit verschafft die Strasse nach Acs zu gewinnen. Allerdings war diese 
heldenmüthige That mit grossen Opfern erkauft worden. Mehr als die Hälfte der 
Braven, darunter allein 7 Hauptleute, waren theils todt, theils blessirt, als sie end- 
lich , der Übermacht weichend, sich gefangen geben mussten. 

Das Capitel vom Jahre 1810 sprach dem tapferen Commandanten einstimmig 
das Ritterkreuz zu, und im Jahre 1817 wurde Hummel in den Freiherrnstand 
erhoben. Bis Mai 1827 war er dann bei dem innerösterreichischen Cordons- 
Bataillon in Thätigkeit, um welche Zeit er krank und gebrechlich nach 57 Dienst- 
jahren in die Pension trat und sein ausgezeichnetes Leben zu Gratz den 18. Sep- 
tember 1832 beschloss. 

BlANCHI, Friedrich von, General-Major, für die mit Standhaftigkeit und 
grosser Umsicht geleitete Vertheidigung des Brückenkopfes bei Pressburg; 
wurde im Jahre 1813 Commandeur (s. d.). 

Haas von Märten y, Stephan, Oberst, Officierssohn, zu Pressburg geboren 
und im 16. Lebensjahre als Cadet in das 53. Infanterie-Regiment Johann Jella- 
chich eingetreten, avancirte in den ersten Kriegen gegen Frankreich bis zum 
Oberlieutenant, im Jahre 1805 zum Hauptmann. Bei allen Gefechten, Schar- 
mützeln, bei Erstürmungen oder Vertheidigungen von Schanzen, die nur immer 



1U()7 

duKe^mcnt beieuwohncii Gelegenlielt hatte, glänzte Haas durch kluges, aus- 
gticiclinet herBhftftcs Benclimen, und war von aeinon Kameraden ao geachtet und 
gaeh'iut, da£8 diese nach Beendigung des Krieges vom Jahre 1809 seine beson- 
deren Verdienste anregten und fiir ihn um eine Belohnung ansuchten. 

Es war aber auch dieser Feldzug für Haas eine fortlaufende Reihe tapferer 
mi berzbafter Thnten. So vcrdrKngte er am 11. April mit seiner Division die Fran- 
uua aus Pontis und Venzone, und hatte am 15. während der Sehlacht von 
Uieile in der Position beiCostel d'Aviaiio durch kluge Maskirung seiner Schwäche 
eine feindliche Diversion zu vereiteln gewusst. Am 30. war er es, der die dem 
Bccimenle aufgebotene Besetzung der Gebirgskette von Foscarinetta aufzuführen 
fmäglichie, indem er mit einer Division den stürmenden Feind so lange beschäf- 
tigte, bis Oberst Volkmann Zeit gewinnen konnte seine Bataillone zu ralliiren 
uui dem Feinde entgegen eu führen. Am 10. Mai wurde Haas vom General-Major 
ßiroa Schmidt mit einer Division und 13 Pferden nach Cortina in Tirol beor- 
d*rt den Landülurni und eine Sehiitsten-Gumpugnie zu organisiren , und die Ver- 
'ikääigung von A nipezzo zu übernehmen; beide Aufträge führte er nicht nur mit 
gnohitter ITusicht aus, sondern verfolgte auch den im Rückzüge begriffenen Feind 
ki« Pctiruolo. Das Gefecht am Calvarienberge bei Klagenfurt (6. Juni) 
buellaas' Kntachlosscnhcitzum grösstcn Tbeile entschieden. Kr war nämlich vom 
OIwrUeit Volkmann angewiesen, mit seiner Division, welche zuerst jenen Berg 
iiBcnits gononiDien hatte, 3 Kanonen, welche schon unwirksam geworden waren, 
^die Villaclier Strasse zu führen und die Cnmpagnien dos 3. Bataillons aus dem 
Feuer in ziehen, wahrend die beiden andern Bataillone eine andere Bestimmung 
«Wellen. Mit vieler Bravour vollfiihrte er dicisen Auftrag, und näherte sich eben 
DJl den KuDuuen und den Muinlions karren der Strasse, als 200 feindliche Kelter 
Hiebt* vgni Canale aus der Vorstadt gegen das Geschütz aiigcxprcngt kamen. Haas 
betiuin sich nicbl lange; er Hess die Kanonen abprotzen, Hturm schlagen und 
rtckte au der Spitze seiner 60 Mann mit seltener Bravour der Cnvallcrie ent- 
Stgvo; neino wirksam angebrachten Schusse brachton die Feinde in Unordnung 
udiwangeu xie zum Rückzüge in die Stadt. Für die letzte T hat hauptsächlich 
•urdcllaas im Capitel 1810 zum Ritter ernannt. 

Nachdem er im Verlaufe von 45 Dienstjahren die Rangstufe eines Obersten 
tflu^ halte, zog er sich im Mai 1834 in den Ruhestand und starb zu Topusko in 
•^ieu den 26. September 1835 im 64. Lebensjahre. 

fflELOYVTEYSHde Wielka-Wies,LadiaJaus Freiherr, Hauptmann und 
"ittuncrer, einer allen adeligen polnischen Familie entsprossen, war zu Morkona 
'»ßii«i*ch-Polen 1789 geboren. 

Schon ini 12. Jahre widmete sich dieser ausgezeichnete Krieger der Artillerie, 
»dan er «la Freiwilliger den Schulen des Bombardiercorps mit grossem Eifer 



1008 

beiwohnte und dann den Feldzug 1805 gegen Frankreich als k. k. Cadet mit- 
machte. Im Jahre 1809 Unterlieutenant im 2. Regimente, erkämpfte sich Wie- 
lowieyski auf den Schlachtfeldern Italiens das Ritterkreuz. 

Dieser tapfere Officierplacirte am 16. April 1809 in der Schlacht vonFontana 
Fred da; als der Feind unsere Avantgarde angegriffen, seine Cavallerie-Batterie mit 
der grössten Geistesgegenwart der Art, dass die Franzosen ungeachtet ihrer wieder- 
holten Attaquen durch das vortrefflich angebrachte Kugel- und Eartätschenfeuer 
über Rocco geworfen und zum Weichen gebracht wurden, ein Umstand, der auch 
zur Einnahme von Fontana Fredda wesentlich beigetragen hatte. Nicht minder 
muthvoll und standhaft begegnete Wielowieyski den wiederholten feindlichen 
Stürmen bei Villanuovaam 29. April, besonders gegen den Ort San Bonifacio 
mit Kugeln und Kartätschen, so dass der Feind von seinem Vorhaben abstehen 
musste und bis Caldiero geworfen wurde. Fünf Stunden hatte er gegen den dreimal 
stärkeren Gegner San Bonifacio ruhmvoll gehalten. 

Als die Armee auf ihrem Rückzuge am 11. Juni vorwärts von Päpa Stel- 
lung genommen, am 12. ihren weiteren Rückzug gegen Tdth angetreten hatte, war 
Wielowieyski mit seiner Batterie bei der Nachhut commandirt und stellte dem 
andringenden Feinde, obwohl ihm das Pferd unter dem Leibe erschossen worden, 
aus eigenem Antriebe (denn die anwesenden Artillerie-Stabsofficiere waren mit 
Placirung der übrigen Brigade- und Positions-Batterien beschäftigt) seine Batterie 
so zweckmässig entgegen und wirkte so vortheilhaft mit derselben, dass dem 
Gegner ein schnelles Vorrücken verwehrt und der Rückzug der Armee wesentlich 
erleichtert wurde. Gleich ausdauernd hielt er sich am 14. Juni in der Schlacht 
von Raab und fügte durch eigene Anordnung mit seiner Batterie dem Feinde 
möglichsten Abbruch zu, ungeachtet ihm an diesem Tage abermals sein Reitpferd 
getödtet wurde. Da in diesen Gefechten dem Feuerwerker, zwei Corporalen und 
drei Vormeistern der Batterie theils die goldene, theils die silberne Medaille als 
Belohnung zu Theil wurden, so konnte auch dem wackeren Commandanten der 
ausgezeichneten Cavallerie-Batterie das Ritterkreuz um so weniger entgehen, als 
auch Erzherzog Johann in einem Schreiben an den Präses des Ordens-Capitels, 
Feldmarschall Fürsten von Liechtenstein, das umsichtige Benehmen dieses 
braven ausgezeichneten OfGciers hervorzuheben sich angenehm veranlasst sah. 

Im Feldzuge 1813 wurde unsere Avantgarde der Armee in Italien bei Cal- 
diero am 15. November zum Weichen gezwungen. Wielowieyski agirte mit 
der Hälfte seiner unterhabenden Batterie so zweckmässig, dass der Feind auf 
die Ordnung des Rückzuges unserer Truppen nicht nachtheilig und auch den 
Übergang über die Alponbrücke bei Villanuova nicht hindern konnte; vielmehr 
da auch diese in Gefahr stand genommen zu werden, wusste Wielowieyski, abge- 
sehen von dem Verluste, welchen seine Batterie an Bedienungsmannschaft und 
Pferden während des Gefechtes erlitten hatte, die Vertheidigung so zweckmässig 



1009 

n leiten, dass nur seiner Thätigkelt und Entsclilossenheit die Erschütterung des 
G^ers nach einem aechsatiindJgcn Kample zu danken war. Am 8, Februar 1814 
beAliMcbtigtc unsere Armee den Übergang Über den Mincio bei Valeggio auszu- 
führen, wurde jedocb vom Feinde, der bei Goito den Fluss übersetzt hatte, lebhaft 
(K^ritfea und der linke Flügel bis über Pozzolo so gedrückt, daas nur durch 
Wielowieyski's Unerschrockenlieit und die angestrengte Wirkung seiner Caval- 
lerifr-BfttleriQ des Gegners Absicht vereitelt werden konnte, die schon geschwächte 
iDfiDterie ans der Stellung bei Furoni zu verdrängen und die Strasse von Villa- 
6mc»*u gewinnen. Diese neuen Waifenthaten lolinte der Kaiser mit dem Ritt er- 
k ff nie des Leopold-Ordens. 

Im Jahre 1815 war Wielowieyski als Oberlieiilenant bei dem Armeecorps, 
nlcliM gegen Neapel agirie, und Hess sich mit gleicher Thiitigkeit besonders bei 
der Blockade und Übernahme von Ancona, dann bei der Beschiessuug von 
Oitia, wo er die Oberleitung der Artillerie führte, verwenden. Diesem tüchtigen 
im .VugTiät I8I9 zum Hauptmann beförderten Officier ward im Jänner 1825 
^r ttitiitenmässige Freiherrnstand verliehen, doch trat er schon im folgenden 
Jihre mit Beibehält des Militär-Charakters aus der Armee und starb zu Podgorcze 
•11)14. Juni 1844. 

SZILT von Nagy-Szigots, Anton, Major, war zu Pesth im Jahre 1775 
Itboren. Diesor unternehmende Husaren-Oflicier hatte von 1794 bis zum Jahre 
1809 tUe Feldzüge, vorerst beim 1,, dann beim 12. Regimente mitgekämpft und 
Khonun 6. Juli 1799 als Lieutenant bei der Vertheidigung von Offen bürg sich 
M hervorgethan , dass er bald darnacli zum Oberlieutcnant und im October 1800 
mm Riitmoistcr befördert wurde. 

Den Feldzug 1809 machte er in der letzteren Charge bei Pnklinal -Husaren 
tnil; Br wurde bei der Vorrückung des 7. jVrmeecorpa in das Herzogthum War- 
«h*« mit der Oberst 2. Schwadron auf Streifcommando detachirt und angewie- 
Kn die»>s Armcocorpa Über die feindlichen Unternehmungen an dem linken Ufer 
lioPilic* und der Weichsel in Kenntniss zu setzen. Szily iiborschritt am 14. April 
iSXI bei Nowemiasto die Pilica und Btreifte über Przybyszew und Goszcyn bis 
Wiritt, wo er einen feindlichen Officier und 7 Mann zu Gefangenen machte. 
Imerrichtel von der Lage des Feindes, dessen linker Flügel an Piasana gelehnt 
""J mn dessen Vorhut sowohl Grodzisk alsTarczyn besetzt war, suchte Szily die 
Äubfibo roa Gora zu gewinnen, die er durch seine klugen Vorkehrungen glücklich 
"iliMiKjrkl erreichte und den Feind an überfiel, dass derselbe mit Zurücklassung 
*"" li Gefangenen geworfen und das dortige beträchtliche Magazin erobert, auch 
ifftUder öfteren feindlichen Versuche zum Vortheile der Armee behauptet wurde. 

Nach dem Treffen bei Rasczyn und der darauf erfolgten Capitiilation von 
'■inehau wurde Szily abermals detachirt und angewiesen die Weichsel bis an 



1010 

f 

den Einfluss der Pilica zu sichern ^ die bei Gora fast zur Vollendung gebrachte 
Schiffbrücke, deren Kopf vom Feinde gestürmt und eingenommen wurde, zu ver- 
nichten, die Polen in ihrem ausgedehnten Lager bei Osiek zu beobachten und 
Alles was bei der nunmehrigen Vorrückung der Armee gegen Posen im Rücken 
erforderlich war, zu erzielen. Bei der fruchtlosen Auskundschaftung der feindlichen 
Bewegungen übersetzte Szily bei Karczew am 9. Mai 1809 mit einiger Mannschaft 
und erfuhr bestimmt, dass Poniatowsky nach der Einnahme des Brückenkopfes 
bei Gora in das Innere eingedrungen, bei Kolsz und Macieowicc ein Lager bezogen 
und bereits bei Modczyce über die Wieps eine Brücke geschlagen habe. Da sich 
aber der Feind am 11. Mai von Osiek gegen Macieowice gezogen, bei Mniszow 
die Weichsel passirt, die dort aufgestellte Cordons-Compagnie gefangen, aller Fahr- 
zeuge auf der Pilica sich bemächtigt und die zu Magnuszow detachirten 2 Com- 
pagnien Walachen zerstreut hatte, so schwamm der rasch entschlossene Szily mit 
einiger Mannschaft bei Konary über die Pilica, streifte in der nämlichen Nacht über 
Magnuszow bei Ryczywol und machte 42 Mann gefangen. Er beobachtete die 
Weichsel über Pulow mit besonderer Anstrengung und setzte den Feldmarschall- 
Lieutenant Baron von Schauroth von der Lage der mit dem General Zaj an tsek 
bereits in Josefow gelagerten Polen in Kenntniss. Auf den vom Generalen Bra- 
now'atzky zu Eoszenice am 16. Mai erhaltenen Befehl, zur Übersetzung seiner 
Brigade über die Pilica die Anstalten der Art zu treffen, dass diese ihren Marsch 
gegen Sandomir zwischen dem 17. und 18. ungehindert antreten könne, wagte der 
brave Rittmeister am 17. Nachts bei Mniszow auf einem kleinen Flosse den Über- 
gang über die Weichsel und bemächtigte sich blos durch seine grosse Entschlossen- 
heit 11 Fahrzeuge, die uns der Feind früher an der Pilica abgenommen hatte; 
mit diesen bevrfrkte er die Überfahrt der genannten Brigade am 18. und streifte die 
Weichsel aufwärts gegen Sandomir. Auf die am 23. erhaltene Nachricht von der 
Einnahme Sandomirs streifte Szily gegen Ozarow, welcher Ort vom Feinde stark 
besetzt waf*, beunruhigte denselben, bemächtigte sich dann am 25. der Überfuhr 
bei Janiszow, die er in Brand steckte, hiedurch seinen Rücken sicherte, und scbloss 
sich am 27. an die Division Schauroth unter Sandomir. Dieser General hatte 
Befehl Sandomir imi jeden Preis wieder zu nehmen, war jedoch auf die von Szily 
erstatteten umständlichen Rapporte — dass der Feind bei Dzikow und Baranow bis 
12,000 Mann stark stünde, in der Festung Sandomir aber eine Besatzung von 6000 
Mann habe, dass ferner unser schweres Geschütz in seiner Macht und selbst die 
Verbindungsbrifcke auf der Weichsel hergestellt sei — bemüssigt, die weiteren Be- 
fehle abzuwarten und am 30. die Weichsel ober Nowemiiasto undKJimentow zu über- 
setzen. Denmach wurde Szily befehligt, die Vorpostenkette mit einer zugetheilten 
Schwadron von Kaiser-Husaren zu beziehen und den Abmarsch dieses Corps den 
Polen zu verheimlichen. Der Feind unternahm am 31. mit starker Cavallerie eine 
Recognoscirung bis an das Defil^ vonObrazow, doch gelang es dem tapferen Szily 



1011 

lieb durch kriifli'ge Anstalten und persönliche Bravour bis 10 Uhj' auf Geinem 
Pofleii SU erhalten. Er zog üich mm auf die Wahrnehmung, d&ss der Feind Ihn 
durch seine Infanterie zu iinigehon gedenke, naeli Klinientow und Opatow zurück 
Bild wurde bis Wloszatow verfolgt. Um sieh nun der Dcliie'en von Opatow und der 
Sause TOO Ozarow zu versichern, vorzüglich aber um die Verbindung über 
Iwuitk gegen Staszow, wo ein betrachtücbes Magazin blos von einer Compagnie 
beviebt wurde, eu unterstützen, stellte sich Szi]y über Opatow auf, vco ihn der 
Feiod mit Übermacht angriff, in Foige seiner entschlossenen Anstalten aber mit 
Vtriuatvoo 7 Todten und einem gefangenen Ulilanen geworfen wurde. 

Am I.Juni rückten die Polen mit 700 Pferden, ungefähr 1000 Manninfanterie 
uidinelireren Geschülzen aus der Ebene von ßandomir und aus der Gegend von 
WUutßw gegen Opatow vor. Szily bezog seinen Posten bei Ruszkow, wo er nach 
.\bfUilung seiuer Rapporte den Befehl erhielt, sich nach Gury zu verfugen und bei 
Jw Vorriickung des Armeecorps dem Feiode in der Flanke beizukommen. Er legte 
lieh mit der Schwadron im Walde bei Rzcczyea Borya in Hinterhalt und im Rücken 
ilar feindlichen rechten Flanke und wartete den Angriff ab. Die Polen wurden am 
S. itUqnirt , aus dem Defilö bei Ostrovriec geworfen, verfolgt, und als sie sich in 
ilmriwcilen Position formiren wollten, brach Szily aus seinem Hinterhalte hervor 
ni hieb in die rechte Flanke der überlegenen Cavallerie mil solcher Entsehiossen- 
Wl ein, dass sie, verwirrt über diesen plötzlichen unvormutheten Angriff, mit 
ntiingtem Zügel in die Flanken ihrer Infanterie fielen und die Verwirrung der- 
jMtll förderten , dass diese, im Rücken von unseren Geschützen beschossen, in 
)^ Verschanzungon flüchtete. Auf Befehl schloss sich sodann Szily mit einer 
ii^lheiUco Compagnie von Strauch-Infanterie an die Division Schauroth am 9. 
MBtruow; sobald aber die Festung Sandomir von dorrechten Weichselseite am 
H. eingeschlossen wurde, stellte sich 8zily mit einer Compagnie von dem gali- 
iiKheo Frei-Bataillone in der rechten Flanke auf. Nach dem am 12. erfolgten 
Aopiffe dci Armeecorps fiel Szily den Feind in der rechten Flanke an und 
fliHrtB, naebdem er sich die Überzeugung verschafft hatte, dass die Plänkler in der 
"■dunag gegen Mosciska mala sich weit über unseren rechten Flügel hinausdehnten 
onj dieser unsere Armee in der rechten Flanke überflügelnde Ort besetzt sei, rasch 
•^i griff diesen Posten an und machte 63 Mann zu Gefangenen. Der Feind rückte 
'[•termil 1 Bnlaiilon Infanterie, 2 Divisionen Cavallerie und 3 Kanonen gegen 
**«n Ort Tor, und Szily vnirde mit einer halben Schwadron verstärkt. Die wie- 
•otioltBn hartnäckigen Angriffe setzten den Gegner siebenmal in den Besitz dieses 
'Won», und eben so oft wurde er durch Szily's kluge Anführung und persönliche 
'fferteit aus demselben geworfen und diese Stellung nach Verfeuerung der 
*'oition in dem von ihm am Abende angeordneten Hauptangriffe blos mit dem 
"'M in der Fauat behauptet. Wenn dies nicht erfolgt wäre, so würde das Gros 
T Armee, welches in der Frontlinie mit den beständigen Angriffen des 



1012 

Feindes vollauf beschäftigt war, überflügelt worden sein. Obwohl Szily bei der 
letzt unternommenen Attaque, in dem Augenblicke als die Polen durch die äusserste 
Anstrengung erneuert zurückgeworfen und über die Brücke verfolgt wurden, durch 
eine Musketenkugel in der linken Achsel der Art verwundet worden war, dass 
er auf dem Pferde zusammensank, traf er doch zum entscheidenden Siege seine 
Dispositionen mit voller Geistesgegenwart. Diese vielen Beweise persönlicher Ta- 
pferkeit und klugen Unternehmungsgeistes wurden dem im Juli 1809 zum Major 
ernannten und zur Bdkdser Insurrections-Cavallerie eingetheilten tapferen Krieger, 
der schon im Juli 1811 nach 18jährigen Diensten in den Ruhestand getreten war, 
mit dem Ritterkreuze gelohnt. 

Szily starb zu Zamor in Ungarn am 18. Jänner 1833. 

SCHMELZEEN von Wild man s egg, Johann Freiherr, General-Major, zu 
Prag 1761 geboren, wurde im Mai 1776 Cadet im 34. Infanterie -Regimente, 
und gelangte erst nach 10 Dienstjahren zur Officiers- Charge. Der in 16 Feldzügen 
an Tag gelegten Tapferkeit und Umsicht verdankte dieser Ehrenmann die hohen 
Stufen, welche er erklommen hatte. . 

Im Trefilen bei Löwen (22. Mai 1793) als Grenadier -Oberlieutenant an 
der Seite des Erzherzogs Karl blessirt, wurde Schmelzern am 18. April 1794 
vom Feldmarschall-Lieutenant Otto mit 50 freiwilligen Grenadieren beordert das 

t 

Dorf St. Saulve und den an dasselbe grenzenden Meierhof zu nehmen; der 
Besitz dieses Meierhofes war von der grössten Wichtigkeit, indem er der gegen 
Valenciennes vorrückenden Armee zum Stützpuncte des rechten Flügels diente. 
Bei dem Sturme auf die Verschanzungen von Famars (23. Mai) war Schmelzern 
einer der Ersten in denselben und wurde von Seiner Majestät ausser der Tour zum 
Capitän-Lieutenant befördert. 

Am 19. Mai 1799 von Pozzolo formigaro in Piemont mit 3 Infanterie-Com- 
pagnien, 7 Artilleristen und 14 Handlangern angewiesen die FestungCe va, welche 
die Bauern im Rücken der französischen Armee genommen hatten, zu besetzen, 
vollführte Schmelzern diesen Auftrag mit einer Umsicht, welche ihm allgemeine 
Anerkennung verschaffte. Obwohl viele Hindemisse im Wege standen, da er mitten 
durch die französische Armee den Marsch nehmen, sich zwischen den feindlichen 
Divisionen Grouchy und Victor unbemerkt durchschleichen musste, und gar 
bald entdeckt, auf das Nachdrücklichste verfolgt wurde, so verstand er es doch 
zum Ziele zu kommen, und die äussersten Anstrengungen brachten ihn endlich 
an die Bestimmung. In der Festung fand er eine gänzliche Verwüstung; die 
darin gehausten Bauern hatten die Faschinen aus den Werken zum Verbrennen 
ausgerissen, so zwar, dass ganze Traversen zusammenstürzten, Pallisaden und 
Thore in den äusseren Werken waren verbrannt und das Eisenwerk davon 
verschleppt. An Approvisionement fehlte es gänzlich und nur eine einzige vier- 



1013 

pflindigp Kanone war rorlianden. Bei dieser missliclien Lage der Dinge gelang 
t& ScLmelzcrn doch durch üusserstc Anstrengung binnen 5 Tagen nnf 10 hU 
]4Ti{;e Verpflegung lierbeizuschafFcn, und obgleich er weder einen Genie- noch 
einen Artillerie-Officier beihatte, so wurden doch unter seiner Leitung innerhalb 
diaeröTage noch 6 Kanonenrohre so hergericlilet, dass sie vci'wendet werden 
loimteDf so wie Alles in den Werken Verheerte , so weit es nur in der Mügllch- 
Itilsund, hergestellt wurde. Nach Verlauf dieser kurzen Frist erschien die ihn 
TdfilgeDde französische Division Grouchy und berennte die Festung; später 
rtdte Uorcau mit der ganzen Armee heran und es wurde Ceva nach voll- 
brnneoer Cernirang von drei Seiten durch 3 Tage und 3 Nächte bombardirt, und 
obwoMtoQ den beigehahlen 7 Kanonen vier während der Reschtessung demonlirt 
nul ille Gebäude in Schutt verwandelt worden waren, verlor Schmelzern 
lÜMtvegs den Muth sich zu erhalten, schlug alle Angriflo und Aufforderungen 
wr Übergabe ab, wies die angetragene liealechung mit Verachtung zurück und 
t^idtiicb auf den Trümmern der Festung so lange, bis Feldmarschall -Lieutenant 
Waligsovicb ihn entsetzen konnte. In Folge dieser Waffenthat wurde er durch 
fei commandirenden Feldmarschall Suworow der All erhöchsten Gnade besonders 
■a|&iUen und au.sser der Tour zum Major im 7. leichten Bataillon befürdert. 

AlaCommandant dieser Truppe erwarb sich Schmelzern, der die Vorposten 
iiiCoqisdcs Generals Hohenzollcrn commandirte, dasZutrauen dieses Generals 
«idem Grade, dass er mit verschiedenen kleinen Ausführungen beehrt, einmal auch 
W einer Itecogaoscirung gegen Lonato eine eigene Colonne zur Leitung erhielt, 
W welcher Gelegenheit er für sein zvreckmiissiges Benehmen das öffentliche Lob 
•mirtc. Am 21. Octobor J800 griff der Gegner mit Tagesanbruch die von ihm 
Webiigte Vorpostenkette in 3 Colonncn an. Mit seinem leichten Bataillon, einer 
K'iunn Jäger und einer Schwadron Ilusarcngelang es Schmelzern durch gut 
ptroffone Dispositionen dem sehr überlegenen Feinde der Art Widerstand zu 
'«iten, dass dieser von Tagesanbruch bis in die Nacht ihn nur von Pozzolengo bis 
■«K Olivetlo zu drängen vermochte; dieser Ruckzug geschah indess unter den 
ÄBjten des Obcrfeldherrn Grafen Bellegarde so vortrefflich, dass erSchmel- 
'Efn seine besondere Zufriedenheit ausdrückte. Am 7. Jänner 1801 ereignete es 
wli, daas der Feind, als unser Major mit dem leichten Bataillon und einer Division 
J'SMdon Sasscrslen rechten Flügel der Vorposten belArsignano commandirle, 
*"CMilruni der Vorpostenkette bcIMontebello durchbrach, und ihn mit seiner 
'nippe von der Armee trennte. In dieser missüchcn Lage und da die ihm ent- 
t*emu>hende, auf dem Monte Orso postirte feindliche Division dieGegend gegen 
uine and Bassano forciren zu wollen schien, um derArmee im Rücken zu kommen, 
Schmelzern dieseAbsicht, wo nicht zu verhindern, wenigstens zu 
und rctirirtevon Torrente zuTorrentesoklugund berechnend, dass die 
inderVorrückung behindert unHcrerAnnec gar nichtbcikommen konnten. 




1004 

Oberlieutenant befordert, erhielt im Capitel 1810 das Ritterkreuz des There- 
sien-Ordens und im Jahre 1811 den Freiherrnstand mit dem Prädicate ;,von 
Ehrenblüh«. 

Auch in den grossen Kämpfen der Jahre 1813 bis 1815 hatte dieser ausge- 
zeichnete Krieger grosse Thätigkeit und persönliche Bravour bewiesen, und rückte 
in der langen Friedensepoche bis zum Obersten vor. Er beschloss sein rühmliches 
Leben als Commandant des 2. Artillerie-Regiments zu Wien am 30. December 1841. 

EHBcENSTEIN, Joseph Robert Freiherr von, Major, ist im 28. Lebensjahre 
vor dem Feinde geblieben. Ein würdiger Schüler des unvergesslichen Kinsk j, 
verdankte er diesem seine Erziehung in der Neustädter Akademie. Zu Ungarisch- 
Hradisch geboren, gab der heldenmüthige Jüngling schon als Fähnrich des 
Lifanterie- Regiments Lindenau in der Schlacht bei Caldiero, damals kaum 
18 Jahre alt, Proben von Muth und Entschlossenheit, auf die der erfahrenste 
Krieger stolz sein konnte. Bei einer Batterie waren an diesem heissen Tage schon 
alle Kanoniere gefallen und das Feuer musste ausgesetzt werden. Der Feind, kühn 
gemacht, dringt auf dieselbe los; da eilt Ehrenstein mit einigen Lifanteristen zu 
den Geschützen, richtet und bedient sie und empfangt den Feind mit einer so kräf- 
tigen Lage, das ihm jeder weitere Versuch vorzudringen verleidet wird. Erz- 
herzog Karl ernannte den mutbigen Officier auf dem Schlachtfelde zum Lieutenant. 

Ln Jahre 1809 war Ehrenstein bereits Oberlieutenant im General-Quartier- 
meisterstabe und dem 6. Armeecorps zugetheilt. Die Schlacht von Aspern gab 
ihm Gelegenheit sich in dem Grade auszuzeichnen, dass ihm das Capitel im Jahre 
1810 das Ritterkreuz zuerkennen musste. Es war am zweiten Schlachttage, wo 
dieses Corps den rechten Flügel der Armee mit der Weisung zu bilden hatte, die 
Flanke zu decken und dem Vordringen der Franzosen längs der Donau Einhalt zu 
thun. Diese concentrirten ihre ganze Stärke gegen Aspem, bemächtigten sich des 
Ortes und besetzten es nicht nur mit mehreren starken Lifanteriemassen, sondern 
auch mit Geschütz, unter deren Schutz ein Angriff auf die dort aufgestellte kaiser- 
liche Lifanterie unternommen und diese zum Wanken gebracht wurde. Ehren- 
stein, dies bemerkend, erbat sich die Stürmung des Dorfes. Er rückte an der 
Spitze von 100 Freiwilligen des Regiments Benjowsky, welche durch 200 Mann 
dieses und des Regiments Kleb eck verstärkt wurden, gegen den Find vor, und 
war so glücklich, nicht nur den Laufgraben vor dem Orte, sondern auch den 
Kirchhof und das Dorf selbst, welches der Feind in Brand gesteckt hatte, zu 
erstürmen und 260 Gefangene zu machen. Der Verlust des Gegners bei dieser 
Gelegenheit war ein sehr namhafter, doch blieben auch von den Freiwilligen zwei 
Drittheile auf dem Platze. 

Im Jahre 1811 in den Freiherrnstand erhoben, kämpfte Ehrenstein bei 
Leipzig als Hauptmann mit angebornem Muthe, trug eine Wu^e davon und ward 



1015 

Orte befanden sich 600 Mann Infanteiie und 150 Uhlanen. Um GewissliPil zu 
erluigfti, ob die Polen rückw^Srls im Lager eine Position und in welcher Stärke 
^i»I haben, ritt Gatterniayer mit 10 Husaren vor und fand jenes Bataillon 
iwnjitbereil, Rechts an einen Sumpf und links an ein Dorf gelehnt, kam ihm der 
Aneriff sehr erwünscht, da er den Feind aus der guten Stellung in die Ebene locken 
konnte. Kr traf auch sogleich Anstalten, dass die 2 Geschütze auf der Anhöhe 
BibeTuerkt placirt wurden und zog sich, da die Uhlanen ihn zu umgehen suchten, 
milden wenigen Husaren gegen die Geschütze, die den anrückenden Feind mit 
hiftigcni Feuer empfingen. Die Uhlanen, dadurch überrascht, wankten; Gatter- 
Biircr, dies wahrnehmend, benützte den günstigen Augenblick, licsa seine zwei 
iJchitadroDcn vorrücken und da er bemerkte, dass der Feind aus Jedlinsko 
Torrficke und das Bataillon und die Uhlanen nur die Vorhut eines grösseren 
C«pi EU sein schienen, so musste ein rascher Entachluss gefasst werden. — Sofort 
lieu er die Geschütze in der Mitte der zwei Schwadronen aufstellen und befahl dem 
Cmmanduiten das Feuer erst dann zu eröffnen, wenn er zur Attaigue blasen lassen 
<ferd(. Der Feind, in Carrii formirt, rückte heran, Gattermayer liess ihn zui' 
Uberffibe auffordern. Da aber der ParlamentUr mit Kugeln empfangen wurde, 
lobefkld Qattermayer den Angriff, Mehrere Versuche scheitern und bei einem 
'tmlben sinkt der ausgezeichnete Rittmeister Schiller, einige Schritte vo« dem 
Cut«! angelangt , todt vom Pferde. Schon -stutzen die braven Husaren, als der 
<*}liere Corporal Stephan Elek mit hoch in der Luft geschwungenem Säbel vor- 
•prsij^l und seine Kameraden nuöbrdert ihm zu folgen und den Tod des Rittmeisters 
in liehen; worauf er sich mit der grüssten Todesverachtung mitten in das Viereck 
^initUrvt. Unter den Hufen seines Bosses fallen die ersten Feinde. Aber mit 
<leii .Spilxcn der Bajonetc wird Elek aus dem SattBl gehoben und sinkt mit seinem 
fdeicbfalls durchbohrlea Pferde zusammen. Sein Heldentod durchbricht das Oarre 
mdoDlor den Feinden entsteht Unordnung. Einige Husaren benutzen die Verwir- 
"Wp, ilringen ein, und die im rechten Augenblicke losgelasaeue zweite Schwadron 
tntMliftidet in zehn üdiauten das Scliicksal des Feindes. Der grössle Thoil fällt unter 
"»Slbeln der mnlhigcn Ungarn, 1 Stabs-, 23 Obcr-Ofliciorc und 495 Mann strecken 
^•«Wiffen, der Rest flieht über die Pilica, — Am 26. desselben Monats täuscht 
uiiterfflayer durch zweckmässige Vorkehrungen den General Tombaska, 
'"«'»«tit die Piliea, umgeht dessen Posten, wirft ihn trotz der grossen Überlegen- 
'«a WtRcJUfissen zurück, macht viele Gefangene und nimmt wieder Besitz von dem 
iifth unseren RückKug in des Feindes Hände gekommenen Magazin zu Nowemiastö. 
■" idncr nur noch 150 Mann starken Division bemächtigt sieh Gattermayer 
^ feindlichen Magazine in Lovicz, Lcnschitz, Knnin, Schlesclün, zerstreut die 
iuurreclioR in GrofiS|i(ilcn, erbeutet eine grosse Zahl Gewehre, liefert 900 Gefan- 
wtb, and errii'hlet eine Ahtheilung Kosacken. Überhaupt hatte Gatt er may er, 
biisnKmicde^Feidzug&seiii Streifcorpsoomniandirle, diegriisslen Wagestücke, 



1004 

Oberlieutenant befördert, erhielt im Capitel 1810 das Ritterkreuz des There- 
sien-Ordens und im Jahre 1811 den Treiherrnstand mit dem Prädicate „von 
Ehrenblüh«. 

Auch in den grossen Kämpfen der Jahre 1813 bis 1815 hatte dieser ausge- 
zeichnete Krieger grosse Thätigkeit und persönliche Bravour bewiesen, und rückte 
in der langen Friedensepoche bis zum Obersten vor. Er beschloss sein rühmliches 
Leben als Commandant des 2. Artillerie-Regiments zu Wien am 30. December 1841. 

EHSENSIEIN, Joseph Robert Freiherr von, Major, ist im 28. Lebensjahre 
vor dem Feinde gebKeben. Ein würdiger Schüler des unvergessUchen Kinsky, 
verdankte er diesem seine Erziehung in der Neustädter Akademie. Zu Ungarisch- 
Hradisch geboren , gab der heldcnmüthige Jüngling schon als Fähnrich des 
Lifanterie- Regiments Lindenau in der Schlacht bei Caldiero, damals kaum 
18 Jahre alt, Proben von Muth und Entschlossenheit, auf die der erfahrenste 
Krieger stolz sein konnte. Bei einer Batterie waren an diesem heissen Tage schon 
alle Kanoniere gefallen und das Feuer musste ausgesetzt werden. Der Feind, kühn 
gemacht, dringt auf dieselbe los; da eilt Ehrenstein mit einigen Infanteristen zu 
den Geschützen, richtet und bedient sie und empfangt den Feind mit einer so kräf- 
tigen Lage, das ihm jeder weitere Versuch vorzudringen verleidet wird. Erz- 
herzog Karl ernannte den mutbigen Officier auf dem Schlachtfeldc zum Lieutenant. 

Ln Jahre 1 809 war Ehrenstein bereits Oberlieutenant im Gencral-Quartier- 
meisterstabe und dem 6. Armeecorps zugetheilt. Die Schlacht von Aspern gab 
ihm Gelegenheit sich in dem Grade auszuzeichnen , dass ihm das Capitel im Jahre 
1810 das Ritterkreuz zuerkennen musste. Es war am zweiten Schlachttage, wo 
dieses Corps den rechten Flügel der Armee mit der Weisung zu bilden hatte, die 
Flanke zu decken und dem Vordringen der Franzosen längs der Donau Einhalt zu 
thun. Diese concentrirten ihre ganze Stärke gegen Aspern, bemächtigten sich des 
Ortes und besetzten es nicht nur mit mehreren starken Lifantericmassen, sondern 
auch mit Geschütz, unter deren Schutz ein Angriff auf die dort aufgestellte kaiser- 
liche Lifanterie unternommen und diese zum Wanken gebracht wurde. Ehren- 
stein, dies bemerkend, erbat sich die Stürmung des Dorfes. Er rückte an der 
Spitze von 100 Freiwilligen des Regiments Benjowsky, welche durch 200 Mann 
dieses und des Regiments Kleb eck verstärkt wurden, gegen den Find vor, und 
war 80 glücklich, nicht nur den Laufgraben vor dem Orte, sondern auch den 
Kirchhof und das Dorf selbst, welches der Feind in Brand gesteckt hatte, zu 
erstürmen und 260 Gefangene zu machen. Der Verlust des Gegners bei dieser 
Gelegenheit war ein sehr namhafter, doch blieben auch von den Freiwilligen zwei 
Drittheile auf dem Platze. 

Ln Jahre 1811 in den Freiherrnstand erhoben, kämpfte Ehrenstein bei 
Leipzig als Hauptmann mit angebornem Muthe, trug eine Wui^e davon und ward 



1017 

udCoIloredo bedeckten sich in demselben mit Eulitn. Erstei'er gab dem Major 
KtDikjr Zeugniss, dass er unbedingt die liöcliste AuszeicUnung Terdiene, denn die 
DSi^Porzia und Fontana Fredda wurden mehrmals verloren und wieder stürmend 
mbert, wobei sich Kinsky äusserst gut benommen hatte. Nicht aliein hier, wo 
et dem Corps -wesentliche Dienste geleistet, sondern auch im Gefechte von Por- 
ileaone, bei Villanuova und auch an der Raab hatte sich Kinsky durch Einsicht, 
Gttcbicklicbkeif und ausgezeichnetes Benehmen in seiner Stellung zum grossen 
Vatiteile für das Allgemeine sehr nützlich verwenden lassen. 

Seine seltenen Talente maclien es erklärbar, dass er in allen Waffengattungen, 
Gberall zum Besten des Staates verwendet werden konnte. Bei Leipzig erwai'h 
ersirJi als Ob erst -Lieutenant im Geniecorps den Sl. Annen-Orden 2. Claase und 
wnrde Oberst bei der Infanterie. Später in gleicher Eigenschaft in die Artillerie 
ciageihcilt, war er als General- Major viele Jahre Artillerie-Brigadier in Pesth und 
kdiete 1826 bis 1828 jene Versuche , welche diese Waffe auf dem Räkosfelde wie 
nirgead« in ihrer Grossartigkeit auszuführen hatte. Kinsky war rastlos bemüht 
di«se Bcientifiäcbe Truppe zu heben und hatte sich in derselben ein dankbares 
Aüdenicn gegründet. 

Der Kaber ehrte seine Verdienste durch dieVerleihung der Inhabersstellc des 
16. lofanterie-Uegiments, ohschon der Graf ununterbrochen im Verbände der 
Anillerie bUeb, Er starb zu Wien am 7. Februar 1835 als Divisionär der Artillerie, 
mt58 J&hreAlt. 

Vorni von Stcrbecz. Wenzel Ferdinand FreiheiT, Oberst, Sohn des 
Äijonnnd Maria Theresien-Ordeusritters Johann Freiherrn von Sterbeez, zu 
Badifcis]77] geboren, war im 16. Lebensjahre Cadet beim 2. Artillerie- Regimeilte 
und liatlc die ersten Kriege gegen Frankreich als Oflicier mit so grosser Biavour 
oiltgnmachl, daaa er Tür sein besonderes Wohlverhalten im Treffen bei Weiss en- 
Uiin(B, Decombor 1795J, bei dem Angriffe auf Trier (18. desselben Monats) und 
■ofeScblacht bei Würzburg öffentlich angerühmt wurde. 

Im Peldzuge IS05 focht er als irauptmann des Genfcral-Stabes in Deutsch- 
'*"<!- Bei dem Angriffe der Franzosen auf Ulm am 15, October nahm Voith 
»on licm Frauenberge gewahr, wie sehr die Sicherheit des Rückzuges der dort 
•*n>pfendcn Tnippen dnrch ein Gelingen der Angriffe Ney's bedroht «ei, sprengte 
w dem Fraucnthore. Hess es sperren und verrammeln, so dass die vom Michaels- 
•^f^ «ich zurückgezogenen zerstreuten Abtheilungen vor dem Thore gesammelt 
""ddie vorliegende Schanze mit selben gegen einen zweimaligen Sturm des Fein- 
''öiiehauplct, ja die Franzosen schliesslich bis an den Fusa der Ilühen wieder 
""fflckgcworfen wurden. 

Im Jahre 1809 war Voith bereits Major und dem General M es ko fs. d.) bei 
der Dngarischen Insurrcction als General-Stahsofficier beigegeben. Er trug durch 



1006 

der Capelle in der linken Flanke des Meierhofes zum Weichen gebracht. Der 
Meierhof musste dadurch zum StQtzpunct dieses Flügels werden^ und da die 
Besatzung Yortheilhaft aufgestellt war; so Hess Hummel das vordere und rück- 
wärtige Thor verrammeln und die Patronen der Todten und Verwundeten, welche 
den Vertheidigem bereits ausgegangen waren, unter seine brave Landwehr-Mann- 
schaft vertheilen. Mittlerweile war der Hof vom Feinde umrungen. Hummel, von 
der Wichtigkeit der Behauptung dieses Platzes durchdrungen, eilte zu der in 
Reserve gestandenen Abtheilung, führte sie in die Hinterflanke, während er selbst 
sich wieder zur Front begab. Nach vielen Anstrengungen hatte die Division Serras 
die Anhöhe, von welcher die Behauptung des Meierhofes abhing, genommen, und 
den dem Major Hummel zugesendeten Succurs abgeschnitten; einige kühne feind- 
liche Voltigeurs setzten bereits über die Mauer; in diesem Momente entsendete 
Hummel alle in der vorderen Fronte entbehrlichen Leute dem eingedrungenen 
Feinde entgegen; die Hauptleute Baron Mos con, Bertold und Schmutz, dann 
Fähnrich Fellinge r führten die Helden an, und warfen den Feind wiederholt 
zurück. Endlich gelang es dem Letzteren, die beiden rückwärtigen mit Stroh ge- 
deckten Seitengebäude in Brand zu stecken und in die Mauer Bresche zu schiessen. 
Über fünf Stunden hatte sich die Besatzung auf das Hartnäckigste vertheidiget und 
der Armee den Rückzug nicht nur erleichtert, sondern auch des Feindes nachdrück- 
liche Verfolgung gehemmt, auch der Artillerie-Reserve unter Oberst Friere nb er- 
ger Zeit verschaffi die Strasse nach Acs zu gewinnen. Allerdings war diese 
heldenmüthigc That mit grossen Opfern erkauft worden. Mehr als die Hälfte der 
Braven, darunter allein 7 Hauptleute, waren theils todt, thcils blessirt, als sie end- 
lich, der Übermacht weichend, sich gefangen geben mussten. 

Das Capitel vom Jahre 1810 sprach dem tapferen Commandanten einstimmig 
das Ritterkreuz zu, und im Jahre 1817 wurde Hummel in den Freiherrnstand 
erhoben. Bis Mai 1827 war er dann bei dem innerösterreichischen Cordons- 
Bataillon in Thätigkeit, um welche Zeit er krank und gebrechlich nach 57 Dienst- 
jahren in die Pension trat und sein ausgezeichnetes Leben zu Gratz den 18. Sep- 
tember 1832 beschloss. 

BlANCHI, Friedrich von, General-Major, für die mit Standhaftigkeit und 
grosser Umsicht geleitete Vertheidigung des Brückenkopfes bei Pressburg; 
wurde im Jahre 1813 Commandeur (s. d.). 

Haas von Märten y, Stephan, Oberst, Officierssohn, zu Pressburg geboren 
und im 16. Lebensjahre als Cadet in das 53. Infanterie-Regiment Johann Jella- 
chich eingetreten, avancirte in den ersten Kriegen gegen Frankreich bis zum 
Oberlieutenant, im Jahre 1805 zum Hauptmann. Bei allen Gefechten, Schar- 
mützeln, bei Erstürmungen oder Vertheidigungen von Schanzen, die nur immer 



1019 



■K In diesem Kampfe vrui'de der Zügel des Pferdes dieses wackeren Officiers dincli- 
' fAMta, und es stürzte mit dem Heiter mitten in die Feinde, warf iiin ab und nahm 
fiaissuis. Olgyay, von den Franzosen umrungen, würde durch seine braven Reiter, 
wdebe gw bald zur Hand waren, glücklich herausgehauen. Nun schwang er sieh 
lucb »uf ein anderes Pferd, und attaquirte, obschon verwundet, nochmals den sieh 
lu formirea suchenden Gegner. Diese zweite Attaque brachte die Chassours in 
;bulicbe Deroute, sie ergriffen die Flucht und überlieasen 31 Gefangene und 
JWigen mit Bagage, Waffen und Montur dem Sieger, dessen That das Capitel 
Tomjthre IHIO mit dem Ritterkreuze lohnte. — Im Jänner 1810 mit Ritt- 
netilerB-Charakter ausgetreten, starb Olgyay zu Pressburg am 28. Februar 1834. 

EZSTERlLtZY von Gaiüntha, Johann Nepomuk Graf, Oberst in der 
u^trischen Insurrcctton, geboren den 11. Februar 1774, halte die militärische 
LMilbUin im 19. Lebensjahre begonnen, die Feldziigc bis zum Luneviller Frieden 
BUt grosser Auszeichnung mitgefochten und vier Hlessnren davongetragen. Der 
Gnf hatte mcb namentlich als Lieutenant des vormaligen Kürassier -Regiments 
Htiiau im Treffen bei Wetzlar hervorgethan , wo er mit 40 Kürassieren durch 
ilitLtlin setzte, dem Feinde in die rechte Flanke fiel und mehrere Gefangene 
«nlirichle; bei Friedberg, dann bei Osterach wurde er wiederholt schwer 
verwandet und mussle als Invalide die activcn Dienste verlassen. 

Dieso phy^sclicn Gebiechen vermochten aber nicht seinen Patriotismus erkal- 
•«n III lassen; er errichtete sowohl im Jahre 1805 wie im Jahre 1809 Inaurrections- 
Tfoppen und commandirte im letzleren Kriege als Oberst das Pressburger Husaren- 
Kegimenl, welches eines der ersten ins Feuer kam. Nach der Schlacht bei Raab 
*uen b KADonen und 3 Haubitzen mit Be^^pannung und Munition des aus Raab 
miBUckea des Feindes sich zurückziehenden abgeschnittenen Corps unter General- 
«jw von Mcsko auf der Hohe von Kis-SziSl bei der Avantgarde unter 
^"lorhiiKy'H Befehl aufgestellt; der General Mosko befand sich bei der 
■wiircgarde, tun das schon heftig engagirto Gefecht zu leiten, als plötülich die 
Anülerio ron mehreren Hundert Chasseurs imd einem Infanterie-Bataillon ange- 
Wlen und die Bedeckung geworfen wurde. Der Feind drang gegen die Geschütze 
10 tchiieU Tor, daas er nur mit einigen Kartälschenlagen empfangen worden 
In diesem Momente wai'f sich Esztcrhilzy mit einer Husaren-Division 
lents den Franzosen, ohne Rücksicht auf ihre Starke, mit solchem 
entgegen, dass die Chasseurs sogleich gesprengt, die Infanterie zu- 
4iDmengcIiaueD , 12 Officierc und 200 Mann gefangen und viele Bagage und 
ÄW Paar Schuhe erbeutet wurden. Diese durch Geistesgegenwart, Tapferkeit 
wi ilngo bourlhcilung ausgeführte glänzende Attaque rettete nicht allein unsere 
Artillerie vor augenschcinüeher Gefahr, sie verhinderte auch jede weitere Alar- 
uod Unordnung in der Arriöregai'de und befreite überdies 36 Officierc und 



1008 

beiwohnte und dann den Feldzug 1805 gegen Frankreich als k. k. Cadet mit- 
machte. Im Jahre 1809 Unterlieutenant im 2. Regimente, erkämpfte sich Wie- 
lowieyski auf den Schlachtfeldern Italiens das Ritterkreuz. 

Dieser tapfere Officierplacirte am 16. April 1809 in der Schlacht vonFontana 
Fredda, als der Feind unsere Avantgarde angegriffen, seine Cavallerie-Batterie mit 
der grössten Geistesgegenwart der Art, dass die Franzosen ungeachtet ihrer wieder- 
holten Attaquen durch das vortrefflich angebrachte Kugel- und Kartätschenfeuer 
über Rocco geworfen und zum Weichen gebracht wurden, ein Umstand, der auch 
zur Einnahme von Fontana Fredda wesentlich beigetragen hatte. Nicht minder 
muthvoll und standhaft begegnete Wielowieyski den wiederholten feindlichen 
Stürmen bei Villanuovaam 29. April, besonders gegen den Ort San Bonifacio 
mit Kugeln und Kartätschen, so dass der Feind von seinem Vorhaben abstehen 
musste und bis Caldiero geworfen wurde. Fünf Stunden hatte er gegen den dreimal 
stärkeren Gegner San Bonifacio ruhmvoll gehalten. 

Als die Armee auf ihrem Rückzuge am 11. Juni vorwärts von Päpa Stel- 
lung genommen, am 12. ihren weiteren Rückzug gegen Tdth angetreten hatte, war 
Wielowieyski mit seiner Batterie bei der Nachhut commandirt und stellte dem 
andringenden Feinde , obwohl ihm das Pferd unter dem Leibe erschossen worden, 
aus eigenem Antriebe (denn die anwesenden Artillerie-Stabsofiiciere waren mit 
Placirung der übrigen Brigade- und Positions-Batterien beschäftigt) seine Batterie 
so zweckmässig entgegen und wirkte so vortheilhaft mit derselben, dass dem 
Gegner ein schnelles Vorrücken verwehrt und der Rückzug der Armee wesentlich 
erleichtert wurde. Gleich ausdauernd hielt er sich am 14. Juni in der Schlacht 
von Raab und fugte durch eigene Anordnung mit seiner Batterie dem Feinde 
möglichsten Abbruch zu , ungeachtet ihm an diesem Tage abermals sein Reitpferd 
getödtet wurde. Da in diesen Gefechten dem Feuerwerker, zwei Corporalen und 
drei Vormeistern der Batterie theils die goldene, theils die silberne Medaille als 
Belohnung zu Theil wurden, so konnte auch dem wackeren Commandanten der 
ausgezeichneten Cavallerie-Batterie das Ritterkreuz um so weniger entgehen, als 
auch Erzherzog Johann in einem Schreiben an den Präses des Ordens-Capitels, 
Feldmarschall Fürsten von Liechtenstein, das umsichtige Benehmen dieses 
braven ausgezeichneten Officiers hervorzuheben sich angenehm veranlasst sah. 

Im Feldzuge 1813 wurde unsere Avantgarde der Armee in Italien bei Cal- 
diero am 15. November zum Weichen gezwungen. Wielowieyski agirte mit 
der Hälfte seiner unterhabenden Batterie so zweckmässig, dass der Feind auf 
die Ordnung des Rückzuges unserer Truppen nicht nachtheilig und auch den 
Übergang über die Alponbrücke bei Villanuova nicht hindern konnte; vielmehr 
da auch diese in Gefahr stand genommen zu werden, wusste Wielowieyski, abge- 
sehen von dem Verluste, welchen seine Batterie an Bedienungsmannschaft und 
Pferden während des Gefechtes erlitten hatte, die Vertheidigung so zweckmässig 



Orte auf, wo die strafende Gcrcclitigkeit ihr Sühnopfer sollte fallen sehen. Schon 

al der den Unglück liehen .luf die Ewigkeit vorbereitende Prieatcr bei Seite getre- 

Kd, du Carrö öffnet sieh, die Kaineraden mit den scharf geladenen Gewehren 

Tüten vor. Da gescliicht os, dasa diese, hingerissen von der Aufregung des Augen- 

Mcb und von dem übereilten Drange, der blutigen Pflicht sich rasch zu entlasten, 

»u onplücklichem Missverstehen, trotz des Gnadenrufca des Prinzen, Feuer geben, 

Oa Getroffene stürzt verscheidend zusammen, — fast zugleich mit ihm sinkt der 

'rini besinnungslos vom Pferde. Während mehrerer Wochen fesselte eine schwere 

-Vcrrenkrankheit, die Folge der erlittenen GemÜthserschüttcning , den Fürsten an 

<*» Krankenbett. Der Gedanke, dass der bereits Begnadigte durch ein unglück- 

wliges Kissvcrständniss, durch das erst im kritischesten Momente ausgesp|-ocheno 

»▼ort Gnade dem Tode überliefert worden, ijuUltc ihn fortwährend. Die Erinne- 

ningsn dieses Ereigniss schwand nie aus der Seele des edlen, mensclionfrcund- 

ucbcn Prinzen. Selbst in späteren Jahren loderte das Andenken daran in seinem 

Herzen jedesmal wieder auf, sobald Jemand das Wort Execution im Beisein des 

f'ttzsten »ossprach.' 

Im Jahre 1809 versah der Prinz als Oberst des 2. Infanterie- Regiments Bri- 

K^adicrdicnste. Er befand sich im 4. Corps unter Rosenberg und zeichnete sich 

allen Gelegenheiten durch seine vortrefflichen niilitärisehcn Eigenschaften, 

Kenntnisse und sein standhaftes, muthvolles Betragen so sehr aus, dass er jede 

Tmppe, die von ihm angeführt wurde, mit neuem Muthe und hoher Tapferkeit 

belebte. Am ersten Tage von Aspern war des Prinzen Regiment unter jenen 

Abtheilungen der 5. Colonnc, welche dem Feinde Nacbmiltaga Sladl-Enzersdorf 

tniriis. Bei Tagesanbruch des 22. schlug der Prinz im Laufe des Vormittags mit 

dem Rcgimcnte allein fünf feindliche Cavallorio-Angriffe zurück und war bei 

^«agtnrroc auf jenen Ort thätig. Der Generalissimus nannte ihn in der Relation 

'"War den besonders Ausgezeichneten und beförderte ihn mit Armeebefehl vom 

24. iUi zum General-Major. Am ersten Tage der Schlacht von W^a gram über- 

"Hio der Feind schon am anbrechenden Abend den Russbach, nahm Baumersdorf, 

wieg die Höhe der Position, warf das erste Treffen des 3. Armeecorps über den 

H»(ifcn und hatte selbst schon im zweiten Treffen dieses Corps Unordnung ver- 

'«itct. In dii'Bcm entscheidenden Augenblicke fasate der Prina, ohne Befehl erhal- 

""" ■ J haben, den Entschluss, das Regiment lüller aus seiner Brigade rechts 

■Linken, in Bataillonen aiifniarscbiren zu lassen und so in die feindliche 

> zu rücken. Der Erfolg wurde durch eine kräftige Niederlage des Gegners 

:ii, indem derselbe zum Rückzüge gcnöthigt und mit dem Bajonete über die 

li<- und den Russbach zurückgeworfen wurde. Am zweiten Tage durch eine 

niniuchcnkugel schwer verwundet, verlieas der Prinz seine Brigade erst nach der 

Schlacht, um sich verbinden zu lassen. Für die entschlossene That am 5. JuÜ wurde 

äuD im Capitel vom Jahre 1810 das Ritterkreuz zuerkannt. 



i 



^ 



1022 

Im Jahre 1812 finden wir den Prinzen bei dem Auxiliarcorps gegen Russland^ 
wo er mit seiner Infanterie-Brigade durch besondere Kühnheit die Schlacht bei 
Podubnie (12. August) entscheidet, indem er sich des Schlüssels der feindlichen 
Stellung bemächtigt. Am 28. September bei Turisk angegriffen, behauptete er sich 
bis in die Nacht und folgte dann dem Corps auf Luboml nach ; viele Verdienste 
hatte sich der Prinz in dieser Campagne erworben und sah sich durch die Ver- 
leihung des 19. Infanterie-Regiments belohnt. In dem Befreiungskämpfe der fol- 
genden Jahre focht der Prinz bei Dresden, wo er eine bedeutende- Contusion 
erhielt, und erscheint bei Kulm zum ersten Male als selbstständig handelnder 
umsichtiger Befehlshaber. Am 21. September 1813 zum Feldmarschall-Lieutenant 
befördert, commandirte er in dem 3. Corps des Feldzeugmeisters Gyulay die 
Brigaden Csollich und Grimmer und wurde wegen seines rastlosen Eifers und 
heldenmüthigen Benehmens bei Leipzig angerühmt. Hierauf zum Gouverneur der 
Stadt Frankfurt ernannt, nahm er bei Hochheim freiwilligTheil an dem Kampfe 
und begab sich im Februar 1814 zur Süd-Armee, wo er das 6. deutsche Bundes- 
corps, welches die Reserve dieser Armee bildete, commandirte. Hier sehen wir 
ihn an den Gefechten bei St. Georges und Limonest mit gewohnter Tapfer- 
keit Theil nehmen und in Lyon siegend einziehen. 

Im Jahre 1815 stand der Prinz als Divisionär im 3. Corps des Kronprinzen 
von Württemberg und wohnte dem einzigen erheblichen Gefechte vor Strass- 
burg mit Einsicht und Unerschrockenheit bei. 

Der abgeschlossene Friede führte ihn als Divisionär nach Wien zurück ; er 
wurde 1818 nachRüssland und 1820 nach England mit diplomatischen Sendungen 
betraut und nebst dem Grosskreuze des St. Stephan- Ordens auch von den 
Monarchen vieler ausländischer Staaten zum Zeichen der Achtung und Dankbarkeit 
mit Orden betheilt. 

Kaum von London zurückgekehrt betheiligte er sich an der Expedition nach 
Neapel und wurde zum Gouverneur der Hauptstadt dieses Reiches ernannt. Sein 
edles menschenfreundliches Benehmen erwarb ihm die volle Achtung sowohl der 
königlichen Familie wie der Nation, und mit dem Grosskreuze des sicilianischen 
St. Georg-Ordens wurde sein wirkungsreiches Streben gelohnt. Nachdem er 1825 
zum commandirenden "General in Innerösterreich und Tirol ernannt worden war, 
überbrachte er im Juli 1826 dem Kaiser Nikolaus bei der Krönung zu Moskau 
die Glückwünsche des österreichischen Hofes und wurde 1827 als Commandirender 
nach Galizien versetzt. 

Dem russisch -türkischen Elriege wohnte Hessen- Homburg als kaiserlicher 
Bevollmächtigter bei, begab sich dann im October 1828 nach St. Petersburg, wo 
er zwei Monate verweilte und mit schmeichelhafter Auszeichnung behandelt wurde. 
Der weisse Adler-Orden und der Ehrendegen der Tapferkeit in Brillanten waren 
ein sichtbarer Beweis der Hochachtung des nordischen Souveräns, welchen der 



1023 
Prini im Mai 1830 zu Warschau riocbmala zii bewiHkoruninen die Auszeichnung 

Nach Gratz wieder zurückgekchrl, wirkte er hier durch 9 Jahre alsCommaii- 
(ürender mit lolmendstem Erfolge, trat im Februar 1837 zum Leidwesen Aller von 
dieum Posten ab, um nach dem Tode seines Bruders die Regierung zuübernchmcn. 
Die« hinderte indessen den seit dem 6. Juni 1832 zum Feldzeugmeister beförderten 
Priniea oicbt, noch im October 1S^9 dem Kaiser neue nicblige Dienste zu leisten 
«ad liie Stelle eines Gouverneurs in Mainz anzunehmen, welche ihm Beweise des 
'nniplen WolilwoUens aller Fürsten Deutschlands im reichen Masse tlieilhaft 
»cfden liesa. Nach dem Ablaufe des flinljäbrigen Gouvernements kehrte er 1844 
ffir immer nach Homburg zurück und empfing noch wenige Wochen vor seinem 
Ableben die Fcldmarsthalls-Würde {28. November 1846). Längere Zeit kränkelnd, 
vueilig er dem strengen Gesetze der Natur am 15. December 1846, tief betrauert 
»00 Allen, welche die Liebenswürdigkeit dieses mit allen Vorzügen eines Krie- 
KCTa, Keldhcrra und Regenten ausgestatteten Prinzen naher zu kennen die Gele- 
genheit hatten. 

BEJJTHHM-STErNPORT, Friedrich Wilhelm BelgiousFürBt zu, Feld- 
iDirnchall- Lieutenant, geheimer Kath und Kämmerer, Inhaber des 9. Infanterie- 
Kfpnicnts, geboren zu Burg Steinfurt am 17. April 1782, war der dritte Sohn 
ieeReichsgrafon Ludwig Wilhelm, und erhielt, da seine Mutter eine geborne 
Ilcnogitui von Holstein -GlUcksburg und dem dänischen Königshause nahe be- 
frwin[let war, schon in seinem 6. Jahre den Titel eines königlich dänischen Ober- 
liMtMiMt», wurde dann, vregen der von seinen Ahnen dem Reichsoberhauplc von 
)«her bcwiescacn Anhänglichkeit, vom Kaiser Leopold IL 1791 zum (Japitän- 
UMIenant in der Armee ernannt, blieb jedoch zur Vollendung seiner Erziehung 
*«rt»«lcn im väterlichen Hause. 

Bei dem Ausbruche der FeindseUgkciten 1799 rückte er bei dem Infanterie- 
K^imenie Graf Wenkheim als Capitän-Lieutenant zur Dienstleistung ein, und 
"thiii imteLr deiu Befehle de« Feld marschall -Lieutenants Jellachich an dem 
IJBbirgtki'iegc, der sich in den kleineren Schweizer Cantonen zwischen den krieg- 
"»Minien Thcilcn entspann, so wie an den weiteren Schicksalen seines Regiments 
iwiil. Durch personlichen Muth that er sich bei Hohenlinden, dünn in den 
'rtüfhien von Salzburg und dem Sturme und der Behauptung des dortigen 
Tnior){arien8 bci-vor. Den ersten Beweis einer höheren militärischen Einsicht aber 
phcr bei Frankenmark, wo er durch energischen Widerstand unserer in die 
^"p getriebenen Cavailcrie Zeit verschaffte ihren Rückzug durch ein besohwer- 
ütite» Detiltj glücklich zu bewerkstelligen. 

Nach dem Frieden von Lunevjlle kaui Bentheim in Garnison nach Böhmen, 
od btaiitzte hier die Zeit der Ruhe so gut zu seiner militärischen Ausbildung, das» 



L 



1024 

er im September 1804 zum überzähligen Major im Regimente befördert, im Novem- 
ber aber bei dem Regimente Kerpen in Wirklichkeit gebracht wurde. 

Im November 1805 befand sich der Fürst mit seinem Bataillon im Enns- 
thale bis Unterhaus vorgeschoben. Chasteler stellte noch 2 Bataillone Gren- 
zer, 1 Schwadron Melas - Dragoner und 1 Zug Palatinal- Husaren unter seinen 
Befehl und beauftragte ihn, über die Sölker Alpen zu gehen und Neumarkt wo 
möglich vor dem Feinde zu gewinnen. Bentheim vollzog, obgleich hoher Schnee 
die Alpen deckte und vielerlei Schwierigkeiten seinem Marsche in den Weg traten^ 
den Auftrag glücklich und erwarb sich die vollste Zufriedenheit seines Generals. 
Im Jahre 1807 wurde er als erster Major zu dem Infanterie-Regimente Erzherzog 
Ludwig übersetzt, und im Februar 1809 zum Oberst -Lieutenant bei dem Regi- 
mente Reuss-Plauen befördert. Bei Aspern befand sich das Regiment in der 
zweiten Colonne, und war bestimmt gegen jenes Dorfnrorzurücken, an welches der 
Feind seinen linken Flügel lehnte. Der Fürst bat um die Erlaubniss, die Vorhut 
der Sturmcolonne bilden zu dürfen, und rückte, nachdem er sie erhalten, an der 
Spitze seiner Braven vor, trotz des verheerenden feindlichen Kartätschen- und 
Kleingewehrfeuers. Sein Adjutant wurde an seiner Seite erschossen, ihm selbst 
das Pferd unter dem Leibe getödtet und er gleichzeitig mit zwei Wunden zu 
Boden gestreckt. Zur Belohnung dieser Tapferkeit wurde Bentheim zum Oberst 
und Commandanten des Infanterie-Regiments Vogel sang ernannt, und war nach 
seiner Herstellung eifrig bemüht, das zusammengeschmolzene und meist durch 
Neulinge ergänzte Regiment zu organisiren. Dieselben grossen Beweise von 
Tapferkeit und kaltblütiger Entschlossenheit bewährte er in der Schlacht bei 
Wagram, wofür ihm im Capitel vom Jahre 1810 das Ritterkreuz zuer- 
kannt wurde. Als am 5. Juli der Feind die Höhen zwischen Baumersdorf und 
Wagram genommen, und durch gewaltsames Vordringen gegen den linken Flügel 
des Regiments Unordnung in dasselbe gebracht hatte, ergriff der Fürst die Leib- 
fa^ne seines Regiments, warf sich, von mehreren Officieren begleitet, mit dem Rufe: 
»Folgt eurem Obersten I^ auf den Feind, drängte ihn über den Russbach zurück 
und besetzte die verloren gegangene Stellung. Am folgenden Tage blieb das Regiment 
in der Aufstellung zwischen Baumersdorf und Wagram, und war nach dem Abmär- 
sche des Regiments Argenteau sich selbst überlassen. Gegen 1 Uhr griff der 
Feind die Stellung in der Fronte an, und während der Fürst die wirksamsten 
Massregeln ergriff denselben aufzuhalten, zog sich der linke Flügel der Armee 
zurück und der Feind drang unaufgehalten vor. Bentheim erkennt den bedeut- 
samen Moment, und nimmt unaufgefordert zwei Bataillone des Regiments^ rückt 
in einer schrägen Stellung 200 Schritte seitwärts der linken Flanke, greift den 
Feind dreimal mit Sturm an, und leistet unter den Augen des Generalissimus 
so lange heldenmüthigen Widerstand, bis eine schwere Wunde ihn kampfunfähig 
macht. Dieser schnell ausgeführte Entschluss und die glücklich gewählte 



1025 

Aufitellang hslt den Feind von der früheren Besetzimg von Wagram auf, erleichtert 
demrechicn Flügel des sich zurückziehenden 2. und 4, Armeecorps den Rückzug 
nnii rollet die ganze Artillerie auf der Höhe zwischen Baumersdorf und Wagram. 

Als nach der Stiftung des Rheinbundes die Bentheim'schen Besitzungen, 
ier Reiohsunniittelbarkcit verlustig, dem neuen Grosaherzogthumc Borg einver- 
iribt Bürden, hätte der Fürst die Österreichischen Kriegsdienste verlassen sollen, 
ertnl sich jedoch, um dies zu verhindern, vom Kaiser die Kämniererswürde, 
od erwirkte nun, dieses neue DienstverliSJtniss geltend machend, in Paris die 
tlrliDboiss, in der österreichischen Armee t'ortdtenen zu düi'fen. 

Während der rückgängigen Bewegungen <ler verbündeten Heei'e nach Böhmen 
1^13, erhielt Benthcim den Befehl über eine aus den Regimentern Kaunitz 
und Wenzel Colloredo zusammengesetzte Brigade, erstürmte mit ersterem am 
K. September den Wald von Tellnitz, machte 400 Gefangene und eroberte 
daen Adlor. Am 4. October zum General-Major ernaimt, wurde er mit der Orga- 
niution der Üstcrreichisch-dcutschcn Legion beauftragt und zum Comniandanten 
denelben ernannt. Seiner unermüdlichen Thiitigkeit war es möglich, schon im 
Jum»r 1814 mit 2 Lim'en-, 1 Jäger-Bataillon und 2 Divisionen Husaren ins Feld 
lu rücket]. Dom Auftrage gemüss traf er am 28. März bei Aix ein und setzte, 
uch Besitznalime von Chambery, die weitere Verfolgung des Feindes gegen 
UuatDcilant fort, fand aber die Brücke über die Isiro zerstört. Er erhielt nun von 
Bnbna den Befehl, den flbergang über die Iscre bei Jlontmeilanf zu erzwingen, 
«clllo demzufolge unter grossen Anstrengungen die Brücke über den hochtreiben- 
i«ti HuM im Angesichte des Feindes her, verdrängte letzteren von diesem Puncto, 
>uid beiieritstelligte seine Vereinigung mit Bubna. Im Jabre 1815, nach Auflö- 
niBgiler Üsterreichisch-deutschcn Legion, stand er an der Spitze einer ürenadier- 
Btigwle, mit weicher er während des Aufenthaltes der verbündeten Monarchen in 
firis einen Theil der dortigen Garnison bildete. 

Als während der Unrulien im Kirchenstaate (löitlj der Paiist sich den Bei- 
>Und Österreichs erbat und demgemäss ein Armeecorps unter Feldzeugmeistor 
ßippert gegen den Po vorrückte, eommandirte Benthoim den linken Flügel, 
und cr^idt nach Beendigung dieser kurzen Espedition eine Division bei dem ersten 
Atneecorps unter den Befehlen des Generals der Cavallerie Wallmoden, Später 
••■lile Oeterrcich wegen des Standes der Dinge in Frankreich eine Armee in 
Milien inf and der Fürst wurde auf F r i m o n t's Antrag Commandant dos Hcserve- 
■"^1 «n dessen Spitze er bis 1836 blieb und den Unterricht der Truppen im 
ß*i«Radetzky*8 leitete. Nach Auflösung des Reservecorps erhielt Benthcim 
■'•'Befehl Über da« 2. Armeecorps mit gleichzeitiger Ernennung zum geheimen 
Mlh. Bei dem .Vusbruche der Cholera bereiste er sogleich die Tnippen seines 
f"'}». besuchte alle Spitäler, brachte überall Trost und richtete durch sein Bei- 
fpwlden Mnth auf, wo dieser zu sinken begann. 



1026 

Im August 1839 dem Commandirenden von Österreich zur Seite gegeben, 
mit der Weisung, an seine Bestimmung erst nach Beendigung der eben im Zuge 
begrüFenen Waffenübungen abzugehen, leitete der Fürst, obgleich eben nur von 
einem ernsten Unwohlsein hergestellt, mit Thätigkeit und Hingebung die grossen 
Manoeuvres am 9., 10. und 11. October, sank aber schon am 12. zu Villairanca 
plötzlich todt in die Arme seines Adjutanten. Ein ehrerbietiger und aufmerk- 
samer Untergebener, sorgsamer, liebevoller Vorgesetzter, ein warmer Freund, 
verdiente der Fürst im weitesten Umfange des Wortes den Namen eines Bie- 
dermannes. 

MAÜRIGH, Freiherr von Russbach, Friedrich, Major, hatte 13 Jahre in 
der Artillerie und 9 Jahre im 6eneral-£tabe mit Treue und Auszeichnung gedient 
und beißonders in der Schlacht bei Aspern und Wagram als Hauptmann in 
einem so hohen Grade sich hervorgethan, dass ihm im Capitel vom Jahre 1810 
das Bitterkreuz verliehen wurde. Am ersten Tage der Schlacht von Aspern 
war Maurich bei der Cavallerie des 1. Armeecorps ^ingetheilt, und gab Beweise 
seines regen Eifers und seiner kühnen Entschlossenheit, indem er bei dem Angriffe 
auf die feindlichen Kürassiere nicht nur zur Aneiferung der Mannschaft immer an 
der Spitze derselben blieb, sondern auch da wo es noth wendig war mit der grö'ssten 
Selbstaufopferung die zweckentsprechendste Abhülfe traf. Als Tages darauf die 
Plänkler unserer Infanterie nicht hinlänglich vorpoussirt waren, brachte sie Mau- 
rich aus eigenem Antriebe durch die thätigste Aufmunterung unter dem hef- 
tigsten Feuer bis an den Graben vor, erbat sich dann ein Bataillon, um den 
Feind aus Aspern zu vertreiben, welches General Vogelsang selbst vorführte, 
und stellte dasselbe so zweckmässig im Dorfe auf, dass die Franzosen die noch 
besetzten Häuser so wie die gegenübergelegene Waldspitze sogleich verlassen 
mussten. 

Bei Wagram am 5. Juli gelang es seinem Eifer und seiner Entschlossenheit 
die bereits in Unordnung gebrachte Infanterie- Abtheilung zu ralliiren und den 
andringenden Feind wieder zu werfen. Als dieser am 6. zwischen dem rechten 
Flügel in dem Rande desRideaus bei Wagram anrückte, kam ihm Maurich durch 
schnelle Besetzung dieser Öffnung mit dem Regimente Vogelsang und zwei 
Batterien zuvor, vereitelte also des Gegners Absicht und ermöglichte den auf 
dieser Höhe aufgestellten Regimentern des 1. und des ganzen 2. Armeecorps den 
später angeordneten Rückzug. 

Maurich, im Februar 1811 in den statutenmässigen Freiherrnstand erhoben 
und vor Beginn der grossen Kriege zum Major im General-Stabe befördert, starb 
am 28. October 1813 im 40. Lebensjahre bei der Hauptarmee, nachdem er 
früher noch bei Dresden und Leipzig seinen Muth mit schweren Wunden besie- 
gelt hatte. 



1027 

UnTMAYERvon Russfelden, Matthias Freiherr, als Major ini_ Ruho- 
rt«ni!(!;!U Znttini am 1. Fobruar 1849 im 67. Lebensjalire gestorben, war zu Wien 
ptaffn. Im April 1798 trat er als Cadet in das 35. Infanlerie-Re^iment Argen- 
l<»u. maclite dio Kriege bis eura Lunevillcr Frieden als FShiirich und den vom 
.lilire 1Ö09 als Oberlieutenant im 3. Bataillon beim 1. Armeecorps mit. 

AU die Franzosen am ersten Tage der Schlnoht bei Wagram die Höbe 
iwischen Baumorsdorf und Wagram stürmten und beide Treffen zurückdrängten, 
«rf sich Überlieutenant Dittmayer mit einer Compagnie denselben entgegen, 
griff itt-ei Massen nn, sprengte sie, nahm hiebci I General und gegen 200 Mann 
^«Q^n, erbeutete einen Adler und eine Kanone, und hielt den Feind so lange 
lum weiteren Vorrücken ab, bis unsere zuriickgcwichcno Truppe Zeit gewann sich 
10 niliiren und den Angriff zu erneuern. Zur Belohnung dieser ausgezeichneten 
U[i(eren Handlung erkannte ihm das Capitcl vom Jahre 1810 das Ritt erk reu z zu. 

In den FeldzUgen 1813 — 1815 wohnte Dittmayor als Hauptmann des 
lt. iBfanlerie-Regimentä mehreren Aifaireo bei und bewies auch hier grossen 
Suth und Entschlossenheit, so wie eine geschickte Führung seiner untergeordneten 
Truppe. Für Leipzig wurde Dittniayer öffentlich belobt, im April 1814 in den 
frtiherrnstand erhoben. In der Folge avancirte Dittmayer (1833) zum Major 
buBcrtotetti-lnfanterie und trat nach 37 Dienstjahren aus der Activität. 

WALLHODEN-GIMBOBN, Ludwig Georg Thcdel Graf von, General der 
('iTiUcric, wirklicher geheimer Rath, Inhaber des Kürassier-Regiments Nr. 6, ist 
Ml 6, Februar 1769 zu Hannover geboren. Er genoss eine sehr gute Erziehung, 
Ini dann aU Lieutenant in das hnnnöver'sche Leibgarde-Regiment, 1790 in preus- 
ücb« Dicnate, focht in den Kriegen gegen Frankreich und erwarb sich bei Kai- 
«nlmlern 1794 den Orden pour le m^rite. In Preussen blieb er ö Jahre, trat im 
Oelnher 1795 als Rittmeister zu V^csey-Husaren unter Österreichs Fahnen, avan- 
me im April 1797 zum Major im General-Stabe und im folgenden Jahre zum 
flbent-Licuieaant im 1. Uhlanen-Regimente. Schon von seinem Übertritte an 
*"»rti Hcb Wallmoden in allen Kriegen jener Epoche den Rufeines tüchtigen 
"wcigiingors, ward gelegentlich auch zu diplomatischen Sendungen verwendet 
mJ erhielt im Augunt 1801 aU Oberst das Commando jenes ühlanen -Regiments. 

Bei Beginn des Krieges von 1809 erhielt Wallmoden, seit April 1807 
"«Mnil-Major, eine Sendung nacJi London, um mit der dortigen Regierung wegen 
MfiJicn zu unterhandeln, und betrieb diese Angelegenheit ao rasch, dass er noch 
•""ierficlilaicht bei Wa gram rühmliehen Antheil nehmen konnte, Als am zweiten 
MijcJitiage Massena, der von de pi Corps des Feldmarschall-Lieutenants Grafen 
■^UanQ früher zurückgeworfen worden, mit einer Verstärkung von 10,000 Mann 
*«»»n erneuert angriff, halte Wallmodcn — auf dem linken Flügel Klenau'a 
'"^tslellt, um dessen Verbindung mit dem gegen das neue Wirthshaus vorrückcaden 



3. Armeecorps zu unterhalten — mit dem Rcglmente Liechtenstein-Husaren in i 
rechte Flante der bei Äspeni aufgestellten feindlichen Division Boudet bo glus 
lieh operirt, dass er dem Feinde 9 Kanoneu abnahm. Sein mit der glänzcndst 
Tapferkeit ausgeführter Angriff war von entscheidendem Erfolge, da unsere Art 
lerie vollen Spielraum gewann und die den linken Flügel des Feindes bilde» 
Division Boudet den Rückzug antreten und an Aspern vorbei thetls in dieMühl) 
und theiia über Esslingen nach Stadl-Enzeredorf weichen musate, wobei sie no| 
eine Haubltza einbUsste. — Auch auf dem Rückzüge nach Mähren hatte sich Wal 
moden am 9. Juli bei HoUabrunn sehr hcrvorgcthan, indem er dem Übermaß 
tigen Feinde entschlossenen Widerstand leistete, mit den Husaren-Regiment«) 
Liechtenstein und Blan kenstein mehrere kraftvolle AngriiFe machte und Ü 
feindliche Reiterei in iln-en Bewegungen aulTiielt. Die Relationen über diese Voi 
fälle nennen den General Grafen Wallmoden unter den Ausgezeiclineten od 
der Generalissimus Erzherzog Karl verlieh ihm mit Armeebefehl vom 13. Jol 
im Namen ßr. MajestSt des Kaisers, das wohlverdiente Ritterkreuz. 

Im August 1809 zum Fcldmai-schall-Lieutenant ernannt, lebte der Grafn 
da an in Prag, trat aber im Decembcr 1812 mit Erlaubnisa seines Monarchea: 
englische, dann in russische Dienste, um das Commando über die von den Generilf 
DöreobergjTcttenborn und Ts ehern its cheff angeführten leichtenTruppf 
im nördlichen Deutschland zu übei'nelimon, mit der Bestimmung, die rechte Flui 
der Hauptarmee nach deren Übergang über die Elbe zu decken und gleiehzeii 
durch Entsendungen im Rücken des Feindes dessen. Zufuhi'en abzuschneiden tu 
Verwii-rung zu verbreiten. Die Truppen aller drei Detacliements bestanden H 
6598 Mann, darunter 4734 Pferde und 9 Geschütze. Die verschiedenartigen ^ 
mente, aus welchen diese Truppen zusammengesetzt waren, der Mangel au Inf« 
terie und Artillerie und die Selbstständigkeit, welche die Anführer der getrenn« 
Detachements sich vorbehalten hatten, erschwerten die Lösung der Aufgabe di 
General-Lieutenants Wallmoden sehr, und je glücklicher er dieselbe löste, n 
um HO mehr Recht gebührt ihm der Ruf eines der geschicktesten Parteigängt 
anrührcr der neuern Zeit. Nach der Schlacht bei Lüfzen und dem darauf folgend! 
Waffenstil Istande bezog Wa 1 1 m o d e n Cantonirungs-Quartiere im Lüneburgiiclu 
und Mecklenburgischen. Er benutzte diese Ruhe zur Organisirung und V( 
Stärkung seines Corps, welches die Stärke von 28,031 Mann mit 60 GeschütS 
erlangte, wovon jedoch die Besatzung von Stralsund abzurechnen ist. Ea erhij 
bei Wiederausbruch der Feindseligkeiten den Auftrag, vor dem ihm gegenöbt 
stehenden 47,000 Mann starken Marschnil Davoust, wenn dieser die Offenai 
ergriffe, fechtend zurückzugehen. Mitte August drang Davoust in zwei starki 
Colonnen gegen Mölln und Lauenburg vor. Das Detail der vielfachen Gefechiei 
geben, welche von da an der General Wallmoden lieferte, um seinen doppi 
so starken Gegner zu fesseln und zu lähmen, würde hier zu weit führen, und fl 




1029 

erTkhaen nur das vom 16. Septembei- 1813 an der G iirde, zu dessen Andenken 
uii7. Juli 1839 ein Monument erriclitet und in Folge dessen fast die ganze Divi- 
«ooPecheux aufgerieben wurde, welche Davoust über die Elbe schickte, um 
die Diil Magdeburg verlorene Communication herzustellen. 

Nach der ScUaeht von Leipzig blieb Hamburg für die Franzosen der wich- 
6pk Punct 8Q der Elbe, und so entwickelten sieh während der beiden letzten 
NoDate des Jahres 1813 in dessen Nähe Ereignisse, welche Napoleon seinen 
trtnen AUürten im Norden, Dänemark, raubten und Davoust auf die Vertheidi- 
Jinjr'oi) Hamburg ei nscii rankten. Wallmoden operirte von Anfang Dccember 
•ntereinigt mit dem Kronprinzen von Schweden bei dem Eindringen in Holstein. 
Wihrend des ara 15. Deceniber mit den Dünen geschlossenen Waffenstillstandes 
unloDirle W^allmoden mit seinem Corps zwischen der Eider, der Nordsee und 
der Elbe, und erhielt nach dem am 15. Januar 1S14 mit Dänemark geschlossenen 
Frieden den Auftrag, Haarburg einzuschlicssen, wurde indessen Mitte Februar vom 
luuuioteranischeQ General Lyon abgelöst, und brach mit der russisch-deutschen 
Ltpon, bei 8000 Mann, nach Düsseldorf auf, Überschritt dort am 13. März deuRhein, 
«ad bezog am 27. Cantonii-ungon bei Lüttich und Löwen, von wo aus das Corps zur 
Iwersdilziing des Herzogs von Sachsen- Weimar bestimmt wurde. W'allmodon 
wreinigtc sich bei Lenze mit der Brigade des sächsischen Generals von Gab lenz, 
mdie Beobachtung von Lille und Valcncicnnes zu übcrnohmcn. In dieser Auf- 
MDaDg traf ihn die Nachricht von der Einnahme von Paris und der Beendi- 
pa; der Feindseligkeiten. Das Corps des Grafen Wailmoden ward aufge- 
bt Bod er selbst trat, von fast allen Potentaten mit Orden decorirt , am 24. Mai 
1815 in fitterreichisclic Dienste zurück. 

ImUoDate August 1816 erliieltWallmoden das Commando der iniKönig- 
Bda Neapel zur Aufrechthaltung der Rulie stehenden Truppen, und im Sep- 
lilber 1816 die Würde eines Inhabers des 6. KUrassicr-Kcgiments. 

All im Juli 1820 neue Unruhen in Neapel ausbrachen und Österreich zu 
■■»a CnterdrUcbung ein Heer von 60,000 Mann unter Frimont dorthin auf- 
"•cfcen lies«, befehligte Wal Imc den eine Division derselben, welche den linken 
•■g«! bildete. Der W'idersland der Insurgenten war, wie bekannt, nur von kurzer 
«■er. Wallmoden gegenüber befehligte Pepe ein Corps von 10,000 Mann, 
■««IiM in einem Gefechte beiltieti geschlagen und aus einander gesprengt wurde, 
«4e Milizen bei den ersten Kanonenschüssen davon liefen. Bereits am 24. März 

Pffallmodon in Neapel ein und erhielt darauf den Oberbefehl der Truppen, 
n>o da aus nach SicUien Ubergcschilft wurden, um auch dort die Ruhe 
hwxusl eilen. 
Valtmoden hatte sich dieses Auftrages bis zum Jahre 1827, wo Neapel 
s Öaterreichischen Truppen gänzlich geräumt wurde, mit oben so viel Ruhe 
onoenheit und Umsicht entledigt, erhielt hierauf seine Anstellung bei der 



1030 

Armee im lombardisch-venetianischen Königreiche, ward im September 1 838 zum 
General der Cavallerie ernannt^ imd im November 1848 aufsein Ansuchen in den 
Ruhestand übemonmien. 

Seine eifrigen Dienste um Monareh und Vaterland würdigte Se. Majestät der 
Kaiser bei dieser Gelegenheit mit dem Grosskreuze des Leopold-Ordens. 

STDTIEBHEIM; Karl von, Feldmarschall-Lieutenant, einer adeligen sächsischen 
Familie entsprossen, war zu Dresden 1774 geboren. Mit gründlicher Vorbildung 
und tiefen Kenntnissen begabt, trat er frühzeitig in die Reihen des kaiserlichen 
Heeres und war schon in den ersten Kriegen gegen Frankreich rühmlich erwähnt. 
Bei der Einnahme der Linien von Lauterburg (1793) hatte sich St utt er- 
be im als Oberlieutenant des General- Stabes bei der 4. Angriffscolonne, und im 
folgenden Jahre bei Zerstörung der feindlichen Arbeiten an der Mundenheimer 
Chaussee ausser der Rheinschanze (15. December) dadurch besonders bemerkbar 
gemacht, dass er die Geschütze in die Stellung einführte und die Truppe mit grosser 
Geschicklichkeit leitete. In der Schlacht bei Magnano manoeuvnrte Stutter- 
heim mit zwei Geschützen und einem BataillonWarten sieben an der Spitze der 
ersten Colonne mit so grosser Umsicht, dass ihn Feldmarschall -Lieutenant Kraj 
öffentlich anrühmte; eben so verdienstvoll war sein Benehmen an der Trebia, in 
Folge dessen er zum Major im Corps vorrückte. Gleich wichtige Dienste leistete 
Stutterheim im Jahre 1805 als Oberst bei dem preussisch-russischen Kriege 
gegen Napoleon, und wurde 1806 und 1807, so wie iii der Folge bei mehreren 
Gelegenheiten, zu den wichtigsten diplomatischen Sendungen gebraucht, die er 
mit grosser Geschicklichkeit vollführte. 

Im Jahre 1809 commandirte Stutterheim, zum General-Major befördert, 
eine Brigade im 4. Armeecorps. Im Gefechte bei Eckmühl (22. April) kam er mit 
4 Schwadronen Vincent-Chevauxlegers in dem Augenblicke, wo unsere Infanterie 
aus dem Walde zwischen Ober- und Unter-Leuchling geworfen worden , diese zu 
Hülfe, sammelte die zerstreuten BataiUone, suchte ihren Muth anzufeuern und 
stürmte den Wald; ein Theil desselben musste der Feind wieder überlassen und es 
war zum wenigsten Zeit gewonnen. Aber bald darauf wird diese gewonnene 
Stellung nochmals aufgegeben und ein Schwärm feindlicher Tirailleurs wirft sich 
auf die Ebene zwischen dem Walde und der Strasse. Stutterheim eilt erneuert 
herbei, greift die Plänkler unter heftigem Kugelregen an, wirft sich mit der 
grösstcn Herzhaftigkeit mitten unter sie und treibt sie in den Wald zurück. Ein 
grosser Theil des Geschützes, welches eben anfing auf der Strasse zurückzugehen, 
ward durch diesen Angriff gerettet. Auf dem später angetretenen Rückzuge wurde 
Stutterheim von feindlichen Kürassieren umringt, jedoch durch die Tapferkeit 
des Wachtmeisters Petitpas von Vincent-Chevauxlegers aus der drohenden 
Gefahr befreit. 



1033 

*),0OO Mana belaufen. Sollte selbst Ei-zherzog Johann zur rocliten Zeit über dip 
Jürch sobieD und in des Feindes Rücken erscheinen können, so war es doch gewiss, 
die Genera! Mayer mit seiner Brigade längere Zeit allein Davoust mit seinen 
Ttisitn würde die Spitze bieten müssen. In dieser misslicben Lage beseelte doch 
Jeden der Entschluss, zu leisten, was Menschenkräfte vermögen. — Der Feind 
beschoss die Brigade nach vollbrachtem Aufmarsch aus 50 Geschützen, Unsere 
lenj^Q Kanonen wurden bald zum Schweigen gebracht. Das für Mayer bestimmte 
Beaerve-Geschütz war bereits anderwärts verwendet. Der Tod wUfhete in den 
Raben seiner Braven, Seine Mitte hielt das Gefecht; der rechte Flügel gewann 
Fdd. — Davoust erkannte, dass auf dem linken die Entscheidung ruhe, dass 
erduCorps von hier aufzurollen vermöge, und dass er durch einen entschlossenen 
Angriff, durch ein siegendes Vorachreiten sich am siclierHten dem Armeeeorpa 
des Ersfaerxogs Johann entziehe. Im Sturmschritt Hess er seine Treffen zum 
Angiiff vorrücken. Mit klingendem Spiele rückte Mayer'a Brigade, er selbst 
a dv Spitze, dem Feinde entgegen. Auf ÖO Schritte Hess er eine volle Ladung 
gtid, brach dann mit dem Bajonet ein, warf des Feindes erstes Treffen auf das 
ndU, and brachte selbst dieses in Unordnung. Der Feind hatte sein zweites 

, Tldoi wieder geordnet; das erste sammelte sich hinter demselben. Er rückte 
■MtriiBgs znm Angriff vor. Mayer ordnete seine Truppe am Abhänge der Höhe, 
atttatpfing den Feind mit dem lebhaftesten Gewchrfeuer. In dem wirksamsten 
angclbercich unerschütterlich fechtend, verloren beide Theile sehr viel, ohne 
«ne Handbreit Erde zu gewinnen. Aber in dem Augenblicke, als Oberst-Lieutenant 
'^ßrifn das erste Bataillon von Kerpen an den Feind führte, ging auf dem 
fwbien Flügel der Brigade Markgraf- Neusied el verloren. Der Feind brachte 
'JtichUts za dem die Gegend beherrschenden stumpfen Thurm und bestrich die 
Fraole Haycr's mit Kartatschen und mit Kleingewehrfeuer; der General und 
«* ncitten OiTiciere waren verwundet. Die noch übrigen thaten das Auascrste, 
flie gröMlentiieils junge», durch dreitägigen Ifampf todmUden Soldaten zu hei- 
liennilittigcra Widerstände zu begeistern, — der Feind wurde zum dritten Male 
"Tfickgcschlagen. Bis jetzt hatte der tapfere General seine Stellung auf das Helden- 
"■"'bigsle behauptet, aber nun war der Zeltpunct gekommen, wo er, um nicht 
»w dor Strasse nach Mähren abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten 
•""we; dieser erfolgte in Massen formirt unangefochten auf die Höhe von Gauners- 
Jnrf, wo Boine Braven bei dem sogenannten neuen Wirthshausc über Nacht 
"iwtfiii. In Anerkennung dieser von der ganzen Armee bewunderten That wurde 
■*yer von Sr. Majestüt mit dem Ritterkreuze des Leopold- und im Capiiel 
*«i Jahre 1810 mit dem Thorcsien-Orden belohnt. 

Bd dem zu Anfang des Jahres 1812 in Galizien aufgestellten Observations- 

"fpicriiiolt General Mayer das Commando einer Brigade; in dieser Anstellung 

eralt« ihn der Tod zn Valenti am 9. Februar 1813. 



1032 

Oeneralen Wurms er mitgemacht, und sich bei der Einnahme des Bienwaldes 
und der Weissen burger Linien mit so grossem Yortheii für den Allerhöchsten 
Dienst verwenden lassen, dass ihn sein Chef der besonderen Anempfehlung wür- 
digte. Auch in der Schlacht bei 8 to ckach und in den nachfolgenden Actiönen der 
Jahre 1799 und 1800 in Deutschland und der Schweiz wurde May er' s Name mit 
Auszeichnung genannt, und ihm für wiederholte Beweise von Entschlossenheit im 
April 1800 die Beförderung zum Major und noch vor eingetretenem Frieden jene 
zum Oberst-Lieutenant zu Theil. 

Li dem glorreichen Jahre 1809 commandirte Mayer, seit August 1808 
bereits General-Major, eine Brigade im 5. Armeecorps. Schon bei Regensburg 
am 23. April hatte er sich durch umsichtige Anordnungen hervorgethan, mit dem 
Regimente Stain die Arriöregarde gebildet und das Nachdringen des Feindes 
ungeachtet der grossen Verwirrung über die Brücke so lange aufgehalten, bis 
auch der letzte Mami sie passiren konnte. 

In der Schlacht bei Aspern am 21. befehligte Mayer die Avantgarde des 
zweiten Armeecorps und entsprach den Erwartungen des Corps-Conmiandanten 
nicht nur auf das Vollkommenste, sondern war überdies stets besorgt, die Com- 
municatlon mit dem ersten Armeecorps zu erhalten. Eben so hatte er zur Ein- 
nahme des Dorfes Aspern auf das Thätigste mitgewirkt. Am 22. Mai gab Mayer, 
ungeachtet einer am vorhergegangenen Tage erhaltenen schweren Wunde, so 
lange es seine Strafte erlaubten, die schönsten Beweise von Standhaftigkeit bei 
den wiederholten feindlichen Attaquen , und machte sich besonders dadurch ver- 
dient, dass er das erste Bataillon des Regiments d'Aspre, welches in Unord- 
nung gerathen war, obwohl nicht zu seiner Brigade gehörig, wieder formirte und 
zum äussersten Widerstände aneiferte. Im Juli ward Mayer mit seinen Truppen, 
welche die Nacht übe^ vom 4. auf den 5. unter dem heftigsten feindlichen Eanonen- 
fcuer gestanden, am 5. bei dem 4. Armeecorps unter Feldmarschall-Lieutenant 
Fürst Rosenberg eingetheilt. Am zweiten Schlachttage gewahrte man bei 
Tagesanbruch, wie das feindliche Heer unsere Stellung umgürtete und den linken 
Flügel des Rose übergesehen Corps noch beträchtlich überragte. 

Die Brigade Mayer, sieben Bataillone der Regimenter Deutschmeister 
und Eerpen, kaum 5000 Mann stark, erhielt Befehl, der Bewegung des Fein- 
des auf Siebenbrunn zu begegnen, da nur einige Cavalleric-Abth eilungen unsere 
linke Flanke deckten. Ihr rechter Flügel (das Regiment Deutschmeister) stützte 
sich an den alten stumpfen Thurm bei Markgraf-Neusiedel, die Fronte lief längs 
den Höhen gegen die March. Das Brigade-Geschütz und eine Reserve-Batterie 
fuhren vor der Stellung auf; die vom Feinde verdrängte Reiterei setzte sich hinter 
dem linken Flügel der Brigade. Unsere Artillerie begann mit grosser Wirkung auf 
die fortwogenden feindlichen Colonnen das Feuer. Sie hielten an, marschirten in 
drei Treffon auf, und überragten noch unsere Linke ; ihre Stärke mochte sich auf 



1035 

Xtft Tor der Solilaclil von llaiinit zum Opiipral-Major bofiirdert worden. Wio 
Buncr tapfer und unersphrockea, fand er an der Spitze einer (Javallerio-Aliaque 
indieter Affaire den bcneidenswertlien Tod fürs Vaterland. 

BUSSO von Aspe rnlir and, Joseph Freiherr, Feldzeugmeister, Inhaber des 
6.ArtDlerie<Regiinen1«. Busso's Vorältem zählten zum alten lilttJch'schen deut- 
Hkn Adel und dienten schon im 16. Jahrhunderte dein Kaiscrhauac mit so grosser 
Ameichnang, dass sie im Jaliie 1541 geadelt wurden. Joseph von Russo, als 
Nhr^bildeter und erfahrener Officier bekannt, schwang sicli durch eigenes Vei- 
dilBit und vorEiiglichc Eigenschaften zu der Würde eines Feldzeugmeisters empor. 

Za LUItich im Jahre 1753 geboren, begann er im Jahre J 770 seine Laufbahn 
b dar Artillerie. Sowold im Türkcnkriege bei der Armee des Fürsten Holien- 
lohe in der Walachei, als auch in den Kriegen mit Frankreich hatte Russo in 
8FddaUgcn sich mit grossem Yortheüe, meistens als Artilleric-Conimandaut deta- 
tbirtwCorps, Terwendco lassen. Im Jahre 1809 war Russe als Oberst Comaiandanl 
ä»Ärfillerie beim 3. Armeecorps und zeichnete sich wiederholt so vorzUghch aus, 
iHtihru durch Armeebefehl vom 24. October das Ritterkreuz zu Theil wurde. 

In dem Treffen bei Sehierling (21. April) wusste er die biossgegebene 
FUakodes französischen Armeecorps unter Marschali Davousi mit seinen Batle- 
ritt 10 erfolgrcicli zu beschiessen, dass alle Angriffe des Feindes auf Schierling 
■BrSdcgeschlagen wnrden. Dieser tapfere Widerstand, wenn auch für die einzelnen 
Corp», welche an dem Gefeciitc betlicitigt waren, nicht entachoidend, war Ca um 
Miaclir für die beiden Hauptarmeen, denn durch dieses Gefecht wurde Napoleon 
bntü^n, den auf den frühen Morgen des folgenden Tages festgesetzten Angriff 
ni »einem Nachtheile aufzusclueben. In der Schlacht bei Aspern fugten Russo'a 
Buterien dem Feinde unberechenbaren Schaden zu; noch namhafteren aber am 
**6ilcaSchlachttago bei Wagram, wo er eine franzüsiache Batterie bei liaumera- 
JorfJcr Art dcmonlirie, dass sie keinen Schuss mehr machen konnte und die 
'f*niosen auf den eben beabsichtigten Angriff auf diesen Punet verzichten 

fioiBo avancirtc im December 1813 zum General-Major und Hess sich in der 

"^ensepochc viele Jahre zum Besten des Dienstes und seiner Waffe verwenden, 

_ *•", aufsein Ansuchen im JuH 1834 mit Charakter eines Feldzeugmeisters pen- 

"**% am 25. Mai 18-10 zu Verona sein tliatemeiches. dem Stnale durch 65 Jahre 

**4ttlo9em Kifer gewidmetes Leben bescliloss. 



ftiRTNEB von Hüfloin, Leopold Freiherr, General-Major, folgte dem 
*J»ielc seines Vaters und widmelo sich dem Mrlitär.stande. Zu St. Michael in 
*li>ii geboren, ward ilmi die Ei-ziohung in der Neustädter Akademie zu Theil, 
/,er bei Ausbruch des Türkcnkviegcs als Fiihnrleb verliess und thetU bei 



1034 

FLACHENFELD, Karl von, General-Major, geblieben in der Schlacht bei 
Hanau am 30. October 1813, war zu Landau im Jahre 1762 geboren. Dieser 
tapfere Soldat hatte vom Cadeten bis zum Obersten im 6. Kürassier-Regimente 
gedient, den bayerischen Erbfolgekrieg noch als Cadet und den Türkenkrieg als 
Lieutenant mitgemacht. Im Feldzuge 1805 war er Major, im Jahre 1809 Oberste 

Die Schlacht bei Wag r am hat Flach enfeld's Namen verewigt und ihm im 
Capitel des Jahres 1810 das Ritterkreuz gebracht. Am zweiten Tage dieser 
heisscn Schlacht, den 6. Juli, war der erste Rückzug der Armee vollzogen und 
das 1. und 2. Armeecorps mit den Grenadieren des Reservecorps auf den Anhöhen 
hinter Gerasdorf aufmarschirt, während die Cavallerie rückwärts im Marsche gegen 
Stammersdorf begriffen war, als plötzlich der Feind, diesen Augenblick benützend, 
mit einer Übermacht an Cavallerie auf die beiden vor der Front der Stellung 
befindlichen Regimenter Ellenau-Chevauxlegers und Schwarzenberg-Uhlanen einen 
raschen Angriff ausführte. Diebeiden Regimenter wurden auf die Infanterie gewor- 
fen, der Feind drang mit ihnen auf dieselbe ein und verfolgte seinen Sieg mit einer 
seltenen Beharrlichkeit. Feldmarschall-Licutenant Fürst Seh warzenberg eilte zu 
der im Marsche begriffenen Cavallerie des Reservecorps, machte das Regiment Liech- 
tenstein-Kürassiere, welches an der Queue marschirte, umkehren und zeigte dem 
' Obersten Flachenfeld den Feind. Da das Regiment in der vormittägigen Schlacht 
bis auf 280 Mann geschmolzen war, so musste Flachen feld mit Klugheit zu 
Werke gehen, um gegen eine so grosse Übermacht mit Erfolg wirken zu können. 
Er eilte mit Abtheilungen in Colonnen im starken Trabe dem Feinde entgegen, 
suchte in einer kleinen Vertiefung dessen rechte Flanke zu gewinnen, und liess 
dann das Regiment aufschwenken und mit aller jener Raschheit und Entschlos- 
senheit, welche einer tapfern Cavallerie eigen, in den Feind einhauen. Hiedurch 
wurde die feindliche Cavallerie nicht nur in ihrer Verfolgung gehindert, sondern 
auch in die Flucht geschlagen. Oberst Flachenfeld, liiemit nicht zufrieden, 
verfolgte den Feind mit grosser Klugheit, ohne seine Truppe zerstreuen zu 
lassen, bis über die Stellung der österreichischen Infanterie hinaus, wo dann beide 
Theile ihre frühere Position wieder einnahmen. Der Feind war gezwungen die 
schon überrittene österreichische Infanterie, die eroberten Kanonen und gemach- 
ten Gefangenen zurück zu lassen und mit Verlust von vielen Todten, Gefan- 
genen und Blessirten die Flucht zu ergreifen; die Ordnung ward hergestellt und 
die Corps in den Stand gesetzt ihren bald daralif anbefohlenen Rückzug ungehin- 
dert und unberuhigt fortzusetzen. Diese kühne, wohl überdachte und vortrefflich 
ausgeführte Attaque des Obersten Flachen feld rettete die Infanterie und die 
ganze Artillerie des 1. und 3. Armeecorps vor einer unausweichlichen Deroute, 
denn beide Corps waren in ihrem Centrum getrennt und aller Verbindung bar. 
Im Feldzuge 1813 war Flachenfeld mit dem Regimente in der Cavallerie- 
Division des Feldmarschall-Lieutenants Baron Spldnyi eingetheilt und einige 



1035 

Tage vor der Schlacht von Hanau zum General -Major befördert worden. Wie 
immer tapfer und unerschrocken , fand er an der Spitze einer Cavallerie-Attaque 
in dieser Affaire den beneidenswerthen Tod fürs Vaterland. 

BUSSQ von Aspernhrand, Joseph Freiherr, Feldzeugmeister, Inhaber des 
5. Artillerie-Regiments. Russo's Vorältem zählten zum alten lüttich'schen deut- 
schen Adel und dienten schon im 16. Jahrhunderte demEaiserhause mit so grosser 
Auszeichnung, dass sie im Jahre 1541 geadelt wurden. Joseph von Russo, als 
sehr gebildeter und erfahrener Officier bekannt, schwang sich durch eigenes Ver- 
dienst und vorzügliche Eigenschaften zu der Würde eines Feldzeugmeisters empor. 

Zu Lüttich im Jahre 1753 geboren, begann er im Jahre 1770 seine Laufbahn 
in der Artillerie. Sowohl im Türkeokriege bei der Armee des Fürsten Hohen- 
lohe in der Walachei, als auch in den Kriegen mit Frankreich hatte Russo in 
8 Feldzügen sich mit grossem Vortheile, meistens als Artillerie-Commandant deta- 
chirter Corps, verwenden lassen. Ln Jahre 1809 war Russo als Oberst Conmiandant 
der Artillerie beim 3. Armeecorps und zeichnete sich wiederholt so vorzüglich aus, 
dass ihm durch Armeebefehl vom 24. October das Ritterkreuz zu Theil wurde. 

In dem Treffen bei Schierling (21. April) wusste er die biossgegebene 
Flanke des französischen Armeecorps unter Marschall DavouBt mit seinen Batte- 
rien so erfolgreich zu beschiessen, dass alle Angriffe des Feindes auf Schierling 
zurückgeschlagen wurden. Dieser tapfere Widerstand, wenn auch für die einzelnen 
Corps, welche an dem Gefechte betheiligt waren, nicht entscheidend, war es um 
so mehr für die beiden Hauptarmeen, denn durch dieses Gefecht wurde Napoleon 
bewogen, den auf den frühen Morgen des folgenden Tages festgesetzten Angriff 
zu seinem Nachtheile aufsäuschieben. In der Schlacht bei A sporn fügten Russo's 
Batterien dem Feinde unberechenbaren Schaden zu; noch namhafteren aber am 
zweiten Schlachttage bei Wagram, wo er eine französische Batterie beiBaumers- 
dorf der Art demontirte, dass sie keinen Schuss mehr machen konnte und die 
Franzosen auf den eben • beabsichtigten Angriff auf diesen Punct verzichten 
mussten. 

Russo avancirte im December 1813 zum General-Major und liess sich in der 
Friedensepoche viele Jahre zum Besten des Dienstes und seiner Waffe verwenden, 
bis er, auf sein Ansuchen iin Juli 1834 mit Charakter eines Feldzeugmeisters pen- 
sionirt, am 25. Mai 1840 zu Verona sein thatenreiches, dem Staate durch 65 Jahre 
mit rastlosem Eifer gewidmetes Leben beschloss. 

POETNEE von Höf lein, Leopold Freiherr, General-Major, folgte dem 
Beispiele seines Vaters und widmete sich dem Militärstande. Zu St. Michael in 
Croatien geboren, ward ihm die Erziehung in der Neustädter Akademie zu Theil, 
welche er bei Ausbruch des Türkenkrieges als Fähnrich verliess und theils bei 



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FLACHENFELD, Karl von, General-Major, geblieben in der Sehlacht bei 
Hanau am 30. October 1813, war zu Landau im Jahre 1762 geboren. Dieser 
tapfere Soldat hatte vom Cadeten bis zum Obersten im 6. Eürassier-Regimente 
gedient, den bayerischen Erbfolgekrieg noch als Cadet und den Türkenkrieg als 
Lieutenant mitgemacht. Im Feldzuge 1805 war er Major, im Jahre 1809 Oberste 

Die Schlacht bei Wag r am hat Flachenfeld's Namen verewigt und ihm im 
Capitel des Jahres 1810 das Bitterkreuz gebracht. Am zweiten Tage dieser 
heisscn Schlacht, den 6. Juli, war der erste Rückzug der Armee vollzogen und 
das 1. und 2. Armeecorps mit den Grenadieren des Reservecorps auf den Anhöhen 
hinter Gerasdorf aufmarschirt, während die Cavallerie rückwärts im Marsche gegen 
Stammersdorf begriffen war, als plötzlich der Feind, diesen Augenblick benützend, 
mit einer Übermacht an Cavallerie auf die beiden vor der Front der Stellung 
befindlichen Regimenter Ellenau-Chevauxlegersund Schwarzenberg-Uhlanen einen 
raschen Angriff ausführte. Diebeiden Regimenter wurden auf die Infanterie gewor- 
fen, der Feind drang mit ihnen auf dieselbe ein und verfolgte seinen Sieg mit einer 
seltenen Beharrlichkeit. Feldmarschall-Licutenant Fürst Schwarzenberg eilte zu 
der im Marsche begriffenen Cavallerie des Reservecorps, machte das Regiment Liech- 
tenstein-Kürassiere, welches an der Queue marschirte, umkehren und zeigte dem 
* Obersten Flachenfeld den Feind. Da das Regiment in der vormittägigen Schlacht 
bis auf 280 Mann geschmolzen war, so musste Flachen feld mit Klugheit zu 
Werke gehen, um gegen eine so grosse Übermacht mit Erfolg wirken zu können. 
Er eilte mit Abtheilungen in Colonnen im starken Trabe dem Feinde entgegen, 
suchte in einer kleinen Vertiefung dessen rechte Flanke zu gewinnen, und liess 
dann das Regiment aufschwenken und mit aller jener Raschheit und Entschlos- 
senheit, welche einer tapfern Cavallerie eigen, in den Feind einhauen. IUedurch 
wurde die feindliche Cavallerie nicht nur in ihrer Verfolgung gehindert, sondern 
auch in die Flucht geschlagen. Oberst Flachenfeld, hiemit nicht zufrieden, 
verfolgte den Feind mit grosser Klugheit, ohne seine Truppe zerstreuen zu 
lassen, bis über die Stellung der österreichischen Infanterie hinaus, wo dann beide 
Thcile ihre frühere Position wieder einnahmen. Der Feind war gezwungen die 
schon überrittene österreichische Infanterie, die eroberten Kanonen und gemach- 
ten Gefangenen zurück zu lassen und mit Verlust von vielen Todten, Gefan- 
genen und Blessirten die Flucht zu ergreifen; die Ordnung ward hergestellt und 
die Corps in den Stand gesetzt ihren bald darauf anbefohlenen Rückzug ungehin- 
dert und unberuhigt fortzusetzen. Diese kühne, wohl überdachte und vortrefflich 
ausgeführte Attaque des Obersten Flachenfeld rettete die Infanterie und die 
ganze Artillerie des 1. und 3. Armeecorps vor einer unausweichlichen Deroute, 
denn beide Corps waren in ihrem Centrum getrennt und aller Verbindung bar. 
Im Feldzuge 1813 war Flachenfeld mit dem Regimente in der Cavallerie- 
Division des Feldmarschall-Lieutenants Baron Splenyi eingetheilt und einige 



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Tage vor der Schlacht von Hanau zum General -Major befördert worden. Wie 
immer tapfer und unerschrocken , fand er an der Spitze einer Cavallerie-Attaque 
in dieser Affaire den beneidenswerthen Tod fürs Vaterland. 

BUSSQ von Aspern hr and, Joseph Freiherr, Feldzeugmeister, Inhaber des 
5. Artillerie-Regiments. Russo's Vorältem zählten zum alten lüttich'schen deut- 
schen Adel und dienten schon im 16. Jahrhunderte demEaiserhause mit so grosser 
Auszeichnung, dass sie im Jahi*e 1541 geadelt wurden. Joseph von Russo, als 
sehr gebildeter und erfahrener Officier bekannt, schwang sich durch eigenes Ver- 
dienst und vorzügliche Eigenschaften zu der Würde eines Feldzeugmeisters empor. 

Zu Lüttich im Jahre 1753 geboren, begann er im Jahre 1770 seine Laufbahn 
in der Artillerie. Sowohl im Türkeokriege bei der Armee des Fürsten Hohen- 
lohe in der Walachei, als auch in den Kriegen mit Frankreich hatte Russo in 
8 Feldzügen sich mit grossem Vortheile, meistens als Artillerie-Commandant deta- 
chirter Corps, verwenden lassen. Im Jahre 1809 war Russo als Oberst Conmiandant 
der Artillerie beim 3. Armeecorps und zeichnete sich wiederholt so vorzüglich aus, 
dass ihm durch Armeebefehl vom 24. October das Ritterkreuz zu Theil wurde. 

In dem Treffen bei Schierling (21. April) wusste er die biossgegebene 
Flanke des französischen Armeecorps unter Marschall DavouBt mit seinen Batte- 
rien so erfolgreich zu beschiessen, dass alle Angriffe des Feindes auf Schierling 
zurückgeschlagen wurden. Dieser tapfere Widerstand, wenn auch für die einzelnen 
Corps, welche an dem Gefechte betheiligt waren, nicht entscheidend, war es um 
so mehr für die beiden Hauptarmeen, denn durch dieses Gefecht wurde Napoleon 
bewogen, den auf den frühen Morgen des folgenden Tages festgesetzten Angriff 
zu seinem Nachtheile aufsäuschieben. In der Schlacht bei Aspern fügten Russo's 
Batterien dem Feinde unberechenbaren Scliaden zu; noch namhafteren aber am 
zweiten Schlachttage bei Wagram, wo er eine französische Batterie beiBaumers- 
dorf der Art demontirte, dass sie keinen Schuss mehr machen konnte und die 
Franzosen auf den eben • beabsichtigten Angriff auf diesen Punct verzichten 
mussten. 

Russo avancirte im December 1813 zum General-Major und liess sich in der 
Friedensepoche viele Jahre zum Besten des Dienstes und seiner Waffe verwenden, 
bis er, auf sein Ansuchen im Juli 1834 mit Charakter eines Feldzeugmeisters pen- 
aionirt, am 25. Mai 1840 zu Verona sein thatenreiches, dem Staate durch 65 Jahre 
mit rastlosem Eifer gewidmetes Leben beschloss. 

POETNER von Höflein, Leopold Freiherr, General-Major, folgte dem 
Beispiele seines Vaters und widmete sich dem Militärstande. Zu St. Michael in 
Croatien geboren, ward ilim die Erziehung in der Neustädter Akademie zu Theil, 
welche er bei Ausbruch des Türkenkrieges als Fähnrich verliess und theils bei 



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Wukasaovich's Freicorps, Knesevich-Husareii, und dann wieder bei Erzheraog 
Karl-Infanterie, wo er die milifäriaclie Laufbahn begonaen hatte, diente. 

Nachdem er im Laufe der ersten Feldzüge gegen Frankreieh bis zum Haupt- 
mann vorgerückt war, kämpfte er im Jahre 1805 als Major bei Bellegarde-Infanterii 
in Italien und 1809 in Deutschland. In diesem Kriege commandJrte Porther ein 
Grenadier-Bataillon. Am zweiten Tage der Schlacht bei Asp ern wurde er durcli 
einen Fiintenschuss am Knie nicht unbedeutend verwundet, dennoch fand er sieb 
gleich nach dem Verbände wieder beim Bataillone ein ; sein rühmliches Beiapiel 
von eifriger und tapferer Vorwendung begeisterte die Truppe im gi'Össten Kanonen- 
und Kartätschenfeuer zur gleiclien Aufopferujig, und er verstand es sie in mägüch- 
ster Ordnung zu erhallen. In der Schlacht bei Wagrara {6. Juli) hatte PortnDr, 
bereits zum Oberst-Lieutenant vorgerückt, .drei heftige Contusionen erhalten, 
die ihn verhinderten zu Pferde zu bleiben ; demungcachtet führte er seine Grenadiere 
zu Puss und wies durch lobenswerthc Standhaftigkeit alle Angriffe der feindlichen 
Cavallerie und Infanterie zurück. In diesem für die Behauptung unserer Slellong 
äusserst wichtigen Momente hatte Portner, gegen dessen Bataillonsmasse die 
Attaquen gerichtet waren, durch das standhafte Ausharren um so grössere Verdiensie 
sich ei-worben, als das auf dem äussorstcn rechten Flügel gestandene Grenadier- 
Bataillon Frisch durch das erste verheerende Feuer der feindlichen Infanterie 
nach ei-folgter Verwundung des Comniandanten Major P'risch erschüttert, aus 
dem heftigen Feuer auf einige Augenblicke gezogen werden musste. 

Vor Znaim {11. JuliJ war es wieder Portner mit seinem Grenadier-Batail- 
lon, der zunächst der Brigade Steyrer in den Weingarten bei Tesswitz auf- 
gestellt, in der Nacht vom II, auf den 12. Juli von diesem General mit den 
Bataillonen Hahn und Legrand gegen die aus Tesswitz angerückte feindtiohe 
Colonne vorgeführt, sich hier wie in allen Gelegenheiten auf das Ausgezeichnetste 
hielt; Verdienste, welche ihm mit Armeebefehl vnm 24. October 1809 das 
Ritterkreuz einbrachten. 

In den Befreiungskriegen commandirte Portnor als Oberst das Regiment, 
vorerst in Deutschland, dann in Frankreich, mit der ihn kennzeichnenden Utnaicht, 
trat dann im Juni 1821 als General-Major nach einer 33jährigen Dienstleistung in 
den Ruhestand, und beschloss sein Leben zu Wien, einige Monate nach seiner Pen- 
sionirung, am 27. October 1821 im 53, Lebensjahre. 



HABEREIN von Arnifeld, Franz Freiherr,als Oberst- Lieutenant und Plalz- 
Commandant den 7. Decembcr 1835 zu Fiume im 62. Lebensjahre verstorben, war 
zu Prag geboren und zu Anfang des Jahres 1790 als Cadet in das Infanterie -Regi- 
ment Ulrich Kinsky Nr, 36 getreten. Er focht in diesem Jahre In den Nieder 
landen, 1792 in der Champagne, 1793 bis 1796 am Rhein, ward bei Loob 1794 
an dem linken Unterarme verwundet, kämpfte 1799 ia Italien, criüelt bei der 



Bd^eraag der CiUdelle nn Turin eine achwere Wunde in die linke Brust und 
(Tucirtc zum Hauptmann. 

Die ScUacht beiWagram lohnte seine Tapferkeit mit dem Ritterkreuze, 
vdchea ihm im Capitel vom Jnbre ISIO zuerkannt wurde. Schon bei Äspern 
bitte aicb Habere! n durch Entschlossenheit hervorgethan, indem er am 21. Mai 
.^lieads, aU mehrere Bataillone aua diesem Orte auf das in dem Bereich desselben 
f^etUndene 2. Bataillon Kolowrat, wo sich Haherein cingetheilt befand, 
^orfen wurden, mit der Fahne und der Slitteldivision seitwiiits von Äspem 
rtckte und ein weiteres Vordringen des Feindes durch die standhaftesto Vertjieidi- 
fuog dieser Stellung hemmte. Bei Wagram befehligte er das 3. Bataillon, eilte, 
olme den Auftrag erhulten zu haben, am 5. Juli an den Unssbach und behauptete 
hier «einen Posten gegen die andringende sächsische Infanterie mit grosser Bra- 
Tour. Am folgenden Tage geleitete er mit seinem Bataillon mehrere Batterien 
ucb Adcrklaa und n^hm hier eine sehr vortheühafte Stellung. Als später unsere 
Icfanteriemasscn zum Theil in ihren Aufaldlungen erschüttert wurden, rückte er 
im Terboerenden Kartätschenfeuer dem Feinde im Sturmschritte entgegen und 
bielt du Vordringen desselben so lange auf, bis General Stutterheim am linken 
Hiigel des Ortes mehrere Bataillone formlien und er nun mit den drei Grenadier- 
^^ftft^Doen S c o V a u d , Putbeany und Brzezinsky Adcrklaa dem Feinde wieder 
^Hp^m konnte, bei welcher Gelegenheit der entschlossene Oflicier eine zwölf- 
^P)ifeii£^ Kanone zurückeroberte und seine Position bia zum anbefohlenen Kück- 
toge behauptete. 

Im Oetober 1813 zum Major befördert und im Jahre 1816 in den Frciherrn- 
MMd erbeben, w-urde der tapfere Krieger, da ihn seine Wunden für weitere Kriegs- 
'iKnilo untauglich gemacht hatten , in verschiedenen Fricdcnsanstellungen bis zu 
••ioenj Tode verwendet. 

KüBZ, Laurenz Freiherr von, Major, in seiner Geburlsstadi Heiz in 
iwdet.üstcrrcich am 17. Octobcr 1852 im 72. Lebensjahre gestorben, hatte die 
**>fMin im Februar 1799 als Cadet bei dem damaligen 13. Dragoner- (gegen- 
•inigen 10. Uhlanen-) Kegimente begonnen und rückte im November des fol- 
^dea Jahres zum Fähnrich beim 1. Infanterie- Reglmenlc vor. 

Vor Ausbruch desFeldzuges 18ü90berlientenant, wurde Kurz einige Monate 
''■"■«h CapitäD-Lieulenant beim ersten IgUucr Landwehr-Bataillon. Alle heissen 
Hiinpfe jener Zeit bis zum Jahre 1815 hatte dieser Officier ruhmvoll mit- 
Jtotclit. 

Im Jahre 1809 war sein Bataillon am zweiten Tage der Schlacht beiWagram 
"" V ertheidigung des mit einei- Brustwehr versehenen Grabens bei Morkgraf-Neu- 
«edal beordert, und stand an diesem Tage mit dem rechten Flügel vor dem ersten 
•«•illon des Infanterie-Regiments Stain, nur durch den von Siebenbninn nach 



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Neusied el ffihronden Weg getrennt.. Gegen Mittag wurde die ganze Plänklerkette 
durch den mit Ungestüm andringenden Feind geworfen , und dadurch die rechte 
Flanke des Bataillons bldssgestellt. Kurz fasste in diesem Augenblicke den £nt- 
schluss mit seiner rechten Flügel-Compagnie auf den bereits im Rücken vordringenden 
Feind sich zu werfen^ und griff ihn auch mit demBajonete so muthig an, dass der- 
selbe, ungeachtet seiner Ueberlegenheit, über die Brustwehr wieder weichen musste. 
Hiedurch konnte nicht nur das Bataillon und die links vor demselben aufgestellten 
Truppen den ersten feindlichen Angriff in der Front zurückweisen, sonderaes hatte 
dasselbe auch Zeit gewonnen, den einzigen Rückweg auf die Anhöhe des Thurmes 
zu nehmen. Als Kurz eine feindliche Cavallerie- Abtheilung heransprengen sah, 
und nicht mehr Zeit fand, seine durch den Sturm aufgelöste Compagnie in Masse 
zu sammeln, Hess er den Rest der Mannschaft zwischen den Strohbaracken des 
daselbst aufgeschlagenen Lagers Posto fassen, und vertheidigte sich durch gut 
angebrachtes Feuer so lange, bis die bei dem alten Thurme aufgestellten 4 Kanonen 
iii Sicherheit kamen. Erst nachdem er diesen Zweck erreicht sah , zog er sich mit 
seiner etwa noch 50 Köpfe zählenden Compagnie auf das bereits auf der Anhöhe 
in Masse aufgestellte Bataillon zurück. Für diese That wurde ihm im Nachtrags- 
Capitel vom April 1811 das Ritterkreuz zu Theil. 

Im December 1812 rückte Kurz zum wirklichen Hauptmann vor und wohnte 
.als Commandant einer Grenadier-Compagnie den weiteren Feldzügen bei. Hatte er 
sich bei Erstürmung der Brücke von Hanau muthvoll hervorgethan , so war sein 
Verdienst bei der Gelegenheit, wo es sich um Eroberung der Stadt Charento n 
am 30. März 1814 handelte, noch grösser. Als ältester Officier des Grenadier- 
Bataillons Länyi setzte er sich an die Spitze der Divisionen Hessen-Hom- 
burg und Colloredo, drang im Sturme mit diesen 4 Compagnien durch die 
nach der Brücke führende Gasse vor, liess die nächsten Häuser durch einige 
Abtheilungen besetzen, sprengte die Tambourirung der Brücke ein, überstieg 
sie, eroberte 5 Kanonen und behauptete den Ort. — Im December 1821 -^urde 
Kurz Major und 3 Jahre darnach in das 31. Linien-Infanterie-Regiment ein- 
getheilt, aus welchem er, durch seine von Strapazen geschwächte Gesundheit 
dazu veranlasst, am 1. September 1826 schied. Im Jahre 1843 in den Freiherrn- 
stand erhoben, gab Kurz seine Anhänglichkeit an den Militärstand dadurch in 
lobenswerther Weise kund, dass er sein Vermögen einer Stiftung widmete, deren 
Interessen zweien pensionirten Officieren , vorzugsweise solchen , die mit ihm in 
einem Regimente gedient hatten, zugewendet werden sollen. 

MAMiSSY von Markus und Batisfalva, Andreas Freiherr, Feldzeug- 
meister, geheimer Rath und Kämmerer, Inhaber des 37. Infanterie-Regiments, zu 
Betzdorf in Ungarn 1759 geboren. In demselben Regimente, welches 34 Jahre 
seinen Namen als Inhaber führte, begann Mariässy im September 1775 in der 



Ei^^tuebaft als Cadet die militürischo Cftrri&rc. Den bayerischen Erbfolgekiieg 
Diclite er »Is Fshtirich mit und war im Verlaufe des Türkenkrieges zum Haupt- 
oiBn TOrgorUckt; von da ab bis zum Jahre 1799 bewies er in vielen Gelegenlieilen 
w|T038e Umsicht und Tapferkeif, dass er bei der Errichtung desBrentano'schen 
Fcldjlgcr-Corps — aus Picmontescn im Juli 1799 zusammengesetzt — mit der 
Kmconung zum Major in dasselbe eingetheilt vpurde, welche Truppe, nach der 
liefiipdorung Brentano's zum General-Major, Maridssy's Namen führte. Diese 
Jiger wurden in den Jahren 1800 und 1801 bei der Armee in Italien an der öst- 
fichcn Kiiete von Genua verwendet, wo sie sich unter seinem Commando bei den 
«rsdiiedenon Gefechten gegen Genua tapfer hielten und in der Schlacht bei Marengo 
froMen Verlust erlitten. Im August 1801 wurde das Corps zu Mariano in Friaul 
uif^lfisl und Marifissy in das 48. und im September 1805 als Oberst in das 
So. Infimterie-Regiment übersetzt. 

N«c(i der Schlacht von Aspcrn zum General-Major befördert, erhielt er 
eae Brigade im 6. Armeecoi-jis. An den Erfolgen desselben in der zweitägigen 
ScUwiilb« Wagram hatte Maridssy seinen ruhmvollen An theil, besonders aber 
vibrend des Rückzuges nach Mähren. Am 7. Juli zog sichKlenau, welcher 
&Arrieregarde der Armee machte, über Korneuburg und Stockerau und nahm 
un 9. Stellung vor Hollahrunn. Klonau'a Nachhut wurde um 9 Uhr Vormit- 
öp bd Stelzcndorf eingeholt und heftig vorfolgt; starke feindliche Abtheilungen 
inuijen auf Hoilabrunn vor und es entspann sich ein lebhaftes Gefecht. Der Feind 
«ehte den rechton Flügel des 6. Armeecorps über Fellabrunn zu umgehen. Da 
»Wlle nch Mariiissy mit dem Regimente Benjowsky-Infanteric und Gcneral- 
l^w Graf Wallmoden mit 2 Husaren-Regimenter entschlossen dem Feinde in 
J*Weg. Während der letztere denselben attaquirfe, drangMariüssy gegen den 
wti Granaten in Brand gesteckten Ort Hoilabrunn vor, vertrieb die Franzosen 
■*A einem sehr hartnäckigen Gefechte aus diesem und behauptete sich ungeachtet 
■wfcrnrrcn Angriffe bis Mittemacfit. Diese standhafte Vertheidigung von Holla- 
"Bnn verhinderte . die Franzosen zu debouchiren und unsere Armee in ihrer 
Stdlanf' zu beunruhigen, so dass sie Tages darauf ihren Rückzug ungehindert 
""•eUen konnte. In der Relation unter den Ausgezeichneten genannt, erhielt 
B*' tttlscii Jossen c General für diese That mit Armeebefehl des Generalissimus vom 
'8- Jlüiim Namen Seiner Majestät das Ritterk reuz. 

In den Schiachten bei Dresden und Leipzig bewies MariÄssy an der 
^ptw seiner Truppen grosse Einsicht, wurde im ersteren Treffen schwer verwun- 
**• im letzteren auf dem Schlachtfelde zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. 
Im JjJu-p 181Ö war er bei dem Belagerungs-Corps unter Erzherzog Johann vor 
"Nnp«n, und befehligte bis zur Übergabe des Platzes die Belagerungs-Truppen; 
dtnnfuhr er in der Friedenaepochc als Divisionär in seiner erspriesslichen Dienst- 
ieiWmg bi« Mai 1832 fort, dem Tage, wo ihm Seine Majestät der Kaiser die 



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erbetene Uebersetzung in den Ruhestand mit der Verleihung desFeldzeugmeisters- 
Charakter genehmigte. 

Der greise Krieger beschloss sein Leben zu Kaschau am 17. Juni 1846. 

SENITZEB, PaulMaria Joseph Freiherr von, General-Major, zu Freiberg in 
der Steiermark 1761 geboren. In der Epoehe einer fünf iind fünfzigjährigen Dienst- 
leistung war Senitzer's Bestreben dahin gerichtet, durch genaue Pflichterfüllung 
sich der höchsten Zufriedenheit würdig zu machen. Im bayerischen Erbfolgekriege 
diente er schon als Fähnrich bei Kolowrat-Infanterie und wohnte allen Vorfallen 
in den französischen Kriegen bei, in soweit diese mit jener Truppe zusammen- 
fielen, welcher er angehörte. Fünf Blessuren waren die Beweise seines Muthes 
und seiner Unerschi^ockenheit. Besonders brav hielt sich Senitzerin der Schlacht 
beiNovi 1799, wo es ihm gelang, durch einen muthvoll unternommenen Bajonet- 
angrifi* als Grenadier-Hauptmann den Feind vom Berge Serravalle zu vertreiben, 
in die Flanke zu fallen und so der Armee den Sieg vorzubereiten, bei welcher 
Gelegenheit er über 1000 Mann, theils österreichischer, theils russischer Truppen, 
aus der Gefangenschaft befreite. 

Im Jahre 1809 wurde Senitzer als Oberst des Infanterie -Regiments 
Benjowsky der ehrenvolle Auftrag zu Theil, den Rückzug der Armee nach der 
Schlacht von Deutsch-Wagram zu decken. Er vollführte diesen Befehl ohne 
Ablösung und erhielt gleich darauf die weitere Weisung, Hollabrunnbis auf den 
letzten Mann zu vertheidigen. Ungeachtet der heftigsten Stürme und des in Flam- 
men aufgegangenen Ortes behauptete sich der tapfere Oberst gegen alle Angrifle bis 
Mitternacht, wo ihm der Befehl zum Rück&uge zukam. Durch diese entschlossene 
Vertheidigung, bei welcher in den Höfen, Gärten und Gräben mit der äussersten 
Hartnäckigkeit gekämpft wurde, verschaffte er der Armee den Vortheil, die Nacht 
ruhig zubringen zu können, um auf dem weiteren Marsche nicht übereilt zu werden. 
Der Erzherzog Generalissimus erkannte ihm mit Armeebefehl vom 13. Juni das Rit- 
terkreuz zu, in dessen Folge Senitzer imMärz 1821 den Freiherrnstand erhielt. 

Im Jahre 1812 hatte er als Oberst und als Brigadier den meisten Gefech- 
ten mit Glück beigewohnt und die Kriege 1813 — 1815 in Italien mitgemacht. 
Als der französische General Deconchy am 2. December 1813 über Costa 
und Roverdire gegen Rovigo vordrang, wo Senitzer mit 4 Compagnien des 
Regiments zur Deckung der Schiffbrücke bei Boara als Reserve aufgestellt war, 
und ihn mit seiner Cavallerie angriff, zog sich derselbe so weit zurück, dass 
das auf dem linken Etschufer aufgefahrene Geschütz den Feind erreichen konnte. 
Deconchy' s Versuch, den Übergang zu erzwingen, wurde durch die Ent- 
schlossenheit Senitzer's nicht nur vereitelt, sondern dieser bis Rovigo zurück- 
geworfen. Wichtiger waren seine Leistungen im Feldzuge 1815, wo er als 
Geueral-Major unter Bianchi eine Infanterie-Brigade führte. Schon bei dem 



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TuTäckea der Hauptmacht übersetzte ov am 14. April bei Viguola den Panuro, 
leislreule das Lager der feindlichen Nachhut uiitl eroberte viel GopSck. In der 
gciilvtit bei Tolenlino (2. und 3. Mai) commandirte Senitzer eine der beiden 
Linieu-lnfanterie-Hrigaden, und zwar: '2 Bataillone Chasteler, 1 Bataillon 
llillcr, 1 Bataillon Wacquaiit, 1 BatailEoii Simbschen und 1 Schwadron 
Dngoner; «r stand auf dem linken Flügel auf den Höhen Torwarts Madia; am 
ibeod des ersten Tagea warf er Murat's rechte Colonne, welche sich zu nahe 
u Biancbi's Hauptatellung gewagt hatte, über Vedüva und Canto-Gallo in die 
WÜder von Monte Milone zurück. Am folgenden Tage wies er dieses Königs 
AugrilTe auf die Höhen von Madia blutig ab, uud setzte nach gewonnener Schlacht 
dem Feinde auf Civilanuova nach. Hierauf schloss er die Festung Peacara ein, wo 
Neipolitani mit einigen hundert Mann befehligte. Da einer Aufforderung zur 
tberj^ube des Platzes kein Gehör gegeben wuide, liess Senitzer am 35. Mai die 
■JMbiWBUng beginnen und V' orberei tu ngen zum Sturme treffen. Indess fügte sich 
^^■ApmnandaJit bald in die Noth wendigkeit uud capitulirte am 28. Mai. Achtzig 
^^^HBtee, reiche Vorräthe an Munition und Lebensmitteln fielen in Scnitzcr's 
Hlade; die kriegsgefaugene Besatzung, 50 Oö'iclere und ÖIO Mann, wurde nach 
Nttpcl abgeführt. 

Der brave Krieger kamdauu zu der Occupaticms-Armce nach Frankreich, wurde 
'om!*»pste, den Köm'gon von Neapel und Sardinien mit Orden ausgezeichnet und auf 
^fxim .\nsuchen im April 1826 zum Festungs-Commandantcn in Essegg ernannt. 
Hitr bctchloss er seine elirenvolle Laufbahn am 20. Juni 1830 im 70. Lebensjahre. 

liRl£S, Franz Freiherr von, Uberet- Lieutenant, zu Mecheln geboren, war als 
Soiiluankind in derAntwerpenoi' Stiftung erzogen und 1782 als Fourier in die Armee 
KMnMeiL Raäitoser Eiler, ausgezeichnete Tapferkeit und die zahlreichen Gelegen- 
Ititeii Tor dem Feinde wii-ken zu kjinncn (Grios hatte an allen FeJdzügen von 
1785 und 1789 bis 1815 Theil genommen, 16 Hauptschlachten, viele Gefechte und 
"ä fielsgerungeu mitgemacht), hoben ihn rasch empor, und während er die Feld- 
iBge gegen die Pforte noch als Adjutant bei de Lignc-Infantcrie mitmachte, war 
f im Jahre 1799 bereits Hauptmann und 1809 Major bei Chaatclcr-Infanterie. 

iiä Prcsaburg führte Gries jene beherzte That aus, welche das Ordens- 
^ild im Jahre 1810 mit dem Ritterkreuze lohnte. Am 8. Juli 1809 hatten 
oiefruuoeen die Verschanzungen der alten Aue vor Pressburg angegrifTen, das 
•Ö Vorposten gestandene Landwehr-Bataillon Clary zurückgeworfen, und waren 
"1" diesoin und der in der Flesche als Besatzung commandirten Abtheilung des 
napneat« Sirassol do gleichzeitig in die Verschanzungen eingedrungen. Es war 
"BD Feiode leicht, über die Brücke in die vor dem Brückenköpfe aufgeführte 
SciiMw XU dringen und diesen zu bedrohen. Major Grica, der die Folgen 
w^ch erwogen hatte, bcfalil dem Unterlieutcnant Pürker die Fliehenden zu 



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sammeln/ indess er selbst mit nur fünf und zwanzig Mann auf eine 20 Schritte 
vor ihm gestandene feindliche Compagnie mit einem nur den Helden eigenen 
Muthe und Zuversicht sich stürzt e^ dass der Feind, ungeachtet des vom linken 
Flügel der Verschanzung angebrachten Kartätschenfeuers, aus der Flesche gewor- 
fen und ihm die bereits eroberten Haubitzen wieder abgenommen würden. So 
war die Ordnung in der Verschanzung bis zur Ankunft des General-Majors von 
Bianchi, der mit dem Landwehr-Bataillon Ungerhofer, und sein Adjutant 
Lieutenant Vogel (nunmehriger Feldmarschall-Lieutenant) mit einem Bataillon 
Lusignan zur Unterstützung herbeieilten, wieder hergestellt, und dem Major 
Gries sowohl die Erhaltung der Schanze, wie auch jene des Brückenkopfes zu 
danken. Noch vor Beginn des Angriffes hatte Corporal Joseph Hirzer seines 
Bataillons den Commandanten der feindlichen Abtheilung gefangen genommen; der 
Feind selbst war nicht volle fünf Minuten Meister des Brückenkopfes gewesen. 

Während des Feldzuges 1813 und 1814 mit dem Regimente bei der Armee 
von Innerösterreich eingetheilt, erwarb sich Gries bei der standhaften Vertheidi- 
gung der Feistritzer Brücke, wo er sich bei der zweimaligen Bestürmung des 
Dorfes besonders hervorthat, erneuertö Anerkennung, und wurde nicht nur unter 
den Ausgezeichneten genannt, sondern auch zum Oberst-Lieutenant befördert. 

Gries starb zu Verona am 23. December 1819, seit Jänner 1814 in den Frei- 
herrnst^d erhoben. 

RüEBER von Ruebersburg, Heinrich Freiherr, General-Major, Sohn 
des im Jahre 1829 verstorbenen General-Majors und Festungs-Commandanten 
Franz Xaver von Rueber, einer alten adeligen Familie entsprossen, deren 
Glieder als brave Krieger dem Staate gute Dienste geleistet hatten, war zu Leipnik 
in Mähren am 20. Jänner 1785 geboren. Noch nicht dreizehn Jahre alt, trat er 
als Cadct in das 7. Infanterie-Regiment Schröder, mit welchem er die Feldzüge 
1799 bis 1801, dann 1805 mitmachte und zum Oberlieutenant vorrückte. 

Schon in der letzteren Campagne ward Rueber als Compagnie-Comman- 
dant im Armeebefehl öffentlich belobt, da er den Laufgraben vor den Verschanzun- 
gen bei dem Eingange des Thalweges nach Colognola bassa in der Schlacht von 
Caldiero am 31. October mit grosser Tapferkeit vertheidigte. 

Im Jahre 1808 in das 4. Jäger-Bataillon übersetzt, wurde Rueber nach der 
Schlacht von Aspern mit einer Jäger- Abtheilung zu dem vom Oberst-Lieutenant 
Scheibler commandirten Streif commando beordert. Dieses zählte 1500 Mann aller 
Waffengattungen und hatte die Bestimmung, die Franzosen und ihre Verbündeten 
in Rücken und Flanken zu beunruhigen, was auch durch mehrere Überfalle^ 
Befreiung der Gefangenen, Aufhebung von Verpflegs- und Munitions-Transporten, 
ja selbst durch Alarmirung des bei Eatzbach nächst Linz gestandenen bayerischen 
Armeecorps unter dem Commando des Kronprinzen geschah, welcher bei einer 



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Recognoscirung nächst Steyereck der ihm gestellten Falle nur mit Noth entgehen 
konnte. In der Fortsetzung dieser Streifztige bei Mauthausen angelangt, fand 
man, dass an dem Puncte, wo die Enns in die Donau mündet, die sogenannte 
Tabor-Insel mit einem Fort und starken Verschanzungen versehen war, damit 
die französische Armee für den Fall einer Niederlage in dieser Gegend den Rück- 
zug nach Böhmen um so sicherer bewerkstelligen könne, als sich dem Brücken- 
schlag gar keine Hindernisse darboten. Oberst-Lieutenant Scheibler beschloss 
diese Verschanzungen durch einen Überfall zu nehmen und zerstören zu lassen; 
es wurden im Geheimen Lastschiffe requirirt und in der Nacht vom 4. auf den 
5. Juli 1809 die Ausführung festgesetzt. Eine starke Abtheilung Jäger, 2 Com- 
pagnien von Mitrowsky-Infanterie Nr. 40 und 2 Compagnien von einem Frei- 
Bataillon als Reserve, dann eine Abtheilung Latour-Chevauxlegers wurden also 
zu diesem kühnen Vorhaben eingeschifft Oberlieutenant Ruober führte das Avant- 
garde-Schiff; dem Fort sich nähernd, wird er mit Kanonenschüssen empfangen; 
eine Kugel dringt in den Hintertheil des Schiffes und verursacht unter den Schiffs- 
leuten panische Verwirrung und Muthlosigkeit, so dass es ohne Lenkung unfehl- 
bar in Grund gebohrt werden muss, zumal man auch schon in den Bereich des 
Kleingewehrfeuers angelangt war. Die ganze Unternehmung drohte zu miss- 
lingen. Aber Rueber verlor die Geistesgegenwart keinen Augenblick; entschlos- 
sen springt er über Bord, erfasst die Leine und zieht das Schiff an das Ufer. Hier 
wird sogleich unter dem heftigsten Gewehr- und Kanonenfeuer gelandet und auf 
die Verschanzung losgestürmt; der Angriff, zweimal abgeschlagen, gelingt das 
dritte Mal; man gelangt zur Kehle des Forts, erbricht deren Thore, dringt im 
grössten Handgemenge in dasselbe und die ganze Besatzung, Bayern und Franzosen 
mit ihren Officieren, ihrer Artillerie und deren Bespannimg, muss über die Klinge 
springen. 

in diesem blutigen Kampfe blieben 2 Officiere und eine namhafte Anzahl 
unserer Krieger auf dem Platze; Rueber erhielt eine bedeutende Verwundung. 
Da er zu dieser schönen That nur eine allgemeine Instruction erhielt, und es seiner 
Einsicht überlassen blieb den Coup auszufuhren oder fallen zu lassen, wenn er den 
Feind vorbereitet findet, was auch der Fall war, so ward ihm im Capitel vom 
Jahre 1810 für diese tapfere Handlung das Ritterkreuz und in Folge dessen im 
Jahre 1814 der Freiherrnstand zu Theil. 

Als Hauptmann des Infanterie-Regiments Johann Jellachich kämpfte 
Rueber in den Feldzügen 1813 bis 1815, wo er manche schwere Wunde davon- 
trug, sich aber auch bei Bassano am 26. October 1813 erneuert hervorthat. Mit 
zwei Compagnien hatte er bei der Vorrückung der 6000 Mann starken feindlichen 
Division Palombini die Hauptstrasse von.Castelfranco nach Bassano unter Oberst 
Bretschneider von Frimont-Husaren der Art durch mehrere Stunden und durch 
mehrere wirksame Angriffe mit dem Bajonete auf den in Colonnen vorgerückten 

66* 



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4 

Feind vertheidiget, dass derselbe geworfen und abgehalten wurde Bassano zu neh- 
men^ auch sich endlich zurückziehen musste. 

Der tapfere Rueber avancirte in der Folge bis zum Obersten und musste im 
Jahre 1840 seiner durch viele Blessuren geschwächten Gesundheit wegen als 
General-Major in den Ruhestand treten. 

NEDECZKY von Nedecz, "Anton Freiherr, Major, war zu Nedecz im Trent- 
schiner Comitate 1760 geboren und hatte im April 1778 seine Laufbahn als Gemei^ 
ner im Husaren-Regimente Graf H a d i k Nr. 6 (gegenwärtig König von Württem- 
berg) begonnen. Im October 1790 marschirte er als Wachtmeister nach den 
Niederlanden, und nahm an allen aus der französischen Revolution hervorgegan- 
genen Kriegen den thätigsten und rühmlichsten Antheil. Das tapfere Verhalten im 
Feldzuge 1793, namentlich in der Schlacht bei Aldenhoven, brachte ihm die 
silberne Tapferkeits-Medaille. Er avancirte im Mai 1794 zum Unterlieutenant 
und im Februar 1799 zum Oberlieutenant im Regimente. 

Im Jahre 1805 war Nedeczky, seit November 1804 bereits Schwadrons- 
Commandant, bei der Armee in Deutschland, eben so im Jahre 1809. Am 22. Mai 
dieses letzteren Jahres stand er mit der Oberst-Lieutenants-Division im Centnim 
des vorgerückten Armee-Reservecorps, mit dem linken Flügel an ein Infanterie- 
Bataillon gelehnt. Eben mit seiner Schwadron zum Plänkeln beordert, griff 
eine Abtheilung französischer Kürassiere die zur Unterstützung aufgestellte zweite 
Schwadron und ein Infanterie-Bataillon mit Ungestüm an und brachte beide zum 
Weichen. Die Gefahr erkennend, sammelte Nedeczky schnell seine Schwadron, 
führte sie im Rücken und in die Flanke des Feindes und attaquirte, während sein 
vierter Zug die herbeieilende Unterstützung in die Flanke nahm und in Unord- 
nung brachte, an der Spitze der andern drei Züge mit so herzhafter Bravour, 
dass das Infanterie-Bataillon gerettet und die Stellung behauptet wurde. Erneuerte 
Gelegenheit zur Auszeichnung fand Nedeczky am 9. Juli in dem Rückzugs- 
gefechte bei Ho Ilabrunn. Während die österreichische Armee unter dem 
feindlichen Geschützfeuer retirirte, rückte ein halbes französisches Grenadier- 
Bataillon im Sturmschritt gegen eine nur schwach besetzte, für unsere Abthei- 
lungen wichtige Anhöhe vor, von welcher aus die sich zurückziehenden Truppen 
theils gänzlich abgeschnitten, theils flankirt werden konnten. Den Grenadieren 
waren in geringer Entfernung zwei gleich starke Unterstützungs-Abtheilun- 
gen gefolgt. Ungeachtet der Feind alle Terrainvortheile für sich hatte, griff 
Nedeczky an der Spitze seiner Husaren das Carr^ dieser französischen Grenadiere 
auf drei Seiten zugleich an und sprengte es völlig, indess gleichzeitig eine 
Abtheilung seiner Schwadron gegen die Unterstützungs-Truppe vorrückte und 
diese so lange aufhielt, bis er seine Schwadron wieder formiren konnte. Ein eben 
50 herzhafter Angriff befreite den gefährdeten Punct auch von der Unterstützung, 



Ifl4f) 



«n4 awei bereits in feindliche Hände gerathene Kanonen wurden gerettet. Dieae 
|Unzeniie Waffenthai verscIiatFte dem Tapferen im Capitel vom Jahre I81Ü das 
Ritterkreuz und 1812 den Freibennstand. 

Noch in diesem Jahre Krankhetts halber mit Majora-Cliar akter in Ruhestand 
Tvrsetzt, gah Nedeczky, welcher durch eigenes Verdienst vom Gemeinen bis 
niu KittmeiBtor sieb binanfgesebwungen hatte, während seiner 34jährigen Dienst- 
ittt so viel Proben persönlicher Tapferkeit und Unerschrocken heit, so wie mil!- 
Oiui^en Überblickes, richtiger Beui-theihnig und Anwendung seiner Kräfte auf Zeit 
ud ümstÜDde, dass er sich im Regtmcnte den uiibestritlencn Ruf eines der ersten 
Solditen erwarb. In jeder Affaire suchte er, von wahrem militärischen Geiste 
bMpcJt, Gelegenheit Eur Auszeichnung und wusste durch sein Beispiel belebend 
nDit ermunternd auf seine Mannschaft zu wirken. Ncdeczky starb auf setner 
Urnen Besitzung Betzko im Trentschiner ComJute am 31. Oetober 1852. 

REÜSS-PUüEN, Heinrich XV. Fürst zu, Feldmarschall, Inhaber des 17. In- 
fiMcrie-Regiments, in der väterlichen KesidenzGreiz geboren, hatte seine glänzende 
LnfbiJiD bei dem Inlanterie-Hegimente Hessen-Darnistadt Nr. 35 im März 1766 
b^Donen. Uiescr ausgezeichnete und tapfere Fürst blieb dem Kaiserhause unter 
tÜtn VerhXltnisson mit seltener Treue ergeben und machte sich um dasselbe hoch- 
wdiöit. 

Kaiser Joseph schätzte seine vortrefflichen Eigenschaften und ernannte 
ikn, ala er dos Commando des Heeres gegen die Türken übernommen, zu seinem 
Gaieral-Adjutanten.DerFürstrechtfertigtesehr bald das schmeichelhafte Vertrauen; 
Wo Stürme auf Scbabncz f]T88) that er sich unter den Angen des Monarchen 
«rvor, und ovancirte zum Obersten bei Wenzel Colloredo-Infanterie. Die Bela- 
pnag roD Belgrad 1789 gab ihm neue Gelegenheit sich bemerkbar zu machen, 
b^ticben dar Feldzug 1793 in den Niederlanden, wo er am 31. April mit dem 
it^imeiUo über Longucville bis unter die Kanonen von Maubeuge vorrückte und 
■■ 30. den mit 4 Compagnicn und einer Abtheilung Kiiraiczay-Chevauxlegers 
^Mttkn Posten Oudin gegen die Angriffe des Feindes mit ausnehmender Tapfer- 
"'Ibehioptele. Dem Prinzen Coburg entgingen des Fürsten Vorzüge nicht, er 
wief iho in seine Nähe, indem er ihm die Vorrückung zum General -Major 
**MMrfRe und zum General-Adjutanten ernannte. Den Ruhm des denkwürdigen 
"»"te^echtaBbeiAvcsnea le See (12. Soptpnibcr)theilte der Fürst mit General 
^'lle^arde und dem Obersten Fürst Johann Liechtenstein. 

Im Februar 1797 zum Feldmarschall -Lieutenant befördert, blieb er als DivJ- 
""lär bei der Armee des Erzherzogs Karl und hatte persiinlicben und entschei- 
iä«dBn Antheil an dem Siege bei Stockach (25. März 1799), an jenem von 
" inierthur und von Zürich (4. Juni). In dicserSchlachtconimandirte der Fürst 
^ IBiifte Colonne (10 Bataillone und 2U Schwadronen) und hielt sich iu seiner 



1046 

Stellung auf der Höhe von Seebaeh gegen Oudinot's mehrfache Angriffe mit 
ausdauernder Entschlossenheit. Im Jahre 1800 waren ihm 22^000 Mann übergeben^ 
um Tirol zu vertheidigen. Diese schwierige Aufgabe, durch die Nachtheile, welche 
die Hauptarmeen in Deutschland und Italien erlitten hatten, noch schwieriger 
gemacht, löste der Fürst doch mit vieler Umsicht, da er die Provinz bis zum ein- 
getretenen Waffenstillstände zu behaupten wusste. Die dankbaren Stände Tirols 
verehrten ihm die goldene Medaille. . 

Im Jahre 1805 finden wir den Fürsten wieder bei der Armee des Erzherzogs 
Karl und in der Schlacht von Caldiero mit dem Commando des linken Flügels 
betraut. Wie er hier am ersten Schlachttage einen kräftigen Angriff des Feindes 
aushält, der sich mit voller Macht auf ihn wirft; wie er mit ausdauernder Entschlos- 
senheit seine Verbindung mit General Nord man bewirkt; wie er ferner am 
zweiten Tage das wichtige Chiavico del Cristo, wo General Nor dm an verwundet 
und General Hieronymus Graf Coli oredo — sein Nachfolger — heldenkühn 
sich vertheidiget, durch vortrefflich angeordnete und ausgeführte Bewegungen zu 
erhalten verstanden , dies Alles ist durch den Gang jenes siegreichen Tages 
bekannt. 

Im Jahre 1809 commandirte der Feldmarschall-Lieutenant Fürst zu Reuss 
eine Division im 5. Armeecorps und erhielt bald Gelegenheit seine reichen Erfah- 
rungen in Anwendung zu bringen. Schon am 20. April bestand er nach Aufnahme 
der Brigade Bianchi, nunmehr 8 Bataillone, 16 Compagnien und V/^, Schwadron 
stark, ein glänzendes Gefecht bei Kirchdorf, dessen vortheilhafte Höhen er 
besetzt hielt. Umsonst griffen die Bayern des Fürsten Fronte mehrmals mit Nach- 
druck an, sie wurden immer zurückgeschlagen ; die Württemberger manoeuvrirten 
in die Flanke seiner Stellung, und obwohl er auf beiden Flügeln umgangen war, 
hielten seine Truppen doch mit unerschütterlichem Muthe bis 5 Uhr Abends Stand. 
Als ihm dann in Folge der ungünstigen Gefechte anderer Armeetheile bei Rohr und 
Rottenburg befohlen wurde den Rückzug nach Pfeffenhausen über Birkwang anzu- 
treten, wurde dieser in der besten Ordnung ausgeführt. Fürst Reuss liess auf dem 
Marsche die Infanterie Massen formiren und wies die zahlreiche, mehrmals anpral- 
lende feindliche Cavallerie zurück. Unter fortwährenden Gefechten durchschritt er 
das Defild bei Birkwang und führte dann die Vereinigung mit dem 5. Corps bei 
Pfeffenhausen aus. In dem Gefechte bei Neumarkt (24. April) war Reuss Com- 
mandant der ersten Colonne, welche auf Lonperg vorzurücken hatte ; er warf sich 
mit 3 Bataillonen Duka- und 2 Bataillonen Gyulay-Inianterie von Bian chi befehligt, 
auf den linken Flügel des Feindes und liess die übrigen Truppen seiner Abtheilung 
hinter diese beiden Regimenter rechts rücken, um die rechte Flanke zu verlängern 
und die linke des Feindes zu umgehen; unter dem heftigsten Artilleriefeuer debou- 
chirte der Fürst durch das Dorf Taufkirchen und wendete sich darauf gegen 
Lonperg. Dieses Manoeuvre war entscheidend, so dass Fürst Reuss, ehe noch die 



1047 



n(13.Cfllonne an dem Gefechte ThetI nehmen konnte, die Bayern unter Wrede 
B allein in die Flucht geschlagen hatte. Kach liartnä cid gern Widerstände wurden 

it von den genimntcn beiden Regimentern aus dem Dorfe und dem Walde von 

Sclienu — dem SlUtzpunete iliiei; linken Fiiigela — vertrieljen und bis jenseits 
linsclb» verfolgt ; von frischen Truppen unterstützt, entbrannte hier der Kampf 
mtt Neue. Bianchi's Truppen stutzten und fingen an sich etwas zurückzuziehen, 
lUein Fürst Reuss eilte dem General Bianehi mit 2 Bataillmien Beaulieu zu 
HUfeiuid warf sich in die Unke Flanke der Bayern, die, ohne den Angriff' zu erwar 
kSt den Rückzug antraten und von Höhe zu Höhe geworfen, zuletzt bis über Neu- 
■ukt auf die Strasse bei Eklhofen gedrängt wurden. Der Tag kostete den Bayern 
Wi Oefuigene und 2000 Todte und Verwundete; er war für den Fürsten und 

. in General Bianch! sehr ehrenvoll. Darauf unternahm er den Rückzug von 
Ekeltberg über die Enns unter den ungünstigsten Verhältnissen mit grosser 
Daattlil und geringem Verluste und vereinigte sich mit der Hauptarmec auf dem 
Hatdifeldc. 

An der Schlacht von Wagram nahm er mit dem ihm als Feldzeugmeister zuge- 

I viewaea 5. Armeeeorps, welches nur 22,000 Mann stark war, keinen Antbeil, da 
fr die Bestimmung hatte, den Biaamhcrg, die schwarze Lacke und die obere Donau 
Ui iüeras mit Beobachtungsposten zu besetzen. Desto grösser waren des Fürsten 
Vfrdienilc wälirend des Rückzugesder jVrmeeund beiZnaim, 10. bis 12. Juli. — 
Da Erzherzog Generalissimus halte am 9. Abends im Ilaupttjuartiere zu Gunters- 
dorf erfahren, dass Davoust Über Staats und Laa nach Znaim vorrücke und 
wino Aranlgarde bereÜM das Dorf Erdberg, zwei Stunden von Znaim jenseits der 
Ttuy», erreicht habe. Um die Verbindung mit Böhmen zu erhalten, niusste man 
wh noch vor des Feindes Ankunft des Defil^'s hei Znaim versichern, daher auch 
dM)[«ü!C Reservecorps der Grenadiere und der Cavallen'e sogleich aufbrach, um 
d» Höbe bei Zuaim auf beiden Ufern der Thaya zu besetzen, während die Armee 
«>r Ti|[eaanbrueh folgte. Fei dzeu gm ister Fürst Reuss, mit seinem Corps die 
Anii-reffarde bildend, wurde angewiesen, sich bei Ilollabrunn und Schöngra- 
"«fn lufs Äusserste zu halten. Schon um 9 Uhr Morgens am 10. Juli wurden 
••"i* Vorposten hinler HoUabrunn angegriffen ; er nalim hinter dem Rann von 
Gmnd i^iollung in zwei Treffen und übergab das Commando seiner Nachhut dem 
'"Wrtl-Hajor Grafen Klebelsbcrgfs.d.), derdurch standhaften Widerstand dem 
feinten die Möglichkeit verschatfle, unbehindert das Defil^ von Guntersdorf zu 
über Jetzelsdorf um U Uhr Nachts die Brücke bei Znaim zu überschreiten 
im Kussersten rechten Flügel an der Thaya, vor^värts der Stadt, Stellung 
I. Am folgenden Tage hielt der Fürst Znaim, dessen Brücke verrannuelt 
wie die Höhen hinter Klosterbruck und diesseits Teschwltz besetzt und 
^itWdigte sich sehr tapfer bis zu dem Augenblicke, als am Abend durch einen 
WiBiemtüktand die Feindseligkeiten eingestellt wurden. 



1048 

In seinen Unternehmungen kaltblütige tapfer und entschlossen, hatte Fürst 
Reu SS in allen Feldzügen unter den Augen seines erlauchten Gönners, des Erz- 
herzogs Karl, so viele Beweise ungewöhnlicher Vorzüge an Tag gelegt, dass 
der Generalissimus die langersehnte Gelegenheit mit Vej'gnügen benutzte, um ihn 
im Juli 1809, Namens Seiner Majestät, mit dem wohlverdienten Ritterkreuze 
zu schmücken. 

Die eingetretene Friedensepoche verlebte der Fürst R euss in seiner Resident 
zu Greiz, Erholung suchend, die so .viele heisse Kämpfe ihm zur Nothwendigkeit 
machten. Als aber im Jahre 1813 Osterreich dem Bunde gegen Napoleon bei- 
trat, verliess Fürst R euss das Asyl, um seine Dienste dem Kaiserhause noch- 
mals zu widmen. Er erhielt im August das Commando des gegen Bayern au/ge- 
stellten Beobachtungscorps, 2 Infanterie- und 1 Cavallerie-Division, und schloss am 
8. October mit dem bayerischen Oberbefehlshaber General der Cavallerie Grafen 
W rede zu Ried jene bekannte Übereinkunft ab, durch welche Bayern dem Rhein- 
bunde entsagte und sich verpflichtete seine Armee mit jenen der verbfindeten 
Mächte zu vereinigen. Die Verdienste, welche sieh der Feldzeugmeister um diesen 
Vertrag erworben hatte, waren von nachhaltigen Folgen und fanden in der Ver- 
leihung des Grosskreuzes voniLeopold-Orden den Ausdruck der besonderen 
Zufriedenheit seines Monarchen. Von hier berief ihn des Kaisers Vertrauen als 

■ 

General-Gouverneur nach Venedig, welches am 20. April 1814 durch Capitulation 
an Osterreich fiel. Sobald er auf diesem wichtigen Platze die entspreckenden Vor- 
kehrungen getroflfen, trat er erneuert vom Schauplatze seiner nachhaltigen Thätig- 
keit ab, wiederholt ausgezeichnet durch des Kaisers Gnade, der ihm mit dem 
Orden der eisernen Krone 1. Classe auch das goldene Civil-Ehren- 
kreuz verliehen hatte, lebte dann einige Jahre zu Greiz, bis ihm nach Hiller's 
Tode das General-Commando in Galizien übertragen worden. Hier wirkte er zur 
Zeit der Erhebung der Donaufürstenthümer mit der ihm angeborenen Energie zum 
Besten des Staates und zog sich endlich im October 1824 ganz in das Privatleben 
zurück. 

Kaiser Franz lohnte die 58jährigen aufopfernden Dienste mit der Feld- 
marschalls-Würde. Der Fürst starb zu Greiz im Voigtlande (30. August 1825) im 
74. Jahre seines thatenvollen Lebens. 

KLEBELSBERG, Freiherr zu Thumburg, Johann Nep. Joseph Graf, 
General der Cavallerie, geheimer Rath und Kämmerer, Inhaber des 4. Uhlanen- 
i-s ^icV Regiments, einem alten pöfamnehen, im Jahre 1702 zur Grafenwürde gelangten 
Geschlechte entsprössen' war zu Szoboszld in Ungarn den 30. Jänner 1 772 geboren. 
Sein Vater Prokop, im Jahre 1819 als General-Major gestorben, Hess ihn im 
November 1785 als Cadet in das Dragoner-Regiment Modena einreihen und ver- 
schaffte ihm in kurzer Zeit eine Lieutenantsstelle. Der Belagerung von Belgrad 



Li>>nte KIfibelaberjS: sohnn «Is Oberlieutenant her, und als das Wurmser'Bcbf 
insa.i-«i-Frei Corps 1793 errichtet wurde, kam er als Rittmeister in dasselbe und 
Stellte die FeldzUge bis zum Luneviller Frieden in Deutschland mit. Noch iu 
AsaBelben JaLre halte der Graf Gelegenheit erhalten, bei VerlheiJJgung des 
pMens von Killstädt sicli auszuzeichnen, wobei er verwundet wurde; nicht 
■und er brav focht er im Jahre 1794 bei Rheingeiibeim und hei der Belage- 
rag »on Kehl. Im Juli 1797 zum Major befördert, brachte ihm die Schlacht 
beiSlockacb eine erneuerte Blessur und die Gefangenschaft. -welche jedoch kurze 
ZcilwShrte, und er konnte sich bald darauf auf Vorposten und bei kleinen Unter- 
nebaungen mehrfach verwenden lassen. Nach eingetretenem Frieden wurde 
fileliclüberg zu Liecliteostein-Husaren übersetzt und im Jahr« 1805 zum 
Obersten bei Erzherzog KarUUhlanen beftirdert. 

An der Spitze dieses Regiments zeichnete sich Klcbelsberg bei C a I d i e r o 
nDi] im Jahre 18(19 bei Landshut aus, avancirte im Mni zum General-Major und 
tt imrde ihm eine Cavallerie- Brigade im 5. Armeecorps zugewiesen. Die Tage von 
Wi^ram. Ilollabrunn und Znaim nennen ihn unter den Ausgezeichneten. 
Vbriiij^ltch war es das Rückzugsgefecht bei Ilollabrunn und Schüngrabern 
UnlO. Juli, welches Kiebelsberg's kluge Entschlossenheit in das glänzendste 
Ucbt tteilie. Bei dem Rückzuge der Armee ^vurdo an diesem Tage im Dienste der 
Xwhhut das Corps Kien au durch jenes desFeldzeugraeistersFürstenßeuss abge- 
IW. AI» am frühen Morgen der Nachtrab Klenau'a Hollabrunu verliess, rückten 
ffo Pnuizosen durch diesen Ort vor, stiessen jenseits desselben auf die Vorposten 
fci neuen Corps und drückten diese auf einige hundert Schritte zurück. Feldzeug- 
owster RcuBs nahm Stellung in zwei Treffen hinter dem Ravin von Grund. Als 
"»chhot mit den leichten Truppen (2 Cavallerie -Regimenter, 2 JUger- und I Gra- 
(Üikuer Bataillon) wurde Kl ebelsberg vorSchöngrabern postirt, welcher reclils 
"IwUtjnr Tcschenbetg von Blankenstfin-Husaren mit 2 Schwadronen cntsen- 
JHfl, um die Vorbindung mit dem von Krems über Meiasau zurückgehenden Feld- 
■MtttAall-Lieulcnant Scimateckh zu crüfFnen und links nach Malberg zur 
'^'kiin^ dieser Flanke den Oberst-Lieutenant Baron Wi Igen heim von Erzlierzog 
SirMTilanen mit einer Schwadron und dem JägOr-Balaillon Piombazzi boor- 
""1»- Hinter Ilollabrunn stand Rittmeister St. Quentin mit 2 Schwadronen Blan- 
iOuiein.IInsarenjZudosscnAufnahmcdns Jäger- Bataillon BaroniinScIiongrabern, 
•■illith der Best der Nachhut auf einer kleinen Anhöhe hinter diesem Orte. Schon 
"* ^ I'hr Früh entwickelte sich vorwärts Ilollabrunn eine starke franzSsische 
•**>llBrie-CoIonne mit Ifi Kanouen. zu deren Tlnterstülzung ein Thcil des Corps 
^UirscbalUMaaaena kam. Unter den Generalen PI rot und Marulaz brachte 
"^Gegner anfangs n5()Ö Mann Infanterie und 3000 Reiter ins Gefecht, Letütere 
'"»teilten mehrere Angriffe, welche von dem Rittmeister St. Quentin zurück- 
wurden. Die Infanterie griff das von den Jägern unter Baroni 



1050 

vertheidigte Schöngrabern an; diese hieltea so lange Stand, bis es von dem Feinde 
mit Ilaubitzgranaten in Brand gesteckt ward. Nun zog sieb General Graf Kl e- 
belsbergen dcbiquier, Infanterie und Cavallerie nach dem Wechsel des Terrains 
einander unterstützend und ablösend, auf die Höhe hinter Grund zurück, welches 
Feldzeugmeister Reuss bereits verlassen und seinen Rückzug über Guntersdorf 
und Jetzelsdorf nach Znaim angetreten hatte. Das Dorf Grund Hess Klebeisberg 
mit 3 Compagnien Gradiskaner unter Major Simb sehen, die in der rechten 
Flanke gelegenen steilen Weinberge durch einige Jäger-Compagnien besetzen. 
Diese Stellung wurde so lange vertheidigt, bis das 5. Corps das Defil^ von Gun- 
tersdorf passirt hatte und sich Jetzelsdorf näherte. Nim mussten Klebelsberg's 
Truppen eine theilweise flache Gegend durchziehen. Der Feind suchte mit 5000 
Mann die rechte Flanke zu umgehen, doch die Standhaftigkeit des Majors Simb- 
sehen, der mit seinen Gradiskanem Massen formirte, schlug alle Angriffe zurück. 
Die beiden Regimenter Karl-Uhlanen und Blanke nstein-IIusaren, unterstützt 
von der Cavallerie-Batterie des Oberlieutenants Staniek und 8 Geschützen des 
Regiments Lindenau, führte Oberst Graf Heinrich Hardegg (s. d.) mit so 
vieler Umsicht dem überlegenen Feinde gegenüber, dass er bei Untergang der 
Sonne Jetzelsdorf erreichte. Hier hörte die weitere Verfolgung auf und K leb eis- 
berg holte mit seinen Truppen das 5. Axmeecorps ein, welches um 11 Uhr 
Nachts die Brücke bei Znaim überschritten und auf dem äussersten rechten Flü- 
gel an der Thaya, vorwärts der Stadt, Stellung genommen hatte. Dieses den Tag 
über andauernde hitzige Gefecht ward nicht nur ohne bedeutenden Verlu«t geführt, 
sondern auch der Zweck erreicht: dem 5. Armeecorps den Rückzug nach Znaim 
zusichern. Seine Majestät der Kaiser ernannte hiefür den General -Major Kle- 
belsberg mit Armeebefehl vom 24. October zum Ritter des Maria There- 
sien-Ordens. 

Im Feldzuge 1813 befehligte Klebelsberg, mittlerweile zum Feldmarchall- 
Lieutenant befördert, die 2. Division des Kürassiercorps Nostitz, schlug sich bei 
Dresden und Leipzig, kam nach dem Rhein-Ubergange zur ersten Colonne unter 



Bubnaund erhielt den Oberbefehl über alle am rechten Rhone-Ufer stehenden 
Truppen; er zog sich nach dem Treffen von St. Julien hinter die Arve, beobach- 
tete den Jura, hielt die Bewohner des Ländchens Gex im Zaume, verfolgte dann 
den französischen General Marchand auf der Strasse nach Rumilly und besetzte 
am 29. März 1814 ohne Widerstand Chambery. Im Jahre 1815 commandirte 
Kl e bei sberg eine leichte Division im 2. Armeecorps des Generals der Cavallerie 
Fürsten Hohenzollern, schloss Strassburg ein, bestand hier einige Gefechte 
und nahm Anfangs Juli Stellung zwischen dem Rhein und Fegershein. 

Die Inhabersstelle des kurz vorher errichteten 4. Uhlanen-Regiments und 
das Commandeurkreuz des Leopold-Ordens wurden ihm für dieses neuer- 
dings an Tag gelegte ausgezeichnete Benehmen zu Theil. 







December 1831 zum GeriornI der Cnvalleiie ernannt, erhielt Klebels- 
ie Stelle eines ConiiuandircDdea In Miiltreii und Schlesien, einige Jabic 
•k die eines Gouverneurs in ilei- Festung Tberesiensladt, wo er auch sein 
Leben am 1. Juni 1841 beschloss. 

HAKDEGG-GLATZ und Im Machlande, Heinrich Graf, General der Cnvul- 
l«ie, geheimer Rath und Kümmerei-, Inhaber des 7. Küraasler-Regiments, Bruder 
dsGcnerala der CavallerJe Grafen Ignaz llardegg (s, d.), war zu Wien am 
14. Jlaj 1778 geboren und daselbst am 11. Juni 1854 gestorben. So wie seine 
«cb Brüder, wählte auch Heinrich den Militöraland zu seinem Berufe, und 
nrdeim 16. Lebensjahre als Licutenani bei dem damaligen Chevauxlegers-Regi- 
HileKinHky angesteilt. 

Schon bei dem Sturme auf Gicssen am Iti. September 1796 machte sich 
BifJegg als Oberlieutcnant um das Theresienkreuz verdient, dessen Erlangung 
in j«docb durch widrige Umstünde vereitelt wurde. Er hatte zu jener Zeit aus 
Wwi Antriebe die beiden in Unordnung gebrachten Grenadier-Bataillone Cnn- 
JiiQJ nnd Abfaltern mit einer Abiheilung meines Regiments gegen den dreifach 
ilwl^nen Feiud degagirt und den bereits gefangenen General von Schellen- 
^ttg mit vielen Grenadieren wieder befreit. Mindestens fand er in der aussertoui- 
liflna Beförderung zum Rittmeister theilweise Anerkennung fljr diese That. 

Im Jahre 1809 stand Hardegg als Obersf-Lieutenant des Erzhei-zog Karl- 
bbluien -Regiments bei der Armee in Deutschland, wo er aufs Neue seinen Muth und 
ttoe^ntccUofisenheit bewährte. StetsaufVorposlen bei der Avant- oder Arricregarde 
"d »uf den wichtigsten und gelabriichsten l'unoten, welche man ihm seiner Ver- 
lüclirlikc-it wegen vorzugaweiso anvertraute, hatte er täglich Beweise ausgezeich- 
BKoi Benehmens gegeben. Jlit seltener Kühnheit sah man ihn bei jedem Gefechte 
w im Spitze seiner Truppen ruhmliche Beweise von Tapferkeit geben und seine 
TiUdI» und sein Diensteifer in Ansfijhi-ung der Entwürfe glichen ganz seiner Herz- 
'»fti^-lipit. rni Troffen bei Landshut (16. April) befand er sich mit zwei Schwa- 
dronen Uhlanen als Avantgarde der Brigade RaJetzky und atlaijuirtc die feind- 
«WArrii^regardej durch mehrere Schwadronen unterstützt, rückte er dem Feinde 
"•• Altdorf nach, wo es zu einem bis zum Abend andauernden Reitergefechte 
•*■. Nach der Schlacht bei A pscrn, in welcher Fe Idmarsc hall -Lieutenant Graf 
KItoau seiner in der Relation rühmend erwähnt, rückte Hardogg zum Obersten 
•* Coaunandanten des Regiments vor, und erntete bei Wngrani und in den Rück- 
•■«»fefechlen bei Hollabrunn unil Srböngrabern (10. Juli) die schmciehel- 
^ Wie Anerkennung des Corps- Com m 8 ndanten Feldzeugmeisters Fürsten Reuss. 
^"derletjrterenAliaire führte er auf dem Rückzuge sein Regünent und Blankenstcin- 
•""»reD, iint«rstützt von mehreren Geschützen, mit so umsichtiger Benützung des 
'Qlsia^ Jua er, bald offeoaiv vorgehend, bald sich dem feindlichen Angriffe 



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entziehend, das Vordringen des weit überlegenen Feindes beschränkte und ver- 
zögerte, und ohne bedeutenden Verlust bei Untergang der Sonne die den Rückzug 
mehr begünstigende Gegend von Itzelsdorf erreichte. Der früher verdiente Maria 
T h eres ien-Or den wurde ihm diesmal mit Armeebefehl vom 24. October verliehen. 

Der Graf trat im August des folgenden Jalires mit Beibehalt des Charakters 
aus der Armee. Als jedoch die grossen Kämpfe im Jahre 1813 begonnen hatten, 
eilte er sofort in das Hauptquartier nach Böhmen, machte die Schlacht bei Dres- 
den unter dem Erbprinzen von Hessen- Homburg mit, und wurde zu Anfang 
September als supernumerärer Oberst in das 3. Chevauxlegers-Regiment O'Reilly 
eingetheilt. Mit diesem nahm er am 18. October an der Verfolgung der Franzosen 
nach Stötteritz Theil, und rückte noch am 26. zum wirklichen Obersten bei dem 
6. Dragoner-Regimente, vor Ablauf des Jahres aber zum General-Major vor. Hier- 
auf ward ihm die Brigade des Generals Raigecourt übergeben, mit welcher er 
in der leichten Division seines Bruders Ignaz kämpfte und nach beendigtem Kriege 
Remontirungs-Inspector der Armee wurde. 

Diese Stelle versah Hardegg bis zu seinem Ableben, und erhielt 1819 fiir 
die Verdienste, die er sich um die Hebung der Pferdezucht gesammelt hatte, das 
Commandeurkreuz und kurze Zeit vor seinem Tode das Grosskreuz des 
Leopold-Ordens. 

SALIS-ZIZERS, Rudolph Graf von, Feldmarschall-Lieutenant, geheimer Rath 
und Kämmerer, Inhaber des 3. Infanterie-Regiments, dem alten rhätischen, seit dem 
Jahre 1694 reichsgräflichen Geschlechte entsprossen, war auf dem Stammgute 
Zizers im Schweizer Canton Bünden am 29. Juni 1779 geboren, und hatte frühzeitig 
auf den Schlachtfeldern Deutschlands und Italiens für Österreichs gutes Recht 
geblutet. Nachdem er die ersten Kriege gegen Frankreich als Fähnrich mitgekämpft 
und 1799 aus der Armee getreten war, erhielt er im Juli 1804 aufs Neue eine 
Hauptmannsstelle bei Hiller-Infanterie Nr. 2 und im März 1809 nlit der Beförde- 
rung zum Major das Commando des 5. Wiener Freiw^illigen-Bataillons. 

Der Tag von EbelsbergamS. Mai hat die heldenmüthige Ausdauer dieser 
Freiwilligen für alle Zeiten verewiget. Ungeachtet des hartnäckigsten Widerstandes, 
den unsere über Ebelsberg sich zurückziehenden Truppen an der Brücke dieses 
Ortes leisteten, war es den Franzosen gelungen, massenweise über dieselbe zu drin- 
gen und unser Versuch sie abzubrennen dadurch vereitelt. Inmitten dieses wüthen- 
den Kampfes, in welchem unsere braven Krieger Wunder der Tapferkeit vollführten, 
hatte das 4., 5. und 6. Bataillon der Wiener Freiwilligen hinter dem Leichenacker, 
die Stirn gegen Ebelsberg, gelagert und mit spannender Erwartung dem Abbrennen 
der Brücke entgegengesehen. Sie hatten gerade ihr Mittagsbrot verzehrt — es war 
gegen halb 12 Uhr Mittags geworden — als der Kanonendonner der Batterie neben 
dem Schlosse das Näherkommen der Feinde ankündigte. Die Bataillone, ohne 



Verhiltangsbefehle, traten aus Vorsicht insUewelir. Plötzlich stürzte der Naehtrab 
dir Österreicher, die in Ebelsberg gelochten hatten, Jn Eile aus dem Hohlwege, 
widfnuiEöaische Tirailleurs warfen sich schaarenweiae in den Leichenacker und 
in ilic nächsten Gärten. Salis und Kiiffe], Anführer der Wiener Freiwilligen, 
«r»lhen das Geschehene und den gefährlichen Plan der Feinde, den Schildberg 
n um^hen und daa österreichische Heer gegen die Donau hin aufzurollen. Uie 
lialicGefahr erheischlc einen schnellen Kntschluas, das Einholen der Befcide kostete 
nrielZeit, der Feind verstärkte sich indess und der günstige Augenblick war 
Terloren; die beiden Comniandanten waien überzeugt, dass man nur noch durch 
MMMdmellen Angritl'dcn feindlichen Plan vereiteln könne, uod wagten, durch 
^^^Hkn«s tTcbernnstinimen dcsGcistcs, jeder für sich denKampf, ohne den Ent- 
^^^^pl des andern zu kennen. Major Salis ermunterte durch wenige kraftvolle 
Worte «eineMannschaft zum Kampfe, und führte das 5. Bataillon imSturnimareche 
llüpdeni Fasse der Höhen gegen die linke Flanke und den Rücken des Fried- 
Wh und in die reehleSeite desFeindes. „Landwehrniännerl" rief Oherst-Lieute- 
■ulKUffel den Seinigen zu: „Jetzt gilt es Ehre und Vaterland, wir kämpfen 
ftr die gerechteste Sache, Gott ist mit unsl" und unter klingendem Spiele, mit 
«ebeniler Fahne, fiihrlc er sein 4. Bataillon vor und stürmte, unterstützt von 2 Com- 
pinnicn des 6, Bataillons der Wiener Freiwilligen, daa Major Managetta befeh- 
lige, den Gottesacker. Mit einem Kugelregen empfangen, stUrzten viele todt oder 
♦er*und«t nieder , und durch das neue Schauspiel überrascht, sprengte das des 
Krieges ungewohnte Bataillon in wilder Eile ans einander; vergebens war das 
Bittaa und Drohen der Officiere, ihre Stimme verhallte in dem grossen LUrm, doch 
Wnmelt Ktlffcl zum zweiten Male seine Braven und rückt gegen den Feind. In 
Schiuiiweile angelangt, erschallte sogleich das Commandowort „Feuer" zweimal 
Meh einander ; ganzeReihen von Franzosen stürzten, der Stur mm ars eh ertonte, und 
■n demselben Augenblicke knallte Musketenfeuer hinter dem Friedhofe her. Da rief 
-Mlnabcrraacht: „Unsere Brüder unter Salis, nun haben wir sie in der Millc!" 
.Vorwiri»! vorwärts!-' riefenAlIe, und von einem neuen Geiste beseelt stürzten sie 
"tiliend auf den Feind. Wälirend Küffel sie nach Ebelsberg verfolgte, rückte 
''•'i», den Hohlweg umgehend, zwischen der Strasse von GottschuUg und dem 
*äblb»chc gegen den Vormarkt im Sturmschritte vor. , Bedenkt," riofCorporal 
'^'llcrwjiiien Waffenbrüdern zu, „dass Ihr Wiener Freiwillige seid, nur als brave 
"^•gsoännor dürfen wir uns unsern Jlitbürgern wieder zeigen, für Weiher und 
^^tt Vümpfen wir hier I" In den Gössen, den Häusern und auf den Seitenwegen 
*'"'p«nn sich ein mörderisches Gefecht, Tapfer war die Gegenwehr der Franzosen, 
'* jede Hvcke, jede Mauer, jedes Haus hartnäckig vertheidigten ; aber eben so 
■WhroU und ungestüm war der .\ngriff der Freiwilü'gen, die das Beispiel ihrer 
'•plDni Führer begeisterte, und die mit wilder Erbitterung Häuser und Gärten 
Wer von den Feinden nicht schuoll die Waffen wegwarf, wurde ohne 



Erbacnten niedergcatosseii. Mehr als 600 Mano wurden von den Freiwilligen 
gefangen und von ihnen 3 Quidons (Lngerfahnen) erbeutet. 

Trotz der glänzenden Tapferkeit und der VortheüCf welche die Wiener Frei, 
"illigcn zu gleicher Zeit errangen, war dennoch der Besitz der Stadt noch nichl 
entschieden; Salis, durch einen Mühlgraben gehindert mit dem Bataillon von der.'i 
linken Seile gegen dicBriicke\-orziidringen und den in derSladthaltcndcnFranzosen j 
nach seiner Absicht deu Rückzug abzuschneiden, begab sich aufs Neue iu die schon 
vom Feinde gereinigte Vorstadt, und munterte die dort lagernden Llnien-Truppein 
auf ihm zu folgen, um die Feinde ganz vom rechton Traun-Ufer zu verdrängoiLfl 
ZumSfadtthorc gelangt, traf er da den Corps-Adjutanten Major vonPaumgartteiri 
(s. d.) in der nämlichen löblichen Absieht, und nun drangen diese beiden wackeren) 
OfEciere, unbekümmert um die drohende Gefahr, in die Stadt, und als P a u m gar 
gcföhrlich verwundet wurde, hielt Salis mitten im verheerenden Kugelregen, dift' 
Soldaten zur Ausdauer aufnnmternd, so langeStand, bis der commandirendc General' 
den Bückzug anzuordnen für noth wendig fand. DieVortlieile dieser sehr beherelen 
und einsichtsvollen That waren von grosser Tragweite : nicht nur dass der Feind' 
«ufgehaltcn wurde sieh auf die erst debouchirenden Armeecorps zu werfen, a' 
wurde denselben auch Zeit verschafft sich in ungestörter Ordnung über die Eob* 
zurückzuziehen. 

Mit gleicher Auszeichnung kämpfte Salls am 10. Juli beiZnaim. Von «Ibd 
Corpa - Conimandanten Feldzeugmeister Prinzen Ileuss, der die Arrieregarfe 
der riauptarmee führte, mit den Freiwilligen nach Immendorf detachirt, tun den 
linken Flügel dieses Corps zu cotoyireu, vollzog Salis den Befehl so gut, dasser 
bis 11. Früh um 3 Uhr den Posten behauptete. Als er sich gegen Znaim zurück- 
■ zog , zeigte es sich , dass er von der feindlichen Reiterei ganz eingeschlossen wtf, 
da das Corps schon einige Stunden früher den Marsch angetreten hafte. Iu Möm 
geschlossen imponirto er während des vierstündigen Rückzuges dem Feinde dureh 
seine Entschlossenheit in derWeise, dass dieser keinen ernatllchen Angnft'untcmalini. 
Schon war Sali» am Mühlhachc bei Znaim angelangt — da gewahrt er, dass die 
über die Thaya geachlagenc Brücke bereits abgeti-agen Ist, während ihm die feinil- 
licheu Reiter auf dem Fussc folgen. Schnell entschlossen, steigt er vom Pferde 
und springt der Erste in den durch Regengüsse hochtreibenden Fiuss — die br»™ 
Freiwilligen ihm nach und das schon verloren geglaubte Bataillon erreicht zur 
Freude und Vei-wunderung Aller die Haupttrnppe. Ermattet von der mehr »1* 
24stündigen Anstrengung, ruhte es nun auf dem Platze zu Znaim. Da sprengt dw 
Chef des General-Stabes vom 5. Armcocorps, Oberst von Geppcrt, eilend herw 
und fordert Salis auf^dle In die Stadt einzudringen suchende Cavallerie abzuhalWUt 
welche so eben das Grenadier-Bataillon Lein Ingen (a. d.) arg raitgenomroen und 
2 Kanonen erobert hatte. Rasch mit gefälltem Bajonet stürzt sich Salis mit Jen 
Freiwilligen, ohne einen Schuss zu thun, auf den Feind, wirft ihn aus der Vorstadl 



^M 



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1055 

und reitet die Stadt, von deren Besitz der Ausgang des Treffens abhiingig, wobei er 
mehrere Gefangene befreit und den Posten bis am Abend, wo derWafTenstilUtand 
bekinnt wird, behauptet. Diese herzhaften und entschlossenen Thaten wurden 
6>liB rait der Beförderung zum Oberst- Lieutenant und mit der im Capilel vom 
Jtbie 1810 erfolgten Ernennung zum Ritter des Maria Theresien-Ordens gelohnt. 

Im August 1813 zum Oberst des Infanterie- Regiments Krzhcrzog Karl, 
denen Inhaberswörfle ihm auch in der Folge zu Theil wurde, ernannt, zeichnete 
eicbS«lis in der Schlacht am Mincio am 8. Februar 1814 durch Tapferkeit 
ciiieuert aas. Bei dem Kampfe um Monzambono wurde er mit dem Hegimeute 
nd dem ersten Landwehr-Bataillon Kerpon beordert, den Feind durch eine 
Bne^ng in seiner rechten Flanke zum Verlassen der vortbcilhaften Stellung zu 
BütUgeo. Als der feindliche General Verdi er den Beginn dieser ihm gefährlichen 
(^ttion bemerkte, zog er die Division Fressinet, auf den llühen vor dem 
fiiduiOisinri aufgestellt, ganz in die Stellung von Monzambano zurück, sich mit 
den rechten Flügel an dieses Städtchen lehnend, den gleichnamigen Bach vor sich. 
8»iiä rückte nach, erreichte bald die letzten Hüben und es trennte ihn nur noch 
ÜCichmale Kiiene von Monzambano von dei* jenseitigen Aufstellung des Feindes. 
Dm 3. Bauillon Kerpen suchte die Verbindung links mit Salls zu erhalten; 
ncIiU kümpftc das Rogiment Deutschmeister mit ausdauernder Tapferkeit fort. 
Liah führte nun Balis einen Theil seiner Truppen in die Ebene, den anderen 
Theil lies» er als Reserve auf den Höhen zurück. Der Feind hatte auf den Höhen 
">n Monzambano seine Geschiilze vorthellhaft placirt und richtete aufSalis'Abthei- 
lingen ein verbeerondea Feuer; eine Verdrängung des Feindes war unter diesen 
l'nuländen wohl nichtmöglich, doch hielt Salis bis zur anbrechenden Nacht stand- 
'»ftindwexponirtenStellungausundschlugmehreroReiter-AngrilTe des Feindes ab. 

Aach den Feldzug gegen Murat im Jahre 1815 hatte er an der Spitze 
«iu» Regiments mitgemacht und avancirtc im März 1822 zum GenCral- Major. 

Bald darnach vertraute ihm Sc. MajeatSt Kaiser Franz das Amt einesDIenst- 
"omercrs bei dem Kronprinzen Erzherzog Ferdinand an, in welcher langjähri- 
»n Stellung der Graf aJch die Allerhöchste Zufriedenheit erwarb, welche in der 
< erleilmflg des Commandeurkreüzes vom Leopold-Orden Ausdruck fand. 
''Ml der Thronbesteigung Seiner Majestät Kaisers Ferdinand I. wurde Salis 
"w)!! ini Juni 1832 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, Obcrslhofmeister 
öeiDcr kaiserlichen Hoheit dos Erzherzogs Franz Karl. DIesenPostcn bekleidete 
" Ui »u seinem am 1. April 1840 zu Wien erfolgten Ableben. 

ROSZSEB von Roszenegg, Joseph Freiherr, Feldmarschall- Lieutenant, 
*" Ewejrg im Jahre 1 774 geboren, war ein Zögling der Neustädter Akademie. 

In die Epoche der erschütternden Bewegung, welche in dem letzton Decen- 
^itUB d«« vorigen Jahrhunderts von Frankreich ausging, fällt Roszner's Ein 



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in die Armee ^ da er als neunzehnjähriger Jüngling eine Fähnriehstelle bei Ulrich 
Kinsky-Infanterie Nr. 36 erhielt und diese in wenigen Jahren mit der Ober- 
lieutenants-Charge im General-Stabe vertauschte. Eine tödliche Wunde, welche 
derselbe im Treffen boiOsterach 1799 erhalten, nöthigtc ihn als Hauptmann in 
den Ruhestand zu treten. In einigen Jahren erholte er sich und konnte den Feld- 
zug 1805 mitmachen, vcrliess aber im März 1806 als Major wieder die Dienste. 

Im Jahre 1809 war Oberst-Lieutenant Roszner als Chef des General-Stabes 
den in Sachsen eingerückten kaiserlichen Truppen unter General Am Ende bei- 
gegeben. Er entwaif die Pläne zum Einmärsche nach Sachsen und zu dem in der 
Folge stattgehabten glücklichen Angriffe auf Lützen. Als sich Am Ende* bei der 
Schwäche seines Corps, durch den König von Westphalen gedrängt, veranlasst 
sah, Dresden und Sachsen zu räumen und nach einigen unbedeutenden Gefechten 
bis an die böhmische Grenze zurückzuziehen, erhielt Feldmarschall-Lieutenant 
Kienmayer über diese und die Abtheilung des General -MajorsRadivojev ich — 
welche einen Streifzug in das Baireuthische unternommen hatte — den Ober- 
befehl des daraus formirten 11. Armeecorps, und der Oberst-Lieutenant Roszner 
wurde in seiner Eigenschaft bestätigt. Es galt vor Allem: Sicherung der Festung 
Theresienstadt und Abwehrung des Feindes von Böhmen. Kienmayer erreichte 
diesen Zweck, indem er den Feind zu täuschen wusste. Während er selbst nach 
Baireuth vorauseilte, um sich mit Radivojevich zu vereinigen, übergibt er 
dem Oberst-Lieutenant Roszner die Führung einer Abtheilung, bestehend aus 
1 Bataillon Erb ach, 3 Landwehr-Bataillonen, 1 Compagnie Jäger, 1 Schwadron 
Schwarzenberg-Uhlanen, den braunschweigischen und hessischen Truppen mit der 
Weisung, über Steinichen, Chemnitz und Zwickau zu marschiren. Roszner ent- 
spricht diesem Auftrage, indem er den Feind, der bei Waldheim lagert, zu beschäf- 
tigen weiss, so vollkommen, dass er am 4. Juli zu Plauen mit Kienmayer 
und dem Corps zusammentrifft. Als dieser General hierauf die Vereinigung Juno t's 
mit dem Könige von Westphalen zu verhindern sucht und am 8. Juli vor Tages- 
anbruch von Helmbrecht über Münchberg nach Gefreed eilt, findet er den 
General Radivojevich im Kampfe mit dem Feinde. Er lässt sogleich aus einem 
Theil seiner angekommenen Truppen eine Colonne formiren, welche unter dem 
Commando des Oberst-Lieutenants Roszner dem Feinde in die linke Flanke 
fallen soll, während Kienmayer selbst denselben in der Fronte angreift. Rosz- 
ner kommt durch eine geschickte Wendung dem Gegner in den Rücken, zwingt 
ihn zur schnellen Flucht und nöthigt ihn durch seine Entschlossenheit den Hohlweg 
bei Neudorf mit Verlust von 200 Verwundeten zu verlassen. Junot flieht über 
Baireuth bis nach Amberg. Die Resultate dieses Gefechtes waren der Besitz von 
Baireuth und Franken, und die Freiheit dem Könige von Westphalen, der im 
Rücken des Armeecorps von Dresden über Schleiz vordrang, ungehindert entgegen- 
gehen zu können. Der König wird auch am 12. Juli von Kienmayer bei Plauen 



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in die Flucht gejagt, zieht sich eiligst über Schleiz, Neustadt, Kahla und Jena 
zurück und wird bis Schleiz verfolgt. Auch in diesen Gefechten wirkt Roszner 
mit gleicher Thätigkeit und Entschlossenheit. Das Ritterkreuz, welches ihm von 
Sr. Majestät dem Kaiser im November ausser Capitel verliehen wurde, lohnte 
diese sehr erspriesslichen Dienste, und es ward ihm auch in Folge dieser Auszeich- 
nung im März 1811 der Freiherrnstand zu Theil. 

In den Kriegen 1813 und 1814 war Oberst Roszner zu verschiedenen 
Missionen, dann im Hauptquartiere des Kronprinzen von Schweden verwendet, bei 
eingetretenem Frieden zum General -Adjutanten des Feldmarschalls Herzog zu 
Wü r tt e m b er g, nach dessen Ableben aber zum Festungs-Commandanten in Arad 
ernannt. Hier starb er als Feldmarschall - Lieutenant am 2. November 1844. 
Ausser dem Theresien-Orden zierten noch neun Decorationen fremder Monarchen 
die Brust dieses tapferen Kriegers, die er sich zumeist in der Zeit der grossen 
Kämpfe 1813 — 1815 mit seinem Blute erworben hatte. 

ALTUANN, Joseph Ritter von, Rittmeister, war einer von den wenigen tapfe- 
ren Kriegern, die ihrem persönlichen Muthe die schönsten Ehrenzeichen des Sol- 
daten zu danken hatten. Mährer von Geburt, erblickte er zu Sternberg am 30. Juli 
1777 das Licht der Welt. Im 17. Jahre trat er als Gemeiner in das Dragoner- 
Regiment Karaiczay (dermalen Erzherzog Karl Ludwig -Uhlanen Nr. 7) und 
wohnte den Feldzügen gegen Frankreich als Unterofficier bei. Li der Affaire bei 
Viguolo am 6. November 1799 rettete er zwei gefangene Soldaten, welche bereits 
abgeführt werden sollten, aus des Feindes Händen, indem er, einen Seiten- 
weg benützend, der Begleitung in Rücken fiel. Die silberne Tapferkeits- 
Medaille war die Belohnung für diese entschlossene That. 

Während der Schlacht bei Marengo wurde General-Major Graf St. Julien 
von mehreren feindlichen Dragonern umrungen und gefangen. Der unerschrockene 
Wachtmeister sprengte ganz allein mit ausgezeichneter Entschlossenheit auf die 
Bedeckung, hieb einen Dragoner nieder, verwundete zwei andere und jagte den 
Rest in die Flucht. Der General ward gerettet, dem braven Altmann aber 
gegen Abgabe der silbernen die goldene Medaille verliehen. 

Ln Jahre 1809 war Altmann als Oberlieutenant bei dem Armeecorps in 
Tirol, wo er sich mehrfältig hervorthat. Vorerst bei Soll am 13. Mai, als die 
Oberst-Lieutenants-Division des Regiments unter Commando des Rittmeisters Hai- 
mann in sechs mit gleicher Tapferkeit ausgeführten Attaquen von 80 auf 30 Mann 
herabgeschmolzen, den Rückzug nach Rattenberg antreten musste. Der Feind ver- 
folgte sie bis vor die Thore, welche Haimann mit den Oberlieutenants Altmann 
und Wies er absperrte und dem Verfolger das Eindringen verwehrten. Als noch 
in derselben Nacht der weitere Rückmarsch nach Schwaz angetreten wurde, liessen 
die Franzosen von der Verfolgung ab. Dann bei Murnau in Bayern am 18. Juli. 

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An diesem Tage Nachmittags 2 Uhr rückten die Colonnen des Majors Teimer 
und des Hauptmanns Baron Taxis auf der Strasse von Mumau vor um Weilheim 
zu nehmen. Der Marsch wurde zwei Stunden fortgesetzt ohne des Feindes ansich- 
tig zu werden ; als plötzlich Oberlieutenant Altmann ihn in unserer Flanke 
gewahrte ; um die Colonne zu toumiren und ihre Rückzugslinie nach Murnau 
abzuschneiden. Altmann traf sogleich durch zweckmässige Aufstellung einiger 
Jäger- und Tiroler Landesschützen-Compagnien so guteAnstalten^ dass das Unter- 
nehmen vereitelt wurde. Bald aber entspann sich das heftigste Feuer auf der 
ganzen Linie; die feindliche Beiterei warf sich wiederholt auf unser Centrum^ ward 
aber jedesmal zurückgeworfen; da unternahm sie^ unterstützt durch frisch ange- 
kommene Verstärkungen, den dritten Angriff, durchbrach die Mitte und bemäch- 
tigte sich der zwei bei den Colonnen befindlichen Geschütze. In diesem kritischen 
Momente sammelte Altmann seine zerstreuten Chevauxlegers, 20 an der Zahl, 
führte sie mit heldenmüthiger Entschlossenheit der mehrfach überlegenen feindli- 
chen Beiterei entgegen, warf sie über den Haufen, bemächtigte sich der verlornen 
Geschütze wieder und machte mehrere Gefangene. Der Feind, durch diese kühne 
Attaque überrascht, wagte keinen weiteren Angriff und rückte nur langsam gegen 
Mumau vor, wodurch unsere zerstreuten und schon abgeschnittenen Compagnien 
in dem offenen Terrain Zeit gewinnen konnten sich zu sammeln. Das Capitel vom 
Jahre 1810 würdigte diese muthvoUe That mit dem Bitterkreuze. 

Altmann diente dem Staate nur 26 Jahre; die vielen Wunden hatten ihn 
frühzeitig zur Pensionirung veranlasst. Er starb zu Unterrain bei Botzen am 
14. April 1831. 

« 

HEABOVSKY von Hrabova, Johann Freiherr, Feldmarschall-Lieutenant, 
geheimer Bath und Kämmerer, Inhaber des 14. Infanterie-Begiments, war zu Baab 
im Jahre 1779 von adeligen Altem geboren und hatte seine Laufbahn bei der 
bestandenen ungarischen Leibgarde im 17. Lebensjahre begonnen. Nachdem er 
drei Jahre in derselben gedient, wurde er im August 1797 als Oberlieutenant in das 
34. Infanterie-Begiment Davidovich eingetheilt. 

Vom Jahre 1805 an, als er Hauptmann im General-Stabe geworden, wohnte 
Hrabovsky allen Kriegen gegen Frankreich und den beiden Interventionen in 
den italienischen Staaten 1821 und 1830 mit so grosser Auszeichnung bei, dass 
zahlreiche Ehrenzeichen und anderweite Beweise kaiserlicher Huld seine eifrige 
Verwendung lohnten. 

Im Jahre 1809 war er Chef des General-Stabes bei dem Truppencorps in 
Dalmatien und machte sich so verdient, dass ihm im Capitel vom Jahre 1810 das 
Bitterkreuz zuerkannt wurde. Am 30. April 1809 griff der Feind mit seiner 
ganzen Macht die Stellung bei Gravibrod an der Zermagna an; sein Versuch 
ward jedoch durch den General Stoichevich vereitelt. Er zog sich von dort mit 



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6 Bataillonen gegen unseren linken Flügel am Gittaberge^ wo 3 Compagnien 
Szluiner standen. Hauptmann Hrabovsky erbat sieb 2 Bataillone vom General 
Stoicbevich und eilte, um des Feindes unbezweifelter Absicht eines Durch-- 
brechens an jener Stelle zu begegnen. Die Entfernung von Gravibrod bis Gitta 
beträgt in gerader Linie 2 Stunden Weges. Beim Dorfe P enter traf er auf die 
feindliche Avantgarde, engagirte trotz der Übermacht das Gefecht, behauptete, nach 
wechselseitigen Vor- und Nachtheilen, von 2 Uhr Nachmittags bis spät Abends die 
eingenommene Stellung, und zwang den Feind von seinem Vorhaben abzustehen, 
der sich auch Tages darauf, ohne etwas Ernstlicheres zu unternehmen, nachOstro- 
vizza zog. 

Den 14. Mai befand sich Hauptmann Hrabovsky in Golubich mit 2 Com- 
pagnien Szluiner. Am 15. Abends unternahm er mit dem Marco Besillo und 
Brüder Vo in vi ch (Häupter des Dalmatiner Anhanges) eineRecognoscirung gegen 
Knin in der Absicht einer zu entdeckenden Möglichkeit, diese Bergfeste zu über- 
rumpeln. Hier traf er auf mehrere Vertraute, die ihm den Einbruch der Franzosen 
auf den 16. verriethen. Zu weit vom Corps entfernt oder vielmehr von diesem 
abgeschnitten, that er, was in seinen Kräften stand. Mit 50 Freiwilligen von den 
Szluinem und 50 Dalmatinern, durch die 2 Compagnien unterstützt, überfiel er das 
Lager der Brigade des Generals Delson bei Stara-Straxa. Das Unvermuthete der 
That überraschte die Franzosen, Schrecken überfiel sie. Alles floh, und 700 Schafe, 
34 Ochsen und 10 Pferde fielen in seine Hände. Es ward Tag, der Feind sam- 
melte sich wieder, griff den Gittaberg nochmals an, brach durch, schnitt Hra- 
bovsky vom Corps ab, der mittlerweile alle versprengten Truppen an sich gezo- 
gen, den Feind cotoyirte, ihn dadurch von zu raschem Vor dringem abhielt und dem 
Corps die Retirade bisGospich erleichterte. Den 19. endlich stiess er mit den 
gesammelten 7 Compagnien zum Corps bei Gospich. So wie er da ankam, 
machte er die nöthigen Dispositionen zum kräftigen Angriff und stellte am 20. Mai 
das Corps bei Bilai in zwei Treffen auf. Am 21. liess sich die feindliche Avant- 
garde auf Kanonenschuss weite sehen ; es war nothwendig sogleich die Offensive zu 
ergreifen, welche Oberst Rebrovich auch mit Nachdruck unternahm. Während 
dem schlug der Feind bei Barletta über den Likka-Fluss eine Brücke, warf das 
Likkaner Aufgebot nach einem braven Widerstände zurück und drang ganz in 
unsere linke Flanke. Hauptmann Hrabovsky bat den Obersten Rebrovich, 
ihm 2 Bataillone nachzuschicken, indessen er mit einem Flügel Hohenzollern- 
Chevauxlegers voraus eilte um den Likka-Fluss zu durchsetzen. Bis zur Ankunft 
dieser Bataillone harcelirte er den Feind unablässig, Rebrovich aber unternahm 
seine Attaque am rechten Flügel bei Bilai. Mittlerweile stiessen die 2 Bataillone 
zu ihm, und nun griff auch Hrabovsky auf dem linken Flügel an. Nach beider- 
seitigem heftigen Feuer brach die Nacht ein und beide Theile blieben in ihrer 
Stellung. Des Nachts zog General Marmont seine ganze Macht gegen den linken 

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1060 

Flügel, um hier durchzubrechen. Hrabovsky ersuchte hierauf den Obersten 
Rebrovich, ihm auf das Schleunigste noch 2 Bataillone, 5 Kanonen und Muni- 
tion zu schicken. Kaum war am 22. der Tag angebrochen, als Marmont mit 
ganzer Kraft auf den linken Flügel fiel, welchen Hrabovsky commandirte. Dieser 
hielt sich so lange, bis um 9 Uhr Morgens die verlangte Verstärkung eintraf, und 
nun ward Alles, was den Muth der Truppen anfeuern konnte. Alles, was das Ter- 
rain Vortheilhaftes hatte, benützt, um den durch Mangel an Lebensmitteln auf das 
Ausserste gebrachten, um seine Existenz zu kämpfen bemüssigten Feind in der 
Kühnheit seiner Attaque durch eine Truppe, die zum Theü aus desorganisirten 
Land-Bataillonen bestand, aufzuhalten, was auch vollkommen gelang. Erst später, 
als die 2 Bataillone Banalisten wieder zurückkehren mussten^ ward dem Feinde 
der Weg, den er bisher vergebens zu erzwingen suchte, geöffiiet. 

Als unter dem Commando des Generals Freiherrn Peter Knesevich wie- 
der ein Corps zusammengesetzt wurde, welches gegen Dalmatien agiren sollte, 
erhielt Hrabovsky, mittlerweile zum Major befördert, abermals die Stelle als 
Chef des General-Stabes. Den 19. Juli passirte dasselbe die Grenze, den 20. kam 
es nach Osztrovizza. Scardona und Sebenico bedrohten die linke Flanke, der Feind 
kam dort in Bewegung. Major Hrabovsky eilte mit 1 Compagnie von Reisky, 
1 Compagnie vom Dalmatiner Freicorps und 1 Zug von Hohenzollern - Chevaux- 
legers nach Scardona und von dort gegen Sebenico, von wo der Feind im Vorrücken 
war. Eine Stunde vor Sebenico traf er auf denselben, griff um an und warf 
ihn in die mit hohen Mauern umgebene Stadt. Hier setzten sich die Franzosen fest, 
das Gefecht war hartnäckig und blieb unentschieden ; daher beorderte der Major 
die Compagnie von Reisky gegen das Thor und die Compagnie des Dalmatiner 
Freicorps auf der anderen Seite vorzudringen; mittlerweile nahm er selbst die 
Dalmatiner Anhänger, die sich ihm angeschlossen hatten, führte sie durch ein 
Ejreuzfeuer an die Stadtmauer und Hess hier in seiner Gegenwart eine Oflftiung 
in die Mauer brechen und durch diese den Anhang in die Stadt dringen. Der 
Feind gab auf der Stelle seine Vertheidigung auf und floh ins Fort San Nicolo, 
Hierauf wurde Zara am 23. Juli blockiiit und die wiederholten Ausfalle des Fein- 
des von unseren Truppen, welche Hrabovsky befehligte, abgeschlagen. Li dem 
von General Baron Knesevich höheren Orts erstatteten Berichte heisst es: dass 
derselbe, gegen jedes Streben inneren Selbstgefühles, die erste Grundlage des 
glücklichen Vorrückens den klugen Dispositionen des Majors Hrabovsky und 
seiner rastlosen Verwendung zu danken habe. 

Hrabovsky war schon im Jahre 1822 in den Freiherrnstand erhoben, hatte 
1837 die Stelle eines Feldmarschall -Lieutenants erreicht und war die letzte Zeit 
vor seinem im März 1850 erfolgten Ausscheiden aus den Reihen des Heeres com- 
mandirender Gei^eral in Ungarn gewesen. 



1059 

6 Bataillonen gegen unseren Unken Flügel am Gittaberge, wo 3 Compagnien 
Szlniner standen. Hauptmann Hrabovsky erbat sich 2 Bataillone vom General 
Stoiehevich und eilte, um des Feindes unbezweifelter Absicht eines Durch- 
brechens an jener Stelle zu begegnen. Die Entfernung von Gravibrod bis Gitta 
beträgt in gerader Linie 2 Stunden Weges. Beim Dorfe Pento r traf er auf die 
feindliche Avantgarde, engagirte trotz der Übermacht das Gefecht, behauptete, nach 
wechselseitigen Vor- und Nachtheilen, von 2 Uhr Nachmittags bis spät Abends die 
eingenommene Stellung, und zwang den Feind von seinem Vorhaben abzustehen, 
der sich auch Tages darauf, ohne etwas Ernstlicheres zu unternehmen, nachOstro- 
vizza zog. 

Den 14. Mai befand sich Hauptmann Hrabovsky in Golubich mit 2 Com- 
pagnien Szluiner. Am 15. Abends unternahm er mit dem Marco Besillo und 
Brüder Voinovich (Häupter des Dalmatiner Anhanges) eine Recognoscirung gegen 
Enin in der Absicht einer zu entdeckenden Möglichkeit, diese Bergfeste zu über- 
rumpeln. Hier traf er auf mehrere Vertraute, die ihm den Einbruch der Franzosen 
auf den 16. verriethen. Zu weit vom Corps entfernt oder vielmehr von diesem 
abgeschnitten, that er, was in seinen Kräften stand. Mit 50 Freiwilligen von den 
Szluinern und 50 Dalmatinern, durch die 2 Compagnien unterstützt, überfiel er das 
Lager der Brigade des Generals Delson bei Stara-Straxa. Das Unvermuthete der 
That überraschte die Franzosen, Schrecken überfiel sie. Alles floh, und 700 Schafe, 
34 Ochsen und 10 Pferde fielen in seine Hände. Es ward Tag, der Feind sam- 
melte sich wieder, griff den Gittaberg nochmals an, brach durch, schnitt Hra- 
bovsky vom Corps ab, der mittlerweile alle versprengten Truppen an sich gezo- 
gen, den Feind cotoyirte, ihn dadurch von zu raschem Vordringem abhielt und dem 
Corps die Retirade bisGospich erleichterte. Den 19. endlich stiess er mit den 
gesammelten 7 Compagnien zum Corps bei Gospich. So wie er da ankam, 
machte er die nöthigen Dispositionen zum kräftigen Angriff und stellte am 20. Mai 
das Corps beiBilai in zwei Treffen auf. Am 21. liess sich die feindliche Avant- 
garde auf Kanonenschussweite sehen ; es war nothwendig sogleich die Offensive zu 
ergreifen, welche Oberst Rebrovich auch mit Nachdruck unternahm. Während 
dem schlug der Feind bei Barletta über den Likka-Fluss eine Brücke, warf das 
Likkaner Aufgebot nach einem braven Widerstände zurück und drang ganz in 
unsere linke Flanke. Hauptmann Hrabovsky bat den Obersten Rebrovich, 
ihm 2 Bataillone nachzuschicken, indessen er mit einem Flügel Hohenzollern- 
Chevauxlegers voraus eilte um den Likka-Fluss zu durchsetzen. Bis zur Ankunft 
dieser Bataillone harcelirte er den Feind unablässig, Rebrovich aber imternahm 
seine Attaque am rechten Flügel bei Bilai. Mittlerweile stiessen die 2 Bataillone 
zu ihm, und nun griff auch Hrabovsky auf dem linken Flügel an. Nach beider- 
seitigem heftigen Feuer brach die Nacht ein und beide Theile blieben in ihrer 
Stellung. Des Nachts zog General Marmont seine ganze Macht gegen den linken 

67* 



1062 

Durch eine Familien- Verbindung mit dem Ssterreichidchen Kaiserhaose mossten, in Folge 
der gemeinsten Berechnungen, dessen Besitzungen, wenn auch nicht für immer, doch für die 
nächste Zukunft als ausser Angriff des Kaisers der Franzosen gestellt betrachtet werden. 

Welche Gründe konnten denselben zu dem von ihm an den Tag gelegten Vorhaben bewegen ? 

Wollte er von der Stunde an das Schwert in der Scheide ruhen lassen und sich auf der 
Grundlage dynastischer Interessen der Befestigung seiner Macht im Inneren seines, bereits über 
alles Mass ausgedehnten Reiches und der von diesem unter Protection genommenen Staaten wid- 
men, oder waren in Napoleon* s bewegtem Sinne seine Absichten nur auf eine zeitweilige Ruhe 
gerichtet? 

Die Lösung dieser Fragen war der Zeit allein vorbehalten, und Österreich konnte sich getrost 
auf die Fürsorge seines yäterlich gesinnten , so yielfach geprüften , in allen Gefahren der Zeit als 
unerschrocken und unerschütterlich bewährten Monarchen yerlassen. Der Kaiser bewilligte die 
Verehelichung seiner geliebten Tochter, die Ihrerseits bei ihrer Einwilligung auch nur allein das 
Wohl des Reiches ins Auge fasste. Er brachte das Opfer als ein Unterpfand des Friedens zwischen 
den beiden Reichen; und im schlimmsten Falle für die Gewinnung einer Frist, welche Österreich 
die Mittel bieten sollte, die Wunden, geschlagen durch die früheren nothgedrungenen Kämpfe, zu 
heilen und die Krafläusserung, welche eine in Nebel gehüllte Zukunft zur Sicherung und Erhal- 
tung der Monarchie in Anspruch nehmen konnte, vorzubereiten. 

Mit Ausnahme des Krieges in Spanien und Portugal und des keiner Losung sich nähernden 
Krieges mit England verhielt sich Napoleon während des Verlaufes des Jahres 1810 in militä- 
rischer Ruhe und verfolgte nur die Pläne zur Vergrösserung seiner Macht , zumeist auf dem Wege 
der einfachen, durch Decrete bekannt gegebenen Incorporationen fremder Länder in sein Reich. 

Unter die namhaftesten derselben gehörten : die Einverleibung sämmtlicher noch disponiblen 
Gebiete des Kurfürstenthums Hannover in das Königreich Westphalen, diese französische Com- 
mandite im rheinischen Bunde — (Jänner 1810) — des gesammten Kirchenstaates in Frankreich 
(Februar) — des von Bayern abgetretenen südlichen Tirols in das Königreich Italien (April) — 
endlich Hollands Und aller Gebiete der Scheide, der Maas, des Rheins, der Weser und der Elbe, 
als Departements in das französische Kaiserreich (December 1810). 

Der unter den letzteren dieser Incorporationen begriffenen Wegnahme der Hansestädte leg^ 
Napoleon insbesondere die Noth wendigkeit der Befestigung des Continental - Systems gegen- 
über von England zum Grunde. 

Im Jahre 1811 begannen sich seine Pläne auf einen Krieg mit Russland zu entwickeln. 
Bedeutende Truppenmassen bewegten sich gegen das Grossherzogthum Warschau. Danzig wurde 
als ein Hauptwaffenplatz befestigt, und deutlich zu einem Depdt für Waffen und das sämmtliche 
zum Kriege gehörige Materiale bestimmt. Alles deutete auf «inen Angriff hin, welchen Napoleon 
im kommenden Jahre gegen Russland beabsichtigte. Osterreich schien sich blos mit seinen inneren 
Verhältnissen zu beschäftigen, die Blicke des kaiserlichen Gabinetes waren aber nicht minder auf 
die in Aussicht stehenden äusseren Ergebnisse in einer nahen Zukunft gerichtet 

Dass dessen Stellung in dieser Beziehung vorerst nur eine abwartende sein durfte, war dem 
Reiche durch die Folgen der Kiiegsjahre, welche auf ihm noch schwer lasteten, geboten. Um 
indessen bei dem Ausbruche und während des Verlaufes des Krieges zwischen Frankreich und 
Russland eine selbstständige Stellung behaupten zu können, mussten die Mittel, so weit deren 
der durch die Unfälle der letzten Zeiten ganz zerrüttete Stand der Finanzen und ein beinahe bis 
auf die Cadres aufgelöstes Heer zu bieten vermochten , strenge zu Rathe gezogen und vorbereitet 
werden. Dem ersteren dieser Bedürfnisse kam das Finanz -Patent vom 15. März zu Hülfe, zur 



I 



1063 

Sicherfltellang des anderen genügte es an der Benützung der festen Grundlagen , auf welchen 
das österreichische Heerwesen ruht; die geographische Lage des Landes rief aus natürlichen Grün- 
den Yon Seiten des drohenden Frankreichs und des bedrohten Russlands einen heftigen Andrang 
auf das, Gabinet über die Bezeichnung der Stellung, welche Osterreich in dem bevorstehenden 
Kampfe einnehmen werde, hervor. Der Ausspruch des Kaisers gegenüber den beiden Mächten 
war in kurzen Worten der der Neutralität unter Aufrechthaltung der zu ihrem Schutze beno- 
thigten Mittel, unter diesem Drange verlief das Jahr 1811. 

Mit dem Eintreten des Jahres 1812 vermehrten sich die Forderungen Napoleo9*san das 
kaiserliche Cabinei 

Im Gefühle, dass der Kaiser zum Abschlüsse einer eigentlichen Allianz nicht zu bewegen 
sei, erklärte Napoleon seine Zustimmung zur bewaffneten Neutralität unter der Bedingung des 
Anschlusses eines österreichischen Hülfscorps von 30,000 Mann aller Waffenarten an die unter 
seinem Befehle sich bildende grosse Armee. £s sollte dies ein Unterpfand sein und eine Gewähr 
für die Anerkennung der Neutralität der Reichsgebiete. 

Dieser Forderung Napoleon*s, welche unläugbar das Gepräge eines gründlichen Wider- 
spruches in sich selbst trug, erachtete das kaiserliche Gabinet in Erwägung der Yortheile, welche 
deren Annahme in Bezug auf die Mobilisirung der Streitkräfte des Reiches bieten konnte, sich 
nicht entziehen zu sollen. 

Zu der Bildung eines zur Sicherung der Neutralität des kaiserlichen Territoriums auf 
einor Strecke von mehr als hundert Meilen benöthigten Grenz-Cordons trat die Ausrüstung 
eines activen Corps von 30,000 Mann sammt dessen benöthigter Reserve. Die politische Kraft 
Österreichs stärkte sich in einem gleichen Masse mit der Heeresmacht. Preussen , welches in 
Folge des Tilsiter Friedens sich in einer weit bedrängteren Lage befand als Österreich, unter- 
zeichnete am 24. Februar 1812 einen Tractat mit Frankreich, welcher die Verpflichtung der 
Stellung eines Gontingentes von 20,000 Mann in die Reihen des französischen, aus Truppen der 
versciiiedenen europäischen Nationalitäten gebildeten Liyasions - Heeres enthielt. Am 12. März 
wurde zu Paris der auf die Abgabe eines Armeecorps von 30,000 Mann bezügliche Vertrag 
zwischen Österreich und Frankreich unterzeichnet 

Zum Oberbefehle über dieses Corps berief der Kaiser den Gkneral der Cavallerie und 
spätem Feldmarschall Fürsten Karl von Schwarzenberg, welcher seit dem Abschlüsse des 
Wiener Friedens die Stelle eines kaiserlichen Botschafters zu Paris bekleidete. 

Am 9. Mai reiste Napoleon von Paris ab. Nach einem mehrtägigen Aufenthalte zu Mainz, 
welchen er der vollständigen Organisirung der zu dem verhängnissvollen Kriege bestimmten 
Mittel widmete, erreichte er am 17. desselben Monats Dresden in Begleitung der Kaiserinn 
Maria Louise, zu deren Besuch der Kaiser Franz sich ebenfalls dahin begab. Am 29. ver- 
Hess Napoleon gedachte Hauptstadt, um sich an die Spitze der am Niemen aufgestellten grossen 
Armee zu stellen. 

In einem besonderen Artikel des Traotates vom 12. März 1812 ward festgesetzt, dass das 
Hülfscorps 24,000 Mann Infanterie, 6000 Mann Cavallerie und 60 Geschütze unter keines andern 
als des Kaisers Napoleon eigenem Befehle stehen, dass es nie getrennt werden, sondern allezeit 
einen besonderen Körper bilden und jedes eroberte Ejriegszeichen oder jede Beute ihm bleiben sollte. 
Napoleon versprach für den Unterhalt dieses Corps während des Krieges wie für seine eigenen 
Truppen zu sorgen, und dass er, im Falle die Österreichischen Staaten von russischen Truppen 
früher angegriffen werden sollten, sich dadurch als selbst angegriffen ansehen und ohne Aufschub 
die Feindseligkeiten eröffnen wolle. Dai Hülfscorps wurde vor deqi Frühjahr 1812 in der Gegend 



1064 

bei Lemberg zasammengezogen; erat bei Ausbrnoh des Krieges hatte dasselbe den Namen 
Anxi Mar Corps angenommen. 

In einem Handschreiben befahl Kaiser Franz seinem Feldherm auf der Operationslinie, 
welche ihm Napoleon vorzeichnen würde, zu wirken , in allen Qelegenheiten aber, in welchen 
man ihm Zmnathungen machen sollte, die den in den Verträgen aufgestellten Bedingnissen entge- 
gen wären, sie Ton der Hand zu weisen und auf die Erfüllung der dem AuxiUarcorps zum Besten 
kommenden Verpflichtungen zu bestehen. Am Schlüsse des Handschreibens sagte der Kaiser: 
„Da die Zahl und Stärke des Auxiliarcorps durch den Tractat bestimmt wird, und es Meinem 
Staatainteresse angemessen ist, in einem Kriege, in welchem Ich nur die Pflicht der Allianz erfülle, 
nicht als Haupttheil zu erscheinen, so wird es nöthig, stets die bestimmte Grenzlinie zwischen 
Meinem Auxiliarcorps, welches Ton dem französischen Kaiser zu jeder activen Operation ver- 
wendet werden kann, und den übrigen blos zur Deckung und Vertheidigung meiner Staaten auf- 
gestellten oder aufzustellenden Corps Tor Augen zu haben, um jede damit nicht vereinbarliche 
Zumuthung abzulehnen. '^ 

Denn zu eben dieser Zeit, als das Auxiliarcorps sich in Lemberg sammelte, wurde unter 
dem Ober-Commando der Fürsten Beuss und Hohenzollern ein anderes Corps in Qalizien 
aufgestellt, welches aus 4 Divisionen oder 29 Bataillonen und 42 Schwadronen bestand und einzig 
dazu bestimmt war, bei der Nähe des Kriegsschauplatzes die österreichischen Länder gegen jede 
Verletzung des Gebietes sicher zu stellen. 

Das Auxiliarcorps hatte folgende Eintheilung: 

1. Division, Feldmarschall- Lieutenant Trauttenberg, rechter Flügel, 6 Bataillone, 
6 Schwadronen. 

2. Division, Feldmarachall-Lieutenant Bianchi, Centrum, 14 Bataillone. 

3. Division, Feldmarsohall - Lieutenant Siegenthal, linker Flügel, 7 Bataillone, 
6 Schwadronen. 

4. Division, Feldmarschall-Lieutenant Fr im ont, Reserve, 32 Schwadronen. 

Dieser Krieg gegen Bussland war in der österreichischen Armee allerdings nicht populär, 
allein der österreichische Soldat gehorcht nur der beschworenen Pflicht und erfüllt seine 
Schuldigkeit. 

Von dieser Anschauung ist jener Armeebefehl zu würdigen, den General der Cavallerie 
Fürst Schwarzenberg vor Eröffiiung der Feindseligkeiten erliess, worin er am Schlüsse sagt: 
„Wir wetteifern mit allen Nationen an Tapferkeit, an Muth und andauernder Gfeduld, aus jedem 
Kampfe , selbst dort , wo die Treulosigkeit der Verbündeten unseren Völkern tiefe Wunden 
schlug, traten wir mit Würde und erneuerter Kraft hervor. An jener Anhänglichkeit aber, an 
Souverän und Vaterland, übertrafen wir alle unsere Zeitgenossen und geboten ihnen, selbst im 
Unglücke , Achtung. Auch in diesem Kampfe , den der Staat von uns fordert , werden wir jene 
National-Tugend mit neuen Thaten, mit Männersinn und festem Vertrauen auf unsem Monarchen 
bewähren, der wahres Verdienst nicht unbelohnt lassen wird.'' 

Als Napoleon sein Heer Ende Juni über denNiemen führte, hatte Fürst Schwarzenberg 
sein Corps von Lemberg über Lublin an den unteren Bug gebracht und überschritt diesen Fluss 
Anfangs Juli. JSr bildete den äussersten rechten Flügel der grossen Armee, und rückte über 
Wisoki Litowski nach Pruszany, zu seiner linken das sächsische Armeecorps unter dem Gene- 
ral Beynier, über Byalistok nach Slonim vor. Schwarzenberg marschirte über Pinsk und 
Nieswiecz, Ende Juli gegen Minsk. Beynier nahm an der Pina und dem Muchawice die Stel- 
lungen der Österreicher ein, um das Herzogthum Warachau zu decken. Der sächsischen Brigade 



1065 

Kien gel wurde die Besetzung des fSr die Verbindung mit dem Gentium des Heeres wichtigen 
Postens Kobryn übertragen. 

Indess hatte sich in Volhynien zwischen Kowel und Lutzk eine russische Armee unter dem 
General Tormassow gebildet. Seit Ende Juni schickte dieser mehrere Streifcorps über den 
Bug in das warschauische Gebiet, die im Juli jene beiden allürten Corps im Bücken bedrohten. 
Die Generale Eamenskoy und Lambert Überfielen am 27. Juli in Kobryn die sächsische Bri- 
gade Klengel und rieben sie auf. Nun wendete sich Schwarzenberg schnell von Nieswieoz 
zurück und vereinigte sich mit Beynier. Napoleon hatte dem Fürsten den Oberbefehl beider 
Corps anvertraut In dieser Gegend deckten dieselben zunächst die Stadt Warschau gegen Tormas- 
sow, dann aber auch die rechte Flanke der grossen Armee gegen das russische Heer, mit welchem 
der Admiral Tsohitsohakow von der untern Donau herbeieilte. Fürst Schwarzenberg rückte 
im August gegen Tormassow vor, der die sehr feste Stellung zwischen Pruszany und Kobryn 
genommen hatte. Die Österreicher warfen die feindliche Avantgarde aus den Defileen der Jasiolda, 
griffen sie auch am 8. bei Sieniewice, am 10. bei Pruszany an, und erzwangen am letzteren Tage 
den Übergang durch die Moräste bei Koziebrod. Am 11. wurde der russische Vortrab auf die 
Hauptstellung bei Horodezko und Podubnie geworfen, am 12. diese angegriffen und Tormassow 
geschlagen. Auf seinem Bückzuge wurde er von den Österreichern unter mehreren Gefechten über 
den Muchawice, den Prypiate, die Wyszowka, die Turya, den Stochod und den Styr verfolgt. Als 
die ersten Truppen Tschitschakow*s im September am Styr anlangten und sich mit Tor- 
massow vereinigten, trat Schwarzenberg mit seinen beiden Corps den Bückmarschan. Am 
21. September ging die russische Avantgarde über den Styr und am 23. rückte Tsohitsohakow 
selbst gegen Schwarzenberg. Dieser zog sich über die Turya und — als ersieh bei Luboml 
mit 83,000 Mann einer russischen Macht von 80,000 Mann gegenüber sah — hinter den Bug 
zurück. Dann eilte der Fürst über Brzysc hinter den MUchawioe, und erreichte diesen Fluss früher 
a^s die Bussen auf dem jenseitigen Ufer anlangten. 

Später bezog er, zum Schutze Warschau*8, die Stellung an der Leszna. um die Mitte 
Octobers drangen schon russische leichte Truppen über Brzesc in die Nähe von Warschau vor und 
bedrohten Lublin. Der Fürst eilte über den Bug, schlug eine russische Abtheilung am Flusse Zna 
bei Bialla und verdrängte die übrigen Feinde aus dem Herzogthume. Tsohitsohakow liess 
damals bei Brzesc den General-Lieutenant Sacken mit 25,000 Mann zurück und trat mit der 
Hauptmacht den Marsch über Slonim und Minsk gegen die Beresina an, über welchen Fluss die 
von Moskau kommende grosse Armee Napoleon* s gehen musste. Als Fürst Schwarzenberg 
sich von der Marschrichtung Tsohitsohakow* s, welche jener Armee so grosse Gefahr bereitete, 
überzeugt hatte, beschloss er sogleich diese Operation des Feindes nach Kräften zu hindern. Er 
rückte Ende Octobers über den Bug, Anfangs November über den Narew, und verfolgte den 
Admiral gegen Slonim. In einem Abstände von drei Tagmärschen hinter ihm waren die Sachsen 
zurückgeblieben. Diese wurden von Sacken am 13. zwischen Budnia und Lazenica, am 15. No- 
vember bei Wolkowysk geschlagen; da kehrte Schwarzenberg um, fiel bei Isabelin Sacken 
in den Bücken, warf ihn über den Narew und Muchawice, rettete durch seine schnelle Ankunft die 
Sachsen und verfolgte die nach Budnia und Kowel zurückweichenden Bussen. Dann zog der 
Fürst wieder in Tschitschakow^s Bücken nach Slonim. Dieser hatte indess unbeirrt seinen 
Marsch über Minsk nach Boryzow fortgesetzt und half das Geschick der grossen Armee entschei- 
den. Mit dem Bückmarsche derselben in gleicher Höhe, musste auch der rechte Flügel zurück- 
gehen, um nicht abgeschnitten zu werden. Fürst Schwarzenberg marschirte daher über 
Byalistok und Grodno und stellte sich Ende December bei Pultusk. Hier blieb er zur Deckung 
Warschau*8 bis Anfangs Februar 1813 stehen und zog sich sodann hinter die Pilica gegen 
Krakau zurück. 



1066 

So erfüllte das AnziUarcorps bis auf den letzten Angenbliok mit aller Anfopfemng nnd 
Verläugnung seiner eigenen Gefühle treu und standhaft seine Pflicht , bis es im Monate Mai 1813 
aufhörte ein Ganzes zu bilden, und von seinem Kaiser auf einen anderen Kampfplatz gerufen 
wurde, um im Vereine mit seinen Waffenbrüdern und allen Heeren Europa*s für dessen XJnabhän- 
gigkeit einzustehen — und zu siegen I 



Das Jahr 1813. 

Als Napoleon das Heer am 5. December 1812 verliess, um sich nach Paris zu begeben, 
kannte — ja er ahnte nicht einmal den vollen Umfang der Opfer, welche der misslungene Feld- 
zug gegen Russland der grossen Armee gekostet hatte. 

Er hoffte, dass bedeutende Streitkräfte in Lithauen würden überwintern, oder dass dieselben 
im schlimmsten Falle die Linie der Weichsel würden behaupten können. Er übertrug das Ober- 
Commando der Armee dem Könige von Neapel, welcher aber selbes bald dem Vicekönig Ton 
Italien übertrug und sich am 16. Jänner 1813 in sein Königreich zurückzog. 

Der Erfolg rechtfertigte nicht die Hoffnungen Napoleon*s. Von der grossen Armee waren 
nur einige geschlossene Körper in den Corps, welche die Reserve gebildet und den Zug nach 
Moskau nicht mitgemacht hatten, noch übrig. Die Überreste der in Russland eingedrungenen 
grossen Armee waren seit dem Übergange über die Beresina durch die Strenge des Winters, 
durch den Mangel an Lebensmitteln und Fourage, und durch die Krankheiten gänzlich 
au%elöst. 

Die siegenden Russen schritten ihrerseits in allen Richtungen vor. Am 5. Jänner rückte der 
General Graf Wittgenstein zu Königsberg ein; am 21. zogen die Reste des französischen 
Heeres durch Berlin; am 22. verliess der König von Preussen Potsdam und zog sich nach Bres- 
lau zurück; am 15. Februar schlug Wittgenstein sein Hauptquartier zu Kaiisch auf; am 28. 
desselben Monats wurde daselbst — nachdem das preussische durch den General von York befeh- 
ligte Corps in Ostpreussen schon zu Ende des Jahres 1812 zu der russischen Armee übergetreten 

• 

war — der Allianz-Traotat zwischen Preusseii tmd Russland unterzeichnet 

Seit seiner Rückkehr nach Paris (im December 1812) strengte der Kaiser Napoleon alle 
Kräfte seines Reiches zur Fortsetzung des Krieges gegen die verbündeten Mächte: England, Russ- 
land und Preussen, an, und forderte die Fürsten des Rheinbundes zu gleichen Anstrengungen 
auf. Am 12. Jänner 1813 erschien ein Senatus Consult zur Aushebung von 350,000 Mann auf den 
französischen Gebieten. Bedeutende Streitkräfte wurden aus Spanien zurückberufen und alles 
deutete auf den festen Entschluss Napoleon's, nicht allein die Scharte, die seine Macht im 
Jahre 1812 erlitten, auszuwetzen, sondern seine Oberherrschaft auf dem europäischen Continente 
durch erneuerte Anstrengungen zu sichern und durch einen umfassenden Frieden schluss- 
gültig zu besiegeln. 

Wenn Österreich bis jetzt unerschütterlich auf dem politischen Standpuncte stehen geblie- 
ben war, den es im Jahre 1811 vorbereitet und im Jahre 1812 festgehalten hatte, so lag es doch 
am Tage, dass der Begriff der — durch die Einreihung eines Hülfscorps in das grosse französische 
Heer — beschränkten Neutralität auf den Stand der Dinge, wie er sich eben gestaltet hatte, nicht 
mehr passte, und es war diese Wahrheit zu tief in der Natur der Dinge gegründet, um nicht von 
dem kaiserlichen Cabinete und wohl ebenso von Napoleon gefühlt zu werden. Die moralische 
wie die materielle Kraft Österreichs war durch die Unfälle, welche die französischen Heere im 



1057 



ädieFlacht gejagt, zieht sich eiligst über Schleiz, Neustadt, Kahla and Jena 
•Bifiek and wird bis Schleiz verfolgt. Auch in diesen Gefechten wirkt Roszner 
uI^dcLcrThätigkeit und Entschlossenheit. DasRittorkrouz, welches Ihm von 
6r. Uajeslät dem Kaiser im November ausser Capitel verliehen wurde, lohnte 
£m «ehr erspiiesslichcn Dienste, und es ward ilim auch in Folge dieser Auszeich- 
Bmgim März 1811 der Frciherrnatand zu Theil. 

In den Kriegen 1813 und 1814 war Oberst Koszaer zu verschiedenen 
XiKianea , dann im Hauptquartiere des Kronprinzen von Schweden verwendet, bei 
angetretenem Frieden zum General- Adjutanten des Feldmarschalls Herzog zu 
Württemberg, nach dessen Ableben aber zum Feätungs-Commandanton in Arad 
BUDOt. Hier starb er als Feldmarschall - Lieutenant am 2. November 1844. 
Anw dem Theresicn-Orden zierten noch neun Decorationen fremder Monarchen 
diB Brut dieses tapferen Kriegers, die er sich zumeist In der Zeit der grossen 
SiUpfe 1813 — 1815 mit seinem Blute erworben hatte. 

ALIHANN, Joseph Ritter von, Rittmeister, war einer von den wenigen tapfe- 
ita Kriegern, die ihrem persönlichen Muthe die schönsten Ehrenzeichen des Sol- 
duea ta danken hatten. Mährer von Geburt, erblickte er zu Sternberg am 30. Juli 
1777 das Liebt der Welt. Im 17. Jahre trat er als Gemeiner In das Diagoner- 
Bt^enl Karaiczay (dermalen Erzherzog Karl Ludwig - Uhlanen Nr. 7) und 
nbole den Feldzügen gegen Frankreich als Unterofficier bei. In der Affaire bei 
'i^Io am 6. November 1799 rettote er zwei gefangene Soldaten, welche bereits 
■bgeTüfart werden sollten, aus des Feindes Händen, Indem er, einen Seiten- 
v<^ beatitzcnd, der Begleitung In Rücken fieh Die silberne Tapferkoits- 
Xadaille war die Belohnung für diese entschlossene That. 

Während der Schlacht bei Mareugo wmde General-Major Graf St. Julien 
i)B mehreren feindlichen Dragonern umrungon und gefangen. Der unerschrockene 
"lehtiacieter sprengte ganz allein mit ausgezeichneter Entscldoascnhcit auf die 
Swoctung, hieb einen Dragoner nieder, vei'wundete zwei andere und jagte den 
»Mt ia die Flucht. Der General ward gerettet, dem braven Altmann aber 
K^ti Abgabe der silbernen die goldene Medaille verliehen. 

Im Jahre 1809 war Altmann als Oberlleutonant bei dem Armeecorps in 
^wl» wo er sich mohrfaltig hervorthat. Vorerst bei Soll am 13. Mai, als die 
""••nt-Lieutenants- Division des Regiments unter Commando des Rittmeisters Hai- 
■»On in secha mit gleicher Tapferkeit ausgefulirten Attaijuen von 8Ü auf 30 Mann 
■"^Jeschmolzoa, den Rückzug nach Rattenberg antreten musste. Der Feind ver- 
"'K'^iie bis vor dio Thore, welche Halmann mit den Oberlieutenants Altmann 
"""dieser absperrte und dem Verfolger das Eindringen verwehrten. Als noch 
•" oerBclben Nacht der weitere Rückmarsch nach Schwaz angetreten wurde, Hessen 
"i* nwiBosen von der Verfolgung ab. Dann bei Murnau in Bayern am IH. Juli. 



1058 

An diesem Tage Nachmittags 2 Uhr rückten die Colonnen des Majors Teimer 
und des Hauptmanns Baron Taxis auf der Strasse von Mumau vor um Weilheim 
zu nehmen. Der Marsch wurde zwei Stunden fortgesetzt ohne des Feindes ansich- 
tig zu werden; als plötzlich Oberlieutenant Altmann ihn in unserer Flanke 
gewahrte ; um die Colonno zu toumiren und ihre Rückzugslinie nach Mumau 
abzuschneiden. Altmann traf sogleich durch zweckmässige Aufstellung einiger 
Jäger- und Tiroler Landesschützen-Compagnien so gute Anstalten^ dass das Unter- 
nehmen vereitelt wurde. Bald aber entspann sich das heftigste Feuer auf der 
ganzen Linie; die feindliche ßeiterei warf sich wiederholt auf unser Centrum, ward 
aber jedesmal zurückgeworfen; da unternahm sie, unterstützt durch frisch ange- 
konmuene Verstärkungen, den dritten Angriff, durchbrach die Mitte und bemäch- 
tigte sich der zwei bei den Colonnen befindlichen Geschütze. In diesem kritischen 
Momente sammelte Altmann seine zerstreuten Chevauxlegers, 20 an der Zahl, 
führte sie mit heldenmüthiger Entschlossenheit der mehrfach überlegenen feindli- 
chen ßeiterei entgegen, warf sie über den Haufen, bemächtigte sich der verlornen 
Geschütze wieder und machte mehrere Gefangene. Der Feind, durch diese kühne 
Attaque überrascht, wagte keinen weiteren Angriff und rückte nur langsam gegen 
Mumau vor, wodurch unsere zerstreuten imd schon abgeschnittenen Compagnien 
in dem offenen Terrain Zeit gewinnen konnten sich zu sammeln. Das Capitel vom 
Jahre 1810 würdigte diese muthvoUe That mit dem Ritterkreuze. 

Altmann diente dem Staate nur 26 Jahre; die vielen Wunden hatten ihn 
frühzeitig zur Pensionirung veranlasst. Er starb zu Unterrain bei Botzen am 
14. April 1831. 

HEABOVSKY von Hrabova, Johann Freiherr, Feldmarschall-Lieutenant, 
geheimer Rath und Kämmerer, Inhaber des 14. Infanterie-Regiments, war zu Raab 
im Jahre 1779 von adeligen Altem geboren und hatte seine Laufbahn bei der 
bestandenen ungarischen Leibgarde im 17. Lebensjahre begonnen. Nachdem er 
drei Jahre in derselben gedient, wurde er im August 1797 als Oberlieutenant in das 
34. Infanterie-Regiment Davidovich eingetheilt. 

Vom Jahre 1805 an, als er Hauptmann im General-Stabe geworden, wohnte 
Hrabovsky allen Kriegen gegen Frankreich und den beiden Interventionen in 
den italienischen Staaten 1821 und 1830 mit so grosser Auszeichnung bei, dass 
zahlreiche Ehrenzeichen und anderweite Beweise kaiserlicher Huld seine eifrige 
Verwendung lohnten. 

Im Jahre 1809 war er Chef des General-Stabes bei dem Truppencorps in 
Dalmatien und machte sich so verdient, dass ihm im Capitel vom Jahre 1810 das 
Ritterkreuz zuerkannt wurde. Am 30. April 1809 griff der Feind mit seiner 
ganzen Macht die Stellung bei Gravibrod an der Zermagna an; sein Versuch 
ward jedoch durch den General Stoichevich vereitelt. Er zog sich von dort mit 



(BitMllonen gegen unseren L*nkeQ Flügel am Gittaberge, wo 3 Compagnicn 
Bd^er standen. Hauptmann Hrabovaky erbat sich 2 Batailionc vom General 
Stoiohevich und eilte, um des Feindes unbezweifelfer Absieht eines Durch- 
brecbeits an jener Stelle zu begegnen. Die Entfernung von Gravibrod bis Gitta 
b«%t in gerader Linie 3 Stunden Weges. Beim Dorfe Peiiter traf er auf die 
fändliehe Avantgarde, engagirte trotz der Übermacht das Gefecht, behauptete, nach 
vecbeUeitigcn Vor- und Nachtheilen, von 2 Uhr Nachmittags bis spät Abends die 
BBgenommene Stellung, und zwang den Feind von seinem Vorhaben abzustehen, 
dedel) auch Tages darauf, ohne ct^as Ernstlicheres zu unternehmen, nachOstro- 
rimtog. 

Den 14. Mai befand sich Hauptmann Hrabovsky in Golubich mit 2 Com- 
pigiiien Sdoiner. Am 15. Abends unternahm er mit dem Marco Beslllo und 
Brüder Vo i n o vi c h (Häupter des Dalmatiner Anhanges) eine Recognoscirung gegen 
Knin m der Absicht einer zu entdeckenden Möglichkeit, diese Bergfeste zu über- 
niiii[«In. liier traf er auf mehrere Vertraute, die ihm den Einbruch der Franzosen 
Mf den IG. verriethen. Zu weit vom Corps entfernt oder vielmehr von diesem 
ibgtictiaitten, that er, was in seinen Kräften stand. Mit 50 FreiwDligen von den 
8^uincrn und 50 Dalmatinern, durch die 3 Compagnien unterstützt, Uberiicl er das 
Ligfr der Brigade des Generals Delson beiStara-Straxa. Das Unvermuthete der 
Tbtt überraschte die Franzosen, Schrecken überfiel sie